Mehrheit der Oberzent-Stadtverordneten sieht keine Notwendigkeit für eine Katzenschutzverordnung

In Oberzent wird es vorerst keine Katzenschutzverordnung geben. Ein entsprechender Antrag der Grünen, das Thema im zuständigen Ausschuss zu beraten, scheiterte in der Stadtverordnetenversammlung mit 14:16 Stimmen bei einer Enthaltung. Dem Punkt wurde von der Mehrheit des Gremiums derzeit keine Priorität beigemessen. Auch sah man aktuell keinen Handlungsbedarf, weil es keine Massen an freilebenden oder herrenlosen Katzen auf der Gemarkung gebe. Die Antragsteller waren anderer Meinung und verwiesen auf Aussagen aus den Tierheimen.

„Der Bestand ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen“, begründete Thomas Väth das Ansinnen seiner Fraktion. Die entsprechenden Einrichtungen, zu denen auch die Anne-Röth-Stiftung in Gammelsbach zählt, „werden mit Katzen überschwemmt und daher besteht dringender Handlungsbedarf“. Michelstadt habe bereits Mitte September eine Katzenschutzverordnung erlassen, sagte er. Väth betonte, dass auf die Verwaltung weder mehr Arbeit zukomme noch diese zusätzliches Geld aufwenden müsse. Vielmehr greife man damit den Tierheimen unter die Arme, die die Tiere dann schneller weitervermitteln dürften.

Chris Poffo (ÜWO) sah in Oberzent „nicht dieses große Problem“. Er hinterfragte, ob es sich prioritätsmäßig um einen Punkt handle, „der vorn angesiedelt ist“. Poffo wollte die Bindung von Ressourcen, die man für andere Themen brauche, verhindern. Ähnlich äußerte sich auch Frank Leutz (FDP). Thomas Ihrig (SPD) wollte erst einmal alle Infos aus dem Kreis zusammentragen und den Komplex dann zusammen mit der Gefahrenabwehrverordnung beschließen, „wenn das Ordnungsamt wieder adäquat besetzt ist“.

Oliver von Falkenburg (CDU) wies darauf hin, dass man laut Defintion des Deutschen Tierschutzbundes differenzieren muss zwischen freilaufenden Katzen, die einen Halter haben, und freilebenden bzw. herrenlosen Katzen. „Ihr Antrag ist auf freilebende bzw. herrenlose Katzen gerichtet, die Verordnung hingegen richtet sich an die Halter und an diejenigen Personen, die Nahrung frei zugänglich machen. Eine Katzenschutzverordnung knüpft bei den Haltern an und nicht wie im Antrag begründet bei den herrenlosen bzw. freilebenden Katzen für die sich keiner zuständig fühlt.“ Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) regte aufgrund der Äußerungen an, mit dem Punkt in den Umweltausschuss zu gehen und sich dort die Fachleute einzuladen. Vergebens.

Eine Katzenschutzverordnung ist dringend notwendig, um den ehrenamtlichen Tierfreunden Rechtssicherheit zu geben, betont Anne Röth. Sie bietet mit ihrer Stiftung Katzen in der alten Mühle am Ortseingang von Gammelsbach, von Beerfelden kommend, einen „Ort der Zuflucht“. Dass die entsprechende Verordnung von der Stadtverordnetenversammlung Oberzent abgelehnt wurde, ist für sie nicht nachvollziehbar. Sie wählt bisweilen drastische Worte, um ihr Unverständnis auszudrücken.

Röth zufolge würden sich die Kosten für die Tierheime, die von den Gemeinden anteilig bestritten werden, reduzieren, wenn es eine Kastrationsverpflichtung gäbe. Dann würden sich freilebende oder verwilderte Katzen nicht mehr unkontrolliert vermehren. Auch hätten die Katzenfreunde einen besseren Zugriff auf diese Tiere. Gleichzeitig sieht sie bessere Möglichkeiten zur Einwirkung, wenn Fälle von unsachgemäßer Tierhaltung oder Tierquälerei bekannt werden.

„Der Missbrauch an Tieren ist unglaublich“, zeigt sie sich empört. Gerade auf Bauernhöfen gebe es manchmal eine Vielzahl von Katzen, die weder richtig gefüttert noch gepflegt würden. „Das Thema ist leider schwer zu vermitteln“, sagt sie. In der Bevölkerung werde so getan, „als ob es keine verwilderten Babykatzen gibt“. Sie weiß von etlichen Fällen, die das Gegenteil belegen.

Ganz konkret geht Anne Röth auch die Stadt an: „Es ist schlimm, dass in Oberzent keine Öffentlichkeitsarbeit geleistet wird, um diesem Missbrauch eine Ende zu setzen“, beklagt sie. Stattdessen werde an sie verwiesen, wenn es um die Unterbringung von heimatlosen Vierbeinern geht. Anne Röth sieht sich am Limit. „Ich schaffe es finanziell nicht mehr“, sagt sie. 120.000 Euro kostet die Stiftung im Jahr der Unterhalt der Katzenzuflucht. „Von der Stadt gibt’s kein Geld.“ Im Gegenteil, das Tierheim Würzberg nehme nicht mehr als 30 Tiere auf und verweise dann auf sie.

Allein für die die Betreuung von Oberzent-Katzen wandte Röth in diesem Jahr bisher 8000 Euro auf, betont sie. „2017 war es noch mehr.“ Kater „Rocky“ etwa war in einem so schlimmen Zustand, dass es 900 Euro kostete, bis er wieder auf den Beinen war. „Das ist ein entwürdigendes Verhalten“, meint sie zur aktuellen Situation. Sie beklagt „die Grausamkeit gegenüber den Tieren in dieser direkten Form“. Die Stifterin schätzt den Bestand an herrenlosen Tieren im Oberzent-Bereich auf 500 bis 1000. „Von denen verrecken 90 Prozent“, wählt Röth klare Worte.

Gäbe es eine Katzenschutzverordnung, so die Tierfreundin, könnte sie Polizei und Veterinäramt rufen, wenn sie auf verwilderte oder nicht artgerecht gehaltene Tiere treffe. „Weil es Gesetz ist“, hebt sie hervor. Und die Leute brauchten eben Gesetze. Auch hätte der Umgang mit herrenlosen Tieren eine größere Rechtssicherheit.

Röth würde dann etwa vermeiden, mitsamt ihrer Mitarbeiterin von einem Bauernhof gejagt zu werden, weil sie sich dort um zehn Kätzchen kümmern wollte, erzählt sie. „Welcher Zacken würde denen aus der Krone fallen“, meint sie mit Blick auf die Stadtverordneten, wenn sie eine solche Verordnung beschlössen.

Für die Gemeinde wäre es sogar bares Geld: „Es würde tausende von Euro sparen, weil nicht mehr so viele junge Katzen ins Tierheim kommen“, erläutert sie. Einfach nur deshalb, „weil es dann eine Rechtsgrundlage gibt“. Auch für die Helferinnen in Beerfelden, die die Futterstellen betreuen. „Die werden teilweise angegangen“, weiß Anne Röth. Eine Verordnung beseitigt die Arbeit „im ängstlichen Bereich“.

Weitere Infos unter http://www.ar-stiftung.de

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„Enemy Inside“ aus dem Aschaffenburger Raum ist mit dem Album „Phönix“ erfolgreich

„Mein größter Wunsch ist, mit der Musik, die ich liebe, erfolgreich zu werden“, sagt Dominik Stotzem. Der Dieburger ist mit der Metal-Band „Enemy Inside“ auf dem bestem Weg, dieses Ziel zu erreichen. „Das ist eine Gruppe mit unglaublichem Potenzial“, hat der 34-jährige Bassist festgestellt. „Mit der kann ich es mir gut vorstellen, durch die Welt zu touren.“ Bisherige Auftritte im deutschsprachigen Raum zeigen, dass die Band mit ihrer ersten Veröffentlichung „Phoenix“ in der Szene sehr gut ankommt.

Enemy Inside mit Mitgliedern aus dem Großraum Aschaffenburg formierte sich im Laufe des Jahres 2017. Als „Dark-Rock“ und „Modern-Metal“ bezeichnen die fünf Musiker ihr Genre. Da sich die Texte und die Story hinter dem Album wie ein roter Faden an den Themen „Scheitern und wieder aufstehen“ sowie „Den inneren Feind bekämpfen“ entlanghangeln, passt diese Einsortierung ganz gut, meint der Dieburger.

Sängerin Nastassja Giulia und Gitarrist Evan Koukoularis (auch bei Mystic Prophecy aktiv) lernten sich beim Studium an der Pop-Akademie in Mannheim kennen. Dort starteten sie das gemeinsame Songwriting. „Als sich erste brauchbare Kompositionen hören lassen konnten“, schmunzelt Stotzem, gründete sich das Projekt rund ums musikalische Geschehen.

Aus dem Projekt wurde eine Band, als David Hadarik (seit Jahrzehnten mit Giulia befreundet) für die Rhythmus-Gitarre gewonnen wurde, Stotzem für die tiefen Töne und Felix Keith an den Drums die Rhythmus-Sektion komplettierte. Hadarik und Keith sind in der Aschaffenburger Musikszene schwer aktiv. Somit gab es kein Casting, grinst der Bassist, „sondern die Band formte sich unter Freunden mit hohen musikalischen Ambitionen“.

„Jeder Musiker steht voll und ganz hinter dem Produkt“, hebt er hervor. „Zum Glück“ bringt jeder einen eigenen Stil mit ein, der sich harmonisch ins Gesamtkonzept einfügt. Das Songwriting übernehmen jedoch federführend Giulia und Koukoularis, damit der rote Faden beibehalten wird – „obgleich die Musik am Ende eine demokratische Entscheidung aller ist“. Ein namhafter Mischer kam dazu: kein geringerer als der Schwede Henrik Udd, 2017 mit dem Heavy Music Award ausgezeichnet, der bereits „The Architects“, „Hammerfall“ und „Delain“ im Studio hatte.

Seit Ende September ist die CD in den Regalen zu finden. Das Gefühl, nach einer monatelangen, sehr harten und kompromisslosen Arbeit das Ergebnis in den Händen zu halten, „ist kaum erklärbar oder vergleichbar“, beschreibt der Bassist das besondere Gefühl. Mit „ROAR“ (Rock of Angels Records) habe man einen kompetenten Partner gefunden, „der einen sehr guten Ruf genießt“.

Der gebürtige Frankfurter Stotzem verdiente sich ab 1999 die ersten musikalischen Sporen in der Schulband „Fall Out“ des dortigen Lessing-Gymnasiums. Später entwickelte sich die Gruppe zu einem professionellen Projekt namens „Beyond the Bridge“. Dabei lernte er auch Nastassja Giulia kennen. Die Band brachte 2012 das Album „The Old Man and the Spirit“ auf den Markt und erfreute Fans von Progressive Rock. Das renommierte ProgPower USA-Festival oder der Support von Künstlern wie Fates Warning, Haken oder Fish waren Stationen.

Parallel zum Progressive-Metal „schlägt mein Herz seit meinem 14. Lebensjahr für den Classic Rock“, erzählt der Wahl-Dieburger. Led Zeppelin, Black Sabbath, Uriah Heep und nicht zuletzt Deep Purple und Rainbow brachten ihn dazu, seine musikalische Vorliebe bei der Tributeband „Purple Rising“ auszuleben. Mit starkem Fokus auf die unsterblichen Hits von Deep Purple tourt die Band bereits seit 2011. Sie gibt ihm auch die Chance, „oftmals vor mehreren tausend Fans zu spielen“.

Musikalische Vorbilder hat jeder, erzählt der 34-jährige gelernte Veranstaltungskaufmann, heute als Event-Manager aktiv. „Aber ich werde niemals auch nur einem dieser das Wasser reichen können.“ Und vielleicht auch nicht einmal die Hand, lacht er. Musik ist für Stotzem immer mit sämtlichen Gefühlen und Emotionen verbunden, „egal ob Liebe oder Hass, Freude oder Trauer, Wut oder Partystimmung“. All das lässt sich in einer Bühnenshow mit geschlossenen Augen vereinen, sagt er.

„Zur Musik kam ich wie jeder Bub mit diesem Musikgeschmack, selbstverständlich durch eine außerordentlich sortierte Plattensammlung im Elternhaus. Mein Vater nahm mich mit zarten 14 Jahren mit auf ein Konzert von Page & Plant (Led Zeppelin), da war es um mich geschehen: Konzertbesuche von Kiss, Deep Purple, Eagles, Jethro Tull, Meatloaf, Joe Cocker und Roger Waters folgten. Stets zusammen mit meinen besten Kumpels aus Zeiten meiner Schulband, die ähnliches erfuhren wie ich. Irgendwann bin ich dann bei Dream Theater hängen geblieben, einer Musik, die so unglaublich vielseitig, kreativ und emotional ist: Progressive-Rock. Dann folgten Expeditionen auf diverse Festivals wie Wacken. Heute kann ich behaupten, Gast auf mehr als 25 Festivals gewesen zu sein, davon alleine 13 Mal Wacken – in meinen Augen die Mutter aller Rockfestivals.“

Besetzung Enemy Inside: Nastassja Giulia (Gesang, Texte), Evan Koukoularis (Lead-Gitarre, Komposition, Produktion), David Hadarik (Rhythmus-Gitarre), Dominik Stotzem (Bass), Felix Keith (Schlagzeug). Mehr unter www.enemy-inside.com. Nächster Auftritt am Samstag, 20. Oktober, 21 Uhr, anlässlich des Jubiläums „Zehn Jahre Rockclub“ in der Halle 02 Heidelberg.

(Foto: Fabian Klein)

 

Keine großen finanziellen Sprünge in der Oberzent

Die neue Stadt hat noch viele Baustellen. Nicht nur auf den Straßen und an Gebäuden, sondern im übertragenen Sinn auch finanziell. Bürgermeister Christian Kehrer legte zusammen mit Tina Bartmann der Stadtverordnetenversammlung jetzt den Haushaltsplan 2018 vor. Der schließt mit einem schmalen Überschuss von 122.000 Euro. Seit etwas mehr als 100 Tagen im Amt, „muss ich noch viel mehr mit der Vergangenheit als mit der Zukunft beschäftigen“, bedauerte er. „Ich würde ihnen viel lieber den Haushalt 2019 vorlegen“, sagte Kehrer.

Allerdings wird der nach ersten Prognosen knapp an einem Verlust vorbeischrammen, wie Tina Bartmann sagte. Sie prognostizierte nach jetzigen Daten gerade mal ein Plus von 3000 Euro. Die stark sinkenden Erlöse aus dem Holzverkauf spielen hier gewaltig mit rein. Anfang des Jahres hatte man in diesem Bereich noch mit einem Überschuss von mehr als 300.000 Euro gerechnet. Das Überangebot nach vielen umgeworfenen Bäumen durch Orkan Friederike und der Befall durch den Buchdrucker-Käfer machten aus diesen Zahlen Makulatur. Der Holzpreis fiel von 90 auf 60 Euro pro Festmeter. Jetzt kann die Stadt froh sein, wenn sie überhaupt einen Gewinn erzielt.

165 Quadratkilometer Fläche, 10.222 Einwohner, 70 Prozent Wald auf der Gemarkung, 19 Stadtteile, 16 Feuerwehren, 170 Kilometer Kanäle, über 260 Straßen: Kehrer machte zu Beginn an ein paar Daten fest, welche Aufgabe er sich als Bürgermeister angelacht hat, alles unter einen Hut zu bringen. Für die Stadt sei es „eine große Herausforderung, unsere Infrastruktur zu erhalten“. Das mit den großen Sprüngen „müssen wir uns noch einmal überlegen“, dämpfte er allzu hohe Erwartungen. Das Stadtoberhaupt wies darauf hin, „dass wir die Fusion gemacht haben, um das Bestehende zu erhalten“.

4,5 Millionen Euro Entschuldungshilfe gab es anlässlich der Fusion vom Land, erläuterte Kehrer. Drei Millionen davon wurden bereits verwendet. 150.000 Euro fielen zusätzlich als Vorfälligkeitsentschädigung ang. Weitere Darlehen in Höhe von 550.000 Euro sind bis 2020 abzulösen. Der Bürgermeister nannte sechs Millionen Euro als Haushaltsreste aus den Vorjahren, wovon drei Millionen als Zuweisungen abgerufen werden können. Den Rest des Geldes für die noch nicht begonnenen Projekte muss die Stadt stemmen. „Es ist noch jede Menge abzuarbeiten“, betonte er.

Ab kommenden Jahr stehen zusätzlich 2,9 Millionen Euro aus der Hessenkasse für Investitionen zur Verfügung. Die Stadt muss hierbei nur zehn Prozent der Summe als Eigenanteil aufbringen. Der Bürgermeister kam in diesem Zusammenhang auf die personell unterbesetzte Bauverwaltung zu sprechen. „Das hindert uns an der schnellen Abarbeitung von Vorhaben.“ Neue Mitarbeiter werden gesucht.

„Wir müssen uns als Stadt interessant aufstellen und was bieten, damit die Menschen hier bleiben oder hierher ziehen“, nannte er als Maßgabe für die Zukunft. Das Leben auf dem Land sei noch konkurrenzlos billig. Allerdings sei die Stärkung des ländlichen Raums noch ausbaubar, übte er Kritik an Land und Bund. Nur immer weitere Fördertöpfe tun es seiner Meinung nach nicht. Denn zum Abrufen brauche man Personal und auch eigene finanzielle Mittel. „Warum gibt man den Kommunen nicht gleich das Geld, damit sie handlungsfähig bleiben“, stellte er in den Raum.

Ab Januar soll es auf den Oberzent-Straßen wieder gesittet zugehen. Dann ist ein Stadtpolizist im Einsatz, der sowohl nach Park- als auch Geschwindigkeitssündern schaut. „Das ist ein klares Signal, dass wir kein rechtsfreier Raum sind“, so Kehrer. In diesem Zusammenhang nannte er den Umgang von manchem Autofahrer mit Bauarbeitern in der Mümlingtalstraße „unter aller Sau“. Jeder meckere über kaputte Straßen, wenn sie dann saniert werden, halte sich keiner an Sperrungen.

Beim Thema Wirtschaft und Tourismus sah er ebenfalls viel Handlungsbedarf. „In den kommenden Jahren muss viel getan werden“, sagte der Bürgermeister. Die Bürger werden es ungern hören, aber in 2019 steht eine Erhöhung der Wassergebühr ins Haus. Wasserrohrbrüche und Reparaturen „schmelzen das Geld geradezu weg“, erläuterte der Rathauschef. Um 22 Cent könnte der Frischwasserpreis für den Kubikmeter steigen, sagte Tina Bartmann.

 

Oberzent-Haushaltsplan 2018:

Erträge: ca. 23,18 Millionen Euro

Aufwendungen: ca. 23,05 Millionen Euro

Überschuss: 122.000 Euro

Zahlungsmittelüberschuss Finanzhaushalt: 715.000 Euro

Kreditaufnahme: 3,2 Millionen Euro

Kassenkredite: 800.000 Euro

Hebesätze: Grundsteuer A 350, Grundsteuer B 365, Gewerbesteuer 380 Prozentpunkte

Einnahmen: Gewerbesteuer ca. 2 Millionen, Grundsteuer B ca. 1 Million Euro, Gemeindeanteil an Einkommenssteuer 5,1 Millionen, an Umsatzsteuer 334.000 Euro

Ausgaben: Kreisumlage 4,4 Millionen, Schulumlage 2,5 Millionen Euro

Wanderer sind vom Sensbachtal begeistert

Herrliches Wetter, abwechslungsreiche Strecken mit vielen Ausblicken und Natur ohne Ende: Dem TSV Sensbachtal bescherte der Gauwandertag eine stolze Besucherzahl und dazu begeisterte Teilnehmer, die die Organisation lobten und vom südlichen Odenwald kaum genug bekommen konnten. Exakt 203 Wanderer gingen auf die sechs, 8,5 und 13 Kilometer langen Strecken, die von Wanderwart Manfred Heiss mit Start Gemeindezentrum rund um Hebstahl ausgeschildert worden waren.

Einmal im Frühjahr und einmal im Herbst finden unter dem Dach des Turngaus Odenwald die Wandertage statt, erläuterte Richard Schneider. Meistens treten angeschlossene Vereine, die gerade ein Jubiläum feiern, als Veranstalter auf. Mal auf Initiative des Turngaus, mal als Eigenbewerbung wie beim TSV läuft die Bewerbung und bekommen die Orte den Zuschlag. Im Schnitt sind 15 der 50 Vereine auf den jeweiligen Wandertagen durch ihre Mitglieder präsent, so Wanderwart Schneider. In Unter-Sensbach waren es sogar 19. Von Bensheim-Zell über Hergershausen bis Groß-Zimmern reichten die Herkunftsorte.

Der Turngau ist nicht deckungsgleich mit dem Odenwaldkreis, sagte Schneider, sondern reicht im Norden bis Darmstadt-Dieburg und im Westen in den Kreis Bergstraße. Die Wandertage haben bereits eine lange Tradition, freute er sich. Sie bieten die Möglichkeit, „eine interessante Landschaft und eine besonderes Gebiet kennenzulernen“. Für Teilnehmer aus dem Dieburger Raum ist eine schöne Erfahrung, „mal in hügeligem Gebiet zu laufen“, weiß er.

Durch die Wahlmöglichkeit von verschiedenen Streckenlängen „erreichen wir alle Altersgruppen“, sagte TSV-Vorstandssprecher Gerd Scheuermann. „Kinder ab zwei Jahren bis Senioren über 90“ gingen seiner Beobachtung nach auf die Strecke. Früher einmal waren es im Schnitt 350 bis 400 Teilnehmer an einer solchen Veranstaltung, erinnert sich Schneider. Heute sind es um die 150 bis 200. Allerdings heißt dies nicht, „dass Wandern als Freizeitbetätigung rückläufig ist“, sondern lediglich die Teilnahme an solche organisierten Touren.

Schneider bezeichnet den Wandersport nach wie vor als sehr erfolgreich. „Man braucht nicht viel dafür“, betont er. Er habe die angenehme Seite, „dass ihn jeder mit wenig Aufwand machen kann“. Die Leute „gehen aus der Tür raus und können gleich loslaufen“, bietet seinen Worten zufolge der Odenwald optimale Bedingungen. Dazu kommt, dass es mit dem Odenwaldklub eine rührige Organisation gibt, die sich um Kennzeichnung und Unterhaltung der Wege kümmert.

Zum fünften Mal richtete der TSV den Gauwandertag aus, sagte Scheuermann, dieses Mal gemeinsam mit dem Sportförderkreis. Die Feuerwehr kümmerte sich um die Parkplatzeinweisung. Er lobte die gute Zusammenarbeit mit dem Turngau. Gute 14 Tage braucht der Verein, um alles vorzubereiten. Wanderwart Manfred Heiss sucht die Strecken aus, beschildert sie mit Erläuterungen zu den Aussichtspunkten und Sehenswürdigkeiten. Dieses Mal stand Hebstahl im Mittelpunkt. „Die Leute sehen viel und bekommen auch die Infos dazu geliefert“, meinte Schneider anerkennend.

Die stärkste Mannschaft kam aus Mümling-Grumbach mit 26 Wanderern, gefolgt vom TV Lengfeld mit 18 und dem TV Hetzbach mit 13 Teilnehmern. Aber natürlich dürfen nicht nur Vereinsmitglieder teilnehmen, sondern auch Wanderer ohne Zugehörigkeit, die sich einfach nur gern in der freien Natur bewegen wollen. Für den TSV mit seinen 500 Mitgliedern bedeutet die Bewirtung der Teilnehmer eine willkommene Einnahmequelle, um so die Vereinsarbeit zu finanzieren, sagt Scheuermann. Die eigene Wanderabteilung nimmt auch immer gerne an Veranstaltungen befreundeter Vereine teil.  „Heute passt einfach alles“, zog er eine sehr positive Bilanz. Innerhalb einer Viertelstunde „wurde ich fünf Mal auf die tolle Strecke und die gute Vorbereitung angesprochen“. Tenor der Wanderer: „Das findet man sonst selten.“ Somit die beste Motivation, dass sich der TSV in fünf Jahren anlässlich seines 60-jährigen Bestehens wieder um die Ausrichtung bewirbt.

Info: Der nächste Gauwandertag findet am 5. Mai in Mümling-Grumbach statt. Mehr unter http://www.turngau-odenwald.de

Mit den „Quinns“ werden im Hüttenwerk alte Rockklassiker lebendig

Zeitmaschine an und 50 Jahre zurück in die Ära der glorreichen Rock- und Popmusik mit zeitlosen Ohrwürmern, die auch heute noch jeden Musikfan verzücken. „The Quinns“ stehen auf der Bühne des Hüttenwerks und bringen die goldenen Oldies mit viel Power rüber, dass bei den Zuschauern wohlige Erinnerungen an die ausgehenden 1960er und beginnenden 1970er Jahre hochkommen. Doch nicht nur „Zeitzeugen“ sind zu diesem Konzert gekommen, auch viele Jüngere, die zu dieser Zeit noch gar nicht geboren waren, wissen die handgemachte Musik von früher zu schätzen.

Manfred Mann, Beatles, Kinks, Stones oder The Who, Doors, Cream, Bee Gees, David Bowie oder T-Rex: Die fünf Musiker nehmen die anfangs noch etwas spärliche Gästeschar mit in die Flower-Power-Ära. Passend dazu auch die Kleidung jener Zeit: rot-, orange- oder weiß-schwarz-gestreifte Hosen, knallige Outfits, übergroße Sonnenbrille oder weißes Rüschenhemd ziehen die Blicke auf sich. Bis dann die Musik einsetzt und die Aufmerksamkeit zum Gehör wechselt.

Ein voller, druckvoller Sound, gepaart mit mehrstimmigem Gesang und einer guten Abmischung, die leider nicht mehr selbstverständlich ist, sorgen dafür, dass die Illusion nahezu perfekt ist. Frontmann Mark Patrick, einige Jahre auch bei „Paddy goes to Holyhead” am Mikro, drückt den Songs seinen Stempel auf. Er schafft es, die verschiedenen Original-Stimmen bestens unter einen Gut zu bekommen. „Mighty Quinn“ oder „Let’s spend the night together“ machen zu Beginn gleich Lust auf mehr.

Bassist Freedl Carl und Paul Ermisch an den Drums bilden gemeinsam die „Hauptverantwortlichen“ für Groove und Tempo in der Band. Dirk Wenzel beherrscht das Klavierspiel ebenso wie den Umgang mit den Sounds der 60er-Jahre-Songs perfekt, Uli Heitzenröder hat den Part des Leadgitarristen inne und darf die virtuosen Soli der Großmeister auf die Saite genau intonieren. Alle zusammen spielen sie klassische Gute-Laune-Songs, bei denen keiner mehr ruhig stehen bleiben kann.

Jugenderinnerungen an den Tanzkurs werden wach, als „Nights of white satin“ läuft und das erste Paar engumschlungen vor der Bühne tanzt. „Riders on the Storm“ oder „Light my fire“ von den Doors haftet noch etwas der Hauch des Verrufenen an, als die Eltern mit dieser Art von Musik Ende der 60er nichts anfangen konnten, zuhause Peter Alexander oder Karel Gott liefen und Rockklänge eher heimlich gehört werden mussten. Ob es „Substitute“ von The Who ist oder „Hush“ von Billy Jo Royal, die Quinns spielen die ganzen Klassiker hoch und runter. Die verschiedenen Stücke geben den Instrumentalisten viele Möglichkeiten, ihr Können auf Tasten, Saiten oder Fellen zu zeigen.

Während das Keyboard bei den Doors im Vordergrund steht, sind es bei The Who die klassischen Gitarrenriffs von Pete Townsend, die einen Widererkennungseffekt haben. Dann noch das gefühlvolle „Wild Horses“ der Stones hinterher: Der langsam voller gewordene Saal schwelgt in Erinnerungen.

In den „Cream“-Songs der Setliste darf Heitzenröder exzessiv den Clapton machen, die Soli auf den sechs Saiten zelebrieren und bekommt dafür viel Applaus. „Get back“ von den Beatles lässt die Zuschauer vom ersten Ton an mitklatschen. Mark Patrick wird nicht müde, zum Mitsingen zu animieren und hat damit mehr und mehr Erfolg. Als bei „Brown Sugar“ die Akkorde von Keith Richards durch den Raum schweben, ist ein merkliches Zucken den Beinen des Publikums festzustellen.

Das ist auch im zweiten Set voll dabei, als die Band die andere Hälfte der weit über 30 Songs aus den guten, alten Musikjahren anstimmt. Die Show wird von der fünfköpfigen Band zu 100 Prozent live gespielt und bedeutet Musik und Unterhaltung auf hohem Niveau. Das Quintett drückt den Songs bei aller Originalität seinen eigenen Stempel auf. Meisterwerke der Meister aus der Zeit von 1965 bis Anfang der 1970er Jahre sind zu hören, die Oldie-Kennern am Herzen liegen, aber nicht von vielen Bands dieser Stilrichtung gespielt werden.

Info: Die „Quinns“ treten am Samstag, 3. November, 21 Uhr (Einlass 19 Uhr), im „Beavers“ Miltenberg auf. Tickets unter http://www.beaversmiltenberg.de

Derbe Komödien kommen immer an: Duppe-Theater in Hetzbach begeistert die Gäste

„Die Resonanz war wieder unwahrscheinlich“, freut sich Ralf Müller. Zwei Mal spielte das Duppe-Theater, dem er seit der Gründung 2011 angehört, das Stück „Tür an Tür mit Alize“ in der ausverkauften Krähberghalle. Die Zuschauer lachten sich einen Ast bei dem Lustspiel in drei Akten von Erich Koch. Genau das passende Programm für Leute, „die einen unbeschwerten Abend verleben wollen“. Da sind sie bei der Theatergruppe genau richtig. Denn die setzt auf Spaß ohne Ende. Dafür braucht es nicht einmal einen Regisseur. Das Kollektiv entscheidet.

Neun Laienschauspieler, eine Souffleuse, drei in der Maske und zwei Techniker entweder aus Hetzbach oder mit Bezug dahin: Sie stemmen an beiden Abenden vor jeweils 250 Zuschauern die Komödie. Die wiederum kommen beleibe nicht nur aus der Ober-, sondern auch aus der Unterzent und sogar aus dem Überwald angefahren, um der fröhlichen Gruppe bei ihrem lustig-derben Stück zuzuschauen. Natürlich helfen die Partner mit, ist man gemeinsam am Bühnenbild beteiligt. Apropos gemeinsam: Regie führte „alle“, wie es im Programmheft nachzulesen ist. Der Singkreis als Veranstalter kümmert sich um die restliche Organisation, besorgt auch die Bewirtung.

„Urgestein“ Ralf Müller spielte früher in Sensbach Theater. Als die Handschuhsheimer Thalia, zuvor in Hetzbach lange Jahre bei den Theaterabenden präsent, aus Altersgründen aufhörte, drohte diese Institution zu sterben. „Das darf nicht sein“, war der Tenor aller Beteiligten. Es war sehr einfach, eine eigene Truppe auf die Beine stellen, sagt Müller. „Ich habe nicht ein Nein gehört. Schwupps waren wir zehn Leute“, lacht er. Insgesamt kommt das Ensemble seit 2011 auf 23 Mitspieler. Zuerst unter dem Dach des Singkreises, gründete man später einen eigenen Verein.

Wenn mal jemand ausscheidet, ist es kein Problem, aus dem Ort einen neuen Akteur zu finden, sagt Susanne Seip. „Die Begeisterung und Motivation nimmt immer mehr zu.“ Als Laienspielgruppe steht der Spaß im Vordergrund, betont sie. Die Faszination des Theaterspielens? Es ist der Zusammenhalt in der Gruppe, die Freundschaft untereinander, hebt sie hervor. „Jeder kommt ein wenig aus dem Alltag raus.“ Nach den Proben „sitzen wir genausolang nochmal zusammen“, steht das gemütliche Beisammensein ebenso im Vordergrund.

Es gibt keinen Regisseur, ergänzt Ralf Müller. „Jeder kann sich seine Rolle selbst aussuchen und ausgestalten“, erläutert er. Handlungsanregungen und –veränderungen werden gemeinsam besprochen. „Wir streiten und diskutieren zusammen“, schmunzelt er. Aufgeführt werden schon seit Beginn immer Lustspiele, „die derb rüberkommen“. Die wollen die Zuschauer sehen. Die Darsteller haben auch kein Problem damit, „sich ein Stück weit zum Affen zu machen“, scherzt Müller, wenn es der Belustigung der Gäste dient. „Das können wir“, meint Susanne Seip trocken.

Über ihren Erfolg sind die Laienschauspieler manchmal selbst überrascht. „Die Leute lachen sich einen ab, sodass wir fünf Minuten warten müssen, bis sie sich beruhigt haben“, hat Seip beobachtet. Und das bei Szenen, bei denen die Truppe im Vorfeld noch unsicher war, ob sie überhaupt zünden. „Die Handlung ist nicht das Entscheidende, es muss ‚Action‘ sein“, grinst Müller. Denn der Erzählstrang ist manchmal so flach, „dass ich nach den ganzen Proben trotzdem nicht weiß, worum es eigentlich geht“, witzelt er.

Dazu kommen die gängigen Klischees, die genussvoll bedient werden: biestige Frauen, dummdreiste Männer, die Deppen aus dem anderen Tal. Denn Lokalkolorit ist wichtig. Wenn Leute aus Gammelsbach, Etzean oder Rothenberg durch den Kakao gezogen werden, „kommt das super an“, hat Müller festgestellt. Wenn eine Aufführung vorbei ist, geht es an die Organisation der neuen Skripte. Die Proben starten dann im Sommer und werden bis kurz vor Termin immer häufiger. Drei Mal die Woche dürfen die Darsteller ran. Der Erfolg gibt ihnen Recht. Die Halle tobt.

Großes Interesse an der Biolandwirtschaft auf dem Bauernhof Zimmermann in Beerfelden

So voll wie dieses Mal war es selten, erinnert sich Christian Zimmermann. Beim Tag der offenen Tür auf dem Bio-Bauernhof war kaum noch ein Durchkommen. Gerade um die Mittagszeit bildeten sich lange Schlangen vor der Bon-Ausgabe, die Sitzbänke waren voll, die verschiedenen Stände belagert. Ein voller Erfolg also für die Zimmermanns, die begehrte Gesprächspartner rund um ihre Biolandwirtschaft waren. „Über die Jahre hinweg wurden es immer mehr Besucher“, freute sich Christian Zimmermann. Über 1000 dürften es an diesem Tag gewesen sein, schätzte er.

Jedes Jahr gibt es ein unterschiedliches Thema für die wiederkehrende Veranstaltung im Oktober. Dieses Mal ging es darum, die klimafreundlichen Elemente des Betriebs vorzustellen, der vor kurzem für seine Rinderzucht den Staatsehrenpreis erhalten hatte. 70 Milchkühe, 50 Stück Jungvieh, 220 Hühner und ein paar Schweine gibt es auf dem Hof. Außerdem werden laut Zimmermann zwei Mal im Jahr 100 Bruderhähne gemästet. Den Besuchern gab er bei Führungen Erläuterungen, wie der Stall gebaut wurde und wie aktuell die Tierhaltung vor sich geht.

„Es spart Energie und Geld, wenn sich die Kühe ihr Futter selbst holen“, verdeutlichte er. Außerdem entlastet es die Bauernhof-Familie. Zimmermann sprach auch die gestiegenen Auflagen und Kontrollen an, die einem Bio-Bauern das Leben nicht gerade leichter machen. Rückfragen gab es zur Dürre in diesem Jahr. Wie kommen die Tiere dann an Futter? „Wir füttern schon Winterreserven“, erläuterte er. Außerdem kaufte er 6,5 Hektar Mais an. „Ich hoffe, dass es reicht“, meinte Zimmermann mit Blick auf die anhaltende trockene Witterung.

Der Betrieb bewirtschaftet derzeit 66 Hektar, so der Bauernhof-Chef. Fünf Hektar davon sind Ackerbau, der Rest Grünland. Die Biomilch wird in Coburg weiterverarbeitet. Die dortigen Milchwerke Oberfranken vermarkten auch den überwiegenden Teil der jährlich 360.000 Liter. Ein kleiner Teil ist an der Milchtankstelle am Eingang des Zimmermann-Hofs im Walterbachweg erhältlich. „Flotte Lotte“ nennt sich diese. Gleich daneben: die „flotte Henne“, der Eierautomat, wo sich die Bio-Produkte der 220 Hühner ziehen lassen, die rund um den Hof auf den Wiesen gackern.

Die Umstellung auf Bio „haben wir nicht bereut“, so Christian Zimmermann. Allerdings wird der Betrieb jedes Jahr vor neuer Herausforderungen gestellt. „Du kannst nicht gleich Dünger draufschmeißen, wenn etwas nicht wächst“, verdeutlichte er. Außerdem muss die Tierhaltung der Fläche angepasst sein. Deshalb könnte er auch nicht mehr als die aktuell 120 Kühe und Rinder halten.

Seitdem er auf Bio-Milch umgestellt hat, rechnet sich die Milchviehhaltung wieder. Denn er bekommt rund 50 Cent für den Liter. Pro Hektar beweideter Fläche kommt Zimmermann auf 8350 Liter pro Milchkuh. 1000 Liter sind es etwa pro Tag, die an die Molkerei gehen. Weil er große Weideflächen zur Verfügung hat, gibt es dem Landwirt zufolge weniger Trittschäden. Das Weidesystem bedeute „ein Stück Lebensqualität“, auch wenn die Erträge manchmal geringer seien.

Für Zimmermann hat sich die jährliche Arbeit verändert. Die Kurzgraswiesen muss er nicht mehr nachmähen, und auch selten nachsäen. Denn die Kühe dürfen schon früh im Jahr nach draußen. „Bis Ende September fressen die praktisch nichts anderes als Gras und etwas Kraftfutter im Melkstand“, erläutert er. Eine Melkpause gibt es nicht. Außerdem kommt ein Bulle mit auf die Weide, damit alle Kühe trächtig werden. Die Kälber kommen in der Regel von Ende Dezember bis Ende März auf die Welt.

Nach dem morgendlichen Gottesdienst mit Pfarrerin Claudia Borck herrschte ein stetes Kommen und Gehen auf dem Hof. Die Kinder tollten im Stroh herum und versuchten mit den Kühen Kontakt aufzunehmen. Etliche Stände hielten ein breites Angebot parat, ob es nun Honig, Kinderkleidung, Blumengestecke oder Holzkunst war. Am Stand des Geoparks konnten die Gäste bei Sabine Claasen die brandneue Oberzent-Wanderkarte erstehen. Für Kaffee und Kuchen sorgte der Kindergarten Beerfelden, während die Generationenhilfe Waffeln im Angebot hatte.

Den Bauernhof im Beerfelder Walterbachweg kaufte 1926 Urgroßvater Fritz Zimmermann. Milch, Vieh, Schweine und Pferde hielt der aus Pleutersbach stammende damals auf dem Hof. Vom Neckar war er auf die Höhe gekommen, weil im heutigen Eberbacher Stadtteil alles sehr beengt zuging. Aktuell wird der Hof somit in vierter Generation bewirtschaftet. Seit Juli 2014 ist der 36-jährige Urenkel Christian Inhaber. Zuvor führte er den Betrieb zehn Jahre lang mit seinen Eltern als Familien-GbR. Beide helfen aber ebenso wie der Bruder noch mit, wenn Not am Mann ist. Seit Oktober 2010 wird auf dem Bauernhof Bio-Milch produziert, die an die Milchwerke Oberfranken-West geht.