Nach dem Bubble Soccer wird miteinander gebabbelt

„Bubbeln verbindet“ heißt es schön zweideutig in der Einladung. Denn die Jugendlichen verschiedener Nationalitäten aus dem Odenwaldkreis zwischen zwölf und 18 Jahren sollten zum einen Spaß beim Bubble Soccer Event in der Oberzenthalle haben, zum anderen aber auch danach miteinander „babbeln“, um sich besser kennenzulernen, zu verstehen, auszutauschen. Das Fußballspektakel der besonderen Art lief im Rahmen des Programms „Sport und Flüchtlinge“ der Sportjugend Hessen und wurde von den Sportcoaches aus Erbach und Oberzent angeboten.

„Fair Play, Respekt und Toleranz sind Säulen unseres Zusammenlebens“, betonte der Erbacher Sport-Coach Alexander Carrasco Torres, gleichzeitig Projektleiter des Jugendintegrationsprogramms „Fußball und Musik – Sport, Spaß & Integration“. Auf Oberzent-Seite war Stadtjugendpfleger René Tunn, ebenfalls Sportcoach in die Organisation eingebunden. „Das Spielen Mit- und Gegeneinander bietet auch im wörtlichen Sinn Berührungspunkte“, hob dieser hervor. „Man kann sich aneinander reiben, muss aber untereinander auskommen.“

Bei den entsprechenden Erbacher Programmen sind 14 bis 17 Nationen vertreten, sagte Torres. Inzwischen blicken die Coaches auf eine jahrelange Arbeit zurück, die vom Land gefördert wird. In Oberzent gab es unter anderem Teilnehmer aus Afghanistan, Syrien, Türkei und Rumänien. Und natürlich Deutschland. „Das ist selbstverständlich“, so Torres, werde aber trotzdem nachgefragt. Er sieht die Aufgabe als Sportcoach darin „zu verbinden“. Geflüchtete, die hierzulande heimisch werden, sollen integriert werden. Und über den Sport funktioniert das gerade bei Jugendlichen sehr gut.

„Fußball ist immer mehr als 1:0“, hob Torres hervor. Es gehe um das Dabei sein, Mitmachen und Spaß haben. Er wies in diesem Zusammenhang auch auf die interkommunale Zusammenarbeit (Stichwort Vernetzung) hin. „Warum muss Oberzent was anschaffen, was Erbach bereits hat“, deutete der Sportcoach auf die „Bubbles“, die einer Art Luftkissen gleich das Fußballspiel erschweren, aber auch als Polster wirken, wenn jemand angerempelt wird und umfällt.

Den Initiatoren geht es darum, den Event nach außen zu tragen und über die Mund-zu-Mund-Propaganda weitere Mitspieler zu erreichen. „Wir versuchen das Einzugsgebiet auszudehnen“, so  Torres. Die Wirkung von Essen, Trinken und Musik seien nicht zu unterschätzen. Die umgesetzten Ideen kommen teilweise auch von den Jugendlichen selbst. „Die helfen überall mit“, freute er sich.

Dem 14-jährigen Alexandru aus Rumänien macht Bubble Soccer wie auch seinen gleichaltrigen Mitspielern viel Spaß. Er hat es schon drei Mal gespielt. „Man muss halt wissen, wie es funktioniert“, schmunzelt er. Teamarbeit ist wichtig. Das betont auch Beyar (13) aus dem kurdischen Teil Irans. Er hebt das Zusammenspiel untereinander hervor. Amin (15) aus Afghanistan bringt es wie folgt auf den Punkt: Man rennt, spielt und klatscht zusammen. Über den Fußball beim Sportcoach Torres „habe ich bereits viele Freunde gefunden“, freut er sich.

„Das ist gar nicht so einfach, wie man denkt“, sagt Tolga (17). Der 14-jährige Caner, bei der JSG Oberzent aktiv, hat festgestellt, „dass man sich schwer bewegen kann“. Dazu ist die Luft zwischen den Plastikteilen ein wenig stickig. „Ganz schön anstrengend“, sagt er. Allen wie auch Furkan (14) hat der Nachmittag aber viel Spaß gemacht. Der meint noch: „Das ist ganz schön schwer zu schießen.“ Lautes Anfeuern, Mitfiebern und großes Engagement kennzeichneten den Event. „Es geht um den Spaß, nicht ums Gewinnen“, sagte Tunn. Den hatten alle. Teilnehmende Teams waren aus dem gesamten Odenwaldkreis: Ekmek Spor, Alles oder Nichts, Bubble Gum Erbach, Team Capital, TLS-Gruppe, Team Michael, Drachenläufer.

Bubble-Soccer ist eine Freizeitaktivität, bei der die Teilnehmer über ihren Oberkörper aufblasbare, meist transparente, Kugeln stülpen und damit Fußball spielen. Sowohl Oberkörper als auch Kopf der Spieler sind durch die aufblasbaren Bubblebälle geschützt. Diese bestehen aus PVC oder TPU und haben im aufgeblasenen Zustand zumeist einen Durchmesser von eineinhalb Meter. Die Bubblebälle fungieren somit als eine Art Airbag, da sie die Spieler bei Zusammenstößen schützen. Dadurch entsteht ein sich vom klassischen Fußball komplett unterscheidendes Spielprinzip. Ähnlich wie beim American Football stürmen die Spieler beim Anpfiff aufeinander zu und versuchen zunächst die Gegenspieler umzuwerfen und sich so einen Weg zum Tor zu bahnen.

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Windpark Katzenwinkel wieder Thema in der Stadtverordneten-Versammlung

„Das wird ein langwieriges Verfahren“, meinte Bürgermeister Christian Kehrer zur Klage der Firma Juwi, die bekanntlich auf dem Katzenwinkel eine Windindustrieanlage errichten will. Aktuell hat die Firma aus Wörrstadt Klage gegen eingereicht, weil ihr die Stadt die Zuwegung zum betreffenden Gelände zwischen Etzean, Airlenbach und Güttersbach verweigert. „Das ist jetzt vor dem Landgericht Frankfurt gelandet“, erläuterte Kehrer auf der Stadtverordnetenversammlung.

Eigentlich wollte er den Mandatsträgern schon ein umfassenderes Feedback geben, „aber es tut sich noch nichts“. Der Rathauschef machte deutlich: „Unser Anwaltsbüro kämpft an allen Fronten.“ Der Flächennutzungsplan des Odenwaldkreises, auch wenn er vom Regierungspräsidium Darmstadt abgelehnt worden sei, werde vom Büro als „scharfes Schwert“ angesehen, da der Katzenwinkel dort nicht enthalten sei und es sich (durch die Klage des Kreises gegen die Ablehnung) um ein laufendes Verfahren handelt.

Mit der gerichtlichen Auseinandersetzung um die Zuwegung ist es aber nicht getan. Sollte Juwi obsiegen, geht es damit weiter, dass die Waldwege verbreitert werden müssen, damit die schweren Fahrzeuge durchkommen. Eigentümer links und rechts der Strecken ist aber in weiten Teilen wiederum die Stadt, was ein neues Verfahren produzieren dürfte. Der Bürgermeister rechnet jedoch damit, dass die Firma nach Alternativrouten über private Wege suchen wird.

Oliver von Falkenburg (CDU) erkundigte sich in diesem Zusammenhang nach dem Stand der Dinge beim Kaltschmidt’schen Anwesen. Das liegt im Außenbereich von Etzean und soll nach dem Willen des Kreisbauamts abgerissen werden, wogegen sich die Eigentümer wehren (wir berichteten). Diese Abrissverfügung wird – auch ohne dass es dafür einen schriftlichen Beleg gäbe – mit dem Windpark Katzenwinkel in Zusammenhang gebracht, weil das Gebäude nur 300 Meter von einem projektierten Windrad entfernt läge und es damit nach geltendem Recht verhindern würde.

„Wir stehen mit Herrn Kaltschmidt in Kontakt“, sagte Kehrer. Stadtbaumeister Peter Bauer ergänzte, dass es sich nach Auffassung der Stadt „um ein rechtmäßiges Gebäude handelt“. Es sei in Übereinstimmung mit den Vorgaben der damaligen Gemeinde Etzean errichten worden. Seiner Meinung ist das Fehlen einer Baugenehmigung nach der hessischen Bauordnung kein Grund für einen Abriss. Der Gesetzestext wurde nämlich erst nach der Errichtung des Gebäudes festgeschrieben.

„Die Martinskirche in Beerfelden hat auch keine Baugenehmigung“, sagte Bauer trocken und hatte damit die Lacher auf seiner Seite. Aufgrund der jahrzehntelangen Nutzung komme dem Kaltschmidt-Gebäude im Außenbereich eine gewissen Privilegierung so, betonte er. „Es wird zu nichts anderem als zur Herstellungszeit genutzt“, es gab keine signifikanten Anbauten, meinte er.

Birgit Theimer (FDP) wies darauf hin, „dass es eine reguläre Postadresse gibt und Herr Kaltschmidt Grundsteuer zahlt“. Für sie ein klarer Beleg, dass das Anwesen rechtens ist. Rüdiger Holschuh (SPD) erwartete trotzdem eine „harte Auseinandersetzung“. Aus seiner Tätigkeit im Petitionsausschuss des Landtags wusste er, dass „im Außenbereich Gebäude niedergemäht werden“, egal was die Eigentümer vorbrachten.

1500 Euro von der Oberzent-Schule für die Kinderkrebshilfe „Du musst kämpfen“

Dass an eine Schule gespendet wird, kommt immer mal wieder vor. Dass aber eine Schule für einen sozialen Zweck spendet, dürfte eher die Ausnahme sein. Im Nachklapp zum 50-jährigen Bestehen der Oberzent-Schule gab es nun eine Zuwendung über 1500 Euro für die gemeinnützige GmbH „Du musst kämpfen“. Die Initiative unterstützt damit – wie auch mit vielen weiteren Spenden – die Kinderkrebsstation an der Uniklinik Frankfurt.

Marlon Werrmann, Luca Jungblut und Marco Bartmann aus dem Zehner-Kunstkurs von Mareike Hufer hatten angeregt, zum 50. Jubiläum Freundschaftsbändchen anfertigen zu lassen. Im Gespräch von Schulleiter Bernd Siefert mit Jürgen Nebel, der schon seit ein paar Jahren im Odenwaldkreis für die Belange der Initiative trommelt, wurde dann die Idee geboren, daraus eine Spendenaktion zu machen.

In drei Wochen wurde die Aktion gestemmt. Auf der einen Seite des Bändchens ist „Du musst kämpfen“ zu lesen, auf der anderen „50 Jahre Oberzent-Schule“. Nebel ist mit dem Infostand an den Wochenenden immer wieder in der Region vertreten, um für die gute Sache zu trommeln. Vor kurzem war es bei einem Handballturnier in Oberzent, demnächst wird er in Amorbach zu finden sein. Seit 2016 „habe ich bereits 20.000 Euro durch die Bändchen gesammelt“, erzählte er.

Geschäftsführer Martin Heimes erläuterte der Fünfer-Religionsklasse mit Lehrer Andreas Weinmann und dem stellvertretenden Schulleiter Dirk Konrad Hintergrund und der Ziele der gGmbH, die von seinem 2016 verstorbenen Sohn Jonathan „Johnny“ gegründet worden war. Der, als Kind ein gutes Tennisspieler, erkrankte schon mit 14 Jahren an einem bösartigen Gehirntumor. Es dauerte über ein Jahr, bis er danach wieder auf den Beinen war. Nach Fachabi und FSJ kam der Krebs aber wieder zurück. Im Rücken hatten sich Metastasten gebildet, weshalb Jonathan dann auf den Rollstuhl angewiesen war.

„Johnny hat das angenommen und das Leben positiv gesehen“, so sein Vater. Er machte es sich zur Aufgabe, für die Kinderkrebsstation an der Uniklinik Frankfurt Geld zu sammeln. Durch die Kontakte in die Sport- und Tennisszene (Andrea Petkovic war eine Jugendfreundin) stieß er auf die Aktion des ehemaligen Radprofis Lance Armstrong. Der hatte mit Silikonbändchen eine erfolgreiche Spendenaktion angestoßen.

„Wir haben dann überlegt, was wir draufschreiben“, erzählte Martin Heimes den Schülern. Eine SMS von Johnnys Freund Johann brachte die zündende Idee: „Du musst kämpfen – es ist noch nichts verloren“, schrieb dieser. Den ersten Teil der Nachricht übernahm die Initiative fürs Bändchen. Bekannt wurde der Slogan bundesweit durch das Relegationsspiel der Darmstädter Lilien in Bielefeld vor vier Jahren, als diese unter diesem Motto antraten, erläuterte Heimes. Ein fußballbegeisterter Oberzent-Schüler hatte die Partie sogar damals im Fernsehen angeschaut.

Der Geschäftsführer freute sich, dass durch die Unterstützung auch aus dem Profisport-Bereich seit 2013 stolze 1,4 Millionen Euro gesammelt werden konnten. Zwei Projekte werden aktuell unterstützt: Zum einen will man gemeinsam mit dem Verein „Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt“ die unterstützende Sporttherapie für krebskranke Kinder an der Uniklinik weiter ausbauen. „Die ist bisher keine Krankenkassenleistung“, bedauerte Heimes.

Zum anderen erfährt die psychosoziale Beratung für sterbende Kinder und deren Angehörige Unterstützung. Sie wurde in einem Modellprojekt gemeinsam mit dem Kinderhospiz Bärenherz Wiesbaden eingerichtet. Diese Beraterstelle dient als Ergänzung zur Arbeit des Kinder-Palliativ-Teams Südhessen, das seit 2012 im Regierungsbezirk Darmstadt schwerstkranke und sterbende Kinder und Jugendliche in ihren Familien und Einrichtungen versorgt.

Dirk Konrad freute sich über „die tolle Aktion“ beim Schuljubiläum. Sie erbrachte etwas mehr als 1100 Euro, die von der Firma Bechtold auf 1500 Euro aufgestockt wurden. Martin Heimes hatte für die Schulbibliothek die Biografie seines Sohnes, „Comebacks – Mein Leben“, mitgebracht.

Info: http://www.dumusstkaempfen.de

Sturm und Borkenkäfer sägen an den Holzpreisen

Erst „Friederike“ und dann ein „heißer“ Käfer: Dem Wald wurde in diesem Jahr kräftig zugesetzt. Mit dem Ergebnis, dass die Holzpreise einen Sinkflug hinlegten. Von mehr als 90 Euro ging es runter auf etwa 50 für den Festmeter Nadelholz. Das schlägt sich auf den Waldwirtschaftsplan 2019 der Stadt Oberzent nieder. In guten Jahren würde die Holzvermarktung einen Überschuss von mehr als 300.000 Euro erbringen. 2019 rechnet der Chef des Forstamts Beerfelden, Forstdirektor Norbert Sasse, aber „nur“ mit 100.000 Euro, erläuterte er dem Haupt- und Finanzausschuss.

Durch den Januar-Orkan sowie die durch Trockenheit und Hitze entstandene Borkenkäfer-Überpopulation „ist es in Mitteleuropa ist es zu einem starken Markteinbruch beim Nadel-Sägeholz gekommen“, erläuterte Sasse. Da auch kommendes Jahr mit großen Borkenkäferschäden zu rechnen ist, „sind die Planungen mit großen Unsicherheiten behaftet“, warnte er.

Insgesamt sollen laut Plan 16.255 Festmeter (Fm) Holz eingeschlagen werden, wovon Sasse zufolge 14.626 Fm verwertbar sind. Daraus errechnet er im Plan Holzerlöse von fast 734.000 Euro bei Gesamteinnahmen von 790.000 Euro. Bei den Ausgaben (insgesamt 690.000 Euro) nannte er die Beschäftigung von zwei Forstwirten mit fast 120.000 Euro, der Unternehmereinsatz in der Holzernte mit etwa 283.000 und die Beförsterungsbeiträge an Hessen-Forst mit 138.000 Euro als größte Posten.

In 2019 sollen 4500 Tannen, 5000 Douglasien, 3000 Buchen, 1500 Bergahorn gepflanzt werden, sagte der Forstamtschef. Neben 2000 Festmeter Buche sollen 8.400 Fm Fichte und 5400 Fm Kiefer geschlagen werden, wobei die Aufarbeitung des Käferholzes Priorität hat. Der Stadtwald Oberzent ist 2420 Hektar groß, davon sind 2261 Hektar Bäume, so Sasse, der Rest Wege und Wiesen, listete er auf.

Es kamen diverse Fragen zum Thema Borkenkäfer. Kann man vorbeugend was tun? Nicht viel, sagte Sasse, „nur hinterherrennen und Schaden begrenzen“. Man spreche von Milliarden Tieren. Das eingesetzte Insektizid schade anderen Insekten grundsätzlich nicht, da es nur am Wegrand und in ganz geringen Mengen eingesetzt werde. Der Ausschuss empfahl der am 10. Dezember tagenden Stadtverordneten-Versammlung einstimmig den Beschluss des Waldwirtschaftsplans.

Ebenso einstimmig wurde die Empfehlung zur Gründung des Forstzweckverbands Hessischer Odenwald ausgesprochen. Hintergrund ist die vom Land gewünschte Trennung von Beförsterung und Holzvermarktung. Gründungsmitglieder zum 1. Januar sind Abtsteinach, Fränkisch-Crumbach, Grasellenbach, Hirschhorn, Michelstadt, Neckarsteinach, Oberzent und Wald-Michelbach. Der Beitritt aller Kommunen im Odenwaldkreis sowie weiterer Gemeinden des Kreises Bergstraße ist beabsichtigt. Die Vermarktung soll über die Forstliche Vereinigung Odenwald-Bauland in Buchen erfolgen.

Es gab den Hinweis, dass man den Satzungsentwurf erst beschließen könne, wenn der Text endgültig ausformuliert sei (was er durch ausstehende Abklärungen noch nicht ist). Die Satzung werde von der Verbandsversammlung beschlossen, so Bürgermeister Christian Kehrer. Er wies darauf hin, dass Waldwirtschaftsplan auch in Zukunft Sache der Stadtverordnetenversammlung sei. Dies wurde von den Ausschussmitgliedern als sehr wichtig erachtet.

Private Waldbesitzer sind beim Zweckverband laut Kehrer derzeit leider außen vor, weil eine wirtschaftliche Betätigung der Kommune durch die hessische Gemeindeordnung untersagt ist. Eventuell werde der Paragraf 121 aber geändert, stellte er in Aussicht.

Etwas ganz Tolles für die Hetzbacher Dorfgemeinschaft

„Da ist wirklich schön was los“, freut sich Mitorganisatorin Ellen Sturm beim Blick auf die Weihnachtsmeile vor der Krähberghalle. Abgeschirmt von der Straße, finden sich zehn Buden links und rechts des Weges mit allerlei Geschenkideen, aber auch genügend Möglichkeiten, den kalten Temperaturen flüssig wärmend entgegenzutreten oder den knurrenden Magen zu besänftigen. Die schmale Gasse dazwischen tut ein Übriges, dass es aufgrund der drangvollen Enge nicht wirklich kalt werden kann.

Der trockene Samstag mit passendem Weihnachtsmarkt-Wetter sorgt dafür, dass den ganzen Abend über ein stetes Kommen und Gehen herrscht. Der regnerische Sonntag ist dann leider erwartungsgemäß nicht so gut besucht, als nach dem Gottesdienst zuerst ein Kinderbasteln stattfindet, gefolgt vom offenen Weihnachtssingen und dem späteren Besuch des Nikolauses. In ihrer achten Auflage zog die Veranstaltung von der Sciors Mühle um an den Platz vor der Halle, was sich als gute Alternative zeigte. Mit einer Fortsetzung an diesem Ort ist zu rechnen.

„Die Aussteller organisieren den Markt zusammen“, sagt Ellen Sturm, die selbst mit allerlei leckerem, selbstgebackenem Gebäck, Pralinen, vor Ort gebrannten Mandeln und einem süffigen, warmen Apfel-Zimt-Likör dabei war. Der wurde schon ein Vierteljahr vorher angesetzt und schmeckt, garniert mit Sahne, nach mehr. Je nach Jahreszeit und Obst gibt es auch verschiedene Variationen. Den Erlös ihrer Verkäufe spendet sie ans Kinderhospiz im Odenwald. Sturm zeigte sich dankbar, dass zwei lokale Betriebe ihren Ausstellungswagen zur Verfügung stellten, damit dieser von Standbetreibern genutzt werden konnte.

Die meisten von ihnen kommen aus Hetzbach oder anderen Oberzent-Stadtteilen. Gestricktes, Imkereiprodukte, Met, Holzschnitzereien, Nudeln, Liköre, Adventsgestecke und natürlich Glühwein, Punsch, Waffeln und Bratwürste: Ein voller Magen und eine volle Einkaufstasche sind beim Bummel entlang der Stände von Vereinen und Einzelpersonen selbstverständlich. Der Markt „ist ein Treffpunkt für die Hetzbacher“, freut sich Tochter Nina Sturm. In seiner achten Auflage „wurde er bereits zu einer schönen Tradition“, meint Anna Wrba.

Das kann auch Elke Kredel bestätigen. Die Hetzbacherin ist mit ihren Holzschildern und den darauf eingravierten Sprüchen seit Anfang an dabei. „Ich brenne darauf Dinge, die mir auch gefallen“, erklärt sie. Katharina Holschuh, in Airlenbach zuhause, bietet ihre selbst genähten Waren zum zweiten Mal im nördlichsten Oberzent-Stadtteil an. „Alles Eigenarbeit und nichts Industrielles“, betont sie.

Der Weihnachtsmarkt „ist etwas ganz Tolles für die Dorfgemeinschaft“, sagt Kredel. Man kommt zusammen, trifft Leute, die man schon länger nicht gesehen hat, hält ein Schwätzchen – oder mehrere -, trinkt einen Glühwein – oder auch einen zweiten. Wer wie Elke Kredel aus dem Ort stammt, kennt natürlich viele Besucher. Die kommen dann auch gern am Stand vorbei und kaufen das eine oder andere Geschenk.

Seeweihnacht mitten im Odenwald

Eine Seeweihnacht zwischen Odenwald-Hügeln? Das geht. Matthias Bartmann veranstaltete nach dem Auftakt im vergangenen Jahr heuer die zweite Auflage an der Forellenteichanlage im Finkenbachtal. Was 2017 aus „Jux und Dollerei“ entstand und schon damals als Geheimtipp auf viel Widerhall stieß, lockte in jetzigen Ausführung noch ein paar Gäste mehr an. Das Ambiente zwischen den einzelnen Fischteichen bietet sich dafür mehr als an, um im Kreise Gleichgesinnter ein paar schöne Stunden zu verbringen.

Bartmann zeigte sich vollauf zufrieden mit dem Verlauf. „Das passt alles“, schmunzelte er. Bekannte und Freunde halfen bei der Bewirtung mit, während er selbst den Holzgrill überwachte, auf dem die Lachsforellen brutzelten. Die gab’s dann als Alternative zu den üblichen Weihnachtsmarkt-Speisen (Bratwurst, Waffeln, Crepes) lecker angemacht auf dem Brötchen frisch zum Verzehr. An Nachschub herrschte ja kein Mangel.

Der Rothenberger im Finkenbachtal freute sich über den sehr guten Besuch nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern auch von Anglerkundschaft aus Heidelberg und Worms. „Wir haben damals zusammen gesessen und überlegt, einen kleinen Weihnachtsmarkt zu machen“, blickte er aufs letzte Jahr zurück. Daraus wurde eine vom Besuch her doch etwas „größere Ausführung“. Eine Wiederholung ist deshalb bereits für kommendes Jahr angedacht.

An den Ortseinfahrten wird zu schnell gefahren

Es tut sich was im Stadtteil. Nachdem die Ober-Hainbrunner auf ihrer zweiten Ortsbeiratssitzung im August verschiedene Wünsche an die neue Stadt formuliert hatten, gab es bei der aktuellen Zusammenkunft Rückmeldung zur „To-do-Liste“. Ortsvorsteher Stefan Hofmann erläuterte die diversen Maßnahmen.

Ein neues Spielgerät für Kinder unter drei Jahren war vor knapp vier Monaten von den beiden im Ortbeirat vertretenen jungen Müttern thematisiert worden. Es ist nun für den Spielplatz bei der Sporthalle im Haushalt 2019 der Stadt Oberzent eingeplant. Eine zweite Sitzbank steht ebenfalls auf der Wunschliste. Hier gibt es derzeit allerdings Lieferprobleme, erläuterte Hofmann. In diesem Zusammenhang war angeregt worden, die Geschwindigkeit auf dem Zufahrtsweg zu verringern.

Denn von oben herab kommen die Autos viel zu schnell geschossen und gefährden Fußgänger auf diesem Stichweg zum Parkplatz. Entweder soll eine 10-Kilometer-Beschränkung oder eine Spielstraße im kommenden Jahr durch das Ordnungsamt eingerichtet werden. Ein zum Himmel stinkendes Ärgernis sind die Hinterlassenschaften von Hunden. Damit deren Eigentümer diese entsorgen können, wurden Hundemülleimer über die Stadt bestellt und werden vom Bauhof in Rücksprache mit dem Ortsbeirat aufgehängt.

Das an der Kreuzung von Neckar- und Mühlstraße befindliche alte Waagenhäuschen mit Bushaltestelle ist sehr unansehnlich. Dach und Türen sind kaputt, das Pflaster ist abgesackt. Abriss des Schandflecks und Gestaltung der Außenanlage sind laut Hofmann im Haushalt 2019 eingeplant. Die neue Bushaltestelle soll dann von der OREG aufgestellt werden.

Auf Wunsch des Ortsbeirats sollen die Standorte der Ortsschilder auf der L3119 mit der Straßenverkehrsbehörde bei einem Vororttermin überprüft werden. Richtung Unter-Hainbrunn werde das Ortsende suggeriert „und die fahren dann zu schnell um die Kurve“, so Hofmann. Auf der anderen Seite, beim alten Schulhaus, wünscht man sich eine Versetzung weiter nach außen, damit die Autos nicht mit überhöhter Geschwindigkeit in den Ort brettern.

Zu den Wege-Erneuerungen über das Flurbereinigungsverfahren gibt es dem Ortsvorsteher zufolge noch keine Rückmeldung. Wenn diese anlaufen, will man für die Poststraße erreichen, dass in einem Rutsch die Abwasserführung verbessert, Leerrohre für Telekommunikation vorgesehen und die marode Stromleitung erneuert werden. Die Sanierung des alten Gefriertruhenhauses (Vereinslager) wurde neu in die To-do-Liste aufgenommen. An der Sporthalle will man einen Austausch des schlecht zu erreichenden Unterflur- gegen einen Überflurhydranten erreichen.

In diesem Sommer waren Lärm und Geschwindigkeit der Motorräder ein großes Thema in den Oberzent-Stadtteilen. Bürgermeister Christian Kehrer informierte über die vor der kommenden Zweirad-Saison geplanten Maßnahmen wie eine Auftaktveranstaltung, Plakate, Banner und Zivilmotoradstreifen der Polizei. In Kortelshütte laufen die Vorbereitung für eine Bürgerinitiative, deren Gründung Anfang kommenden Jahres ins Auge gefasst ist.

Bürgermeister Kehrer wies beim Thema Windkraft auf die Tagung der Regionalversammlung Südhessen am 14. Dezember hin. Dort steht die Verabschiedung des Regionalplans Erneuerbare Energien an, der im Odenwaldkreis 3,8 Prozent der Fläche für Windenergie zur Verfügung stellen würde. Dagegen rege sich starker Protest von Odenwaldkreis, Kommunen und Bürgern.

Wie der Rathauschef weiter mitteilte, werde Oberzent wohl nicht ohne Straßenausbaubeiträge auskommen. Eine Vorstellung der verschiedenen Möglichkeiten soll es auf der Stadtverordneten-Versammlung am 10. Dezember geben. „Wenn es kein Geld vom Land gibt, dann muss das Geld durch Gebühren oder Steuern kommen“, so Kehrer. Denn sonst fehlt es im Haushalt. Der Wasserpreis in Oberzent werde nach der Erhöhung zum Jahresbeginn 2019 wieder annähernd auf dem früheren Rothenberger Niveau liegen.