Endlich mal wieder im Lokal essen statt mitnehmen

Ganz langsam stellt sich eine gewisse Ermüdungserscheinung bei den abholbereiten Gästen ein, stellen die Oberzent-Gastronomen fest. Nach einem halben Jahr Schließung und Take-Away-Angeboten hoffen sie inständig darauf, dass Richtung Sommer Öffnungen möglich sein werden – wie diese gerade in verschiedenen anderen europäischen Ländern anlaufen. Die Solidarität in den jeweiligen Orten ist nach wie vor ein großes Plus, mit dem sich wuchern lässt.

„Es ist weniger geworden“, stellt Karin Fink-Henke beim Rothenberger Rosenwirt fest. Trotzdem zeigt sie sich mit der Resonanz auf das Angebot des Traditionslokals in der Hauptstraße zufrieden. Die Abholer kommen neben dem eigenen Ort vor allem aus dem Finkenbachtal bin hinunter nach Hirschhorn und hinauf nach Beerfelden. 

„Die Unterhaltungen mit den Gästen fehlen“, bekennt sie. Andererseits ist für die Wirtin auch wichtig: „Wir sind alle gesund“, was zufrieden macht. Da die staatlichen Hilfen flossen, blicken die Gastleute einigermaßen gelassen nach vorn. Eines ist natürlich klar: „Wenn es wieder losgeht, stehen wir in den Startlöchern.“

„Es wird weniger, das stimmt“, hat auch Angelika Beisel vom „Hirsch“ ein paar Meter die Straße runter festgestellt. „Trotz allem ist die Solidarität deutlich spürbar“, freut sie sich. Mit zahlreichen Aktionen versucht man hier der Speisekarten-Monotonie entgegenzuwirken. Was aber nichts an der verfahrenen Situation ändert:  „Alle warten darauf, dass Normalität wieder Einzug hält“, betont Beisel.

Absagen von Reisegruppen reichen inzwischen bis in den Juli hinein, schildert sie. Aber selbst wenn wieder alles offen sein sollte, „geht das nicht von null auf 100“, verdeutlicht Beisel. Denn die Leute brauchen fünf bis sechs Wochen, um alles zu organisieren. Je nachdem, wie lang der Lockdown dauert, „sind wir dann bald wieder am Saisonende“. Die Wirtin nennt es sehr ärgerlich, dass Auslandsreisen möglich sind, aber man im eigenen Land nicht auswärts übernachten darf.

In der Gammelsbacher „Krone“ freut man sich über das ungebrochene Interesse der Abholer. „Besonders an den Wochenenden haben wir eine gute Nachfrage“, sagt Wolfgang Gerbig. Er versucht, sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen. Aktuell gibt es ein paar Spargelgerichte auf der Karte. Die Gäste wissen um die gute Küche im Tal und kommen nicht nur aus Gammelsbach.

Im „Grünen Baum“ ein paar Meter talabwärts können die Dennigers auf ihre Stammgäste bauen. „So langsam merkt man schon eine gewisse Essens-Abhol-Müdigkeit“, erzählt Sascha Denninger. Nach einem halben Jahr geschlossenen Restaurants „möchten wir alle mal wieder einen entspannten Abend mit dem dazugehörigen Service genießen“, weiß er. Essen aus einer Plastikbox ist seinen Worten zufolge „damit nicht zu vergleichen“.

Deshalb kann er die Menschen ein Stück weit verstehen. „Bei gutem Wetter wird dann eben der Grill angemacht. Essen abgeholt hat man über den Winter genug.“ Die Öffnung der Außengastronomie würde schon sehr viel helfen, betont Denniger. Zudem es ja für ihn keinen Unterschied macht, ob die Menschen daheim „zu viert grillen oder auf einer Terrasse mit Abstand zu anderen Gästen sitzen“. Er weist auf den großen Widerspruch hin, wenn die benachbarten Länder langsam öffnen. „Viele werden in nächster Zeit Urlaub im Ausland machen, weil die Hotels in Deutschland noch geschlossen sind“, ärgert er sich.

„Es ist enttäuschend, dass nach einem halben Jahr Schließung noch immer keine kreativen Ideen, Konzepte mit Perspektive oder Ähnliches für den Kultur- und Freizeitbereich vorhanden sind“, bedauert Roland Grünvogel vom Landgasthof Grüner Baum in Hesselbach. „Aber wir sind im Großen und Ganzen zufrieden“, sagt er. Nach einem halben Jahr reinem Take-Away stellt er eine gewisse Müdigkeit fest.

Da aber das Wetter im Vergleich zum vergangenen Jahr wesentlich schlechter war, machte es bei Kälte, Schneefall und Regen bisher unter der Woche keinen großen Sinn, überhaupt etwas anzubieten. Sobald es konstanter wird, rechnet er mit Besserung. „Wir hoffen, dass das große Opfer, welches die geschlossenen Bereiche bringen, von der Gesellschaft nicht vergessen wird“, betont der Gastronom. Vom sicheren Konzept der Außengastronomie zeigt er sich überzeugt. Er rechnet damit, dass genug zu tun sein wird, wenn draußen wieder geöffnet werden darf.

Entscheidend ist für die Wirtsleute aber, „dass wir im Herbst und Winter wieder so normal wie möglich öffnen und arbeiten dürfen“. Grünvogel zeigt sich erfreut über das Voranschreiten der Impfkampagne. „Auch hier üben wir uns in Geduld und stellen uns hinten an, bis wir dran sind“, erläutert er. Es wäre schön, bekräftigt er, wenn jetzt alle mal richtig mitmachen würden – auch die, die Zweifel an Corona haben. „Wir bleiben zuversichtlich“, lautet sein Fazit.

Brigitte Rüting vom Waldgasthof Reußenkreuz auf dem Krähberg ist zufrieden mit der Resonanz auf die Außer-Haus-Angebote am Wochenende – gerade aufgrund des begrenzten Einzugsgebiets. An den Feiertagen herrschte eine gute Nachfrage, stellt sie fest. Die staatlichen Hilfen flossen zwar, „aber man kann keine Rücklagen bilden“, erläutert sie. „Das ist nicht so prickelnd.“

Da der Hotel-Gasthof im Eigentum bewirtschaftet wird, sind die Ausgaben überschaubarer, als wenn Kollegen in Miete wirtschaften, sagt Rüting. Mehr Sorgen macht ihr die Personalsituation. Wenn es wieder losgeht, müssen erst einmal wieder Aushilfskräfte gefunden werden. Die bisherigen orientierten sich im vergangenen Jahr anderweitig.

Alles ist bereit für den Neustart

Die Ausflügler können kommen. Heinrich Wenz und David Shubart, die Betreiber des „Oberzent Hostelstyles“ in Beerfelden, warten nur auf die Möglichkeit der Wiedereröffnung durch eine entsprechende Verordnung des Gesetzgebers. Über den Winter, in Zeiten der erzwungenen Unterkunfts-Schließung, wurden einige Erneuerungsarbeiten durchgeführt. Das Hostel in der Häfengasse oberhalb des Rewe-Marktes bietet drei Zimmer für je vier Personen.

Damit die Gäste auch eine Zeltmöglichkeit vorfinden, richtete Wenz aktuell den Platz neben der Garage her. Er legte Strom und installierte Steckdosen. Auch der Freisitz wurde damit ausgestattet. Im Gebäude gab es ein paar Verschönerungsarbeiten, etwa durch neue Möbel oder Bilder. Jetzt können die Übernachtungsgäste in genauso großer Zahl kommen, wie dies vor der Schließung Anfang November der Fall war.

„Unsere Zimmer wurden gut nachgefragt“, freut sich Wenz im Rückblick. Jede Woche konnte man neue Besucher begrüßen. Viele davon waren Tourenradler, aber gerade zum Schluss hin schauten auch einige Downhill-Biker vorbei, die im Bikepark ihrem Sport auf zwei Rädern frönten. Dazu kamen Wanderer – und sogar eine Mofagruppe, die sich in Anlehnung an dem Film „25 km/h“ mit diesen Vehikeln auf den Weg an die Ostsee gemacht hatte.

Die beiden Betreiber haben eine Marktlücke gefunden, die von einem bunt gemischten, internationalen Publikum, frequentiert wird. Dänen, Kroaten, Russen hat Wenz schon begrüßt. Einige „Wiederholungstäter“ waren bereits unter den Übernachtungsgästen. „Einfache Übernachtungen für wenig Geld sind gefragt“, hat der Beerfeldener beobachtet. Er kann sich deshalb vorstellen, dass es in den umliegenden Ortschaften demnächst einige Nachahmer geben wird.

Seine Gäste kommen etwa zu zwei Dritteln über Buchungsseiten wie booking.com, der Rest über das eigene Angebot, etwa auf Facebook. Dort hat Wenz das Hostel bereits auf speziellen Wanderer- und Radler-Seiten geteilt. Demnächst will er auch auf Instagram werben. Ihn freut es, dass jetzt der Nibelungensteig-Zubringerweg in Beerfelden ausgeschildert ist – so können Gäste vom Marbach-Stausee oder Himbächel-Viadukt den Weg in die Stadt finden.

Heinrich Wenz hofft, „dass es spätestens im Sommer wieder losgehen kann“. Er hat sogar schon Anfragen für diesen Monat, „aber ich darf noch nicht“, bedauert er. Über den Winter haben die beiden keine staatlichen Zuschüsse fürs Hostel beantragt, denn die Gästevermittlung läuft auf privater Basis. „Zum Glück“, sagt er, ist das Duo nicht auf die Einkünfte angewiesen. „Sonst wären wir untergegangen.“

„Wir können es kaum erwarten, dass es wieder losgeht“, sagt der Beerfeldener. Die entsprechenden Hygienemaßnahmen werden natürlich umgesetzt. Dazu zählen unter anderem Handdesinfektionsspender. Auch darf ein Gemeinschaftsbad nur von den Gästen aus einem Zimmer genutzt werden. Ebenso sind die Toiletten einem Raum zugeordnet. Im Gemeinschaftsraum muss Abstand gehalten werden. „Das lässt sich alles realisieren“, betont er.

Da für das Hostel die gleichen Bestimmungen wie für Hotels gelten, „müssen wir die Regelungen abwarten“, erläutert Wenz. Reservierungen nimmt er auf jeden Fall schon entgegen. Natürlich können die Interessenten kostenlos stornieren, sollte die Unterkunft bis dahin doch nicht öffnen dürfen.

Ein Besuch im Bikepark vor drei Jahren gab den Ausschlag: Heinrich Wenz sah dort viele Mountainbiker, die im Auto übernachteten. Auf den Campingplatz oder in eine teure Pension wollten sie nicht. Warum denen nicht ein günstiges Dach über dem Kopf bieten, dachte er. Da der Beerfeldener mit seinem Partner David Shubart schon viel auf der Welt herumgekommen ist und dabei oft in Hostels übernachtete, war der Gedanke naheliegend, ein solches auch in Oberzent auf die Beine zu stellen.

Zwei Jahre dauerte es bis zur Verwirklichung: Jetzt gibt es in der alten Bing- und späteren Meißner-Fabrik Zimmer zu unschlagbar günstigen Preisen. Bei 8,75 Euro startet die Übernachtung. „Das Preissegment ist sehr attraktiv“, weiß Wenz. Er hat die Hostel-Erfahrungen in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten in guter Erinnerung.

Beide wollen der „nicht gerade boomenden Tourismus-Region“ Oberzent etwas auf die Beine helfen und Aktivurlauber anlocken, erklärt Shubart. Deshalb stellen sie auch Ausflugstipps und Sehenswürdigkeiten als Kurzvideo auf Facebook ein. „Wir wollen den Leuten den Odenwald schmackhaft machen“, betont Wenz.

Info: http://www.oberzent-hostelstyle.com

Dicke-Eiche-Tour gegen den Winterspeck

„Eine Tour für Wanderer, die Stille und schöne Landschaft lieben“: So beschreibt die Odenwald-Tourismus die über elf Kilometer lange Wanderung komplett um Airlenbach. Das trifft es genau. Als wir an diesem späten Vormittag die Wanderschuhe schnüren, rechnen wir schon mit weniger Andrang als rund um Schloss Waldleiningen bei der Drei-Länder-Tour. Aber genau vier Personen an der Panorama-Liege oberhalb des Ortes übertrifft alles. Stopp: Fast hätten wir die Reiterin mitsamt Pferd im Nirgendwo-Wald bei Olfen vergessen.

Das Highlight gibt’s bereits beim Aussteigen: die Reste der Dicken, auch Siegfriedeiche genannt, die dem Wanderweg ihren Namen gibt. Der imposante, noch etwa fünf Meter hohe Stumpf zeugt von einer jahrhundertelangen Geschichte, die 2012 mangels Standsicherheit ihr Säge-Ende fand. Das Naturdenkmal steht direkt neben dem Parkplatz an der L 3120, unserem Ausgangs- und Endpunkt.

Noch ein anderer Punkt fällt uns bei dieser Wanderung positiv auf: Fast auf jeder Teilstrecke finden sich Sitzbänke, teilweise sogar -garnituren, dazu noch Schutzhütten. Wir müssen aufpassen, den schönen Tag nicht mit zu viel Pausen an aussichtsreichen Plätzen zu verbringen. Auch wenn kein Gasthaus an der Strecke liegt, in dem wir uns verpflegen können, gibt es somit genug Möglichkeiten, auf eigene Faust eine bequeme Rast einzulegen.

Entgegen dem Uhrzeigersinn geht’s ein paar hundert Meter Richtung Norden stetig aufwärts, bis unser Weg einen scharfen Knick wieder hin zum Ort macht. Entlang der Forsthäuser kommen wir am Sandsteinblock, gewidmet der Heiligen Hedwig, vorbei, und erreichen den lichten Nadelwald. Mit kaum merklicher Steigung voranschreitend, blitzen links immer wieder ein paar Häuser durchs Gehölz.

An zwei oder drei Bäumen hätten wir uns eine eindeutigere Markierung gewünscht. Der Pfeil zeigt geradeaus, wo von links ein Weg hochkommt, wir aber eigentlich zumindest halbrechts laufen müssen. Egal. Selbst die Sonne lässt sich in der Ruhe genießen, in die höchstens ab und zu mal ein Motorrad von der Landesstraße hochschallt.

Der Waldrand ist schon in Sichtweite, als uns dann doch noch ein heftiger Anstieg entlang der Baumgrenze bevorsteht. Aber der Blick aufs freie Feld lässt schon erahnen, dass der sich mehr als lohnen wird. Eine von vielen Bänken wartet an der Ecke, als sich plötzlich die Szenerie weitet. Je weiter wir am Waldrand entlanglaufen, desto mehr kommt links von Airlenbach zum Vorschein. Wir sind auf dem höchsten Punkt angekommen.

Jetzt wird’s tierisch: Erst laufen wir am Damwildgehege vorbei, dann folgen ein paar fest installierte Bienenbeuten, ehe lautes Grunzen darauf hinweist, dass es hinter dem folgenden Zaun schweinisch zugeht. Nicht zu vergessen der Rotmilan, der unterhalb Richtung Güttersbach seine Bahnen am Himmel zieht. Mit Rückwärts-Blick auf den Katzenwinkel, der zum Glück von Windrädern verschont bleibt, verabschieden wir uns von der Hochfläche und tauchen neben der L 3120 in einen kleinen Waldweg ein, der uns bis zum Wanderparkplatz auf der Airlenbacher Höhe führt.

Was sich hier schon andeutet, setzt sich nach Straßenüberquerung auf der anderen Seite fort. Romantische Waldwege vermitteln uns das Gefühl, allein mit uns und der Welt zu sein. Zwar blitzt zwischendurch mal kurz ein Maisfeld auf, doch schnell macht die Strecke bergab einen Schwenk nach links. Mit dem Feld verschwindet auch die Straße von der Bildfläche.

Erst zaghaft, dann ein wenig deutlicher schält sich Unter-Olfen ab und zu aus der Waldfläche. Wenn das Gasthaus „Spälterwald‘“ mal wieder aufmachen darf, rechtfertigt die dortige eigene Schlachtung den Abstieg ins Tal. Denn die Höhenmeter muss man später auch wieder in andere Richtung zurücklegen. So aber werden die Waldwege langsam schmaler, verwachsener, bis an einem Punkt nur noch ein kleiner Trampelpfad übrig bleibt.

Das hat schon Anklänge an Harry Potters verwunschenen verbotenen Wald. Bevor aber Einhörner, Zentauren oder Voldemort um die Ecke kommen könnten, tut sich eine unerwartete Lichtung auf – mitten im Nirgendwo. Wir sind wieder ganz obenauf. Hinter der nächsten Ecke stoßen wir auf die Reste der vom Ortsbeirat markierten Oster-Wanderung – wenn man sonst schon nichts in Airlenbach machen darf, dann wenigstens raus an die frische Luft, denken sich die Aktiven.

Dieser folgend kommt weiter abwärts das große Aha-Erlebnis. Plötzlich ist der Wald weg und der Talblick da. Erst nur Richtung Unter-Airlenbach, dann sukzessive immer mehr vom Ort freigebend, erleuchtet die Nachmittagssonne jeden Zipfel. Der Blick hat’s in sich – wie auch die plötzliche, letzte Steigung, als wir schon in Gedanken wieder am Parkplatz sind. Die Beine sind nach zehn Kilometer merklich schwer, als noch einmal die letzten Höhenmeter hoch zum Waldrand bezwungen werden müssen.

Aber dann: Auf der Höhe sonnen wir uns noch einmal in unserer Weitsicht, ehe erst zaghaft, dann immer steiler, die Meter nur so purzeln, je dichter das Gehölz wird. Zum Glück sind wir die Runde in dieser Richtung gelaufen. Als Anstieg wäre das heftig. Als rechts der Falken-Gesäßer Bach auftaucht, ist das Ende nah. Die Dicke Eiche winkt.  

Name: Dicke-Eiche-Weg

Länge: 11,6 Km

Dauer ohne Pausen: ca. 3 Stunden

Höchster Punkt: 473 m

Niedrigster Punkt: 326 m

Kategorie: leicht

Wanderzeichen: grünes B mit einer darunter liegenden 3 im Hufeisen

Ausschilderung: gut, zu Beginn ein paar interpretationsfähige Pfeile

Verpflegung: Rucksackproviant

Sehenswürdigkeiten: Dicke Eiche, Ausblicke auf Airlenbach und Olfen, Sandsteinblock, gewidmet der Heiligen Hedwig

Mehr Infos: http://www.bergstrasse-odenwald.de/detail/id=5f1540c20e3c1c0fedd15809

Selina kann nun endlich Fahrrad fahren

Selinas Traum ist in Erfüllung gegangen. Die blinde Zwölfjährige aus Kailbach bekam ein Spezialtandem, mit dem sie nun endlich Fahrrad fahren kann. Denn das war seit Langem ihr größter Wunsch. Sehr dankbar ist die Familie Burth für die vielen Spenden, die zu diesem Zweck aus der gesamten Umgebung zusammenkamen. Auch der Echo-Artikel im Januar trug seinen Teil dazu bei, dass das Tandem nun ausgeliefert werden konnte.

5000 Euro kamen bei der Aktion zusammen, darunter auch etliche Spenden aus Selinas Heimatort, dem Oberzent-Stadtteil Kailbach. Weitere 4000 Euro steuert eine Familie aus Michelstadt bei. „Selina liebt es“, sagt ihre Mutter Michaela über das Tandem. Natürlich wurde es gleich ausgiebig genutzt. Für die Realisierung von Selinas Herzenswunsch setzte sich zusammen mit der Familie und dem Behindertenclub Odenwald (BCO) auch der Rotary-Club Erbach-Michelstadt ein.

Eigentlich wollte Präsident Roger Frohmuth den Scheck über 1000 Euro bereits im vergangenen Jahr im Rahmen der 45-Jahr-Feier des BCO übereichen. Doch diese, geplant in der Adventszeit, musste wegen der Pandemie ausfallen. Sie soll aber, möglichst in diesem Spätjahr, nachgeholt werden, dann zum 46-jährigen Bestehen, wie der Geistliche schmunzelt.

Die Rotarier begleiten seit Jahrzehnten die Arbeit des Behindertenclubs mit seiner Vorsitzenden Elfi Kissinger, Selinas Oma, erläutert Frohmuth. Ein solches Tandem „gibt es nicht von der Stange“, erklärt er. Deshalb war eine größere Summe als für eine „normale“ Ausführung nötig. Jetzt wurde die Spenden-Übergabe an die Familie nachgeholt.

Eine weitere große Leidenschaft der Zwölfjährigen ist die Musik. Sie spielt bei der Weihnachtsfeier des BCO immer Lieder auf dem Keyboard vor. Das Klavier spielen hat sie sich vor vier Jahren selbst beigebracht, erzählt ihre Mutter. Selina leidet unter dem seltenen MLS-Syndrom, so Michaela Burth. Deshalb dauerte es auch über ein Jahr, bis die Labore es herausfanden.

Die Zwölfjährige geht in Elsenfeld (Main) auf die Blindenschule. „Leider gibt es nur diese eine“, bedauert sie. Das Mädchen fährt am Tag fast drei Stunden mit dem Bus, da auch andere Kinder abgeholt und auch wieder nach Hause gebracht werden. Selina steigt in Kailbach als erste ein und als letzte wieder aus, sagt sie. Im Moment ist die Zwölfjährige zuhause. „Darüber bin ich auch froh“, betont Michaela Burth. Denn das Mädchen hat kein gutes Immunsystem – und bei einem Schulbesuch „hätte ich noch mehr Angst“.

Die Schule baut gerade in Aschaffenburg neu, erzählt Burth. Dann ist ihre Tochter noch länger unterwegs. Aber: „Die Schule ist sehr gut und bietet auch Klavierunterricht.“ Denn Selina spielt sehr gerne das Instrument. Sie ist sehr musikalisch und singt natürlich auch gerne. Die junge Kailbacherin hat noch eine ältere Schwester, Anastasia. Die 14-Jährige besucht derzeit den Konfirmandenunterricht bei Pfarrer Frohmuth.

Das Fahrradfahren lernte Selina in der Schule, da es dort ein Spezialrad gibt. Die Familie wünschte sich schon lange, erläutert ihre Mutter, zusammen mit ihr Rad-Ausflüge zu machen. Sonst ist das nur getrennt möglich. Michaela Burth stellte bereits oft einen Antrag bei der Krankenkasse, der jedes Mal wegen Selinas Blindheit abgelehnt wurde. Die aktuelle Spendenaktion wurde von einer Freundin der Familie, Natascha Gippert, ins Leben gerufen.

Die Zwölfjährige „hat sich riesig gefreut“, zeigte sich Pfarrer Frohmuth bei der Spendenübergabe bewegt. Daran merkte er, „wie schön es ist, wenn Träume in Erfüllung gehen“. Überall stellte er ein Strahlen auf den Gesichtern fest. Mit dem Schenken „beschenkt man sich auch selbst“, so der Geistliche. Er bezeichnete es als „schöne Sache für die Rotarier, dass wir helfen konnten“.

Natürlich wurde das Tandem gleich in Betrieb genommen. Zuvor hatte es Wolfgang Dittrich, Außendienstmitarbeiter der Firma Draisin, entsprechend eingestellt. Denn die Spezialanfertigung hat eine Rückenlehne, einen Anschnallgurt und spezielle Pedale, damit die Füße drin bleiben. Das vordere Lenkrad bewegt sich analog zum hinteren, das vom Mitfahrer bedient wird. Damit die Odenwald-Hügel bewältigt werden können, gibt es einen E-Antrieb. „Wir fahren jeden Tag damit“, erzählt Michaela Burth. Zuerst ging es Richtung Mudau, dann nach Schöllenbach. Die erste Probefahrt unternahm Selinas Schwester Anastasia mit ihr, während die glückliche Zwölfjährige ihre Freude durch lautes Singen zum Ausdruck brachte.

Keine Party-Stimmung bei bester Unterhaltung

Im Hüttenwerk Michelstadt dürfen aktuell keine Veranstaltungen stattfinden. Michi Tischler ist jedoch nicht nur dort als Sängerin der Hausband „Another Livetime“ aktiv, sondern arbeitet auch freiberuflich. Zu ihren Auftraggebern gehören Hotels in Urlaubslocations, unter anderem auf Fuerteventura. Dort hatte sie gerade ein zweiwöchiges Engagement. Wir sprachen mit ihr über ihre Erfahrungen.

Frau Tischler, Sie hatten ein 14-tägiges Engagement als Sängerin in einem Hotel auf Fuerteventura. Wie kam es dazu und was war dort Ihre Tätigkeit?

Michaela Tischler: Ich habe seit 16 Jahren Engagements in diesem Hotel. Damals wurde ich als Gastsängerin einer Band mitgenommen. Später habe ich mit meiner eigenen Band „Another Livetime“ dort gesungen und in den letzten paar Jahren hatte ich Solo-Auftritte. Seit der Wiedereröffnung nach dem harten Lockdown in Spanien sind dort Einzelmusiker gefragt, die an verschiedenen Orten im Hotel kleine, kurze Konzerte spielen. Ein großes Zusammenkommen aller Gäste an einem Ort findet zurzeit nicht statt. Ich habe an jedem zweiten Tag im Restaurant oder in der Lobby jeweils für eine Stunde gesungen. In der ersten Woche war um 22 Uhr Sperrstunde (so wie jetzt auch in Deutschland) und in der zweiten Woche wurde die Zeit auf 23 Uhr verlängert. Alle Gäste müssen dann auf ihren Zimmern sein. Die landesweiten Regeln gelten auch innerhalb des Hotels.

Waren die Auftritte vergleichbar mit denen vor Corona? Oder ließ sich nicht die gleiche Stimmung aufbauen?

Tischler: Meine Aufgabe war ganz klar: keine Party-Stimmung aufbauen bei trotzdem bester musikalischer Unterhaltung. Also habe ich viele ruhige Lieder gesungen und mein großes Repertoire der Situation angepasst. Die Gäste wussten natürlich auch um die geltenden Regeln: Abstand halten, Maske tragen, nicht tanzen und mitsingen. Und so konnte ich auch mal ein paar flottere Lieder einfließen lassen, ohne die Regeln zu brechen. Besonders gefallen hat mir die Zusammenarbeit mit den anderen Musikern vor Ort. Das war spannend und hat mir gezeigt, wie sehr mir doch das Musikzieren mit anderen fehlt.

Wie haben Sie den Betrieb im Hotel erlebt? War es ausgebucht, „Business as usual“ oder ein Betrieb mit starken Einschränkungen?

Tischler: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendwo auf der Welt gerade „Business as usual“ gibt. Die Abstands- und Hygiene-Regeln gelten auch im Hotel. Es muss auf allen Wegen Maske getragen werden und im Restaurant werden ständig die Hände desinfiziert. Aber da das Meiste bei diesem traumhaften Klima draußen stattfindet und alle Urlauber vorab negativ durch PCR-Test getestet sind, können Sportkurse stattfinden, der Pool hat geöffnet und es gibt Wellness-Angebote. Man geht am Strand spazieren, im Meer baden und betreibt Wassersport, was von den Gästen sehr genossen wird. Auch mein Mann, der mich begleitet hat, und ich lieben diesen Ort sehr und konnten alle Angebote nutzen.

Geht das Leben auf der Insel seinen normalen Gang?

Tischler: Nichts ist derzeit normal. Mit einkalkulieren muss man zurzeit auch noch die Quarantäne nach der Reise, die erst nach fünf Tagen durch einen weiteren Test aufgehoben werden kann. Und ein Antigen-Test vor der Rückreise ist auch Pflicht. Die Kanarischen Inseln sind aktuell noch als Risikogebiet eingestuft. Man darf nicht vergessen, dass es dort Fälle von Corona-Infektionen gibt, genauso wie im Odenwaldkreis auch, und man muss sich entsprechend verhalten. Diese Reise konnten wir nur antreten, da wir zeitlich ungebunden sind und allergrößte Unterstützung unserer Familie haben. Auf der Insel dürfen Restaurants bis zur Sperrstunde geöffnet sein und auch einzelne Geschäfte haben geöffnet. Man sieht jedoch, dass auch dort alle sehr unter dem Fehlen der Touristen leiden. So wie überall.

Wie stellte sich die Situation auf Fuerteventura dar? Gab es Tourismus in nennenswerter Form oder nur in vereinzelten Hotels?

Tischler: Ich habe die Insel als sehr leer empfunden. Viele der lokalen Hotels haben noch geschlossen. Nur einige große Hotelketten halten den Betrieb offen. Dadurch war auch der Strand sehr leer. Auf dem Flughafen war am Hauptabreisetag durchaus Betrieb. Jedoch hatte nur ein Café geöffnet. Bei An- und Abreise wurden mehrere Flüge zusammengelegt und Gäste von anderen Kanarischen Inseln aufgenommen, was zu Zwischenstopps und längeren Reisezeiten geführt hat.

Kamen Sie ins Gespräch mit deutschen Urlaubern? Wenn ja, sagten die etwas zu Ihrer Urlaubs-Motivation?

Tischler: Ich habe einige Urlauber kennengelernt, die ihren Aufenthalt spontan verlängert haben. Sie empfinden die Zeit dort als weniger belastend als in Deutschland. Wer zeitlich unabhängig ist, im Homeoffice arbeitet bzw. verrentet ist und zu Hause keine familiären Verpflichtungen hat, der bleibt, solange er kann. Auch einige Künstler-Kollegen haben ihren Aufenthalt spontan verlängert.

Wie war Ihr Gefühl bei diesem Engagement? Waren Sie froh über den Tapetenwechsel oder gestaltete es sich für Sie eher komisch, da ansonsten Reisen eher schwierig ist?

Tischler: Es war die reine Freude, als wir endlich dort waren und ich freue mich auch darüber, dass ich von Seiten des Hotels jederzeit wiederkommen darf. Jetzt aber warten mein Mann und ich erst einmal sehnsüchtig auf eine Möglichkeit im Sommer, wieder kleine Konzerte im Hüttenwerk veranstalten zu dürfen. Wir haben gute Erfahrungen damit im letzten Jahr gemacht.

Michaela Tischler (48) ist freiberufliche Sängerin (www.michaela-tischler.de) und kommt gebürtig aus Rodgau. Sie ist Ehefrau des Hüttenwerk-Betreibers Achim Tischler, organisiert dort die regelmäßigen Hausband-Abende ihrer Band „Another Livetime“ und setzt eigene Ideen für Veranstaltungsformate, auch in Corona-Zeiten, um. Das Paar hat eine gemeinsame Tochter und lebt in Steinbach.

Bildunterschrift: Michaela Tischler auf dem Dach des Hotels, in dem sie als Sängerin Auftritte hat. Im Hintergrund sieht man den menschenleeren Strand „Jandia“ im Süden der Kanareninsel Fuerteventura.

Nur Musik auflegen macht den DJ glücklich

„DJ Lucky“ aus Ober-Hainbrunn ist derzeit gar nicht glücklich. Denn ihm geht es wie den anderen Kollegen aus der Kulturbranche: Er hat mehr oder weniger Berufsverbot, weil keine Veranstaltungen mehr stattfinden dürfen. Patrik Lukaschek kritisiert denn auch die mangelnde Planbarkeit während der Corona-Pandemie. „Es gibt keinen Informationsfluss seitens der Regierung“, so seine Klage. Planung ist das Eine, der Kontakt zu den Menschen das Andere: „Mir fehlt es sehr, die Leute zu unterhalten“, sagt er.

38 Termine, davon 26 Hochzeiten, begleitete Lukaschek noch 2019 auf seiner Anlage. Dazu kamen Firmen- und Vereinsfeiern sowie Fastnachtsveranstaltungen. Darauf hat sich der 47-Jährige inzwischen spezialisiert, nachdem er sich vor über 20 Jahren im Enzkreis ganz klassisch seine ersten Sporen in den dortigen Dorfdiscos verdiente.

2020 ließ sich eigentlich auch ganz gut an, schildert der DJ. Fastnacht ging regulär über die Bühne, auch zwei Hochzeiten begleitete er. Dann kam der Bruch. Nachdem Lukaschek im Spätsommer noch einmal hochzeitsmäßig kurz aktiv war, „ist seit November tote Hose“. Inzwischen sieht der Wahl-Odenwälder „die Saison 2021 schon dahinschwinden wie 2020“, merkt er niedergeschlagen an.

Das trifft nicht nur ihn hart, sondern auch die Brautpaare. Die haben ihren Termin von Mai des vergangenen Jahres auf diesen Wonnemonat verschoben und können sich jetzt wieder nicht das Ja-Wort geben. „Drei Termine wurden schon wieder gecancelt“, bedauert er. Er bekommt zwar Anfragen rein, aber die werden gleich mit der Option versehen, ob sie geändert oder storniert werden können. „Planbar ist diesen Sommer gar nichts“, erklärt Lukaschek.

Das heißt für ihn aber nicht, dass er die Anlage komplett in den Keller räumt und sich nicht mit Musik beschäftigt. „Ich muss als DJ auf dem aktuellen Musik-Stand bleiben“, erklärt der 47-Jährige. Das bedeutet, dass er sich die neuesten Chart-Songs organisiert und auf ihre Verwendbarkeit hin testet. „Abends sitze ich manchmal am Mischpult und übe den Übergang“, erzählt er. Sein Equipment hat er allerdings ziemlich einmottet.

 „Man muss dranbleiben, um immer up-to-date zu sein“, erläutert er. Von den Kunden wird verlangt, dass der DJ immer weiß, was gerade angesagt ist und aktuell in den Charts läuft. Andererseits können die Vorlieben der Gäste auch bei der Musik der 50er oder 60er Jahre liegen. Um in kein Fettnäpfchen zu treten, gibt es jedes Mal ein Vorgespräch mit Fragen, „in welche Richtung es gehen soll“, schmunzelt er. Bei Vereinsfeiern „habe ich mehr freie Hand“.

Die 90er Jahre sind stark angesagt, weiß Lukaschek. Gute deutsche Schlager zum Tanzen werden auch gerne nachgefragt. Last but noch least „darf’s ebenfalls in die rockige Schiene gehen“. Als DJ hat er natürlich seine Favoriten: In den 90ern aufgewachsen, „sind Dancefloor und Rockmusik mein Ding“. Der Ober-Hainbrunner macht jedoch klar: „Der Kunde ist König.“

Er erinnert sich an ausgefallene Wünsche: etwa an eine Hochzeit im Country-Style, bei der zu Beginn Wert auf die entsprechende Musik gelegt wurde. Zu späterer Stunde kamen dann die Malle-Schlager dran. Hier ist Lukaschek dann gefordert, die passenden Klänge für dich doch unterschiedlichen Ansprüche zu organisieren.

Im ersten Lockdown vor einem Jahr stand bei ihm ein anderes Projekt an: die Haus-Renovierung. Neuanschaffungen für seinen DJ-Job müssen derzeit warten: Fürs Nebengewerbe ist seinen Worten zufolge „praktisch keine staatliche Förderung möglich“. Ihm tut es schon weh, das Engagement für eine Hochzeitsbegleitung bereits zum zweiten Mal zu verschieben. Lukaschek möchte sich gar nicht vorstellen, was das für ein Brautpaar bedeutet.

Bald wieder etwas planen können: Das ist nicht nur sein größter Wunsch. Das künstlerische Leben steht still, kritisiert er – ohne dass es irgendeine Perspektive gibt. Nicht nur DJs, auch Bands, Theaterleute und sonstige kulturell Aktiven wünschen sich Infos, „ob etwas draußen stattfinden darf“. Da sich nichts tut, befürchtet der Ober-Hainbrunner, dass bis Spätjahr die Schotten dicht sein werden und erst gegen Jahresende „in kleinem Kreis“ wieder etwas gehen könnte.

Patrik Lukaschek (47) alias „DJ Lucky“ stammt aus dem Enzkreis. Er wohnt seit zehn Jahren in Ober-Hainbrunn. Seit über 20 Jahren arbeitet er nebenberuflich als DJ, erst ganz klassisch in der Dorfdisco, mittlerweile auf Hochzeiten oder Firmenfeiern. Im Hauptberuf ist Lukaschek in einem pharmazeutischen Unternehmen bei Eberbach tätig.

Im Odenwald auf Römerspuren

Mehr römische Geschichte an einem Tag geht nicht. Dazu noch Nadelgehölz ohne Ende, dass es manchmal fast zu viel wird, ein architektonisches Schmuckstück in Gestalt von Schloss Waldleiningen und natürlich fabelhafte Odenwälder Küche: Der Drei-Länder-Weg rund um Hesselbach führt tief in die Historie und macht Appetit auf mehr.

Der Landgasthof „Grüner Baum“ leidet derzeit unter den Corona-Beschränkungen wie andere Gasthäuser auch. Mit dem Take-Away-Angebot ist die Familie Vogel weiterhin für ihre Gäste da und bietet schmackhafte Speisen an. Da ist es schwierig, im Vorfeld der Tour eine Entscheidung zu treffen: nach dem Mittag mit vollem Magen die zwölf Kilometer angehen, oder sich erst einmal das opulente Mahl verdienen? Oder beides: Mit einem leckeren Frühlingssalat als Appetizer starten und später mit dem Hesselburger die verbrannten Kalorien wieder reinholen.

Gleich am Ortsende biegen wir, immer der 6er-Markierung folgend, auf den kleinen Pfad nach links ein, der in lichtem Wald oberhalb der Straße Richtung Kleinkastell Zwing führt. Verschiedene Infotafeln geben uns hier einen Einblick in die Geschichte der älteren Limes-Odenwaldlinie.

Wohl eher Zufall dürfte es sein, dass dort, wo sich vor fast 2000 Jahren der Limes entlang schlängelte, heute die Ländergrenze zwischen Hessen und Baden-Württemberg ist. Der 6er-Weg, vorher offen, eben, geschottert, biegt nach links in den dichten Wald ab und legt an Gefälle einen gewaltigen Zahn zu. Mit zwei Serpentinen und auf weichen Nadeln verlieren wir innerhalb kürzester Zeit mehr als 100 Höhenmeter.

Die Strecke ist ein schöner Kontrast zur bisherigen, als wir auf der Höhe mit Blick auf Hohberg und Krähberg den weiten Blick genossen. Den gibt’s ganz plötzlich im Talgrund, als sich der Blick weitet und denselbigen auf sattes Grün freigibt. Wir sind in Waldleiningen angekommen.

Langsam schält sich das Schloss aus der Landschaft heraus, ein imposantes Gebäude, das man nie und nimmer in dieser Odenwald-Diaspora erwartet. Erbaut wurde es ab 1828 in Anlehnung an britische Vorbilder, wie beispielsweise Abbotsford des schottischen Schriftstellers Walter Scott. Auf einer der vielen Bänke am Wegesrand können wir die Frühlingssonne in vollen Zügen genießen, bevor wir danach auf vielen Kilometern ein Schattendasein fristen müssen.

Unser Rundweg zweigt unterhalb des Schloss scharf nach links oben ab. Mit ein wenig Wehmut lassen wir die Postkarten-Landschaft hinter uns und machen uns an den kurzen, aber eher gemütlichen Aufstieg. Nur ein paar Meter weiter dürfen wir das nächste Bundesland auf unserer Tour abhaken: Wenn von oben kommend der Nibelungensteig die Strecke kreuzt, sind wir im Naturpark Bayerischer Odenwald angekommen.

Eine deftige Brotzeit und ein kühles Helles wären optimal als Start der nun folgenden, immer monotoner werdenden Strecke unterhalb des 547 Meter hohen „Kollis“. Der Wanderweg macht jede Hügel-Ausbuchtung mit. Hinter jeder Ecke sieht’s gleich aus. Das unterhalb liegende Tal mit der Straße Richtung Kirchzell lässt sich nur schemenhaft erahnen.

Doch alle Mühsam hat ein Ende. Langsam, aber sicher, gewinnen wir ein paar Höhenmeter, was darauf hindeutet, dass ein Ende der Monotonie bevorsteht. Als der Rundweg einen scharfen Knick macht und sich, Bayern verlassend, hoch zur Verbindungsstraße zwischen Würzberg und Hesselbach windet, ist unsere Erleichterung groß. Denn ab jetzt, zeigt der Blick in die Karte, wird die Landschaft offener, es geht fast nur noch eben weiter.

Was schon zwischendurch ins Auge fiel, sorgt an der Straßenüberquerung noch einmal für Irritation. Die Wege sind zwar gut ausgeschildert, aber es gibt einige Veränderungen gegenüber der noch nicht einmal drei Jahre alten Oberzent-Wanderkarte. Was früher eine „5“ war, wurde zum „V“-Weg. Wo der 6er-Weg nach links abbog und entlang der kleinen Straße führte, quert er diese nun und geht auf der anderen Seite in den Wald hinein.

Wir vertrauen der Markierung, weil wir sowieso ein weiteres römisches Zeugnis, den Wachturm WP 10/30 mit Palisaden, in Augenschein nehmen wollen. Das herrliche Waldweg-Stück mit Stopp am ehemaligen Wachtposten in den Vogelbaumhecken lohnt sich. Gedanklich machen wir uns die Notiz, im Sommer noch einmal vorbeizukommen, wenn die unzähligen Heidelbeer-Hecken vollhängen werden.

Das Wissen um die letzten beiden Kilometer und auf viel offenes Feld mobilisiert die Reserven. An der kommenden Kreuzung müssen wir uns zwischen Licht und Schatten entscheiden. Unser etatmäßiger Weg zweigt nach links in den Wald ab und verläuft durch diesen bis kurz vor die Ortschaft. Optimal für heiße Tage. Wir aber laufen auf der Suche nach wärmenden Sonnenstrahlen geradeaus auf dem 2er-Weg weiter, auf dem bald unterhalb der sattgrünen Wiesen Hesselbach erscheint.

Auch wenn’s kein Halb-, sondern nur ein Viertelmarathon war, drehen wir auf diese Weise aber eine halbe Ehrenrunde um den Ort. Kurz vor diesem geht’s nach links auf ein kurzes Nibelungensteig-Intermezzo, ehe uns der 6er-Weg wieder vom Wald her einholt – der Wanderkarte nur mit viel Phantasie folgend. Aber egal: Wir können das duftende Rumpsteak vom Angusrind aus dem „Grünen Baum“ fast schon riechen.

Das ehemalige Kastell Hesselbach, wohlklingend Bodendenkmal genannt (was so viel heißt, dass man außer den Info-Tafeln nichts, rein gar nichts mehr, sieht), lassen wir schnellen Schrittes rechts liegen, um so nach der Geschichte schnell etwas Gutes für Leib und Magen zu tun.

Name: Drei-Länder-Weg

Länge: 12 Km

Dauer ohne Pausen: ca. 3,5 Stunden

Höchster Punkt: 500 m

Niedrigster Punkt: 340 m

Kategorie: leicht

Wanderzeichen: gelbe 6 in gelbem Kreis

Ausschilderung: gut (Differenzen zur Wanderkarte 10 „Oberzent“ des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald)

Verpflegung: http://www.gruenerbaum-hesselbach.de, Telefon 06276-280

Sehenswürdigkeiten: Limes, Kleinkastell Zwing, Schloss Waldleiningen, römischer Wachturm, Numeruskastell

Die Veröffentlichung ist ihr eine Herzensangelegenheit

„Krankheit heilt! Heilt Krankheit?“ So betitelte die Lehrerin an der Oberzent-Schule Beerfelden, Anna-Katharina Sauermilch, ein Buch, das sie für ihre an Krebs verstorbene Mutter veröffentlichte. Im Februar 2001 erhielt Renate Bihn die Diagnose Brustkrebs. Auf die erhoffte Heilung im Sommer folgte die Wiedererkrankung im Oktober. Die geliebte Mutter starb Anfang 2003. In der Zwischenzeit schrieb sie ihre ganz persönlichen Antworten auf drängende Fragen auf.

„Was bedeutet es krank zu sein? Wie sieht ein Leben mit der Krankheit aus? Ist es das Ende, ein Anfang eine Qual oder sogar eine neue Chance?“: Diese Dinge beschäftigten Renate Bihn an ihren letzten Tagen. Sie fand ihre ganz persönlichen Antworten. „Diese wollte sie nie mehr verlieren und schrieb sie auf“, erinnert sich die Tochter. Sie gab nun den schriftlichen Ausführungen und zur Verarbeitung der Lebenssituation gemalten Bildern einen Rahmen und veröffentlichte das Buch.

Bereits seit vielen Jahren verfolgte Anna-Katharina Sauermilch den Plan, die Werke ihrer Mutter auszustellen oder sie zu publizieren. Aber wie das Leben so spielt: „Es kam immer etwas anderes dazwischen“, erzählt sie. Mit dem „Anderen“ sollte im Corona-Jahr 2020 endlich Schluss sein. „Ich nutzte die Zeit der Ruhe, Distanz und des Abstandes sowie unsere kleine Tochter Helena als Quelle der Motivation und Liebe für mich“, erläutert die Wahl-Odenwälderin. Das Ergebnis liegt nun vor.

Die Werke ihrer Mutter „bedeuten mir schon immer unglaublich viel“, erklärt ihre Tochter. „Durch die Texte kann sie zu mir/uns sprechen“. In der schlimmen Zeit der Krankheit begann Renate Bihn, sich künstlerisch auszudrücken. Schon damals haben ihre Werke (in Ausstellungen und Vorträgen) viele Menschen, vor allem andere Krebspatienten, tief bewegt, weiß die Tochter. Sie konnten hieraus neue Kraft schöpfen. Viele ihrer Bilder hängen im Haus in Lautertal.

„Meine Mama war für mich die tollste Mama, die ich mir nur hätte wünschen können“, erzählt die Autorin. Daher ist die Veröffentlichung für sie einerseits ein Andenken und eine Danksagung an den einzigartigen Menschen Renate Bihn, „durch den ich der Mensch wurde, der ich heute bin“. Auf der anderen Seite ist das Buch für sie aber auch ein Aufruf, ein Hoffnungsschimmer, „ein Mutmacher für all jene, die ihn hören und sehen wollen“.

Anna-Katharina Sauermilch musste selbst schon den einen oder anderen Schicksalsschlag wegstecken – vor allem den Tod der Mutter und den ihres Bruders 2010. „Dadurch weiß ich auch, wie es ist zu glauben, alles mache keinen Sinn mehr“, verdeutlicht sie. Doch gerade diese schweren Zeiten sind es, „die uns zu Mut, Freude, Liebe, Mitmenschlichkeit und Hoffnung aufrufen“, betont die Lehrerin. Dann „können wir persönlich wachsen und entscheiden, wer wir sind und sein wollen“, hebt sie hervor.

Die Veröffentlichung ist ihr eine Herzensangelegenheit. Sauermilch hofft, dass die Bilder und Texte ihrer Mutter auf diesem Wege noch viele weitere Menschen erreichen und ihnen – vielleicht gerade in einer schwierigen oder hoffnungslosen Zeit – ein Lichtblick sein können. „Braucht es immer einen Unfall, eine schlimme Krankheit oder eine Corona-Pandemie, um sich auf das wirklich wichtige im Leben zu besinnen?“, meint Sauermilch.

„Wieso entscheiden wir nicht jetzt gleich, was uns persönlich wirklich wichtig ist und was uns glücklich macht?“, ist ihre Lebenseinstellung. Schon ihre Mutter riet: „Mache jeden Tag zu deinem Tag, hinterlasse Spuren, forme eine Erinnerung an einen Menschen, der du sein möchtest. Es liegt einzig und allein in deinen Händen.“

Info: Das Buch ist per E-Mail unter anna-katharina.bihn@web.de erhältlich.

Anna-Katharina Sauermilch, geb. Bihn (30), wurde in Hanau geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in Rödermark/Ober-Roden. Schon früh spielte der Sport eine große Rolle in ihrem Leben. Sie war 2010 bis 2018 Kinder- und Jugend-Leichtathletiktrainerin bei der Darmstädter TSG. 2019 gründete sie die Kinder-Leichtathletikabteilung der SG Lautern und ist seitdem dort Trainerin.

Mit dem zweiten Staatsexamen in Darmstadt 2017 war sie an der Melibokusschule Alsbach-Hähnlein und im Schuldorf Bergstraße Seeheim-Jugenheim tätig, 2017/2018 Lehrerin am Schuldorf Marienhöhe in Darmstadt, 2018 bis 2020 in Elternzeit und ist seit 2020 Lehrerin an der Oberzent-Schule Beerfelden.

Nach der Heirat mit Eugen Sauermilch zieht das Paar Ende 2017 nach Lautertal/Kreis Bergstraße. 2018 kommt Tochter Helena auf die Welt.

Schon seit ihrer Kindheit schreibt die Lehrerin „unglaublich gerne Geschichten“ und verfasst Gedichte.

Hoffnung auf bald steigende Holzpreise

Beerfeldens Forstamtschef Ronny Kolb macht gebeutelten Waldbesitzern Hoffnung. Er rechnet damit, dass die Preise für frisch eingeschlagenes Kiefern- und Fichtenholz in der zweiten Jahreshälfte nach oben schnellen werden. Denn der Markt ist ausgetrocknet. Das merken derzeit Endverbraucher, die im Baumarkt um einiges mehr bezahlen müssen, aber auch Baufirmen, denen die Einkaufspreise für Holz davonlaufen. Kolbs Aber für die Besserung: keine Sturmschäden, keine Trockenheit, keine Käfer.

Die Preise für Schnitt- und Bauholz „sind in den vergangenen Wochen explodiert“, sagt der Leiter des Forstamts Beerfelden, zu dem neben Oberzent auch der Überwald und das hessische Neckartal gehören. Teilweise stellt er Steigerungen bis 300 Prozent fest. Auf der anderen Seite, weist Kolb auf den Widerspruch hin, „liegt so viel Holz im Wald wie noch nie“.

War der Käfer am Werk, zahlen derzeit die Sägewerke gerade einmal 25 bis 30 Euro pro Festmeter, erzählt der Forstmann. In etwa so viel, wie die Aufarbeitung kostet. „Deshalb steht noch viel trockenes Holz in den Wäldern“, erklärt er. Allerdings nicht in ganz Deutschland, sondern vor allem in der Mitte. Südbayern ist davon kaum betroffen. „Die kennen kaum Kalamitäten“, sagt der Experte.

Die Globalisierung macht auch vor dem Holzmarkt nicht halt, verdeutlicht Kolb die weltweite Dimension der aktuell steigenden Preise. Für die Sägeindustrie hat sich mit China und den USA ein Riesenmarkt mit großen Gewinnmargen aufgetan, schildert er. Da es US-Zölle auf kanadisches Schnittholz gab, wird das Material aus Europa eingeführt. Somit ein „extremer Absatzmarkt“.

Parallel dazu zog dem Forstamtsleiter zufolge die Inlandsnutzung im vergangenen Jahr ebenfalls an. Hintergrund: Wegen der Corona-Pandemie fuhren viele Menschen nicht in Urlaub und widmeten sich stattdessen den eigenen vier Wänden. Die Nachfrage zu teuren Preisen ist derzeit fast nicht zu befriedigen, beobachtet Kolb.

„Wir können frisches Holz wieder anbieten, wenn vernünftige Verkaufspreise erzielt werden“, freut er sich. Denn zeitverzögert ziehen die auch gerade kräftig an. Kolb rechnet damit, dass gegen Jahresende wieder ähnliche Summen wie vor 2018 erreicht werden können, als damals zu Jahresbeginn Sturm Friederike den Abwärtstrend auslöste. Seine Einschränkung: Es dürfen keine Kalamitäten mehr kommen.

Zwar ist im Odenwald auch noch Käferholz verfügbar. Das ist qualitativ genauso gut wie frisch eingeschlagenes und kann gut für Häuser in Holzständerbauweise verwendet werden. Derzeit wird es den Verkäufern „aus den Händen gerissen“, weil die Nachfrage aus den USA und China so hoch ist. Laut dem Forstmann braucht die Sägeindustrie allerdings das optisch hochwertigere Material, „weil im Bausektor viel mit Sichtfaktor gearbeitet wird“. Etwa die Deckenbalken im Wohnzimmer.

Vor allem bei Fichte und Kiefer, den in der Region vorherrschenden Baumarten, waren die Preise in den Keller gerauscht. Neben den Privatwaldbesitzern, für die sich eine Aufarbeitung oft nicht mehr lohnte, litten darunter auch die Kommunen, für die ihr Waldwirtschaftsplan in früheren Jahren ein Goldesel war – den man aber jetzt zufüttern musste. Für andere Laub- und Nadelbäume, wie Buche, Lärche oder Douglasie, werden weiterhin Spitzenpreise erzielt.

Kolb versichert: „Die Renaissance wird kommen.“ Denn das Käferholz ist so gut wie überall weg. „Im Odenwald stehen nur noch Kleinstmengen“, erläutert der Förster. Das hat auch mit dem konsequenten und zielgerichteten Vorgehen aller Beteiligten zu tun. Mehr Sorgen macht ihm der Schneebruch des vergangenen Winters. Hier müssen die Fachleute eingreifen, „damit wir uns keine Käfer züchten“. 

Wo es große zusammenhänge Flächen gab, ging die Aufarbeitung schneller vonstatten, erklärt der Forstamtschef. Bei Streuwaldbesitz, etwa in Langenthal oder auf der Tromm, „gab es signifikant höheren Befall“. Kolb lobt aber die sehr gute Zusammenarbeit mit den Waldbesitzern. Der Dreiklang aus diesen, der Erfahrung und den fitten Unternehmern „wirkt positiv“, sagt er. Denn die Käferbekämpfung „ist ein mordsmäßiger Aufwand“, bei man nicht nachlassen darf.

Kolb sieht vor dem Hintergrund des Klimawandels mit immer häufigeren Extremwetterereignissen den Waldumbau als „aktueller denn je“ an. Das Forstamt setzt dabei auf Diversität. Fichte und Kiefer bleiben erhalten, werden aber bereichert durch andere, junge Bäume, die resistenter gegen solche heftigen Schwankungen inklusive Trockenheit sind.

Jugendliche Power für Stavo und Kreistag

Der Jugend eine Stimme geben, die Vereine stärker fördern, das Ehrenamt unterstützen sowie die Stadt kulturell und touristisch voranbringen: Dafür stehen in der neu gewählten Oberzent-Stadtverordnetenversammlung die jüngsten Mitglieder: Dominique Deutsch (SPD) und Yannick Ullmann (CDU), beide 22 Jahre alt. Deutsch wurde zusätzlich sogar direkt in den Odenwald-Kreistag gewählt, Ullmann kam als erster Nachrücker nachträglich zum Zug.

Beide standen für ihre jeweilige Fraktion bereits nach der Fusion 2018 auf der Oberzent-Kandidatenliste. Ullmann, gleichzeitig Vorsitzender der Jungen Union, war schon in der bisherigen Stavo vertreten. Deutsch schaffte vor drei Jahren noch nicht den Sprung. „Da war ich noch zu unbekannt“, lacht sie.

Auch dieses Mal, erklärt sie, „war ich skeptisch, weil ich dachte, es kennen mich zu wenige“. Was sich aber als Trugschluss erwies, denn es reichte für die direkte Wahl in beide Parlamente. Die 22-Jährige hatte sich vor ihrem Eintritt in die Kommunalpolitik die Wahlprogramme aller Parteien gründlich angeschaut und die meisten Übereinstimmungen in dem der SPD gefunden.

Dominique Deutsch sieht die Altlasten der vier ehemaligen Gemeinden „noch nicht ausgeräumt“ und will mit ihrer Arbeit in der Fraktion dazu beitragen, dass die nicht mehr ganz so neue Stadt noch etwas mehr zusammenwächst. Denn ihrer Meinung nach ist das Potenzial der Fusion „noch nicht ausgeschöpft“. Mit ihrem beruflichen Background will sich die Airlenbacherin neben dem sozialen auch in den wirtschaftlichen Bereich einbringen.

Wichtig ist für die SPD-Kommunalpolitikerin „ein gutes Bildungsangebot vor Ort“. Das fängt für Deutsch schon bei Kindergartenplätzen an. Hier geht es darum, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. Flexible Angebote in den Kitas, wie etwa Nachmittagsbetreuung, betrachtet sie als notwendig, damit die Mütter einem Beruf nachgehen können. Zum Komplettpaket zählt für sie der Waldkindergarten.

Neben Grund- und Gesamtschule sollte für sie auch eine Berufsschule im Odenwaldkreis ansässig sein, „damit die jungen Menschen nicht nach Darmstadt müssen“. Daneben steht auf ihrer Agenda der Ausbau des „Odenwald-Studiums“ – um die Leute vor Ort zu halten. Das ist, hebt die 22-Jährige hervor, auch im Sinne der Unternehmen, die damit auf qualifizierte Arbeitskräfte vor Ort zurückgreifen zu können.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund ihrer eigenen Aktivitäten im JFO ist für Deutsch die Vereinsförderung „ein ganz großes Thema“. Viele junge Leute sind in den verschiedenen Oberzent-Organisationen aktiv, weiß sie. Leider gibt es „noch keine richtige Satzung“, wie die städtischen Zuwendungen geregelt werden, bedauert sie. Damit wird die eine oder andere Vereinsarbeit erschwert.

In Sachen Kultur spricht sich die frisch gebackene Stadtverordnete für attraktive Angebote aus, die junge Leute ansprechen. Die Nutzung des Geländes am Marbachstausee und das dortige Festival „Sound of the Forest“ bezeichnet sie in diesem Zusammenhang als ganz wichtig. Natürlich gilt es, betont Deutsch, mit Rücksicht auf die Anwohner einen Kompromiss zu finden. „Ich will mit einer jüngeren Sichtweise draufschauen“, sagt sie.

Allerdings muss dann, hebt die 22-Jährige hervor, auch das Mobilitätsangebot stimmen. „Man sollte noch nach Hause kommen“ – gerade nach dem Besuch eines solchen Festivals. Aus eigener Anschauung weiß sie, wie eingeschränkt der ÖPNV in Airlenbach ist. Deutsch wünscht sich im Parlament eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen den Fraktionen. Denn letztlich, betont sie, geht es darum, die Stadt gemeinsam voranzubringen.

Ihr Kollege Yannick Ullmann (CDU) wurde bereits mit 19 Jahren in der ersten Kommunalwahl nach der Oberzent-Fusion 2018 in die neue Stadtverordneten-Versammlung gewählt. Der heute ebenfalls 22-Jährige war schon während der Schulzeit politisch interessiert, berichtet er. Was nicht zuletzt in seiner Fächer-Auswahl zum Ausdruck kam: Er belegte den Politik-Leistungskurs.

Vor der Kandidatur beschäftigte er sich wie auch Deutsch mit den Programmen der verschiedenen Fraktionen. Bei der CDU „fühle ich programmatisch und von den Werten her aufgehoben“, erklärt Ullmann. Die bisherige Arbeit mit einer guten Truppe von jungen und erfahrenen Leuten „hat mir viel Spaß gemacht“, sagt er.

Jahrelang beim TV Beerfelden aktiv, kennt der Kommunalpolitiker die Bedarfe der Vereine. Deshalb ist es ihm wie auch seiner gleichalterigen Kollegin wichtig, endlich eine Fördersatzung auf den Weg zu bringen. Die vor der Wahl verabschiedete Vereins-Coronahilfe sieht er als Zwischenlösung für das nach wie vor auf diesem Feld bestehende Defizit.

Ullmann spricht sich weiterhin für eine „Ermöglichungskultur“ aus. Es soll nicht immer nur darüber geredet werden, „was nicht geht“, fordert er. Er wünscht sich eine positive Herangehensweise. „Was ist wie machbar“, lautet für ihn der Ansatz. Unter diese Prämisse fällt für den 22-Jährigen auch die bessere Vermarktung von touristischen und kulturellen Highlights der Stadt.

Seine Aktivitäten auf Kreisebene sieht der CDU-Politiker durch seine Berufsausbildung und die Tätigkeit als Jungunternehmer geprägt. Es geht ihm darum, „den Wirtschaftsstandort Odenwald voranzubringen“. Die Region bietet mehr, als nach außen dringt, betont er: „Wir reden uns zu klein“. Wichtig ist in einer ländlichen Gegend „eine gut ausgebaute Infrastruktur für Firmen“, hebt er hervor. Dazu zählt er die Digitalisierung, deren Perfektionierung Ullmann als unabdingbar bezeichnet.

Das frischgebackene Kreistagsmitglied will eine „Wertschätzung für Existenzgründer“. Denn die, betont er, „sind die Steuerzahler und Arbeitgeber von morgen“. Ullmann möchte die bei der OREG angesiedelte Wirtschaftsförderung intensivieren, bekräftigt er. Auf Oberzent bezogen wünscht er sich deshalb eine zusätzliche Ausweisung von Gewerbeflächen, nicht nur in der Kernstadt Beerfelden selbst, und deren zielführende Vermarktung. Das kommt seiner Beobachtung nach „bis zu kurz“.

Dass Ullmann auf der Kreistagsliste von Platz 31 auf 13 vorgewählt wurde, „war für mich eine große Überraschung und ehrt mich“- Generell, stellt er erfreut fest, sind Mitglieder der Jungen Union gut in den aktuellen Kommunalparlamenten des Odenwaldkreises vertreten. Das fängt beim Kreistag an und setzt sich in Oberzent fort, wo fünf der acht Mitglieder der JU angehören. „Das entspricht überhaupt nicht dem Klischee über die CDU“, lacht er.

Dominique Deutsch (22) wohnt in Airlenbach. Sie ist nach ihrem BWL-Bachelor-Studium der Fachrichtung Banken/Finanzen Projektmanagerin bei einem Kreditinstitut im Digitalbereich. Nach der Grundschule in Beerfelden wechselte sie aufs Gymnasium Michelstadt und machte dort ihr Abitur. Die SPD-Stadtverordnete stammt aus einer sozialdemokratisch geprägten Familie. In Airlenbach war sie „ganz klassisch“ im Turnverein aktiv. Aktuell engagiert sie sich außerdem als Rechnerin im Jugendförderverein Oberzent (JFO).

Yannick Ullmann (22) lebt in Beerfelden. Nach dem Abi am Gymnasium Michelstadt schloss er an der Uni Mannheim ein Bachelor-BWL-Studium ab. Er arbeitet jetzt am dortigen Institut für Mittelstandsforschung und hat nebenher seine eigene Firma gegründet, die über einen Online-Shop Modeaccessoires aus Kork vertreibt. „Familienbedingt“ ist der CDU-Parlamentarier mit Kommunalpolitik aufgewachsen. Sein Vater Volker Daum war bis 2018 25 Jahre für die ÜWG Beerfelden kommunalpolitisch tätig. Ullmann ist Vorsitzender der Jungen Union in Oberzent (seit der Neugründung 2018) und im Odenwaldkreis (seit Anfang 2020).

„Es fehlt einfach ein Teil meines Lebens“

Plötzlich war Sense mit den Auftritten. Von einem Tag auf den nächsten gab es keine Veranstaltungen mehr, erinnert sich der Schlagzeuger der Hüttenwerk-Hausband, Thomas Klein aus Michelstadt, an die Zeit vor einem Jahr. Zwar ist die Musik für ihn „nur“ Hobby, aber ein sehr intensiv gepflegtes. „Die zwei Jahre vor Corona habe ich sehr viel gespielt“, erzählt der 39-Jährige. Und das querbeet, als Springer bei vielen Formationen. Auch bei Combos, „wo ich keinen kannte“, lacht er.

„Mir ist einiges weggebrochen“, erzählt der Michelstädter. Zum Glück, meint er, hat er seinen Hauptberuf bei einer Gebäudereinigungsfirma. Früher, sagt Klein, beneidete er die hauptberuflichen Drummer. Jetzt weiß er seinen festen Job neben der Musik zu schätzen. Die ist „auch eine Lebenseinstellung“, betont er. Diese vermisst er sehr. Trotzdem sieht er sich in einer anderen Situation als diejenigen, „die jetzt Berufsverbot haben“.

Es nervt den Odenwälder, dass die Veranstaltungs- und Kulturbranche oft in Politik und Medien etwas vergessen wird. Denn bei ihr handelt es sich seinen Worten zufolge um einen riesigen Wirtschaftszweig, der Steuern zahlt und Familien ernährt. „Hoffentlich bringt der Sommer etwas Lockerung und hoffentlich steuern wir langsam besseren Zeiten entgegen“, betont der Musiker. Das wünscht er sich allem auch für seine drei Kinder.

Die mangelnden Auftrittsmöglichkeiten schlagen sich ebenfalls in der Motivation nieder. Nur zwei Mal, auf der Kulturbühne und bei der „Sommersause“ im Hotel-Restaurant „Drei Hasen“, konnte „Another Livetime“ im vergangenen Jahr auftreten. „Ich übe derzeit nicht regelmäßig“, bekennt der Musiker, wesentlich weniger als zu normalen Zeiten. Klein fehlt ein bisschen der Antrieb, „weil nichts in Aussicht ist“.

Er macht Musik seit mehr als 25 Jahren, spielte mit „Stargate“ die Kerwen im Odenwald hoch und runter und ist jetzt mehr oder weniger zum Nichtstun verdammt. Quasi das ganze Jahr unterwegs zu sein, mit vielen Kollegen auf der Bühne zu stehen, brachte viele „tolle Erlebnisse“ mit sich, erzählt der Drummer. Ein super Konzert bedeutete „ein paar Tage super Laune“, schmunzelt er. Wobei Klein derzeit nicht in ein Loch gefallen ist, wie er betont, „sondern mir einfach ein Teil meines Lebens fehlt“.

Deshalb freuen sich er und die Band, endlich wieder auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen, wenn es für alle sicher ist. Sobald im Hüttenwerk wieder etwas stattfinden kann, „wird die Hausband natürlich wieder spielen“, kündigt er an. Auch wenn das alle noch so sehr vermissen, „ist die Gesundheit jetzt das wichtigste“, betont der Drummer. „Durchhalten ist halt noch eine Weile angesagt.“ 

Der Schlagzeuger wünscht sich, dass in absehbarer Zeit die Corona-Zahlen so zurückgehen, „dass draußen mit guten Konzepten mehr möglich ist“. Mit seinen Kollegen steht Klein derzeit nur sporadisch in Kontakt. In der Band-eigenen WhatsApp-Gruppe „wird weniger geschrieben als sonst“, hat er festgestellt. Proben finden sowieso nicht statt.

Die Open-Air-Kulturbühne im vergangenen Jahr, zu der sich die Odenwälder Kulturschaffenden zusammengetan hatten, „fand ich ganz toll“, erzählt der 39-Jährige. Leider waren es insgesamt bei den verschiedenen Veranstaltungen zu wenige Zuschauer, bedauert er. Nicht nur beim Auftritt der Hausband war noch Luft nach oben. Sollten im Sommer wieder Events draußen stattfinden können, „müssen genug Leute kommen“, damit sich die Events auch rechnen, sagt Klein.

Thomas Klein am Schlagzeug gehört mit Keyboarder Axel „Aji“ Imhof (beide aus Michelstadt) und Bassist Christoph Victor Kaiser (Heppenheim) zur Rhythmus-Sektion bei „Another Livetime“. Sängerin und quasi Allrounderin in Diensten der Band ist Michi Tischler vom Hüttenwerk. Am Saxofon ist Anke Rible (Lindenfels) zu hören, die Gitarre bedient Jens Reyer aus Erlenbach. Zu den jeweiligen Konzerten werden immer Gäste eingeladen.

Schlagzeuger Thomas Klein (39) wohnt mit seiner Familie in Michelstadt. Er ist Objektleiter bei einer Gebäudereinigungsfirma. Schon mit 13 Jahren startete er seine Musikerkarriere bei der Blaskapelle Langebrombach. Er gründete vor etwa 15 Jahren die Hüttenwerk-Hausband „Another Livetime“ mit. Als Springer leiht er vielen Bands der Region seine Schlagzeugstöcke, beispielsweise Amokoma und der Jens Huthoff Band. Früher bei den K-Rings aktiv, trat Klein 2017 unter anderem zusammen mit Dieter Bohlen beim Wirtschaftsgipfel in St. Petersburg auf.

Der Blick richtet sich nach vorn

„Musik und Lockdown ist schwieriges Thema“, sagt Klaus Wilka. Er weiß, wovon er spricht, denn der Hetzbacher ist im Odenwaldkreis vielfältig musikalisch aktiv. Seine ersten Sporen verdiente er sich als „Strom-Gitarrist“ bei der Oberzent-Schulband. Vielen ist er als Mitglied des legendären „Beerfelden Blues Brojects“ in Erinnerung, tourte in letzter Zeit mit Marco Born aus Rai-Breitenbach als „Dr. Soul & Mr. Blues“.

Das Duo hatte 2020 im August und September „tatsächlich ein paar Auftritte, bevor wieder Schluss war“, erinnert sich Wilka. Erfreulich ist für ihn, dass es aktuell für Juni, Juli und August dieses Jahres tatsächlich einige Buchungen gibt. „Wir hoffen, dass das dann auch irgendwie klappt.“ Ein Veranstalter bot den beiden die Möglichkeit eines Live-Streams an, was sie aber nicht wahrnehmen. „Wir glauben, dass Dr. Soul & Mr. Blues von unserer Spontanität und der Interaktion mit dem Publikum lebt“, erklärt der Hetzbacher. „Das kommt per Stream einfach nicht rüber.“

Ansonsten sehen sich die Musiker derzeit wenig. Außer vor kurzem: Da gab es ein echtes Highlight, schmunzelt er. „Wir haben uns kurzfristig für einen Workshop des bekannten Gypsy-Swing-Gitarristen Josho Stephan angemeldet.“ Der gilt als Fortbildung, deshalb konnte er stattfinden, erläutert Wilka – natürlich unter strengen Auflagen und nur mit einem kleinen Teilnehmerkreis. Aber endlich mal, freut er sich, ein Wochenende mit Musik. Es war zwar etwas anderes gegenüber dem, „was wir sonst machen“. Dafür schön schwierig „und die Finger haben geglüht“.

Bei Wilkas Rockband „Fools Crossing“, die Musiker aus dem Odenwaldkreis vereint, „läuft zur Zeit nichts“, bedauert er. Wegen der Auflagen kann aktuell nicht einmal geprobt werden. „Wir hoffen, dass das zumindest bald klappt“, zeigt er sich zuversichtlich. Der Rock-Fünfer mit Steffi Schäfer am Mikro bringt sonst jedes Fest zum Tanzen.

Erfreulich für den Volksbanker ist, dass sein „Corona-Projekt“ mit der aus Beerfelden stammenden Sofia Glaser und seiner Tochter Esther weiterhin Bestand hat. „Das Feedback nach unserem Auftritt im Hüttenwerk war einfach überwältigend“, erzählt er. Das Trio traf sich danach ein paar Mal und feilte am Programm. Dann gab’s aber ungeahnte Schwierigkeiten. Da Sofia Glaser bei Heidelberg lebt und in Baden-Württemberg lange abends Ausgangssperre herrschte, war eine Probe unter der Woche nicht möglich.

Klaus Wilka übt im Moment viel mit seiner Tochter, teilweise auch Stücke, „die ich schon immer mal machen wollte“. Dazu zählt er Al Di Meolas „Mediterranean Sundance“. Esther Wilka studiert „Sound and Music-Produktion“ in Dieburg. Aktuell, erzählt ihr Vater, findet alles nur per Zoom virtuell statt. Das sieht er gerade bei diesem Studiengang als schwierig an: „Sie können nicht in die Studios zu Aufnahmesessions.“ Für die Studenten eine schwierige Zeit, weiß er auch von Sohn Hendrik, der –derzeit ebenfalls nur virtuell – Mathe im Masterstudiengang studiert.

Abgesehen vom aktiven Musikmachen „fehlt mir vor allem auch die Möglichkeit der Konzertbesuche“, erzählt der Hetzbacher. Seine Frau und er denken mit Wehmut an die schönen Abende des vergangenen Jahres im Hüttenwerk Michelstadt. Dort spielte er auch zwei Mal live, mit „Dr. Soul & Mr. Blues“ und mit „Sofia and the Double U’s“. Die Wilkas erlebten „tolle Konzerte mit hervorragenden Künstlern“, alles in einer besonderen Atmosphäre.

„Es ist vieles machbar, wenn man es nur will“

„Es geht, wenn man es durchdacht mit Schutzkonzepten und Testungen angeht“, betont Oberzent-Kulturbeauftragter Stefan Rosewick. „Es ist vieles machbar, wenn man es nur will“, meint er zu kulturellen Veranstaltungen, die jedoch derzeit gerade völlig auf Eis liegen. Doch es gibt auch einige wenige Gegenbeispiele: siehe das kürzliche Konzert der Berliner Philharmoniker vor 1000 getesteten Besuchern.

Dieses positive Denken vermisst der Kulturbeauftragte aber generell in den Behörden. Hier stehen seiner Beobachtung nach erst einmal die Bedenken im Vordergrund. Er bemängelt die „totale Unsicherheit“ für die Kulturschaffenden, die seit mehr als einem Jahr quasi Arbeitsverbot haben und nicht erst jetzt vor dem Aus stehen.

„Viele haben schon aufgegeben“, weiß Rosewick. Bei den anderen „kippt die Stimmung immer mehr“, hat er beobachtet – wie in der restlichen Bevölkerung auch. Es wird nur vor sich „hingewurschtelt“, Perspektiven werden keine aufgezeigt. Aber das konsequent. Die Leute sind frustriert und artikulieren das auch immer lautstarker, weiß er aus der Szene.

„In jeder Krise gibt es Chancen“, hebt der Airlenbacher hervor. Das Problem: „Sie werden nicht genutzt“, bedauert er. Seine bisherigen Planungen muss Rosewick angesichts des kleinen Budgets überarbeiten. Dazu gehören ein paar Leuchtturm-Projekte, die über Oberzent hinausstrahlen würden, ist er sicher. Denn: „Man kriegt jetzt Leute, die man sonst nicht kriegt.“

Für andere Events steht er in Verhandlungen. Die wären bei entsprechenden Konzepten im späteren Frühjahr machbar, zeigt er sich optimistisch. Wenn natürlich Lockerungen beschlossen wurden. Ab Sommer rechnet der Kulturbeauftragte auch mit größeren Konzerten oder Festivals, wenn die Besucherzahlen durch Einlasskontrollen kontrollierbar sind. Das ist aber genau der Grund, weswegen Rosewick Bedenken hat, ob die traditionellen Volksfeste stattfinden können, wo dies nicht der Fall ist.

„Man muss was tun“, ist seine Maxime. Dazu gehört auch die Unterstützung der Wiederholung des arte-Livestreams Anfang Mai am Marbach-Stausee. Unter dem Motto „Zeitgleich“ hatte der Sender im vergangenen August parallel drei Festivals übertragen. Im Odenwald durften keine Zuschauer dabei sein – ein Punkt, den Rosewick dieses Mal ändern möchte.

„Ich will dafür sorgen, dass eine begrenzte Zuschauermenge zugelassen ist“, sagt er. Denn der Kulturbeauftragte sieht die Übertragung als unschätzbare Möglichkeit, für Oberzent Marketing zu betreiben. „Das wurde 2020 gar nicht genutzt“, beklagt er, und „muss besser werden“. Denn damit ließe sich deutschlandweit auf die kleine Odenwald-Stadt aufmerksam machen.

In einer „furchtbaren Zeit für Künstler“ will der Airlenbacher nach weiteren Wegen schauen, um an benötigte Mittel zu kommen – vielleicht über Fördermittel. Er beklagt in der Corona-Pandemie die „absolute Ungewissheit, dass man auf nichts hinarbeiten kann“. Dabei wäre genau jetzt die Zeit, endlich wieder zu planen und das Beste aus dem zu machen, was möglich ist.

Bei seinen eigenen Aufträgen ist „tote Hose“, stellt Rosewick unumwunden fest. Mit seiner Eventagentur „artArtistica“ bietet er Stelzenlauf, Feuertanz-Theater, Lichtershows, Illuminationen, Pyro-Musicals oder Feuerwerke. Absagen kommen inzwischen sogar schon für Veranstaltungen Anfang Juli rein, erläutert er.

Mit seinem Budget, wie es jetzt im Haushalt steht, ist Stefan Rosewick nicht zufrieden. Zwischen 6000 und 8000 Euro sind das, nennt Bürgermeister Christian Kehrer auf Nachfrage eine ungefähre Zahl. Kulturmittel in Höhe von 20.000 Euro waren aber laut Rosewick noch 2020 im Kulturausschuss im Gespräch, erzählt Rosewick. Der Antrag der Grünen, in den Haushalt 15.000 Euro einzustellen, „kam nicht zum Tragen“, stellt er bedauernd fest.

Damit für kleine Geschäfte die Signale auf Grün stehen

Damit für den Einzelhandel die Signale auf Grün stehen, haben Pierre Hallstein und Heiko Steiger eine Corona-Ampel entwickelt. Der 20-jährige aus Sandbach und sein 19-jähriger Freund aus Lauerbach haben dazu ihre Erfahrungen aus der Veranstaltungsbranche als Grundlage genommen, die derzeit brach liegt. Hallstein hat seine Agentur PHA_Events und Steiger firmiert unter Hesteig Solutions.

Für den kleinen Techno Floor seines Galaxy-Beats-Events war eine Ampel angedacht, „die auf Rot springt, wenn es zu voll ist“. Dann aber kam Corona und die Veranstaltungen wurden auf Eis gelegt. Inzwischen, weiß der Sandbacher, gibt es schon etliche Corona-Ampeln auf dem Markt, aber seiner Beobachtung nach eher im oberen Preissegment.

„Wir wollen etwas für den kleinen Einzelhandel kreieren“, macht er deutlich. Für den Bäcker oder das Modegeschäft um die Ecke, die sich nicht diese High-End-Produkte leisten können. Die, weiß Hallstein, „haben viel mehr zu kämpfen als größere Betriebe“. Er geht dabei von seiner Wahrnehmung aus. „Ich stehe vor einem Laden, 2 Leute dürfen rein, und kann nicht erkennen, wie viele bereits drin sind.“

Als Prototypen entwarfen die beiden eine einfache Variante. „Die ist in der Endproduktion“, verdeutlicht der 20-Jährige. Der LED-Bildschirm der Corona-Ampel lässt sich von der Theke aus per Funk ansteuern: Es erscheint draußen ein rotes Kreuz oder ein grüner Pfeil. Das wäre die kostengünstigste Variante, erklärt er – mit dem Nachteil, dass sie von Hand bedient werden muss.

„Wir denken aber bereits an eine Erweiterung“, betont Hallstein, mit einer automatischen Erkennung. Eine Videokamera ersetzt den Druck auf den Knopf und bemerkt selbständig, ob gerade jemand vorbeiläuft. „Das ist für Kleinkunden gedacht“, sagt der Sandbacher. Die beiden Tüftler wollen das Gerät nicht verkaufen, sondern in monatlicher Miete anbieten. Inklusive ist dann der Service vor Ort, wenn ein Problem auftauchen sollte.

Nach dem letzten Feinschliff kann die Premiere starten. Ein interessierter Betrieb kann sich noch melden. „Wir wollen danach Resonanz bekommen, wie es angenommen wird“, berichtet Hallstein. Erst danach wollen die beiden weitere Exemplare produzieren oder gegebenenfalls modifizieren.

 Eigentlich hatte sich der 20-Jährige die Zeit nach dem Ausbildungsende auch anders vorgestellt, aber in Sachen Veranstaltungen geht derzeit gar nichts. Er freut sich deshalb umso mehr „über meinen ersten Auftrag seit 13 Monaten“: Für „Getfit“ in Höchst baut er ein Traversensystem mit Sonnensegel für einen Outdoor-Campus.

Im Januar 2020 hatte Hallstein gerade mit den „Galaxy Beats“ seine erste große eigene Veranstaltung in Sandbach auf die Beine gestellt, als danach Corona zuschlug. Die Wiederholung in diesem Januar fiel aus und wurde auf Oktober verschoben. Die Hoffnung auf eine Realisierung ist noch da, erzählt er. Aber er hängt in der Schwebe und hat keine Planungssicherheit.

Zur Einstimmung darauf ist zumindest der Merch-Shop auf der Homepage www.galaxybeats.de freigeschaltet. Die dortigen Hoodies und T-Shirts machen Lust fürs Spätjahr. „Ich will den Leuten ein stylisches Accessoire bieten, einen optischen Hingucker“, erläutert er. Das Ganze komplett anders gestaltet als das Werbelogo der Veranstaltung.

Weil in der Vergangenheit Hallsteins technisches Equipment immer mehr wuchs, seit Jahresanfang das bisherige Lager aber nicht mehr zur Verfügung steht, sucht er gerade ein neues. „Ich bin provisorisch untergekommen“, schildert er die Notlösung. Allerdings braucht er eine dauerhafte Bleibe.

Die Veranstaltungen seiner Firma PHA_Events versucht der 20-Jährige mit eigener Technik abzuwickeln. Außerdem hat er sich Bauzäune, Absperrgitter und Gastrozubehör angeschafft. „Das passt nicht einmal mehr in eine Doppelgarage“, lacht der Sandbacher. Deshalb sucht er rund um Breuberg eine bestehende Immobilie zwischen 100 und 200 Quadratmetern oder ein Gelände zum Bauen.

Die Musik begleitet Pierre Hallstein schon von klein auf. Er begann so früh mit dem Schlagzeugunterricht, dass er sich kaum noch daran erinnert. Sein weiterer „Berufsweg“ war somit fast schon vorgezeichnet: Mit dem Kommunionsgeld wurde die erste PA-Anlage finanziert, nach der Schule startete er die Ausbildung als Fachkraft für Veranstaltungstechnik. Die schloss er am Michelstädter Hüttenwerk bei Achim Tischler ab. Parallel dazu hatte er die Berufsschule besucht.

Info: phaevents.de

Die Ortsdurchfahrt entschleunigen

In der Finkenbacher Ortsdurchfahrt soll es langsamer zugehen. Dafür macht sich der Ortsbeirat stark und sammelte in den vergangenen Wochen bei den Anwohnern 116 Unterschriften „für die Einhaltung der Geschwindigkeiten in Finkenbach“. Diese wurden jetzt dem Oberzent-Magistrat übergeben. Der wiederum soll sich bei den entsprechenden Behörden dafür stark machen, dass die lange Gerade entschärft wird.

„Wir wollen keine Tempo-Begrenzung auf 30 Stundenkilometer“, macht Ortsvorsteher Christian Niesen deutlich. Es geht um optische und bauliche Hindernisse, wie Blumenkübel oder eingezeichnete Parkbuchten, die dafür sorgen, dass innerhalb des Ortes ordnungsgemäß gefahren wird. „Das, was von der Gesetzeslage her machbar ist“, weiß Niesen um die Schwierigkeit der Zuständigkeit bei einer Landesstraße. Deshalb wünscht sich der Ortsbeirat auch die Abklärung seitens der Stadt mit den entsprechenden Behörden, wie Polizei, Hessen Mobil und Landratsamt.

„Wir Bürger von Finkenbach sehen die aktuelle Verkehrssituation in der Durchgangsstraße kritisch“, heißt es in der Unterschriftenaktion. Denn durch die örtlichen Gegebenheiten ist zu hohes Tempo möglich. Die einfahrenden Autos „halten oft überhöhte Geschwindigkeiten bis in den Ortskern hinein“. Gerade in den Nachtstunden „rasen Lieferwagen und Lkw durch“, sagt Niesen. Messungen laufen bereits, erläutert der Ortsvorsteher.

Da die L 3119 in den vergangenen Wochen, während der Sperrung der B 37 von Eberbach nach Hirschhorn, als Umleitung fungierte, verschärfte sich das Problem zusätzlich. Viel mehr Autos als sonst waren unterwegs. Eine Geschwindigkeitsübertretung ist seinen Worten zufolge besonders in den Bereichen der Bushaltestellen gefährlich, wo auch in der Dämmerung bereits (Grundschul-)Kinder unterwegs sind.

Auf der langen Gerade fährt man manchmal unbewusst schneller, erklärt er. Das ging ihm auch schon so. „Wenn ich den Tempomat auf 50 oder 55 stelle, habe ich plötzlich eine Schlange hinter mir“, sagt Niesen. Da im kommenden Jahr die L 3119 innerhalb Finkenbachs saniert werden soll, „bitten wir zeitnah zu prüfen, inwiefern geschwindigkeitsreduzierende Maßnahmen zur Einhaltung der 50 km/h getroffen werden können, um diese rechtzeitig in die Planung einfließen zu lassen“, so der Wunsch von Ortsbeirat und -bürgern.