Strohballenbrand bleibt der Sensbacher Wehr im Gedächtnis

Am meisten in Erinnerung bleiben den Brandschützern sicherlich die Unwetter-Einsätze am 23. April und der Strohballenbrand in Ober-Sensbach am 7. August, blickte Wehrführer Marcel Schäfer auf das vergangene Jahr zurück. 20 Ballen hatten bereits Feuer gefangen, 150 weitere gab es in unmittelbarer Nähe. „Durch die extreme Trockenheit im letzten Jahr drohte eine erhöhte Ausbreitungsgefahr auf das gesamte Waldgebiet“, berichtete er auf der Jahreshauptversammlung.

Mit dem Stichwort „F-Wald 2“ wurden sämtliche Feuerwehren aus dem Kreisgebiet alarmiert, informierte Schäfer. Durch diese hohe Alarmstufe und das schnelle Eingreifen der Feuerwehr, die das Wasser über eine lange Wegstrecke vom Löschteich in Ortskern Ober-Sensbach und über Pendelverkehr vom Hydranten zur Einsatzstelle im Wald brachte, „konnte das Übergreifen auf den Wald und die restlichen Strohballen verhindert werden“, freute er sich. „Nur durch eine gute überörtliche Zusammenarbeit wurde Schlimmeres verhindert“, sagte der Wehrführer.

Die Einsatzabteilung der Feuwerhr Unter-Sensbach besteht derzeit aus 18 Mitgliedern. Dazu kommen sieben Aktive aus Ober-Sensbach, die den Unter-Sensbachern als Löschgruppe unterstellt sind, erläuterte er. Gemeinsam wurden 2018 zahlreiche Übungen, Lehrgänge und Einsätze absolviert, bei denen die Brandschützer 940 ehrenamtliche Stunden leisteten. Schäfer wünschte sich für dieses Jahr eine höhere Übungsbeteiligung. Jeder habe übers Jahr hinweg 40 Stunden Ausbildung zu absolvieren. „Einige erreichten nicht einmal die Hälfte“, kritisierte er.

Von 201 Fortbildungsstunden entfielen fast 90 Prozent, nämlich 174, auf zwei Feuerwehrleute. Deshalb bat Schäfer dringend darum, an Fortbildungen und Seminaren teilzunehmen, um auf dem neuesten Stand der Technik zu bleiben. „Stillstand bedeutet Rückschritt.“ Er dankte den Mitgliedern der Einsatzabteilung, die sich ehrenamtlich in ihrer Freizeit für ihre Mitbürger einsetzen, und deren Familien, „die sie immer wieder gehen lassen, wenn der Pager klingelt“.

Den Jahresbericht verlas Schriftführerin Silvia Kreutner anhand einer Bilderdiashow. Der Vereinsvorsitzende Markus Schwinn gab bekannt, dass der Verein neben der Einsatzabteilung zurzeit aus 126 passiven und 19 Mitgliedern der Alters- und Ehrenabteilung besteht. Rechner Rolf Grüner berichtete von einem positiven Kassenbestand. Die Revisoren Wolfgang Schäfer und Volker Becker bestätigten ihm eine einwandfreie Kassenführung. Dem Antrag auf Entlastung des Gesamtvorstandes wurde einstimmig stattgegeben. Neben Becker prüft Thomas Menges im nächsten Jahr die Kasse. Als stellvertretender Kassenwart wurde Uwe Volk gewählt.

Jugendfeuerwehrwart Marcel Schäfer erläuterte, dass momentan sechs Jugendliche, vier Mädchen und zwei Jungen, aktiv sind. Zahlreiche Übungsstunden wurden absolviert. Diese und alle anderen Aktivitäten wurden gemeinsam mit der Jugendwehr aus Hebstahl durchgeführt, so Spielnachmittage, Kreisjugendfeuerwehrzeltlager in Beerfelden, Osterschießen und –feuer sowie Einsammeln der Weihnachtsbäume. Die Jugendlichen treffen sich jeden Freitag von 18 bis 19.30 Uhr.

Die Feuerwehrsatzung wurde überarbeitet, so Schwinn. Demnach lautet der neue Name: Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Unter-Sensbach. Der erste Stadtrat Gerhard Rebscher richtete im Anschluss einige Grußworte an die Versammlung. Ewald Johe wurde in die Alters- und Ehrenabteilung übernommen. Marcel Schäfer wurde zum Brandmeister befördert. Vorsitzender Schwinn nannte noch einige Termine für 2019: unter anderem, dass es einen Eintagesausflug nach Heilbronn geben soll.

Bild v.l. Vorsitzender Markus Schwinn, Wehrführer Marcel Schäfer mit Beförderung zum Brandmeister, Ewald Johe (Übernahme Alters- und Ehrenabteilung) und Stadtrat Gerhard Rebscher

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Neugestaltung der Oberzent-Vereinsförderung ist eine harte Nuss

Die Neugestaltung einer Oberzent-weit gültigen Vereinsförderung gestaltet sich als harte Nuss. Praktisch alle Parteien hatten sich das Thema im Kommunalwahlkampf auf die Fahnen geschrieben. Allerdings wurden allgemein wohl auch die Fallstricke unterschätzt, mit denen die Realisierung versehen ist. Bürgermeister Christian Kehrer meinte zum aktuellen Zwischenstand, dass es in den vorherigen vier Gemeinden so viele unterschiedliche Herangehensweisen gab, dass es ihm fast unmöglich erscheint, sie alle unter einen Hut zu bringen.

Auf jeden Fall, so der Bürgermeister, „dauert es seine Zeit, eine gemeinsamen Richtlinie auszuarbeiten“. Es gilt dicke Bretter zu bohren. 138 Vereine, Organisationen und Gruppierungen gibt es in der Stadt Oberzent. Sie wurden teilweise bisher schon finanziell unterstützt, durften – je nach Art und Ort – öffentliche Gebäude, die kommunalen Sportplätze oder die Hallen kostenlos nutzen. Andere mussten dafür aber auch zahlen.

Wie Kehrer erläuterte, übernahm die Stadt außerdem Grundbesitzabgaben von derzeit 26.000 Euro jährlich, der Bauhof „stiftete“ den Dünger oder sorgte für Ertüchtigung der Sportflächen. Er nannte als Beispiel die Summe von 3300 Euro, die dafür in Rothenberg und Finkenbach bisher aufgewendet wurde. Manchmal gab’s außerdem einen Zuschuss für einen Rasenmäherkauf.

Auf der Gemarkung existieren seinen Worten zufolge daneben Sporthallen, „die es ohne das Ehrenamt nicht gäbe“: siehe Rothenberg. Andere wiederum wurden völlig ohne das Engagement der Bürger gebaut. „Wie soll man da einen Spagat hinbekommen, damit es gerecht wird“, raufte er sich die Haare. Denn natürlich will man auch die Vereine belohnen, die – wie bei der Renovierung in Rothenberg – tatkräftig anpackten. So gibt es eben manchmal Nutzungsgebühren, manchmal auch wieder nicht. In anderen Fällen bekommt die Gemeinde eine Umsatzbeteiligung bei Veranstaltungen.

Da eine Neuregelung noch Zeit und Mühen brauchen wird, bleiben jetzt erst einmal die Zuwendungen für Jugendarbeit und bei Jubiläen gleich. Parallel will die Verwaltung die Vereine noch einmal nach Mitgliederzahlen und finanziellen Spielräumen abfragen. Kehrer regte die Bildung einer Arbeitsgruppe an. Diese soll dann allgemeine Förderrichtlinien, Jugendförderung, Übernahme der Grundbesitzabgaben, Investitionszuschüsse, Unterhaltung der Sportplätze sowie Nutzung öffentlicher Gebäude und Benutzungsgebühren besprechen.

Milch-Qualität spielt eine noch größere Rolle

Qualität soll in Zukunft einen noch höheren Stellenwert gegenüber der Quantität bekommen. Die Milchlieferanten der Molkerei Hüttenthal folgten auf der Versammlung einhellig dem Vorschlag der Inhaber-Familie Kohlhage, den bisherigen Mengenzuschlag ab 1. April in den Basispreis mit einfließen lassen. „Damit entfällt zukünftig die Differenzierung über die angelieferte Menge“, erläuterte Britta Kohlhage. Ihr Mann Kurt zeigte sich mit dem zurückliegenden Geschäftsjahr, das einen Zuwachs bei Umsatz und einen schönen Gewinn brachte, sehr zufrieden.

Beide führen den Betrieb inzwischen in dritter Generation. Bereits seit dem Jahr 1900 ist die Molkerei immer an der gleichen Stelle ansässig. Es wurde im Laufe der Zeit lediglich „ständig angebaut“, wie Kurz Kohlhage schmunzelt. Um die Milchpreise stabil zu halten, wurde 2018 nicht die komplette Menge der erfassten 5,7 Millionen Kilo verarbeitet. 800.000 Kilo gingen auf den Milchspotmarkt, erläuterte er.

Die Molkerei zählt aktuell 16 Milchlieferanten (14 für Kühe, zwei für Ziegen), die aus Löhrbach (bei Birkenau) über Kocherbach (bei Wald-Michelbach) und das Kerngebiet Mossautal bis nach Fränkisch-Crumbach kommen. Auch der 119 Jahre alte Betrieb geht mit der Zeit, informierte der Geschäftsführer. Eine neu aufgesetzte Webseite inklusive Social-Media-Auftritt „bringt verstärkte Anfragen übers Kontaktformular“, freute er sich. Dazu kommt ein verjüngtes Logo.

In gewissen Abständen bringt die Molkerei ein neues Produkt auf den Markt. „Der Gewürztaler“, eine Idee von Britta Kohlhage basierend auf einer speziellen Kreation für Miltenberger Bauern, findet eine gute Resonanz. Die Grundlage bildet der Mossautaler Käse, veredelt mit einem Gewürzmantel. Zum Überbacken, für Salat oder auch als Raclette-Käse lässt sich diese Leckerei verwenden.

Kohlhage stellte der Versammlung, zu der die Lieferanten mit der ganzen Familie gekommen waren, auch die Neuerungen und Erfolge vor. Er erwähnte den hessischen Jurypreis für regionale Lebensmitte, die der „cremige Hüttenthaler“ einheimste. Den Zweikomponenten-Becher, der bereits den Kunststoffanteil beim 500-Gramm-Becher um 50 Prozent reduziert, soll es demnächst auch für die 250-Gramm-Variante geben.

Bei der Milchpreisgestaltung waren die Kohlhages etwas in der Vorreiter-Rolle, als sie Milchfett und -eiweiß gleich bewerteten. „Jetzt passt auch die größte deutsche Molkerei DMK die Bezahlung auf 1:1 an“, sagte der Geschäftsführer. In guter Gesellschaft ist der regionale Betrieb ebenfalls bei der Abschaffung des Liefermengenzuschlags. Schwälbchen oder Campina gehen ebenfalls in diese Richtung. „Ein reines Mengenwachstum ist nicht gut“, betonte der Molkereichef.

Es soll zukünftig daneben nur noch „einen Milchpreis Hüttenthal“ geben, der alle Zuschläge enthält. Gentechnikfreie, traditionelle Fütterung, eine glyphosatfreie Landwirtschaft und Weidehaltung sind dafür Voraussetzung. Kohlhage wies darauf hin, dass man bereits vor 21 Jahren mit der Einführung des „Weidepfennigs“ frühzeitig die Weichen hin zu einer traditionellen Form der Milcherzeugung im Odenwald gefördert habe. Kein Landwirt sei weiter als 25 Kilometer entfernt und beherberge eine überschaubare Anzahl von Milchkühen.

Weidehaltung „ist nicht mehr mit Aufwand oder höheren Kosten“ als Stallhaltung verbunden, hob Kohlhage hervor. Im Gegenteil: „Die Tieren bewegen sich mehr und sich gesünder.“ Der Mehraufwand wird durch Einsparungen bei den Stallarbeiten ausgeglichen. Fast alle Hüttenthal-Lieferanten arbeiteten inzwischen in dieser Weise.

Die beiden Geschäftsführer informierten darüber, dass seit vergangenen Herbst die komplette Milcherfassung durch die Transportfirma von Sven Trumpfheller aus Michelstadt geschieht. Seit einem Jahr ist Patrick Hofmann der neue Betriebsleiter, teilten die Kohlhages mit. Er folgte auf den mehr als 30 Jahre tätigen Molkereimeister Helmut Schwöbel. Über die Erweiterung der Direktvermarktung sprach zum Schluss Tochter Annalena.

DLG-Auszeichnung für „herausragende Milchqualität im Jahr 2018“: Werner Friedrich, Bettina und Markus Koch sowie Ernst Schäfer

Zahlen Molkerei

Milcherfassung 5,7 Millionen Kilo (plus 4,9 Prozent gegenüber 2018)

Milchverarbeitung 4,9 Millionen (plus 2,6 %)

Anzahl Milchlieferanten: 14 mit Kühen, zwei mit Ziegen

Durchschnittliche Anlieferung mit Kuhmilch: ca. 409.000 Kilo

Durchschnittliche Kuhleistung in Deutschland: 7780 Kilo, im Schnitt 52 Kühe pro Lieferant

Umsatz: 4,75 Millionen Euro (plus 1,1 Prozent)

Fest angestellte Mitarbeiter: 22, außerdem vier geringfügig Beschäftigte

Ernsttaler Bier für die durstigen Schöllen- und Kailbacher

Lokalgeschichte zieht: Der Gastraum des „Grünen Baums“ platzte aus allen Nähten, als Thomas Müller vom Verein Örtliche Geschichte Schloßau/Waldauerbach zu einer historischen Reise in die Vergangenheit einlud. Er entführte die Zuhörer in den nahe gelegenen kleinen Weiler Ernsttal (früher Neubrunn) nahe dem Dreiländereck Hessen, Bayern und Baden-Württemberg. Der Hobby- Historiker untermalte sein Referat mit etwa 250 alten Bildern und hatte die passenden Sagen, Geschichten und Anekdoten parat.

„Halb Ernsttal ist hier“, nahm Müller schmunzelnd Bezug darauf, dass der Weiler heutzutage noch sieben Einwohner (gegenüber früher 70) hat, von denen drei nach Hesselbach gekommen waren. Über die Jahre hinweg hat der 50-Jährige an die 6000 alte Bilder eingescannt, davon 1500 Postkarten, berichtete er. Gerade von Ernsttal gibt es etliche davon, weil es eine Poststation hatte. Früher, weiß er, führte nur die Straße von Schloßau nach Breitenbach durch den Ort, von der es auch eine Abzweigung nach Amorbach gab. „Die Kreuzung existiert noch heute“, erläutert er.

Wäre der Krähbergtunnel zwischen Hetzbach und Schöllenbach vielleicht nicht gebaut worden, wenn es mit einer Bahnstrecke zwischen Amorbach und Eberbach geklappt hätte? Denn um 1880 herum war die Tunnelplanung für die Main-Neckar-Verbindung unterm Bergmassiv an dieser Stelle in groben Zügen schon fertig, als Fürst Ernst zu Leiningen sie torpedierte, erläuterte der Hobby-Historiker.

Bei Kailbach wäre die Bahn wieder ans Tageslicht gekommen und hätte danach an Friedrichsdorf und Gaimühle entlang den gleichen Verlauf wie die jetzige Odenwaldbahn genommen. Doch der Fürst wollte keine Dampflokomotiven in der Nähe seines Tierparks vorbeifahren sehen, erklärte Müller. Außerdem war Schloss Waldleiningen gerade fertiggestellt und sollte ebenfalls nicht eingenebelt werden. Das Land Hessen verwirklichte in dieser Zeit die Main-Neckar-Verbindung über die Erbacher Schiene. In deren Verlauf entstand dann auch mit dem Krähbergtunnel die längste einspurige Röhre Deutschland mit 3100 Metern.

In früheren Jahren erwies sich das Fürstenhaus als sehr geschäftstüchtig, wenn es um die Vermarktung seines Gerstensaftes ging, informierte Müller. So entstand in Ernsttal ums Jahr 1840/41 das Gasthaus zur Post mit einer Pferdewechselstation, im gleichen Zeitraum wurde auch der bisherige Pfad zwischen dem Weiler und der Wegscheide an der Seitzenbuche ausgebaut. Denn dieser Sattel verbindet auch heute noch Itter- und Gabelbachtal und bildet quasi das Eingangstor zum früheren Hesseneck und den Ausläufern des badischen Eberbachs.

Der Fürst zu Leiningen hatte nämlich zuerst überlegt, eine Brauerei in der Main-Gegend zu bauen, so Müller. Da gab es aber zu viel Konkurrenz. Da scheinbar die Bevölkerung in Richtung Kail- und Schöllenbach sowie im Badischen biermäßig unterversorgt war, orientierte er sich in diese Richtung. In Ernsttal entstanden daneben auch ein Rentamt, wo der Zehnte eingetrieben wurde, die Ökonomie des Fürstenhauses sowie die Zuchtstation.

Das dunkle Ernsttaler Bier wurde dort bis 1923 gebraut. Die Weltwirtschaftskrise bedeutete das Ende der Brauerei und damit auch der Siedlung. Es gab keine Arbeit mehr, die Menschen zogen nach und nach weg, da sie in dieser Gegend auch keinen Landbesitz mehr hatten.

In einem ersten Teil hatte der Referent über die Entwicklung des Dorfnamens von Nuwenbrunnen über Neubrunn bis Ernstt(h)al gesprochen. Er informierte über die Dorfgröße sowie Schwankungen der Bevölkerungszahlen im Vergleich zu den Nachbardörfern. Er zeigte außerdem spannend die Zeit des Zweiten Weltkrieges auf, als zehn – später gefallene – Soldaten das Dorf verteidigen wollten. Der Hobby-Historiker berichtete zudem vom „Jahr ohne Sommer“ aufgrund eines Vulkanausbruches in Indonesien. Dies führte zu Missernten ab 1816, durch die die Bevölkerung verarmte und ab 1830 viele Gehöfte an die Standesherrschaft Leiningen verkaufen musste. Es folgten die Agrarunruhen  1848.

Thomas Müller (50) beschäftigt sich seit 25 Jahren hobbymäßig mit der Geschichte seiner Odenwaldregion im Dreiländereck. Hauptberuflich ist er in Amorbach im Qualitätsmanagement tätig. „Die Geschichte ist ein schöner Ausgleich zu meiner Arbeit“, sagt er. Der 50-Jährige ist gerne in der Natur unterwegs und „will wissen, wie es früher hier ausgesehen hat“. 2002 wurde der Heimatverein Örtliche Geschichte Schloßau/Waldauerbach gegründet, dessen Vorsitzender Müller vier Jahre lang war. Derzeit ist er dessen Schriftführer und Archivar.

Die vielen besonderen Details im Rückblick auf vergangenen Jahrhunderte sind für ihn die Motivation, sich damit zu beschäftigen. Er möchte die Historie für folgende Generation bewahren und die Erinnerung daran wach halten: „Damit die Leute wissen, wie es früher hier zuging.“ Der Verein besitzt ein großes Archiv, unter anderem aus dem Bestand eines verstorbenen Historikers, der 50 Jahre lang Wissenswertes aus seiner Heimat sammelte.

Super Musik im Hüttenwerk-Wohnzimmer der Damen

Premiere perfekt gelungen: Das Hüttenwerk hat ein neues Veranstaltungsformat. Auf Idee von Michi Tischler soll es in unregelmäßigen Abständen ein „Wohnzimmerkonzert“ im großen Saal geben – als Zwischending zwischen den Freitagsevents in der Bar und den großen Konzerten in der Halle. Tischer zusammen mit ihren Sängerinnen-Kolleginnen Sandie Wollasch und Ira Diehr, begleitet nur von Markus Schramhauser am Piano, boten bei der Erstauflage eine mitreißende Auswahl ihrer Lieblingsstücke.

Sehr gemütlich war das Drumherum eingerichtet. Die Zuschauer hatten es sich auf Sofas und an Tischen bequem gemacht, Stehlampen mit einem Flair der 60er Jahren erleuchteten sanft das Geschehen, der lila glitzernde Vorhang schuf eine heimelige Atmosphäre. Dazu noch ein paar Knabbereien an den Tischen, die angenehme Lautstärke und vor allem: die „Damen“, die mit ihren Songs begeisterten. „Ich wollte ein hochwertiges Format gegenüber den Bar-Events haben“, erläuterte Michi Tischler.

Mit Ira und Sandie „singe ich schon sehr lange zusammen“, sagte die Hüttenwerk-Chefin, die dafür „ihre Männer“ kräftig auf Trab hielt, damit der Saal genauso ausstaffiert war, wie sie es sich wünschte. Dafür gab’s dann aber auch einen großen Dank für die viele Vorbereitungsarbeit in den vergangenen zwei Wochen. Ihre Kolleginnen „waren natürlich sofort dabei“, freute sich Michi Tischler. „Denn ich sage auch immer gleich Ja, wenn die beiden mit irgendetwas ankommen“, lächelte sie.

Die Unterschiede machen die Gemeinsamkeit: Vom Auftreten und der Stimme her sind die drei sehr verschieden. Hier die quirlige, sprudelnde Sandie Wollasch als quietschbunter Paradiesvogel, immer in Bewegung, kaum eine Sekunde stillstehend, eher für die hohen Töne zuständig. Für jeden Spaß und alle Faxen zu haben. Dort die Femme Fatale Ira Diehr, mit roter Mähne lasziv die Männer um den Verstand bringend, mit einer dunklen Stimme eher Richtung Marlene Dietrich. Und schließlich, quasi als verbindendes Element zwischen den beiden Polen, die burschikose Michi Tischler als Mutter der Frauen-Kompanie mit Power-Stimme.

Alle haben sie einen Riesen-Spaß bei der Sache, albern herum, nehmen sich und den einzigen Mann im Team gerne auf die Schippe. Und singen, teilweise sogar a-cappella, so klasse, dass der begeisterte Applaus nur so sprudelt. Ganz still wird es im Saal, als Sandie Wollasch „Love of my life“ von Queen zelebriert. „Ich bin ganz geflasht vom Film Bohmian Rhapsody“, hatte sie zuvor erklärt. Eine Stimme, ein Klavier: Mehr braucht es nicht für einen Gänsehaut-Song.

Die Party gibt’s gleich hinterher: „Walk like an Egyptian“ von den Bangles gibt’s als knallige Version auch von den „Puppini Sisters“. Die ist wiederum den „Damen“ wie auf den Leib geschnitten. Dreistimmig grellbunt schallt das Lied von der kleinen Bühne in die Menge. Ob sich Markus Schramhauser einen Gefallen getan hat, allein unter Frauen zu spielen? Bei „I wanna be loved by you“ macht Ira Diehr einen auf Marylin und sorgt dafür, dass dem Pianisten die Schweißperlen auf die Glatze treten, als sie ihn nach allen Regeln der Kunst umgarnt.

Dass die Damen eigentlich kein Mikro brauchen, zeigen sie mit dem „Einmarsch“ nach der Pause. Der Zuschauerraum wird nach allen Regeln der Kunst aufgemischt. Die drei haben einen Riesenspaß dabei, losgelöst aller Band-Konventionen voll aufdrehen zu dürfen. „Lady Marmelade“ von Patti Labelle ist ein solcher Kracher, bei dem sich das Trio selbst hochpusht, alles gibt, und dafür Jubelrufe einheimst.

Es folgen noch ein paar dieser klasse Songs. Ob es „Oh darlin‘“ von den Beatles ist, das Sandie Wollasch mit der unvergessenen Joy Fleming verbindet, oder „Put your records on“: Die Damen leben die Stücke mit jeder Faser und spielen sich die musikalischen Bälle zu. Natürlich darf die Zugabe nicht fehlen: Ein „Video killed the radio star“, bei dem Schramhauser auch mal ans Mikro darf, und schließlich der A-Cappella-Song „Seafood“ sind noch einmal das Tüpfelchen auf dem I.

Info: Das nächste Wohnzimmerkonzert findet am Freitag, 10. Mai, in Form einer „Irischen Nacht“ mit der „Seán Treacy Band“ statt. Reservierung ist erwünscht: Entweder über www.huettenwerk.info oder Telefon 06061/969389.

Neuer Stadtpolizist in Oberzent: Tempo 70 soll die Motorradraser ausbremsen

„Hier lässt sich etwas aufbauen“, ist Nabil El Kadi voll des Lobes über seine neue Tätigkeit als Stadtpolizist in Oberzent. Der 28-Jährige ist seit Jahresbeginn im Ordnungsamt tätig. Die überall zu spürende Aufbruchstimmung und die flachen Hierarchien in einer kleinen Verwaltung sind für ihn das Besondere – auch im Vergleich zu seiner letzten Arbeitsstelle in Maintal. „Da waren wir 15 Leute, wo in Beerfelden zwei tätig sind“, erzählt er. Das Aufgabenspektrum ist riesig – genauso wie die Überraschung, dass nach längerer „rechtsfreier Zeit“ Falschparker plötzlich wieder aufgeschrieben werden.

Die Verkehrsüberwachung erstreckt sich aber nicht nur auf parkende Autos. Wenn der Oberzent-Haushalt durch ist, soll auch ein mobiler Blitzer angeschafft werden. Ein solches Gerät kostet um die 45.000 Euro. El Kadi betont vor dem Hintergrund dieser Summe jedoch, dass die Bürger nicht über den Umweg der Bußgelder den städtischen Haushalt sanieren sollen. Es geht um die Sicherheit im Straßenverkehr. „Damit soll kein Gewinn gemacht werden.“

Die beiden stationären Blitzer in Hetzbach und Gammelsbach werden im Frühjahr reaktiviert, erläutert der Stadtpolizist. Dann wird dort die Asphaltdecke erneuert und kommen die notwendigen Drucksensoren rein, sodass sie wieder scharf geschaltet sind. Wobei El Kadi aber durchblicken lässt, dass er die mobilen Kontrollgeräte für zielführender hält. Denn oft wird vor dem Blitzer abgebremst und danach wieder beschleunigt.

Als Straßenverkehrsbehörde ist der 28-Jährige auch für den Status des Verbindungswegs von Reußenkreuz nach Bullau zuständig, der aktuell in der Diskussion steht. „Wir wollen keine Autofahrer mit berechtigtem Interesse ausschließen“, betont er. Deshalb sind Anliegergenehmigungen auch kostenlos erhältlich. Es geht ihm darum, den überörtlichen Verkehr von diesem Waldweg zu verbannen, weswegen er für die Allgemeinheit gesperrt wurde.

Auf der Motorradraser-Strecke zwischen Beerfelden und Hirschhorn über Rothenberg und Kortelshütte hat die neue Stadt nun bessere Karten als früher. Denn aufgrund der größeren Bevölkerungszahl bekam sie die entsprechenden, zuvor beim Odenwaldkreis liegenden Befugnisse zur Baustellen- und Tempoanordnung übertragen. Die will El Kadi nutzen und versuchen, dort eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 anzuordnen. Er weiß aber, dass dies nicht einfach wird, denn „es ist schwer, außerhalb geschlossener Ortschaften eine Ausnahme von Tempo 100 zu begründen“.

Deshalb ist, so makaber es auch klingt, die Zahl der Unfälle auf der L 3410 maßgebend, um vielleicht ein Tempolimit durchzusetzen. „Wir haben eine Aufstellung gemacht“, so der Stadtpolizist. In Absprache mit dem Odenwaldkreis, der Polizei und Hessen-Mobil verschafft er sich derzeit einen Überblick, „weil es früher bestimmte Dinge einfach nicht gab“ – auch hier bedingt durch die kleinere Stadt.

Der neue Mann im Ordnungsamt ist weiterhin auch zuständig, wenn es Beschwerden darüber gibt, dass Tiere nicht ordnungsgemäß gehalten werden. In dem Fall arbeitet er mit dem Veterinäramt zusammen und versucht eine Klärung zu erreichen. El Kadi muss darüber hinaus tätig werden, wenn der Besitzer eines sogenannten „Kampfhundes“ die höhere Hundesteuer nicht zahlt. Letzte Konsequenz wäre dann der Entzug der Halterlaubnis. „Wir versuchen es immer erst im Guten“, betont er jedoch. „Denn das Tier hat nichts davon, wenn es danach im Tierheim sitzt.“

In den ersten zehn Wochen im neuen Job „habe ich überwiegend positive Erfahrungen gemacht“, blickt El Kadi zurück. Natürlich gab es auch einige Anrufe, „dass die Leute nicht mit kostenpflichtigen Verwarnungen einverstanden waren“, meint er. Der Stadtpolizist macht jedoch klar: „Wer falsch parkt, weiß es oftmals, dass er es macht.“ Außerdem, betont er, „hat noch kein Bürger 15 Strafzettel erhalten“. Diese kolportierte Zahl sei falsch. Im Januar stellte er 60 Knöllchen aus, im Februar 70. „Das hatte ich in Frankfurt an einem Tag“, ist für ihn diese Zahl „nicht die Welt“.

Info: Nabil El Kadi, 28, ist in Erbach aufgewachsen, arbeitete zuletzt im Landkreis Darmstadt-Dieburg, bei der Frankfurter Verkehrsüberwachung und der Ordnungspolizei in Maintal. Für Anregungen und Fragen der Bürger ist er unter E-Mail ordnungsamt@stadt-oberzent.de zu erreichen.

Neues Kapitel beim Langbein-Freundeskreis aufgeschlagen

Der Freundeskreis Langbein’sche Sammlung hat einen neuen Vorstand. Die bisherige zweite Vorsitzende Aloisia Sauer trat die Nachfolge des im vergangenen Jahr verstorbenen Ulrich Spiegelberg an. Sie erinnerte auf der Jahreshauptversammlung daran, dass es das Museum ohne Spiegelberg in dieser Form gar nicht gäbe. Er habe mit enormer Schaffenskraft ein immenses historisches Erbe hinterlassen, darunter eine beeindruckende Bibliothek und Bücher, die er als Autor verfasste. „Mit seinen Werken begleitet und lenkt er unsere Arbeit auch in Zukunft“, betonte Sauer.

Das Museum hat ihren Worten zufolge innerhalb der hessischen Museumslandschaft eine herausragende Position mit hoher Reputation. Die gelte es jetzt auch öffentlichkeitswirksam umzusetzen. „Der akute Schwund an Geschäften und damit Lebendigkeit im Ortskern von Hirschhorn hat unmittelbaren Einfluss auf den Tourismus“, sagte sie. Das Museum als eine der wenigen Sehenswürdigkeiten im Stadtkern übernehme eine wichtige Aufgabe, „der wir uns im Vorstand jetzt gemeinsam stellen“.

Zum einen geschieht das mit Veranstaltungen, die auch stärker mit dem Alltag der Einwohner verwoben sind. Dazu zählt beispielsweise der Expertenvortrag am 30. März über das Miteinander von Mensch und Wolf. Hans Jürgen Waibel gab dazu einige Detailinformationen. Er verwies auch auf weitere geplante Veranstaltungen wie etwa den Internationalen Tag des Museums am 19. Mai und die „Nacht der offenen Museen“ im September.

Derzeit laufen auch noch Gespräche mit der hessischen Burgen- und Schlösser-Verwaltung über eine Präsentation zum aktuellen Stand der Sanierung von Burg Hirschhorn. „Es ist ein Thema, das uns alle interessiert und als Bürger auch viel angeht“, so der Tenor. Der Verein möchte erreichen, dass die Hirschhorner über die Entwicklung auf dem Laufenden gehalten werden.

In ihrem Rückblick erwähnte Aloisia Sauer Eckpunkte wie die Neugestaltung des Dioramas nach einem Wasserschaden. Auch ging sie auf die neue Webseite ein, die das Museum in einem neuen Look nach außen repräsentiert (www.museum-hirschhorn.de). Das Haus lebt von interessanten Sachspenden und davon gab es 2018 reichlich: Steinmetzwerkzeug, Bücher aus der ehemaligen Gefängnisbibliothek, schöne Gemälde mit ungewöhnlichen Hirschhorn-Ansichten, historische Bierflaschen der Brauerei Jäger und vieles mehr.

Ein großer Dank des Vorstands galt Roswita Rossmann, die in den vergangenen zwölf Jahren den Adventskaffee in allen Details organisierte. Dr. Wolfgang Schuler wurde für seine akribische Arbeit an der bisherigen Webseite des Museums gedankt. Ohne ihn wäre dieses Fenster ins weltweite Netz in den vergangenen Jahren verschlossen gewesen. Bernd Meschede und sein Sohn Joachim gestalteten das Diorama mit dem im Museum vorherrschenden historischen Wandmuster neu. Sandra Fink investierte viel Zeit in die aufwändige Reinigung der Vitrinen.

„Es ist das Miteinander, das uns voranbringt“, zeigte sich der Vorstand des Freundeskreises Langbein’sche Sammlung zuversichtlich. Neue zweite Vorsitzende ist Dr. Irmtrud Wagner, Schriftführerin Petra Flachs, Schatzmeister Hans Jürgen Waibel, Kassenprüfer Ilona Dörr und Rainer Mathes, Beisitzer Wilfried Geyer, Dr. Arnt Heilmann, Roswita Rossmann, Elke Timmermann und Andrea Weber. Mit dem neuen Vorstand habe der Freundeskreis ein neues Kapitel aufgeschlagen. „Es gibt viel zu tun“, betonte Aloisia Sauer in ihrem Ausblick.