Lernen in der „Wohlfühloase Oberzent-Schule“

Wenn die Oberzent-Schule zur Präsentation der Projektwochen-Ergebnisse und zum Schnuppertag einlädt, dann ist die „Bude“ immer voll. Aber dieses Mal war es „so gut besucht wie selten“, freute sich Schulleiter Bernd Siefert. „Ausverkauft“ vermeldete sogar die Mensa, vom Förderverein mit Unterstützung aus den zehnten Klassen gemanagt. Über 200 Besucher zählten die Lehrer bei den verschiedenen Führungen durch die Gebäude.

Die Kombination von Projektwochen-Abschluss plus Info für die kommenden Fünftklässler zieht: Nicht nur die Eltern der aktuellen Viertklässler kommen mit ihren Sprösslingen vorbei, sondern die Erwachsenen der älteren Schüler wollen auch wissen, was ihre Kinder in der einen Woche so alles gemacht haben. Die Palette der angebotenen Projekte ist nämlich sehr vielfältig: Ski fahren, Theater, Medienwelten, Schach, Brettspiele bauen, Chemie, Sport, Erasmus, Zeichnen, Filme oder Fotoromane sind unter anderem im Angebot.

„Origami“ hatte noch einen anderen Hintergrund als nur etwas zu falten. Die Schüler stellten nämlich den Innenhof der Schule mitsamt Bienenkörben nach. Zusammen mit René Tunn und Tanja Stolp soll einen Bienenprojekt gestartet werden. „Dafür gibt’s auch Zuschüsse“, schmunzelt Bernd Siefert. Als Ziel dahinter steht die Produktion des eigenen Honigs. Mit Pressluftflaschen ging‘s zum Tauchen ins Hallenbad. Das Equipment dafür hatte Konrektor Dirk Konrad mitgebracht, nebenbei Vorsitzender des Tauchsportclubs in Michelstadt.

„In der Projektwoche herrschte eine sehr angenehme Atmosphäre und es sind tolle Produkte entstanden“, bilanziert der Schulleiter. Von den Besuchern gab es nur positive Rückmeldungen. Die „gute Stimmung“ und das ansprechende äußere Erscheinungsbild der Lernanstalt wurden gelobt. Auf die Eigenwerbung ist die Oberzent-Schule natürlich auch angewiesen. 60 angehende Fünftklässler gibt es dieses Jahr, die man (und ihre Eltern) logischerweise gerne von einem Besuch der OZS überzeugen möchte.

„Wir wollen zeigen, warum die Oberzent-Schule die beste weiterführende Schule ist“, nimmt Siefert in punkto Schulvermarktung gerne einen Superlativ in den Mund. Neben der familiären Atmosphäre gehört dazu seinen Worten nach sicherlich auch die gute Anschlussfähigkeit für weiterführende Schulen. „Bei uns sind die Kinder gut aufgehoben, werden fachlich-methodisch und sozial gut geschult“, hebt er hervor.

„Wir öffnen unsere Schule nach außen“, sagt der Pädagoge. Denn vor zehn Jahren waren es noch 110 Viertklässler, die die Grundschulen der Region abschlossen. Aber die kleinere Schülerzahl hat auch was Gutes. Es gibt quasi die „Wohlfühloase Oberzent“. Siefert macht das auch am geringen Krankenstand fest. „In der vergangenen Woche war kein Lehrer krank“, sagt er. Und das bei immerhin 30 Pädagogen.

Die sind immer voll dabei, wenn es um die die Erarbeitung der Themen für die Projektwoche geht. Die Schüler können aus dann aus dem Angebot je nach eigenem Geschmack auswählen. Das Schulleitungsteam leistet laut Siefert in dieser Richtung „herausragende Arbeit“: Dirk Konrad, Heidi Domack, die Stufenleiterin für die Klassen fünf bis zehn, und Klaus Seeh, der Koordinator für die Übergänge ans Gymnasium, hängen sich mit den Kollegen voll rein.

Der Schulleiter spricht mit Blick auf die vielen Aktivitäten von einem gewissen Alleinstellungsmerkmal der OZS. Das Angebot kommt auch bei den Schülern gut an, beobachtet Lehrerin Angela Jöst. Die waren mit einem solchen Feuereifer bei der Sache, dass im Chemieversuch sogar der Feueralarm losging. Den zweiten Test der Brandmeldeanlage während der Herstellung gebrannter Mandeln konnte man gerade noch vermeiden, schmunzelt sie.

Traditioneller Abschluss des Tags ist immer die Präsentation des Zirkusworkshops, bei dem Ralf „Jeremy“ Breitinger die Fünf- bis Zehntklässler anleitet. Die AG findet seit langer Zeit immer einmal wöchentlich statt. Dieses Mal wurde in der Sporthalle jongliert und balanciert, was das Zeug hielt. Kleine und etwas größere Artisten freuten sich über den Applaus des Publikums.

Info: Beim Frühlingskonzert der Oberzent-Schule besteht am Sonntag, 31. März, 11 Uhr, das nächste Mal Gelegenheit, die Lernanstalt in Augenschein zu nehmen. Es spielt die Fachschaft Musik von Volker Reichelt.

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Baustoff Benz in Beerfelden ist vorerst dicht

Die Schließung von Baustoffe Benz in der Gammelsbacher Straße erwischte die Stadtverwaltung kalt. „Wir erhielten erst einen Tag vorher Nachricht darüber“, berichtete Bürgermeister Christian Kehrer. Das Hauptproblem soll fehlendes Personal gewesen sein, erfuhr er bei einem Telefonat mit der Geschäftsführung. Bereits seit November suchte der Betrieb nach Ersatz – erfolglos. Für hiesige Unternehmer und den Bauhof bedeutete der Markt kurze Wege, um Kies oder Baustoffe zu erhalten. Damit ist es jetzt vorbei. „Nun müssen wir die in Lauerbach oder Neckarsteinach holen“, sagte der Rathauschef.

Wie Kehrer erläuterte, wurde die Schließung vom Unternehmen umso mehr bedauert, weil die Ursprünge vor 100 Jahre im Odenwald lagen. Nachdem die Eberbacher Filiale bereits vor einigen Jahren dichtgemacht hatte, gibt es jetzt außer der Zentrale in Neckarbischofsheim noch die Filialen an der Bergstraße oder in der Ebene. Der Bürgermeister ergänzte, dass es seitens der Geschäftsführung Gespräche gebe, damit ein Weiterbetrieb erfolgen kann.

Die Filialen in Eberbach und Beerfelden wurden Anfang der 90er Jahre eröffnet. 2007 erfolgte der Umbau mit Erweiterung der Verkaufsflächen und Neustrukturierung des Lagers am Standort Beerfelden. Dieser verfügt über 3200 Quadratmeter Freilagerfläche, davon 250 überdacht für die empfindlicheren Baustoffe und Materialien. Weiterhin gibt es 100 qm Ausstellungsfläche sowie einen Fachmarkt auf 75 qm.

Weiter Warten auf zwölf Sitzbänke im Sensbachtal

Neben dem Aufregerthema Verbindungsstraße Reußenkreuz-Bullau beschäftigte sich der Ortsbeirat auf seiner eineinhalbstündigen Sitzung noch mit vielen anderen Themen – unter anderem der finanziellen Lage der Stadt. Laut Bürgermeister Christian Kehrer soll für 2019/2020 ein Doppelhaushalt erstellt werden. In einer Klausur wollen die Stadtverordneten die Priorität der einzelnen Maßnahmen festlegen. „Die Haushaltssituation ist schwieriger geworden“, so Kehrer, da wegen der gesunkenen Holzpreise in 2018 und 2019 jeweils 240.000 Euro an Einnahmen fehlen.

Mit Blick auf Unter-Sensbach sagte der Rathauschef, dass Maßnahmen wie die Sanierung der Sporthalle eventuell zeitlich gestreckt oder sogar erst später durchgeführt werden können. Die Stadt will einen gemeinsamen Besprechungstermin für die betroffenen Vereine, Grundschule, Kindergarten und Ortsbeiräte organisieren. Dieser ist für März vorgesehen, kündigte er an.

Bereits seit einem Dreivierteljahr ist die Läuteanlage auf dem Sensbacher Friedhof defekt. Nach Auskunft des Bürgermeisters versuchte der städtische Elektriker zunächst, die Platine zu reparieren. Dies gelang jedoch nicht. Nunmehr wurde das defekte Teil neu bestellt und soll in absehbarer Zeit eingebaut werden. Keine Probleme für die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr: Vor dem Feuerwehrhaus in Ober-Sensbach werden zwar seit einigen Wochen Kanalarbeiten durchgeführt. Stadtbrandinspektor Marco Johe sah sich die Situation jedoch vor Ort an und gab Entwarnung. Die Ausfahrt sei weiterhin möglich.

Bereits vor zwei Jahren bestellte die frühere Gemeinde Sensbachtal über den Geo-Naturpark zwölf Bänke und zwei Tische. Der Verein Sensbachtal aktiv hatte sich bereiterklärt, die anfallenden Kosten zu übernehmen, so nichts bei der Stadt hängen bleibt. „Durch einen personellen Wechsel beim Geo-Naturpark und einen krankheitsbedingten Ausfall beim Hersteller konnten diese nunmehr bereits im zweiten Jahr nicht ausgeliefert werden“, erläuterte Kehrer. Er will sich nun darum kümmern, gegebenenfalls auch über einen anderen Lieferanten.

Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann teilte dem Gremium mit, dass die L3108 von Reußenkreuz nach Schöllenbach vom 18. März bis 26. April kurzfristig wegen Sanierungsarbeiten voll gesperrt wird. Die Umleitung erfolgt über Sensbachtal. Das Auslichten der Erlen am Freizeit- und Feuerlöschteich Ober-Sensbach sowie der Gehölzrückschnitt am „Pilz“ auf dem Krappenbüschel und am Panoramaweg erfolgt am 28. Februar in Eigenleistung durch die NABU-Ortsgruppe, so eine weitere Mitteilung.

Betreffs der Außenanlagen am Bürgerzentrum Unter-Sensbach nimmt der Bürgermeister mit dem Bauhof Kontakt auf, dass die Vorarbeiten zum Austausch der beschädigten Außenleuchten einschließlich der Aufweitung der Ausfahrt nach Süden für das Feuerwehrfahrzeug baldigst angegangen werden können. Der Auftrag für die Aktualisierung der Beschilderung an den Liegenschaften der Stadt ist bereits erteilt, sagte er.

Durch eine kurzfristige Absage stand ein Räumgerät weniger für den Winterdienst zur Verfügung. Dadurch kam es verschiedentlich zu Engpässen, bedauerte Kehrer – gerade im höchstgelegenen Ortsteil Ober-Sensbach. „Die Probleme sind jedoch erkannt“, betonte er. Der Räumplan soll im Frühjahr überarbeitet und teilweise modifiziert werden.

 

Info: Die Mitglieder des Ortsbeirats treffen sich am Samstag, 23. Februar, um 13 Uhr am Bürgerzentrum Unter-Sensbach zur Erstellung einer Prioritätenliste für das Straßensanierungskonzept der Stadt Oberzent.

Beerfelder Gehwege in der Stadtmitte bekommen rotes „Metzkeilpflaster“

Die Sanierung der Mümlingtalstraße durch Hessen Mobil läuft auf Hochtouren. Deshalb rückt langsam auch der Moment näher, wenn die noch von der Beerfeldener Stadtverordnetenversammlung beschlossene Gestaltung des Bereichs zwischen Metzkeil und Waschbrunnenplatz umgesetzt wird. Stadtbaumeister Peter Bauer erläuterte dem Ortsbeirat auf dessen Sitzung die geplanten Maßnahmen. Außerdem stellte sich dort auch der neue Stadtpolizist Nabil El Kadi vor.

Ortsvorsteher Christian Zimmermann fragte nach, ob im Zuge der Straßensanierung die Zufahrt zum Parkplatz beim Oberzent-Museum optimiert werden könne. Viele Fahrzeuge hätten Probleme, da sie dort aufsetzten. Laut Bauer soll dies im Zuge des Ausbaus – soweit möglich – angepasst werden. Beim Waschbrunnenplatz bleibt es bei der jetzigen Pflasterung, allerdings werden schadhafte Steine ausgewechselt und die Fläche wird eingeebnet, erläuterte er.

Das sogenannte „Metzkeilpflaster“ aus rotem Betonstein soll in den Gehwegen sowohl Richtung Waschbrunnenplatz als auch in den Einmündungen der Nebenstraßen Verwendung finden. Ebenso soll es rund um den Zwölfröhrenbrunnen zur Anwendung kommen. Es ist schon jetzt vor dem Rathaus verlegt. Im Bereich Waschbrunnen soll das bisher dort verwendete Natursteinpflaster erneuert werden, sagte Bauer. Graues Granitpflaster sei auch auf historischen Aufnahmen zu finden. Im Odenwald unterscheiden sich die verwendeten Pflaster in ihren Farben nicht wesentlich.

Nabil El Kadi stellte dem Gremium seinen umfangreichen Aufgabenbereich vor. Er erwähnte zu Beginn, dass entgegen der Diskussion im Stadtparlament kein Autofahrer bereits 15 Strafzettel erhalten habe. Angedacht ist seinen Worten zufolge eine Information über „richtiges Verhalten im Straßenverkehr“. Zimmermann regte an, einmal im Monat eine Liste der kontrollierten Straßen im Blättchen zu veröffentlichen.

El Kadi teilte mit, dass die Tempo-30-Beschilderung am Kindergarten zeitnah in Absprache mit Hessen Mobil angebracht werde. Die Blitzer in Gammelsbach und Hetzbach sollen Richtung Frühjahr wieder funktionstüchtig sein. Bisher fehlen noch die entsprechenden Kontaktstreifen im Asphalt. Blitzersäulen, die den Verkehr auf beiden Seiten erfassen können, sind zu teuer, erläuterte er. Hintergrund: Immer wieder stellt man fest, dass besonders schlaue Autofahrer an dieser Stelle einfach auf die andere Fahrbahn ausweichen. Der Stadtpolizist kann sich aber vorstellen, mit einem mobilen Blitzer ergänzend zu kontrollieren.

El Kadi erwähnte außerdem die Straßenreinigungssatzung, die für Oberzent noch beschlossen werden muss. Als Problem benannte er illegale Müllentsorgung und die Nachlässigkeiten bei der Schneeräumpflicht. Wenn die weiße Pracht nach drei Tagen immer noch auf den Gehweg liegt, schaut El Kadi nach dem Rechten. Ein Ärgernis ist seinen Worten zufolge die Dauernutzung von öffentlichen Parkplätzen, wo unter anderem abgemeldete Fahrzeuge abgestellt werden.

Das Thema Bepflanzungen im Ort etwa auf Verkehrsinseln oder Blühstreifen wird von Magistratsmitglied Walter Braner bearbeitet. Dieser ist bereits im Gespräch mit den Imkern. Er wird dann auch Kontakt zum Ortsbeirat aufnehmen, hieß es auf der Sitzung. Die gewünschte Beschriftung des Rathauses muss noch mit dem Denkmalschutz geklärt werden. Sie soll bei der Fassadensanierung, wenn ohnehin ein Gerüst steht, umgesetzt werden, informierte Zimmermann.

Angeregt wurde die Bemalung der Strom- und Verteilerkästen. Hier ist aber die Genehmigung durch Telekom und MediaNet seitens der Verwaltung zu klären. Danach könnte eine Gestaltung durch Schulen oder hier lebende Künstler erfolgen. Hofwiese, der erste Abschnitt des Güttersbacher Wegs, Gabelsbergerstraße, Eberbacher Weg, Friedrich-Ebert- und Gerhart-Hauptmann-Straße haben neben Walterbachweg und Häfengasse nach Meinung des Ortsbeirats eine Sanierung dringend nötig, weswegen sie auf der Prioritätenliste landeten.

 

Sensbachtaler Ortsbeirat ist sauer über die Straßensperrung zwischen Reußenkreuz und Bullau

Die Sperrung der Verbindungsstraße zwischen Reußenkreuz und Gebhardshütte, die in ihrem weiteren Verlauf nach Bullau führt, sorgt für gehörige Verstimmung zwischen dem Ortsbeirat und der Stadtspitze. Auf der Ortsbeiratssitzung wurde die Frustration darüber deutlich, nicht in die entsprechende Entscheidung miteingebunden worden zu sein. Gleichzeitig machten die Mandatsträger deutlich, dass sie die Schließung der Straße für den allgemeinen Verkehr nicht hinnehmen wollen.

„Wir hatten das Thema der Ortsverbindungsstraße bereits Ende Oktober zum Thema“, betonte Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann. „Der Ortsbeirat legt Wert darauf, dass die Sperrung umgehend rückgängig gemacht wird und der Weg wieder öffentlich befahrbar ist“, heißt es im damaligen Protokoll, das auch an die Stadt ging. Außerdem bittet das Gremium dringendst darum, „über solche Dinge künftig im Voraus informiert zu werden“.

Erst nach mehrmaligen Nachfragen, so Kuhlmann, gab es am 11. Januar von der Stadt eine Stellungnahme. Darin ist zu lesen, dass es sich „bei der Straßensperrung um eine Maßnahme der Verwaltung und der Straßenverkehrsbehörde handelt“. Eine Beteiligung des Ortsbeirates sei hierfür nicht erforderlich und die Information darüber wünschenswert, „übersteigt aber unsere personellen Möglichkeiten“.

„Wir sind natürlich ganz anderer Meinung“, unterstreicht Kuhlmann etwas sarkastisch. „Der Schriftverkehr mit der Stadtverwaltung strotzt nicht gerade vor Bürgernähe.“ Im Vorfeld der Fusion sei aber gerade diese propagiert worden. Gerade bei einer Neugründung wie Oberzent „können Mandatsträger oder Verwaltungsmitarbeiter nicht über historisch begründete Dinge informiert sein“, zeigt er Verständnis. Aber die Widmung, Entwidmung oder Sperrung „einer seit Menschengedenken frei befahrbaren Ortsverbindungsstraße“ sei eine wichtige Angelegenheit, so dass seines Erachtens „der Ortsbeirat unbedingt hätte gehört werden müssen“.

Als „kontraproduktiv“ mit Blick auf den Tourismus wertet der Ortsvorsteher die Schließung. Gerade am Reußenkreuz sei man auf Auswärtige angewiesen. Dazu kämen noch die vielfältigen Verbindungen aus Schöllenbach und Ober-Sensbach nach Bullau. Nicht zuletzt empfindet er es seltsam, dass der Weiler Gebhardshütte nicht über eine öffentliche Straße von Oberzent aus zu erreichen sei. Statt fünf Minuten vom Reußenkreuz nach Bullau gilt es nun 22 Kilometer über Erbach zu fahren.

Bürgermeister Christian Kehrer wies eingangs der umfangreichen Redebeiträge darauf hin, dass es sich hier seiner Meinung nach gerade nicht um eine Ortsverbindungsstraße, sondern lediglich um einen Waldweg handle. Ein Jagdpächter habe sich bei ihm über ständig zunehmenden Kraftfahrzeugverkehr beschwert. Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes habe die Angaben vor Ort überprüft. Einspurig, nicht geteert, gefährlich: Die Stadt wolle nicht die Verkehrssicherungspflicht dafür übernehmen.

Daraufhin habe der Bürgermeister in seiner Eigenschaft als Straßenverkehrsbehörde die Sperrung angeordnet. Bei berechtigtem Interesse werde die Stadt jederzeit kostenlose Ausnahmegenehmigungen für Oberzent-Bürger ausstellen, sagte Kehrer. Kuhlmann hielt ihm entgegen, dass der Weg zwischen Finkenbach und Rothenberg ebenfalls nur einspurig und kurvig sei. Aber geteert, so Kehrers Replik.

An der sehr emotionalen Diskussion beteiligten sich neben den Mitgliedern des Ortsbeirates auch Besucher. Die Redebeiträge zeigten, dass man mit dieser Entscheidung keinesfalls einverstanden ist. Kehrer seinerseits, so der Eindruck der Mandatsträger, will daran nicht rütteln. Wolle man im ehemaligen Hesseneck und Sensbachtal eine andere Lösung, so sollten die dortigen Ortsbeiräte eine Initiative über die Stadtverordneten-Versammlung starten. „Es will ja keiner eine Autobahn“, betont Kuhlmann. Aber: „Wir wollen eine öffentliche Straße.“ Vielleicht lasse sich diese auch mit dem Hinweis „Befahren auf eigene Gefahr“ erreichen. In den Orten überlegt man sich weitere Schritte, um eine Wiederöffnung zu erreichen.

Das Gebiet zwischen Schöllenbach und Bullau einschließlich Reußenkreuz und Krähberg war früher gemeindefreies Gebiet „Forst Bullau“. Eigentümer war das Grafenhaus Erbach-Fürstenau. Bei Auflösung der gemeindefreien Gebiete in Hessen ab 1967 war die Gemeinde Ober-Sensbach sehr daran interessiert, dass die beiden Weiler zu Ober-Sensbach kommen. Voraussetzung war allerdings, dass die im Besitz des Grafenhauses befindlichen Wege in Gemeindeeigentum überführt werden. Ober-Sensbach und später Sensbachtal als Rechtsnachfolger kaufte die Wegeflächen vom Reußenkreuz bis zur Landwehr und zur Gemarkungsgrenze Richtung Hohberg in einer Breite von sieben Metern und übernahm damit die Unterhaltung und die Verkehrssicherungspflicht. Im Gegenzug musste das Grafenhaus rückwirkend ab 1967 Grundsteuer bezahlen.

Die verschiedenen Forderungen wurden gegeneinander aufgerechnet und ein Zahlungsplan erstellt. Die letzten Raten wurden nach Erinnerung des ehemaligen Bürgermeisters Manfred Heiss 1990 gezahlt. Genaueres sei aus der Akte 020-0501 der ehemaligen Gemeinde Sensbachtal zu entnehmen, die aber vermutlich bei der Verwaltung im Umlauf ist, mutmaßt er. Die Gemeinde Ober-Sensbach hat „damals nicht viele tausend Mark ausgegeben“, um damit eine nicht öffentlich nutzbare Straße zu kaufen, diese auch noch zu unterhalten „und sie jetzt von Oberzent schließen zu lassen“. Den Kauf müsse man auch im Kontext zur Verkehrssituation zwischen Bullau und der heutigen Stadt Oberzent sehen, so Heiss.

Evangelische Kirchengemeinden in der „Südkurve“ arbeiten zusammen

Die Kirchengemeinden müssen mit der Zeit gehen, sonst gehen sie mit der Zeit. Auf diesen Nenner lassen sich die Bestrebungen der Protestanten von Rothenberg, Hirschhorn, Neckarsteinach und Darsberg seit nunmehr 20 Jahren bringen. Die drei Pfarrer und Kirchenvorstände arbeiten immer intensiver zusammen, um das Feld für die Zukunft zu bestellen. Denn mittelfristig dürften nur noch zwei statt bisher drei Geistliche die „Südkurve“ mit ihren derzeit 3300 evangelischen Gläubigen (Tendenz abnehmend) betreuen, erläutert Rothenbergs Pfarrer Reinhold Hoffmann.

Die drei Gemeinden sind in Sachen seelsorgerischer Betreuung „überbesetzt“, erklärt er. Im Schnitt werden pro Pfarrer 1500 Schäfchen kalkuliert, weiß Hoffmann. Da der Rothenberger Gottesmann bereits Anfang 60 ist und sein Hirschhorner Kollege Jörg Awischus stramm auf dieses Alter zugeht (Norbert Feick aus Neckarsteinach ist der jüngste im Bunde), ist absehbar, wann der erste in Rente gehen wird. Er macht aber auch klar, „dass derzeit nicht gekürzt wird“.

Das Trio treibt seit zwei Jahrzehnten die Zusammenarbeit auf verschiedenen Feldern voran. „Besser jetzt agieren, wenn wir es in Ruhe tun können, als später unter Druck zu reagieren“, betont Hoffmann. Den Geistlichen geht es darum, ihre Pfarrgemeinden für potenzielle Nachfolger attraktiv zu gestalten. In ein paar Jahren, blickt er voraus, „werden jedes Jahr 100 Pfarrer in den Ruhestand gehen und nur 30 kommen nach“. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass 70 Pfarrhäuser leer stehen werden.

„Es ist nicht einfach, junge Pfarrer aufs Land zu locken“, sagt der Rothenberger. Dazu müssen schon die Rahmenbedingungen passen. „Wir schätzen unsere liebenswerten Gemeinden“, betont er, „und wollen, dass sie weiterhin gut versorgt sind“. Hoffmann bezeichnet dies „als den eigentlichen Motor fürs Zusammenwirken“.

Start der Kooperation war vor 20 Jahren mit der Urlaubsvertretung in den südlichsten hessischen Ecken von Odenwaldkreis und Bergstraße. Es folgte der „Kanzeltausch“ an hohen Feiertagen. „Weil es so gut funktionierte“, wurde vor ein paar Jahren das Projekt Sommerkirche ins Leben gerufen. „Einer für alle“ heißt es dann an drei aufeinanderfolgenden Sonntagen, sodass die Kollegen zwei Wochenenden frei haben.

Darauf aufbauend folgte laut Hoffmann der „Nachbarschaftsgottesdienst“. Dieser läuft übers ganze Jahr. Hierbei hält ein Pfarrer an einem Sonntag alle Gottesdienste in den drei Orten, sodass die anderen beiden ein Wochenende im Monat frei haben. Das hat den Vorteil, „dass jeder von uns in den Kirchengemeinden bekannt ist“, hebt er hervor. Das sei gerade bei Beerdigungen von Vorteil.

Als neuste Entwicklung findet jetzt im zweiten Jahr der Konfirmations-Unterricht teilweise gemeinsam statt. Der demographische Wandel beförderte diese Entwicklung. Waren es früher 20, sind es in diesem Jahr gerade noch acht Rothenberger Konfirmanden. In Hirschhorn sogar nur noch fünf. So wenige werden es den Prognosen nach auch bald in der Odenwald-Gemeinde sein.

Für den Rothenberger Pfarrer bringt das auch ganz praktische Vorteile mit sich. Im Zusammenwirken mit den anderen „macht der Unterricht noch mehr Spaß“, sagt Hoffmann. „Das hat mehr Drive gegeben.“ Er empfindet es „als großen Gewinn für die Jugendlichen“, dass sie drei Ansprechpartner haben.

„Wenn wir wollen, dass alles bleibt wie es ist, muss sich alles ändern“: So prophetisch hieß es bereits Giuseppe Tomasi di Lampedusas „Leopard“. Für die Kirchengemeinden gilt Ähnliches: Bei der Gestaltung der Zukunft werden die eigenen Möglichkeiten genutzt. Eine Fusion soll es nicht geben, beruhigt Hoffmann. Denn man weiß um die Unterschiede in Tradition und Geschichte. Jedoch wird das Büro für alle drei Kirchengemeinden in Hirschhorn konzentriert. Die Kirchen selbst „sind nicht aufgebbar“, macht er klar. Aber bei den anderen der insgesamt elf kirchlichen Gebäude in den drei Kommunen „muss man schauen, welche man braucht“.

Die unterschiedlichen Kompetenzen der drei Kirchengemeinden sind in der Region verteilt. Kinder, Jugend- und Familienarbeit sind eher in Neckarsteinach angesiedelt, Besuchsdienst, Kontemplation und Lesungen in Hirschhorn, Hospizarbeit in Rothenberg, Kirchenmusik in Neckarsteinach und Rothenberg. „Das hat keinen Sinn, wenn jeder alles einzeln machen wollte“, sagt Pfarrer Hoffmann,

Neues Programm der Langbeinfreunde startet vielversprechend

Mit viel Elan und guten Ideen ist der Vorstand des Freundeskreises Langbeinsche Sammlung ins Jahr 2019 gestartet. In enger Zusammenarbeit haben die Mitglieder etliche Ideen für Events und Ausstellungen zusammengetragen, die jetzt auf Machbarkeit geprüft werden. Die ersten Ergebnisse können sich sehen lassen und versprechen interessante Veranstaltungen.

Als nächstes steht die ordentliche Mitgliederversammlung an. Diese findet am Freitag, 15. März, um 19.30 Uhr im Gasthaus „Goldene Pfanne“ statt. Neben den üblichen Regularien stehen satzungsgemäß Neuwahlen des Vorstandes an. Es gibt vielversprechende neue Kandidaten. Wer auch einen Kandidatenvorschlag hat, richtet diesen bitte per Mail an vorstand@museum-hirschhorn.de.

Unter dem Titel: „Ein neuer alter Nachbar – Erfahrungen im Zusammenleben von Mensch und Wolf“, hält Sebastian Ehret von der Uni Kiel einen interessanten Vortrag im Museum. Etwa 60 Minuten plus anschließender Diskussion sind dafür vorgesehen. Darin berichtet er von seinen Forschungsaufenthalten in den Wolfsgebieten der Lausitz und gibt Einblicke in die verschiedenen Positionen und Erfahrungen von Menschen, die seit fast 20 Jahren mit, gegen oder einfach neben dem Wolf leben. Termin: 30. März, 19 Uhr, im Museum. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erlaubt.

Im Rahmen des internationalen Museumstages findet am Sonntag, 19. Mai, 15 Uhr, eine Museumsführung mit „Johann Anton von Breitfeld“ statt: ein Zeitgenosse von Carl Langbein aus der szenisch-musikalischen Museumsführung, den Hans-Jürgen Waibel verkörpert. Viele Exponate werden vorgestellt und manche Anekdote, bei der Mark Twain nicht fehlen darf, lässt schmunzeln. Eintritt und Führung sind frei. Spenden erlaubt.

Mehr Infos finden auf http://www.museum-hirschhorn.de