Der Odenwaldkreis punktet mit viel Fläche und günstigem Wohnraum

Eigentlich liegt der Odenwald direkt neben dem Frankfurter Flughafen. „In internationalen Maßstäben ist eine Stunde Autofahrt gar nichts“, betonten die beiden Geschäftsführer der FrankfurtRheinMain Gmbh, Werner Schwebel und Eric Menges, bei der Vorstellung der Marketinggesellschaft in Erbach.

Dort waren auf Einladung der Oreg Bürgermeister, Kreistagsabgeordnete und Vertreter aus der Wirtschaft zusammengekommen, um der Vorstellung der Ergebnisse aus dem Projekt „FRM 2030“ zu lauschen. Darin wird ein Zukunftsbild samt abgeleiteten Zielen für die weitere Entwicklung der Region bis zum Jahr 2030 gezeichnet.

Die Weitläufigkeit der Metropolregion mit der Finanzmetropole Frankfurt als Dreh- und Angelpunkt machte Oreg-Geschäftsführer Marius Schwabe in seinen einleitenden Worten deutlich. Von Nord nach Süd erstreckt sich diese über fast 200 Kilometer, umfasst mit Hessen, Bayern und Rheinland-Pfalz drei Bundesländer.

Landrat Frank Matiaske räumte mit zwei Vorurteilen über den Odenwald auf, die im Ballungsraum kursierten: dass außer Landwirtschaft und Tourismus nichts geboten wird. „Es gibt aber viel mehr“, betonte er. „Wir sind zwar eine Touri-Region, aber mit viel Industrie.“ Der Reifenhersteller Pirelli etwa erwirtschafte an seinem Standort im Odenwaldkreis allein den jährlichen Umsatz aus dem Tourismusbereich. In der Region seien 70 Betriebe im Bereich Kunststoff und Kautschuk tätig, machte er deutlich. Weshalb sich der Kreis auch in wirtschaftlicher Hinsicht als „Home of plastic and rubber“ vermarkte.

„Was ist schon da, was ist geplant, welche neuen Ziele sind notwendig“, nannte Schwebel als Zielsetzung des Projekts FRM 2030. „Wir wollen weg vom Tagesgeschäft hin zu einer langfristigen Betrachtung“, erläuterte er. Wohnen, Infrastruktur, Wissen, Wirtschaft und Erlebensqualität wurden in den Workshops für die Metropolregion thematisiert.

In die Tiefe, sprich auf die Ebene des Kreises, ging es eigentlich nur bei einem Punkt: der Odenwaldbahn. Sie wird in den 2030er-Zielen insofern genannt, dass Elektrifizierung und Taktverdichtung als notwendig angesehen werden. Dies vor dem Hintergrund der aus allen Nähten platzenden Ballungszentren und dem dort knapp werdenden Wohnraum. Die Menschen suchen bezahlbare Wohnungen, finden sie auf dem Land, ziehen aber nur dorthin, wenn die Anbindung in die Zentren stimmt. „Wir haben die Flächen“, postulierte es schon der Landrat.

Schwebel bezeichnete FRM als „Wirtschafts- und Arbeitshotspot mit internationaler Strahlkraft“, Ganz wichtig ist auch die digitale Anbindung: Ohne schnelles Internet „gibt es keine Chance auf die Ansiedlung junger Menschen und von Unternehmen“. Der Zustrom wird laut Schwebel weiter zunehmen. Internationale Konzerne siedeln sich zunehmend im Großraum an. FRM als „exzellente Wissensregion“, eine einheitliche Beschilderung von Rad- und Wanderwegen, ein Wohnungsbaukonzept für die gesamte Region, Ganztagesbetreuung, regionale Sportstättenstrategie und, und, und: Schwebel listete eine Vielzahl von Zielen für 2030 auf.

Die Aufgabe der FRM GmbH beleuchtete Eric Menges. Er nannte den Frankfurter Flughafen als Fixpunkt. „Wenn der gut zu erreichen ist, dann gibt es gute Chancen auf Firmenansiedlungen.“ Dem Odenwaldkreis attestierte er „ein in der Region konkurrenzloses Flächenangebot“ und erschwinglichen Wohnraum sowie ein gutes Breitbandnetz.

Mit der Lebensqualität „kann der Odenwaldkreis gegenüber vielen anderen Regionen punkten“, meinte Schwabe. Mit dem richtigen Job „gibt es Arbeit vor Ort“, sagte er. Deshalb ist für ihn die Fachkräftesicherung auf Kreisebene wichtig. Hierzu stehe man mit den Betrieben in Kontakt und biete Unterstützung an. Mit dem Projekt „Garantiert mobil“ will die Oreg außerdem dem Wunsch nach Mobilität gerecht werden. Am 1. September starten die Mobilitätsberater, „die die Leute an die Hand nehmen und ihnen zuhause erklären, wie die App funktioniert“. Ziel: Die Kreisbewohner sollen das Auto nicht mehr brauchen.

Für den Oreg-Mann ist der Austausch mit anderen Wirtschaftsförderern wertvoll. Das Thema „Best practice“, was läuft gut und „was müssen wir nicht versuchen“, spiele eine große Rolle. Schwabe sieht das in FRM 2030 genannte zentrale Baumanagement als interessant an: Wenn es um den Wohnort geht, „spielt der Kreis eine gute Rolle“.

 

Die FrankfurtRheinMain GmbH ist die internationale Standortmarketinggesellschaft der Metropolregion FrankfurtRheinMain (FRM). Sie präsentiert die Kreise und Städte der Region als schlagkräftige Gesamtregion im Ausland. Kern der Metropolregion ist der städtische Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main. Insgesamt hat das Rhein-Main-Gebiet ungefähr 5,7 Millionen Einwohner, von denen etwa 2,2 Millionen im Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main leben. Andere städtische Zentren neben Wiesbaden, Mainz und Darmstadt sind Rüsselsheim, Groß-Gerau, Bad Homburg, Offenbach, Hanau, Aschaffenburg, Gießen, Limburg und Fulda. In Frankfurt werden bis 2030 weitere 100.000 Einwohner mehr erwartet, in der Region weitere 150.000 bis 200.000. Der Flughafen Frankfurt bietet derzeit 81.000 Arbeitsplätze, in der Umgebung noch einmal das Doppelte. Die Flugbewegungen nehmen ständig zu.

Advertisements

Das Waldseebad Beerfelden findet lobende Erwähnung im Freibadführer „Public Swimming“

Der herrliche Spätsommer steht vor der Tür. Die Sommerferien sind zwar schon zu Ende, aber nachmittags und an den Wochenenden ist immer noch genug Zeit fürs Freibad, wenn die Sonne vom Himmel lacht – wie es fürs Wochenende wieder vorausgesagt wird. Das Beerfeldener Waldseebad ist ein ideales Ziel, wird ihm nun auch vom „ersten Freibadführer“ namens „Public Swimming“ attestiert. In dem 336-Seiten-Büchlein von Gabi Schirrmacher werden die 51 schönsten Freibäder vor allem aus Südhessen vorgestellt. Beerfelden ist dabei: mit der Auszeichnung „für Puristen und Naturliebhaber“.

„Das ist eine tolle Anerkennung unserer Arbeit“, freut sich die Vorsitzende des Arbeitskreises Waldseebad, Ina Bottelberger. Die Ehrenamtlichen sind jedes Frühjahr gefordert, wenn im und rund um das über 80 Jahre alte Becken diverse Arbeiten anstehen, damit es im Sommer wieder für die Badewilligen geöffnet werden kann. Die nehmen dafür auch weitere Wege auf sich, weiß sie. Denn andere Bäder etwa im Neckartal oder den größeren Städten sind an den Hoch-Tagen hoffnungslos überfüllt.

Mit Schwimmern auch aus dem Darmstädter und fränkischen Raum ist für sie deshalb die Aufnahme in den Freibadführer Gold wert. „Das ist unsere Zielgruppe“, betont sie: Menschen aus den Großstädten, die im Odenwald einfach nur Ruhe abseits des Trubels unter der Woche suchen. Am Südrand von Beerfelden finden sie die. Selbst an den Sommerferien-Sonntagen geht es hier entspannt zu, findet sich sowohl auf der über einen Hektar großen Liegewiese als auch im 50-Meter-Becken immer ein freies Plätzchen.

Einfach nur die Seele baumeln lassen: Auch Autorin Schirrmacher machte diese wohltuende Erfahrung. „Sauberes Quellwasser, klare Luft, null Ablenkung und herrliche Ruhe“, heißt ihre Einleitung des Beitrags über das Waldschwimmbad. Mitten im Wald gelegen, „ist es prädestiniert für den Rückzug nach einer hektischen Arbeitswoche“, schreibt sie. „Wie von Zauberhand wird man mit der Natur vereint.“

Das Lob geht weiter: „Das an den Schwung der sanften Hügel angepasste Schwimmbecken, die Holzplateaus zum Sonnen auf der sattgrünen Liegewiese, dazu das Tannengrün des Waldes – hier herrscht eine zutiefst friedliche Atmosphäre.“ Mit etwas Sonnenschein ist für denjenigen das Urlaubsfeeling garantiert, der nicht zu viel Luxus erwartet.  Und das zu günstigen Preisen: 2,50 Euro kostet die Tages-, 30 Euro die Jahreskarte.

Erwähnung findet daneben die Möglichkeit, Paddel- oder Schlauchboote sowie Surfbretter mitzubringen. Der Tipp der Autorin: „Nehmen Sie sich einen Sommertag lang Zeit, den entspannenden Effekt der Landschaft voll auszukosten. Das Waldseebad ist selten überfüllt.“ Die 12.500 Quadratmeter große Liegewiese mit ihren zehn Bäumen, die drei Holz-Sonnendecks sowie die diversen Spielangebote werden ebenso genannt.

Den August über ist das Waldseebad Montag bis Freitag von 12 bis 19 Uhr geöffnet, Samstag, Sonntag und Feiertage von 10 bis 19 Uhr. Die Schließung im September ist abhängig von der Wetterlage. Weitere Infos auf http://www.waldseebad-beerfelden.de

Info: Gabi Schirrmacher, „Public Swimming – der erste Freibadführer“, Die schönsten 51 Freibäder, Naturbäder und Badeseen in den Regionen Aschaffenburg, Darmstadt, Frankfurt, Gießen und Wiesbaden; Fotografie Günther Dächer, 22 Euro, http://www.schirrmacher-editions.com

Der Spielplatz in Kortelshütte muss sicherer werden

Es geht nicht um eine Verschönerung, „sondern um sicherheitsrelevante Themen“, machte Ortsvorsteher Tobias Stadler mit Blick auf den Spielplatz im Mittleren Weg deutlich. Das Gelände müsse wieder instand gesetzt werden, damit es gefahrlos von Kleinkindern genutzt werden könne, erläuterte er auf der Ortsbeiratssitzung. Von der Oberzent-Verwaltung wurde die Thematik aufgenommen.

„Die Spielgeräte sind relativ neu“. führte Stadler aus. Allerdings sind noch Reste von alten Gerätschaften vorhanden, ragen Stümpfe aus dem Boden. „Die müssen weg, das sind Stolperfallen, die zu Verletzungen führen könnten“, warnte er. So fehlen Fallschutzmatten oder sind etwa die Gummireifen als Abfederung der Wippe nicht befestigt. „Aktuell ist der Platz praktisch nicht nutzbar“, monierte der Ortsvorsteher. Gerade die Zielgruppe der Familien mit kleinen Kindern schaut in die Röhre.

Ausbesserungsbedürftig ist auch das Geländer oberhalb der Straße. „Wenn sich da einer fest dranlehnt, landet er in der Brombeerhecke“, befürchtete Stadler. Der kleine Verbindungsweg hoch zur Waldstraße ist zugewuchert. Der muss wieder freigeschnitten werden, meinte er. Denn weiter oben wohnen viele junge Familien, deren Nachwuchs sonst nur über einen weiten Umweg zum Spielplatz kommen könnte.

Motorradlärm, Raser, gefährliche Überholmanöver und kein Ende: in den Oberzent-Stadtteilen ist das Thema derzeit omnipräsent. Kortelshütte ist davon besonders betroffen, denn der Lärm hallt das Tal hinauf und einige neuralgische Kurven liegen auf der Gemarkung. Da der Stadt aktuell bei der Kontrolle des fließenden Verkehrs die Hände gebunden sind (wir berichteten), denken die Einwohner über die Gründung einer Bürgerinitiative nach.

Über die BI „soll ein Nervfaktor in die Motorrad-Community getragen werden“, formulierte es der Ortsvorsteher. Dadurch lasse sich das Problem zwar nicht lösen, aber „Nichtstun ist auch der falsche Weg“. Seitens des Ortsbeirats will man sich mit dem Rothenberger Gremium kurzschließen und dessen Anregung unterstützen, eine Wochenendsperrung der L3410 für Motorradfahrer (analog Krähberg) zu erreichen.

Gerade in den vergangenen Wochen waren laut Stadler viele Unfälle zu verzeichnen. Bürger sollten es der Polizei melden, „wenn mal wieder einer im Graben landet“. Denn leider bewirke erst die Unfallstatistik ein Umdenken, wenn es um Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Fahrverbote gehe. Wie sehr das Thema die Bürger beschäftigt, zeigten die vielen Rückmeldungen. Sie berichteten über zahlreiche gefährliche Situationen, Schnellfahrer, Lärmbelastung und rücksichtslose Fahrer.

Ober-Hainbrunner Karnevalisten feiern erstmals Beach-Party

Bevor der Herbst kommt, wird es bei der Narrhalla Hainbrunn noch einmal so richtig Sommer. Die erste Beach-Party der Karnevalisten findet am Freitag, 31. August, ab 21 Uhr um die und in der SV-Sporthalle (Neckarstraße) statt. Die Idee zu dieser Veranstaltung kam auf einer Vorstandssitzung von den jüngeren Mitgliedern. Denen fehlten außer der Fastnacht weitere Veranstaltungen im Dorf. „Im engeren Organisationsteam sind wir etwa zehn Leute“, erzählt Kim Weyrauch vom Orga-Team.

Attraktion des Abends ist das „Beer-Pong-Turnier“ ab 21.30 Uhr. Dabei handelt es sich um ein Spiel, bei dem immer zwei Teams (mit zwei bis vier Personen) im Turniermodus gegeneinander antreten und versuchen, mit Ping-Pong-Bällen in die gegnerischen Becher zu treffen. Die Startgebühr beträgt 25 Euro. Es können maximal 20 Teams teilnehmen. Nachdem ein Mannschaftsname gefunden ist, kann die Anmeldung über Facebook unter NarrhallaHainbrunn bis zum 28. August erfolgen.

Bei der Mischung aus Party und geselligem Beisammensein gibt einen regulären Bar-Betrieb, Musik und leckere Sommer-Cocktails, unter anderem die Klassiker Pina Colada, Mojito, Sex on the Beach oder Gin Tonic. Der Eintritt (ab 16 Jahren mit Mutti-Zettel, den es auf Facebook-Seite zum Download gibt) kostet drei Euro.

 

Der Chronikkreis geht der Finkenbacher Geschichte auf den Grund

Was war früher alles los in Finkenbach! Die vier Senioren kommen ins Schwärmen. Da gab es sogar noch einen Faschingsumzug, viele Arbeitsplätze in den verschiedenen Betrieben des Tals, eine Grundschule mit 80 Kindern, Wandertage mit hunderten von Teilnehmern, eine Kerwe, bei der das Tal schwarz vor Menschen war und, und, und. Willi und Anneliese Arnold sowie Gerhard und Werner Friedrich erinnern sich sehr wehmütig an die aufregende alte Zeit zurück.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, in den 50er und 60er Jahren, war so allerhand geboten. Damit das Wissen um die damaligen Jahre nicht in Vergessen gerät, treffen sich das Quartett im Alter zwischen 75 und 82 mit Gleichgesinnten mehrmals im Jahr zu einem Chronikkreis. „Alles, was früher war, wird dann durchgekaut“, lacht Anneliese. Die Federführung hat der gebürtige Finkenbacher Rolf Reutter, heute in Darmstadt wohnhaft. Er trägt alle Infos für eine Ortschronik zusammen.

Ein Thema sind etwa die Gemarkungs- und Quellennamen. Über deren Herkunft zerbrechen sich die Rentner gern den Kopf. „Allein darüber habe ich drei Ordner daheim“, schmunzelt Anneliese. „Es gab auf Gemarkung Finkenbach 33 Quellen“, weiß Gerhard. Allerdings wird es immer schwieriger an Informationen zu kommen, „weil die Älteren nicht mehr da sind“, bedauert Werner. Es gibt im Ort keine Schule mehr, an der ein Lehrer Wissen übers Dorf vermittelt.

Der Ratsbrunnen etwa liegt gleich am Berg gegenüber des Schwimmbads, in dem sich die vier heute treffen. „Warum der aber so heißt, weiß keiner mehr“, sagt Gerhard. Immerhin hat der Brunnen einen Namen, denn es gibt genug Wasserspender, die namenlos vor sich hinplätschern. Willi ergänzt, dass die jenseits des Bachs liegenden Häuser über eine durchs Tal gelegte Holzdeichsel aus dem Brunnen ihr Wasser bezogen.

Die Finkenbach-Seitentäler hatten alle einen Grund, erzählt Werner. Scheiben-, Schulzen-, Lenzen-, Wetter- oder Menzengrund zum Beispiel. In der Regel gab ihnen der dort ansässige größte Bauer ihren Namen. Bei der Bezeichnung Scheibengrund scheiden sich jedoch die Geister. Denn diese Ecke wurde nach dem Ersten Weltkrieg gerodet. Vielleicht weil die Fläche ziemlich rund ist, lautet eine Vermutung.

Ebenfalls nur Vermutung ist die Herkunft des „Schiffmannsgründchens“ an der Abzweigung zum Wettergrund. Vielleicht standen hier einst die hohen, langen und geraden Fichten, die die Holländer mit Vorliebe als Mastbäume verwendeten, vermutet Werner. „Damals gab es nicht so viele Nadelbäume wie heute“, erläutert er. Dementsprechend waren die qualitativ hochwertigen Exemplare gesucht.

Die Waldwirtschaft war vor 150 Jahren noch ganz anders strukturiert, wissen die vier aus Erzählungen. Das „Rennekloppe“, Rindenklopfen, sorgte für den Lebensunterhalt vieler Familien. Eichen wurden ihrer Rinde erledigt. In Beerfelden und Hirschhorn gab es „Rinnescheunen“, wo diese abgeliefert wurden. Abnehmer war die Firma Freudenberg in Weinheim, die daraus Gerbsäure herstellte.

In den 1950er Jahren starb dieses alte Handwerk aus. „Als Bub war kann ich mich noch daran entsinnen“, sagt Willi. Und Werner weiß von den Lossteinen im Wald des Wetterbergs, womit die an die Familien vergebenen Areale umgrenzt wurden. Die durften nach Ablieferung der Rinden das Holz behalten und ein Jahr auf der Fläche Heidekorn aussäen, damit später die Eichen wieder wachsen konnten.

Aus Finkenbach wegziehen? Obwohl Gerhard und Werner ursprünglich aus Olfen kommen, Willi aus Rothenberg, ist die Antwort schon fast entrüstet: nie und immer. „Wenn man hier Grund und Boden hat, ist man hier verwurzelt“, betont Werner. Nach Frankfurt ziehen? „Das könnte ich mir nie vorstellen“, sagt Gerhard. „Einen Tagesausflug ja, aber dort wohnen? Auf keinen Fall“, betont auch Werner. Die vier bedauern sehr, dass es den Stammtisch wie früher in den Gastwirtschaften nicht mehr gibt. „Da saßen Alt und Jung zusammen, wurde das Wissen an die folgende Generation weitergegeben“, meint Anneliese. „Heute sind die Jüngeren nicht mehr da“, beklagt sie.

Garantiert mobil ist in Kortelshütte noch ein Fremdwort

Die Mobilität im ländlichen Raum ist für die Bürger ein großes Thema. Oftmals geht ohne Auto gar nichts. Was für die Jüngeren kein oder ein kleineres Problem ist, kann sich für Ältere, die nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen können, zu einem veritablen Hindernis auswachsen, um sich von A nach B bewegen zu können. Für den neu gegründeten Ortsbeirat Kortelshütte ein wichtiger Grund, das Programm „Garantiert Mobil“ des Odenwaldkreises aufzugreifen und durch die Fachleute vorstellen zu lassen.

Zu Gast waren Amadeus van Lier, Wirtschaftsförderer für den Bereich Oberzent, und Alois Weiss, bei der OREG im Bereich Nahverkehr tätig. Kern von „Garantiert mobil“ ist eine Mobilitätsgarantie, also das Versprechen, jederzeit von einer Ortschaft im Odenwaldkreis in das nächste Zentrum und immer auch ins Mittelzentrum Erbach/Michelstadt zu gelangen. Bedingung ist eine Anmeldung des Fahrtwunschs spätestens 60 Minuten vor der geplanten Abfahrtszeit. „Garantiert mobil“ kennt keine Bindung an einen Fahrplan und keine Einschränkungen am Wochenende oder in den Schulferien.

Über das Buchungsportal sucht der Fahrgast in der Start-Ziel-Relation seines Fahrtwunsches nach einer entsprechenden Verbindung. In der Auskunft wird ihm dann stets ein bestehendes ÖPNV- (Regel- oder „RufBus“-)Angebot angezeigt. Angezeigt werden ihm aber auch Mitnahmefahrten, die ein Anbieter im Buchungsportal eingetragen hat. Zusätzlich wird eine „Taxomobil“-Fahrt angeboten, wenn für seine Fahrtstrecke die Mobilitätsgarantie gilt.

Das große Interesse der Bürger kam durch den sehr guten Besuch zum Ausdruck. 40 von ihnen waren im Dorfgemeinschaftshaus zu Gast, freute sich Ortsvorsteher Tobias Stadler. Weil sich „Garantiert mobil“ gerade an Ältere richtet, wies Weiss darauf hin, dass – nach einer erstmaligen Online-Registrierung – die Fahrtbuchung auch per Telefon erfolgen kann.

Regelmäßigere Anbindungen wünschen sich die Kortelshütter nach Beerfelden und weiter nach Michelstadt. Gibt es tagsüber noch Busverbindungen, mit denen man zum günstigen RMV-Tarif dorthin kommt, gestaltet sich dies mit dem „Taxomobil“ außerhalb der normalen Fahrtzeiten erheblich teurer. Auf 26 Euro kam eine Kortelshütterin, die nach Michelstadt zum Krankenhaus wollte. Und dieser Preis wird bereits von der Stadt Oberzent subventioniert.

Von Bürgerseite wurden Probleme in der Schulbusverbindung Michelstadt-Kortelshütte genannt. Die Busse kämen so voll (und verspätet) in Beerfelden an, dass es Probleme mit der Umsteigeverbindung gibt. Es wurde daneben die schlechte(und teilweise fehlende) Anbindung in Richtung Hirschhorn und Neckartal angemahnt. Hier wurde der Wunsch nach einer besseren Vertaktung mit der S-Bahn geäußert. Weiss erläuterte, dass die OREG noch in Verhandlungen mit Dienstleistern sei, um das Angebot etwa durch Ruftaxi-Fahrten zu verbessern.

Der OREG-Mann nahm die ganzen Anliegen auf. Er verdeutlichte jedoch auch, dass eine Änderung der Bus- und S-Bahntaktung nicht von jetzt auf nachher möglich sei, da viele Faktoren mit hineinspielten. Sehr wenig frequentiert werden die ebenfalls angebotenen privaten Mitnahmefahrten, eigentlich ein Herzstück des Konzepts. 600 wurden in der vergangenen Zeit angeboten und nur ein Bruchteil davon gebucht, sehen die Fachleute hier noch Vermarktungsbedarf. Darum will sich die OREG in spe kümmern, nachdem jetzt die technischen Kinderkrankheiten des Systems überwunden sind. Zwei Mobilitätsberater stehen dafür in den Startlöchern.

Da stecken Emotionen in den Autos: Treffen der Italo-Freunde Rhein-Main

Sie alle eint die Liebe zu den italienischen Autos, ob es jetzt der Fiat 500 oder der Lamborghini ist: Zum fünften Mal trafen sich auf Einladung der Italo-Freunde Rhein-Main nicht nur „Ferraristi“, sondern auch viele „Fiatisti“. Zum vierten Mal geschah dies auf dem Wiesenmarkt-Gelände in Erbach. 113 Fahrer mit ihren Karossen zählte das Orga-Team um den Vorsitzenden Timo Wahler. „Das sind Emotionen, die in den Autos stecken“, erläutert der 28-jährige Weinheimer die Faszination der Fahrzeuge vom Stiefel.

Seitdem sich die Italo-Freunde das erste Mal vor vier Jahren in Heppenheim trafen, „ist die Besucherzahl sehr konstant“, freut sich Wahler. Dazu kommen immer ein paar Interessierte aus der Region, die sich den Blick auf liebevoll gepflegte und gestylte Autos und dazu noch ein paar schicke Flitzer nicht entgehen lassen wollen. Um die 200 „Erbäscher“ dürften es wohl dieses Jahr gewesen sein, schätzt der Vorsitzende.

Sie hatten eindeutig den kürzesten Anfahrtsweg. Den weitesten dürften mit Abstand drei Briten auf sich genommen haben. „1180 Kilometer“, meint Wahler bewundernd. Die Italo-Auto-Liebhaber organisierten sich übers soziale Netzwerk und traten dann gemeinsam den Weg in den Odenwald an. Dort trafen sie auf Teilnehmer des angrenzenden europäischen Auslands wie Österreich, Schweiz oder Frankreich, vor allem aber auf Fahrer aus allen Ecken und Enden Deutschlands. Aus Italien war allerdings noch niemand dabei, sagt Wahler bedauernd. Jedoch natürlich hierzulande lebende Italiener.

Ruhrpott, Bayern oder der Norden: Den Fahrern sind keine Mühen zu viel und keine Straßen zu weit, um einen Tag unter Gleichgesinnten zu verbringen, erläutert der IG-Vorsitzende. Da wird dann über die eigenen und anderen Vehikel gefachsimpelt, gibt es viele Benzingespräche. „Es ist sehr familiär“, betont Wahler. Jeder kennt quasi jeden, meint er, denn es gibt nur fünf größere italienische Autoclubs in Deutschland. „Die kommen dann immer wechselseitig auf die Treffen.“ Grande Famiglia sozusagen.

Natürlich richten sich die Blicke der Fans auf die roten und gelben Rennwagen wie Ferrari und Lamborghini, die Prachtexemplare der italienischen Autobauerkunst. „Doch auch Serienfahrzeuge sind gerne gesehen“, hebt Wahler hervor. Diese machen in Gestalt von Fiat, Lancia oder Alfa Romeo sowieso die große Mehrzahl der Besucherautos aus. Natürlich bleibt die neue Giulia-Sportvariante mit 510 PS nicht unbeobachtet.

„Fare una bella figura“ gilt ebenso für Autos. Wer will nicht gut aussehen. Bei der Prämierung der 25 schönsten Teilnehmer-Untersätze gewann ein Fiat Grande Punto mit vergoldeten Applikationen, Flügeltüren oder angepassten Giuletta-Scheinwerfern, schwärmt der Vorsitzende. Ein blauer Fiat Coupé und ein weißer Stilo landen auf den Plätzen. Bestes Race-Car wird ein Punto Abarth, als schönster Oldtimer wird ein Fiat Uno ausgezeichnet.

Gewertet wird auch die Musikanlage nach Klang und Optik, es gibt eine dB-Messung der Subwoofer und eine Auspuffmessung unterteilt nach Turbo- und Saugmotoren. Ein Lackaufbereiter beseitigt vor Ort Dellen, ein Folierer steht mit Rat und Tat zur Seite. Dazu Foodtrucks, Hüpfburg, XXL-Dart, Tombola: Es ist ein großes Happening für die ganze Familie.

Die Rhein-Main-Italos bekamen auf ihre Veranstaltung ein sehr positives Feedback, freut sich ihr Vorsitzender. „Den befreundeten Clubs hat es super gefallen“, bilanziert er. „Die freuen sich schon auf eine Fortsetzung.“ Denn die Liebhaber der diversen Karossen sind über ganz Deutschland verteilt und nutzen die Treffen, um sich auszutauschen oder Ideen und Anregungen für die Optimierung der eigenen Fahrzeuge zu holen.

„Als Italo-Fahrer sind wir eine Randgruppe“, meint Wahler schmunzelnd. Die Szene ist überschaubar, kennt sich aber dafür umso besser. Die Modelle vom Stiefel „sieht man außer dem Fiat Panda oder 500 nicht so häufig auf den Straßen“. Ein echter Liebhaber „gibt seinen Wagen trotz aller Problemchen nicht her“, weiß der Vorsitzende. Früher etwas verschrieen für ihre Reparatur-Anfälligkeit, „hat die Zuverlässigkeit der Autos wesentlich zugenommen“, sagt er.

Die Mitglieder der Italo-Freunde kommen aus dem gesamten Rhein-Main-Neckar-Gebiet von Heidelberg bis Frankfurt über die Bergstraße bin hinein in den Odenwald. Derzeit sind etwa 15 Freunde der italienischen Fahrzeuge in der IG organisiert. Timo Wahler aus Weinheim leitet den seit 2012 existierenden Club seit seiner Gründung. „Bei mir ging es 2008 direkt nach dem Führerschein los“, sagt er über seine Leidenschaft. „Mein erstes Auto war ein Fiat Seicento und gab den Startschuss für diese Vorliebe.“ Derzeit hat er zwei Autos vom Stiefel: einen Fiat Bravo Baujahr 2007 und eine Alfa Romeo Giuletta von 2014. „Solange es Modelle gibt, die mir zusagen, gibt es keinen Grund zum Wechseln“, betont Wahler. „Meine Frau kann fahren was sie will“, grinst er.

Bild: Exost Photography