Hier kennt jeder jeden: Alle genießen die familiäre Atmosphäre auf dem Beerfelder Pferdemarkt

Es ist diese einzigartige Kombination aus Volksfest, Tierschau, aber auch Händlerständen, die den Charme des „Gailsmarkts“ ausmacht, wie der Beerfelder Pferdemarkt eigentlich überall genannt wird. Die Beschicker einerseits genießen die familiäre Atmosphäre und das große Hallo, wenn man sich wieder trifft. Viele kommen schon seit Jahrzehnten in die Oberzent. Die Besucher andererseits wissen, dass sie hier Dinge finden, die in den Läden auf dem Dorf schon längst nicht mehr erhältlich sind. Wenn es diese Läden überhaupt noch gibt…

„Es ist immer noch ein Markt wie in den guten alten Zeiten, übersichtlich, mit vielen Bekannten“, bekommt Marktmeister Gerd Köppel immer wieder von den Ausstellern zu hören. „Es ist von allem was dabei – Handel, Vergnügung und leckere Gastronomie“, loben die Besucher. Der Mann kauft sich einen Geldbeutel, die Frau eine Handtasche. Bei den Älteren sind es dann die Hosenträger oder Strohhüte und die Kiddlscherz (Küchenschürzen). Montags bringen die Mitwirkenden der Tierschau ihre Zwei- und Vierbeiner nach Hause und kommen dann noch einmal zurück aufs Fest, um gemeinsam weiterzufeiern.

Wenn es um Hosenträger und Gürtel geht, ist Daniel Walter der richtige Ansprechpartner. Der Offenburger selbst ist seit 17 Jahren auf dem Pferdemarkt. Vorher war schon der Schwiegervater 35 Jahre mit diesem Stand dabei. Bestimmte Modelle, die „besonders gut gehen“, gibt es nicht mehr, hat er beobachtet. Selbst Jugendliche kaufen heute zur Gaudi Hosenträger, während diese für die Älteren noch Gebrauchsgegenstände sind. Walter kommt auch „wegen der Gaudi“ in die Oberzent. „Wir sind hier ein schöner Clan“, sagt er. Der sich jedes Jahr trifft und dann auch gemeinsam feiert.

Zu den Urgesteinen zählen auch die Familien Spoo aus Völklingen und Sottile aus Mainz. Beide betreiben Kinderfahrgeschäfte. Marco Sottile hat eine ganz besondere Beziehung zu Beerfelden. „Meine Eltern lernten sich hier kennen und trafen sich zum ersten Mal im ‚Schwanen‘“, erzählt er. Sottile empfindet das Flair auf dem Pferdemarkt als nicht anonym wie in Großstädten. „Jeder kennt jeden.“

„Es ist immer einer da“, lobt der Mainzer der Hilfsbereitschaft. „Wenn ich sonntags einen Schlosser brauche, kriege ich den auch.“ Im kommenden Jahr ist die Familie 60 Jahre in Beerfelden dabei. Die Oma hatte in früheren Jahren einen Autoscooter, erinnert sich auch Gerd Köppel. „Vor 18 Jahren hat sie mich für Besorgungen in die Stadt geschickt“, lacht er.

Karlheinz Eberhardt ist ein ebensolches Urgestein auf dem Pferdemarkt. Er wurde vor 57 Jahren schon im Kinderwagen durchgeschoben. „Bestimmt 70 Jahre“ ist die Familie – inzwischen in der dritten Generation – mit dem Imbisswagen vor Ort, aber schon zuvor betrieb man Schiffschaukel und Pferdekarussell. „Damals wurde der Autoscooter wegen der Unebenheiten noch auf Bierfässer gestellt“, lacht Eberhardt – heute undenkbar.

„Ein Festplatz muss bunt sein“, setzt der Imbissbuden-Betrieb auf den Wiederkennungswert des Marktwagens. Seiner ist 45 Jahre alt und strahlt den Charme der Endsechziger-Jahre aus. Mit Nieren- und Fleischspießen in besonderer Soße will Eberhardt dem Essenseinerlei entgegentreten. „Hier kennt jeder jeden“, hat auch er registriert. Weil Eberhardt in Jugendjahren zu Marktzeiten in die hiesige Schule ging, „begrüße ich praktisch jeden zweiten“.

Ebenso „retro“ geht es am Süßwarenstand von Dieter Klingenfuß aus Heidelberg zu. Magenbrot, Popcorn und gebrannte Mandeln sind bei den Kids von heute immer noch angesagt. Vor allem, wenn sie mit der Oma vorbeikommen und die „einen ausgibt“. Über 20 Jahre ist die Familie inzwischen in Beerfelden dabei und kann jedes Mal viel Stammkundschaft begrüßen. Der Wagen wurde von den Eltern übernommen, die ihn auch einige Jahrzehnte betrieben. Da kann es schon mal vorbeikommen, dass früher Zehnjährige wegen der leckeren gebrannten Mandeln vorbeikamen, die heute längst erwachsen sind und mit ihren eigenen Kindern dem Markt einen Besuch abstatten.

Rothenbergs evangelische Kirche erhält bis Pfingsten 2018 ein komplett neues Innenleben

Die evangelische Kirchengemeinde hat Großes vor: Bis Pfingsten 2018 soll das Ortsbild prägende Gotteshaus am Metzkeil ein neues Innenleben bekommen. Geschuldet ist dies vor allem den technischen Herausforderungen, die heutzutage auch an einer Kirche nicht spurlos vorbeigehen. In diesem Zuge kam dann in den Überlegungen eines zum anderen, sodass das Investitionsvolumen über 300.000 Euro beträgt. Ein Drittel davon tragen die Rothenberger selbst.

Schon seit etlichen Jahren werden die Mittel für diese Mammutmaßnahme angespart. Spenden stockten das Umbaukonto zusätzlich auf, erzählt Pfarrer Reinhold Hoffmann. Von diesen könnten es natürlich nie genug sein, macht er schmunzelnd klar, dass weitere Zuwendungen gerne gesehen sind. Sonst sind alle Rücklagen aufgebraucht. Denn nach der ersten großen Sanierung seit 1962 wissen die Helfer nicht, welche ins Geld gehende Überraschungen sie möglicherweise erwarten.

Die ersten Überlegungen zur Umgestaltung wurden schon vor sechs oder sieben Jahren angestellt, erläutert Hoffmann. „Denn die Elektrik ist schon lange nicht mehr zeitgemäß.“ Bisher genoss die Kirche noch Bestandsschutz, aber mit jedem neuen Gerät an der Steckdose wurde dieser in Frage gestellt. „Wir wollen das Haus zukunftsträchtig machen“, betont der Pfarrer. Deshalb ist die neue Stromversorgung mit 50.000 Euro auch die teuerste Einzelmaßnahme.

Das Planungsteam machte sich dann darüber hinaus reichende Gedanken. Etwa Bodentanks mit Steckdosen oder Beamer- und Laptopkabel zu verlegen, damit diese Geräte in der Sakristei genutzt werden können. Ein vernünftiges Lautsprechersystem steht auch auf der Wunschliste. „Back to the roots“ heißt es beim Boden: Hier soll ein Sandsteinboden, wie es ihn vor 1962 schon einmal gab, wieder zum Einsatz kommen. „Denn der ist typisch für die Region“, hebt Hoffmann hervor.

Auch die Wand bekommt ein neues Aussehen. Sie war bis zu einer Höhe von 1,70 Metern mit Kellerfliesen gepflastert. „Eine nicht gerade schöne Optik.“ Deshalb wurden diese abgeschlagen. Die Fläche wird nun verputzt. Die 34 Kirchenbänke wurden von den Helfern erst einmal in der Scheune von Achim Wieder zwischengelagert.

Was mit diesen geschieht, ist laut dem Seelsorger noch nicht ganz klar. Denn die alten Sitzgelegenheiten müssten aufwändig aufgearbeitet werden. „Wenn ich aber sowieso 1000 Euro pro Stück in die Hand nehmen muss“, so Hoffmann, dann könnte man doch gleich über neue, passende Bänke nachdenken.

Die Kanzel, 1962 aufgrund Geldmangels ein Provisorium, fällt ebenfalls dem Umbau zum Opfer. Der Chorraum soll verkleinert werden, „wenn wir den ganzen Beton rauskriegen“, lacht Hoffmann. Allerdings wäre dann kein Platz mehr für die Kanzel, weswegen die Überlegungen für einen geeigneten Platz schon angelaufen sind. Ziel bei den Umbauarbeiten ist eine Barrierereduzierung bis -freiheit, wo es irgend geht. Damit wolle man auch auf die älter werdende Gemeinschaft der Gläubigen reagieren. Überall lässt sich dies aber nicht erreichen, bedauert Hoffmann.

Die Kirchengemeinde hat ihren Anteil von 103.000 Euro angespart. Durch die ehrenamtliche Arbeit wird wiederum Geld frei für Investitionen von der Wunschliste, die sonst nicht möglich gewesen wären. „Allein durch die Abbrucharbeiten in Eigenregie haben wir 8000 Euro gut gemacht“, freut sich der Pfarrer. Denn seit dem Start der Arbeiten sind im Schnitt zehn bis zwölf Helfer aktiv. Und die sind um einiges schneller als Hoffmanns Zeitplan.

„Ich wäre froh gewesen, wenn wir in zehn Tagen Bänke und Holzboden draußen gehabt hätten, um dann die Wandfliesen abzuschlagen“, meint er. Seine fleißigen Gemeindemitglieder übertrafen die Vorstellungen bei weiten. „Am ersten Abend war schon alles rausgeschafft und ein Drittel der Fliesen weg, am zweiten alle“, war Hoffmann baff.

Die Sakristei wurde ausgeräumt, die Orgel eingehaust, der Chorraum demontiert, damit die beauftragten Handwerker demnächst zu Werke gehen können. Die sollen aus dem Ort oder zumindest der Region kommen, wenn es nach der Kirchengemeinde geht.

 

 

 

Der Grundstein für die Rothenberger Kirche wurde am 20. Juni 1882 gelegt. Am 30. September 1883 war die Einweihung. Vorher stand an dieser Stelle etwa 500 Jahre lang eine Wehrkirche, die aufgrund Baufälligkeit aber abgerissen wurde. Bis Pfingsten 2018 müssen die Rothenberger Gläubigen auf andere Gotteshäuser ausweichen. Bei Beerdigungen ist dies die nahe gelegene Schwesterkirche St. Martin der freien evangelischen Gemeinde. Normale Gottesdienste werden im Rothenberger Gemeindehaus gefeiert. Trauungen und Taufen finden im Finkenbacher Gotteshaus statt. Für die Konfirmation im kommenden Jahr gibt es bereits Signale aus den evangelischen Kirchengemeinden Hirschhorn und Beerfelden, dass diese dort abgehalten werden kann.

Beerfeldener Oberzent-Schule will die Fünftklässler „gut an der Grundschule abholen“

Das neue Schuljahr steht an der integrierten Gesamtschule unter ganz besonderen Vorzeichen: An der Oberzent-Schule starten die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum im Schuljahr 2018/19. Dann präsentiert sich die Bildungsanstalt mit dem, was sie im vergangenen halben Jahrhundert ausmachte: dem eigenen pädagogischen Konzept zur Stärkung der Schüler und den zahlreichen, darüber hinausgehenden inner- und außerschulischen Angeboten.

Das Konzept in der fünften und sechsten Klasse sieht laut Schulleiter Bernd Siefert vor, „die gute Arbeit an den Grundschule fortzusetzen“. Das soll unter anderem durch eine gute Betreuung der Kinder durch die Lehrkräfte gewährleistet werden. Dafür stehen die Pädagogen auch untereinander im Austausch. Da es in den unteren Klassen wenige Lehrer sind, kennt man sich untereinander. So unterrichtet etwa ein Pädagoge in zwei Klassen Deutsch. Über das Lernbüro bekommen die Kinder Übungszeit zur Festigung und Vertiefung des Gehörten – sie sollen quasi „das Lernen lernen“.

In Form des Logbuchs wird daneben der enge Austausch von Schülern und Lehrern mit den Eltern praktiziert. Diese sind quasi immer „up-to-date“, was sich bei ihren Sprösslingen gerade tut. Einerseits will die Oberzent-Schule die neuen Fünftklässler „gut an der Grundschule abholen“, andererseits möchte sie ihnen auch vermitteln, wie sie eigenverantwortlich lernen können.

Stolz ist Siefert darauf, dass im Kurssystem ab der Klasse 7 weiter der gymnasiale Zug eingeschlagen werden kann. „Das war ein einstimmiger Beschluss der Konferenz“, so der Schulleiter. Dieses Angebot möchte man trotz der demografischen Faktoren und zurückgehender Schülerzahlen beibehalten. Siefert sieht es auch als Standortvorteil, wenn in der Oberzent die Schüler diese Vorbereitung für einen Besuch der Gymnasien durchlaufen. Die Rückmeldungen von dort sind sehr positiv. „Die Kinder sind fachlich und sozial gut vorbereitet“, heißt es laut Siefert von dort.

Von den Oberzent-Gemeinden gebe es eine „große Wertschätzung“ der Schule, lobt Siefert. Die komme unter anderem auch darin zum Ausdruck, dass von kommunaler Seite her im neuen Schuljahr das „Power-Brain-Programm“ unterstützt wird. Es soll die Kinder stärken und Ängste vor dem und den Arbeiten abbauen. Entspannungsübungen und Stressabbau sind weitere Komponenten. In den USA und Kanada wird es bereits an vielen Stellen praktiziert.

Verschiedene Komponenten erweitern das Spektrum der Lehranstalt erheblich. So etwa der Kontakt mit den beruflichen Schulen des Odenwaldkreises, mit denen laut Siefert ein gemeinsamer pädagogischer Tag angedacht ist. Man stehe in engem Austausch, „damit die Jugendlichen dort gut ankommen“. Denn viele Schüler, die vorher in Beerfelden lernten, gehen später nach Michelstadt, auf allgemeine oder berufliche Gymnasium.

Daneben gibt es vielfältige Projekte und gemeinsame Aktivitäten mit den Grundschulen. Siefert nennt hier Experimentier- und Apfeltag, aber auch die Schnuppertage mit Heidi Domack. Mediencoach-Projekt und Schulsozialarbeit sind weitere Bausteine im vielfältigen schulischen Wirken und Angebot.

Fürs Jubiläumsschuljahr wurde auch ein neues Logo entwickelt. Es dient Siefert zufolge dazu, eine Art „Corporate Identity“ zu schaffen. Der Prozess dazu lief über ein Dreivierteljahr. Entwickelt von den Schülern, durchlief der Findungsprozess dann verschiedene Gremien, bis Ende des vergangenen Schuljahres der Gewinner gefunden war. Ebenfalls in die Kategorie gemeinsamer Auftritt fällt auch die neue Homepage, die seit dem Frühjahr scharf geschaltet ist.

Ein reges Schulleben und eine gute Zusammenarbeit mit dem Schulelternbeirat kennzeichnen laut Siefert die Arbeit. Man ist in Kontakt mit den einheimischen Betrieben, damit der Übergang Schule-Beruf funktioniert. Es gibt eine Kooperation mit der Musikschule Berg, daneben Chor, Schul- und Lehrerband. Die aktive Sportfachschaft beteiligt sich am Brunnenlauf oder trainiert für Olympia. Vielfältige Schüleraustausche und Exkursionen runden das Bild ab.

Info: Die Oberzent-Schule Beerfelden zählte im vergangenen Schuljahr 35 Lehrer und 432 Schüler.

Badische Resolution des GVV Schönau gegen hessischen Windrad-Wildwuchs im Kreis Bergstraße

Der Proteststurm gegen die in Südhessen geplanten Windenergieanlagen (WEA) ist schon längst über die Grenze ins Badische geschwappt. Gerade bei den wenige Kilometer entfernt liegenden Gemeinden des Ulfen- und Steinachtals ist man über die Neufassung des hessischen Regionalplanentwurfs nicht erfreut. Deshalb haben die vier dortigen Bürgermeister eine Protestresolution formuliert, die sie einem breiten Verteiler auf beiden Seiten der Ländergrenze zuschickten.

Die Botschaft darin ist klar: Hermann Roth für Heddesbach, Sieglinde Pfahl für Heiligkreuzsteinach, Marcus Zeitler für Schönau und Hans Zellner für Wilhelmsfeld – inzwischen ist sein Nachfolger Christoph Oeldorf im Amt – rufen den Planern im Darmstädter Regierungspräsidium (RP) ein ganz klares „Stopp“ zu. Das fußt vor allem auf zwei Argumenten: dem Naturschutz und der Einkesselung der badischen Anlieger, die durch den verschlungenen Verlauf der Ländergrenze manchmal auf drei Seiten von Hessen umgeben sind.

„Es ist völlig unverständlich und der Bürgerschaft nicht zu vermitteln“, heißt es in der Resolution, warum große zusammenhängende Waldflächen, die auf baden-württembergischer Seite „als besonders wertvoll und schützenswert und in der Abwägung deshalb höher eingestuft werden als die Belange der Windenergie“, auf der anderen Seite der Landesgrenze offenbar keine besondere schützenswerte Bedeutung hätten.

Bezug genommen wird beim Umweltaspekt auf die Stellungnahme der unteren Naturschutzbehörde des Rhein-Neckar-Kreises. Die bezieht sich unter anderem auf Stillfüssel und Greiner Eck. Darin heißt es, dass die WEA aus dem badischen Kreis heraus weithin sichtbar sind und sein werden. Damit würden „das Landschaftsbild, die Erholungseignung und die Eigenart der Landschaft erheblich beeinträchtigt“. Dass etliche geplante Anlagen in einem Zehn-Kilometer-Umreis um die vier Gemeinden liegen, verstärke die nachteiligen Auswirkungen.

Die Resolution weist deshalb darauf hin, dass der Gemeindeverwaltungsverband (GVV) Schönau eben wegen solcher Kriterien wie Natur- und Landschaftsschutz „auf die Ausweisung von Standorten für Windkraftanlagen in seinem Flächennutzungsplan verzichtet“. Auch fordert der GVV, dass die Anzahl von WEA auf einer bestimmten Fläche gedeckelt werden sollte. Allein die geplanten Vorrangflächen rund um das Verbandsgebiet schüfen die Möglichkeit für eine enorm hohe Anzahl, „die uns regelrecht einkesseln würde“.

Die Verfasser weisen darauf hin, dass nicht nur in Hessen WEA geplant werden, sondern auch in angrenzenden Vorranggebieten des Nachbarschaftsverbands Heidelberg-Mannheim. Genannt werden hier Weinheim oder Heidelberg, aber auch Eberbach. Hier ist durch den an Flockenbusch anschließenden Bereich Brombach-Nord Heddesbach besonders tangiert, das bereits „freie Sicht“ aufs Greiner Eck hat.

Der GVV argumentiert, dass es in Hessen ein sogenanntes „Umzingelungsverbot“ gebe, nach dem es nicht zulässig sei, dortige Gemeinden mit Windrädern einzukesseln. „Genau das scheint aber hier in Bezug auf die baden-württembergischen Gemeinden nicht beachtet zu werden“, schreibt Geschäftsführer Werner Fischer. „Jedenfalls fanden keine Gespräche zu unserer eigenen Planung dazu statt“.

Wie überhaupt die länderübergreifende Kommunikation zu wünschen übrig ließ. „Die Verfahrensbeteiligung stellt ein besonderes Ärgernis dar“, monieren die Unterzeichner. Sowohl zum Greiner Eck als auch zum Stillfüssel sei diese vom RP abgelehnt worden. Ebenso habe es keine Bürgerinformation gegeben, „die bei einem so bedeutsamen Projekt äußerst wichtig gewesen wäre“.

Fischer betont für den GVV, dass man einer „sinnvollen Ausweisung von Vorrangflächen“ sowie deren Bau konstruktiv gegenüber stehe. Deshalb sehe man auch keinen Widerspruch darin, sich gegen die geballte Ausweisung entlang der Landesgrenze auszusprechen. Auch der zweite Regionalplanentwurf weise „völlig inakzeptable Flächengrößen“ auf. Deshalb fordern die badischen Anlieger, im Stillfüssel und im Greiner Eck keine weiteren Anlagen als die bisher genehmigten zuzulassen. Im Bereich Flockenbusch sollte eine Begrenzung auf maximal fünf erfolgen.

Verteiler der Resolution: Fraktionen Regionalverband Südhessen, Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Rhein-Neckar, Landtags- und Bundestagsabgeordnete Bergstraße, Landtagsabgeordnete Wahlkreis Sinsheim, Landrat des Rhein-Neckar-Kreises,  Landrat Kreis Bergstraße, Regierungspräsidium Darmstadt, Regierungspräsidium Karlsruhe, Staatsministerium Baden-Württemberg, Verband Region Rhein-Neckar, Fraktionen des Kreistages RNK, Fraktionen des Kreistages Bergstraße, Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim, BUND, NABU

Haushalt bewegt sich im Schutzschirm-Rahmen – Euterbachbrücke in Schöllenbach muss erneuert werden

Einstimmigkeit war Trumpf bei der vergangenen Gemeindevertreter-Sitzung. Die Beschlüsse über Haushaltsplan 2017, Haushaltssicherungskonzept und Investitionsprogramm fielen nach Vorberatung im Haupt- und Finanzausschuss jeweils einstimmig. Das Revisionsamt des Kreises erteilte der Jahresrechnung 2013 einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk. Auch dies nahmen die Mandatsträger einhellig zur Kenntnis.

Das Defizit im ordentlichen Ergebnis des Hessenecker Haushalts geht kontinuierlich nach unten. Waren es 2015 im Plan noch 120.000 Euro Miese (und im Ergebnis minus 96.000 Euro), so sank diese Zahl 2016 schon auf 85.000 Euro. Der Haushaltsplan für 2017 sieht noch eine Unterdeckung von knapp 58.000 Euro vor.

Der ausgewiesene Fehlbetrag liegt noch im Rahmen des im Schutzschirmvertrag vereinbarten Abbaupfades. Dieser lässt für 2017 ein Defizit von knapp 60.000 Euro zu. 850.000 Euro sind als Höchstbetrag der Kassenkredite eingeplant. Der Gesamtbetrag der Kredite für Investitionen wurde auf etwa 138.000 Euro festgesetzt. Davon sind 63.660 Euro für Darlehen im Rahmen des kommunalen Investitionsprogrammes (KIP) gedacht.

Diese Gelder werden für verschiedene Maßnahmen verwendet: etwa den Austausch der Ölheizung mit Baujahr 1986 im Sporthaus Kailbach durch eine Öl-Brennwertheizung sowie der vorhandenen Öltanks aus 1972. Gleiches geschieht mit der Ölheizung im Dorfgemeinschaftshaus Hesselbach. Die Pflasterung der bisher asphaltierten brüchigen Hoffläche vor dem Feuerwehrgerätehaus Kailbach und die Erweiterung zur Verbesserung der Standplatzsituation sind bereits erfolgt.

Die Erträge und Aufwendungen im Rahmen des kommunalen Finanzausgleichs (KFA) haben sich positiv entwickelt. Hier ergibt sich gegenüber den Ansätzen des Vorjahres eine Verbesserung von etwa 40.000 Euro. Grund hierfür ist unter anderem eine erneute Steigerung bei der Schlüsselzuweisung um 15.000 Euro. Aber auch die anderen Steuer- und Umlageeinnahmen stiegen. Allerdings erhöhten sich ebenso die Umlagen um 28.000 Euro. Im Saldo verbleibt somit aus dem KFA ein Plus von rund 12.000 Euro.

In seinen Mitteilungen ging Bürgermeister Thomas Ihrig darauf ein, dass es bei der Hessen Mobil-Baustelle an der L3108 eine weitere Verzögerung gebe. Die Vollsperrung für den Bau der Stützmauer in Schöllenbach wurde zwischenzeitlich bis zum 30. Juli verlängert. Bis dahin erfolgt auch die Neuverlegung der gemeindlichen Wasserleitung, die der Baumaßnahme zwischenzeitlich im Weg lag und beschädigt wurde.

Gerade aktuell stand der Submissionstermin bei der Flurbereinigungsbehörde Heppenheim für den Neubau der Euterbach-Brücke in Schöllenbach an, sagte er. Dieser soll im Herbst erfolgen. Es handelt laut Ihrig um eine Maßnahme im Rahmen des Flurbereinigungsverfahren Kailbach-Schöllenbach, das maßgeblich mit Zuschüssen finanziert wird. Die Restkosten teilen sich die beiden Kommunen Eberbach (wegen Badisch-Schöllenbach) und Hesseneck wegen der innerörtlichen Verbindung nach Hesselbach. Wenn die Erneuerung startet, wird es dem Bürgermeister zufolge zu einer zeitweisen Vollsperrung mit Ersatzweg über eine Fußgängerbrücke führen.

Wie der Rathauschef daneben erläuterte, habe der Gemeindevorstand den Jahresabschluss 2015 festgestellt. Dieser bewege sich im Rahmen des mit dem Land Hessen abgeschlossenen Schutzschirmvertrags. Er werde nun dem Revisionsamt des Odenwaldkreises zur Prüfung vorgelegt. Bis Ende 2017 ist seinen Worten zufolge auch mit der Aufstellung des Jahresabschlusses 2016 zu rechnen. Damit habe man innerhalb der vergangenen zwei bis drei Jahre den Aufstellungsrückstand aufgrund der guten Arbeit des Kommunalservice Oberzent beheben können.

 

Hessenecker Haushaltsplan 2017

Ergebnishaushalt: Gesamtbetrag der Erträge 1,4 Millionen, Aufwendungen 1,46 Millionen, Fehlbetrag ca. 58.000 Euro.

Finanzhaushalt: Saldo Einzahlungen und Auszahlungen aus laufender Verwaltungstätigkeit minus 15.700 Euro, Zahlungsmittelbedarf 88.700 Euro.

Grundsteuer A und B sowie Gewerbesteuer: 380 v. H.

Oberzent-Fusion ist durch: Bürgerbegehrens-Frist ist abgelaufen

Einen Sachstand zum Verlauf der Oberzent-Fusionsanstrengungen gab Bürgermeister Thomas Ihrig auf der vergangenen Sitzung der Gemeindevertretung. Die Frist zur Einreichung eines Bürgerbegehrens (acht Wochen seit dem Beschluss über den Grenzänderungsvertrag) sei zwischenzeitlich ohne eine solche abgelaufen, sagte er. Damit ist auch der Zeitraum verstrichen, in dem Namensgegner noch hätten agieren können. „Die Genehmigung des Vertrags durch die Regierungspräsidentin in Darmstadt wird in Kürze erwartet“, freute er sich.

Die Arbeit an der Umsetzung des Projekts läuft laut Ihrig. Dabei gelte es viele Details zu berücksichtigen. Er wies auf weitere Entscheidungen rund um das Thema hin, die die vier Kommunen ebenfalls berührten. So habe der Odenwälder Kreistag beschlossen, dem Verein „Metropolregion Rhein-Neckar“ beizutreten. Gerade für die Oberzent mit ihrer Nähe zum badischen Neckartal sei dieser zukunftsträchtige Schritt sehr wichtig.

Vom verstärkten Blick und von der Netzwerkpflege in Richtung Süden „profitiert insbesondere unsere Region“, so Ihrig. Vielfältige Verknüpfungen und Beziehungen in die Metropolregion müssten aktiviert und gepflegt werden. Außerdem solle eine Konzeption zur Einrichtung einer Servicestelle der Wirtschaftsförderung bei der OREG insbesondere für die neue Stadt erstellt werden, erläuterte er.

Der Rathauschef informierte weiter, dass das Mobilitätskonzept „Garantiert mobil“ des Odenwaldkreises am 8. September starten solle. Die Oberzent-Kommune(n) beteilige(n) sich finanziell während der Einführungsphase bis Ende 2019. Dies geschieht Ihrig zufolge durch Übernahme eines Teils der Kosten der sogenannten „TaxOMobil-Fahrten“ (Fahrten, für die es keine regulären Verbindungen und Mitnahmeangebote gibt). Denn diese sind eigentlich mit einem kräftigen Zuschlag versehen. „Hierdurch soll die Akzeptanz des neuen Angebots erhöht werden“, betonte der Bürgermeister.

Wie er weiterhin erläuterte, seien die gemeinsamen Auftragsvergaben aller vier Orte zur Gebührenkalkulation 2018 erfolgt. Denn zum Jahresbeginn 2018 „müssen einheitliche Wasser- und Abwasser-Satzungen vorliegen“. Vorrangig gehe es darum, Beitrage und Gebühren für Wasser und Abwasser zu ermitteln. In einem zweiten Schritt folgen Friedhofs- und Kindergartengebühren.

Im zweiten Halbjahr werden nach den Worten von Ihrig die Themen nicht ausgehen. So stehe, jetzt schon kurz angerissen, die Diskussion über Konzepte für Bau und Unterhaltung der Wasserversorgung, der Abwasserbeseitigung und der Straßen an. Diese bilde eine wichtige Grundlage für künftige Bau- und Unterhaltungsmaßnahmen nach Dringlichkeit. Hier sah er den „Bedarf an weiteren gemeinsamen Sitzungen zur Abstimmung des Vorgehens“.

Einstimmig beschloss das Gremium die neuen Gebühren für die Nutzung des Schlacht- und Kühlhauses im Dorfgemeinschaftshaus Hesselbach. Hintergrund waren steigende Kosten bei stark zurückgehenden Nutzerzahlen der – dort ausschließlich zugelassenen privaten – Schlachtungen. 83 waren es noch 1998, nur 20 im vergangenen Jahr. Weiterhin ist laut dem Rathauschef festzustellen, dass sich in den letzten Jahren die Entsorgungskosten für das Konfiskat (Schlachtabfälle) „deutlich erhöht haben“.

Hinzu komme, dass die Entsorgungskosten des Festabscheiders und die Wartungskosten des Kühlaggregats mit rund 500 bis 600 Euro brutto im Jahr zu Buche schlagen. Dies bedeute bei nur noch 20 Schlachtungen im Jahr einen Aufwand von jeweils rund 25 bis 30 Euro. Somit fallen laut dem Bürgermeister derzeit laufende Kosten (ohne sonstige Reparaturen, Bauhofeinsatz, Abrechnungen, Rindermeldungen, Abschreibungen) je Schlachtung bei Rindern über 66 Euro und bei Schweinen über 61 Euro an.

Im Jahr 2007/08 lagen Ihrig zufolge die vergleichbaren Kosten bei Rindern noch bei etwa 26 Euro und bei Schweinen bei 24 Euro je Schlachtung. Die seit 2008 erhobene Grundgebühr liege bei 30 Euro je Schlachtung. „Sie deckt somit bei weitem die anfallenden Kosten nicht mehr ab.“

Neue Schlachtgebühren in Hesselbach

Die Grundgebühr für die Schlachtung von Schwein/Kalb/Schaf beläuft sich auf 65 Euro pro Nutzung, für Rind/Pferd auf 70 Euro. Strom wird mit 30 Cent pro kWh abgerechnet, Heißwasser mit einem Cent pro Liter.

Vectoring-Ausbau: Auf der letzten Internet-Meile wird’s in Rothenberg plötzlich holprig

Rutscht das Höhendorf in die Niederungen des Breitband-Internets zurück? Und wenn nicht, müssen bisherige VSDL-Telekomkunden für neue Anschlüsse bis zu 50 Euro im Monat mehr zahlen? Denn der sogenannte Vectoring-Ausbau, der bis zu 100 Mbit/s ermöglicht, wird an vielen Stellen des Odenwaldkreises nicht durch den rosa Telekommunikationsriesen vorgenommen, sondern durch einen Mitbewerber, die Entega Medianet. Aktuell flattern den Betroffenen die Kündigungsschreiben ins Haus – die Alternativen sind in der Regel teurer.

Oliver Knöll vom Privatkunden-Vertrieb der Telekom bestätigt dies: „Allen Kunden, die sich im Nahbereich der Vermittlungsstelle (500 Meter) befinden, wird zum Ende der Vertragslaufzeit der VDSL-Anschluss gekündigt.“ Hier könne der Kunde dann zukünftig von der Telekom nur noch einen Anschluss mit DSL 16.000 erhalten. Optional noch den Hybrid-Anschluss, der dieses Schneckeninternet mit bis zu 100 MBit/s LTE-Geschwindigkeit aufwertet. Betroffen sind seinen Worten zufolge neben Rothenberg auch Erbach, Bad König, Michelstadt-Vielbrunn, Beerfelden, Brensbach, Höchst, Reichelsheim, Breuberg und Hesseneck.

Allerdings werden die bisherigen VDSL-Kunden damit nicht glücklich. Denn es bedeutet für sie nach Auskunft mehrerer Betroffener höhere Kosten, da sogenannte Bündelangebote mit erheblichem Preisvorteil wegfallen. „Ich habe bisher dadurch 50 Euro dadurch gespart“, sagt der Rothenberger Roland Schaller. Denn es war alles unter einem Dach, nun sind Breitband und Telefonie getrennt. Entweder beides bei der Telekom zu veränderten, schlechteren Konditionen oder das Internet beim Mitbewerber.

Wie Knöll erläuterte, hatte der Konzern Anfang 2015 den Vectoring-Ausbau in den sogenannten Nahbereichen – also etwa 500 Meter um die rund 8000 Hauptverteiler in Deutschland – beantragt. Es bekamen teilweise aber auch andere Unternehmen den Zuschlag. Aus technischen Gründen könne jedoch nur der jeweils Ausbauende VDSL/Vectoring betreiben. Die Telekom müsse dort dann die VDSL-Produktion einstellen. Was in Rothenberg der Fall ist.

Laut dem rosa Riesen bekamen für die letzte Meile die Wettbewerber den Zuschlag, die sich dort bisher in stärkerem Maße bei der DSL-Erschließung engagierten. Damit kann in diesem Fall die Entega die Nahbereiche selbst mit VDSL-Vectoring erschließen, um so ihr Versorgungsgebiet zu vervollständigen. Im Umkehrschluss heißt das, dass die Entega sich zuvor mehr im Internet-Ausbau des Odenwaldkreises engagierte als der deutschlandweite Platzhirsch und dieser nun die Quittung bekam – auf Kosten der Nutzer.

Für die Betroffenen ist es unverständlich, warum die Telekom den Kunden zu einer Kündigung oder einem Tarifdowngrade zwingt. Denn alternativ hätte sie auch die Möglichkeit, eine VDSL-Vorleistung bei ihrem Wettbewerber einzukaufen. Das Höhendorf hat den Nachteil, dass es augenscheinlich noch keine Übereinkunft gab: „In einigen Gebieten können wir keine Anmietung von Leitungen und Produkten anbieten, da noch keine Einigung über angemessene Konditionen erzielt werden konnte.“

Für die CDU/BuLiRo hat Fraktionsvorsitzender Frank Knecht das Thema aufgegriffen. Denn bei ihm seien schon mehrere Beschwerden von Bürgern eingegangen, sagt er. Es entstehe für diejenigen, die ein einigermaßen schnelles Internet wünschen, „eine quasi Monopolanbieter-Situation im südlichen Odenwald“. Damit bestimme die Entega die Preise. Und die Telekom sei in der abhängigen Bittsteller-Position, die sonst ihre Mitbewerber hätten – nämlich angemessene Konditionen auf der letzte Meile zu bekommen.

Was Knecht zur provokanten Aussage führt: „Sind wir beim Breitbandausbau wieder die letzte Meile oder einfach nur am Ende der Welt?“ Sogar in der brandneuen Broschüre der Odenwald-Mobil „OM“ ende die Welt in Beerfelden, betont er. „Wir denken, dass gerade Rothenberg sehr genau hinsehen sollte auf den letzten Meilen hin zur Fusion.“ Offensichtlich seien auch bisher sicher geglaubte Belange wie der Breitbandausbau nicht wirklich in trockenen Tüchern.

Beratungs-Hotline der Telekom: 0800/5533555