3940 Jahre Feuerwehr-Mitgliedschaft in Oberzent geehrt

3940 Jahre: Das ist die stolze Zahl an Feuerwehr-Mitgliedschaftsdauer, die beim Ehrungsabend in der alten Turnhalle ausgezeichnet wurde. Stadtbrandinspektor Marco Johe freute sich besonders, einige altgediente Brandschützer für 65 und 70 Jahre, davon lange Zeit im aktiven Dienst, würdigen zu dürfen. Insgesamt wurden an 132 Personen Anerkennungen und Ehrungen verliehen, nicht nur durch die Stadt, sondern auch von Kreis und Land.

Schöllenbach, Airlenbach, Gammelsbach, Falken-Gesäß oder Beerfelden: Egal wo man hinschaut, die Treue zur Feuerwehr ist auf den Dörfern quasi schon eine Bürgerpflicht. Für die jahrzehntelangen Wehrleute ist es selbstverständlich zu helfen und sich in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. „Das gehört für mich im Ort dazu“, so der Tenor aus der Runde. Gerne opferten sie ihre Freizeit zum Schutz der Bürgerschaft.

Heinrich Breimer und Erich Boxberger (beide Beerfelden), Willi Bartmann (Falken-Gesäß), Erwin Ihrig (Schöllenbach), Werner Walz (Gammelsbach), Heinz Schäfer und Ludwig Sattler I (beide Airlenbach) gehören zu den Urgesteinen der 16 Oberzent-Wehren und sind bereits seit 65 oder 70 Jahren Mitglieder der Feuerwehrvereine. Bürgermeister Christian Kehrer, Kreisbeigeordneter Oliver Grobeis, Kreisbrandinspektor Horst Friedrich und Kreisjugendfeuerwehrwart Dominic Groh würdigten die Leistungen in ihren Grußworten. Sie dankten für den selbstlosen ehrenamtlichen Einsatz im Dienste der Bevölkerung.

Anerkennungsprämien, Ehren- und Florian-Medaille, (Brandschutz-)Ehrenzeichen und Urkunden: Lang war die Liste der Auszeichnungen, die innerhalb von zwei Stunden an die Wehrleute überreicht wurden. Es gab allein 52 Anerkennungsprämien für bis zu 40 Jahre aktive Mitgliedschaft in der Einsatzabteilung und 24 Ehrenzeichen des Bezirksfeuerwehrverbandes Hessen-Darmstadt. Das Brandschutzehrenzeichen wurde 40 Mal überreicht.

Bild v.l.: stv. Kreisbrandinspektor Rolf Scheuermann, Erster Kreisbeigeordneter Oliver Grobeis, Heinrich Breimer (FF Beerfelden 70 Jahre), Erich Boxberger (FF Beerfelden 65 Jahre), Willi Bartmann (FF Falken-Gesäß 65 Jahre), Erwin Ihrig (FF Schöllenbach 70 Jahre), Werner Walz (FF Gammelsbach 65 Jahre), Heinz Schäfer (FF Airlenbach 65 Jahre), Bürgermeister Christian Kehrer, Ludwig Sattler I (FF Airlenbach 65 Jahre), Stadtbrandinspektor Marco Johe, Kreisbrandinspektor Horst Friedrich

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Hoffnung auf einen ganz neuen Kindergarten in Rothenberg

Der Zeitpunkt hätte nicht besser gewählt sein können. Gerade war die Kindertagesstätte „Himmelsauge“ von ihrem Ausweichquartier nach dem Verteilerkasten-Schmorbrand wieder in die regulären Räume gezogen, standen die Fastnachter der Narrhalla Hainbrunn mit einem Scheck vor der Tür. 900 Euro sollen bei der Bewältigung der Brandfolgen helfen, wegen denen die Kita viereinhalb Monate lang ihre Notunterkunft in der Rothenberger Sporthalle aufschlagen musste.

Alle Wände wurden neu gestrichen, schildert Leiterin Andrea Koch die Maßnahmen in dieser Zeit. Daneben wurden die Deckenplatten ausgetauscht und der brandauslösende Sicherungskasten ins Verwaltungsgebäude versetzt. Über die Brandschäden hinaus gab es noch keine weitergehende Sanierung, erläutert Koch. Die ist über kurz oder lang in dem älteren Gebäude aber notwendig, weiß sie aus eigener Anschauung.

Der Bedarf wird auch bei der Stadt gesehen, so Koch. Die Planungen sind am Laufen, bestätigt Bürgermeister Christian Kehrer. Im Doppelhaushalt 2019/2020 sind Mittel für Sanierung oder Neubau eingestellt, allerdings vom Parlament mit einem Sperrvermerk versehen. Der Brandschaden beläuft sich auf etwa 100.000 Euro, erfuhr sie.

Die Hilfsbereitschaft während der Interimszeit war groß, freut sich die Leiterin. Die Elternschaft organisierte alles, erstellte eine Liste mit dem Benötigten und arbeitete sie ab. Somit wurde auch nur das gespendet, was notwendig war: Bilderbücher, Puzzles, Schere, Malstifte. Dazu gab es noch von den anderen Oberzent-Kindergärten Materialspenden. „Innerhalb kürzester Zeit hatten wir eine Grundausstattung“, zeigt sich Koch dankbar.

Hinzu kamen noch viele Geldspenden, die zweckgebunden für die Kita Himmelsauge erst einmal geparkt werden. „Wir wollen sie noch nicht verwenden“, erläutert die Leiterin, sondern abwarten, wie die räumliche Entwicklung weiter geht. Dann alles, was weggeworfen werden musste, werde von der Versicherung ersetzt.

Neuanschaffungen werden ihren Worten zufolge erst einmal aufgeschoben, in der Hoffnung, dass es vielleicht eine komplett neue Kita gibt. Ein Gelände dafür stünde unterhalb der Sporthalle zur Verfügung. Koch weiß natürlich auch um die angespannte Finanzsituation der Stadt. Neben dem Sanierungsbedarf erwähnt sie das alltägliche Park-Chaos rund um die Kita in der Hauptstraße. Elf Erzieherinnen „wissen nicht, wo sie parken sollen“. Wenn die Eltern ihre Kinder vorbeibringen, ist zwei Mal am Tag Rush-Hour im beschaulichen Rothenberg.

Ein Ingenieur schaue sich die Kitas in Beerfelden „in alle Richtungen an“, so Bürgermeister Kehrer. Während es in Beerfelden nur um Erweiterungsmöglichkeiten geht, so wird in Rothenberg zusätzlich die Möglichkeit eines Neubaus abgeklopft. Denn die einzige Erweiterung könnte nur nach oben hin erfolgen, wo derzeit die Oberzent-Bauverwaltung untergebracht ist. Dann müssten für diese wieder andere Räume gefunden werden.

Narrhalla-Präsident Frank Flachs hatte sich für die Scheckübergabe dreifache Verstärkung mitgebracht: Funkenmariechen Paula Manschitz und die beiden Clowns Diana Kasper und Marleen Friedrich. Running Gag war die Verwechslung – wohl wegen des Dreispitzes – des Funkenmariechens mit einem Pirat, was aber flugs von Flachs in die richtige Richtung gelenkt wurde: „Der Pirat hat einen großen Schatz dabei.“

Da die Fastnacht in Ober-Hainbrunn allseits bekannt ist, „wollten wir das nutzen, um was Gutes zu machen“, sagte er. Fleißige Gardemädels waren während der drei ausverkauften Sitzungen unterwegs und sammelten Spenden. Die so zusammengekommenen 818 Euro stockte der Verein auf 900 auf. Mit einem Dankeslied revanchierten sich die Kinder dafür und waren fast noch mehr von den Süßigkeiten begeistert, die die vier im Gepäck hatten.

In der Rothenberger Kita Himmelsauge werden derzeit 62 Kinder betreut. In zwei Krippengruppen sind es zwölf und fünf Unter-Dreijährige, in zwei altersgemischten Gruppen 45 Ü3-Kinder.

Der Grieche bringt neues kulinarisches Leben nach Oberzent

In den „Schützenhof“ kehrt wieder Leben ein. Schlicht „Der Grieche“ heißt das Lokal, für das Özay Salim verantwortlich zeichnet und das mit nur vier Wochen Vorlaufzeit Ende April dort eröffnete. Den Michelstädtern ist der Name schon bekannt, denn die Familie Salim betreibt unter gleichem Namen in der Braunstraße ebenfalls ein Restaurant. In Oberzent wird die Beendigung des Leerstands unisono begrüßt, denn gastronomisch ist in der Stadt der Tisch nicht gerade reich gedeckt.

Restaurantleiter ist Özays Onkel Tefik Salim. Der 39-Jährige verspricht den Fans der mediterranen Speisen die gleiche Küche wie in Michelstadt, angereichert mit ein paar deutschen Gerichten. „Wir wollen Beerfelden bisschen aufpeppen“, meint der Griechen-Chef in der Stadt augenzwinkernd. Die Klassiker wie Giros, Bifteki, Souflaki, dazu Fischgerichte wie Dorade oder Calamari werden von Darinka Savic in der Küche gezaubert.

Innerhalb von vier Wochen stemmten die Salims das Projekt Schützenhof, nachdem über Facebook „von der lieben Silke“ der Tipp gekommen war, sich doch hier ein zweites gastronomisches Standbein schaffen. Dabei kam dem Familienunternehmen das Glück zugute, „dass wir zu viel Personal hatten“, lacht Özay Salim. Eine Seltenheit in der Gastronomie. Köchin Ljuba Jakelic schmeißt somit nach wie vor in Michelstadt die Küche, während ihre Kollegin die Gäste in Oberzent verwöhnt. Dazu kommen eine Beiköchin, eine Spülkraft und zwei Bedienungen. Am ersten Abend war bereits alles ausgebucht.

60 Plätze hat der Grieche im Schützenhof im Innenbereich, 40 weitere kommen im Biergarten hinzu. Den will Özay Salim mit Blick auf den bevorstehenden Sommer noch etwas erweitern. „Ich sehe das Potenzial für diese Art von Gastronomie in Beerfelden“, betonte er. Mit dieser Meinung ist er nicht allein: Sebastian Hartmann, der stellvertretende Vorsitzende des Gewerbevereins, wertet die Gaststätte als „absoluten Zugewinn“. Jetzt gebe es mehr Möglichkeiten, abends etwas essen zu gehen.

Bürgermeister Christian Kehrer konnte ihm da nur beipflichten. Er sprach von „optimalen Grundvoraussetzungen“ für das Lokal an der belebten Straße. Die Wiedereröffnung des Schützenhofs sei „ganz für wichtig für Beerfelden“, da es mit Gaststätten – unter anderem nach der kürzlichen Schließung des „Schwanen“ – nicht mehr besonders reichlich gesegnet sei. Die frohe Öffnungs-Kunde vernahm auch Thorsten Heckmann von der Schmucker-Brauerei mit Freude. Er wies auf das große Einzugsgebiet des zentral in Oberzent liegenden „Griechen“ hin. Mit Dennis Kolmer war auch er Geschäftspartner von Selgros dabei.

Griechische Wurzeln hat die Familie tatsächlich, meinte Özay Salim auf Nachfrage aufgrund seines Namens. Seine Eltern stammen aus einer Gegend nahe der türkischen Grenze und gehören zu einer moslemischen Minderheit. „Wir reden Türkisch zuhause“, erläuterte er. Aber die Sprache ist auch der einzige Bezugspunkt zum Nachbarland. Sich selbst bezeichnete er schmunzelnd als „Odenwälder Bub“, der in Erbach geboren wurde und in Zell aufwuchs.

Die Eltern betreiben in Bad König das Unternehmen Zeitgeist Multiservices. Ein klassischer Familienbetrieb, betont Salim, in dem sein Onkel in Beerfelden die Stellung hält. „Wir wollen den Gästen Urlaubsfeeling vermitteln“, sagt er. Sie sollen sich ein wenig Auszeit vom Alltag nehmen, sich wohl fühlen und die Mittelmeer-Küche genießen.

Der 36-Jährige freut sich über die herzliche Aufnahme in der Stadt. Von sehr freundlichen Menschen berichtete ihm sein Vater, erwähnte Salim. „Wir wollen die Besucher mit griechischen Köstlichkeiten verwöhnen“, sagt er. Getreu dem Motto: „Masse kann jeder, aber auf Details und Qualität kommt es an.“

Nach der sehr guten Resonanz in Michelstadt, wo das Restaurant vergangenen November nach dreimonatiger Umbauzeit aufmachte, zeigt er sich mehr als optimistisch, „dass es auch in Beerfelden funktionieren wird“. Salim bringt es auf den Punkt: „Wir haben Bock, wir geben Gas.“

Info: „Der Grieche“ in Beerfelden, Viehmarktplatz 11, Telefon 06068-9418174, www.dergrieche-beerfelden.de, Öffnungszeiten Mittwoch bis Freitag 17 bis 22 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 212 Uhr mit durchgehender warmer Küche.

Hüttenwerk wird mit der Seán Treacy Band zum großen irischen Pub

Er ist der Klischee-Ire par excellence: Grünes Hemd, leicht verwuscheltes, schulterlanges Haar, vom irischen Wind zerzaust, verschmitztes Sonnyboy-Lächeln und ein charmantes, singendes Deutsch, versetzt mit englischen Brocken und ein paar weggelachten Wortdrehern: Seán Treacy hat beim irischen Abend im Hüttenwerk leichtes Spiel, das Publikum für sich einzunehmen. Aber nicht nur mit seiner Erscheinung, sondern auch mit der Musik, die er beim Wohnzimmerkonzert mit seiner Band in die gute Stube zaubert.

Gemütliche Bestuhlung, Knabbereien auf dem Tisch, Kerzenschein, Guinness und irische Whiskeys: Das Ambiente stimmt und wird so stark nachgefragt, dass mehr Besucher an die Abendkasse kommen als Plätze vorhanden sind. Kein Wunder, denn von der Premiere mit den „Damen“ dürfte sich der Erfolg herumgesprochen haben. Vorn steht keine Band, die die Lautstärke-Regler bis ultimo aufreißt, sondern die Musik kommt, zum Gutteil akustisch, angenehm ruhig abgemischt aus den Lautsprechern.

Wenn dann mit der Karlsruher Seán Treacy Band vier Musiker aufspielen, die ihr Handwerk verstehen, hinterlässt das einen nachhaltigen Eindruck. Neben dem Bandgründer sind Stefan Buchholz (Cajon), Andreas Bock (Gitarre) und Claus Bubik (Bass) mit dabei. Letzterer dürfte dabei für ein Hallo sorgen, denn er ist ein Urgestein der regionalen Musikszene, der schon mit all ihren Größen zusammengespielt hat.

Irische Balladen, nur von Treacy auf der akustischen Gitarre vorgetragen, fetzige Pub-Songs, Covers bekannter Rock- und Pop-Stücke von dortigen Bands, dazu noch ein paar eigene Stücke aus dem Fundus: Das war eine Song-Zusammenstellung, von einer bestens aufgelegten Band inklusive Pause fast drei Stunden lang auf hohem musikalischem Niveau präsentiert, das einfach nur Laune machte.

Der irische Karlsruher oder Karlsruher Ire hat genau die richtige Stimme für die verrauchten Pub-Stücke. À la Bob Dylan begleitet er sich dabei auch auf der Mundharmonika, steuert filigrane Töne von der akustischen Gitarre bei und hat zu den einzelnen Liedern immer die eine oder andere Geschichte parat. Etwa der Klassiker „Wild Rover“, aus dem „Klaus & Klaus“ vor ein paar Jahrzehnten „An der Nordseeküste“ machten. Sofort wird aus voller Kehle mitgesungen – zum Glück die englische Version.

Mit Stefan Buchholz und Claus Bubik hat der Bandchef zwei Mitspieler im Gepäck, die ihren Heidenspaß beim Auftritt haben. Ständig werden Grimassen geschnitten, wird hinter dem Rücken des „Chefs“ gefeixt und wird er ab und zu auf die Schippe genommen. Die gute Laune ist mit Händen zu greifen, die beiden sind voll drin in ihrer Musik.

Ob es nun „I don’t like Mondays“ von den Boomtown Rats ist, „Dancing in the Moonlight“ von Thin Lizzy oder U2s „I still havent’t found“: Die Band findet immer den richtigen Groove, den richtigen Ton, lässt die Stimmung bei einem ruhigen Stück wie dem „It’s a long way from Claire“ nicht zu sehr in den Keller wandern, sondern hängt gleich einen Gassenhauer wie „Galway Girl“ dran, das mit dem Film „P.S.: Ich liebe dich“ bekannt wurde.

Seán Treacys Bargespräche im Hüttenwerk-Wohnzimmer sind eine Show für sich: Die einzig wahre Liebe kann für einen Iren – klar – nur der Alkohol sein, lacht er über ein Liebeslied. Oder der Pub-Besuch, bei dem man als Fremder kommt und – zwei Tage später – als Freund geht. Die Anfahrt mit dem Quartett vom Neckartal auf der B 45 in den Odenwald muss ein Erlebnis gewesen sein. „Gammelhausen, Günterfürst“ ist Buchholz im Gedächtnis. Und Treacy natürlich „Beer“-felden, bis er bemerkt, dass nicht die englische Schreibweise gemeint ist.

„Sunday, Bloody Sunday“ und „Whiskey in the Jar“ mit einem schönen Solo von Andreas Bock leiten über zur Liebeserklärung an Schottland, „Caledonia”. Dass mit dem Herzschmerz-Song nicht Schluss sein würde, ist klar. Am liebsten hätten die Gäste noch – ganz irisch – in den nächsten Tag weitergefeiert. Das können sie aber bald, denn die Band wird demnächst zwei Mal in Beerfelden auftreten.

Info: Die Seán Treacy Band spielt beim Pferdemarkt Beerfelden am Sonntagabend, 14. Juli, ab etwa 19 Uhr bei der Oberzent-Expo. Bei der Beerfelder Musiknacht am Samstag, 26. Oktober, ist sie ebenfalls mit dabei.

Massive Kritik am Windkraft-Regionalplan

Die Stimmungslage war eindeutig: 400 gegen 4. Von der Geschäftsstelle der Regionalversammlung war im Vorfeld der dortigen Beratung über den Sachlichen Teilplan Erneuerbare Energie (TPEE) zur Windenergie ein Infotermin in der Erbacher Werner-Borchers-Halle anberaumt worden. Gekommen waren, so zumindest der Rückschluss aus den Wortmeldungen, ausschließlich Windkraftgegner. Und die in Massen.

Sie heizten den Referenten mit kritisch-fundierten Fragen gehörig ein und rüttelten ein ums andere Mal am mühsam gezimmerten Kartenhaus eines geordneten, fairen Verfahrens. Wirklich Neues wurde von den Vortragenden nicht vermittelt, sodass sich etlichen Besuchern der Eindruck einer Alibi-Veranstaltung aufdrängte, mit der man den Schein einer Bürgerbeteiligung wahren wollte – nach dem Motto: „Wir haben ja informiert.“

Die Marschrichtung gab gleich Erbachs Bürgermeister Peter Traub in seiner Begrüßung vor. Er machte aus seiner Ablehnung der Odenwald-Verspargelung keinen Hehl und sprach sich für möglichst wenige Windräder in der Mittelgebirgslandschaft aus. Für ihn geht es nicht darum, wie viel Prozent der „wunderschön gewachsenen Kulturlandschaft“ für Windenergie zur Verfügung gestellt werden, sondern ganz einfach und direkt um die Frage „Wie sieht’s aus?“ Er sprach damit dem Saal aus dem Herzen.

Dorthin waren auch die laut Organisatoren-Angaben über 300 Demonstranten eingezogen, die vorher ihren Unmut beim Marsch von der Post bis zum Veranstaltungsort lautstark kundgetan hatten. Knapp die Hälfte davon dürfte aus dem Überwald gewesen sein, so die Schätzung. Von dort kam auch Wald-Michelbachs Bürgermeister Dr. Sascha Weber nach Erbach. Unter den Gästen waren aus dem Kreis Bergstraße auch der ehemalige Landtagsabgeordnete Peter Stephan, der Wald-Michelbacher Gemeindevertreter Udo Klos und Corinna Schierz aus dem Landratsamt.

Durch die Herausnahme der Weißflächen, wo es etwa noch Artenschutzbelange oder andere Details zu klären gibt, soll eine Verabschiedung des TPEE (in dem dann alle restlichen, „unbedenklichen“ Flächen enthalten sind) noch in diesem Jahr erreicht werden. Die Kritiker wehren sich aber vehement gegen dieses Vorgehen. Sie sehen darin Augenwischerei, weil die Weißflächen in einem nächsten Schritt wieder aufgenommen werden könnten. Deshalb wird von ihnen mit Nachdruck eine dritte Offenlage des kompletten Regionalplans gefordert – und keine Teil-Verabschiedung.

Dass der Meisenberg zwischen den Wald-Michelbacher Ortsteilen Aschbach und Affolterbach zu einer Weißfläche wurde (und nicht komplett aus der Planung flog, wie im Vortrag suggeriert), geschah laut Planer Till Felden in dem Ansinnen, die Umfassung von Ortslagen zu vermeiden. Mindestens zwei Mal 60 Grad seien rund um ein Dorf freizuhalten. Was in diesem Fall für den Oberzent-Stadtteil Raubach nicht gegeben sei. Dass man von der Raubach den Höhenzug gar nicht sehen kann, ließ er aber außen vor.

Es war diese Aussage, die Sascha Weber auf die Windrad-Palme brachte. Er habe „erhebliche Zweifel an der aktuellen Planung“, sagte er. Von Wald-Michelbach wurde extra ein Teil-Flächennutzungsplan Windkraft für das Gemeindegebiet erstellt. In enger Abstimmung mit dem Regierungspräsidium, wie er betonte. Von diesem sei ein teures Artenschutzgutachten gefordert worden. Das ergab, „dass der Meisenberg aus dem Regionalplan als Vorrangfläche rausfliegen müsste“, so Weber, „wird jedoch ignoriert“, kritisierte er. Stattdessen werde er nur Weißfläche, damit man das Gebiet „zu einem späteren Zeitpunkt wieder reinmogeln kann“.

Das Gutachten „taucht im Regionalplan überhaupt nicht auf“, legte er den Finger in die Wunde. Auch auf dem Lannertskopf bei Ober-Schönmattenwag „dürfte nichts gemacht werden“, hob der Bürgermeister hervor. „Was wird dann berücksichtigt, wenn nicht diese Gutachten“, fragte er rhetorisch. Um darauf hinzuws eine solche Regionalplan-Vorlage für die Mitte Juni tagende Regionalversammlung kaum fehlerfrei sein könne. Nach dem Motto „König schlägt Bauer“ interpretierte Dr. Helmuth Beck, im RP Abteilungsleiter für Regionalplanung die Dominanz des TPEE gegenüber kommunalen Planungen: Für den Regionalplan gälten andere Bedingungen, meinte er lapidar an Weber gewandt.

Die beiden Planer aus dem Regierungspräsidium Darmstadt, neben Felden auch Ulrike Güss, konnten einem fast Leid tun. Sie mussten den Kopf für die nicht anwesende Regierungspräsidenten Brigitte Lindscheid hinhalten, ernteten oftmals Hohn und Spott für ihre Aussagen. Ihnen blieb angesichts der geballten Kritik und des Unverständnisses über die RP-Handlungsweise oftmals nur der Verweis, dass vorgegebene Landesgesetze in eine Planung gegossen wurden. Mit dem nicht ausgesprochenen Satz:  egal was man davon hält und wie sinnvoll diese sein mögen.

Mit dem Vorsitzenden des Ausschusses für Umwelt und Energie in der Regionalversammlung Südhessen, dem FDP-Politiker Peter Engemann, stand zudem ein ausgewiesener Windkraft-Kritiker auf dem Podium. Beck machte sich in der Folge keine Freunde damit, als er mit Blick auf die Herausnahme der Weißflächen und der vorzeitigen Verabschiedung des Rests von einer Straffung des Verfahrens sprach.

Bürger-Kritik

  • Im Regionalplan wird von einer Windrad-Höhe von 200 Metern ausgegangen, Stand der Technik sind aber 300 Meter? -> Ulrike Güss: Stimmt. Eine mögliche Beeinträchtigung durch höhere Windräder wird im Bundesimmissionsschutz-Verfahren(BimSch) abgeprüft.
  • In Baden-Württemberg und Bayern gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen? -> Till Felden: Ja. Es handelt sich um Länderrecht.
  • Warum darf in Sichtweite des Kulturdenkmals Beerfelder Galgen ein Windpark gebaut werden? -> Güss: Die Denkmalschutzbehörde hat den Mindestabstand auf zwei Kilometer festgelegt, womit das projektierte Gebiet „Katzenwinkel“ machbar wäre.
  • Widerspruch Windräder im Unesco-Geopark? -> Felden: Wenn wir diesen als Ausschlusskriterium genommen hätten, wäre der Plan niemals zustande gekommen. Es gibt keine rechtliche Erfordernisse, ihn auszuschließen.
  • Natura 2000-Gebiete als Tabuzone? -> Felden: Derzeit nach BimSch noch nicht, das würde erst mit dem verabschiedeten Regionalplan gelten.
  • Beweislast für gefährdete Tierarten liegt in Hessen beim Bürger? -> Güss: Es gibt verschiedene, immer wieder aktualisierte Gutachten durchs Land.
  • Weitere Themen: tatsächlicher Beitrag zum Klimaschutz, signifikante Stromproduktion in einer windschwachen Region, Blick über die Ländergrenzen, Landschaftsschutz vor dem Hintergrund des hessischen Verfassungsziels Nachhaltigkeit, Brandschutz bei Windrädern

Die Zukunft mit seinen eigenen Händen aufbauen

Er ist ein wenig der Traum eines jeden Arbeitgebers. „Es gibt nichts Schöneres als zu arbeiten“, meint Mehdi Hashemi, seit vergangenen August Auszubildender bei der Schreinerei Pracht. Der knapp 20-jährige junge Mann, gebürtig in Afghanistan, kam 2015 als Flüchtling aus dem Iran nach Deutschland und fand schnell Anschluss. „Ich mag handwerkliche Tätigkeiten“, sagt er. Sein Traum ist irgendwann das mit den eigenen Händen errichtete Haus.

„Ohne Fleiß kein Preis“ hat sich Mehdi ein deutsches Sprichwort gemerkt, das gut zu ihm passt. Seit er Ende 2015 in eine deutsche Pflegefamilie kam, die Wilstermanns in Affolterbach, arbeitet er zielstrebig an seinen Vorstellungen. Bereits im Iran probierte er sich an einigen handwerklichen Berufen wie Fliesenleger, Maurer oder Schneider aus. Letzterer wäre eigentlich auch sein Wunsch in Deutschland gewesen, aber „davon gibt es hierzulande leider nicht so viele“, bedauert er in seinem sehr guten Deutsch.

Auf den 19-Jährigen würde auch gut das schwäbische Sprichwort vom „Schaffe, schaffe, Häusle bauen“ zutreffen. Zwölf- oder 13-Stunden-Tage waren früher für ihn keine Seltenheit, „kurz vor Weihnachten mussten wir in der Schneiderei sogar 18 Stunden ran“, erzählt er. Da sind die deutschen acht Stunden am Tag für ihn ein Leichtes. „Ich will was anpacken“, verdeutlicht er. Die Arbeit macht ihm Freude, verschafft Befriedigung, er hat Spaß daran.

Im ersten Lehrgang geht es mehr darum, dass die Azubis den Profis über die Schulter schauen, die Handgriffe lernen, wissen, was man wie tut, erläutert Ausbilder Peter Schäfer. Eine Woche Maschinenkurs liegt gerade hinter Mehdi. Er versucht so viel Praxis wie möglich zu sammeln. Denn die ist es, die zählt, weiß er. Wenn er seine Ausbildung geschafft hat, will der 19-Jährige im Beruf weitermachen. Und später? „Vielleicht meine eigene Firma“, träumt er ein wenig.

Beim Betrieb fällt das Talent des jungen Mannes positiv auf. „Er schlägt sich sehr gut und zeigt viel Interesse“, freut sich neben dem Ausbilder auch Juniorchef Daniel Pracht. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt er über das Auftreten von Mehdi. Dass der einmal als Azubi in einer Odenwald-Schreinerei landen würde, hätte sich der im Iran aufgewachsene sicher auch nicht träumen lassen.

Mit ein paar Freunden machte er sich 2015 auf den gefährlichen Weg Richtung Europa. Ohne Familie kam er in Heppenheim unter, weil dort bereits ein Freund wohnte. Neben den allgemein bekannten Problemen in Persien wäre er als Volljähriger dort vor zwei Alternativen gestellt worden, die in Wirklichkeit keine waren, schildert er: entweder zurück nach Afghanistan oder für den Iran nach Syrien in den Kampf gegen den IS geschickt zu werden.

Relativ schnell ging es weiter nach Affolterbach, wo er jetzt seit dreieinhalb Jahren wohnt. Diverse Deutschkurse folgten – mit Erfolg, wie sich heraushören lässt. Erst besuchte der 19-Jährige die Metzendorf-Schule in Bensheim, dann die Freudenberg-Schule in Weinheim und machte dort seinen Hauptschulabschluss. „Ich habe bestimmt 20 bis 25 Bewerbungen geschrieben“, erzählt er über die Verwirklichung seines Berufswunsches. Dazu kamen Praktika in verschiedenen Schreinereien. Manche Bewerbungen wie etwa die für Falken-Gesäß brachte er persönlich vorbei. Das beeindruckte.

Um über den Buckel zu gelangen, wo kein Bus fährt, musste dann nicht nur ein fahrbarer Untersatz her, sondern auch die Erlaubnis, das Auto fahren zu dürfen. „Die Theorie war leicht“, erzählt der Jugendliche über die Führerscheinprüfung. „Man muss einfach die Fragen verstehen.“ Die Praxis fiel ihm dann ein wenig schwerer.

Nicht nur in Affolterbach bei seiner Pflegefamilie, sondern auch in der Schreinerei fühlt er sich zuhause. „Ich kann mit allen Problemen zu ihnen kommen und sie kümmern sich darum“, ist Mehdi dankbar. Denn seine eigene Familie lebt noch im Iran. Letztes Jahr durfte er sie für elf Tage besuchen. Sein größter Wunsch über allen anderen ist natürlich, die Lieben hierzulande um sich haben zu dürfen.

Drei Jahre lang dauert die Schreiner-Ausbildung, erläutert Peter Schäfer. Im ersten Jahr sind die Azubis drei Tage im Betrieb und zwei Tage in der Berufsschule. Dieser Zeitraum dient der Vorbereitung, sagt er. Die jungen Leute stellen Übungsstücke her, schauen zu oder helfen bei bestimmten Arbeiten. Sie fahren mit auf die Baustellen und lernen dort von den schon länger Aktiven. Im zweiten Jahr wird das Ganze dann ein wenig anspruchsvoller, die jungen Leute dürfen auch mal selbst ran. Aktuell hat die Schreinerei Pracht fünf Azubis.

 

Verbindungsstraße nach Bullau: Ortsbeirat wünscht den alten Vertrag einzusehen

Der Sensbachtaler Ortsbeirat ist mit der Sperrung der Ortsverbindungsstraße zwischen Reußenkreuz und Bullau nach wie vor nicht einverstanden, machte Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann auf der vergangenen Sitzung des Gremiums deutlich. Da die von der Verwaltung avisierte Stellungnahme des Hessischen Städte- und Gemeindebundes dazu noch nicht eingegangen ist, wurde das Thema aber nur kurz angesprochen.

Bei dem Weg handelt es sich laut Kuhlmann um eine historische Verbindung. Die Strecke sei außerdem ein Teilstück des ausgewiesenen und beschilderten Höhenradwanderweges Würzberg-Gaimühle, für dessen Verkehrssicherung die Stadt Oberzent zuständig sei. Eine erhöhte Verkehrssicherungspflicht wäre demnach auch bei Freigabe des Weges für Pkw-Verkehr nicht gegeben, betonte Schriftführer Manfred Heiss.

Kuhlmanns Worten zufolge liegen unbestätigte Informationen vor, dass die Strecke laut dem zwischen der Gemeinde Ober-Sensbach und dem Grafenhaus Erbach-Fürstenau in früheren Jahren abgeschlossenen Vertrag als öffentlicher Weg unterhalten werden muss und bei Wegfall dieser Eigenschaft an den Alteigentümer zurückfällt. Um diese und weitere Punkte zu überprüfen, wünscht sich der Ortsbeirat eine Vorlage des Schriftstücks, entweder als Kopie der Aufsichtsbehörde oder der Gräflich Erbach-Fürstenauischen Verwaltung.

Stefanie Ampferl informierte seitens der Stadtverwaltung über die in der To-Do-Liste aufgeführten Maßnahmen, soweit diese Sensbachtal betreffen. Diese decken sich mit den Aufzeichnungen des Ortsbeirates. Überfällig ist unter anderem die Instandsetzung der Läuteanlage auf dem Sensbacher Friedhof. Trotz einer bereits erfolgten Überprüfung sei diese nach wie vor nur bedingt einsatzfähig. Angesprochen wurden daneben die vorgesehenen Standorte für die acht vom Geo-Naturpark gelieferten Bänke. Der Bauhof soll diese in Zusammenarbeit mit Verein Sensbachtal aktiv aufstellen.

Das Budget der Ortsbeiräte ist ebenso wie der Doppelhaushalt 2019/2020 unter Dach und Dach. Für Sensbachtal ist eine Summe von 1968 Euro vorgesehen. Vom Budget soll unter anderem der Blumenschmuck an den Ortseingangsschildern sowie ein Gemarkungsrundgang im Herbst finanziert werden, informierte Kuhlmann.

Dazu gab es weitere Vorschläge des Ortsbeirats für die Verwendung wie Errichtung des Glockenturms am Hebstahler Friedhof, Verschönerung des Häuselsbrunnens, zusätzliche Anschaffung von Ruhebänken sowie Naturschutzmaßnahmen wie Pflanzung von Obstbäumen oder Anlage von Blühwiesen zum Insektenschutz. Für den Gemarkungsrundgang gab es die Anregung, diesen jährlich im Wechsel in den verschiedenen Stadtteilen abzuhalten, was für den Zusammenhalt und das Kennenlernen der Bürger sicherlich förderlich wäre.

Für die Sanierung der Sporthalle in Unter-Sensbach, schon lange auf der Agenda ganz oben, sind im Haushaltsjahr 2020 knapp 250.000 Euro angesetzt. Das Vorhaben wird teilweise mit Mitteln aus dem kommunalen Investitionsprogramm finanziert. Zur Besprechung der vorgesehenen Maßnahmen soll ein Termin mit Stadtverwaltung, Ortsbeirat, den die Sporthalle nutzenden Vereinen und der Grundschule angesetzt werden, so die Information.

Angesprochen wurden außerdem noch verschiedene Dinge in Hebstahl: die Reaktivierung des Telefonanschlusses im Dorfgemeinschaftshaus, die Instandsetzung der Außenanlage und die Errichtung eines Glockenturms an der Friedhofshalle. Die Kosten für die Glocke sollen, so der Plan, durch die Kirchengemeinde und Spenden aufgebracht werden.

Vorschläge für den Einsatz des mobilen Blitzers können von den Ortsbeiräten eingereicht werden. Spontan wurden vom Ortsbeirat der Ortseingang in Hebstahl (von Gaimühle kommend) und der in Ober-Sensbach (vom Krähberg kommend) genannt, weiterhin die Grundschule in Unter-Sensbach.