Dolce Vita-Verkaufswagen kommt donnerstags mit Lebensmitteln nach Langenthal

Langenthal. Ab Donnerstag, 14. Oktober, müssen die Langenthaler nicht mehr nach Hirschhorn fahren, um sich mit bestimmten Lebensmitteln einzudecken. Dann macht ab 17 (bis 19) Uhr der Verkaufswagen von „Dolce Vita Spezialitäten“ am Parkplatz bei der „Linde“ Station. „Wir bieten unseren Service vor allem mobil eingeschränkten Personen und Menschen, die gerne vor ihrer Haustüre einkaufen, an“, erklären Gabriele und Martin Huber. Ausgestattet mit einem reichhaltigen Angebot, erhalten Kunden vieles, was sie für den täglichen Bedarf benötigen. Eine größere Auswahl an Wurst, Eier und Käse, unter anderem aus Italien, Österreich und der Schweiz, sowie Schinken und Salami aus Italien sowie Antipasti gehören zum Grundsortiment. Außerdem gibt es neuerdings eine kleine Auswahl an saisonalem Obst und Gemüse. Französisches Baguette und Brot von der Naturbäckerei Johannes Maria Hess aus Reichenbuch sind ebenfalls im Verkauf. Je nach Tour sind auch spritzige Getränke, Oliven, getrocknete Tomaten oder Frischkäsecremes erhältlich. Vorbestellung und Abholung erfolgen kostenlos am Verkaufsfahrzeug. Kunden, die nicht ans Verkaufsmobil kommen können, wird die Ware auch gerne in die Wohnung gebracht. Wenn das Angebot gut angenommen wird, dann kann Langenthal auf der Donnerstagstour zur dauerhaften Station werden, bekräftigen die Hubers. Seit Mitte Juli sind die beiden mit ihrem Verkaufswagen bereits freitags in Igelsbach anzutreffen, was von der Bevölkerung sehr gut angenommen wird. Für die Aufnahme der beiden unterversorgten Hirschhorner Stadtteile in die wöchentliche Verkaufstour setzte sich der SPD-Stadtverordnete Thomas Wilken im Gespräch mit der Familie Huber ein.

Kontakt: Dolce Vita Spezialitäten, Telefon 06281/5559730, E-Mail: info@dolcevitaspezialitaeten.de

Dieses Mal wurde der Schmutzfink erwischt

Olfen/Hebstahl. Illegal in die Landschaft geworfener Müll ist ein ständiges Ärgernis in den Städten und Gemeinden, nicht nur in Oberzent. Um die 13.000 Euro muss die Stadt jedes Jahr für die Entsorgung aufwenden. An die 70 Tonnen kommen zusammen. Ein besonderer Fall kam jetzt Stadtpolizist Nabil El Kadi unter: Auf einem Radweg im Wald zwischen dem Olfener Bild und der Kreisstraße hatten Unbekannte illegal ihren Abfall aus einer Renovierung hingekippt. Ungefähr drei Kubikmeter, schätzt er.

Neben Plastikfolie, Bottichen sowie mehreren Säcken Estrich und Fliesenkleber wurden auch zwei Teppiche, ein Metallfensterrahmen und eine große Blumenvase bei Olfen entsorgt, ärgert er sich. Eigentlich fast der Klassiker, bei dem den Täter nicht gefunden wird, erzählt der Mann vom Ordnungsamt. Dieses Mal lief es anders – und parallel wurde gleich noch eine zweite wilde Müllablagerung aufgedeckt.

Der Müll lag nicht gleich neben der Straße, sondern 50 Meter den Waldweg hinein. Auf den ersten Blick konnte er keine Hinweise auf den Verursacher erkennen. „Ich dachte, das hat sich wieder erledigt.“ Der Bauhof grub am nächsten Tag beim Einsammeln und Entsorgen buchstäblich tiefer, fand ziemlich unten einen Karton und eine Adresse. Die ließ sich einer anderen Odenwald-Kommune zuordnen. Mit dem dortigen Kollegen stand der Oberzent-Beamte ein paar Tage an der betreffenden Haustür. „Wir konnten sehen, dass dort renoviert und gearbeitet wurde“, schienen beide richtig zu sein.

Die Bewohner stritten auch gar nicht ab, dass im Wald ihre Sachen gefunden wurden. Nur: „Mit der Entsorgung haben wir eine Firma offiziell beauftragt“, konnten sie belegen, dass nicht sie den Müll weggekippt haben. Das Beste kam hinterher: Es wurde noch viel mehr von dem betroffenen Unternehmen abgeholt, unter anderem ein Kachelofen, Radiatoren, Rollladenlamellen.

„Da machte es bei mir Klick“, erzählt El Kadi. Denn genau so etwas war ein paar Tage zuvor bei Hebstahl gefunden worden. „Derjenige muss Ahnung gehabt haben, wo er hinfährt“, lagen diese Dinge ebenfalls gut versteckt mitten im Nirgendwo. Die beauftragte Firma aus dem Nachbarlandkreis wurde ermittelt, berichtet der Stadtpolizist. Der Eigentümer wird nun angehört und kann sich zu den Vorwürfen äußern.

Teils hohe Bußgelder je nach Art des in die Landschaft geworfenen Mülls plus die Entsorgungskosten sind möglich – bis zu 50.000 Euro. Das fängt bei zehn Euro für die Zigarettenschachtel an und reicht über 250 Euro für scharfkantige Gegenstände bis hin zu 1500 Euro für Altöl oder Sperrmüll. Allerdings richtet sich die Höhe auch immer nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Betroffenen. Es bringt nichts, eine hohe Summe festzusetzen, die dann nicht einzutreiben ist, erläutert er.

Der Stadtpolizist macht aber klar: „Es muss scheppern, der Verursacher muss einen Denkzettel bekommen.“ Die Stadt geht gegen Müllsünder konsequent vor, versichert er. Gerade bei Gewerbetreibenden stelle sich dann zusätzlich die Frage, ob es regelmäßig passiert. Er wertet den jetzigen Fang als „Lichtblick“, denn ansonsten wird man eher selten den Müllsündern habhaft.

Neben Mülleimern, bei Altkleider- und Altglascontainern, in der Landschaft auf Höhenzügen in der Nähe von Parkplätzen: Das sind die „bevorzugten“ Ablagerungsorte und neuralgischen Punkte für Schmutzfinken, die sich damit das Geld für eine ordnungsgemäße Entsorgung sparen wollen. 30 solcher Fälle hat der Stadtpolizist bisher in diesem Jahr gezählt. Die Palette reicht von zwei oder drei Müllsäcken über abgestellte Roller bis hin zu Bauschutt.

Das Ordnungsamt ist auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, um die Verursacher dingfest zu machen. Wenn jemand eine illegale Entsorgungen bemerkt, helfen Personenbeschreibung oder notiertes Kennzeichen schon weiter, erläutert El Kadi. Denn die Tat muss nachverfolgbar sein. Mindestens einmal wöchentlich stellen die Bauhof-Mitarbeiter fest, dass irgendwo wieder Müllsacke rumliegen.

Der Mitarbeiter des Ordnungsamts wünscht sich auch neue Ansätze. Etwa auf Kreisebene eine Art „Müllstreetworker“, der alle, die mit der deutschen Mülltrennung nicht so vertraut sind, in ihrer Heimatsprache darüber informiert. Auerdem werden von der Stadt zwangsweise Mülltonnen an bestimmte Gebäude zugestellt, wenn sie davon Wind bekommt, dass dort mehr Menschen wohnen als gemeldet sind.

Info: Meldungen sind möglich unter E-Mail ordnungsamt@stadt-oberzent.de

Wandern ohne Hindernisse

Kailbach. Freiwillig fürs Dorf schaffen: Das hat im Odenwald Tradition. Hochmotivierte Mitbürger trafen sich jetzt am Feuerwehrhaus, um an der Aktion „Wandern ohne Hindernisse von Kailbach bis auf den Hohberg“ tatkräftig mitzuwirken. Nach einer kurzen Begrüßung und Ansprache durch Projektleiter Björn Jöst wurden drei Gruppen für die jeweiligen Abschnitte eingeteilt.

Anschließend wurde eine Gruppe, bewaffnet mit Freischneider, Motorkettensäge und Astscheren, auf den Hohberg gefahren und dort abgesetzt. Diese hatte die Aufgabe, den „Alten Schulpfad“ vom Hohberg bis zum Lochbrunnen in Kailbach freizuschneiden und somit für Wanderer wieder begehbar zu machen.

Eine zweite Truppe widmete sich intensiv dem Lochbrunnen. Dieser wurde unter anderem mit Fugenkratzern und Hochdruckreiniger wieder zu einem Glanzstück aufpoliert. Neue Einfassungsplatten aus Sandstein für den Trog wurden geschliffen, bearbeitet und eingesetzt. Holz und Geäst rund um das Kailbacher Wahrzeichen wurden ebenfalls in diesem Zusammenhang entfernt.

Eine dritte Gruppe hatte die Aufgabe, den letzten Teil des alten Schulpfades vom Lochbrunnen bis in den Ort wieder auf Vordermann zu bringen. In zeitintensiver Arbeit wurde der Einstieg mit neuen Treppenstufen und einem Weg versehen. Holz und Geäst wurden ebenfalls entfernt, Gras und Gebüsch mit dem Freischneider zurückgeschnitten.

Nachmittags trafen sich dann alle freiwilligen Helfer wieder am Feuerwehrhaus, wo gegrillt wurde und ein schweißtreibender, aber gelungener Tag seinen Ausklang fand. Da viele Ehrenamtlichee um die Mittagszeit zu einem länger dauernden Feuerwehreinsatz alarmiert wurden, konnte ein Wegweiser (ebenfalls aus Sandstein) nicht mehr an den vorgesehenen Platz transportiert und dort aufgestellt werden.

Deshalb fanden sich kurz darauf acht Kailbacher aufs Neue zusammen, die ein Fundament ausgruben, den Stein aufstellten und extra angefertigte Wegweiser anbrachten. Mit dieser Aktion endet das Projekt aber nicht. In weiteren zwei Arbeitseinsätzen wurde unter Federführung der Feuerwehr Kailbach bereits ein Teil der Mauer mit Sandsteinen neu aufgebaut und verfugt. In weiteren Arbeitsschritten soll das bald auch mit dem Rest der Mauer geschehen.

Große Mehrheit sieht keinen Handlungsbedarf

Rothenberg. „Durch Verwaltungshandeln erledigt“: Gleich zwei Mal wurden Grünen-Anträge auf der vergangenen Stadtverordneten-Versammlung mit dieser Begründung von der großen Mehrheit des Parlaments abgelehnt. Zum einen ging es um den Beitritt zum Landschaftspflegeverband Odenwald, zum anderen um die Überprüfung von Ausgleichsmaßnahmen bei Bauprojekten mit negativer Auswirkung für Natur und Umwelt.

Oberzent soll dem neu zu gründenden Landschaftspflegeverband Odenwaldkreis beitreten, erläuterte Thomas Väth den Wunsch der Ökopartei. Er nannte als Hintergrund ein „seit vielen Jahren bestehendes Defizit bei der Realisierung umweltschützender Festsetzungen in den Bauleitplänen“. Eine Äußerung, die wiederum von einigen Seiten Widerspruch nach sich zog. Laut Väth könnte der Verband dazu beitragen, dieses Defizit abzubauen. Er soll drittelparitätisch aus Vertretern von örtlicher Landwirtschaft, Gartenbaubetrieben und Umweltverbänden bestehen.

Der Grünen-Kommunalpolitiker erhofft sich durch den Beitritt eine Koordinierung der Naturschutzarbeit von Fachleuten. Mit den Maßnahmen ließen sich etwa Landwirte mit Spezialfahrzeugen beauftragen. Gleichzeitig ergeben sich Väth zufolge durch den Verband Fördermöglichkeiten, wodurch man auch Fachstellen schaffen könnte. Die Fachleute könnten auch Eingriffs- und Ausgleichsbilanzierung besser beurteilen, denkt er.

Die Bürgermeister-Runde beschäftigt sich bereits seit Anfang 2020 mit dem Thema, erläuterte Christian Kehrer. Durch Corona gab es jedoch Verzögerungen. Ende Juni dieses Jahres war aber die Auftaktveranstaltung, in der ein Arbeitskreis gebildet wurde, der gerade jetzt wieder eine Sitzung abhielt. Seinen Worten zufolge wird für die Kreis-Kommunen eine gemeinsame Vorlage erstellt und dann in die Gremien eingebracht.

„Viele gute Ansätze“ sah Rüdiger Holschuh (SPD) beim Landschaftspflegeverband. Chris Poffo (ÜWO) und Frank Leutz (FDP) zweifelten das von Väth genannte Defizit an. Walter Gerbig (CDU) warnte vor Doppelstrukturen, wenn Oberzent jetzt vorprescht. Man sollte auf die Unterlagen des Kreises warten. Er stellte auch den entsprechenden Antrag, dem die Versammlung gegen die drei Grünen-Stimmen folgte.

Gerbig war es wieder, der mit demselben Wortlaut nach längerer Diskussion das zweite grüne Ansinnen an diesem Abend ad acta legte. Zuvor hatten er wie auch Leutz die Notwendigkeit der Überprüfung von durchgeführten Ausgleichsmaßnahmen, wie es von der Grünen-Fraktion gefordert worden war, nicht gesehen. Väth wie auch Fraktionsvorsitzende Elisabeth Bühler-Kowarsch hatten gefordert, den Mandatsträgern entsprechende Unterlagen vorzulegen, damit diese ihre Kontrollfunktion wahrnehmen können.

Die Ökopartei will überprüft wissen, inwieweit es mit Blick auf die Festsetzungen in Bebauungsplänen und Abrundungssatzungen noch Defizite bei den Ausgleichsmaßnahmen gibt, so Väth. Gleichzeitig will man die Realisierung aktuell und in Zukunft überprüft wissen. Auch soll die Stadtverwaltung einen Überblick über die erlassenen Ausgleichverpflichtungen zusammenstellen.

Bürgermeister Kehrer sagte, dass in Oberzent inzwischen alle in Frage kommenden Flächen erfasst sind. Für alle Baumaßnahmen gibt es seinen Worten zufolge Begleitung durch ein Fachbüro. Parallel dazu „wird alles noch einmal aufgearbeitet“. Nach einer ersten Sichtung sei davon auszugehen, „dass die Stadt so schlecht nicht dasteht“.

Sollte noch ein Defizit vorliegen, „werden wir es aufarbeiten“, versprach der Rathauschef. Das ist nach Meinung von Stadtrat Walter Braner (Grüne) auch dringend nötig. Im Naturschutzinfosystem „Natoureg“ gebe es etliche entsprechende Passagen.

Ging es zuerst um städtische Vorhaben, dehnte sich die Diskussion danach auch auf private Grundstücke aus. Denn Grundstückseigentümern wird vorgeschrieben, was sie auf ihrer Fläche anzupflanzen haben. Eine Überprüfung betrachtete Kehrer aufgrund der Masse aber als quasi unmöglich. Dazu kommt: „Dazu brauchen wir einen Biologen“, denn die Bauamtsmitarbeiter kennen nicht jeden Baum und jede Pflanze.

Sowohl Bühler-Kowarsch als auch Väth forderten aber eine Stichproben-Kontrolle, denn sonst „macht jeder, was er will“. Dafür aber, ergänzte Jürgen Schmidt (CDU), ist die Stadt gar nicht zuständig – und hätte auch gar nicht die Befugnis, auf Privatgelände zu kontrollieren. Die Kontrollinstanz ist die Bauaufsicht des Kreises, erläuterte der Fachmann. Denn von der kommen auch die Baugenehmigungen mit entsprechenden Auflagen.

Bike-Event brachte alle Generationen zusammen

Lützelbach. Es war eine Premiere, und die hätte nicht besser klappen können, schwärmt Jo Megow vom veranstaltenden Verein Périphérique aus Bad König: Das „4 Bikes Festival“ lockte um die 600 Biker aller Couleur plus zahlreiche begeisterte Musikfans aufs ehemalige US-Munitionsdepot Hainhaus. „Es war Hammer, wie es am Samstag krachte“, blickt Megow zurück. Abends war bei der Musik mit 999 Zuschauern die erlaubte Kapazitätsgrenze erreicht.

Der freitägliche Start war zwar noch bisschen ausbaufähig, aber unterm Strich „sind wir total zufrieden“, bilanziert der Mitorganisator. Für ihn das absolute Highlight: die Dirt Jumps. Die leuchtenden Augen der Kids, die sich mit den Athleten danach abklatschten, waren für Megow eine der schönsten Erfahrungen des Wochenendes. Das alles wurde natürlich überstrahlt von der Freude, „dass man nach eineinhalb Jahren endlich wieder Spaß haben konnte“. Die jubelnde Menge war für ihn einer der beeindruckendsten Momente.

Das alles entschädigte für die viele Vorarbeit, die die Vereinsmitglieder in den Mega-Event hingesteckt hatten. „Da steckt viel Herzblut drin“, erzählt er. Nicht nur im Sportlichen, sondern auch im Musikprogramm. Das war fast schon so eine Art „Sound of the Forest“, was die Macher des Festivals am Marbachstausee alles auf die Odenwald-Höhe geholt hatten.

Headliner und absolutes Highlight natürlich die Alternative Rocker von „H-Blockx“, die hier zum ersten Auftritt seit 2017 zusammenkamen und frenetisch gefeiert wurden. Frontmann Henning Wehland, auch bei den Söhnen Mannheims dabei, war sofort dabei, als ihn Fritz Krings anfragte. Denn er und die K-Rings kennen sich schon lange.

„Der Henning hat sich tierisch gefreut“, weiß Megow – und war sogar bisschen aufgeregt. „Die Leute sind komplett ausgerastet“, war die Stimmung beim nächtlichen am Kochen. Neben den Top-Acts waren aber auch Newcomer aus dem Odenwald, wie Ell und Pano, mit dabei. Und wer die SOTF-Macher kennt, weiß, dass sie schon oft Trendsetter waren und damit den beiden eine große Karriere bevorsteht.  

So heterogen wie die Fahrradfans waren auch die Musikbegeisterten. „Viele Generationen kamen da zusammen“, beobachtet er – was sich auch durch das langjährige Bestehen von Bands wie etwa der H-Blockx erschließt. Impala Ray oder Bukahara sind bereits von ihren Auftritten bei SOTF bekannt.

Durch den Dirt-Jump-Wettbewerb wiederum war viel junges Publikum dabei. Die jüngsten Starter gingen in der Klasse der unter Siebenjährigen auf die Piste, aber er beobachtete auch schon Zweijährige mit dem Laufrad. Und nicht weit weg den 83-Jährigen. Eben „Junge und Junggebliebene“, wie Megow schmunzelt meint.

„Wir haben alle und jeden zusammengebracht, die sonst nichts miteinander nicht zu tun haben“, freut er sich. Es entstanden interessante Gespräche zwischen E-Bikern, Mountainbike-Fahrern und Travelbikern, die dabei Verständnis füreinander entwickelten.

Sportler aus völlig unterschiedlichen Disziplinen gingen an den Start, berichtet er. Etwa 30 beim Dirt-Jump-Wettbewerb aus acht verschiedenen Nationen, noch ein paar mehr aus neun Ländern beim Cyclo-Cross-Race, wenn es mit Rennrädern über Stock und Stein und zwischen 120 Bunkern hindurch geht. Mit Marcel Meisen gewann dort unter der Rennleitung von Andy Thiel der deutsche Meister.

„Uns ist ein spannender Event geglückt“, ist der Organisator happy über den Erfolg der wochenlangen Vorarbeit. Das Feedback aus Teilnehmerkreisen macht ihm viel Mut. Die denken, dass sich der 4 Bike-Event in der kommenden Zeit zum größten Bike-Event Europas mausern wird. Für die Schaffer der größte Lohn ihrer Tätigkeit: „Wir machen Pionierarbeit auf unbekanntem Terrain“, berichtet er.

Megow war es auch, der die Idee dazu hatte. Denn nach dreiwöchiger Quarantäne 2020 schnappte er sich den verstaubten Drahtesel vom Schwiegervater, radelte damit in die Natur hinaus. Das dabei entstandene Freiheitsgefühl „brauchen wir nach dieser schweren Zeit alle“, sagt er. Bei Fritz Krings traf der Vorschlag sofort auf offene Ohren. Alles wurde größer gedacht und das gesamte Périphérique-Team mit eingebunden. Da passte es, dass sowieso schon ein Sportevent angedacht war. Das Ergebnis der einjährigen Plackerei konnte sich nun sehen lassen.

Das Hainhaus-Gelände kannten die Macher schon von einigen Videodrehs. Bisher war es „ein weißer Fleck auf der Landkarte“ und selbst den Einheimischen kaum Bekannte. Weil die OREG „uns extrem unterstützte“ und die 77 Hektar große Fläche zur Verfügung stellte, konnte man in die Vollen gehen. Megow lobt das „Festivalgelände mitten in der Natur“, wo ungestört gefeiert werden kann, ohne dass es jemanden stört. „Das hat großes Potenzial.“ Im Prinzip wäre hier sogar eine deutsche Meisterschaft durchführbar, denkt er.

Ein Hingucker ist die riesige, selbst gebaute Pumptrack, wofür Lkw-weise Erde angekarrt und verbaut wurde. Eine Hügellandschaft, die vielleicht sogar ganzjährig den Kids zur Verfügung stehen könnte. Denn: „Wir wollen einen Mehrwert für den Odenwald schaffen“, hebt der Organisator hervor. Legale Trails sollen entstehen. Wirft der Event in den kommenden Jahren Gewinn ab, wollen die Macher einen Teil des Geldes reinvestieren.

Dass man dieses Jahr so in die Vollen gehen konnte, ist auch dem Bundesprogramm „Kunst geht auf Reisen“ im Rahmen des Kultursommers 2021 zu verdanken, erläutert Megow. Damit ließ sich „das wahnsinnige Line-Up“ auf die Beine stellen. Die vielen freudigen Gesichter sieht er als Lohn des Ganzen. Bis auf Kleinigkeiten lief seinen Worten zufolge alles reibungslos.

Farbenpracht zum Landesjubiläum

Hirschhorn. Hessen ist ein fröhliches, ein buntes Land. Das soll durch das Projekt „Flashlines“ zum Ausdruck kommen, mit dem das Künstlerpaar Daniela und Pascal Kulcsár besondere Objekte im gesamten Bundesland in schöne, leuchtende Farben taucht. Auch das Torhaus des Hirschhorner Schlosses war jetzt darunter – als einziges Gebäude im Kreis Bergstraße.

Noch weitere der rund 30 Sehenswürdigkeiten, Gegenstände, Naturdenkmäler oder Regierungsgebäude werden bis zum 1. Dezember in den Abendstunden bunt „angemalt“. Darunter ist in der Nähe auch die Synagoge Michelstadt: am 14. Oktober von 18.30 bis 22 Uhr. Der Anlass der Aktion: Das Bundesland wird in diesem Jahr 75 Jahre jung und will dies weit leuchtend feiern.

Mit leistungsfähigen Beamern setzen die Kulcsárs nach Einbruch der Dunkelheit Flächen und Elemente der Bauwerke gekonnt in Szene. Einmal waren es die Fenster, dann die alten Holzbalken, danach die Umrisse des Torhauses, die in vielen verschiedenen Farben erstrahlten: Es entstanden „faszinierende Lichtkunstobjekte, die der Architektur der Gebäude besondere Strahlkraft verleihen“, beschreiben die Künstler ihre Arbeit. Die angenehme Hintergrundmusik tat ihr Übriges.

Besucher konnten bei den „Flashlines“ auch selbst aktiv werden und die Projektion mit ihrem eigenen Smartphone beeinflussen. Es war möglich, mittels QR-Code die Kontrolle über Farben oder die Animationsart der Projektion zu übernehmen. Viele Hirschhorner, aber auch Auswärtige, wollten sich das Spektakel nicht entgehen lassen und nahmen den steilen Weg zum Schloss auf sich. Oben wartete dafür ein Food-Truck mit Essen und Getränken.             

Zusammensein unter Gleichgesinnten hebt die Stimmung

Hirschhorn. Endlich wieder die Gemeinschaft mit anderen Jugendfeuerwehrleuten erfahren. Das hebt die Stimmung und hilft dabei, sich mit der Feuerwehr und ihren Aufgaben zu identifizieren, sagt Maike Krieger vom der Hirschhorner Feuerwehr. Die war in diesem Jahr Ausrichter der Leistungsspangenabnahme. Da Corona-bedingt diese seit Frühjahr 2020 nicht mehr stattfinden konnte, hatten sich nun Teams aus dem Kreis Bergstraße, dem Odenwaldkreis und dem Kreis Darmstadt-Dieburg zusammengetan und kamen dafür ins Neckartal.

Die Leistungsspange ist die höchste Auszeichnung, die ein Mitglied der deutschen Jugendfeuerwehr erlangen kann. Verliehen bekommen können sie Jugendliche im Alter zwischen 15 und 17 Jahren. Wegen des Ausfall während der Pandemie war die Altersgrenze in diesem Jahr auf 18 angehoben wurde. Für viele Mitglieder stellt die Abnahme auch den Höhepunkt am Ende ihrer Jugendfeuerwehrzeit dar.

In diesem Jahr war es erstmals so, dass nicht nur eine Gruppe mit neun Personen, sondern auch eine Staffel mit sechs Personen antreten durfte. Damit, erläutert Krieger, konnten auch Feuerwehren mit geringerer Stärke teilnehmen. Viele junge Brandschützer hatten sich zu größeren Einheiten zusammengeschlossen, um dabei zu können. Etwa Beerfelden, Olfen und Rothenberg zu Oberzent oder Kröckelbach, Fürth und Weschnitz.

Corona-bedingt war es schwierig, größere einzelne Teams zusammenzubringen, erläutert Wertungsrichter Gerd Hoffmann von der Breuberger Wehr. Auch aus diesem Grund führten die drei Kreise gemeinsam die Leistungsspange durch. „Wir gehören zu einer größeren Gemeinschaft“, betont Krieger. Das Zusammensein unter Gleichgesinnten hebt die Stimmung in einer schwierigen Zeit.

Hirschhorn hatte sich bereits Anfang des Jahres um die Ausrichtung beworben. Stadtbrandinspektor Marko Albert hatte der Kreisjugendfeuerwehr-Leitung mitgeteilt, dass die Neckartalwehr gerne als Ausrichter fungieren würde. Denn die Florianjünger feiern in diesem Jahr 125-jähriges Bestehen, die Jugendfeuerwehr wird 50 Jahre alt. Da dies nicht im normalen Rahmen groß gefeiert werden kann, wollte man zumindest auf diese Weise viele liebe Gäste begrüßen.

Neben den vielen Zusagen freute es die Ausrichter auch, dass sechs eigene Mitglieder aus Hirschhorn und drei aus Darsberg gemeinsam antraten. Die aus vier Mädchen und fünf Jungen bestehende Gruppe hatte bereits im Januar 2020 mit der Vorbereitung begonnen, bevor die Übungen wegen Corona unterbrochen werden mussten.

Eigentlich wird die Leistungsspange immer im Rahmen des Kreiszeltlagers abgelegt. Allerdings fiel dieses schon zweimal aus. Damit die Jugendlichen nicht „zu alt“ werden, wählte man die aktuelle Art der Durchführung. 250 Feuerwehrleute, darunter die Jugendlichen mit ihren Betreuern und Gästen, sowie 20 Wertungsrichter waren an diesem Tag an dem Neckar gekommen. Wer die Spange schafft, darf ein Jahr früher zum Grundlehrgang.

Ein Organisationsteam mit fünf Personen hatte dort alles akribisch vorbereitet. Bereits mehrere Monate im Vorfeld war die Planung gestartet, erzählt Maike Krieger. Fürs leibliche Wohl sorgte der Hirschhorner Feuerwehrverein. Die vielen positiven Rückmeldungen am Ende eines herrlichen Spätsommertags war der verdiente Lohn für die Veranstalter, denn alle genossen eine unbeschwerte Zeit im südlichsten Zipfel Hessens.

Die Theorie-Vorbereitung war die für die Jugendlichen kein Problem, denn büffeln konnte man während Corona auch zuhause, erzählt Krieger. Schwieriger war es mit der Praxis, denn die durfte ja erst seit kurzem wieder geübt werden. Deshalb ließ sich beobachten, dass es manchen Teams doch etwas schwerer fiel, die Anforderungen zu erfüllen. Die Freigabe, die Veranstaltung überhaupt durchzuführen, kam erst in den Sommerferien, ergänzt Hofmann.

Zehn Mannschaften aus dem Kreis Bergstraße hatten sich angemeldet. Darunter waren: Hirschhorn und Darsberg, Einhausen, Kulmbach und Schlierbach, Ellenbach, Biblis und Bürstadt, Birkenau, Kröckelbach, Fürth und Weschnitz sowie Bensheim. Aus dem Odenwaldkreis beteiligten sich Michelstadt, zwei Teams aus Oberzent, Höchst sowie Brensbach und Nieder-Kainsbach. Außerdem war Groß-Umstadt als nördlichste Wehr aus dem Kreis Darmstadt-Dieburg mit dabei.                        

Jugendfeuerwehr-Leistungsspange

Beim Wettbewerb müssen in gemeinschaftlicher Arbeit fünf Disziplinen bewältigt werden. Diese gliedern sich in zwei sportliche, Kugelstoßen und Staffellauf, sowie drei Feuerwehr-spezifisch:, Aufbau eines Löschangriffs, Theorie und Schnelligkeitsübung. Gefragt sind dabei nicht nur feuerwehrtechnisches und allgemeines Wissen, sondern auch Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Teamgeist.

Punkte gibt es auch für gute persönliche Haltung sowie geordnetes und geschlossenes Auftreten der Gruppen. Erreicht werden müssen insgesamt mindestens zehn Punkte, wobei keine der Disziplinen mit null abgeschlossen werden darf. Die Höchstpunktzahl liegt bei 24 Punkten. Es bestanden 14 von 16 Teams. Eine Siegerehrung gab es dieses Jahr nicht – wie üblich der Grund: Corona.  

Einnahmen entwickeln sich deutlich besser

Beerfelden. Die eher düsteren Haushaltswolken des Frühjahrs werden zunehmend heller und lockerer. Wie Finanzchefin Franziska Bauer für Ausschussmitglieder und Stadtverordnete zusammenstellte, weist der Finanzbericht Ende Juli einen deutlichen Überschuss aus. Allerdings wurde mit vielen Maßnahmen erst nach der Haushaltsgenehmigung Anfang Juni begonnen, schränkte sie ein. Deshalb dürfte sich das Bild noch relativieren.

Der Bericht Ende April wies noch ein deutliches Defizit aus, da die Grundsteuererhöhung noch nicht berücksichtigt war. Drei Monate später rechnet die Verwaltung mit einem prognostizierten Jahresergebnis in Höhe von 491.000 Euro. Der Haushaltsplan sah lediglich ein Plus von 2300 Euro vor. Für die Prognose der wirklichen Überschuss-Höhe werden die Einkommens- und Umsatzsteueranteile im dritten Quartal ein Indikator werden, erläuterte sie. Bauer rechnet damit, dass der nächste Quartalsbericht aufschlussreicher sein wird.

Die Mandatsträger vernahmen mit Freude ihre Worte: „Die Einnahmen entwickeln sich derzeit besser als noch im April angenommen.“ Obwohl durch die Corona-Pandemie keine Vermietung von Dorfgemeinschaftshäusern, Bürgerhäusern und Hallen an Privatpersonen stattfinden, sind die Steuereinnahmen gut, führte die Finanzfachfrau aus.

Auch bei der Gewerbesteuer ist die Entwicklung positiv, wobei hier laut Bauer „die Schwankungen am höchsten sind“. Mit 2,1 Millionen rechnete man noch im Plan, jetzt liegt die Prognose mehr als 200.000 Euro höher. Steuern sind für die Stadt eine der Hauptertragsquellen, sagte sie, daher ist auf sie besonderes Augenmerk zu legen.

In der Quartalsbilanz rechnete Bauer mit einem Ertrag von knapp zehn Millionen. Das bedeutet gegenüber der Haushaltsplanung ein Plus von 480.000 Euro. Um 400.000 Euro könnten allein die Einnahmen aus der Einkommensteuer bis zum Jahresende steigen. Inwieweit das Plus „in dieser enormen Höhe erreicht werden kann“, ist Bauer zufolge derzeit nicht abzuschätzen.

Der Finanzmittelbestand der Stadt Oberzent betrug Ende Juli 4,3 Millionen Euro, erklärte sie. In diesem Jahr wurden noch keine Kredite in Anspruch genommen und „werden nach derzeitigem Stand in absehbarer Zeit nicht notwendig sein“. Möglich wären im Haushalt 2021 1,9 Millionen und aus dem vergangenen Haushaltsjahr noch zwei Millionen Euro.

Nur 36.000 Euro Eigenmittel für Kita-Erweiterung

Beerfelden. Die jährlichen Folgekosten sind etwa doppelt so hoch wie die Investitionssumme, die Oberzent für den Erweiterungsbau der Kindertagesstätte „Abenteuerland“ aufwenden muss. Denn aufgrund der Verwendung aller greifbaren Fördermittel verbleiben nach aktueller Berechnung lediglich noch 36.000 Euro bei der Stadt – im Gegensatz zu den 70.000 Euro, die jährlich im Haushalt abgeschrieben werden müssen.

Die Stadtverordnetenversammlung beschloss bereits Mitte 2020 die Erweiterungsbaumaßnahmen in Gestalt von drei neuen Gruppen und einer Turnhalle. In diesem Umfang wurde das durch die großherzige Spendenzusage eines Beerfelder Bürgers über 1,5 Millionen Euro möglich. Aufgrund geänderter Fördervoraussetzungen soll nun eine zusätzliche Förderung über das Dorfentwicklungsverfahren beantragt werden.

Durch Bauamtsleiter Peter Bauer wurden Gesamtkosten von 2,25 Millionen Euro ermittelt. Davon kommen 632.000 Euro durch Landes- und Bundesförderung wieder rein. 82.000 Euro Zuschuss gibt es von der Dorfentwicklung und aus dem integrierten kommunalen Entwicklungskonzept (IKEK). Dazu kommen die Spende und die verbliebenen marginalen Eigenmittel.

Auf Wunsch des Bau-, Umwelt- und Infrastrukturausschusses wurde die Spende im Hinblick auf die Auflösung eines zusätzlichen Sonderpostens geprüft, berichtete dessen Vorsitzender Walter Gerbig der Stadtverordneten-Versammlung. Nach Rücksprache mit der Kreisverwaltung handelt es sich bei der Spende einer Privatperson um Eigenmittel der Kommune. Deshalb muss sie nicht bei der Auflösung des Sonderpostens berücksichtigt werden, lieferte die Verwaltung die entsprechende Info auf eine Frage aus dem Ausschuss nach.

Eine Änderung gibt es doch: Da es sich um eine teilmassive Bau-/Modulbauweise handelt, wird nun eine Nutzungsdauer von nur 60 Jahren berücksichtigt – bei einem Massivbau wären es 80 Jahre. Bevor ein Förderantrag gestellt werden kann, ist Gerbig zufolge ein Beschluss zur Übernahme der Folgekosten zu fassen. Beinhaltet sind darin die Aufwendungen für Abschreibung und ein durchschnittlicher Reparaturaufwand von zwei Prozent des Neuwertes. Zusätzliche Kosten für Gebäudewirtschaft fallen nicht an. Die Mandatsträger votierten einstimmig dafür.

Der Sommer geht, die Hesse komme

Michelstadt. Es hat sich leider langsam ausgespielt auf dem Spielplatz der Kulturen. Ende September ist es vorbei mit dem Kulturfestival in Michelstadt, das über den Sommer hinweg ein breites Angebot in petto hatte, das man nicht alle Tage im Odenwald findet. Da passte der Abschluss der größeren Events bestens mit einer hessischen Band-Legende: den Rodgau Monotones. Die füllte das große Gelände am Ponyhof problemlos mit mehreren hundert Zuschauern.

Der Anfang ist eher unspektakulär. Gemächlich kommen vier ältere Herren mit Woll- oder Schiebermütze auf die Bühne geschlurft, hängen sich die Instrumente um oder schnappen sich ein Mikro. Die jüngeren Bandmitglieder könnten fast so etwas wie die Betreuer der Seniorenmusiker sein. Auch die Begrüßung ist eher sachlich. Die Rodgaus müssen noch etwas auftauen. Vielleicht kriecht auch die ungewohnte Odenwald-Kälte in die Main-Knochen, wobei es für Ponyhof-Verhältnisse fast noch lauschig ist.

Einmal akklimatisiert und angekommen, wird der Rockhammer ausgepackt. Erst zaghaft, dann bei „Ein Leben für Lärm“ umso mehr. Es kommt Leben in die alten Knochen. Immerhin sind noch vier Gründungsmitglieder von 1977 mit dabei, die jetzt einen auf Hardrocker machen. Sänger Peter „Osti“ Osterwold mimt ironisch mit „Rücken“ den Deep-Purple- und Whitesnake-Frontmann David Coverdale mit dessen Mikroständer-Akrobatik, während die anderen losfetzen.

Erinnert der Gesang Osterwolds manchmal an Westernhagen, so kommt in den Instrumenten immer mal der wieder der ZZ-Top-Einschlag durch, was sich vor allem am Gitarrenspiel bemerkbar macht. Da ist es nur passend, dass zwischendurch ein ZZ-Top-Medley eingeschoben wird, mit die Truppe den vor kurzem verstorbenen Bassisten des legendären US-Trios ehrt.

Der Blick in die Zuschauermenge zeigt, dass die meisten mit ihren Helden mitgewachsen und mitgealtert sind. Was aber der Begeisterung keinen Abbruch tut. Die Texte können sowieso alle auswendig, sodass „Osti“ eigentlich nur einen großen Chor dirigierten muss. Das zeigt sich gleich zu Beginn bei „Ei Gude wie“, als ohne vorheriges Kommando der Refrain angestimmt wird.

Langsam merken dadurch die Musiker, dass sie in Michelstadt leichtes Spiel haben. Sie wirken gelöster, weniger reserviert, machen ihre Scherze auf der Bühne, lachen über- und miteinander, albern über Dinge herum, die den Besuchern verborgen bleiben. Gitarrist „Ali“ Neander, in der Region durch seine vielfältigen Bandaktivitäten, unter anderen mit Söhnen Mannheims, bekannt wie ein bunter Hund, fühlt so etwas wie ausgelassene Vor-Corona-Stimmung, wenn Konzerte endlich wieder unbeschwert stattfinden können.

Gitarrist Raimund „Ray“ Salg und Bassist Joachim „Joky“ Becker komplettieren mehr im Hintergrund das Ur-Quartett, zu dem sich 1991 Sängerin Kerstin Pfau gesellte. Zusammen mit Saxophonist Matthias Dörsam und Schlagzeuger Martin Kessler hauen sie einen fetten Sound von der Bühne, der angesichts sinkender Temperaturen kräftig einheizt.

Alle haben sie die klassischen Rock-Riffs bis ins Effeff drauf. Und das natürlich mit den gewohnten, Rodgau-Monotones-typischen Texten, direkt aus dem (Rock-)Leben gegriffen. „Mama Lauda“ etwa, wenn die Verstärker glühen dürfen, oder „Das macht uns keiner nach“, in dem die Band ihre eigene nachhaltige Wirkung beschwört.

„Hundert Fässer grüne Soße“ mit Tausenden von Rippchen und natürlich Fässern von Äppler huldigt den hessischen Nationalgerichten und springt nebenbei noch auf den Zug der populären Seefahrer-Shantys auf. Und ganz klar: Mitgesungen wird immer. Mal besser, mal schräger. Letztes sind bestimmt die Offenbacher, witzelt Neander. Als „Rolf Zuckowski für Best Ager“ bezeichnet der Gitarrist denn auch grinsend die bunte Truppe.

Es gibt so ein paar Songs und „die“ eine Hymne, ohne die die Rodgau Monotones natürlich nicht wagen dürfen, vom Platz zu gehen. „Volle Lotte“ oder „St. Tropez am Baggersee“ machte sie über die Landesgrenzen hinaus bekannt – und der Klassiker „Die Hesse komme!“. Der wirkt logischerweise immer gut in den eigenen Landesgrenzen.

Alle haben darauf gewartet – und auf ein weiteres Highlight am Ende der Zugabe „Highway to Hell“. Natürlich enttäuscht die Band die eingefleischten Fans nicht. Denn wer weiß, was im Spätjahr kommt, ob solche großen Konzerte problemlos möglich sein werden. Dann erst einmal auf Vorrat kräftig Open-Air abrocken. Das wissen die Musiker und geben so richtig Vollgas, wie es eben die alten Knochen zulassen.

Soll Oberzent die Beförsterung selbst übernehmen?

Prüfauftrag der ÜWO zur Abklärung der Rahmenbedingungen wurde von der Stadtverordneten-Versammlung einstimmig verabschiedet

Rothenberg. Ist eine Eigenbeförsterung im Forstzweckverband (FZV) „Hessischer Odenwald“ sinnvoller, als sie weiterhin von Hessen Forst durchführen zu lassen? Einen entsprechenden Prüfauftrag an die Verwaltung hatte die Fraktion der Überparteilichen Wählergemeinschaft Oberzent (ÜWO) in die Stadtverordneten-Versammlung eingebracht und traf damit auf positive Resonanz. Auch wenn noch einige Zeit vergehen könnte, bis diese Möglichkeit umgesetzt werden könnte, sprachen sich die Mandatsträger einstimmig für die Prüfung aus. 

Wald und öffentlichem Forst kommt laut ÜWO-Fraktionssprecher Chris Poffo „höchste Bedeutung in unserer Region und in unserer Stadt“ zu. Lebensraum, charakteristische Landschaft, Energiequelle, CO2-Speicher: Er zählte einige Schlagworte auf. Nicht zuletzt, betonte Poffo, ist der Wald Wirtschaftsfaktor im Bereich Tourismus und Forstwirtschaft. Klimawandel, Waldbrände, Rohstoffknappheit und Holzpreise unterstreichen seinen Worten zufolge die Bedeutung noch einmal in besonderer Weise.

Der Fraktionssprecher wies auf mögliche „Reibungsverluste“ hin, seit vor kurzem aus Kartellrechtsgründen Beförsterung und Holzverkauf nicht mehr in einer Hand liegen. Das eine bleibt weiterhin bei Hessen Forst, für die Vermarktung wurde zusammen mit anderen Kommunen der FZV Hessischer Odenwald gegründet.

Poffo könnte sich vorstellen, dass diese Trennung möglicherweise einer optimalen Bewirtschaftung unter den Aspekten Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit entgegensteht. Auf die vergangenen vier Jahre gerechnet, kam er auf einen Mittelwert von 136.000 Euro Beförsterungskosten im Jahr, bezogen auf Oberzent. Für den gesamten FZV schätzt er sie auf 550.000 Euro.

Deshalb hatte der Beerfeldener einen detaillierten Prüfauftrag erarbeitet. Darin will er unter anderem wissen, wie hoch die Beförsterungskosten in Relation zum Holzverkauf aller am Forstverband beteiligten Kommunen in den vergangenen vier Jahren waren. Auch geht es ihm um eine „Zufriedenheitsanalyse“ mit den Dienstleister Hessen Forst unter allen Beteiligten.

Poffo fragt daneben an, unter welchen Voraussetzungen die Stadt Oberzent und/oder der FZV die Beförsterung aller Waldflächen übernehmen könnte. Ihn interessiert dazu, welche investive Ausgaben und investive Kosten anfallen – und ob bei weiteren Kommunen die generelle Bereitschaft besteht, auf Eigenbeförsterung umzustellen. Das Ganze hätte er gern bis Jahresende in Form einer Kurzpräsentation vor Augen.

In der Satzung des FZV wurde bereits die Möglichkeit aufgenommen, selbst in die Beförsterung einzusteigen, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. Dies vor dem Hintergrund, dass zum Zeitpunkt der Gründung die von Hessen Forst verlangten Gebühren stark am Steigen warnen. Wegen der Kalamitäten und Corona gab es im vergangenen Jahr allerdings einen „erheblichen Nachlass“, erklärte er. Das Land sprang finanziell in die Bresche.

Das Stadtoberhaupt drückte darüber hinaus seine Zufriedenheit mit dem Revierförster-Team aus. Natürlich habe es zu Beginn an den Schnittstellen mit dem FZV beidseitig noch etwas geholpert, doch das sei in Arbeit. Die Eigenbeförsterung war schon einmal kurz Thema im Vorstand, entgegnete er auf Frage von Walter Gerbig (CDU), wurde aber nicht vertieft.

Laut Kehrer ist aktuell der Holzverkauf das vorherrschende Thema im FZV. In den kommenden paar vier Jahren ist die Übernahme der Eigenbeförsterung noch kein Thema, weil derzeit nicht umsetzbar, berichtete er. Was natürlich nicht ausschließt, dass man bereits darüber berät und möglicherweise die Vorbereitungen trifft.

Im Gremium herrschte Einigkeit darüber, das Thema zu vertiefen. Für Thomas Väth (Grüne) wäre eine Gegenüberstellung interessant, da er die jetzige Trennung als „nicht so glücklich“ empfindet. Thomas Ihrig (SPD) regte an, sich im Bauausschuss über Details zu unterhalten und dazu auch Vertreter des FZV und von Hessen Forst einzuladen. Frank Leutz (FDP) sah die eigenen Interessen besser gewahrt, wenn beides in einer Hand vereint ist.

Der Forstzweckverband Hessischer Odenwald wurde im Oktober 2019 gegründet. Er ist damit beauftragt, den Holzverkauf der Kommunen im Odenwaldkreis und der benachbarten Odenwälder Gemeinden im Landkreis Bergstraße zu organisieren. Mitglieder sind Abtsteinach, Fränkisch-Crumbach, Grasellenbach, Hirschhorn, Michelstadt, Neckarsteinach, Oberzent, Wald-Michelbach, Bad König, Brensbach, Breuberg, Brombachtal, Höchst, Lützelbach, Mossautal und Reichelsheim.

Die Musikwelt kommt in den Odenwald

Finkenbach. Alt und Jung, bekannt und Newcomer, regional und international versammeln sich am 12. und 13. August 2022 beim 38. Finkenbach-Festival auf der Bühne im idyllischen Odenwald. Quasi seit den Anfängen 1977 schon immer dabei: die Krautrocker von „Kraan“ und die Hardrocker von „Epitaph“. Mit den „Villagers of Ioannina City“ (oder kurz VIC) haben die Festival-Macher für ihr Line-up 2022 einen besonderen Coup gelandet. Die Griechen aus der Region Epirus werden in Szenekreisen nach ihrem Album „Age of Aquarius“ hoch gehandelt.

Die 38. Veranstaltung als Trendsetter? Auf jeden Fall. Auf ihrer Live-Scheibe „Through Space and Time“, aufgenommen kurz vor der Pandemie in Athen, aber erst jetzt veröffentlicht, verweben die fünf Musiker von VIC eine ganz besondere Musik-Melange: Progressive Rock-, gepaart mit schweren Stoner-Klängen, abgerundet mit Einflüssen griechischer Volksmusik auf Flöte und Winde. Eine abgefahrene Mischung, die sich vielleicht erst beim zweiten Hören erschließt, aber sich dann umso nachhaltiger in den Gehörgängen einnistet.

In Griechenland sind die Villagers bereits eine der angesagtesten Rockbands und füllen große Stadien. Nach Finkenbach passen sie wie die Faust aufs Auge und werden mit ihrem psychedelischem und Krautrock in die Tradition anderer Bands treten, die in den Jahrzehnten zuvor auftraten. Ein echtes Highlight.

Nach dem Festival ist vor dem Festival. Die Aussage hat dieses Jahr eine ganz besondere Bedeutung, denn in Finkenbach konnte nur eingeschränkt gefeiert werden. Umso erwartungsvoller richten sich jetzt die Augen nach vorn, wenn die traditionsreiche Veranstaltung wieder im „Normalzustand“ stattfinden soll. Die Macher des FCF haben zusammen mit Booker Bernd Magin kräftig geackert.

„Kraan“ und „Epitaph“ halten die Tradition von viereinhalb Jahrzehnten Finkenbach-Festival hoch:  Bestimmt fünf Mal dürfte Kraan mit Helmut Hattler, Jan Fride und Peter Wolbrandt bestimmt schon im Odenwald gespielt haben, schätzt Magin. 1970 gegründet, steht die Gruppe für die Verschmelzung von Jazz und Rock mit orientalischen und asiatischen Klängen. Das Trio, zuletzt 2016 zu Gast, besetzt die Headliner-Position am Samstag um 21 Uhr.

Opener am Freitag, 12. August, ist ein anderes Urgestein: „Epitaph“. Die deutsche Rockband besteht seit 1969. Zuletzt spielte sie vor drei Jahren in Finkenbach und riss die Fans dabei durch ihre druckvollen Songs mit. Nächstes Jahr geht’s wieder in die Vollen, bekräftigt Armin Löffler, der zweite Vorsitzende des veranstaltenden FC Finkenbachtal. Neben den alten Jungs kommen aber auch Newcomer wie „Okta Logue“ aus der Nähe von Darmstadt zum Zuge, erzählt er.

Für Blues, R&B, Rock, Jazz und Soul steht der hoch gehandelte Däne Thorbjørn Risager mit seinen „Black Tornados“, der freitags um 21 Uhr zur Primetime die Bühne entert. Er wurde von der Zeitschrift „The Blues“ in eine Reihe mit Größen des Genres, wie Robert Cray, Walter Trout und Joe Bonamassa, gestellt. Zahlreiche Nominierungen für und Auszeichnungen mit internationalen Preisen zeigen seine Klasse.

Für „Space Debris“ aus Süddeutschland ist es 2022 genau zehn Jahre her, dass sie ihren ersten Auftritt beim Finkenbach-Festival hatten. Obwohl erst 2001 gegründet, sehen die Musiker ihre Wurzeln in der Tradition des Kraut-, Psychedelic- und Hard Rocks der frühen 1970er Jahre. Sie knüpfen eigenen Aussagen zufolge an das Konzept der Spontankomposition von Bands wie Can und Birth Control oder auch an die Merkmale der frühen Deep Purple-Liveimprovisationen sowie von Pink Floyd, Brian Auger oder Jimi Hendrix an.

„Lemurian Folk Songs“ nennt sich eine junge ungarische Band, die den Freitag beschließt. Ihr Stil wird beschrieben als „eigenartiger psychedelischer Folkrock“, nicht glatt gebügelt, sondern ruppig mit trashigem Garage-Rock. Improvisierende Gitarren und ein hypnotisch-schwebender Sound werden ihren bisherigen beiden Alben von der Kritik bescheinigt.

Eröffnet wird der 13. August musikalisch ganz anders: Ska-Altmeister Arthur Kay will mit seinen Kölner „Clerks“ das Festivalgelände zum Hüpfen bringen. „Rimo & Jeki“ aus Israel beenden mit ihrer theatralisch-musikalischen Show den Samstag und damit den Event. Zwischendrin: „Blackballed“, die Band um den New Model Army-Gitarristen Marshall Gill. Das britische Trio bietet harte Rock-Riffs und eingängige Blues-Grooves.

Info: Der Ticketverkauf für das Finkenbach-Festival 2022 läuft bereits unter http://www.adticket.de/Finkenbach-Festival.html

Wenn Biker zu laute Reifen fahren

Oberzent. Die Stadt weiß, wo ihre Bürger der Schuh drückt. Oder besser das Ohr schmerzt. Ein stetes, mit den Jahren zunehmendes Ärgernis ist der Motorradlärm. Stadtpolizist Nabil El Kadi hat festgestellt, dass die Toleranzschwelle immer niedriger wird. „Viele fühlen sich sehr gestört“, berichtet er. Das betrifft vor allem Rothenberg und Kortelshütte, die an schönen Sommerwochenenden förmlich überschwemmt werden, aber auch Olfen und Airlenbach – und die Krähberg-Strecke.

Schon seit Längerem ist die Stadt in der Arbeitsgruppe Motoradlärm aktiv, wo sich die Kommunen des Odenwaldkreises mit der Polizei austauschen. Über diese Schiene gab es Gelder vom ADAC für die Herstellung von 18 hochwertigen Präventionsschildern. Der Autoclub liefert die Druckdateien, die Stadt organisiert zusammen mit den anderen Gemeinden die Herstellung. Die haben einen „professionelleren Touch“, weiß er, und sehen vernünftig festgemacht wie normale Verkehrszeichen aus.

El Kadi hat noch bei anderen Punkten zusätzlich zum normalen Tagesgeschäft mit dem Thema zu tun. So unterstützt er die Polizei bei gemeinsamen Kontrollen. Die war in der letzten Zeit verstärkt an neuralgischen Punkten anzutreffen. Seit zwei Jahren werden auch verstärkt Bürgerbeschwerden zum Anlass genommen. „Die Kollegen werden immer fündig“, meint er: Biker sind zu schnell, zu laut oder auf gesperrten Strecken unterwegs.

Durchgeführt werden ganzheitliche Kontrollen, die nicht nur einen Aspekt – etwa die Geschwindigkeit – beleuchten. Immer mal wieder, hat der Stadtpolizist beobachtet, „bleiben Motorräder an Ort und Stelle stehen“. Dauerbrenner sind seinen Worten zufolge abgefahrene Reifen.

Bei Bürgeranfragen zum Motorradlärm geht es auch um die rechtlichen Hintergründe. Etwa dass Fahrverbote für Biker aufgrund der gesetzlichen Vorgaben nicht so einfach machbar sind. „Wir können nicht einfach sperren oder ein Tempolimit erlassen“, erläutert El Kadi. Vielmehr geht es ihm darum, um Verständnis „für den langen Weg“ zu werben.

Vier Geschwindigkeitsmesstafeln sind auf der Gemarkung regelmäßig im Einsatz. Vier weitere sollen noch dazu kommen, kündigt der Beamte vom Ordnungsamt an. Damit lässt sich das komplette Stadtgebiet besser abdecken. Eines davon ist etwa in Ober-Hainbrunn für die lange gerade Neckarstraße gedacht. Denn: „Die Nachfrage der Bürger ist da.“

Er berichtet, dass diese Anzeigetafeln im innerörtlichen Bereich durchaus Wirkung zeigen. Die bisherigen Standorte „haben sich bewährt“, erläutert El Kadi. Es wurden bewusst gut sichtbare Displays gewählt. Bei den Aufstellorten ist man flexibel, es braucht nur die entsprechenden Masten dafür. Und es muss innerorts sein.

Auch der von den Zweirädern verursachte Lärm gerät immer mehr in den Fokus. So hat das Land Hessen den Kreisen Lärmdisplays zur Verfügung gestellt. Bei Hüttenthal ist eines bereits im Einsatz. Es soll zu Beginn der kommenden Motorradsaison nach Kortelshütte an die L 3410 kommen und dann in regelmäßigen Zeiträumen wechseln.

Die Geräte sind mit 24.000 Euro sehr teuer in der Anschaffung, weiß der Stadtpolizist. Im Rahmen der AG Motorradlärm wurde die Stadt von der Polizeidirektion wegen einer Aufstellung angefragt – es geht auch um die Sammlung von Erfahrungswerten. Dazu kommt, dass die Kommunen die betreffenden Stellen baulich einrichten müssen.

Im kommenden Jahr, kündigt El Kadi an, soll auf der L 3410 zwischen Rothenberg und Kortelshütte eine durchgängige Verkehrszählung über die komplette Saison hinweg erfolgen. Denn am Pfingstwochenende 2021 gab es montags bei gutem Wetter „eine Explosion der Fahrzeugzahlen“, berichtet er. Es waren fast so viele Motorräder wie Pkw unterwegs.

Hintergrund der geplanten Aktion: Eine Geschwindigkeitsbegrenzung zum Lärmschutz kann möglicherweise dann angeordnet werden, wenn die „ortsüblichen Verkehrsahlen“ überschritten werden. Damit ließe sich in die eine oder andere Stelle mehr Ruhe reinbekommen, hofft er. Bisher waren Tempolimits dort nur aus Sicherheitsgründen möglich – und dann auch nur von Kortelshütte bis zur Alten Pumpe. Wobei El Kadi darauf hinweist, dass die Strecke bei Verkehrsteilnehmern aller Art beliebt ist.

Er stellt allgemein ein geändertes Freizeitverhalten fest: „Bikes werden immer beliebter.“ Wobei die Klimaschutz-Debatte möglicherweise eine Wende bringen könnte: Denn mit zunehmender E-Mobilität wäre eine Verringerung der Lautstärke verbunden. Und: „Die Leistung ist sofort da“, sieht er einen Mehrwert für PS-liebende Fahrer.

Feuer macht die Nacht zum Tage

Michelstadt. Beste Voraussetzungen für eine imaginäre Reise nach Irland: Tagsüber richteten sich die Augen zwar manchmal sorgenvoll gen Himmel, aber abends blieb es bei lauschigen Temperaturen trocken und warm – selbst am Waldrand beim Ponyhof. Es war ein märchenhaftes, rauschendes Fest für Augen und Ohren, das die Künstler von ArtArtistica und die Musiker von Dhalias Lane mit der „Irischen Feuernacht“ beim Spielplatz der Kulturen boten.

Feuer, Tanz, Artistik und Pyrotechnik, untermalt von mal fetzigen, mal getragenen keltischen Folk-Klängen begeisterten das Auditorium und wurden am Schluss mit rauschendem Beifall belohnt. Etliche Mitwirkende trommelt der Airlenbacher Stefan Rosewick jedes Mal für diese besondere Show zusammen, die die Grenzen und Musik, Licht und Klang fließend werden lässt. Ein Jahr fiel der Traditionsevent aus, der sonst auf der Freilichtbühne in Bad König stattfindet.

Eigentlich geht es schon vor dem „regulären“ musikalischen Beginn mit einem gaukelnden „Soft-Opening“ los. Das fahrende Volk kommt auf den Platz, der fast bis auf den letzten Platz voll belegt ist. Gaukler, Jongleure und Artisten zeigen ihre Künste, heimsen Applaus ein. Als langsam die Dämmerung hereinbricht, beginnt das mystische Spiel mit dem Feuer, das die vier Musiker mit ihren virtuosen Klängen erst einleiten und dann auch bereichern.

Rainer Burgmer auf diversen Flöten, Božena Woitasky auf der Geige, Berk Demiray (Gitarre/Gesang) und die Beerfeldenerin Sofia Glaser (Gesang/Percussion) verzaubern die Besucher und entführen sie zwischen grünen Odenwald-Hügeln vor allem auf die Grüne Insel Irland. Oft irisch, aber auch mal schottisch angehaucht, präsentieren sich die Folk-Stücke.

Etliche sind von Geige und/oder Flöte dominiert. Božena Woitasky zeigt hier ihre virtuosen Künste auf dem Saiteninstrument. Es qualmt der Geigenbogen, es kommen bei irischen Tänzen auch die Finger von Burgmer ins Rauchen, als er sie ein ums andere Mal über den Flötenhals in einer Schnelligkeit gleiten lässt, dass allein beim Zuschauen schwindlig wird.

Zu den einzelnen Stücken gibt’s immer ein paar erläuternde Worte von ihm und von Berk Demiray, die den historischen Kontext besser verständlich machen. „Wir sind es nicht mehr gewohnt, vor so vielen Leuten zu spielen“, meint der Flötist zu Beginn schmunzelnd. Um dann gleich mit „Gates of Avalon“ einen Ausflug ins Mittelalter zu unternehmen, „Das passt in den wunderschönen Wald“, sagt er.

Nahtlos geht’s weiter mit keltischen Klängen, wo Sofia Glaser mit ihrem Gesang dem Stück ihren Stempel aufdrückt, untermal von der sanft gezupften Gitarre Demirays. Während der Zwangspause haben die vier viel Musik im Netz gehört, erklärt Demiray. Dabei auch ein Stück, das viral ging: der „Wellerman“ aus Neuseeland über ein Versorgungsschiff der damaligen englischen Strafkolonie.

Paradestücke für Burgmer gibt es zuhauf. Erst können die Gäste seinen Fingerbewegungen noch folgen, aber er spielt sich nach und nach mehr und mehr in Fahrt, bis sich die Töne fast überschlagen und er das Instrument mit Trillern jubilieren lässt. Als ob eine Flöte nicht genug wäre, nimmt der Heidelberger dann noch eine zweite dazu.

Die Musiker haben an diesem Abend etliche Gassenhauer im Gepäck. „Der „Galway Farmer“ ist ein flottes Liedchen über den bei einer Pferdewette erfolgreichen Iren, Duett Demiray/Glaser gesungen. Oder „Paddys Lamentation“ das Wehklagen eines, der in den 1860er-Jahren nach New York kommt und gleich im Bürgerkrieg für die Nordstaaten dienen muss. Filigran-virtuos, mit viel Spielfreude, kommen die einzelnen Stücke rüber. Es macht Lust zuzuhören, das Klatschen stellt sich, nachdem das Publikum zu Beginn noch etwas zögerlich mit dem Beifall umgeht, fast automatisch ein.

Nach der Pause folgt, als die Dunkelheit komplett ist, das grandiose Spiel mit dem Urelement Feuer. Der Programmrahmen bleibt immer gleich, erläutert Rosewick, der mit seiner langjährigen Erfahrung das dreistündige Programm allein konzipiert. Der 57-Jährige kann dabei auf einen festen Stamm von Künstlern bauen, die ihn bereits jahrelang begleiten und deren Professionalität aufwändige Proben erübrigt.

Das große Feuerfinale scheint das Ende des Abends zu bedeuten, ist es aber noch lange nicht. Denn jetzt gibt es Musik und Feuer in einem, untermalt Dhalias Lane in einer exzessiven Zugabe die verschiedenen Darbietungen und sorgt damit für einen heißen Abschluss der lauen Nacht.

Immer der Firma und dem Dorf treu

Ober-Hainbrunn. Welcher Beschäftigte ist heute noch 50 Jahre beim selben Arbeitgeber tätig? In unserer schnelllebigen Zeit ist das inzwischen fast unmöglich: Wilfried Friedrich aus Ober-Hainbrunn hat dieses „Kunststück“ bei „seiner“ Meto geschafft. Mit 15 fing er beim Hirschhorner Unternehmen an. Dafür gab’s eine Urkunde des Landes Hessen für 50-jährge Betriebszugehörigkeit, unterschrieben vom Ministerpräsidenten Volker Bouffier.

Nicht viel später begann i Heimatdorf bereits auch schon seine ehrenamtliche Tätigkeit, die sich bis heute ohne Unterbrechungen fortsetzt. Bereits mit 17 übernahm der Jubilar die Schriftführertätigkeit bei MGV und Freiwilliger Feuerwehr Hainbrunn, arbeitete aktiv in Verein und Vorstand mit. Dazu kamen Mitplanungen von Vereins-Ausflügen oder die Teilnahme an Delegierten-Tagungen für Chorwettbewerbe über lange Jahre hinweg.

Seit 2004 bis heute ist Friedrich Vorsitzender des MGV, mit all den Tätigkeiten, die dieses Amt mit sich bringt. Der Gesangverein organisiert seit 14 Jahren mit Hilfe fast des gesamten Dorfes und mittlerweile vereinsübergreifend das Traktor- und Oldtimer-Fest in Ober-Hainbrunn. Die Idee dazu kam ihm, als er zum 50. Geburtstag von seiner Familie einen Eicher-Weinberg-Traktor geschenkt bekam.

Friedrich ist außerdem Mitglied im Sportverein und engagiert sich bei Bauarbeiten an der und um die Sporthalle. 36 Jahre lang war er außerdem Schriftführer und Vorstandsmitglied des Sparvereins Hainbrunn. Der richtete jährlich den gemeinsamen Weihnachtsabend aus. Aufgrund der negativen Zinsentwicklung wurde dieser jedoch aufgelöst, bedauerte er.

Damit aber das Engagement fürs Dorf und die schöne Weihnachtsfeier erhalten bleiben, veranstalten Sportverein, Feuerwehr und MGV gemeinsam immer am Jahresende ein gemeinsames Zusammentreffen in der Sporthalle. Dort gibt es neben Speisen und Getränken auch jede Menge Spiele, wie Bingo, Bilder-Rätsel und Bilder-Rückblicke der übers Jahr erfolgten „Schnappschüsse“.

Der Geehrte war weiterhin gemeinsam mit seiner Frau Christa Initiator und Planer für den Bau der Brunnenanlage in der Neckarstraße anlässlich der 650-Jahr Feier im Jahr 1999. Die handwerkliche Ausführung übernahmen damals der aus Kortelshütte stammende Sandstein-Fachmann Manfred Böhm und eine Dorfgemeinschaft von gut 30 Helfern.

Anfang 2000 war Friedrich Gründungsmitglied der Wählergemeinschaft Rothenberg in der gleichnamigen Altgemeinde und deren Fraktionssprecher. Die exisiterte bis zum Übergang in die Überparteiliche Wählergemeinschaft Oberzent (ÜWO) nach der Fusion. Heute ist er für die ÜWO Stadtverordneter und Mitglied in verschiedenen Ausschüssen. All diese Tätigkeiten „könnten ohne das Verständnis und die Mithilfe meiner Frau Christa in diesem Maße nicht bewerkstelligt werden“, dankt er ihr.

Mit 15 Jahren begann Wilfried Friedrich die Ausbildung bei „seiner Meto“, die heute zum kanadischen Konzern CCL gehört. Viele seiner Kollegen, Franchisepartner sowie die Geschäftsführer von etikett.de (einer CCL-Schwesterfirma) feierten das Jubiläum mit ihm und verabschiedeten ihn gleichzeitig. Der Geehrte war aus dem Vertrieb der Handpreisauszeichner und HLS-Etiketten nicht mehr wegzudenken. Während der Feier wurden Anekdoten aus seiner 50-jährigen Zeit bei Meto zum Besten gegeben. Hirschhorns Bürgermeister Oliver Berthold überreichte zum Schluss die Urkunde.