Auf der Spur eines „sehr gefährlichen Subjects“

Wild-West im Odenwald. 1838 gab es eine Großfahndung nach dem „sehr gefährlichen Subject“ Jean Baptist Rieger. Der war beim Ulfner (Olfener) Bild „den begleitenden Gensdarmen entsprungen, obwohl er geschlossen (also gefesselt) war“, berichtet das Heppenheimer Kreiswochenblatt am 22. August des betreffenden Jahres. Der Landkreis Erbach gehörte wie auch der Kreis Heppenheim damals zur Provinz Starkenburg, in der nach dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 die hessischen Gebiete östlich des Rheins und südlich des Mains zusammengefasst wurden.

34 Jahre ist der Waidpflanzer (dabei handelt es sich um eine Färbepflanze) aus Wasselonne im Elsass alt, als er die öffentliche Sicherheit im Großherzogtum Hessen bedroht. Seine „Entweichung“ mobilisiert die „Gensdarmerie des Kreises“ samt den Bürgermeistern. Auf dem Weg zwischen Fürth und Beerfelden, wo er augenscheinlich vor Gericht sollte, machte sich der Betreffende aus dem Staub. Über die näheren Umstände schweigt sich die Nachricht aus. Der entsprechende Bildstock befindet sich etwa auf halber Strecke zwischen Olfen und Güttersbach.

Vom „Kreisrath“ werden die Häscher beauftragt, „schleunigst und eifrigst auf denselben zu invigilieren, ihn … geschloßen und wohlbewahrt am Gr. Landgericht Freienstein  zu Beerfelden oder hieher abzuliefern und mir davon Anzeige zu machen“. Die Beschreibung ist sehr detailliert. Rieger trug zu dieser Zeit einen dunkelblauen Stutzer, alte dunkelblaue tuchene Beinkleider, eine blautuchene Schildkappe mit herabhängendem Deckel, gestreifte Weste mit gelbem Grund, roth und gelb gedrucktes Halstuch mit Knoten angeknüpft sowie Stiefel. Und das mitten im August.

Auch der Rest von Riegers einschlägigen Merkmalen ist mangels Fotografie sehr genau beobachtet. Als 7‘ 2 ½ Zoll wird seine Größe beschrieben, was über 1,80 Meter gewesen sein dürfte. Er hatte dunkelbraune Haare, eine „bedeckte“ Stirn, dunkelbraune Augenbrauen und Bart sowie dunkle Augen. Dazu kamen „gewöhnliche“ Maße, ein „mittelmäßiger“ Mund, rundes Kinn, ein „längliches Angesicht“ und eine frische Gesichtsfarbe.

Wie viele der Odenwälder Bildstöcke steht auch das „Olfener Bild“ an einem historischen Wallfahrtsweg nach Walldürn, weiß die einschlägige Literatur. Somit dürfte sich an dieser Stelle 1838 wie auch heute ein Rastplatz befunden haben, an dem der Tross, von Fürth kommend, nach den etlichen Odenwald-Hügeln pausierte.

Der Flucht-Bildstock gilt als einer der einfachsten und altertümlichsten nahe des alten Wegs von Olfen nach Güttersbach. Mit Sockel ist er knapp drei Meter hoch. Von Hexen und sonstigem Spuk erzählt an dieser Stelle der Volksmund. Für Olfen dürfte der Hinweis auf Hexen ohne Zweifel nicht ursprünglich, sondern wohl nachträglich und recht spät sein, meint Friedrich Mößinger in seinem 1962 erschienen Buch „Bildstöcke im Odenwald“.

„Es fällt das weg, was wir gerne machen“

Es ist einfach alles weggebrochen. Die Veranstaltungen, die Gastronomie, die Vermietungen im Hüttenwerk Michelstadt. Dazu die Beschickung von Volksfesten, Kerwen und Open-Air-Events mit Licht- und Tontechnik der Firma von Achim Tischer. Und darüber hinaus die musikalischen Engagements von Michi Tischler, unter anderem bei Hochzeiten. „Seit 14. März läuft bei uns beiden gar nichts mehr“, erzählt der Hüttenwerk-Betreiber. Er ist froh, bisher gut gewirtschaftet zu haben, um nicht sofort vor dem Nichts zu stehen.

Zwei Konzerte in der Woche, private Feste, Firmenfeiern, oder Bank-Motivationsveranstaltungen: Der Saal war bis zum Sommer gut gebucht. Jetzt hat Achim Tischler genau noch einen Auftrag abzuarbeiten und das war’s dann: In Mörlenbach-Weiher montiert er in der Sporthalle eine Traverse, damit die örtliche Theatergruppe dort einen Scheinwerfer aufhängen lassen kann.

Eine gewisse Zeit kann sich der 59-Jährige noch über Wasser halten. „Zum Glück habe ich nicht so hohe Verbindlichkeiten, dass mir alles um die Ohren fliegt“, sagt er. Aber es ist für ihn klar, dass er staatliche Zuschüsse beantragen wird. „Geld ist das einzige, was hilft“, sieht er dazu keine Alternative. Und das am besten nicht zurückzahlbar. „Um ein Darlehen aufzunehmen, brauche ich den Staat nicht“, bringt er es auf den Punkt.

Tischer sieht im Shutdown nicht nur eine wirtschaftliche Katastrophe für die Kulturmacher, sondern auch eine gesellschaftliche Herausforderung. „Es fällt das weg, was wir gerne machen“, erzählt er. Denn der Hüttenwerk-Betreiber, selbst Hobby-Musiker, vermisst Gäste und Personal. „Mein Herz hängt an dem Laden“, betont er. Für seine festangestellten Mitarbeiter hat Achim Tischler bereits Kurzarbeit beantragt.

Freitags fand Mitte März im Hüttenwerk noch ein Clubkonzert statt, der Samstag wurde bereits abgesagt. Michi Tischler trat dienstags bei einer Tagungsveranstaltung auf, der Freitag wurde gecancelt. „Das kam von jetzt auf nachher“, berichtet Tischler. Er hatte bereits etliche Jobs für Ton- und Lichttechnik bei Veranstaltungen in der kommenden Wochen.

Während die 47-Jährige nun als Produktionshelferin bei einem Industriedienstleister arbeitet, kümmert er sich ums große Gelände. „Wir machen Lagerarbeiten und räumen auf“, berichtet er. „Da ist immer was zu tun.“ Die Tischlers sind da gleich gestrickt, schmunzelt er: Wenn eine Sache nicht läuft, wird was anderes gesucht. „Wir müssen ja essen.“

Es hilft nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. „Wir müssen da halt durch, damit es weitergeht“, hebt er hervor. Sollte allerdings die Sommersaison inklusive Bienen- und Wiesenmarkt wegfallen, „dann wird es ganz eng“, weiß er. Denn sowohl in Erbach als auch in Michelstadt ist er gleich an mehreren Stellen eingebunden. Dazu noch die Freilichtbühne Bad König, das Finkenbach-Festival, ganz zu schweigen vom eigenen Hoffest an Christi Himmelfahrt, „das noch in den Sternen steht“ – seine Sorgenfalten werden tiefer.

Der Hüttenwerker hofft darauf, dass ab dem 20. April das öffentliche Leben wieder hochgefahren wird – quasi in ähnlicher Form, wie es runtergefahren wurde, nur rückwärts. Wenn kleinere Veranstaltungen dann wieder möglich wären, könnte man peu à peu freitags wieder starten, spekuliert er. Denn die Kosten auf den 1000 Quadratmetern des Komplexes laufen natürlich weiter.

Etliche Musiker, die im Hüttenwerk auftreten, haben nebenher noch einen festen Job, weiß er von Unterhaltungen. Andererseits gibt es wiederum auch sehr viele, „die nur Musik machen“ und dringend darauf angewiesen sind, dass sie wieder auftreten dürfen. Nicht mal mehr Musikunterricht ist möglich – ein zweites Standbein von einigen Künstlern.

„Die Leute drehen alle hohl“, hat Achim Tischler beobachtet. Leider werde nur noch mantraartig die Losung runtergebetet, dass alle zu Hause bleiben sollen. „Über andere Meinungen wird nicht geredet“, wünscht er sich eine differenziertere Betrachtung der Situation.

 

Seit über 90 Jahren geht’s um Holz

Qualität zahlt sich eben aus. Seit 1928 gibt es die Zimmerei Sillak und Geier im Odenwald. „Wir führen mit viel Leidenschaft Holzbauarbeiten in unserer Heimat aus“, erzählt Benjamin Geier, der den Betrieb zu Jahresbeginn von seinem Schwiegervater Harald Sillak übernahm und ihn nun mit seiner Frau Manuela führt. Auch unter ihm erhielt die Firma wieder vier Sterne des Qualitätsprädikats „Meisterhaft“, dem Siegel der Deutschen Bauwirtschaft.

Seit 2009 kann sich der Rothenberger Betrieb damit fortlaufend schmücken, erläutert Geier. Die Kriterien werden alle zwei Jahre aufs Neue abgeprüft. Die Vergabe geschieht nach einem Punktesystem, weiß er. Die Verpflichtung zur stetigen Weiterbildung steht im Fokus, sagt der Chef. „Um immer auf dem neuesten Stand zu sein, legen wir sehr viel Wert darauf“, bekräftigt der Rothenberger.

Der Urgroßvater von Manuela Geier, der Zimmermeister Wilhelm Rebscher, gründete im Jahr 1928 das kleine, aber feine Unternehmen. Damals war auch noch ein Sägewerk angeschlossen. Sein Schwiegersohn Viktor Sillak, ebenfalls Zimmermeister, übernahm es in zweiter Generation und ließ 1958 die Eintragung in die Handwerksrolle vornehmen. In dieser Zeit wurde auch der Treppenbau in das Arbeitsprogramm mit aufgenommen.

Dipl.-Ing. (FH) Harald Sillak folgte 1979 in der dritten Generation. Unter ihm wuchs die Zimmerei weiter. Es wurde in Rothenberg am Ende der Hauptstraße, dem Firmensitz seit Beginn an, eine neue Werkhalle errichtet. 1992 erweiterte Sillak das Fertigungsgebiet um den Holzrahmenbau. „Inzwischen sind eine Vielzahl von Holzrahmenhäusern zu besichtigen, die von uns gefertigt wurden“, ist Geier stolz auf die Weiterentwicklung.

Der 34-Jährige kommt eigentlich aus einem ganz anderen Berufsfeld, das ihm aber nicht mehr so richtig Spaß machte. Über seine Frau schnupperte er in den Betrieb rein, half später aus. „Das machte so richtig Spaß, dass ich einen komplett neuen Weg einschlug“, erinnert sich Geier. Er begann seine Ausbildung zum Zimmerer Anfang 2012 und legte die Gesellenprüfung Mitte 2013 vorzeitig ab. Direkt im Anschluss begann er mit der Meisterschule und beendete diese mit Erfolg im März 2015.

Benjamin Geier ist nun der zweite Schwiegersohn, der den Betrieb übernahm. Seit Jahresanfang führen ihn die Eheleute in vierter Generation weiter. „Wir freuen uns über diese neue Herausforderung und es erfüllt uns mit Stolz, das Traditionsunternehmen weiter zu gestalten“, betont er.

Dachsanierungen und Wärmedämmungen stehen ebenso im Fokus wie Fassadenarbeiten, Carportbau oder Terrassengestaltung. „Wir wollen dem Werkstoff Holz treu bleiben“, nennt Geier als Philosophie. Und zwar nur dem. Nachhaltigkeit wird ganz groß geschrieben. „Was wir verarbeiten, soll auch zurückgebaut werden können“, hebt der Firmeninhaber hervor.

„Die Auftragslage ist gut“, bekräftigt der Zimmermeister. Deshalb kann er gerne noch Verstärkung für sein Team gebrauchen. Das besteht aktuell aus neun Personen, einem weiteren Meister, einem Azubi und Zimmerergesellen. Zimmerer, Dachdecker, Schreiner sowie Azubiinteressenten (nur Zimmerer) sind willkommen. Holzrahmenbau, Aufstockungen und Anbauten führt die Zimmerei Sillak und Geier nicht nur in Oberzent, sondern auch im angrenzenden Rhein-Neckar-Kreis aus, vor kurzem sogar im nördlich gelegeneren Seligenstadt.

Benjamin Geier sieht die Siegel-Verleihung als „Bestätigung unseres eingeschlagenen Wegs“. Kompetente Beratung, verbunden mit einer hohen Qualität in der Ausführung, soll die Kunden überzeugen. Das beste Beispiel, dass dies funktioniert, gibt es aus Mannheim zu berichten. Was der Betrieb in vierter Generation bietet, weiß dort ein langjährig zufriedener Kunde zu schätzen. Den ersten Auftrag führte dort schon Viktor Sillak bei der Familie aus.

 

 

Damit ein Betrieb ein Meisterhaft-Siegel führen darf, muss er in Planung und Ausführung seiner Bauleistungen stets Meisterqualität abliefern, die höchsten Ansprüchen gerecht wird. Mit diesem Siegel wird ein Vertrauensanspruch ausgedrückt: Kompetenz und Sicherheit bei jedem Arbeitsschritt. Die Meisterhaft-Auszeichnung mit 4 Sternen führen Innungs-Fachbetriebe, die in besonderer Weise Leistungs- und Weiterbildungs-Standards bieten.

Freibadsaison in Oberzent könnte ins Wasser fallen

Die Freibadsaison droht coronabedingt ins Wasser zu fallen. Denn normalerweise starten in diesen Tagen die Vorbereitungen, damit die drei Bäder Mitte bis Ende Mai öffnen können. Doch das öffentliche Leben ist lahmgelegt – keiner weiß wie lange. Durch die Begrenzung von Menschenansammlungen auf zwei Personen ist es unmöglich, gemeinsame Arbeitseinsätze zu koordinieren. Somit stockt alles.

Genau das ist aktuell das Problem des Vereins Waldseebadbad Beerfelden, der in den Vorjahren meistens rund um Ostern mit etlichen Helfern begann, das über 80 Jahre alte Freibad wieder herzurichten. „Arbeitseinsätze dürfen nicht stattfinden“, bedauert die Vorsitzende Ina Bottelberger. „Uns bleibt also nichts anderes übrig als abzuwarten“, meint sie fatalistisch.

Plan B der Ehrenamtlichen, wenn die Beschränkungen noch länger dauern sollten, aber noch vor Beginn der Saison enden: „Dann spritzen wir eben nur das Becken aus.“ Das würde als Notmaßnahme reichen, um zumindest öffnen zu können. Jedoch steht alles in den Sternen. Es weiß derzeit niemand, ob in Beerfelden im Sommer draußen gebadet werden kann.

Das 50 Meter lange Becken hat einen Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich sowie ein Ein-Meter-Sprungbrett und einen Drei-Meter-Sprungturm. Es gibt eine große Liegewiese mit drei Holz-Sonnendecks, Babybecken, Schaukel und Rutsche, Sandkasten, Beach-Volleyballfeld, schattige Ruhebänke im Wald sowie einen Kiosk mit gemütlicher Sonnenterasse.

Am Finkenbacher Freibad setzen die Aktiven des Heimat- und Verschönerungsvereins (HVV) derzeit auf Einzeleinsätze. „Der Rasen wird gemäht, die Maulwurfhügel werden plattgemacht, der Kiosk geputzt“, berichtet Vorsitzender Christian Niesen. Man will keine Zeit verlieren. Ihm ist aber klar, „dass wir abwarten müssen“. Er rechnet nicht damit, „dass wir Anfang Mai aufmachen“.

Im 1933 gebauten Freibad gibt es ein Schwimmerbecken mit 25 auf 12,5 Meter und einer maximalen Tiefe von 1,90 Metern. Das Kinderbecken hat einen Durchmesser von etwa sechs Metern. In den vergangenen Jahren wurde viel saniert. Gleich neben dem Eingang erhielt die Sitzecke für Stammgäste einen festen Untergrund. Die vier Metallpfosten des Sonnensegels bekamen ein gemauertes Fundament. Neben der Fliesenumrandung des Kinderbeckens wurde auch die Randfolie erneuert. Vom HVV wurden sämtliche Bänke und Tische frisch gestrichen und marode Holzlatten ersetzt.

Ähnliche Unsicherheiten gibt es ebenfalls bei Schwimmbad-Initiative Hetzbach. „Pflegemaßnahmen von Bäumen und Rasen  finden statt“, berichtet Walter Gerbig. „Natürlich einzeln oder zu zweit mit  den erforderlichen Abständen“, betont er. Um hinzuzufügen: „Im Bad ist ja genug  Platz.“ Die Aktiven wollen die Entscheidung der Verantwortlichen im Bund am 20. April abwarten, ob die derzeitigen Beschränkungen gelockert werden.

„Sollten wir grünes Lich  bekommen und soziale Kontakte wieder möglich  sein“, sieht der Ablauf laut Gerbig wie folgt aus: Reinigung des Bads an einem Wochenende und Einlassen des Frischwassers. Nach fünf Tagen ist das Becken voll und der Badebetrieb könnte starten. „Wir sind aufgrund der jahrelang geübten Tätigkeiten besonders flexibel“, hebt er hervor. Der Dienstplan der Badeaufsichten wird dann ab dem geplanten Öffnungstag bis Saisonende  erstellt. Es könnte aber in Zeiten von Corona auch die Entscheidung fallen, dass die öffentlichen Bäder neben weiteren öffentlichen Einrichtungen geschlossen bleiben, befürchtet der Hetzbacher.

Im Stadtteil gibt es ein solarbeheiztes 25-Meter-Becken mit Nichtschwimmer- und Schwimmerbereich, außerdem noch ein Babybecken. Sonnenliegen direkt am Schwimmbecken, eine Liegewiese mit Sonnensegel, ein Liegehügel, Sitzmöglichkeiten auf der gesamten Rasenfläche und ein Kiosk mit Terrasse runden das Angebot ab.

 

Info: Einen Überblick mit Verlinkungen zu den jeweiligen Bädern bietet die Webseite der Stadt Oberzent: http://www.stadt-oberzent.de/stadtleben/kommunale-einrichtungen/schwimmbaeder/

Neues Team für den Kindergottesdienst

Ein Ende ist gleichzeitig auch ein Neuanfang. Nach mehr als 20 Jahren im Sensbachtaler Kindergottesdienstteam hört Helga Breidinger mit ihren 70 Jahren auf. Claudia Röger, die in den vergangenen zwei Jahren viel frischen Wind mit in die Truppe brachte, zieht berufsbedingt weg. Für die beiden stehen aber die jungen Nachfolgerinnen in den Startlöchern: Es geht mit Anja Höhner und Rebekka Michel weiter, versichert der evangelische Pfarrer Roland Bahre.

Als Helga Breidinger vor über zwei Jahrzehnten startete, „waren es am Anfang 20 Kinder“, erinnert sie sich. Mit Unterstützung von Christina Braner gab es Bastelangebote, wurden Psalme gesungen, Gebete gesprochen. Sensbacher Kinder von sechs bis 13 Jahren nahmen teil. War ein Geschwisterkind etwas jünger, durfte es ebenfalls dabei sein. Spiele, Weihnachtsmarkt-Singen, Mitgestaltung des Landfrauen-Gottesdienstes: Es war immer etwas geboten.

Als Highlight kennzeichnet sie das Krippenspiel. „Es war nicht immer einfach, alle unter einen Hut zu bringen“, weiß sie um das bunte Gewusel. Die jungen Teilnehmer wurden zwischenzeitlich durch den Geburtenrückgang weniger – jetzt geht es aber wieder aufwärts. Breidinger orientierte sich früher an der Kinderbibel, bestellte Bücher und suchte sich passende Stellen heraus.

Dass heutzutage eine Vielzahl von Angeboten nebst dem Internet auf die Kinder einprasselt, hat auch Helga Breidinger gemerkt. „Sie veränderten sich“, sagt sie. Die Ablenkungen neben der Vermittlung des christlichen Gedankens und der Vorbereitung auf die Konfirmation werden größer. Durch ihr Alter, schmunzelt Breidinger, „war ich auch nicht mehr so an der Basis wie junge Mütter.“

Für sie war es in all den Jahren eine „Herzensangelegenheit, meinen Glauben weiterzugeben“. Den bekam sie von ihrer Großmutter mit, die ihr immer aus der Bibel vorlas und sie prägte. Auch wenn die Sensbachtalerin nicht mehr im Kindergottesdienstteam mitwirkt, so bleibt sie dem Kirchenvorstand erst einmal erhalten. Dort ist sie bereits seit 24 Jahren aktiv.

Der gelernte Erzieherin Röger stieg vor zwei Jahren ein. „Es fällt mir leicht und macht Spaß“, sagt die 40-jährige Mutter von drei Kindern. Ihr „Erfolgsrezept“? Man muss es locker, fröhlich gestalten und die Kinder dort abholen, wo sie sind. „Ich habe immer eine Idee“ erzählt sie. Die wird dann unter Zuhilfenahme des Internets ausgearbeitet.

Wichtig ist die Einbeziehung der Sechs- bis 13-Jährigen. Vor allem darf es nicht zu ernst zugehen, betont Röger. „Die Kinder lieben es, hinterher zu basteln, Musik zu hören und was zu knabbern“, gehört auch ein Angebot nach der „offiziellen“ Zeit dazu.

Freundschaft, Zusammengehörigkeit, den Kleinen vermitteln, dass jeder einmalig ist: „Die Kinder sind heute anders, sie teilen sich mit“, meint Helga Breidinger. Weshalb es für Claudia Röger auch wesentlich ist zuzuhören und Vertrauen zu schaffen. Die Resonanz bei den Eltern ist sehr positiv: „Die Kids nehmen was mit“, bekommt sie als Rückmeldung. Sie erzählen zuhause vom Gelernten und Erlebten.

Aktuell werden im Sensbachtal 13 Heranwachsende betreut. Eine „enorme Zahl“, freut sich Pfarrer Bahre, wenn man bedenkt, dass es nur 17 Grundschüler gibt. Er hebt hervor, dass sich das Angebot an evangelische und katholische sowie nichtkonfessionelle Kinder richtet. Die 14-jährige Konfirmandin Rebekka Michel „ist quasi reingewachsen“, sagt Helga Breidinger. Sie ist von Anfang an dabei. Die 19-jährige Anja Höhner wurde von Claudia Röger angesprochen.

Pfarrer Bahre rechnet damit, dass die Kirchengemeinde noch in diesem Jahr auf die Unterstützung eines neuen Gemeindepädagogen bauen kann, der das Team dann fachlich begleitet. Zur Hälfte ist der Posten als städtische Jugendpflegerstelle vorgesehen.

Der Verabschiedungsgottesdienst für die beiden scheidenden Betreuerinnen war sehr stimmungsvoll. „Wir sind froh, dass zwei Nachfolgerinnen gefunden wurden und es keinen Stillstand gibt“, sagt der Geistliche. So findet die neue Power aus den vergangenen Jahren ihre Fortsetzung.

Im Rothenberger Hirsch: Außer-Haus-Verkauf gegen die Krise

Im Höhendorf wird die Solidarität hochgehalten. Seit die Restaurants coronabedingt schließen mussten, versuchen sie sich mit Liefer- und Abholangeboten über Wasser zu halten. Das kann natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein, weil viel mehr dahinter steht als „nur“ ein paar verkaufte Essen. Beim Hotel-Restaurant „Hirsch“ in Rothenberg freut man sich, dass das Angebot nicht nur von Rothenbergern gut genutzt. Aber die die Familie Beisel plagen – wie viele anderen Kollegen auch – große Existenzsorgen.

„Der Außer-Haus-Verkauf unter der Woche steigt“, hat Angelika Beisel beobachtet. Da kommen vor allem die Rothenberger. Am vergangenen Wochenende, wenn dann noch die Hungrigen aus Hirschhorn, Beerfelden oder Finkenbach ihr Essen ordern, lief es sehr gut, schildert sie. Da war die Nachfrage sogar größer als die knusprigen Gockel. Die Leute halten auf dem Land zusammen. „Es kommen viele, um die Gastro vor Ort in schweren Zeiten zu unterstützen“, meint sie. „Das macht es persönlich und berührt mich sehr.“ Die Gastronomin beschreibt sich selbst als „noch in Schockstarre“ über das Geschehene.

Die Beisels rechneten schon vor zwei Wochen mit einer Verschärfung der Regelungen. Nicht nur die Gaststätte ist davon betroffen, sondern auch das Hotel, schildert die Chefin die Situation. Ein 50. Geburtstag war geplant, eine große Chorfreizeit hatte sich angekündigt. Und jetzt: nichts. Die Summe, die an Umsätzen fehlt, „ist schon heftig“, nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Und das vor dem Hintergrund einer ausgefallenen Skisaison, wodurch Januar und Februar „sowieso schon schlechte Monate waren“.

Die Rothenberger Gastronomen-Familie weiß, dass sie mit dieser Erfahrung im Odenwald nicht allein dasteht. Vielen Kollegen geht es ähnlich. Denen bricht nicht nur das aktuelle, sondern auch das Ostergeschäft bis weit in den Mai hinein weg. „Konfirmationen, Cateringaufträge, Reisegesellschaften – alles futsch“, erzählt Angelika Beisel. Die Stornierungen reichen inzwischen bereits bis Pfingsten.

„Das ist ein Fass ohne Boden“, befürchtet sie das Schlimmste. Und mit nichts zu kompensieren. Darlehen, die zur Unterstützung im Gespräch sind, „müssen ja auch irgendwann zurückgezahlt werden“, ist das für die Gastronomin nicht der Weisheit letzter Schluss. Ebenso verhält es sich mit der Stundung von Steuerzahlungen. Die werden ebenfalls ja nicht erlassen.

„Wo soll ich es hernehmen“, klingt Angelika Beisel verzweifelt. „Sparen, sparen, sparen“, im Sommer kein zusätzliches Personal einstellen, ist ein Teil des Ganzen. Entlassungen wären kontraproduktiv. Nicht nur, weil dann ihre Beschäftigten ohne Job dastehen, sondern „wir würden wertvolle Leute für die Zukunft verlieren“.

Zuschüsse sind ein weiterer Baustein, aber zur Verwirklichung braucht es wiederum – nicht vorhandenes – Eigenkapital. Für die Hirsch-Chefin die beste Lösung: Es müsste Geld ohne Rückzahlungspflicht zur Verfügung gestellt werden – wie es für bestimmte Berufsgruppen aktuell in der Beratung ist. „Wir brauchen eine Liquiditätshilfe, die sofort kommt und nicht in Darlehensform“, bringt sie es auf den Punkt.

Die Herabsetzung des Umsatzsteuersatzes für Speisenverkauf auf durchgehend sieben Prozent, wie es der Verband schon länger fordert, wäre für sie eine andere sinnvolle Maßnahme. Bisher gilt das nur für Außer-Haus-Verkauf. Denn ob ab Juni wieder alles in geregelten Bahnen verläuft, ist noch lange nicht klar. Das hängt an vielen Faktoren. Einer davon: Gibt es die Busunternehmen noch, die früher die Reisegruppen in den Odenwald kutschierten, oder haben manche pleite gemacht? Denn dann „kommen keine Leute mehr“.

Der „Hirsch“ war in diesem Jahr gut aufgestellt, erläutert Beisel. Es ging langsam, aber stetig aufwärts, „wir waren auf einem guten Weg“. Der ist jetzt zu Ende, alle Planungen sind dahin. „Wir müssen um unser Überleben kämpfen.“ Inzwischen freut sie sich schon darüber, „wenn ein Anruf kommt und für Dezember reserviert wird.“

Zum Bild: Holt sein Mittagessen beim Hotel „Hirsch“. Edgar Ludebühl aus Rothenberg, hier mit Angelika Beisel.

Info: Mehr zum Außer-Haus-Angebot beim „Hirsch“ unter www.hirschwirts.de/Aktuelles/ und www.facebook.com/Hirschwirts/

Einkaufsservice für die Bürger im Finkenbachtal

Wenn das Leben nicht seinen geregelten Gang geht, Corona-Chaos herrscht und manche Menschen in Not geraten, dann steht die Dorfgemeinschaft ihren Mann. Auf dem Land ist man eben füreinander da. Die Ortsbeiräte aus Ober-Hainbrunn, Falken-Gesäß, Finkenbach, Hinterbach und Raubach haben sich in diesem Sinne zusammengetan und einen Einkaufsservice für die Bürger auf die Beine gestellt.

„In der aktuellen Situation sind Mitmenschen auf unsere Hilfe angewiesen“, betont der Finkenbacher Ortsvorsteher Christian Niesen. Denn die Corona-Pandemie schränkt zunehmend den Alltag der Leute ein. Es gibt seines Wissens zahlreiche Personen, die kein Auto besitzen. Dazu kommen auch Ältere und Personen mit Vorerkrankungen, die es aktuell meiden sollten, in die Öffentlichkeit zu gehen. „Mit unserem Einkaufservice wollen wir aus Solidarität in Zeiten der Corona-Pandemie genau diese gefährdeten Gruppen unterstützen“, erläutert Niesen.

Die Idee zur Hilfsaktion hatte der Finkenbacher Ortsbeirat Patrick Löffler. „Wir sollten das nicht allein machen, sondern das gesamte Tal mitnehmen“, war der Tenor im Oberzent-Stadtteil. Deshalb wurden kurzfristig die Ortsbeiräte in Falken-Gesäß und Ober-Hainbrunn abgefragt, ob sie dabei sind. Das Ja, mitgeteilt über die Ortsvorsteher Stefan Hofmann (Ober-Hainbrunn) und Manuel Schwinn (Falken-Gesäß), war nur Formsache.

„Wer Hilfe beim Einkaufen benötigt, wendet sich bitte an unsere Koordination“, schildert Niesen das Vorgehen. Er besprach übers Wochenende einen Anrufbeantworter, der ab sofort unter Telefon 06068/478016 erreichbar ist. Dort können die Bürger ihren Namen und ihre Nummer hinterlassen. „Sie werden dann zurückgerufen und die Bestellung wird aufgenommen“, sagt Niesen.

Die eingegangenen Einkaufswünsche werden danach an die zuständigen Ortsvorsteher weitergeleitet, die regional ihren Einkaufsservice koordinieren, erklärt der Finkenbacher. „So besteht für jeden die Möglichkeit, sich mit neuen Lebensmitteln einzudecken.“ Doch nur mit dem Einkaufen ist es nicht getan. „Wir wollen auch abfragen, ob die Leute einsam sind und vielleicht ein erhöhter Kommunikationsbedarf besteht“, erläutert er die Beweggründe.

Sollte sich das herausstellen oder sich ein Gespräch Richtung Seelsorge entwickeln, dann wird mit Einverständnis der Anrufer ihr Kontakt an die Stadt Oberzent weitergegeben. Dort ist ebenfalls eine Hotline unter 06068/7590-999 geschaltet. Diese ist montags bis freitags von 8 Uhr bis 18 Uhr besetzt. In Absprache mit der Generationenhilfe „werden wir in unserer Stadt niemanden alleine lassen“, verspricht Bürgermeister Christian Kehrer.

Die drei Ortsbeiräte „wollen die Bürger im Tal absichern“, so Niesen. Senioren, die in Zeiten der Krise von zuhause nicht wegkommen, sollen versorgt werden. In einem ersten Schritt will man den Bedarf ermitteln, so der Ortvorsteher. Je nach Resonanz werden die Einkäufe erledigt. Sollte viel reinkommen, dann wird es extra Touren geben, wenn es nur vereinzelte Anrufe gibt, dann laufen diese Einkäufe bei den etatmäßigen Besorgungen mit, die sowieso immer mal anstehen.

 

Einkaufs-Hotline der Orte Ober-Hainbrunn, Falken-Gesäß, Finkenbach, Hinterbach und Raubach mit Anrufbeantworter: 06068/478016

Getränkebestellungen ab einer Kiste übernimmt der Heimlieferdienst der Firma Gerd Koch in Ober-Hainbrunn, Telefon 06275/619. Liefertermin immer mittwochs.

Hotline der Stadt Oberzent: 06068/7590-999