Krachende Riffs, fliegende Haare

Bruce Dickinson hätte sicherlich auf dem Konzert von „Iron – Made in Germany“ im Hüttenwerk Michelstadt anerkennend genickt. Was in Vertretung des Iron-Maiden-Shouters Bernd Glomsda am Mikro ablieferte, war aller Ehren wert. Perfekt zauberte er die Knaller der britischen Heavy-Metal-Legende auf die Bühne, dass es sich fast wie das Original anhörte. Oder heutzutage vielleicht fast besser, denn Dickinson schafft die höchsten Höhen von früher nicht mehr.

Nur schaden, dass Glomsdas Stimme in der Abmischung etwas schlecht zu hören ist. Wenn er nicht gerade die Hymnen schmettert, animiert der Sänger das begeisterte Publikum zum Mitsingen. Das ist besonders eindrucksvoll bei „Fear oft he Dark“, als die Meute im sehr gut besetzten Saal selig in ihrem Element ist und dem Dirigenten auf der Bühne willig folgt.

Die fünf Musiker nehmen die euphorischen Fans mit auf eine Zeitreise in die „goldenen“, besten Jahre der Mitbegründer des NWoBHM, des New Wave of British Heavy Metal. Anfang der 80er Jahre räumten Iron Maiden mit ihren Alben so richtig ab. Mit Bruce Dickinson am Mikro kam 1982 der richtige Durchbruch. Mit ihm nahm die Band das Album „The Number of the Beast“ auf.

Der Erfolg bedeutete den weltweiten Durchbruch für Iron Maiden. Es verkaufte sich über eine Million Mal und gilt heute in Fan-Kreisen als Definition des Heavy Metal. Etliche der acht enthaltenen Stücke zählen immer noch heute zu den Klassikern des Genres. „Piece of Mind” und „Powerslave” sind weitere bedeutende Veröffentlichungen aus dieser Zeit.

„Hallowed be thy Name“ und „The Trooper“ am Schluss des Programms waren leuchtende Beispiele dafür, wie das Qunitett die Heroen aus vergangenen Jahren hochleben ließ. Zwei Songs dürfen natürlich nie fehlen: „Run to the Hills“ und „The number of the Beast“ bildeten die Zugaben, auf die jeder gewartet hatte.

Jens Richter und Marco Wandura an den Gitarren eifern den drei Saitenkünstlern des Originals, Dave Murray, Adrian Smith und Janick Gers, bis ins Detail nach. Die melodischen Soli hüllen das Hüttenwerk in einen druckvollen Soundteppich. „Revelations“, „Flight of Icarus“ oder „Where Eagles dare“ zeigen Iron Maiden auf dem Gipfel ihres künstlerischen Schaffens.

Apropos druckvoll: Bassist Steve Harris, das einzig noch verbliebene Gründungsmitglied von 1975, ist in seinen Kreisen eine Legende. Mik Baron, kurzfristig für den verhinderten Jochen Schnur eingesprungen, hat den wummernden Bass bestens drauf. Schlagzeuger Jürgen Rössel wirbelt an seiner Schießbude an Nicko McBrain, der ebenfalls 1982 zur Band dazustieß und bis heute die Drumsticks schwingt.

Musik und Licht an. Weit mehr als 35 Jahre geht’s zurück in die Zeit: „Aces High“, „2 Minutes to midnight“ oder „Children of the damned“ heißen die Klassiker aus der Schaffensphase von 1982 bis 1984, die jedem Fan das Herz höher schlagen ließen. Die Besucher, oft mitgealtetert, aber teilweise noch mit wallender Haarmähne zum Headbangen, sind sofort drin in den Songs. Heavy Metal pur, der einfach nur fetzt, in die Beine geht.

Die Riffs, Breaks und Einsätze sitzen, den fünfen merkt man förmlich die Spielfreude an. Sie wagen sich sogar an Stücke, die das Original kaum auf die Bühne bringt. „Wrathchild“ aus dem Killers-Album von 1981 oder „Running Free“, die allererste Single überhaupt aus dem Jahr 1980 und auf dem Debütalbum „Iron Maiden“ zu finden, beide noch mit dem früheren Sänger Paul di Anno, nehmen die Besucher mit auf eine Zeitreise.

Das macht richtig Laune auf die Originale, die selbst noch nicht genug bekommen haben vom Touren. Vergangenes Jahr war die britische Band bei mehreren Open-Air-Konzerten in Deutschland zu sehen und wird 2020 für ihre „Legacy Of The Beast“-Tour zu vier Terminen zurückkommen. Am 18. Juli beschallen Iron Maiden in Stuttgart die Mercedes-Benz Arena zusammen mit „Airbourne“ und „Lord of the Lost“.

Stadt wäre beim Kindergartenbus in der Haftung

Der bisherige „Kindergartenbus“ in den Ferienzeiten steht auf der Kippe. Mit ihm wurden die Kids aus Ober-Hainbrunn, Finkenbach und Kortelshütte zum Rothenberger Kindergarten gebracht, wenn während der Schulferien die etatmäßigen Busse nicht verkehrten. Das Thema fand nun wieder Eingang in die Sitzung des gemeinsam tagenden Sozial- und Kultur- sowie Bau- und Umweltausschusses von Oberzent.

Schon einmal hatte sich die Oberzent-Stadtverordnetenversammlung im Frühjahr mit diesem Thema befasst, als es um die Einstellung in der Ferienzeit ging. Die wurde damals beschlossen, aber noch keine Entscheidung getroffen, wie es danach weitergehen sollte. Auf Antrag der SPD hin sollte der Magistrat nun überprüfen, wie eine künftige Regelung aussehen und ob der Bus weiterhin fahren könnte.

Bisher gibt es weder in Hesseneck noch in Sensbachtal einen Ferienbusdienst. In Beerfelden wurde er 2010 eingestellt. Aus Gleichbehandlungsgründen hatte sich der Magistrat Anfang April dafür entschlossen, das Angebot in der Ferienzeit auch für Finkenbach, Ober-Hainbrunn und Kortelshütte einzustellen. Von dort werden die Kinder nach Rothenberg gebracht. Das hatte bei den betroffenen Eltern einen Proteststurm verursacht.

Die Verwaltung hatte über den Sommer eruiert, was eine Ausweitung dieses Angebots auf alle Stadtteile bedeuten würde. „Das wären Kosten von 22.000 Euro“, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. Zum Vergleich: Die bisherige Rothenberger Variante kam auf 4100 Euro. Neben dem Geld gibt es aber einen anderen gewichtigen Hinderungsgrund. „Die Stadt wäre als Träger in der Haftung“, betonte er.

Zum einen bräuchten die Busse das nötige Equipment, um kleinere Kinder zu befördern, zum anderen wären Aufsichtspersonen notwendig. „Ohne ist ein Transport nicht möglich“, bekam die Stadt von der Unfallkasse klipp und klar signalisiert. Der bisherige Betrieb, machte er deutlich, bewegte sich damit schon in einer Grauzone.

Eine Entscheidung über die Jugendförderrichtlinien verschoben die Mandatsträger auf Anfang kommenden Jahres. Man will die Haushaltszahlen dieses Jahres abwarten und dann rückwirkend die Gelder ausschütten, wenn es der Etat erlauben sollte. Es geht um 15.000 Euro, die pro Jugendlichem an die Vereine ausgezahlt werden. Angesichts der aktuellen schlechten Haushaltslage müsste er bei einer sofortigen Entscheidung sowieso seinen Widerspruch einlegen, da es sich um eine freiwillige Leistung handelt, sagte der Bürgermeister.

Mehr Busse nach Hirschhorn wären zu teuer

Schön war’s ja, aber finanziell nicht zu machen. Die Tendenz im gemeinsam tagenden Sozial- und Kultur- sowie Bau- und Umweltausschuss in Beerfelden war ziemlich klar, als es um die Taktverdichtung auf der Linie 54 zwischen Beerfelden und Hirschhorn ging. Die hatten die Grünen mit einem Antrag gefordert. Aber mit einer Umsetzung wären erhebliche Kosten verbunden, die die OREG auf 185.000 Euro jährlich beziffert. Geld, das Oberzent derzeit nicht hat.

Horst Kowarsch (Grüne) hatte bereits in einer vorigen Beratung die heutige Taktdichte als „völlig unzureichend“ bezeichnet. Deshalb fahren seinen Worten zufolge viele Pendler aus dem Finkenbachtal sowie von Rothenberg und Kortelshütte mit dem Auto an den Hirschhorner Bahnhof, um dort in die S-Bahn nach Heidelberg oder Mosbach einzusteigen. Obwohl Hirschhorn die Parkplätze in den vergangenen Jahren erweiterte, „tritt inzwischen wieder ein Mangel auf“.

Die Hoffnung der Grünen: Eine S-Bahn-orientierte Taktung der Linie 54 würde einen Teil der Pendler dazu bringen, auf den Bus umzusteigen. Eine besondere Fahrtendichte wäre morgens, mittags und abends einzurichten. Kowarsch sagte, eine gute ÖPNV-Versorgung trage zur Attraktivität des ländlichen Raums bei. Er wies auf den geplanten Kindergarten in Rothenberg hin. Eine vernünftige Busanbindung ins Tal sah er als „Standortkriterium“, damit sich junge Familien ansiedeln.

Die Linie wird im Nahverkehrsplan des Odenwaldkreises lediglich als Grundversorgung betrachtet, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. Laut OREG sieht der Plan zunächst einmal nur die Sicherstellung des Schülerverkehrs vor. Darüber hinaus gibt es unter der Woche zweistündlich tagsüber ein Rufbusangebot. Alles, was darüber hinausgeht, müsste die Stadt Oberzent bezahlen. Die Kalkulation der Regionalgesellschaft kommt auf eben jene 185.000 Euro, wenn es im stündlichen Wechsel eine Verbindung von Beerfelden über Rothenberg oder Finkenbach nach Hirschhorn geben soll.

Als Alternative zu einem regelmäßigen Busverkehr nannte das Stadtoberhaupt das Angebot „Garantiert mobil“ des Odenwaldkreises. Hier gab der Ausschuss die Empfehlung ab, den städtischen Zuschuss bei den taxOMobil-Fahrten auf 75 statt bisher 50 Prozent anzuheben. Denn die Summe ist relativ überschaubar. Bis Ende Oktober liefen bei der Stadt lediglich 128 Euro an Zuschüssen auf. Fürs Folgejahr sind 1000 Euro im Haushalt eingeplant.

„Mittlerweile läuft das System stabil“, sagte Kehrer. TaxOMobil-Fahrten sind für die nächsten zehn Jahre zum ÖPNV-Bedienungsstandard geworden, informierte er. Mitte des Jahres waren kreisweit etwa 1500 Euro an Subventionsbeträgen aufgelaufen. Der in der Gesamtsumme relativ geringe Betrag ist dem Bürgermeister zufolge auf die Startphase und die anfänglichen technischen Probleme bei der Buchungs-App zurückzuführen.

Kehrer bedauerte, dass das taxOMobil-Angebot trotz der Öffentlichkeitsarbeit weiterhin ein Steifkind-Dasein fristet. Es hängt seiner Ansicht nach nicht nur am Geld, sondern auch an der Akzeptanz, die scheinbar auf dem Land erst nach und nach zu erreichen sei. Bisher gebe es 1500 Anmeldungen. „Andere Regionen wären froh darüber“, brachte er die Besonderheit des Angebots auf den Punkt.

Info: Als integrierter Bestandteil des ÖPNV im Odenwaldkreis sichern taxOMobil-Fahrten die Mobilität der Bürger von der Ortschaft zum jeweiligen Zentrum. Diese Mobilitätsgarantie besteht an allen Tagen in der Woche und unabhängig von Schul- und Ferienzeiten Montag bis Freitag von 5 bis 22 Uhr, an Samstagen von 6 bis 22 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 8 bis 22 Uhr. Buchbar sind taxOMobil-Fahrten über das Informations- und Buchungssystem http://www.odenwaldmobil.de via Web oder App oder auch telefonisch über die Mobilitätszentrale der OREG. Für seine taxOMobil-Fahrt zahlt der Kunde den RMV-Tarif und einen entfernungsabhängigen Zuschlagspreis.

Musikalisch schnurrt’s wie eine Eins

Bei diesen dreien schnurrt’s musikalisch wie eine Eins: Als „Aristocrats“ sind Marco Minnemann, Guthrie Govan und Bryan Beller derzeit auf Tour. Was die Band im erstaunlich gut besuchten „Rex“ Bensheim an virtuosen Songs ablieferte, versetzte die Fans in helle Freude. Vier Studioalben hat das Trio bereits seit 2011 auf den Markt geworfen, eines musikalisch anspruchsvoller als das andere.

Bei diesen drei Spezies ist es nicht verkehrt, von einer Supergroup zu sprechen. Der gebürtige Hannoveraner Marco Minnemann ist als versierter Drummer in der Progressive-Rock-Szene ein Hans Dampf in allen Gassen. Ex-Genesis-Mann Steve Hackett, Joe Satriani, Steven Wilson, The Sea Within oder den Mute Gods lieh er schon seine wirbelnden Schlagzeugstöcke. Und früher in Deutschland den H-Blockx. Da wundert es nicht, dass sich der 48-Jährige mit Wahlheimat Kalifornien bei „Get it like that“ an der Schießbude austoben darf, dass es Hobby-Schlagzeugern wahrscheinlich die Tränen vor Neid in die Augen treibt.

Der Brite Guthrie Govan griff auch schon für Steven Wilson in die Saiten. Asia oder das Nachfolgeprojekt GPS zeigten seine große Klasse und die Verortung im Prog-Rock-Bereich. Er lässt an diesem Abend nicht nur progressiv-spielerisch die Sau raus, sondern macht all das, was wohl in seinen weiteren musikalischen Heimathäfen zu abgedreht, zu verquer, zu verspielt ist.

Die beiden Gitarrenhexer Joe Satriani und Steve Vai sicherten sich ebenfalls die Künste von Bryan Beller am Bass. Scheinbar hatte ihn jede Rockband, die etwas auf sich hält, schon im Line-up. Dream-Theater-Frontmann James La Brie holte ihn für seine Solo-Platten, mit Zappa-Sidekick Mike Keneally arbeitet er bereits seit 1995 zusammen. Beller spielt den Bass nicht nur als Rhythmus-Hintergrundinstrument, bei ihm ist er fast schon eine zweite Gitarre.

Genauso wie Minnemann das erste Zusammentreffen der drei vor acht Jahren beschreibt, stehen sie an diesem Abend auch in Bensheim auf der Bühne. Eine Gute-Laune-Kombo mit Flausen im Kopf, die herumalbert und sich blind versteht. Die Chemie stimmt. Sie spielen mit „ihrer“ Band das, was Spaß macht, auch wenn’s möglicherweise etwas sperrig für die Gehörgänge des „normalen“ Konzertbesuchers sein sollte.

Je drei Stücke hat jeder für die neue Platte „You Know What…?“ komponiert. Eines dabei verzwickter als das andere. Wobei dabei aber nicht unbedingt das eigene Instrument im Vordergrund stehen muss. Govan lässt seine Finger die irrsinnigsten Bewegungen auf „D-Grade Fuck Movie Jam“ vollbringen, das sich aber Beller ausdachte. Mit seinem Slide-Guitar-Sound bekommt das Instrument einen vollen Sound, der über manche unmelodische Saitenhexerei hinweghilft.

Der „Spanish Eddie“ wiederum ist wirklich dem Mastermind von Govan entsprungen. „Den Titel gibt’s auch von Laura Brannigan“, grinst er. Sind es hier die Flamenco-Einsprengsel, hat sich Minnemann bei „When we all came together“ ein paar Akkorde aus Western-Melodien geklaut. Bonanza lässt grüßen, während die Gitarre wiehert und die Band in den musikalischen Exzess reitet.

Fusion, Jazz-Einflüsse, ein paar funkige Töne, Progressive-Rock-Anleihen und ein paar augenzwinkernde Metal-Ausflüge später wird’s dann todtraurig, erzählt der britische Gitarrist. „Nicht was ihr denkt“, schiebt er gleich lachend hinterher: Der Brexit ist nicht gemeint. Sondern die englische Sperrstunde in den Pubs um 23 Uhr. „Last Orders“ heißt die Ballade, die ein kurzes Innehalten bedeutet, bevor die Aristocrats wieder die Krallen ausfahren.

„The Kentucky Meat Shower“, „Desert Tornado“ oder „Smuggler’s Corridor“ von den älteren Veröffentlichungen treiben noch einmal die Dezibelzahlen in gnadenlose Höhen. Govan darf sich als Wüstentornado willenlos austoben, während Minnemann und Beller unverhoffte Breaks und präzise Einsätze zelebrieren. Drei spielstarke, klasse gelaunte Superstars, bei denen es Govan manchmal mit der kleinteiligen Herumpfriemelei auf seinem Instrument aber etwas übertreibt – gerade wenn die hohen Gitarrentöne sowieso etwa schrill abgemischt sind.

Meto verlagert Gerätefertigung von Hirschhorn nach Rumänien

In der letzten Betriebsversammlung erhielten die Beschäftigten des Herstellers von Auszeichnungsgeräten in Hirschhorn, Meto, „ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk“, wie es die IG Metall in ihrer Mitteilung formuliert. Der Arbeitgeber kündigte demnach die Verlagerung von zehn der 120 noch verbliebenen Arbeitsplätze in der Gerätefertigung nach Rumänien an. Von dieser Maßnahme sind fast ausschließlich die Stellen von Frauen betroffen, teilt die Gewerkschaft mit.

Grund dafür seien der Umsatzrückgang und ein großer Verlust im Ergebnis durch die hohen Pensionsrückstellungen, begründetet die Geschäftsleitung ihren Schritt. IG Metall und Betriebsrat haben nach dem Austritt aus dem Verband mehr als zwei Jahre versucht, dies mit Hilfe eines Sanierungstarifvertrages zu verhindern, heißt es weiter.

„Auf die Angebote von Seiten der Belegschaft ging der Arbeitgeber jedoch nicht ein und blieb bei seinem Beschluss“, so die IG Metall. Der Schock und die Enttäuschung bei den Kollegen sind groß. Sie fürchten auf längere Sicht um den Rest der noch verbleibenden Fertigung am Standort. „Nun werden wir gemeinsam für einen Sozialplan streiten“, kündigen die Gewerkschafter an.

„Queensrÿche“ begeistert mit vielen alten Krachern

Es ist ein begeisternder Ausflug in die gute alte Zeit. Die Progressiver-Metaller von „Queensrÿche“ halten sich beim Gastspiel im MS Connexion Mannheim nicht lange mit neuen Stücken auf, obwohl die sich im Gesamtschaffen nicht verstecken müssen. Gerade mal vier Songs von den beiden Alben mit dem neuen Shouter Todd La Torre haben die US-Amerikaner mit ins Programm ihrer Tour genommen.

Der Rest ist eine Reminiszenz an die erfolgreichen 80er Jahren mit dem unvergessenen Geoff Tate am Mikro, der vor ein paar Monaten mit seiner eigenen Band ebenfalls die Kolbenhalle begeisterte. Die ist beim Gastspiel seiner ehemaligen Kollegen, von denen Gitarrist Michael Wilton, Schlagzeuger Scott Rockenfield und Bassist Eddie Jackson noch zur Urbesetzung gehören, allerdings deutlich besser gefüllt.

Der Sound ist zum Glück so, dass die vertrackten Melodien und vielen Feinheiten in den Queensrÿche-Songs gut zur Geltung kommen. Der progressiv angehauchte Metal, teilweise sogar mit Elementen einer Rockoper wie bei „Operation: Mindcrime“, sah die Band Mitte der 80er als Vorreiter und stilbildend. Das Konzeptalbum bedeutete den Durchbruch für den Fünfer, zu dem lange Jahre auch Gitarrist Chris de Garmo als songschreibendes Mastermind gehörte.

Singt Todd la Torre auf den neueren Stücken eher im tieferen Bereich, hat er bei den älteren die Gelegenheit zu zeigen, dass er ein würdiger Nachfolger von Geoff Tate ist. Er schafft locker mehrere Oktaven. Gleich vier Mal bedient sich die Gruppe bei „Operation: Mindcrime“. Neben dem Titelsong ist es vor allem „The Mission“, das im Gedächtnis hängen geblieben ist. Und logischerweise das fetzige „Eyes of a Stanger“ als letzte Zugabe.

Aber natürlich hat Queensrÿche noch ganz andere Klassiker drauf. „NM 156“ vom 1984er Album „The Warning“ ist ein erster Vorgeschmack auf die kommende Zeitreise back to the Roots. Bei „Walk in the Shadows“ von der 86er Scheibe „Rage for Order“ fangen die Augen der Fans schon sehnsüchtig an zu glänzen. Völlig aus dem Häuschen geraten sie beim kommenden Dreierpack.

Der Knaller „Queen of the Reich“ geht ganz weit zurück zu den Anfangen und zur ersten EP von 1983. „Silent Lucidity“ steht für den größten Hit der Band aus der 1990er-Empire-Scheibe (deren Titeltrack auch zu hören ist) und der eingängige Refrain von „Jet City Woman“ zeigt die große musikalische Spannbreite der Gruppe auf.

Einer geht noch: „Take Hold of the Flame“ ist das Sahnehäubchen eines vielumjubelten, überzeugenden Auftritts, dessen einziges Manko seine kurze Dauer von gerade mal 80 Minuten ist. Auch 38 Jahre nach Gründung haben die Prog-Metal-Heroen bewiesen, dass sie Feuer haben, dass neben den alten Klassikern auch die neue Scheibe „The Verdict“ viel Potenzial hat – inklusive einer Rückbesinnung auf frühere Tugenden bietet.

Mehr als nur eine Vorgruppe war „Firewind“ um den ehemaligen Ozzy-Osbourne-Gitarristen Gus G. Fünf Mann hoch bietet die Gruppe rohen, ungeschliffenen Power Metal mit einem paar symphonischen Einsprengseln. Wo Queensrÿche manchmal eher glatt produziert rüberkommen, strotzt Firewind mit dem deutschen Sänger Henning Basse vor ungestümer Kraft und holt die Fans hinterm Ofen hervor. Ein Top-Anheizer.           (Bild: PR)

Die Senioren haben sich viel zu erzählen

Lautes Stimmengewirr schallt durchs Oberzent-Museum Beerfelden. Die Senioren haben sich viel zu erzählen, denn in einem Monat kommt allerhand zusammen. Jeden ersten Montag im Monat findet in den urigen Räumlichkeiten das Museumscafé der Generationenhilfe statt. Der Bedarf ist da: Schnell werden noch zusätzlich Stühle gestellt und mehr Gedecke auf die Tische platziert. Es wird voll und gemütlich an diesem Dezember-Tag.

„Wir wollten das Museum wieder beleben“, erklärt die Vorsitzende Brigitte Schanbacher die Motivation zur Gründung des seit knapp sechs Jahren angebotenen Treffens. Außer während der Winterpause im Januar und Februar kommen die älteren Mitbürger, vor allem aus Beerfelden, hier in trauter Runde zusammen, um sich über Gott und die Welt auszutauschen.

Danach „wissen wir alles, was im Ort passiert“, lacht Schanbacher. Denn neben den eigenen Zipperlein wird natürlich gerne mal ausgiebig getratscht über das, was dem einen oder der anderen passierte. Das Interesse an der städtischen Politik ist ebenso da, gerade wenn es den eigenen Geldbeutel betrifft. So wurde etwa die Erhöhung der Abwassergebühren heiß diskutiert. Vorher waren es die zahlreichen Straßensperrungen.

Fünf Ehrenamtliche der Generationshilfe kümmern sich beim Museumscafé um das leibliche Wohl der Älteren ab 70 aufwärts. Der Kuchen wird von den Vereinsmitgliedern gespendet. Alle Besucher sind mit viel Hunger und Durst gesegnet. Finanziert wird die Veranstaltung durch Spenden.

Die Generationenhilfe organisiert aber nicht nur diesen Termin, sondern übernimmt auch Fahrdienste innerhalb von Oberzent, um nicht mehr mobile Einwohner von A nach B zu bringen. Im Frühjahr soll der von ihr auf die Beine gestellte Vereinsbus die einzelnen Stadtteile mit der Kernstadt verbinden. Daneben vermitteln die Ehrenamtlichen auch Betreuung für ältere Menschen, die noch zuhause leben wollen. Schanbacher nennt den Fall einer Seniorin, deren Tochter bei Mainz wohnt. Hier gelang es, zwei junge Frauen zu gewinnen.

An den Montagen gibt es wechselnde Themen. Die Ideen kommen auch aus der Runde. „Könnt ihr nicht einmal etwas zu diesem oder jenem anbieten“, wird die Vorsitzende gefragt. Im Dezember ist Polizeihauptkommissar Ralf Drexelius aus Darmstadt zu Gast, der Tipps für das Verhalten im Straßenverkehr gerade für die Senioren mitbringt. Das passt zur dunklen Jahreszeit.

„Wer fährt noch selbst Autos?“, fragt der Polizist in die Runde. Gleich ein paar Hände gehen hoch, stellt er erstaunt fest. Die Hälfte der Verunglückten it über 65, erläutert er. Die Senioren hören und sehen nicht mehr so gut, reagieren langsam, nennen die Angesprochenen selbstkritisch als Gründe. „Gibt es Ampeln?“, will Drexelius wissen. Denn der 52-Jährige kommt aus Brombachtal und kennt sich damit aus, dass auf dem Land oftmals die Signalanlagen Mangelware sind.

„Jetzt ja“, schmunzelt eine Seniorin. Allerdings nur wegen der Baustelle, die auch wieder verschwindet. Der Polizeibeamte gibt konkrete Tipps, damit keine Unfälle passieren. Am Zebrastreifen etwa stehenbleiben und Blickkontakt mit den Autofahrern herstellen. „Eine sichere Überquerung lohnt sich“, sollte man dafür auch einen kleinen Umweg in Kauf nehmen.

Das fällt bei den Besuchern auf fruchtbaren Boden. „Erwachsene sollten eine Vorbildfunktion haben“, sprechen sich die Älteren für die Nutzung des Zebrastreifens und das Warten auf Ampelgrün aus. Drexelius bindet die Senioren geschickt in seinen Vortrag ein und schafft es durch das Frage-Antwort-Spiel, dass er eigene Erfahrungen mitgeteilt bekommt.

Eindruck schinden seine Zahlen: etwa dass der Gurt lebenswichtig ist. Bei Tempo 30 lastet ein Gewicht von 1,3 Tonnen auf dem Passagier, bei 50 sind es schon über zwei. „So viel wie ein Elefant“, verdeutlicht er. Ähnlich beim Bremsweg: Der ist bei 50 mehr als doppelt so lang als bei 30, macht Drexelius klar. Weiterer Tipp: Gerade im Winter nicht nur dunkle Sachen anziehen, sondern auch etwas Reflektierendes. Leuchtende Armbänder hat er für die Teilnehmer gleich mit im Gepäck.