Nichts ist es mit dem Alleskönner-Dorftreff

Die Überlegungen für den Alleskönner-Dorftreff in Schöllenbach sind erst einmal passé. Eigentlich wollte die Stadt Oberzent die ehemalige Pension „Hesseneck“ aufkaufen und daraus sowohl Feuerwehrunterkunft als auch Vereins- und Veranstaltungsräume machen. Doch Pustekuchen. Wie jetzt auf der Ortsbeiratssitzung mitgeteilt wurde, veräußerte der Besitzer das Gebäude an einen privaten Interessenten, der mehr Geld auf den Tisch legte als mit der Stadt zuvor ausgemacht war.

Früher gab es im 240-Seelen-Dorf noch drei Gaststätten. Da war es für die Vereine kein Problem, einen Versammlungs- oder Veranstaltungsraum zu finden. Ein Dorfgemeinschaftshaus war noch nicht notwendig und von den Wirten natürlich auch nicht wirklich gewollt, weil sie um ihren Umsatz fürchteten. Aber nach und nach machte alles zu und die Schöllenbacher standen mit ihren Festivitäten auf der Straße. Man wich für Singstunden ins Rathaus aus.

Ein weiterer, dringender Handlungsgrund ist immer noch der Zustand des Feuerwehrhauses. Das ist in einem desolaten Zustand und müsste, um die Anforderungen des technischen Prüfdienstes zu erfüllen, aufwändig saniert werden. Was im Bestand ziemlich unmöglich ist, da auch eine bauliche Erweiterung nötig wäre, um die Umkleiden von der Fahrzeughalle zu trennen. „Alternativen werden jetzt geprüft“, teilte Ortsvorsteher Martin Pollak mit.

Fortschritte gibt es aber auf einer anderen „Baustelle“ in Schöllenbach, informierte er. Der Eutersee wurde am nördlichen Zufluss im Auftrag der Stadt ausgebaggert. Die Genehmigung hierfür hatte im vergangenen Jahr längere Zeit auf sich warten lassen, weil mehrere Behörden beteiligt waren. Mit den Arbeiten wollte man eine zunehmende Verlandung verhindern. Das Material soll an anderer Stelle verwendet werden, um dort eine Art Badeinsel entstehen zu lassen.

Das Hochwasser vor zwei Jahren hatte einige Zerstörung hinterlassen, die jetzt wieder in Ordnung gebracht werden mussten. Denn sonst wäre der See an bestimmten Stellen „zugespült worden“. In diesem Zuge wurde jetzt auch die Fischtreppe repariert.  Pollak nutzte die Gelegenheit, den Aktiven der IKEK-Gruppe mit Torsten Laqua und Anneli Hieronymus an der Spitze für ihr Engagement zu danken.

Denn die Vorarbeiten für die jetzige Maßnahme leisteten die Helfer bereits im vorvergangenen Jahr, als sie dort die wild gewucherten Sträucher entfernten. Es wäre jedoch viel zu teuer gewesen, die dort entstandene Insel abzutragen. Stattdessen sollte im Umfeld abgelagerter Sand ausgebaggert und aufgeschüttet werden.

Weiteres Thema der Sitzung war die alte, der Gemeinde gehörende Schulhaus-Glocke in Kailbach. Die ist zwischenzeitlich, nachdem erst die Kirche, dann ein Privatmann das (inzwischen abgerissene) Turmgebäude kaufte, in der Friedhofshalle gelagert. Auf dem Friedhof soll sie in Zukunft wieder erklingen. Die Stadt muss dafür noch einen Bauantrag erstellen, so Pollak. Mit Eigenleistung aus der Bürgerschaft soll die Glocke dann angebracht werden. Geläutet wird dann per Hand.

Wird es nach der nächsten Kommunalwahl im Frühjahr 2021 drei Ortsbeiräte für das frühere Hesseneck geben? Die Überlegungen dafür werden angestellt, erläuterte der Ortsvorsteher. Denn die Ausgewogenheit bei nur einem Gremium sei für drei Orte etwas schwierig herzustellen, referierte er. Dazu kommen auch noch die Nachteile beim Budget, wenn es nur einen Ortsbeirat gibt. Mit drei Gremien gäbe es insgesamt mehr Geld.

Steht eine räumliche Lösung für die Schöllenbacher Feuerwehr noch aus, so ist eine für die Hesselbacher Kameraden zumindest übergangsweise gefunden. Daie haben ein ähnliches Problem: Die Umkleiden sind bisher für Männlein und Weiblein zusammen in der Fahrzeughalle – Kälte und Fahrzeuggerüche inklusive.

Der Ankleideraum wird nun, teilte Pollak mit, ins nahe gelegene Dorfgemeinschaftshauses verlegt. Dort kann man beheizte Räumlichkeiten der ehemaligen Dorfschule nutzen. Sonnensegel, Federwippe und Obstbäume: Der Ortsbeirat nutzte sein Budget für diese Anschaffungen, so der Ortsvorsteher ergänzend.

 

Der Außenanstrich am Bürgerhaus ist fast fertiggestellt

1965 wurde das damalige Schulhaus der Stadt Beerfelden zum Bürgerhaus umgebaut. Seit dieser Zeit gab es nur Unterhaltungsarbeiten, aber keine tierfergehenden Sanierungen. In den vergangenen Jahren traten nun altersbedingt mehrfach Schäden bei der Gebäudeentwässerung auf. „Die verlegten Gussrohre waren derart marode, dass nur ein kompletter Austausch infrage kam“, schildert Stadtbaumeister Peter Bauer. Die sowieso erforderlichen Bauarbeiten nahm der Magistrat zum Anlass, im Bürgerhaus eine umfassende Renovierung der sanitären Anlagen durchzuführen.

Hierbei wurde laut Bauer die Gelegenheit genutzt, die Zuordnung der Toilettenanlagen auch umfassend funktional zu ändern und so im Erdgeschoss eine barrierefrei zugängliche behindertengerechte Toilette einzubauen. Durch diese funktionalen Änderungen konnte die Maßnahme im laufenden IKEK-Verfahren (integriertes kommunales Entwicklungskonzept) gefördert werden, erläutert er.

Die Heizungsanlage wurde außerdem mit einer neuen Steuerung versehen. Somit können die unterschiedlichen Nutzungseinheiten bedarfsgerecht mit Wärme versorgt werden. Die wird seit 2006 mit einer Pelletheizung im Keller erzeugt. Auch diese Maßnahmen wurden durch das IKEK-Verfahren gefördert. Die Fördersumme betrug insgesamt rund 179.000 Euro und wurde zu 75 Prozent bezuschusst. Zusätzlich wurde für das Familienzimmer im zweiten Obergeschoss noch eine neue Küche angeschafft und neue Zimmertüren eingebaut.

Durch die Veränderungen musste zuvor die Elektroinstallation VDE-gerecht hergestellt werden, informiert Bauer. Bestandspläne gab es keine, sodass neben dem zeitlichen Aufwand noch zusätzliche Arbeiten erforderlich wurden. Die alten und teilweise schon durchhängenden Putzflächen aus Schilfrohrmatten an den Decken waren teilweise nicht mehr zu retten. Viele Verputzflächen an Wänden mussten teilweise komplett erneuert werden.

In einigen Räumen war nur ein Anstrich vorgesehen. „Teilweise blieb jedoch der Altanstrich auf der Farbrolle hängen“, weiß Bauer um die Schwierigkeiten. Das bedeutete, dass die Untergründe zunächst umfangreich vorbereitet werden mussten. Im Gebäude sind nun nur noch kleinere Restarbeiten durchzuführen.

Nach Abschluss ist das Bürgerhaus nun auch energetisch auf dem neuesten Stand. Die funktionalen Änderungen, insbesondere die seniorengerechte Gestaltung der Toilettenanlagen und das barrierefrei zugängliche Behinderten-WC bis hin zur akustisch wirksamen Streulochdecke im Singsaal, sollen künftig ihren Beitrag dazu leisten, dass das Gebäude weiterhin eine vielseitig genutzte Begegnungsstätte für die Ortsbevölkerung bleibt.

In einem weiteren IKEK-Verfahren werden derzeit die Dacheindeckung in Biberschwanzziegeln, die Dachentwässerung sowie der Anstrich der Fassade denkmalgerecht erneuert. Seitens der Denkmalschutzbehörde des Odenwaldkreises gab es eine intensive Farbberatung. Künftig erstrahlt die Fassade nach historischen Vorbildern in einem gebrochenen Weiß. Die Baukosten an Dach und Fassade betragen rund 150.000 Euro, die ebenso mit 75 Prozent gefördert werden.

Ausbesserungsarbeiten waren auch an einem weiteren ortsbildprägenden Gebäude, der Alten Turnhalle in der Hirschhorner Straße, erforderlich. Die denkmalgeschützte Fachwerkkonstruktion musste insbesondere an der straßenseitigen Fassade fachgerecht saniert werden. Unter Begleitung der Denkmalschutzbehörde wurden teilweise verfaulte Bauteile an Schwellen, Pfosten, Riegeln und Streben fachgerecht herausgestemmt und ersetzt.

Des Weiteren wurde im Gebäude die Saalbeleuchtung erneuert. Hierbei kommen nun energiesparende LED-Strahler zum Einsatz. Im Rahmen des sogenannten Öko-Audits der Entega wurden die entsprechenden Voruntersuchungen durchgeführt. Alle Maßnahmen wurden im Rahmen der Hessenkasse gefördert, sodass von den veranschlagten Kosten in Höhe von 22.500 Euro die Stadt Oberzent zehn Prozent zu tragen hat.

 

Eindrucksvolle Demo der Windkraftgegner

Spätestens jetzt dürfte das ganze Höhendorf aufgeschreckt sein. Die vor einer Woche neu gegründete Bürgerinitiative (BI) „Rothenberg Pro Natur“ hatte zu einer Demonstration gegen mögliche Windenergieanlagen auf der Hirschhorner Höhe Richtung Beerfelden aufgerufen. Gleichzeitig sollte auf die Grundstückseigentümer Druck ausgeübt werden, ihre Flächen nicht für eine Rotoren-Errichtung an Projektierer zu verpachten.

Die Veranstalter können ihre Aktion als vollen Erfolg verbuchen. Geschätzt 300 Bürger machten ihrem Unmut lautstark Luft, dass 13 Windräder entstehen konnte. Eine Stunde lange bewegte sich der Demonstrationszug von der Sporthalle durchs 900-Seelen-Dorf bis zum Rathaus, unterbrochen von einigen Wortbeiträgen und vor allem großem Getöse durch Trillerpfeifen. Trotz der Kälte harrten die Teilnehmer bis zum Ende aus.

Die Demonstranten kamen dabei nicht nur aus Rothenberg selbst, sondern auch aus vielen anderen Odenwald-Orten. Start vertreten war die Überwald-Fraktion, die bereits mit der WEA „Stillfüssel“ bei Wald-Michelbach leidvolle Erfahrungen machte. Aber auch Mossautal (Kahlberg) und Breuberg waren dabei.

Noch ein zweites Ziel erreichte die BI: Angetreten mit dem Wunsch, die Werbeveranstaltung für die Waldbesitzer, angesetzt durch die Projektierer in der „Frischen Quelle“, zu stören, wurde diese von der betreffenden Firma im Vorfeld abgesagt, weil sie zu viel Gegenwind fürchtete.

Der ehemalige Landrat Horst Schnur, einer der engagiertesten Windkraft-Gegner im Kreis, stimmte die Menge vor der Sporthalle auf die Situation ein. Es geht darum, den Kahlschlag und die Betonierung für 13 Rotoren sowie die Landschaftszerstörung zu verhindern, betonte er. Die Akteure sehen sich laut Schnur auf einer Linie mit den Gremien der Stadt Oberzent. Die Schweigsamkeit der Bevölkerungsmehrheit in der öffentlichen Wahrnehmung sollte beendet werden, forderte er.

250 Meter hohe, subventionierte Rotoren im windschwachen Odenwald leisten dem Ex-Landrat zufolge „weder einen Beitrag zur Energiesicherheit noch zum Klimaschutz“. Stattdessen seien die andernorts gewonnenen Erkenntnisse zur Trinkwassergefährdung und zum gesundheitsschädlichen Infraschall zu berücksichtigen, betonte er. Bereits jetzt hätten die Rothenberger mit Blick nach Westen auch nachts die roten Blinkfeuer von drei Windparks (Greiner Eck, Kahlberg, Stillfüssel) vor Augen. Es dürfe kein Verpächter auf Kosten der Mitbürger deren Lebensqualität durch Windindustrieanlagen zerstören, hob er hervor.

Stadtverordneten-Vorsteher Claus Weyrauch unterstrich die Position des Gremiums, das sich bereits schon einmal gegen Windkraft auf der Gemarkung ausgesprochen hatte. Am kommenden Mittwoch ist ein weiterer Beschluss geplant, um das Gebiet von Oberzent Windanlagen frei zu halten. Weyrauch forderte klar eine Inkraftsetzung des Odenwaldkreis-Flächennutzungsplan zur Windkraft, der bisher vom Regierungspräsidium abgelehnt wird.

Irmgard Neuer begrüßte für die BI mit großer Freude die vielen Teilnehmer. Niemals hätte sie es sich träumen lassen, dass so viele Menschen zusammenkommen, meinte die Rothenbergerin. Vera Krug von der BI Gegenwind Ulfenbachtal-Siedelsbrunn ermahnte die Mitstreiter, nicht locker zu lassen und über die negativen Auswirkungen der Windkraft-Industrialisierung aufzuklären. Die Wälder sind ihren Worten zufolge die größten CO2-Speicher. „Keine Naturzerstörung hat jemals positive Auswirkungen auf das Klima“, so Krug.

Zur Sprache kam die Angst von Rothenberger Bürgern, dass ihr Dorf gespalten wird und die Geldgier der Verpächter siegen könnte. Krug erwähnte, dass sich bestimmt andere Käufer für die betreffenden Grundstücke finden lassen, wenn es allein um Geld gehe. Die Pacht, damit dort Windräder errichtet werden, betitelte sie als „Judaslohn“. Roland Wolf, Vorsitzender der neuen BI, betonte: „Wir haben etwas dagegen, dass ein paar weniger Profite auf Kosten der Allgemeinheit machen.“

 

 

 

Die PNE AG mit Sitz in Cuxhaven (jetzt im Eigentum von Morgan Stanley)  und die UKA Meißen Projektentwicklung planen derzeit auf dem im Regionalplan für Windkraft ausgewiesenen Flächen 23, 23 a und 23 b auf der Höhe zwischen Beerfelden (Trimmdichpfad) und Rothenberg etwa 13 Standorte für Rotoren. Hinzu kommt dem Vernehmen nach nun als neuer Interessent die bayrische VenSol Neue Energien GmbH aus Babenhausen (Bayern).

Oberzent-Neujahrsempfang: Jugendförderpreis für Singkreis Odenwald

Er sei froh, Bürgermeister in einer Stadt zu sein, „in der so viel geleistet wird“, bekannte Bürgermeister Christian Kehrer beim Neujahrsempfang der Stadt Oberzent in der Alten Turnhalle Beerfelden. Bis die Gäste im gestopft vollen Saal mit einem Glas Sekt aufs neue Jahr anstoßen durften, sollte allerdings einige Zeit vergehen. Denn das umfangreiche, aber auch kurzweilige Programm erforderte Sitzfleisch.

Die neu formierte „Big Band Oberzent“ sorgte für die musikalische Auflockerung zwischen einzelnen Punkten. In ihr haben sich etliche gestandene Männer plus ein Jungspund zusammengefunden, die der Spaß am Musizieren eint. Rauschender Beifall belohnte den Auftritt, der unter anderem ein Glenn-Miller-Medley und ein paar Rockstücke umfasste. Bei diesem Repertoire und den gezeigten musikalischen Fähigkeiten wäre ein eigenes Konzert der nächste logische Schritt.

Von den älteren Semestern zu den Jüngsten: Der Kinderchor des Singkreises Odenwald erhielt aus den Händen von Kehrer und Landrat Frank Matiaske nicht nur den mit 1000 Euro dotierten Jugendförderpreis, sondern eroberte mit zwei Stücken auch die Herzen der Zuhörer. Unter der Leitung von Melanie De Meo wurden bei „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ Schneebälle übers Publikum ausgeschüttet.

Matiaske nahm es mit Humor, dass er direkt nach dem schwungvollen Auftritt der Big Band ans Mikro trat. „Viele hätten gerne eine heiße Sohle auf Parkett legen wollen und jetzt kommt das Grußwort des Landrats“, schmunzelte er. „Von deinen Kindern lernst du mehr als sie von dir. Sie lernen eine Welt von dir, die nicht mehr ist, du lernst von ihnen eine, die nun wird und gilt“, stellte er ein Bonmot von Friedrich Rückert in den Mittelpunkt.

„Die Jugend ist unsere Zukunft“, führte Matiaske in sein Lieblingsthema ein, den demographischen Wandel. Angesichts von schrumpfenden Dörfern auf dem Land sah er eine Beschäftigung damit als brennender denn je an. Der Landrat zeigte sich den vielen Vereinen gegenüber dankbar, die Kindern im Odenwald eine gute Jugend bieten. Damit wird seinen Worten zufolge eine wichtige Basis geschaffen, damit diese nach Ausbildung und Studium in der Ferne wieder in die Heimat zurückkehren.

Bisher auf Beerfelden beschränkt, kann der Jugendförderpreis seit der Fusion an Vereine in ganz Oberzent ausgeschüttet werden, informierte Kehrer. Ohne die Vereine ist für ihn die gemeinsame Stadt nicht vorstellbar. „Es ist einiges geboten in 19 Stadtteilen“, sagte der Bürgermeister. Er rief die Bürger auf, den gemeinsam begonnenen Weg weiter zu beschreiten. Beifall bekam Kehrer für seinen Appell, „nicht zu meckern, sondern rauszugehen“, den er im Zusammenhang mit den weniger werdenden Gaststätten an die Zuschauer richtete.

In seinem Jahresrückblick griff das Stadtoberhaupt einige prägnante Ereignisse von 2019 heraus. Natürlich dabei: die Musiknacht, bei der der Rathaus-Innenhof mangels der Masse an Kneipen „zur Partyzone wurde“. Oder Sportlerehrung, Zirkuswochen und Pferdemarkt, um nur einige zur nennen. Als Highlight nannte Kehrer den Seniorennachmittag, der hunderte von älteren Mitbürgern in die Walter-Heckmann-Halle führte, wo sie Tommy Steiner und Bata Illic lauschten.

Nicht nur in diesem Zusammenhang stellte er sein Rathausteam heraus, „das nicht auf die Uhr schaut“ und viele Veranstaltungen wie auch den Neujahrsempfang ehrenamtlich begleitet. OREG, Wirtschaftsförderung, Gewerbegebiet Zieglersfeld, Oberzent-Schule oder Revive Oberzent waren weitere erwähnte Punkte.

Grußworte richtete neben der Verleihung von Dankpräsenten Stadtverordnetenvorsteher Claus Weyrauch an die Gäste. Vor der Preisverleihung des Taschen-Gewinnspiels gab es einen eindrucksvollen Vortrag von Silke Naun-Bates. Sie sieht sich nach ihren schweren Unfall im Kindesalter, nach dem ihr beide Beine amputiert werden mussten, als „Botschafterin“ des Glücks, der Freiheit und des Friedens. Die in Bad Rappenau wohnende will Menschen Mut und Hoffnung schenken.

Huldigung der „Queen of Soul“

Was für eine Huldigung der „Queen of Soul“. Mit Jessica Born, Ina Morgan und Isabella Hof haben sich in der „Aretha Franklin Tribute Night“ drei Ausnahmesängerinnen aus dem Aschaffenburger Raum zusammengetan, um der vor eineinhalb Jahren gestorbenen Ausnahmekünstlerin Tribut zu zollen. Heraus kommt ein hochkarätiges Programm mit exzellenten Instrumentalisten, das durchaus ein paar mehr Zuschauer im Hüttenwerk Michelstadt  vertragen hätte.

„Son of a Preacherman“ geht nach dem Einstieg gleich in die Vollen. Hof, Gewinnerin des deutschen Rock- und Pop-Preises 2000, die bereits mit Rodger Hodgson (Supertramp) und John Davis (Milli Vanilli) zusammenarbeitete, zeigt hier gleich, warum sie eine so begehrte Künstlerin ist. Mal solo, mal zu dritt, mal mit einer Lead- und zwei Backgroundstimme, bestreiten die drei ihr Programm.

„Say a little Prayer“ sieht Ina Morgan den Song röhren, während sie die anderen beiden im Hintergrund unterstützen. Sie macht deutlich, dass sie zurecht deutschlandweit als Sängerin sehr gefragt ist und schon mit etlichen Größen der Szene auf der Bühne stand. Andy Kirchner (Gitarre), Gernot Dechert (Saxophon), Jörg Dewald (Keyboard/Vocals), Bernhard Kraft (Bass) und Martin Geiberger (Schlagzeug) sorgen für einen dichten Soundteppich, immer dirigiert von den drei Frontfrauen. Besonders Saxophon, Gitarre und Keyboard tun sich außerdem mit schönen Soli hervor.

Jessica Born ist an diesem Abend federführend für die Balladen zuständig. „Ain’t no way“ jagt einen Schauer nach dem anderen über den Rücken, wenn sie mit ihrer Janis Joplin angehauchten Stimme den Song förmlich zelebriert und ihren Schmerz mit Inbrunst herausschreit. Born ist einfach prädestiniert für die Blues- und Soul-Stücke, denen sie ungeheuer viele Emotionen mitgibt.

Ein paar langsame Stücke zu Beginn sind allerdings ein bisschen viel, sie ziehen die Stimmung gerade bei weniger Publikum ein wenig runter. Langsam geht’s dann wieder aufwärts. Erst die Disco-Nummer „Who’s zooming you“ und dann Aretha Franklins Meilenstein schlechthin: der Nummer-eins-Hit „Respect“, die Hymne der afroamerikanischen Befreiungs- und Frauenbewegung. Isabella Hof geht voll aus sich raus. Es kommt Bewegung in den Saal. Rechts wird schon kräftig getanzt, links zumindest zaghaft der Kopf bewegt.

Gegen Ende des ersten Sets kommen dann Kracher auf Kracher. Ina Morgan ist für „Spanish Harlem“ zuständig, ehe der Welthit aus dem Blues-Brothers-Film den vorläufigen Höhepunkt bildet: „Think“ mit Jessica Born, der dieses Stück wie auf den Leib geschrieben ist. Sie hat einfach am meisten Feeling in der Stimme, ohne die Leistung der beiden anderen schmälern zu wollen.

Dass Abrocken extrem viel Spaß macht, zeigen die drei bei „Jumping Jack Flash“ in der Version von Aretha Franklin. Isa Hof gibt die Vorsängerin, während Andy Kirchner ein Keith-Richards-Solo mit Angus-Young-Bewegungen runterrotzt, dass es eine Freude ist. In die zweite Halbzeit geht es mit weiteren Knallern des 1942 in Memphis, Tennessee, geborenen Weltstars Franklin.

„Chain of Fools“, „Natural Woman“, „I necer loved a Man“ oder „Sisters are doing it for themselves“ bilden einen bunten Querschnitt des Schaffens der 18-maligen Grammy-Gewinnerin. Kein Wunder, dass die Fans nicht genug bekommen und sich auch in kleinerer Zahl mit „Do right“ und „Baby I love you“ Zugaben erklatschen. Eine große Hommage an eine unvergessene Künstlerin, die mit 76 Jahren viel zu früh starb.

Der Tod als Mittel zur Fluchtverhinderung

Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall fasziniert dieses prägende Ereignis der deutschen Nachkriegsgeschichte junge Menschen immer noch. Über 100 Schüler der neunten und zehnten Klassen an der Oberzent-Schule Beerfelden lauschten gebannt den Ausführungen von Volkmar Raabe, früher Grenzschützer und dann Polizeihauptkommissar in Erbach. Vor dreieinhalb Jahren hatte er den heutigen Schulleiter Bernd Siefert mit dessen zehnter Klasse nach „Point Alpha“ an der innerdeutschen Grenze begleitet, erläuterte dieser in der Begrüßung.

Das prägendste Erlebnis seiner Tätigkeit als Grenzschützer hatte Volkmar Raabe 1982. Genauer gesagt am 29. März. Damals musste er mit anschauen, wie ein DDR-Flüchtling an der innerdeutschen Grenze von zwei NVA-Soldaten im Todesstreifen angeschossen wurde und 25 Meter vor dem rettenden bundesdeutschen Gebiet verblutete.

„Wir mussten den Notarzt festhalten, damit der nicht auch noch erschossen wird“, schilderte der ehemalige Polizeihauptkommissar die traumatische Situation, die ihn fast 40 Jahre später immer noch erfolgt. Ein Kreuz und ein Schild erinnern heute an die fehlgeschlagene Flucht von Hans-Josef Große. „Hier wurde ein Mensch erschossen, der von Deutschland nach Deutschland wollte“, ist darauf zu lesen. Große war einer von 715 Menschen, die von 1961 bis 1989 an der innerdeutschen Grenze zu Tode kamen, schilderte Raabe. Mit Berlin waren es sogar 872.

Dass der sogenannte „antifaschistische Schutzwall“ nur dem Zweck diente, die DDR-Bevölkerung an der Flucht in den Westen zu hindern, machte der ehemalige Grenzbeamte an der Tatsache fest, dass die Selbstschussanlagen nur nach Osten, ins eigene Land, gerichtet waren. „Vom Westen her konnte man die Befestigungen leicht überwinden“, sagte er.

Wie stark die heutige Gesellschaft durch Migration geprägt ist, machte der ehemalige Polizist anschaulich deutlich. Er ließ alle Schüler aufstehen und fragte dann nach und nach ab, wer selbst einen Migrationshintergrund hat, wessen Eltern und Großeltern zugewandert sind. Diejenigen durften sich setzen. Am Schluss stand nur noch ein Drittel der Jugendlichen.

In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961, als in Berlin der Mauerbau begann, gab es eine „brandgefährliche Situation“ mit den beiden Machtblöcken kurz vor einem erneuten Krieg. Genau in dieser Nacht flüchtete auch Raabes Familie von Ost- nach West-Berlin. Der Vater hatte aufgrund seiner Tätigkeit als Finanzbeamter Wind von den geplanten Ereignissen bekommen, war als Christ aufgrund seines öffentlichen Bekenntnisses zuvor schon verfolgt worden.

Nach dem Mauerbau wurde laut dem ehemaligen Grenzpolizisten auch der Aufbau der innerdeutschen Grenze immer mehr vorangetrieben. „Ab 1975 habe ich das selbst erlebt“, so Raabe. Zaun, Kfz-Sperrgraben, Spurensicherungsgraben, Kolonnenweg, Wachtürme, Minengürtel, später Selbstschutzanlagen – in deutscher Gründlichkeit wurde auf 1400 Kilometern quer durchs Land ein monströser, menschenverachtender Tötungsapparat hochgezogen.

Die DDR-Grenzanlagen sahen laut dem früheren Erbacher Polizisten „den Tod als Mittel zur Fluchtverhinderung“ vor. Erst waren es Minenstreifen, die die Flucht von Ost nach West verhindern sollten, dann ab 1971 die Selbstschussanlagen. Bevor die Mauer 1989 fiel, habe es bereits Pläne gegeben, alles elektronisch aufzurüsten.

Die Grenzziehung brachte laut Raabe aber auch so manch abstruse Ereignisse mit sich. So musste bei Lindewerra der hessische Zug ein Stück über thüringisches Gebiet fahren – was dazu führte, dass er dort von russischen Soldaten kontrolliert wurde. Um das zu ändern, gab es eine Grenzbegradigung, vereinbart zwischen Amerikanern und Russen: die sogenannte Whisky-Wodka-Linie.

Von Schülerseite wurde darauf hingewiesen, dass es auch heute noch Mauern zwischen Staaten gibt: Nord- und Südkorea sowie Israel und Palästina sind nur zwei Beispiele. Von Lehrerseite wurden die USA und Mexiko ergänzt. Lehrerin Barbara Bohn betonte zum Schluss die Wichtigkeit, keine neuen Grenzen zu errichten.

 

 

Volkmar Raabe, 1955 in der ehemaligen DDR geboren, flüchtete 1961 mit seinen Eltern erst von Ost- nach West-Berlin, kam vom Auffanglager Marienfelde dann ins Saarland und wuchs in Saarlouis auf. 1975 fing er beim Bundesgrenzschutz an und war danach an der innerdeutschen Grenze zwischen Hessen und Thüringen in den verschiedensten Funktionen stationiert. 1992 wechselte er zur hessischen Polizei und erlebte dort verschiedene große Einsätze mit. Im Jahr 2000 kam Raabe zur Erbacher Polizei. Dort war der Polizeihauptkommissar bis zu seiner Pensionierung als Jugendkoordinator und Pressesprecher tätig. Heute ist Raabe als Diakon in der katholischen Kirchengemeinde Michelstadt aktiv.

Eigentümer sollen ihr Grundstück nicht hergeben

Wehret den Anfängen. Schon heute haben die Rothenberger freie Sicht auf drei Windenergieparks auf den gegenüberliegenden Hügeln. Greiner Eck, Stillfüssel und Kahlberg blinken aus den verschiedenen Himmelsrichtungen, als die BI Gegenwind Beerfelden-Rothenberg zur Info über die aktuelle Planung der Projektierer für 13 Rotoren in den Wäldern auf der Hirschhorner Höhe eingeladen hat. Über 100 Interessierte quetschen sich in den Saal des Hotels „Hirsch“.

Eines einte die Referenten: Der Appell an die Grundstückseigentümer, nicht den kurzfristigen Profit zu sehen, sondern die langfristigen Auswirkungen. Denn in den vergangenen Wochen war durchgesickert, dass interessierte Firmen an die Bürger herangetreten waren, um für den Bau notwendige Flächen zu pachten.

Bürgermeister Christian Kehrer formulierte seinen Aufruf eher salomonisch, indem er die Verantwortung der Einwohner ansprach. Vera Krug von der BI Ulfenbachtal und Siedelsbrunn nahm kein Blatt vor den Mund und sah eine Spaltung des Dorfs voraus, wenn wenige auf Kosten der Mehrheit Geld machen wollten. Geld übrigens, das ein schöner Schein sein könnte, wenn nämlich nach dem Abschreibungszeitraum die Rückbaukosten an den Grundstückseigentümern hängen bleiben.

Andreas Krauch von der örtlichen BI führte in die Veranstaltung ein. Im Hintergrund liefen auf der Leinwand verschiedene Animationen, wie die Odenwald-Hügel zugepflastert werden könnten, wenn alle dafür ausgewiesenen Gebiete für Windenergie genutzt werden. Finkenberg, Katzenwinkel, Flockenbusch und eben die Hirschhorner Höhe: Rothenberg wäre eingekesselt.

Bürgermeister Kehrer lobte die sachliche und fachliche Diskussion mit der Bürgerinitiative. „Die breite Masse schweigt“: Damit umschrieb der Rathauschef die Schwierigkeit der Kommunalpolitik in der Abschätzung, „wohin die Reise gehen soll“. Er zeichnete die Planung der Odenwald-Kommunen nach, einen eigenen Flächennutzungsplan für Windkraft auszustellen, der aber vom Regierungspräsidium kassiert wurde. Doch einen Plan braucht’s, sonst gilt laut Kehrer das Baugesetzbuch ohne weiter Einschränkungen.

Der Rathauschef kritisierte das Zustandekommen des Regionalplans, der den Kommunen „übergestülpt“ wurde. Daneben sind die potenziellen Betreiber sehr zugeknöpft, wann um den Ertrag der Anlagen geht, monierte er. Auch der Rückbau sei ein großes Thema. „Da sind viele Fragen offen“, so der Bürgermeister. Er verwies auf einen Bericht des Umweltbundesamts, in dem der Rückbau und die damit einhergehenden Probleme thematisiert werden.

„Bitte überlegen Sie es sich gut“, meinte er in Richtung der Grundstückseigentümer, auch wenn das schnell verdiente Geld verlockend sei. „Denken Sie an die nachfolgenden Generationen.“ Kehrer wünschte sich von den Windkraft-Betreibern mehr Transparenz. „Wir müssen uns ernsthaft Gedanken um die Energiewende machen“, betonte er. Deutschland könne die Welt nicht retten, aber mit gutem Beispiel vorangehen. In der kommenden Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung wird ein FDP-Antrag behandelt, der die künftige Haltung Oberzents zur Windenergie festzurren soll.

Deren Fraktionsvorsitzender Frank Leutz, Geschäftsführer des Reha plus, beleuchtete die gesundheitlichen Risiken. Er ging vor allem auf den Infraschall ein. Das sogenannte „Windturbinensyndrom“ tritt seinen Worten zufolge bei 20 Prozent der Bevölkerung auf. „Es ist fahrlässig, so mit der Gesundheit der Menschen umzugehen“, sagte er. In anderen Ländern gehe man mit dem Thema viel kritischer um. Die Bürger auf dem Land bezeichnete Leutz als „Versuchskaninchen fürs große Geld“, denn in der Stadt gibt es keine Windräder.

Ein Antrag des Ärzterats auf Untersuchung dieses Phänomens ist bis heute nicht erfolgt. Er sah „kein besonders begründetes öffentliches Interesse“ in der Windenergie, sodass dafür die Wälder abgeholzt werden dürften. 30.0000 Windräder produzierten nur vier Prozent des Primärstroms, stellte Leutz die Wirtschaftlichkeit in Frage. Er bezeichnete die Planungen als „einen Wahnsinn, der gestoppt werden muss“.

Als Gast erläuterte Vera Krug als Wald-Michelbach-Siedelsbrunn, wie der dortige Windpark „Stillfüssel“ zustande kam. Sie hatte ferner eine Karte aus dem Teilflächennutzungsplan mitgebracht, der die verschiedenen Planungsflächen in Südhessen aufführt. Daraus wurde deutlich, dass auf etlichen benachbarten Hügeln Gebiete ausgewiesen sind. Obwohl im Gebiet Stillfüssel viele gefährdete Arten nachgewiesen wurden, gab es eine Genehmigung. „Wir waren geschockt“, so Krug. Die Bürger „fühlen sich von der Politik verlassen“. Die Vorsitzende des Vereins Leben und Freiheit, selbst in der Nähe von Stillfüssel wohnhaft, berichtete von ihren eigenen Infraschall-Erfahrungen. „Wenn wir könnten, würden wir sofort gehen“, sah sie die Lebensqualität nicht mehr gegeben. Krug baute einen großen moralischen Druck Richtung Grundstückseigentümer auf, nicht ihr Gelände zu verpachten. „Wir alle wollen das Klima retten, aber nicht durch Naturzerstörung“, postulierte sie.