Mit neuen Ideen die Innenstadt-Entwicklung angehen

Beerfelden. Bauruinen mit toten Fenstern, leerstehende Geschäfte, geschlossene Restaurants: An der Innenstadt von Beerfelden nagt der Zahn der Zeit, gepaart mit zunehmendem Leerstand. Der Stadtpolitik ist diese Entwicklung schon länger ein Dorn im Auge. Bisherige Konzepte zeitigen jedoch wenig Erfolg. Jetzt gibt es einen neuen Anlauf, für den alle Fraktionen große Notwendigkeit sehen.

Katharina Riesinger (ÜWO) sieht ein Problem darin, eine Nutzungsmöglichkeit für die vielen leerstehenden Ladengeschäfte zu finden. Der Einzelhandel, so wie er früher in der Stadt war, „findet immer weniger Abnehmer und auch Betreiber“. Daher sind alternative Ideen wichtig, betont sie. Dazu zählt Riesinger etwa die Umgestaltung zu Büro- oder (altersgerechten) Wohnflächen.

Leider hat die Stadt wenig Einflussmöglichkeiten auf private Eigentümer, bedauert sie. Deshalb gilt es ein Konzept zu entwickeln und mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen, „um deren Empfinden und Meinungen einzuholen und somit an einem gemeinsamen Weg und Ideenkonzept arbeiten zu können“. Die relevante und zeitlich eng gestrickte Vergabe von Fördermitteln erfordert von der Stadt „ein Ideenkonzept aus der Schublade“, führt die Vorsitzende des Bauausschuss aus.

Die Überparteiliche Wählergemeinschaft begrüßt auch den Gedanken einer kreisweiten Baugenossenschaft, erläutert Riesinger. Denn das Problem der Erhaltung und Entwicklung von Innenstädten betrifft fast alle Kommunen. Eine solche Gesellschaft könnte viele Synergien mit sich bringen und die gemeindlichen Haushalte entlasten, denkt sie.

Dem schleichend größer werdenden Leerstand „muss aktiv gegengesteuert werden“, betont Thomas Ihrig für die SPD-Fraktion. Allerdings ist ihm wie auch Riesinger bewusst, „dass die direkten Veränderungsmöglichkeiten sehr begrenzt sind“. Ohne oder gegen die Eigentümer kann man wenig ausrichten, so Ihrig. Deshalb müssen Kontakte geknüpft und Perspektiven eröffnet werden.

Die SPD wünscht sich, sagt er, eine Konzepterstellung für das weitere Vorgehen unter Hinzunahme externen Fachwissens. Außerdem soll es eine breite Beteiligung verschiedener Akteure von Verwaltung, Politik, Ortsbeirat hin bis zum Gewerbeverein geben. Dafür bietet sich die Bildung eines Arbeitskreises an. Es ist laut Ihrig in diesem Zusammenhang zu prüfen, inwieweit die Stadt selbst trotz ihrer Finanzlage eigenständige Aktivitäten starten kann.    

Eine lebendige Innenstadt darf nicht nur durch Geschäfte attraktiv gemacht werden, fordert Frank Leutz (FDP). „Die Menschen sollen sich zu jeder Zeit wohlfühlen können.“. Es sollte einen Anreiz geben, sich im Zentrum aufhalten zu wollen. Eine Prognose des Kaufverhaltens für die nächsten Jahre muss seinen Worten zufolge in die Überlegungen einbezogen werden. „Wir sollten kleinere Geschäfte bei Nachfolgeregelung besser unterstützen – zum Beispiel mit Einzelgesprächen“, so Leutz.

Eine erfolgreiche Stadtentwicklung muss laut dem FDP-Mann auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sein. Dafür braucht es ein Ziel: „Welche Investoren wollen wir aktiv für Oberzent gewinnen? Warum sollen sie sich hier engagieren? Welche Voraussetzungen sind notwendig?“ Er will kein neues Konzept, weil es schon genug gibt, sondern die Strategie überdenken.

Dazu zählt: Wohnraum schaffen durch kluge Konzepte. Daher sieht Leutz ähnlich wie Riesinger die Gewinnung einer Wohnungsbaufirma als Investor und die Schaffung von barrierefreiem Wohnraum oder Eigentumswohnungen sowie den Abriss von Bauruinen als einen Schritt, „der uns alle weiterbringen würde“. Zur Attraktivität einer Innenstadt gehört für ihn auch deren äußeres Erscheinungsbild. „Sauberkeit muss künftig eine noch höhere Priorität genießen“, so Leutz.

Teilabschnitte, viele kleine Schritte, werden bei der Innenstadtentwicklung nötig sein, erklärt Walter Gerbig (CDU). Die in den vergangenen 20 Jahren entstandenen Konzepte führten nicht zu weitergehenden Maßnahmen, bedauert er. Zwar wurde im öffentlichen kommunalen Bereich einiges durchgeführt, „die Innenstadt verkam aber in dieser Zeit“, kritisiert er.

Seitdem prägen, so der Fraktionssprecher, Leerstand, Geschäftsaufgaben, Nicht-Weiterführung der Geschäfte wegen Nachfolger-Mangel und Wegzug der Alteigentümer in den Außenbereich den Anblick. „Es müssen jetzt alle an Bord, um Bewegung reinzubekommen“, sieht er es wie Ihrig. Zunächst sollten sich die Akteure einigen, welches Ziel für den zu definierenden Innenstadt-Bereich als Satzung festzulegen ist.

Dann sollte man ein Fachbüro für deren Erstellung gewinnen. Das Aufspringen auf die derzeit angebotenen Förderprogramme „Zukunft Innenstadt“ des Landes betrachtet Gerbig in dieser frühen Phase nicht als zielführend. „Das erweckt nur den Eindruck der Aktivität, ohne ein bestehendes Problem zu lösen.“

„Neue und zeitnah umsetzbare Impulse“ fordert Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne). Denn sonst wird ihrer Meinung nach „der Abwärtstrend unumkehrbar“. Aber leider fehlen Visionen, wie eine moderne Innenstadt in zehn oder 20 Jahren aussehen könnte, mahnt sie. Die Grünen wünschen sich deshalb etwa ein Gründerzentrum mit günstigen und flexiblen Büro- und Konferenzräumen.

Der Ankauf von leerstehenden Gebäuden könnte die planerische Gestaltungsmöglichkeit durch die Stadt verbessern, denkt sie. Mit einzelnen Leuchtturmprojekten, die wabenmäßig nach Bedarf weiterentwickelt werden können, sollte ein Anfang gemacht werden, fordert Bühler-Kowarsch. „Die Innenstadt muss neu gedacht werden“, ist ihr Credo. Eine externe Städteplanung von außen sieht sie als notwendig an, „um ein zukunftsfähiges Konzept zu entwickeln“.

Rothenberger Grundschüler wandeln auf den Spuren des letzten Ritters von Hirschhorn

(Mitteilung der Rothenberger Grundschule) Zum Abschluss der Themeneinheit „Mittelalter“ begaben sich die Schüler der Klasse 3 auf eine spannende Spurensuche und erfuhren hautnah, wie die Menschen vor über 750 Jahren lebten. Einblicke aus erster Hand gab auf Schloss Hirschhorn Jürgen Waibel, der als Ritter Friedrich die Kinder mit auf die Zeitreise nahm.

Nach der Wanderung von Kortelshütte aus wurden wir vor den Toren der damaligen Burg Hirschhorn von Herrn Waibel, der sich als Ritter Friedrich vorstellte, herzlich in Empfang genommen. Hier begann die Tour mit den ersten interessanten Details zur Entstehung und zum Aufbau der Burg. So erfuhren wir, dass die Burg um 1260 erbaut wurde und der erste urkundlich erwähnte Ritter Johann war.

Eine Burg musste damals gut geschützt werden. Die imposante, ein Meter vierzig dicke Schildmauer, die dank Kalkstein und Wasser heute noch so stabil ist, erfüllte diese Rolle und beeindruckte die Schüler. Kaum vorstellen kann man sich heute, dass ein damals vorhandener 16 Meter tiefer Graben perfekt vor Angriffen vom Berg schützte. Vom 26 Meter hohen Bergfried aus ließ sich außerdem leicht zwischen Freund oder Feind unterscheiden.

Dass die Burg dadurch schier uneinnehmbar war und darüber hinaus nie angegriffen wurde, war außerdem der geschickten Heiratspolitik mit umliegenden Adelshäusern zu verdanken. Das Thema Verteidigung übte dennoch große Faszination auf die Schüler aus. So erfuhren wir, dass sich die Ritter anfangs mit Pfeilen, später mit der Armbrust und dann mit Gewehren verteidigten. Wir erfuhren außerdem, dass das Tor eine besondere Schwachstelle darstellte und deshalb mit einer Pechnase versehen war, deren Einsatz unliebsame Eindringlinge schnell in die Schranken wies.

Die Schüler staunten, als sie erfuhren, dass außerdem Bienen bei der Verteidigung des Eingangs eine besondere Rolle spielten. Herr Waibel erklärte, dass die damals wilden und aggressiven Bienen in Körben auf potenzielle Angreifer geworfen wurden. Heilfroh waren die Schüler nach dieser Erzählung, dass ihnen heute, nach über 750 Jahren, der Eintritt in das Innere der Burg nicht verwehrt wurde. Voller Stolz traten sie, wie die Wachen damals, durch das Schlupfloch im Riegeltor in den Burghof ein.

Neben interessanten Einblicken in das Ritterleben erfuhr die Klasse dort außerdem, dass Hirschhorn im Jahr 1391 Stadtrechte verliehen bekam und somit die Bürger keine Leibeigenen mehr waren. Ein weiterer Fortschritt folgte 1404 mit dem Verleih der Marktrechte sowie dem Bau des Karmeliterklosters. So war es damals etwas ganz besonderes, dass es auch armen Bauernkindern ermöglicht wurde, in die Klosterschule zu gehen um Lesen und Schreiben zu lernen. Dass etwas heute so selbstverständliches damals so besonders war, brachte die Klasse zum Nachdenken.

Wie begeistert die Schüler auch nach über einer Stunde dem Vortrag Herrn Waibels lauschten, lässt sich auch anhand der vielen Fragen ihrerseits erahnen. Wieso die Burg heute ein Schloss sei, wollte ein Schüler wissen. So erfuhren wir, dass im Laufe der Jahre die Burg stets erweitert und ausgebaut wurde. 1583 ließ Ritter Ludwig das heutige Schloss anbauen, welches seine Frau fertigstellen ließ. 1959 wurde das Schloss zum heute noch erhaltenen Hotel und Restaurant umfunktioniert und begeistert nach wie vor seine Gäste.

Um das Leben als Ritter oder Burgfräulein hautnah nachempfinden zu können, ließ uns „Ritter Friedrich“ schließlich in das Innere des Schlosses eintreten. Neben dem informativen Gang durch die neu eröffnete Ausstellung, warfen wir einen Blick in den heutigen Trausaal, der früher eine Kapelle war. Nachdem die Schüler sogar das von Ritter Friedrich mitgebrachte Schwert und Schild in den Händen halten durften, fehlte als abschließendes Highlight lediglich das Erklimmen des Bergfrieds, um sich wie ein echter Ritter zu fühlen. Die Schüler waren sich einig: Dies war ein gelungener Abschluss für diesen ereignisreichen Tag!

Von Odenwald-Hügeln hinunter ins Neckartal

Hirschhorn/Rothenberg. Erst kulturelle, dann kulinarische Highlights: Die Odenwald-Neckar-Runde von Rothenberg über Kortelshütte nach Hirschhorn und wieder zurück führt durch herrlichen Herbstwald. Auf 15 Kilometern wird es zu keiner Zeit langweilig, denn immer locken neben Sehenswürdigkeiten auch tolle Ausblicke weit in die Ferne. Wanderer sollten sich aber vor längeren Bergetappen nicht scheuen, denn es gilt fast 500 Höhenmeter zu überwinden.

Schon beim Start können wir tief in die Geschichte eintauchen. Am Steinkreuz am Ortsausgang von Rothenberg neben dem Weg Richtung Flugplatz befindet sich unser Parkplatz. Beim Kreuz handelt sich um ein Rechtsdenkmal in Sachen Mord oder Totschlag. Die meisten Objekte dieser Art in Deutschland stammen aus der Zeit zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert.

Der Weg von Rothenberg nach Süden war früher Teil der uralten, wahrscheinlich schon von den Römern genutzten Straße, die das Neckartal mit den Höhen des östlichen Odenwaldes verband. Und genau dorthin, nach Hirschhorn, wollen wir auch. Wir wandeln somit auf historischen Pfaden. Zunächst führt uns der Weg am Waldrand entlang und taucht ein Stück hinein, um der Allee mit den dort angepflanzten Bäumen des Jahres zu folgen.

Mitten im Nirgendwo führt uns die Beschilderung R5 scharf rechts auf die Häuser von Kortelshütte zu. Am Kohlstöck erblicken wir den Ort und haben gleichzeitig eine schöne Aussicht über Odenwald-Hügel. Immer oberhalb der Bebauung hat uns bald der Wald bald wieder – und verlässt uns ab dann auch nicht bis zum Hirschhorner Schloss. Das Gefälle auf der Strecke verschafft uns einen Vorgeschmack darauf, was uns später an Anstieg auf dem Rückweg erwartet.

Nach der Sanierung für drei Millionen Euro lohnt es sich, dem ehemaligen Domizil der Ritter von Hirschhorn einen genaueren Blick zu gönnen. Denn der hessische Immobilien-Landesbetrieb legte viel Wert darauf, bei der Erneuerung „Back to the roots“ zu gehen, möglichst viele Elemente aus früheren Zeiten wieder zurückzuholen und Scheußlichkeiten der 1960er Jahre verschwinden zu lassen.

Ein Schwerpunkt der (äußeren) Instandsetzungsarbeiten war der Zwingerbereich. Der war fast komplett verfüllt. Da durch den Druck eine starke Rissbildung im Mauerwerk erkennbar war, wurden Massen an Erde und Gestein herausgeschafft. Der Zwinger soll in Zukunft für Führungen zugänglich gemacht werden.

Eine wahre Herkulesarbeit war die Sanierung von innerer und äußere Mauer sowie Turmstumpf. Auf der kompletten Länge wurde der Bewuchs entfernt. Die Schießscharten waren teilweise nicht mehr erkennbar. Die Mauer Richtung Kloster wurde komplett vom Efeu befreit. Auch innen wurde hart gearbeitet: Den Palas, quasi das frühere „Wohnzimmer“ der Ritter, legte man komplett frei, beseitigte frühere Trennwände und richtete ihn wieder so her, als wären die damaligen Besitzer gerade ausgezogen.

Leider ist eine Stärkung im Schloss noch nicht möglich, da sich immer noch kein interessierter Gastronom für den Betrieb gefunden hat. Deshalb ist Rucksackverpflegung anzuraten, die sich auf der Terrasse mit herrlichem Blick über Hirschhorn und das Neckartal oder im Schlosshof genießen lässt. Dabei lässt sich auch die Neckar-Doppelschleife bewundern, die der Fluss in Millionen von Jahren in die Landschaft gegraben hat.

Eine Rast mit kräftiger Stärkung ist auch dringend zu empfehlen. Denn jetzt kommt der härteste Abschnitt der Tour. Auf kürzester Distanz legen wir mehr als 200 Höhenmeter steil bergauf und schmalen Pfaden zurück. Wenn es nicht so anstregend wäre, würde uns der Weg mit seiner Ursprünglichkeit begeistern.

Der folgende Eichen-Wald vermittelt ein Bild vom früher in Hirschhorn vorherrschenden Berufszweig, dem „Rennekloppe“, Rindenklopfen. Denn die wurde vor 150 Jahre und mehr zum Gerben von Leder genutzt, weshalb die Bäume vor großflächiger Abholzung nicht sicher waren. Ein Abnehmer war die Firma Freudenberg in Weinheim, die daraus Gerbsäure herstellte.

An der Hoppehütte genießen wir noch einmal den Neckarblick, ehe uns dann der Wald fürs Erste wieder verschluckt. Der folgende Steinerne Tisch könnte sich für einen kurzen Stopp anbieten, um den geschundenen Unterschenkeln eine Pause zu gönnen. Erst einmal bleibt’s aber noch eben, wir marschieren jetzt längere Zeit auf etwa 400 Metern Höhe.

Mit Grenzerfahrung: Erst waren wir im Kreis Bergstraße und wechseln nun das Land. Die badische Landesgrenze begleitet uns ein Stück auf dem Weg Richtung Norden. Dann geht’s‘ zurück in den Odenwaldkreis. Wieder in Hessen, kommen wir nach weiteren knapp 100 Höhenmetern am Segelflugplatz Heumatte raus und können dort die Herbstsonne genießen, wenn sie scheint. Vielleicht sind auch gerade ein paar Flieger unterwegs.

Gar nicht mehr sattsehen können wir uns am Rundblick in alle Himmelsrichtungen. Katzenbuckel, Königstuhl, Erbach – der Aussicht sind keine Grenzen gesetzt. Jetzt ist es nicht mehr weit und wir sind wieder am Ausgangspunkt. Und damit in Reichweite der Rothenberger Gastronomie für einen perfekten Abschluss.

Name: Odenwald-Neckar-Runde

Länge: 15 Km

Dauer ohne Pausen: ca. 4,5 Stunden

Höchster Punkt: 481 m

Niedrigster Punkt: 189 m

Höhenmeter: ca. 456

Kategorie: mittel

Wanderzeichen: grünes R über grüner 5 im Hufeisen

Ausschilderung: gut

Verpflegung in Rothenberg: „Hirschwirts“, www.hirschwirts.de, 06275/91300, „Rosenwirt“, www.rosenwirts-scheune.de, Telefon 06275/262, „Frische Quelle“, 06275/268 (telefonische Reservierung sinnvoll)

Sehenswürdigkeiten: Rothenberger Steinkreuz, Hirschhorner Schloss, Steinerner Tisch

Wilkens Wander-Wimpel: 4,5 von 5 Sternen (pro: sehr abwechslungsreiche Tour über Feld, Wald und Wiesen, contra: langes Waldstück abwärts zum Schloss)

„Laute Motorräder müssen geächtet werden“

Rothenberg. Die Aktion ist nicht der Stein des Weisen gegen Motorradlärm und -raserei, aber sie soll auch weit mehr als nur der Tropfen auf den heißen Stein sein. Zwar war aufgrund des ungemütlichen Wetters kein Biker weit und breit zu sehen, aber wenn die Saison beginnt, werden die Zweiradfahrer jetzt von gut sichtbaren gelben Schildern empfangen. „Rücksicht nehmen. Leise fahren.“ wird auf diesen gefordert.

Start der Beschilderungsaktion zur Reduzierung von Motorradlärm war in Kooperation mit dem ADAC Hessen-Thüringen am Ortseingang von Rothenberg aus Richtung Beerfelden. Auch unterhalb, bei Kortelshütte, steht bereits ein solches Schild aus Hirschhorn kommend. Dass gerade in Oberzent das erste dieser Art in ganz Hessen enthüllt wurde, hat seine Gründe: Die beiden Stadtteile sind besonders lärmgeplagt, wenn die Biker-Saison startet.

Die Aktion wiederum ist nicht nur auf die Südkreis-Stadt beschränkt. Das zeigte sich auch daran, dass neben Bürgermeister Christian Kehrer seine Kollegen Peter Traub aus Erbach und Dietmar Bareis aus Mossautal zum Termin gekommen waren. Zusammen mit Vertretern des ADAC und Zuständigen aus dem Landratsamt erläuterten sie die Aktion, an der weiterhin Brensbach und Breuberg beteiligt sind.

Sie steht unter dem Motto „Leise kommt an“ und wurde vom ADAC entwickelt, der auch die Schilder stellt. Die Aktion will Motorradfahrer dafür sensibilisieren, Rücksicht auf lärmgeplagte Anwohner zu nehmen, und für eine rücksichtsvolle Fahrweise werben, erläuterte Wolfgang Herda, Leiter Verkehr beim ADAC Hessen-Thüringen. Denn das Hobby der einen soll nicht zur Belastung der anderen werden.

Allerdings ist allen Beteiligten klar, dass sie damit nicht alle Biker erreichen werden. Herda weiß: „Die meisten sind rücksichtsvoll unterwegs und achten bei Ortsdurchfahrten auf niedrige Drehzahlen.“ Die ganz harten Jungs, für die in der Runde auch harte Worte fielen, werden jedoch sicherlich nicht nur durch Appelle erreicht werden, ihr Verhalten zu ändern.

Deshalb sind diese auch nur ein Punkt von dreien. Die zweite Maßnahme heißt Repression durch Polizei und Behörden. Wenn’s an den Geldbeutel geht, fängt es an wehzutun, wenn Punkte dazukommen, der Führerschein und das Bike weg sind, noch mehr. Als drittes sind Hersteller, Zulieferer und Genehmigungsbehörden gefordert, verdeutlichte er.

Denn solange laute Maschinen zugelassen werden dürfen, fehlt die Handhabe, erläuterte Herda. „Wir brauchen leisere“, wünschte er sich deshalb. Das Ziel soll sein: „Laute Motorräder müssen geächtet werden.“ Der ADAC strebt eine Änderung des Wertekodex an. Es geht für ihn darum, „das Thema im Bewusstsein zuhalten“.

„Dauerlärm und hohe Lärmspitzen sind Stressfaktoren“, betonte der ADAC-Mann. Sie können bei Kindern sogar die kognitive Entwicklung beeinträchtigen. Derzeit sind 4,6 Millionen Bikes in Deutschland zugelassen. Die Fahrer sind meistens in der Erholungszeit der Bürger unterwegs, also an Feiertagen, Wochenenden und nachmittags – was für diese genau dann Lärm bedeutet.

„Wir sind nicht so naiv, alle erreichen zu können“, machte Volker Weyrauch vom der Straßenverkehrsbehörde des Kreises klar. Er war mit seiner Kollegin Andrea Kaufmann vor Ort. Andererseits will man aber „nichts unversucht lassen“, um den Lärm zu bekämpfen. Er zeigte sich dankbar, dass die Polizei die Kontrolldichte erhöhte. Denn auf manchen Straßen „rotten sich die besonderen Fahrer zusammen“, führte er aus.

45 Motorräder wurden 2021 im Bereich der Polizei Südhessen beschlagnahmt, ergänzte Stadtpolizist Nabil El Kadi. Weitere 300 wurden wegen technischer Mängel beanstandet. Wie stark gerade die Strecke über Kortelshütte und Rothenberg frequentiert wird, machte er anhand einer Verkehrszählung deutlich.

Bei super Wetter steigerte sich die Zahl der Fahrzeuge vor kurzem von Freitag (800) über Samstag (1000) auf 1200 am Sonntag. Davon waren 47 Prozent Biker. Der schnellste war mit 125 km/h unterwegs. „Die Leute werden an freien Tagen total gestört“, so sein Fazit. Denn mehrere hundert Zweiradfahrer sind an einem einzigen Tag auf der Strecke unterwegs. Die kommen aus der Pfalz, Mannheim, Heidelberg oder Mosbach und machen den Odenwald von Hirschhorn aus kommend unsicher. Bürgermeister Kehrer sah wie seine Kollegen den Gesetzgeber mit gefordert. Es ist für ihn „ein Unding, Maschinen mit hoher Dezibelzahl zuzulassen“. Was aber laut Weyrauch ein dickes Brett zum Bohren ist, denn hier ist die EU mit im Boot.

Wanderausstellung im Langbein-Museum: Nachhaltige Forstwirtschaft

Unser Wald ist unersetzbarer Lebensraum – nicht nur für Flora und Fauna, sondern auch für uns Menschen und für unsere Wirtschaft. Mit einer Wanderausstellung zum Thema „Nachhaltige Forstwirtschaft – die Verpflichtung von HessenForst für Generationen“ will der Freundeskreis Langbein’sche Sammlung in Zusammenarbeit mit HessenForst, Forstamt Beerfelden auf die Bedeutung dieses Lebensraumes hinweisen. Gleichzeitig soll darüber aufgeklärt werden, wie Nachhaltigkeit im Wald funktioniert und was wir dazu beitragen können. Ein vielfältiges Thema, das auch als Unterrichtsstoff für Schulklassen interessant ist.

Aus Hirschhorns Geschichte ist der Wald nicht wegzudenken. Er war stets ausschlaggebend für das Überleben der Menschen – als Lieferant von Baustoff, Brennstoff und als Nahrungslieferant in allen Variationen. Die allererste Waldordnung für den hiesigen Wald erließ übrigens Ritter Hans VIII. von Hirschhorn im März 1562, das handschriftliche Dokument ist bis heute erhalten. Seither sind die Aufgaben der Forstwirtschaft sind eher gewachsen, wie die Ausstellung zeigt. Denn der Erhalt des Lebensraumes Wald in all seinen Facetten ist heute wichtiger denn je – und auch schwieriger.

Die Ausstellung veranschaulicht, was der Landesbetrieb HessenForst heute leistet und wie die vielfältigen Aufgaben von den Forstleuten der zuständigen Forstämter umgesetzt werden. Wie sehen die Aufgaben von Förstern oder Forstwirten heute aus? Was ist ihr Beitrag zur Nachhaltigkeit? Wie erkennt und schützt man die wertvollen Biotope, wie sie unser Wald noch beheimatet. Und: Was können wir von ihnen lernen?

Die Ausstellung zeigt die Entwicklung der Forstwirtschaft früher und heute. Leicht verständliche und anschaulich aufbereitete Informationen sensibilisieren die Besucher für die besonderen Bedürfnisse der Natur. Die Ausstellung ist auch ideal für Kinder: Sie haben die Möglichkeit, sich spielerisch mit dem Umgang mit der Natur auseinanderzusetzen. Es gibt Rätsel zu lösen und einiges zu entdecken!

Mit dieser Ausstellung bezieht sich der Freundeskreis Langbein’sche Sammlung auf Carl Langbein, den „Naturalisten“, auf den wissenschaftlich neugierigen Forscher und Sammler, der sich auf seine ganz besondere Weise mit der Natur auseinandergesetzt hat. „Ich bin sicher, diese Ausstellung wäre ganz in seinem Sinne“, sagt die Vorsitzende Aloisia Sauer.

Die Ausstellung „Nachhaltige Forstwirtschaft – die Verpflichtung von HessenForst für Generationen“ im Langbein-Museum Hirschhorn wird in Zusammenarbeit mit HessenForst Beerfelden am Dienstag, 12. April 2022, um 19 Uhr eröffnet und läuft bis 12. Juni 2022. (PM Langbein-Museum)

So jung geblieben und doch schon so alt

Gammelsbach. Auch wenn der Start etwas holprig war, weil Corona in die geplanten Veranstaltungen dazwischenfunkte, so stehen doch jetzt die Zeichen auf Grün für die weiteren geplanten Events im Rahmen des 1250. Jubiläums. Ortsvorsteher Konrad Helm ist optimistisch, dass der Rest wie vorgesehen über die Bühne gehen wird – inklusive dem Highlight, der mittelalterlichen Dorfkerwe vom 2. bis 4. September.

Weiter geht es im Programm am Samstag, 2. April, mit „Dr. Soul & Mr. Blues“, Klaus Wilka und Marco Born. Die beiden treten in der „Krone“ auf. Parallel zur Musik serviert die Küche Spezialitäten von damals und heute. Beide Odenwälder waren in früheren Zeiten Mitglieder des legendären „Beerfelden Blues Brojects“: der Rai-Breitenbacher Born als Sänger, der Hetzbacher Wilka als Gitarrist. Nach dessen Auflösung vor bald 20 Jahren trat Born eine Zeitlang in kleinen Kneipen solo mit Akustikgitarre auf.

„Irgendwann haben wir uns mal getroffen, gemeinsam gejammt und gemerkt, dass das gut funktioniert“, erinnert sich Wilka. Der spielt außerdem noch Leadgitarre bei der Odenwälder Hardrock-Band „Fools Crossing“, sein Kompagnon betreibt in Fränkisch-Crumbach die Musikschule „Born to Play Music“.

Der Schwerpunkt der Songauswahl liegt klar in den 60er und 70er Jahren. Aber wenn es passt und den jedem gefällt, kommen natürlich auch „jüngere“ Lieder ins Programm. Wilkas Leidenschaft gehört ganz klar den sechs Saiten. Er ist eigentlich ein „Strom-Gitarrist“, der sich seine ersten Sporen in einer Oberzent-Schulband verdiente. Für den souligen Blues greift er zum akustischen Instrument, das er auch mit dem Bottleneck im Stile des Delta-Blues spielt.

Marco Borns gefühlvolle, tiefe Bluesstimme sticht gerade bei den eher ruhigen Stücken wie „Wish You were here“ hervor und ist prägend für den Sound. Als ausgebildeter Sänger ist er in der Lage, vielseitig zu agieren, aber trotzdem immer eigenständig zu klingen. So werden die Lieder mit viel Leidenschaft zelebriert und kommen sehr authentisch rüber.

„Uffgebasst!“ heißt es reißerisch auf dem großformatigen Flyer zum 1250-jährigen Dorf-Bestehen. „Gut gehalten und kein bisschen verstaubt“, leitet Ortsvorsteher Konrad Helm sein Grußwort ein. Die Ersterwähnung geschah am 9. Mai 772 im Rahmen einer Schenkung an das Kloster Lorsch. Stille Zeugin der langjährigen Geschichte ist die Burgruine Freienstein, deren älteste Bauteile aus dem Jahr 1250 stammen. Noch heute thront sie auf einem Vorsprung des Weckberges über Gammelsbach „und ist unser wichtigstes Wahrzeichen“.

Neben dem Betrieb von Hammerschmieden und Mühlen zählte die Wald- und Landwirtschaft jahrzehntelang zu den vorrangigen Erwerbsquellen, blickt der Ortsvorsteher in die Geschichte. Heutzutage pendeln die meisten Gammelsbacher zu ihren Arbeitsstellen im Neckar- oder Mümlingtal.

Dass die Bürger feiern können, wollen sie in diesem Jahr wieder in Beweis stellen. Den 1. Mai will man im Jubeldorf mit einem historischen Maifest, ausgerichtet vom Gymnastikkurs ClaVa, begehen. Für 25. Juni plant der Liederkranz sein Sommerfest. Eine historische Wanderung steht am 3. Juli auf dem Programm, gefolgt vom Freienstein-Cup des SVG (15. Juli) und den Dorfritterspielen neben einem AH-Turnier (16. Juli). Höhepunkt in der zweiten Jahreshälfte: die mittelalterliche Dorfkerwe vom 2. bis 4. September.

Den Odenwald lebenswerter machen

Odenwald. Jetzt sind die Bürger gefordert: Die Interessengemeinschaft Odenwald (IGO) hat einen großen Bürgerbeteiligungsprozesses gestartet, um Ideen zur Entwicklung der Region zu sammeln. Die sollen anschließend in eine neue lokale Entwicklungsstrategie fließen. „Odenwald jetzt mitgestalten“ heißt der Prozess und läuft sowohl digital über die Webseite http://www.odenwald.jetzt als auch analog über „Ideenboxen“ in den angeschlossenen Kommunen.

Das Leader-Förderprogramm „ist das einzige in der EU, das von Bürgern selbst gestaltet werden kann“, erklärt IGO-Geschäftsführerin Rekha Krings. Es gibt keine Ausschreibung und keine vorgefertigte Strategie. Alles, was als lokale Entwicklungsstrategie angesehen werden kann, ist ihren Worten zufolge förderfähig. Und das noch mehr als früher. In den Jahren 2023 bis 2027 sollen 5,5 Millionen Euro dem Odenwald zugutekommen.

Um genau diese Strategie geht es jetzt bei der Ideensammlung: Je mehr zu Beginn entwickelt und in die neue Förderperiode mit reingenommen werden, desto größer ist dann das Spektrum an unterstützungsfähigen Maßnahmen. Dahinter steht laut Krings eine Vision: „Was wünschen wir uns für die Zukunft unserer Heimatregion?“

In der vergangenen Förderperiode ab 2014, durch Brexit und Corona verlängert, wurden bereits sehenswerte Projekte mit Leader-Förderung umgesetzt, berichtet sie. So etwa der Streetworkout-Park in Rimbach, der auf den Vorstellungen einer Jugendinitiative beruht und über die Stadt als Projektträger realisiert wurde. Oder der Walderlebnispfad in Siedelsbrunn, gerade in der Realisierung. Schon fertig ist der Bürgerpark in Mitlechtern.

Der Trauerweg in Brensbach „ist eines meiner Lieblingsprojekte“, bekennt Krings. In der Zusammenarbeit mit Künstlern und angestoßen von der Hospizinitiative werden auf dem Friedhof unterschiedliche Facetten des Trauerns abgebildet. Auch der Balancierparcours in Bad König sticht unter den geförderten Projekten heraus.

Die Ideen kommen oft aus der Bevölkerung, erläutert die Geschäftsführerin, und wurden dann von den Kommunen beantragt, weil über diese bessere Fördersätze zu bekommen waren. Dieses Ungleichgewicht ändert sich in der neuen Förderperiode, freut sie sich. Außerdem werden die Sätze bei der Unterstützung von privaten Vorhaben nicht mehr so gedeckelt. Damit ist jetzt „mehr für private Antragsteller möglich“, fordert sie diese zur Mitwirkung auf.

In Zukunft geht es darum, neue Ideen aufzunehmen und alte weiterzuführen, schildert die IGO-Macherin den Hintergedanken der aktuell laufenden Bürgerbeteiligung. „Die Region muss selbst definieren, in welche Richtung es gehen soll.“ Erste Einträge auf der digitalen Ideenwand lassen bereits einen Schwerpunkt bei nachhaltigem Tourismus und Gesundheit erkennen, hat sie beobachtet.

Die Interessengemeinschaft will möglichst viele Bürger im ganzen Odenwaldkreis und den angeschlossenen Gemeinden im Kreis Bergstraße (darunter der gesamte Überwald und das Weschnitztal von Mörlenbach hoch bis Fürth und Lindenfels) erreichen. 85.000 Folder werden in den kommenden Tagen unters Volk gebracht.

Für alle, die digital nicht so affin sind, stehen in den 20 angeschlossenen Kommunen, von Hirschhorn bis Breuberg, von Oberzent bis Lautertal, insgesamt 90 Ideenboxen an gut erreichbaren Stellen wie Banken, Apotheken oder Supermärkten, um möglichst alle Zielgruppen zu erreichen. Damit noch nicht genug: Anfang April gibt es eine Ideenfahrt durch den Odenwald mit sechs Stationen, an denen neben Infos auch Workshops angeboten werden.

Das Ganze ist Krings zufolge sehr niederschwellig aufgebaut. „Die Bürger können auch fragen, worum es sich bei Leader überhaupt handelt“, macht sie deutlich, dass man gern mit den Basics anfängt. „Wir wollen Lust auf Region machen“, betont sie. Das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Mittelgebirgsregion wird befördert. Im Zweifel „einfach auf einen Kaffee vorbeikommen“, fordert sie die Bürger auf. Denn jeder hat doch seine Vorstellung davon, „was für ihn den Odenwald lebenswerter macht“.

Die Geschäftsführerin möchte den Interessierten auch Angst vor einem Wust an Antragsformularen nehmen. „Wir begleiten von Anfang an“, versichert sie. Erklärt wird, worauf zu achten ist, welche Voraussetzungen zu erfüllen sind, wohin alles gerichtet werden muss. Ideen sollten möglichst frühzeitig mit der IGO abgestimmt werden, „um Projekte zum Fliegen zu bringen“. Denn ein eigener Frühstart könnte förderschädlich sein.

Nur zwei Dinge macht die IGO nicht: über die Förderung und formelle Voraussetzung zu entscheiden. Sollte ein Projekt mal nicht ins Leader-Programm passen, „zeigen wir bei Bedarf auch andere Wege auf“, versichert sie. Der Hauptgedanke ist: neue Kontakte knüpfen und Menschen erreichen, die sich einbringen wollen.                                       

Info:

Auf der digitalen Ideenwand unter http://www.odenwald.jetzt können alle interessierten Bürger der angeschlossenen Gemeinden online Ideen einreichen.

90 Ideenboxen sind in der Region verteilt, in die man „analog“ Vorstellungen und Visionen einwerfen kann. Link zu den einzelnen Standorten: http://www.nonconform.io/de/odenwald/standorte-ideenboxen/

Vom 4. bis 6. April ist das IGO-Team auf #ideenfahrt in der Region. An sechs Stationen gibt es Haltepunkte, um in drei Tagen vor Ort gemeinsam weiter nachzudenken, zu diskutieren und Ideen zu entwickeln. Bürger können sich online zu einzelnen Veranstaltungen anmelden:  http://www.nonconform.io/de/odenwald/programm/

Weitere Informationen zur IGO und zu Förderprogrammen auf www.region-odenwald.de, www.facebook.com/InteressengemeinschaftOdenwald oder www.instagram.com/interessengemeinschaftodenwald

Familienpower im Brauereigasthof

Ober-Mossau. In den Schmucker-Brauereigasthof kommt neues Leben rein. Markus Fritsch übernimmt mit seiner Schwester Kathrin den Betrieb. Der 37-Jährige will da weitermachen, wo er in der Vereinsgaststätte „Hasenstall“ im badischen Neunkirchen aufhörte: Geboten wird eine gutbürgerliche Küche mit ein paar Spezialitäten wie etwa dem „Meter-Schnitzel“. Dieses Aushängeschild „passt gut zur Brauerei“, meint er.

Am 1. April legt das Team, zu dem auch Bruder Christopher und Vater Fritsch gehören, los. Der neue Betreiber bezeichnet sich selbst als „Vollblut-Gastronomen“, seit 15 Jahren in dem Metier tätig. Er arbeitete bereits in verschiedenen Hotels und Restaurants, hatte die Gastroleitung im Kaufland Neckarsulm inne und übernahm vor zweieinhalb Jahren den „Hasenstall“.

Seine 38-jährige Schwester arbeitet aktuell noch in der Pflege, wird aber ab April voll in den Betrieb einsteigen, erzählt Fritsch. Sie unterstützt ihn jetzt schon im Hintergrund und übernimmt Bürotätigkeiten. Die Qualität in der Küche ist gewährleistet, freut sich der neue Chef. Die bisherige Küchenfee vom Hasenstall, Ivonne Fischer, geht mit zu Schmucker.

Bruder Christopher steigt als Beikoch ein, sein Vater, „wenn er mal in Rente geht“, als Allrounder, der sowohl beim Essen aushilft als auch Hausmeistertätigkeiten übernimmt und hinter der Theke steht. Obwohl die komplette Familie hilft, „suchen wir weiter Personal“, verdeutlicht Fritsch. Denn der Betrieb ist eine ganz andere Nummer als das bisherige Vereinsheim.

Zwar lief’s im Hasenstall sehr gut, blickt er auf die bisherige Wirkungsstätte zurück. Aber er war doch bei Investitionen und Modernsierungen in seinen Möglichkeiten eingeschränkt. Da ist der Brauerei-Gasthof eine ganz andere Liga. Gebietsverkaufsleiter Torsten Heckmann kam bereits im letzten Spätjahr zwecks Übernahme auf ihn zu.

Da betrieben die Fritschs noch parallel das Flammkuchenhaus in Eberbach. Doch das mussten sie aufgeben, weil das Gebäude verkauft wurde. Somit war die Brauerei-Alternative mehr als interessant. Flammkuchen will der 37-Jährige weiterhin anbieten. Dazu kommen neben einigen Schnitzel-Varianten Rumpsteak, Lende, Spanferkel und saisonale Karten.

Daneben plant der Gastronom Aktionstage, wie etwa sonntags von 10 bis 12 Uhr ein Weißwurstfrühstück, mittwochs Dampfnudeln und freitags Handkäsessen. Das Hotel-Frühstücksbüffet ist auch für externe Gäste offen, informiert er. Aktuell wird noch die Webseite überarbeitet, um darüber Tische reservieren können.

„Ich habe lange überlegt“, gesteht Fritsch, dass er seine Zeit brauchte, um „zuzuschlagen“. Aber die größeren Entfaltungsmöglichkeiten und die Chance zur Verwirklichung seiner Ideen überzeugten ihn. Jetzt sieht er einen „optimalen Hintergrund“, um frischen Wind reinzubringen. Während er sich ums Gastronomische kümmert, übernimmt Schwester Kathrin das Hotel mit seinen 24 Zimmern. Angedacht ist hier die Aufnahme touristischer Elemente wie Brauerei-Führungen oder Ausflüge.

Das Restaurant bietet innen 300 Sitzplätze, im normalen Biergarten 100 und im Sudhaus-Außenbereich noch einmal mehrere 100. Der soll im Sommer mit Selbstbedienung betrieben werden. Für draußen plant der Gastronom verschiedene Events. Start ist am 1. Mai mit der Zwei-Mann-Blaskapelle „Die SymBadischen 2“ aus Allemühl und Volksmusik.

Info: www.brauereigasthof-schmucker.de/, www.facebook.com/brauereigasthofschmucker

Um die Wende zu schaffen, braucht es Energie

Beerfelden. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine lässt derzeit die Preise für fossile Brennstoffe explodieren. Die Diskussion über den (schnellen) Umstieg auf erneuerbare Energie nimmt voll Fahrt auf, um weniger abhängig von russischen Lieferungen zu sein. Mit ein Vorreiter bei der Nutzung von Photovoltaik (PV) im Odenwaldkreis ist die Energiegenossenschaft Odenwald (EGO). Vorstandsmitglied Thomas Mergenthaler erklärt, wie man weiter vorgehen will und was jeder einzelne Haushalt tun kann, um Energie (und Geld) zu sparen.

Der Ausbau von weiteren PV-Freiflächenanlagen im Odenwald „ist ein großes Ziel der EGO“, betont Mergenthaler bei einem Referat vor Zehntklässlern an der Oberzent-Schule. Vor dem Hintergrund der weltpolitischen Lage ist dies seinen Worten zufolge auch nötig, um Abhängigkeiten beim Energie-Bezug schrittweise zu lösen. Um neue Anlagen jedoch schnell umzusetzen, „müssen Genehmigungsverfahren vereinfacht und beschleunigt werden“, fordert er. Denn sonst „läuft uns die Zeit weg“.

Dass die Umsetzung dennoch im Einklang mit Natur und Landwirtschaft geschehen muss, ist für das Vorstandsmitglied selbstverständlich. Gerade auf dem Fundament der Genossenschaft lässt sich die Beteiligung der Bürger leicht realisieren, „was wiederum zu hoher Akzeptanz führt“, nennt er als ein Plus der EGO.

Derzeit laufen 90 PV-Dachanlagen und zwei Solarkraftwerke im EGO-Eigenbetrieb, so Mergenthaler – mit bisher insgesamt über elf Megawattpeak (MWp) installierter Leistung. Die fünf ertragsreichsten PV-Anlagen konnten schon rund 28 Kilotonnen Kohlendioxid-Emissionen einsparen, erläutert er. Die EGO investierte so etwa 50 Millionen Euro in die Region.

Zwei Freiflächen mit PV sind bisher die sonnigsten Aushängeschilder. In Beerfelden sind auf der Höhe Richtung Finkenbach 6500 Module verbaut. 1,4 Gigawattstunden (GWh) Strom werden pro Jahr produziert. Damit können laut Mergenthaler 400 Haushalte versorgt werden. Etwa kleiner ist die Anlage in Brombachtal mit 1,2 GWh und der Kapazität für 350 Haushalte.

Damit es noch nicht getan. Die Anlage oberhalb von Beerfelden soll um 4500 kWh erweitert werden, berichtet der Vorstand. Im Bau ist außerdem eine Freiflächenanlage in Mossautal. Sie soll im Mai mit einer Leistung von 5400 Kilowattpeak (kWp) ihren Betrieb aufnehmen, ist also mit Abstand die größte der drei. Nach der Erweiterung könnte die EGO somit knapp 4300 Haushalte mit einer Leistung von 15 Millionen kWp versorgen.

„Jeder einzelne kann zum Gelingen der Energiewende beitragen“, betont Mergenthaler. Gerade in der aktuellen Krise kommt Einsparungen ein großes Gewicht zu. Bei der energetischen Gebäudesanierung sieht er ein deutliches Potenzial in der Größenordnung von rund 38 Prozent. Dazu gehört die Umrüstung der Leuchtmittel auf LED oder die Dämmung von Fassade und Dach.

Ein zweiter Punkt ist der Wechsel des Energieträgers weg von fossilen Brennstoffen hin zur Wärmepumpe. „Dies gewährleistet ein gutes Stück Unabhängigkeit von zukünftigen Preisentwicklungen und wird staatlich gefördert“, erläutert er. Interessant ist daneben die Installation einer Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach, besonders mit Blick auf die Eigenstromversorgung. Denn über die kann auch das e-Fahrzeug geladen werden kann. Die kleinere Lösung sind Balkonmodule, so der EGO-Mann. 

Im Neubaubereich lässt es die zur Verfügung stehende Technik schon heute zu, komplett auf fossile Brennstoffe zu verzichten, betont er. Durch die Bauweise kann man den Energieverbrauch auf ein Minimum zu reduzieren. Obendrauf kommt eine nachhaltige Lebensweise, etwa beim eigenen Konsumverhalten: „Wo und was kaufe ich?“ Stichworte sind Regionalität, Lebensmitteltourismus, Verpackung oder Handy-Lebensdauer und die konsequente Nutzung aller Recyclingmöglichkeiten.

„Unsere Energiekonsum finanziert den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine“, macht Mergenthaler deutlich. Denn die Deutschen heizen zu einem Großteil mit russischen Gas. „Dadurch sind wir abhängig und erpressbar.“ Mit Unabhängigkeit kann die Versorgungssicherheit gewährleistet werden, hebt er hervor.

Diese und andere Informationen hatten das Vorstandsmitglied und Lara Trautmann, die gerade bei der EGO ein duales Studium absolviert, für die Zehntklässler von Lehrer Erdoğan Suna an der Oberzent-Schule parat. Die Physikkurse werden darüber eine PV-Freiflächenanlage besichtigen, kündigt der Pädagoge an. „Die Themen Umweltbildung und Klimaschutz gehören zum gesellschaftlichen Auftrag der Schule.“

Tipps von Thomas Mergenthaler zur Energieeinsparung für Mieter und Eigentümer:

Kurzfristig:

Senken Sie die Raumtemperatur um ein Grad und sparen Sie dadurch bis zu sechs Prozent Heizenergie (eines weiteres Grad bedeutet noch einmal sechs Prozent weniger). Der Unterschied macht sich nicht durch Frösteln, sondern durch eine niedrigere Rechnung bemerkbar.

Verwenden Sie beim Duschen Sparduschköpfe und halbieren Sie damit den Warmwasserverbrauch. Verzichten Sie aufs Baden.

Verwenden Sie LED-Lampen und energieeffiziente Elektrogeräte. Damit lassen sich Stromkosten deutlich senken.

Mittelfristig:

Dämmen Sie das Dach oder die oberste Geschossdecke Ihres Hauses. Das spart sieben Prozent des Energieverbrauchs.

Optimieren Sie Ihre bestehende Heizung durch eine Hocheffizienzpumpe und einen hydraulischen Abgleich. Im Einfamilienhaus lassen sich damit etwa 200 Euro/Jahr einsparen.

Dämmen Sie alle Heizungsrohre im unbeheizten Bereich. Damit lassen sich 13 Euro pro Jahr und Meter einsparen.

Langfristig:

Setzen Sie auf erneuerbare Energiequellen und klimafreundliche Technologien wie Wärmepumpen und Photovoltaik.

Lassen Sie mit Unterstützung eines Energieberaters Ihr Haus schrittweise klimaneutral sanieren. Dieses benötigt dann kaum noch Energie.

Ausweichräume nehmen Gestalt an

Oberzent. Die Stadt arbeitet mit Nachdruck daran, weitere Kinderbetreuungsmöglichkeiten zu schaffen. Ein erster Schritt war die Eröffnung des Waldkindergartens Beerfelden. Der ist ab dem kommenden Kindergartenjahr im Herbst quasi voll ausgelastet. 20 Pimpfe finden dort Platz und können sich nach Herzenslust in der Natur austoben. „Die Kiddies fühlen sich sehr wohl“, erläutert Bürgermeister Christian Kehrer.

Aktuell 13 Kinder sind in der Umgebung des Wagens am Wasserwerk oberhalb der Stadt eifrig am Werkeln und haben bereits ihr Morgenkreis-Areal gestaltet. Seitens der Eltern wird das Novum in Oberzent ebenfalls gut angenommen, berichtet er. Wie in den anderen Einrichtungen auch ist die Stadt hier auf der Suche nach Personal. Nicht einfach auf einem leergefegten Arbeitsmarkt.

In den Räumen der Lernhilfe an der Oberzent-Schule entsteht ein weiteres Provisorium. „Es ist schon viel passiert und wurde einiges gemacht“, berichtet der Rathauschef dazu. „Die Handwerker stehen Gewehr bei Fuß.“ Die Küche ist bereits in Vorplanung, im Sanitärbereich wurde kräftig gewerkelt, der Fensterschutz ist angebracht.

Vom Kreis als Eigentümer des dortigen Lernhilfe-Komplexes gab es eine Aufgabenliste mit den zu erledigenden Punkten. Denn Räume für Kinderbetreuung müssen ganz bestimmte Anforderungen erfüllen. Insgesamt will man um die 80.000 Euro in die Ertüchtigung investieren. Ein Teil davon: die Umgestaltung von Toiletten und Personalräumen. Heizkörper und Tafeln gilt es ebenso wie die Fenster zu verkleiden. Dazu kommen funkvernetzte Rauchmelder.

Eine Ü3- und eine U3-Gruppe können hier ab dem Frühjahr unterkommen, bis der An- und Neubau an der jetzigen Kita „Abenteuerland“ in der Gammelsbacher Straße realisiert ist. Für dessen Realisierung wurde die Firma Kastor gewonnen, mit der bereits ein „sehr zufriedenstellendes erstes Gespräch“ lief, erklärt Kehrer. Aktuell wird der Bauzeitenplan erstellt. Das Ziel der Stadt ist ein Bezug in spätestens einem Jahr.

Für die Erweiterung des Kailbacher Kindergartens um eine Gruppe fand nach der Ende der Submission die Auftragsvergabe durch den Magistrat statt, führt der Bürgermeister aus. Die entsprechenden Details gilt es noch festzulegen. Auch hier hofft das Bauamt, in spätestens einem Jahr Vollzug melden zu können.

Eine Stimme auf höherer Ebene für die da unten

Beerfelden. „Es ist mein Anliegen, die Stadtverordnetenvorsteher auf Landesebene zu vertreten“, sagt Dirk Daniel Zucht. Er bekleidet dieses Ehrenamt seit der vergangenen Kommunalwahl in Oberzent und wurde jetzt zum stellvertretenden Vorsitzenden im Regierungsbezirk Darmstadt und Mitglied im Landesvorstand dieses Zusammenschlusses gewählt. Er will beim Hessischen Städte- und Gemeindebund (HSGB) die Interessen der Stadt- und Gemeindeparlamente in den kommenden fünf Jahren ehrenamtlich einbringen, hebt der Beerfeldener hervor.

Der Kommunalpolitiker möchte auf der höheren Ebene auf die Bedürfnisse des Odenwaldkreises aufmerksam machen und die kommunale Selbstverwaltung der Städte und Gemeinden verteidigen. Konkret nennt er hier das Thema Windkraft. Wenn dabei eine ablehnende Entscheidung des städtischen Parlaments durch das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt ersetzt und trotzdem der Bau von Windenergieanlagen erlaubt wird, „dann ist diese Ignoranz gegenüber den kommunalen Gremien eine schlechte Werbung für das Engagement der Stadtverordneten“, so Zucht.

Er bezieht sich konkret auf den Windpark am Katzenwinkel oberhalb von Beerfelden zwischen Etzean und Güttersbach, wo ein Betreiber aus Wörrstadt sechs groß dimensionierte Windräder bauen will – drei davon auf Oberzent-Gemarkung. Das Parlament hatte einige Male durch entsprechende Beschlüsse deutlich gemacht, dass es dies nicht wünscht, aber das RP erteilte trotzdem die Genehmigung zum Bau. Jetzt läuft gegen diesen Bescheid eine Klage. 

Zucht erwartet von der Landesregierung höhere Sensibilität, Aufmerksamkeit und somit Respekt gegenüber den Stadtverordneten-Versammlungen auch abseits der Zentren. „Politische Themen mit der Brechstange durchzusetzen war noch nie nachhaltig“, kritisiert er. Die StaVo ist laut Zucht „Ort der Demokratie, des Gesprächs und der Diskussion“ – egal welche Themen es betrifft. „Diese Maxime möchte ich vertreten.“ Er hofft, durch die Vertretung auf Landesebene ein paar Türen zu Entscheidungsträgern öffnen zu können, die sonst verschlossen blieben.

Der Beerfeldener möchte sich für die Wahrung der kommunalen Selbstbestimmung einsetzen, dass „kommuniziert wird anstatt übergangen“. Einer weiteren Erosion will er entschlossen entgegentreten. Es sind laut Zucht Vorgaben der Landes- und Bundesregierung, deren Umsetzung nicht nur den Odenwälder Kommunen zu schaffen machen. Auch die um sich greifende Fördermittelpolitik mit Eigenmittelvorbehalt der höheren politischen Ebenen „geht allzu oft zu Lasten der kleineren Kommunen“, moniert er.

Wenn wie bei der Förderung der Windkraft die kommunalen Parlamente übergangen werden, „wirkt dies kontraproduktiv für notwendige gesellschaftliche Diskussionen vor Ort“, klagt er. Denn der Odenwaldkreis hat seinen Worten zufolge ein großes Potenzial inmitten der Ballungszentren Rhein-Main und Rhein-Neckar. Es gilt, fordert Zucht, die Infrastrukturen zu stärken und auszubauen, ohne die kulturelle Identität zu vernachlässigen.

Die Städte und Gemeinden im Odenwaldkreis investieren viel Geld und Arbeitskraft, weiß der Kommunalpolitiker, um ihre Attraktivität für Familien und Unternehmen zu halten und auszubauen. Der Bogen reicht vom Gigabit-Ausbau bis zur Schaffung von weiteren Kindergartenplätzen. Als Vertreter des Parlamentes der Stadt Oberzent „ist es auch an mir, die getroffenen Entscheidungen zu verteidigen“, betont er.

Schüler packten bei der Holzverladung mit an

Beerfelden. Hilfe für Menschen in Not ist quasi in der DNA der Oberzent-Schule (OZS) verankert. Neben der Reaktion auf ganz aktuelle Ereignisse wollen die Schüler aber größer planen. Deshalb entstand in Zusammenarbeit mit Schulleiter Bernd Siefert sowie dem Planungsteam um Conny Frank und Christine Meyer die Idee, eine Spendengala zu organisieren. Die findet am 10. Juni statt.

In einer ersten, bereits durchgeführten Aktion ging Hilfe ins von der Flutkatastrophe im vergangenen Jahr betroffene Ahrtal. Gleichzeitig laufen die Überlegungen, wie im Rahmen der Gala unter Einbindung der Partnerschule im polnischen Elblag auch Menschen in und aus der Ukraine geholfen werden kann. Die Möglichkeit, ein solch großes Projekt auf die Beine zu stellen, verdanken die Aktiven zuallererst der Stiftung von Johanna Käpernick-Krämer.

„Wie können wir als Schule Menschen unterstützen?“, lautete die Ausgangsfrage, schildert Zehntklässlerin Pia Scior das Herangehen. Und außerdem: wen? Schnell war klar, dass das Patenkind in Tansania, von der Klasse 10 seit der 5. Klasse begleitet, und das dort zu bauende Waisenhaus, ein Projekt des Vereins von Angelika Gritzmann, einen Teil der erzielten Gala-Spenden erhalten soll.

Durch den Rotary-Club Erbach-Michelstadt kamen die Jugendlichen auf die Idee, einen weiteren Teil der Einnahmen an Flutopfer im Ahrtal zu spenden. Der letzte Teil soll an krebskranke Kinder gehen. Deren Bedürfnisse lernten die Schüler vor kurzem bei einem Referat von zwei Müttern kennen, deren Kinder an Leukämie erkrankt waren.

Das achtköpfige Planungsteam beschloss, zur Gala Prominente aus aller Welt einzuladen, „über die wir uns besonders freuen würden“. Dabei soll der Schulbezug zu 100 Prozent gegeben sein, „weshalb wir uns ins Zeug legen, alles bestmöglich vorzubereiten und unsere unendlich vielen Ideen umsetzen zu können“, sagen die Schüler.

Da die Jugendlichen „auch selbst Hand anlegen“ wollten, anstatt nur theoretisch zu planen, kam mit Paul Schäfer jemand ins Spiel, der schon mehrfach im Ahrtal war und bereits Holz dorthin lieferte, das von Waldarbeitern und Landwirten der Region gespendet wurde. Insgesamt wurde so bisher rund 500 Schüttmeter Holz in die Region befördert.

Speditionen stellten die Lkw kostenfrei zur Verfügung. Pro Ladung konnten etwa 90 Schüttmeter befördert werden, weiß Schulleiter Siefert. Die Firmen Kellner (Birkenau) und Hefd (Gras-Ellenbach) übernahmen den Transport. Die evangelische Kirchengemeinde Beerfelden beteiligte sich durch Vermittlung von Pfarrer Roger Frohmuth an den Spritkosten.

Erst kürzlich fand wieder ein Transport statt. Das Holz spendete Mehmet Alagöz. Er ist Vater von drei Kindern an der OZS. Sein Sohn Hasan half mit, es zu spalten. Das Sägewerk Stadler in Heddesbach, bei dem Alagöz arbeitet, stiftete zusätzlich noch Bündel, die Schäfer für den Transport mit weiteren fleißigen Helfern bearbeitete.

„Gerade die Aktion heute hat gezeigt, was Zusammenarbeit bedeutet“, erzählt Siefert. Die Schüler „erlebten sich als wirksam“. Da man sich aktuell als ziemlich hilflos erlebt, blickt er auf die Ukraine-Krise, „gibt es Menschen ein gutes Gefühl, wenn sie aktiv helfen können“. Die Jugendlichen aus den Religions- und Ethikkursen der Klasse 10 fanden es schön, „da wir mit dieser Aktion etwas Nützliches gemacht haben“, sagen Laureen Brand und Mia-Sophie Kraft.

Die Hütte soll wieder grooven

Michelstadt. Im Hüttenwerk stehen die Zeichen auf Neustart. So richtig, wie früher, und nicht in Form der zwischenzeitlichen Wohnzimmer-Konzerte. „Voller Vorfreude sind wir in die Planung neuer Veranstaltungen gegangen“, erzählt Michaela Tischler. Da Anfang April die meisten Corona-Regeln wegfallen sollen, sind ihren Worten zufolge die Konzerte und Partys im Saal so geplant, wie man sie kennt. Den Auftakt machen alte Bekannte: die Jungs der Bon-Jovi-Coverband „Bounce“ am 1. April.

Dass zu diesem Zeitpunkt bereits alle Beschränkungen aufgehoben sind, wie Tischler das hofft, erscheint aktuell noch eher unwahrscheinlich. Aber für den Fall gibt es im Hüttenwerk einen Plan B: Über den sogenannten „G-Status“, wie immer der auch aussieht, wird tagesaktuell auf der Homepage informiert. Der muss am Eingang nachgewiesen werden. Zumindest sind jetzt die Kapazitätsbeschränkungen für Veranstaltungen gefallen. 

Der Neustart-Opener „Bounce“ ist sehr beliebt, weiß die Veranstalterin aus den Vorjahren. Das jetzige Konzert sollte eigentlich vor zwei Jahren stattfinden, musste aber damals zu Beginn der Pandemie abgesagt werden. „Wir wollen den Fans die Möglichkeit geben, die Band endlich wieder live zu erleben“, erklärt Tischler, warum man gerade mit den Bon-Jovi-Epigonen startet.

Aufgrund der Erfahrungen von anderen Clubs, die bisher noch oder wieder Veranstaltungen durchführen, geht sie davon aus, dass auf jeden Fall Besucher kommen werden, das Ganze sich aber verhaltener gestaltet als vor dem Shutdown. Davon gehen auch die Gruppen aus. „Die ziehen mit“, freut sie sich, auch wenn sie mit weniger Gästen in der Halle rechnen.

Im Falle von Bounce weiß sie, dass die Band davon ausgeht, sich die Fanbase erst wieder neu aufbauen zu müssen. Dazu kommen aktuell die hohen Spritpreise. Beim Hüttenwerk mit seiner oft überregionalen Kundschaft könnte sich das durchaus auf die Besucherzahl auswirken, befürchtet Tischler. Die Gäste werden auf jeden Fall von einem „total motivierten Team erwartet“, kündigt sie. Die Gastro-Mannschaft von früher ist wieder beisammen.

Für die Zeit bis Ende Mai gibt’s im Programm einige alte Klassiker. Etwa den Auftritt der Lokalmatadoren von „Undercure“ am Karfreitag, einer „The-Cure“-Coverband aus der Region. Am Ostersamstag findet als Nachholkonzert das Event mit „Alex im Westerland“ statt, der Toten-Hosen- und Ärzte-Coverband. „Das war 2019 ein großer Erfolg“, erinnert sich Tischler. „Die Leute strömten“ – was sie jetzt auch tun sollen.

Den Ostersonntag gestaltet DJ Schimmi. Auch das ist ein beleibter Traditionstermin, von dem sich das Team überraschen lässt. In den Mai darf dann mit der Hausband gegroovt werden. Spätestens beim Hoffest Ende Mai rechnet die Sängerin dann damit, dass keine Einschränkungen mehr gelten werden. Außerdem gibt’s dann die Erfahrungen der vergangenen Wochen obendrauf. Danach ist erst einmal Pause, weil es anderswo weitergeht.

Denn die Hüttenwerk-Konzerte sind das eine, die Veranstaltungstechnik das andere. Im Sommer werden die Tischlers damit schwer auf Achse sein. Denn Stand jetzt dürften die meisten Volksfeste und Festivals stattfinden, die bisher mit Licht und Sound bestückt wurden. „Alle Kunden von 2020 führen sie wieder durch“, blickt Michi Tischler auf Bienen- und Wiesenmarkt sowie Finkenbach-Festival.

Auf der einen Seite ist das sehr erfreulich, auf der anderen aber eine Herkulesaufgabe. Denn das Team ist mit Achim Tischler und seinem Sohn Nico nach der Pandemie nur noch zu zweit. „Wir versuchen wieder Mitarbeiter von früher zu akquirieren“, erzählt sie. Doch das ist nicht einfach, denn die haben bereits neue Jobs gefunden. Wenn alles wie geplant stattfindet, „müssen die beiden ganz schön rennen“, schmunzelt sie. Die Branche ist derzeit leergefegt.

Tischler selbst kann auch nur sporadisch Hand anlegen, denn ihr eigener Job als Sängerin, unter anderem bei Hochzeiten oder der Hüttenwerk-Hausband „Another Livetime“, spannt sie voll ein. Es gibt eine große Nachfrage, freut sie sich. „Derzeit ballt sich alles im Mai und Juni.“ Der gut gefüllte Terminkalender stimmt die Sängerin zuversichtlich, dass 2022 ein Jahr wie zuletzt 2019 sein wird.

Neu ist jetzt der Ticket-Vorverkauf über die Homepage www.huettenwerk.info und den dort eingefügten Online-Ticketservice. Kurz vor Termin wird bekannt gegeben, ob es noch eine Abendkasse geben wird. Für verschobene Konzerte bleiben bereits gekaufte Tickets gültig, Reservierungen verfallen.

Rechtzeitig Mittel für Planungen bereitstellen

Beerfelden. Wenn auch bei den Mandatsträgern Freude darüber herrscht, dass der Oberzent-Doppelhaushalt 2022/23 im Plan mit einem kleinen Überschuss abschließt, so gab es im Detail doch einige Änderungswünsche in den Ausschuss-Sitzungen dieser Woche. Im Bau- und Umweltausschuss formulierte diese unter anderem Thomas Ihrig (SPD). Ihm ging es außerdem um einen Überblick über die noch vorhandenen Haushaltsresten.

Ihm ging es zum einen um die Kostenentwicklung bei laufenden Maßnahmen, wie etwa der Sporthallensanierung in Unter-Sensbach. Zum anderen aber auch um die Planung von kommenden, um hier rechtzeitig genug Mittel im Haushalt zu haben, wenn die Umsetzung zum Tragen kommt. Wie eine neue Kindertagestätte in Rothenberg, nachdem An- und Neubau in Beerfelden sowie die Erweiterung in Kailbach jetzt am Laufen sind. Hier wünschte sich Ihrig einen Planungsansatz von 50.000 Euro.

Für die Sanierung des Waldseebads „sollten wir uns planerisch Hilfe holen“, ging der SPD-Fraktionsvorsitzende auf ein Anliegen des Ortsbeirats ein. Der wünscht sich, dass die über 80 Jahre alte Naherholungsmöglichkeit wieder in Schuss gebracht wird. Mit Hilfe eines Externen „können wir schauen, was daraus werden kann“, sagte er. Und außerdem liegen Pläne schon fertig in der Schublade, sollte es ein neues Förderprogramm geben.

Walter Gerbig (CDU) hob auf den Bahnhof Hetzbach ab. Hier wünschte er sich einen Sachstand der Sanierung. Nachdem es einen Vor-Ort-Termin mit einer Planerin gab, informierte Bürgermeister Christian Kehrer, stellte sich heraus, dass noch verschiedene Pläne fehlten. Jetzt sind sie vollständig und werden angepasst, erläuterte er.

Das Problem laut Bürgermeister: „Es sind leider wenige Fachplaner verfügbar.“ Deshalb kann die Stadt nicht so agieren wie sie gerne möchte. Eine grobe Vorstellung von dem, was entstehen soll, gibt es aber schon. So sollen in die oberen Geschosse Wohnungen rein, berichtete er. Die Güterhalle ist als Eventlocation gedacht und wird durch eine Tür mit dem Bahnhofsgebäude verbunden.  Dort findet die gastronomische Hardware ihren Platz.

Ein Kiosk, wie er ursprünglich einmal angedacht war, dürfte wirtschaftlich nicht zu betreiben sein, befürchtete das Stadtoberhaupt. Deshalb ist er nicht vorgesehen. Allerdings könnte das Gebäude als eine Art Dorfgemeinschaftshaus fungieren, in dem die Vereine ihre Räumlichkeiten haben. Auch hier forderte Ihrig die entsprechenden Mittel, um bei Bedarf schnell reagieren zu können. „Wir können im Haushalt switchen“, ist dies laut Kehrer gewährleistet.

Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) bezeichnete den Bahnhofsumbau als „Herzensangelegenheit“. Sie warnte vor einer „Neverending story“. Zumindest beim Umbau des Bahnhofs als Kreuzungspunkt zusammen mit der Aktivierung eines zweiten Gleises scheint es vorangehen, erklärte der Rathauschef. Die Stadt empfängt seinen Worten zufolge positive Signale, dass die Bahn die Maßnahme im Blick hat.

Von Ihrig kam noch der Hinweis, die Umbauten der verschiedenen Feuerwehrhäuser haushalterisch vorzusehen. Denn einige davon stehen in den kommenden Jahren an. Um sie auch durchführen zu können, sollten Mittel nicht erst im Jahr selbst eingestellt werden, sondern frühzeitig, um auch planen zu können. Nach weiteren Beratungen in den anderen beiden Ausschüssen wird sich die Stadtverordneten-Versammlung am 24. März mit dem Etat final befassen.

Dreht jetzt der Wind für die geplanten Anlagen?

Beerfelden. Der russische Angriffsgriff gegen die Ukraine hat der Diskussion über die Energiewende eine ganz neue Dimension verliehen. Denn jetzt zeigt sich, dass die Abhängigkeit von fossilen Energien nicht nur schlecht fürs Klima, sondern auch für den Geldbeutel ist. Die Anfrage der Grünen, wie es die Stadt denn mit der vom Betreiber angebotenen Windkraftdividende für die Anlage bei Etzean hält, hatte deshalb eine ungeahnte Aktualität.

Bisher hatten sich alle Fraktionen in der Stadtverordneten-Versammlung (außer der Ökopartei) immer einhellig gegen die Nutzung von Windkraft auf Oberzent-Gemarkung positioniert. Denn verschiedene Flächen – neben Katzenwinkel auch Finkenbach und Hirschhorner Höhe – sind begehrt und im Windkraft-Regionalplan zur Nutzung freigegeben. Man versucht weiterhin alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen, um den Bau von Rotoren zu verhindern.

Allerdings haben die Interessenten bisher die übergeordneten Behörden auf Ihrer Seite: Das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) ließ sich vom Protest nicht beeindrucken und erteilte eine entsprechende Genehmigung. Dagegen hat die Stadt mit dem Votum der Parlamentarier im Rücken Klage eingereicht.

Thomas Väth (Grüne) sprach sich in einem emotionalen Plädoyer für den Umstieg auf erneuerbare Energien aus. „Es wird klar, wir brauchen die dringend“, sagte er. Denn sonst werde einem Kriegsverbrecher Geld in die Tasche gesteckt, wies er auf die aktuelle Abhängigkeit Deutschlands von russischen Gas- und Öllieferungen hin. Deshalb sah der Grünen-Sprecher „wahnsinnig gute Gründe“, die Energiewende jetzt umzusetzen.

Er machte gleichzeitig klar, dass er dem aktuellen Haushalt nicht zustimmen wird, wenn dort weiterhin 30.000 Euro für Anwaltskosten im Zusammenhang mit dem Rechtstreit über die Windkraftnutzung auf dem Katzenwinkel enthalten sind. Für ihn wäre es „keine Katastrophe, eine Million zu bekommen, statt 30.000 Euro auszugeben“. Väth bezog sich bei diesen Worten auf das Angebot des Windkraft-Projektierers Juwi, der Stadt in den kommenden 20 Jahren insgesamt diese Summe freiwillig zu zahlen.

Dass der Wind des Wandels weht, zeigte sich an der Äußerung von Wilfried Friedrich (ÜWO). „Jetzt wird sich wohl alles ändern“, räumte er der städtischen Klage wenig Erfolgsaussichten ein. Der Hainbrunner geht davon aus, dass sicherlich bald von Bundesseite her entsprechende Vorgaben kommen, die der Windkraftnutzung absolute Priorität einräumen. Deshalb rechnet er damit, „dass die Windräder bald stehen“.

Mit Blick auf die viel höheren Erlöse, die sich das benachbarte Eberbach verspricht, fragte Friedrich: „Haben wir den falschen Betreiber?“ Das nicht, wurde durch Rückmeldung aus der Runde deutlich, aber die Neckarstadt stellt für die Rotoren ihre eigenen Grundstücke zur Verfügung und kassiert deshalb das Zehnfache im Jahr. In Oberzent füllen sich Privateigentümer, allen voran ein Großgrundbesitzer, die Taschen. Eine engagierte Diskussion über das Für und Wider schloss sich an.

Walter Gerbig (CDU) konnte keine zeitliche Dringlichkeit für die Entscheidung erkennen, da die Summe wohl erstmals 2024 fließen würde. „Wir können jetzt zustimmen, aber was haben wir davon“, stellte er in den Raum. Im Prinzip richtig, entgegnete Bürgermeister Christian Kehrer. Jedoch sei die Frage, ob der Betreiber so lange das freiwillige Angebot aufrechterhält.

Aufs Finanzielle hob auch Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) ab. „Haben wir so viel Geld, um den Betrag ausschlagen zu können“, fragte sie. Thomas Ihrig (SPD) positionierte sich wie Gerbig und wollte nicht handeln, bevor über die anhängige Klage der Stadt gegen den Bescheid des RP entschieden ist – was aber lange dauern kann, wie der Bürgermeister sagte.

Den Gestattungsvertrag mit der Betreiberfirma muss der Magistrat aufgrund der Rechtslage abschließen, bedauerte Kehrer. Baumfällungen könnten dann nach Ende der Vegetationsperiode ab Oktober erfolgen, meinte er auf Nachfrage. Ob auf privatem Gelände schon welche laufen, vermochte er nicht zu sagen.

Nochmal Wilfried Friedrich wollte wissen, wie es mit der Nutzung von Solarenergie auf den Dächern von städtischen Gebäuden aussieht. „Was möglich ist, wurde gemacht“, verdeutlichte der Rathauschef das bisherige vorausschauende Handeln der Stadt. Auf Jahrzehnte alten Dächern lohne es sich nicht. „Wir prüfen das bei Umbau“, machte er klar, dass man weiterhin die Sonne fest im Blick hat.