Rollender Bauernmarkt ab 15.9. in Igelsbach

Der „Rollende Bauernmarkt“ kommt ab dem 15. September immer mittwochs ab ca. 15.50/16 Uhr nach Igelsbach. Er ist dann zentral beim Sängerheim des MGV zu finden. Damit gibt es ein weiteres Nahversorgungsangebot im ansonsten unterversorgten Höhenort, nachdem freitags seit einiger Zeit bereits ein Wagen mit Italienischer und anderer Feinkost Station im badischen und hessischen Dorf macht. Bauernmarkt-Betreiber André Kruppe aus Finkenbach bietet unter anderem Lebensmittel des täglichen Bedarfs an, wie Backwaren, Wurst, Fleisch, Molkerei-Produkte, Obst und Gemüse sowie frische Eier. Kräuter, Grießklößchen, Säfte, Wein, Zucker und Mehl gehören daneben zum Standardsortiment. Die Produkte bezieht er unter anderem von Lieferanten aus der Region, so der Bäckerei Riesinger und der Hofkäserei am Schlossberg  in Gammelsbach, der Molkerei Hüttenthal, der Firma Heist mit Odenwälder Nudeln in Rehbach und der Erzeugergemeinschaft Trunk mit Frischeiern und Nudeln in Schloßau. Vorbestellungen sind ebenso möglich wie Zahlungen mit EC-Karte. Kontakt: André Kruppa, Telefon 0175-2815817, E-Mail andre.kruppa@gmx.de

Fürs Hochwasser gerüstet sein

Hetzbach. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Im Ortsbeirat wurde der Wunsch an die Verwaltung herangetragen, im kommenden Winterhalbjahr unterhalb der Krähberghalle Gehölzpflegemaßnahmen am Tunnelbach durchzuführen und außerdem das Einlaufbauwerk am Durchlass des Wolfsbuckels zu überprüfen. Denn insbesondere das Frühjahrshochwasser 2018 zeigte, dass der Tunnelbach erhebliche Wassermassen führen kann. Es wird befürchtet, dass weitere überalterte Weiden zusammenbrechen und Abflusshindernisse bilden.

Bürgermeister Christian Kehrer wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Bäume auch auf Privatgelände stehen. Wegen der Hochwasserproblematik und der aufgrund des fortschreitenden Klimawandels aller Voraussicht nach in Zukunft häufiger auftretenden Starkregen hat die Stadt eine Überprüfung der örtlichen Verhältnisse durch ein Fachbüro in Auftrag gegeben. Ein Ergebnis wird unter anderem eine Karte mit Darstellung des Hochwasserabflusses sein, die Anfang 2022 vorliegen soll.

Der Wegebau im Rahmen der Flurbereinigung geht nur stockend voran. Ortsvorsteher Jörg Eckert hatte diesbezüglich Kontakt mit Thomas Fabian, Verfahrensleiter beim Amt für Bodenmanagement (AfB) Heppenheim. Nach dessen Aussage werden dieses Jahr keine Wegebaumaßnahmen mehr ausgeführt, berichtete Eckert auf der Sitzung.

Im Gremium wurde nochmals auf den schlechten Zustand der Strecke zwischen Kutschenweg und verlängerter Brückenstraße/Friedhof hingewiesen, der wegen starker Ausschwemmungen mit normalen Pkw kaum noch befahrbar ist. Kehrer teilte mit, dass von der Stadt allenfalls eine provisorische Instandsetzung erfolgen wird. Der Ausbau ist Sache der Flurbereinigung. „Dem wird nicht vorgegriffen“, betonte er.

Die sanitären Anlagen auf dem Campingplatz am Schwimmbad sind saniert, so die Mitteilung im Ortsbeirat. Sie waren allerdings wegen der Pandemie-Situation aus hygienischen Gründen bis zur Neuverpachtung des Schwimmbad-Kiosks geschlossen. Die neue Kiosk-Pächterin übernimmt nun auch die Betreuung des Campingplatzes. Laut Kehrer steht noch der Bau einer Rampe zur behindertengerechten Toilette aus.

Die Mitglieder baten die Verwaltung, auf dem Campingplatz eine Kontrolle des Baumbestands durchzuführen und gegebenenfalls verkehrsunsichere Bäume zu fällen. Die für die Begrünung nicht geeigneten, starkwüchsigen Nadelbäume stehen teilweise zu dicht und sind überaltert. Im Fall eines Sturms sind Sach- und möglicherweise auch Personenschäden zu befürchten, hieß es.

Die vollständige Sanierung der Stützmauer im „Schlinggrund“ würde in die Hunderttausende gehen, berichtete das Stadtoberhaupt. Die schadhafte Stelle war von der Verwaltung begutachtet worden. Seitens der Stadt sieht man keine akute Gefahr, so Kehrer. Eine ausreichende Stabilität der schadhaften Mauer ist gegeben.

Aus der Runde wurde angesprochen, dass im Bereich „Schlinggrund“ in letzter Zeit verstärkt Probleme mit uneinsichtigen Hundehaltern bestehen. Diese befahren landwirtschaftliche Wege, stellen ihre Fahrzeuge dort ab und lassen ihre Hunde teilweise frei laufen. Es ist bereits zu Beißereien gekommen, so die Beschwerde.

Zudem liegen hier beliebte Spazierwege, die auch gerne von Familien mit kleinen Kindern genutzt werden, sprachen die Mandatsträger an. Es sollten daher vermehrt Kontrollen durch das Ordnungsamt erfolgen. Der Bürgermeister bat, möglichst alle Vorfälle zeitnah zu melden. Hierzu kann der „Mängelmelder“ auf der städtischen Homepage verwendet werden.

Die vom Ortsbeirat im Herbst vergangenen Jahres angepflanzte Hecke aus Kleinsträuchern, die das Urnengrabfeld auf dem Friedhof zum Eingangsbereich hin abgrenzen sollte – um die häufige Nutzung der „Abkürzung“ über die Wiesenfläche zu unterbinden –, wurde teilweise abgemäht, lautete die Klage.

In letzter Zeit gab es häufiger Beschwerden über die Pflege des Friedhofs, wurde im Gremium moniert. So muss die Hainbuchenhecke am Zugang zur Aussegnungshalle geschnitten werden. Nach Mitteilung des Bürgermeisters wird der Friedhof vom Bauhof gepflegt. Die abgemähte Hecke wird ersetzt. Beschwerden können auch hier über den „Mängelmelder“ gemeldet und nicht erst in Ortsbeiratssitzungen vorgetragen werden.

Der Ortsbeirat bat darum, für eine Ersatzpflanzung der Hecke am Urnengrabfeld und für den Schnitt der an der Aussegnungshalle zu sorgen. Denn das Erscheinungsbild des Friedhofs lässt teilweise zu wünschen übrig, so die Klage. Das Urnengrabfeld muss abgegrenzt und sollte eindeutig als Grabstätte erkennbar sein.

Nächstes Jahr geht’s am Bahnhof los

Hetzbach. Es geht voran mit den Planungen für die Sanierung des Hetzbacher Bahnhofs. Bürgermeister Christian Kehrer stellte auf der vergangenen Sitzung des Ortsbeirats die aktuellen Entwicklungen vor. Demnach soll mit den Arbeiten im kommenden Jahr begonnen werden. Als erster Schritt werden die beiden Wohnungen im Hauptgebäude umgebaut und renoviert. Der Komplex wurde im Vorfeld von einer Fachplanerin besichtigt.

Wegen der nach wie vor bestehenden Einbruchsgefahr – erst kürzlich gab es wieder einen Versuch, ins Gebäude zu gelangen – ist es Kehrer zufolge vorrangiges Ziel, den Bahnhof wieder zu beleben. Nach den Wohnungen geht es an die Sanitäranlagen im Erdgeschoss. Vorgesehen ist, nach der Sanierung den Ortsvereinen einen Raum im Erdgeschoss zur Nutzung zur Verfügung zu stellen.

Bei der Herrichtung der Güterhalle ist der Denkmalschutz ein großes Thema, erläuterte das Stadtoberhaupt. Der Charakter des Gebäudes muss erhalten bleiben, betonte er. Dies schränkt jedoch die Umbau-Möglichkeiten ein. Die sanierte und umgebaute Güterhalle soll für Veranstaltungen während des Sommerhalbjahrs nutzbar sein. Der Einbau einer Heizung und weitere bauliche Maßnahmen für eine ganzjährige Nutzung sind jedoch nicht vorgesehen.

Auch ein Teil der Außenanlagen wird überplant, sagte Kehrer. Insbesondere sollen Parkplätze angelegt werden. In Richtung Bahnsteig sind jedoch noch keine Veränderungen geplant, da dort noch Veränderungen anstehen. Für den Ausbau des Bahnsteigs und die Verlegung eines Begegnungsgleises, das zur Einrichtung eines Ein-Stunden-Taktes auf der Odenwaldbahn notwendig ist, liegt seinen Worten nach allerdings noch keine Planung der Bahn vor.

Der Realisierungs-Zeitplan ist unklar, so der Bürgermeister. „Jedenfalls wird bis zum Ausbau der Bahnanlage ein vorzeigbarer Bahnhof vorhanden sein“, kündigte er an. Die Diesellok und der Waggon bei der Güterhalle gehören nicht der Stadt, sondern noch dem ehemaligen Besitzer des Bahnhofs, ergänzte er. Dieser habe sich bislang noch nicht weiter um sein Eigentum gekümmert.

Ein Dauerthema im örtlichen Gremium ist eine Verkehrsberuhigung auf der B 45. Der Rathauschef teilte mit, dass die Stadt nicht der Straßenbaulastträger ist und von der zuständigen Behörde Hessen Mobil lediglich angehört wird. Grundsätzlich hat diese das Thema aufgegriffen, fügte er an. Vorschläge aus Hetzbach, die über den Ortsbeirat an die Verwaltung und von dieser an Hessen Mobil weitergegeben werden, wären sehr hilfreich, betonte Kehrer.

Seine Empfehlung ging in Richtung Durchführung einer Unterschriftenaktion, um ein deutliches Signal von Seiten der Ortsbevölkerung zu geben und einen gewissen „Druck“ aufzubauen. Hierauf wird Kehrer zufolge von Hessen Mobil in der Regel auch reagiert. Das Gremium wird die Sache angehen, versicherte Ortsvorsteher Jörg Eckert.

Neue Induktionsstreifen für die stationären Blitzer können erst bei der Fahrbahnerneuerung verlegt werden. Ansonsten müsste die Stadt die gesamten Kosten tragen, erläuterte Kehrer auf Nachfrage. Vom Ortsbeirat wurde angeregt, neue und leistungsfähigere Blitzanlagen aufzustellen. dEr Bürgermeister wies darauf hin, dass die Stadt eine hohe Polizeipräsenz auf ihrer Gemarkung erreicht hat. Die Ordnungshüter reagieren auf Verstöße von Motorradfahrern teilweise mit drastischen Maßnahmen, wie Führerscheinentzug und Beschlagnahmung der Bikes.

Den Kellereihof zum Beben gebracht

Michelstadt. Fetter Sound, spielfreudige Musiker, trockenes Wetter und ein klasse Gast: Die Hüttenwerk-Hausband „Another Livetime“ räumte bei ihrem ersten Auftritt nach der einjährigen Zwangspause im Kellereihof kräftig ab. Mit dem Heidelberger Olli Roth gab’s einen „Special Guest“, der auf den Bühnen der Region bekannt wie ein bunter Hund ist und etlichen Songs seinen Stempel aufdrückte.

„Groovt und tanzt mit uns“, forderte Frontfrau Michi Tischler die Gäste auf. Die ließen sich nicht lange bitten, denn bei dem Programm an diesem Abend fiel dies mehr als leicht. Groovig-soulig-funkige Stücke hatte sich die Gruppe ausgesucht, die Roth, eigentlich eher der (bluesige) Rocker, von einer anderen Seite zeigten. Doch wie wandlungsfähig er ist, machte der gestandene Musiker mit seiner langjährigen Erfahrung ein ums andere Mal deutlich.

Spielte sich das Geschehen erst noch weiter hinten im Hof ab, so trauten sich die Fans nach und nach auch weiter vor die Bühne, um dort nach anfänglichen zögerlichen Bewegungen loszutanzen. Auch wenn „Another Livetime“ vor dem Auftritt nur einmal probte, ist es wie mit dem Fahrrad fahren: „Man verlernt es nicht“, schmunzelt Tischler.

Wie natürlich auch die Texte. „Ain’t Nobody“ von Chaka Khan ist ein Klassiker für die Sängerin, ein Lied der ersten Stunde, das sie bereits seit knapp 20 Jahren im Repertoire hat. Und das natürlich bestens bekannt ist, wie sich am vielstimmigen Chor zeigt. Ihr nach tut es Olli Roth mit „Superstition“ von Stevie Wonder, das er mit fettem Begleitband-Sound in die Menge röhrt.

Hier wie auch später glänzt Anke Rible mit ihren Saxophon-Soli. Es ist immer eine Wucht, welche Töne sie dem Instrument entlockt. Sie drückt damit etlichen Songs gerade aus dem Blues- oder Soul-Bereich ihren Stempel auf. Dazu unterstützt sie Michi Tischler als Background-Sängerin.

Ob „Sledgehammer“ von Peter Gabriel“ oder „Nightshift“ von den Commodores: Die beiden Frontleute geben sich die Klinke in die Hand, sind immer in Bewegung, strahlen eine große Präsenz aus. Eine Stunde, bevor „No Roots“ im Original von Alice Merton weiter oben im Ponyhof erklingt, gibt Michi Tischler ihre klasse Version des Hits zum Besten.

Gitarrist Jens Reyer zeigt ein ums andere Mal, dass er ein Meister auf den sechs Saiten ist und streut auch mal rockige Soli ein, wenn es eigentlich wie bei „Ain’t Nobody“ ein funkiges Stück ist. Bandgründer Thomas Klein am Schlagzeug und Keyboarder Axel „Aji“ Imhof (beide aus Michelstadt) machen mit Bassist Christoph Victor Kaiser die Rhythmus-Sektion komplett, die bei jedem Lied für den perfekten Sound sorgt.

Nach nur kurzer Pause geht’s im zweiten Set genauso fetzig weiter. Etwa mit „Rock with you“ oder „Papa was a Rollin‘ Stone“, die auch die letzten müden Glieder motivieren können. Nach und nach trudeln auch noch ein paar verspätete Gäste ein, sodass sich der Hof etwas voller als zu Beginn präsentiert. Normalerweise zieht „Another Livetime“ im Hüttenwerk mehr Besucher an, aber das unsichere Wetter und unsichere Zeiten könnten hinderlich gewesen sein.

Der Truppe ist das egal, sie legt los, als gäbe es kein Morgen (was für Veranstaltungen manche bereits wieder befürchten). „Another Day goes by“ und „Show me Love“ als Schlussstück machen Lust auf mehr, das es natürlich gibt: mit einem fulminanten „Purple Rain“, bei die Hausband noch einmal den Kellereihof zum Beben bringt.

Der Odenwald rockt die Republik

Michelstadt. Je kühler die Temperaturen, desto heißer die Musik. Was am Nachmittag eher „soft“ startete, hatte gegen Mitternacht mit dem Auftritt von „The Gardener & The Tree“ einen vielumjubelten Abschluss. Nach dem Auftakt ohne Zuschauer im vergangenen Jahr war die Stimmung beim Arte-Zeitgleich-Festival 2.0 am Ponyhof, dieses Mal mit Gästen, klasse. Die „Sound of the Forest“-Macher (SOTF) hatten ein paar Highlights ihres Programms zusammengetrommelt, die den Odenwald in die ganze Republik erschallen ließen.

500 Besucher hätte man aufs Festival-Gelände lassen dürfen, 250 Auserwählte waren dabei, erzählt Jo Megow vom Orga-Team. 100 Karten gingen in den Verkauf und waren sofort weg, die anderen 150 wurden an langjährige Helfer und Familienmitglieder verteilt. Sie kamen in den Genuss einer super Show, die locker auch am Marbachstausee hätte stattfinden können.

Denn in aufwändiger Vorarbeit war das Gelände hinter dem Waldschwimmbad in eine Art Mini-SOTF verwandelt worden. Der rauchende Hirsch durfte nicht fehlen, das Festival-Logo stand in bunten Buchstaben im Hintergrund, die Bühne war mit viel Liebe zum (Holz-)Detail errichtet worden. Und dazu noch die familiäre Atmosphäre, die Künstler und Publikum so sehr beim angesagten Indie-Festival schätzen.

Deshalb war es kein Wunder, dass sowohl Alice Merton als auch Gardener-Frontmann Manuel Felder davon schwärmten und nur gute Erinnerungen an frühere Auftritte hatten. Denn beide haben sich am Marbachsee die ersten Sporen verdient, die ersten größeren Auftritte ganz am Anfang der Karriere hingelegt und kehren nun als bekannte Top-Acts in den Odenwald zurück.

Spätestens seit „No Roots“, das inzwischen schon hoch und runter gecovert wird, ist die gebürtige Frankfurterin ein Star – und seit der Teilnahme als Jurorin bei „The Voice of Germany“ breit in der Öffentlichkeit präsent. Sie hat keine Probleme, die Fans zum Tanzen vor der Bühne zu motivieren, sodass Arte in die Republik übertragen kann, dass die Michelstädter und ihre Gäste kräftig feiern können.

Aber Merton ist nicht nur ein One-Hit-Wonder, sondern hat bereits etliche eingängige Songs produziert. „Trouble in Paradiese“ oder „Vertigo“ etwa, die aus dem kalten Eck am Waldrand einen heißen Dancefloor machen. Letzteres Stück hat sie wie alle anderen auch selbst geschrieben. Es geht in ihm um die Ängste der Musikerin vor den Auftritten, die ewige Unruhe. „No Roots“ ist musikalisch eigentlich nur ein Ausschnitt ihres Schaffens, denn mit anderen Liedern zeigt sich Merton auch mal funkig, poppig oder heftig rockend.

Sehr professionell, gestylt, bisschen glatt kommt die Sängerin rüber. Nichts wird dem Zufall überlassen. Die Mitmusiker sind eher Statisten und verblassen vor ihrer Präsenz, die bei jedem Stück spürbar ist. Ganz anders die letzte Band des Abends, die Schweizer Indie-Folk-Rock-Band „The Gardener & The Tree“. Dem Quintett ist die Nervosität vor der Live-Übertragung anzumerken.

Aber ist die erst einmal vorbei, geht’s kraftvoll, roh, ungeschliffen zu Werke. Und zum Schluss, als im Fernsehen keiner mehr zuschaut, sondern nur noch die bekannten Gesichter vor Ort, geht’s so richtig zur Sache. Die fünf kommen in Fahrt, legen eine Schippe drauf, zelebrieren zusammen mit den Licht- und Pyro-Effekten eine Riesen-Show, mit der sie Alice Merton den Rang ablaufen. Der Jubel ist frenetisch, die Zugabe-Rufe sind laut – und tatsächlich, einen gibt es noch obendrauf.

Manuel Felder hat an der enormen Bühnenpräsenz großen Anteil. Er lebt die Songs, leidet mit, singt sie voll Inbrunst. Mit seiner tiefen, röhrenden Stimme erinnert er an Disturbed-Frontmann David Draiman. Waren die Fans zu Beginn noch etwas verhalten, gibt’s ab der Mitte des Sets kein Halten mehr. Die Band verströmt dann eine unbändige Kraft auf der Bühne, was auch dem fetten Schlagzeugsound von Daniel Fet zu verdanken ist. Nächstes Jahr kommen die Schweizer wieder zu SOTF. Kein Wunder, dass Megow im Nachklapp auch von einem „überragenden Abend“ spricht.

Was mit „Palma Ada“ und „Seed to Tree“ etwas ruhiger startete, fetzte spätestens mit „Impala Ray“ so richtig los. „Zum Glück blieb’s trocken“, meinte der Orga-Mann. Denn bei „MS Dockville“ in Hamburg gab’s eine Unwetterunterbrechung, die den Zeitplan durcheinander zu bringen drohte. Aber „Rocken am Brocken“ konnte kurzfristig einspringen. „Diese Stimmung haben wir lange vermisst“, freut sich Megow. „Es ist schön, wieder lachende Gesichter zu sehen.“

 

Hochwasserschutz im engen Tal

Unter-Sensbach. Die Flutkatastrophen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben auch in der Region den Blick auf den Schutz vor möglichen Wassermassen gelenkt. Gerade in den engen Tälern besteht eventuell die Gefahr, dass vom Hang herabschießende Fluten gefährlich werden könnten. Heiko Scheuermann sprach vor diesem Hintergrund auf der vergangenen Ortsbeiratssitzung das Thema an und wies auf Handlungsbedarf hin.

Konkret ging es dem Mandatsträger um die Instandhaltung von Feld- und Waldwegen, vor allem das Offenhalten von Abschlägen und Durchlässen (Entwässerungsanlagen). Bei Spaziergängen hatte Scheuermann am Sensberg festgestellt, dass die Ableitung von Oberflächenwasser nur sehr bedingt erfolgt und es deshalb zu größeren Schäden kommen könnte. Er stellte deshalb die Frage, wer für diese Aufgaben zuständig und verantwortlich ist.

Grundsätzlich ist dies wohl Aufgabe der Stadt, in deren Eigentum oder Verwaltung das Wegenetz aus Feld- und Waldwegen steht, kristallisierte sich heraus. Der Ortsbeirat sieht hier aber auch die Eigentümer der anliegenden Grundstücke in der Pflicht. Es sollte ebenso in deren Interesse sein, hieß es, durch eine entsprechende Wasserführung die Wege in einem ordentlichen Zustand zu halten.

Mit seiner Budgetverwendung will das Gremium „ein Zeichen setzen“, sagte Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann. Unter dem Schlagwort „Klimastabile Mischwälder im Sensbachtal“ soll ein Betrag von etwa 1000 bis 1200 Euro für den Ankauf von bestimmten Bäumen zur Verfügung gestellt werden. Dabei soll es sich um hochwertigere Gewächse, wie Edelkastanien, Kirschen oder Nussbäume, handeln, die in den Sensbachtaler Stadtteilen auf durch Käfer oder Sturm entstandenen Kalamitätsflächen gepflanzt werden.

„Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind Aspekte, deren Bedeutung in der letzten Zeit sehr stark zugenommen hat“, ergänzte Kuhlmann. Natürlich könne man mit dieser Aktion den Klimawandel nicht aufhalten, sagte er. Aber es geht ihm um eine Aktion mit Signalwirkung, der sich andere Oberzent-Ortsteile anschließen können.

Der Ortsbeirat möchte damit die Entwicklung des Stadtwaldes auf der Gemarkung fördern und einen Beitrag zum Klimaschutz – besonders für die nächste Generation – leisten. „Auch kleine Maßnahmen tragen zu einem guten Ergebnis bei.“ Die Mandatsträger haben bereits bestimmte Flächen in einer Größe von 0,5 Hektar im Auge, die dafür passend wären. In Hebstahl ist eine davon, eventuell auch in Ober-Sensbach. Hier will man beim Gemarkungsrundgang am 10. Oktober genauer hinschauen.

Da das Radwegenetz „Band der Oberzent“ in seiner ursprünglich geplanten Form nicht umgesetzt werden kann, möchte der Ortsbeirat trotzdem sein Interesse am (Teil-)Projekt signalisieren, informierte Kuhlmann. Er bat hierzu um Prüfung seitens der Stadt, welche Abschnitte im Sensbachtal dafür in Betracht und inwieweit bereits getätigte Planungen aus Zeiten der früheren Gemeinde (ehemalige „TSV-Panaromatour“) hierfür in Frage kommen.

Es geht darum, „die einfachste Variante zu realisieren“. Start und Ziel ist das Reußenkreuz. Von dort geht’s auf der linken Talseite bis nach Hebstahl und am Hang entlang wieder nach Ober-Sensbach. „Es soll nichts Neues geteert oder asphaltiert werden“, bekräftigte er. Seiner Kenntnis nach betrug die frühere Streckenlange 33 Kilometer. Auch eine Anbindung ans Ittertal wäre denkbar, erläuterte Kuhlmann. „Der Ortsbeirat arbeitet gerne an der weiteren Entwicklung mit“, versicherte er.

Was passiert nach dem plötzlichen Tod von „Krone“-Wirtin Ulla Hecker im Frühjahr mit der Unter-Sensbacher Kerwe? Denn bei ihr stieg immer die Traditionsveranstaltung. Für 2022 sollen zusammen mit den Ortsvereinen Überlegungen angestellt werden, wie sie auch künftig gefeiert werden kann, erklärte der Ortsvorsteher. „Die Kerwe soll nicht untergehen“, ist der der Wunsch der Einwohner. Ob es allerdings noch einmal einen Gastwirt in der „Krone“ geben wird, vermag Kuhlmann nicht zu sagen.

Wann wird die neue Glocke auf dem Hebstahler Friedhof erklingen? Der Ortsvorsteher hofft im kommenden Jahr. Mit Pfarrer Roland Bahre und eventuell einem Teil des Kirchenvorstandes soll bald die Glockengießerei Bachert in Neunkirchen aufgesucht werden. Dabei sollen Ausführung und Größe der Glocke festgelegt und ein konkretes Angebot eingeholt werden, blickte der Ortsvorsteher nach vorn. Im Ortsbeirat wird daneben über die Anschaffung von „Streetbuddys“ nachgedacht, informierte er.   

Fetzige Rocksongs flutschen wie Öl

Michelstadt. Endlich wieder live vor Publikum spielen. Für die Odenwälder Band „ØL“ war der Auftritt im Rahmen des Festivals der Kulturen der allererste nach der langen Zwangspause. „Wir haben nur einmal vorher geprobt“, lacht Sänger Sebastian Schimmer. Aber durch die große Spielfreude war das den fünf Musikern nicht anzumerken. Denn das altbekannte Programm, mit dem die Gruppe schon oft im Hüttenwerk zu Gast war, sitzt wie eine Eins.

Von Anfang an geht’s in die Vollen. Songs wie „Losing Gravity“, „Yellow Eyes“ oder „Now and Then“ treffen auf eine begeisterungsfähige Menge, die es sich in dem lauschigen Fleckchen am Waldrand neben gurgelndem Bach und See bequem gemacht hat. Corona ist für zwei Stunden weit weg. Nur der Desinfektionsspender erinnert daran: Da war doch was, das hoffentlich nicht wieder kommt.

Die eingefleischte Fangemeinde kennt die Songs natürlich in- und auswendig. Sowieso dürften einige allein deshalb zum Ponyhof gekommen sein, um endlich mal wieder ein paar Freunde in ungezwungener Atmosphäre zu treffen, nachdem dies viel zu lange nicht möglich war. „ØL“ rocken gleich los, als habe es nie eine Pause gegeben. Schimmer muss ab und zu etwas langsam tun, weil er nicht 100-prozentig fit ist, aber das ist ihm kaum anzumerken. Der Spaß an der Freude überwiegt.

Zweimal Gitarre, einmal Bass und dreimal Gesang treiben die Songs voran. Dabei geht das Quintett ziemlich schnörkellos zu Werke. Ausufernde Gitarren- oder Schlagzeug-Soli zur Selbstdarstellung gibt es praktisch nicht, kein Stück hat mehr als drei oder vier Minuten. Musikalisch lässt sich die Band in keine Schublade stecken. Einem richtigen Rocker dürften ein paar der Songs zu weichgespült sein. Auf der anderen Seite fetzt „ØL“ dann so überraschend wieder ab, dass die Hosenbeine flattern.

„Out there“ oder „Sun in my Hand“ sind zwei solch druckvolle Rockstücke. Der mächtige Sound, kurze, knackige Riffs, melodiöser Background-Gesang und ein dichter Tonteppich wabern durch die Natur und erfüllen die eingefleischten Fans mit Entzücken. Ehrliche, handgemachte Rocksongs ohne Firlefanz hat die Band noch zahlreiche andere im Gepäck. „Hold your hand“ etwa oder „Brother“ etwa, bei denen die Post abgeht.

Alle fünf stammen zwar aus dem Odenwald, aber nur Schimmer und Gitarrist Jens Weimar halten noch die hiesigen Fahnen hoch. Bassist Marcus Hartmann hat es nach Stuttgart verschlagen, Keyboarder Dirk Weimar ist in Rheda-Wiedenbrück gelandet und Drummer Sascha Brandel bearbeitet seine Schießbude normalerweise in Kassel.

Trotzdem, schmunzelt Schimmer, entstanden während der Corona-Pandemie 20 neue Songs. Das ist der kreativen Arbeit mit Jens Weimar zu verdanken. Einen davon, „Once in a While“, gab’s vor Ort gleich zu hören. Ein eher ungewöhnliches, leises Stück für die Gruppe, mit Mandoline, Akustikgitarre und „Tröte“, das gleich nach der Pause erklang. Ein zweiter neuer Songs, „Fall“, ist gerade im Werden und soll passend zum Namen im Spätjahr zusammen mit einem Video rauskommen.

Dass „ØL“ neben fettem Rock auch schmusig kann, zeigt „Whereever“, ein Balladen-Klassiker. Das wummernde Schlagzeug bei „One hey, one ho“ oder das Gute-Laune-Stück „Fine“ machen bei den Zuschauern viel Lust auf mehr. Mit „Heartbeat“ am Ende des offiziellen Sets ist klar, wohin die Reise gehen wird: zur Zugabe. Denn schneller als jeder Herzschlag knallt Weimar ein Gitarrensolo raus, das so richtig abgeht. Und wie die Songs allgemein gehalten ist: kurz, knackig, heftig, laut, gut.

„Die Normalität kam ziemlich schnell zurück“, erinnert sich Schimmer. Plötzlich durfte wieder gespielt werden, aber so rasch fanden die in alle Landesteile verstreuten Bandmitglieder gar nicht zusammen. Viele Online-Meetings halfen. Aber das Internet ist dann doch nicht gemacht für gemeinsame Proben vor dem Bildschirm. Bis zum nächsten Auftritt beim „4-Bikes-Festival“ werden die fünf „noch bis oder vier Mal proben“, lächelt er.

Die Band wurde bereits vor 25 Jahren gegründet. Rasch formierte sich eine kleine Fangemeinde. Nach einigen Besetzungswechsel in der langjährigen Geschichte fand sich 2007 die aktuelle Formation zusammen. Die „ØL“-Single „Heartbeat“ wurde 2012 von einigen Sendern als EM-Songs ins Programm aufgenommen. Im September 2016 erschien das vorherige Album „Decades“. Ob nun aus den neuen Songs eine komplette CD wird oder mehrere EPs entstehen, ist laut Schimmer noch in der bandinternen Diskussion.

Info: „Once in a While” ist zu hören und sehen unter http://www.youtube.com/watch?v=vHKiB-63lO8

Planungen für den Dorftreff nehmen Gestalt an

Kailbach. Dorfgemeinschaftshaus (DGH) in Schöllenbach und Kindergarten-Erweiterung in Kailbach sind derzeit die wichtigsten Themen im früheren Hesseneck. Sie waren auch auf der Tagesordnung der Ortsbeiratssitzung unter Leitung von Ortsvorsteher Rudolf Brandel zu finden. Bürgermeister Christian Kehrer erläuterte den Stand der Planungen fürs DGH, das auf dem Bauhof-Gelände entstehen soll. 

Der Stadtteil-Bauhof wird an den zentralen in Beerfelden angegliedert, informierte das Stadtoberhaupt. Lediglich der Winterdienst soll vor Ort bestehen bleiben. An das bestehende Gebäude wird laut Kehrer eine Halle für die Fahrzeuge der Feuerwehr sowie eine Umkleide für die Brandschützer angebaut. Toilette und Küchenzeile kommen ins jetzige Gebäude.  

Aus der aktuellen Fahrzeughalle des Bauhofs soll dem Bürgermeister zufolge ein großer Raum für die Vereine entstehen. Dieser kann für größere Veranstaltungen der Dorfgemeinschaft genutzt werden. Mit einer Fachplanerin erstellt Bauamtsleiter Peter Bauer einen Entwurf. Zudem ist ein Bodengutachten vorgesehen, um die Statik zu gewährleisten.

Die Ergebnisse werden nach den Sommerferien vorgestellt, ergänzte Kehrer. Baubeginn soll im kommenden Jahr sein. Der Verwaltungsstandort Schöllenbach wird langfristig gesehen geschlossen, so der Rathauschef. Eventuell sollen dann bestimmte Rathaus-Dienstleistungsstunden vor Ort angeboten werden.

Auch zur geplanten Erweiterung des Kindergartens Kailbach referierte Kehrer. Die Fördermittel müssen vor Baubeginn nicht bewilligt worden sein, erklärte er. Derzeit läuft die Ausschreibung für einen schlüsselfertigen Anbau. Beim parallel angegangenen Kindergartenanbau in Beerfelden wird zusätzlich ein Ingenieurbüro engagiert. Der Bürgermeister sagte zu, dass der Bau Mitte 2022 stehen wird. Die Lösung des Platzproblems durch Container-Anmietung habe sich als zu teuer erwiesen.

Von der Kindergartenleitung war auf die zu hohe Lautstärke im bestehenden Gruppenraum hingewiesen worden. Die entsprechende Maßnahme wurde in die Sommerferien vorgezogen. Sie muss sowieso erfolgen, erläuterte Kehrer. Der Vorschlag, die Lärmentwicklung mit einem Messgerät aufzuzeichnen, wurde vom Ortsbeirat begrüßt.

Angesprochen wurde auf der Sitzung eine gelbe Tonne. Kehrer berichtete über Erfahrungen anderer Gemeinden damit: Häufig wird demnach zu viel Fremdmaterial in ihr entsorgt. Die Verunreinigungen verursachten erhebliche Mehrkosten. Daneben könnte eine weitere große Tonne die Bürger vor Platzprobleme stellen. Der Bürgermeister will das Thema dennoch in einer Sitzung mit seinen Amtskollegen im Kreis ansprechen.

Kritisiert wurde im Gremium der teilweise unansehnliche Anblick der Altkleidercontainer. Wie Brandel ausführte, kam durch die Coronakrise der Markt damit zum Erliegen. Die Firma Texaid kündigte ihren Vertrag mit der Stadt. Aus diesem Grund kommt es selten Entleerungen der Container, sagte er. Deshalb gibt es manchmal unschöne Ortsbilder durch daneben abgelegte Kleidersäcke.

Um die Geschwindigkeit durchfahrender Fahrzeuge in Kailbach zu reduzieren, gab es die Anregung, an der Kreuzung der Landesstraßen einen Kreisverkehr zu errichten. Kehrer will dafür mit Hessen-Mobil Rücksprache halten. In Schöllenbach gibt es Brandel zufolge ein Funkloch an der Bahnstrecke in Höhe des Tunneleingangs. Aktuell findet deshalb eine Flächensuche für einen 5G-Mast statt.

Einzigartiger Wert des Miteinanders

Beerfelden. „Mit zartem Hauch hat mich der Flügel eines Engels berührt …“ So hieß es in einer Textzeile beim ersten Konzert des Kirchenchors der evangelischen Kirchengemeinde unter der Leitung von Iris Thierolf nach der langen Zwangspause. Sie brachte auf den Punkt, was die Konzertbesucher an diesem Tag immer wieder spüren durften. 17 Titel einschließlich zweier Zugaben hatte der Chor in der kurzen Zeit seit dem Probenstart im Juni vorbereitet. Nur durch intensive Proben und häusliche Vorbereitung der Sängerinnen und Sänger war diese bemerkenswerte Leistung möglich.

Zu erleben, mit welcher Intensität und Konzentriertheit bei diesem Sommerkonzert in der Martinskirche gesungen wurde, führte bei den vielen Besuchern immer wieder zu Gänsehaut-Momenten. Diese schilderte auch Iris Thierolf in ihrer Begrüßung vom Moment des ersten gemeinsamen Singens nach sieben Monaten. Zwar waren die Sängerinnen und Sänger dank unermüdlicher Erstellung von Videos online sehr präsent, aber die vertrauten Schwingungen des „echten“ Chorgesangs wurden sehr vermisst, weiß die Leiterin aus den Rückmeldungen.

Von großer Dankbarkeit für dieses Singen und für alles so wohltuende Begegnen war das Konzert ganz offensichtlich geprägt, kam bei den andächtig Lauschenden im Kirchenschiff an. Das schlug sich auch in der Programmauswahl nieder: Titel wie „Auf zu neuen Horizonten“ und „Gut, wieder hier zu sein“ zeugten ebenso hiervon wie „Freuet euch der schönen Erde“ oder „Dank sei Dir, Herr“.

Deutlich war aus den Äußerungen herauszuhören, wie sehr diese über Jahrzehnte gewachsene Sing-, aber auch Menschengemeinschaft einander vermisst hat und sich nun offensichtlich mehr denn bewusst geworden ist, was für einen einzigartigen Wert dieses Miteinander hat. Die Vortragenden hingen förmlich an den Blicken und Gesten von Iris Thierolf. Sie waren in ständigem Austausch, reagierten verzögerungsfrei auf die eingeforderten Nuancierungen und loteten Lautstärken mit größter Sensibilität aus.

Dadurch wurden ganz herrlich dahingehauchte Passagen möglich, die die Zuhörerschaft nicht weniger in den Bann zogen als machtvolle Klänge nur wenige Takte später. So wurden Titel, wie „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, ein sehr dramatisches „Vater Unser“ von Rimsky-Korsakoff, „Sah ein Knab ein Röslein steh‘n“ oder „Himmel, Erde, Luft und Meer“, zu eindringlichen Hörerlebnissen.

Nicht weniger beeindruckten die jahreszeitlich geprägten Lieder „Frühling lässt sein blaues Band“, „In dieser lieben Sommerzeit“ und die Thierolf’sche Eigenkomposition „Sommerwind“, die einen erfüllenden Gang durch die heimatliche Umgebung nachvollziehbar machte. Durch Einbezug von mehreren Jugendchor-Mitgliedern, die bei „Da berühren sich Himmel und Erde“ und „Schau auf die Welt“ von der Empore aus Oberstimmen sangen, wurde der Klang in der Martinskirche mehrdimensional und umhüllte das zahlreich erschienene Publikum.

Mit „Kein schöner Land“ und „Neigen sich die Stunden“ erklatschte sich dieses zwei Zugaben, die nochmals den Engelflügelschlag spürbar werden ließen. Als helfende Engel zeigten sich die Zuschauer auch in anderer Weise: An diesem Abend wurde auf Anregung des Kirchenchors für die Betroffenen der Hochwasserkatastrophe gesammelt. Es kam die stolze Summe von knapp 1100 Euro zusammen.

Blues bläst die Bewölkung weg

Kortelshütte. Um 20.30 Uhr richtet sich ein banger Blick nach oben. Kommen jetzt die angekündigten Gewitter und heftigen Schauer? Nein. Denn Adax Dörsam und Silke Hauck bluesen den Regen weg, der sich breit machen will. Nur eine knappe halbe Stunde tröpfelt es mal mehr, mal weniger, dann geht das Kulturfestival „Kohü Open“ wieder seinen normalen Gang. Der künstlerische Leiter Heiko Plank zeigt sich im Nachklapp sehr zufrieden mit dem Ablauf. Die angepeilte Besucherzahl wird erreicht, auf der Hirschhorner Höhe gibt’s ein regionales Kulturangebot, das Seinesgleichen sucht.

Möglich gemacht hat diese Premiere oberhalb des südlichsten Ortes im Odenwaldkreis eine Kulturförderung des Bundes, erläutert Andrea Edel zu Beginn. Sie vergisst auch nicht, den vielen Beteiligten zu danken, die das Festival innerhalb von zwei Monaten „auf der Schwanne“ aus dem Boden stampften: federführend der Verein Art Support, der Sportverein und die Freiwillige Feuerwehr. „Endlich wieder Festival“, freut sich Ute Naas von der Kreisverwaltung.

„Wir haben mit Monstern, Trollen und Beamten gekämpft“, schmunzelt Heiko Plank über die Veranstaltungs-Entstehung. Er ist „einfach nur glücklich, hier zu sein“, sagt der unweit des Geländes wohnende Gitarrist über das südlichste Musikfestival Hessens. Sein Anspruch: zu zeigen, was der Odenwald alles an Künstlern aller Stilrichtungen zu bieten. Denn dem Musiker geht es an diesem Tag nicht allein um die schönen Klänge, sondern auch um Futter für Gehirn, Auge und Ohr.

Die Menschen in Oberzent und Umgebung sind sehr dankbar, dass wieder etwas geboten wird. Sehr Jung und sehr Alt kommen auf dem schönen Gelände hoch über dem Tal zusammen. Die Kinder tollen über die Wiese, die Älteren sitzen unter den Sonnenschirmen zusammen und halten ein Schwätzchen. Wer den jeweils etwa halbstündigen Darbietungen lauschen will, findet einen Logenplatz direkt vor der Bühne, wer es gerne etwas gemütlicher hat, sucht sich weiter hinten eine Bierbank.

Den Auftakt macht, nachdem der letzte Schliff an der Technik durch ist, die Musikschule Odenwaldkreis mit ihrem Corona-Musical. Aktuelle Texte werden auf bekannte Melodien umgedichtet. Irische Fröhlichkeit bringen die „Heebie-Jeebies“ auf die Bühne. Die vier Musiker haben neben Heiko Plank den kürzesten Anfahrtsweg, denn drei von ihnen kommen aus Oberzent.

Wolken treiben über grüne Odenwald-Hügel, als wäre es die Grüne Insel. Sanfte Balladen und fetzige Reels wechseln sich ab, zeigen, wovon die Songs handeln: Liebe oder Krieg, erklärt Gitarrist und Sänger Mike Müller schmunzelnd. Das Quartett hat die Klassiker des Irish-Folks im Programm und macht dabei kräftig Stimmung. „Whisky in the Jar“ hat natürlich jeder schon mal gehört – aber anders. Schnell springt die Stimmung über.

Ralf Gauck ist einer der wenigen Bassisten, „der sich mit vier Saiten allein die Bühne traut“, stellt Plank den Wormser Musiker vor. Der spielt einen sehr lyrischen Bass. Das passt zu den Rezitationen von Astrid Haag, die unterschiedliche, ausgewählte Lyrik von großen Schriftstellern beisteuert. Dann wird’s am Himmel dunkel, aber umso heller auf der Bühne. Mit dem Rimbacher Adax Dörsam und der Mannheimer Soul- und Bluesröhre Silke Hauck kommen zwei ganz Große der regionalen Musikszene auf die Bühne.

Warum sie die Lorbeeren verdienen, machen die beiden gleich zu Beginn dar. Dörsam entlockt den sechs Saiten filigrane, bluesige, rockige Töne, während Silke Hauck mit ihrer phänomenalen Stimme die Gäste begeistert. Man merkt, die Chemie stimmt, die Spielfreude ebenso. Nach dem Lockdown, erzählt die Sängerin, hat sie jetzt Projekte am Laufen, „die richtig Bock machen“ – eines eben auch mit Dörsam. Der ist am 13. August mit Timo Gross wieder beim Finkenbach Festival zu Gast.

„Blow my Blues away“ ist wörtlich zu nehmen: Der Wetterblues ist vorbei, als danach der Hausherr mit seiner achtsaitigen „plank“, seiner selbstgebauten Gitarre, ganz in sich und seine Musik versunken loslegt. Er erschafft ein manchmal sphärisches, manchmal jazziges, umfassendes Klangbild mit alten und neuen Songs.

Die Musikliebhaber haben sich inzwischen direkt vor der Bühne eingefunden, wo auch noch Claus Boesser-Ferrari und Jutta Glaser auftreten. Bemerkenswert, was sie nur mit Stimme und Gitarren zaubern. Das Duo „Ekaruz“ aus Michelstadt, Marius Bracke und Nicolas Heckwolf, heimsen zu später Stunde Zugaberufe ein, bevor der Gammelsbacher Ralf Breitinger mit seiner Jeremy-Show den Höhenrücken feurig zum Abschluss-Glühen bringt.

Knapp 500 Musikfans wollten endlich wieder leben

Ober-Mossau. „Endlich wieder leben“: Was Martin Pfeffer von der Bühne in die Menge ruft, trifft genau deren Intention. Der Radiosender Regenbogen 2 hatte seinen „Rockschuppen“ im Biergarten des Schmucker-Brauereigasthofs aufgebaut und damit den Nerv getroffen. Der halbe Odenwald wollte feiern und bei bekannten Rocksongs und süffigem Bier einen schönen Sommerabend genießen, bevor wieder die nächsten Schauer anstanden.

Dass Moderatoren dabei nicht nur hinterm Mikro den Ton zu treffen wissen, sondern auch auf der Bühne eine gute Figur abgeben, bewies der Rocksender dabei gleich zweifach: Denn neben dem Kickstart-Moderator mit seinen lockeren Sprüchen, der neben dem Gesang auch Saxophon und Mundharmonika beisteuerte, bearbeitete Nachrichtenfrau Mareike Makosch die Drums und durfte ebenso gesanglich ran. Das Keyboard bediente Tobias Hofmann, an der Gitarre wirkte Martin Achtelik.

Die vierköpfige Band hatte Songs im Repertoire, die auch bei Regenbogen 2 oft im Programm sind: knallige Rockstücke, die jeder schon einmal gehört hat und die inzwischen zeitlos geworden sind. Was sich auch am Publikum zeigte: Zwar war der Bereich vor der Bühne vor allen den Jüngeren vorbehalten, die damit auch in den Genuss des besseren Sounds kamen, aber je weiter hinten, desto älter. Da saßen dann die, die bereits vor 40 oder 50 Jahren zu den Original-Liedern abgerockt hatten.

Auch wenn Tanzen nicht erlaubt war, Stehen war es und damit zumindest zaghafte Bewegungen der Hüften, des Körpers und des Kopfes. Dazu forderte der Sänger-Moderator die knapp 500 Zuschauer auch immer wieder auf. Je später der Abend, desto eher hatte er damit Erfolg. Wenn Pfeffer nach eineinhalb Jahren endlich wieder auf der Bühne stand, dann war es für die Brauerei ebenfalls der erste Event seit genau dieser Zeit.

Weshalb Gebietsverkaufsleiter Thorsten Heckmann sich auch freute, nach 18 Monaten endlich mal wieder abfeiern zu dürfen. Damit die durstigen Kehlen vor der Bühne nicht ausdörrten, stand dort auch das gespendete Freibierfass. Bei „I love Rock’n’Roll“ von Joan Jett oder Totos „Hold the Line“, gefolgt von INXS‘ „Mystify“, spielte sich die Band langsam warm, um die eineinhalbjährige Pause vergessen zu machen. Außerdem traten die vier erstmals in dieser Besetzung auf.

„Wonderwall“ von Oasis“ oder „Urgent“ von Foreigner taten ihr Übriges, dass die Gäste langsam gegen Ende des ersten Sets auf Touren kamen. Das mussten sie auch, denn nach Sonnenuntergang kroch langsam die Kälte im Tal hoch, die ersten Jacken wurden geholt. Aber nur für die, die sitzen blieben. Denn Bänke und Tische boten einige kreative Möglichkeiten, in Fahrt zu kommen und auf eigene Faust für genug Hitze zu sorgen.

Dass der Rockschuppen in Mossautal stattfand, ist den Kontakten von Lukas Beisel zu Regenbogen 2 zu verdanken, erzählt Event-Leiterin Sara Baas. Der Rothenberger Hirschwirt-Geschäftsführer, dessen Familie seit Mai auch den Biergarten des Brauerei-Gasthofs betreibt, macht öfters das Catering bei Veranstaltungen des Mannheimer Senders. Und da der eine Location für die Generalprobe mit Pfeffer suchte, schlug Beisel das große Außengelände vor.

Apropos Generalprobe: Regenbogen hat am 21. August in Michelstadt Großes vor. Im Rahmen des „Spielplatzes der Kulturen“ stehen dann fünf Bands auf der Festival-Bühne. Gesetzt ist bereits „Delta Rock“. Die Band war bereits mehrfach beim Rockschuppen zu Gast – und hier wird der singende Moderator zwei Songs zum Besten geben. Um die anderen Namen wird noch ein Geheimnis gemacht, aber Baas verspricht hochkarätige Cover-Acts von Top-Bands.

Mossautal war eine der ersten Veranstaltungen, bei der viele Musikfans zusammenkonnten konnte, freut sich die Event-Chefin. Zwar stieg Regenbogen 2 schon früher wieder in die Veranstaltungen ein, aber eben erst einmal sehr vorsichtig nach der Corona-Zeit. Unter anderem gab’s ein Autokino mit Rockröhre Doro Pesch. 

Fred Schwing, der mit seiner Firma Breakout Eventmanagement im Senderauftrag als Veranstalter fungierte, war in der vergangenen Woche noch anderweitig aktiv. Fünf Mann hoch ging’s nach Schleiden in die Eifel, um dort bei der Beseitigung der Hochwasserschäden zu helfen. Ein Sattelzug voll mit Notstromaggregaten, Flächenbeleuchtung, Gelände-Stromversorgern und Schlammpumpen hatten die Helfer im Gepäck. Dafür gab’s von den Gästen nicht nur einen Riesenapplaus, sondern fürs Helferfest von Schmucker 100 Liter Freibier. Schwing richtet in normalen Zeiten mit 230 Mitarbeitern europaweit Großveranstaltungen aus.

Nichts Neues zum Finkenberg-Windpark

Falken-Gesäß. Die Windenergiepark-Planungen auf dem Finkenberg waren Thema auf der vergangenen Sitzung des Ortsbeirats. Allerdings gab es keine neuen Informationen über die bisherigen hinaus, war zu erfahren. Ein Projektierer plant dort aktuell neun Rotoren. Die Stadt Oberzent hat laut Ortsvorsteher Simon Maurer darauf keinen Einfluss, da das entsprechende Gelände im Privatbesitz ist.

Das Zufahrtsrecht außerhalb von öffentlichen Wegen kann über die Grundstückseigentümer gewährt werden, sagte er weiter. Für den Wege- und Leitungsbau sollen 22 Flurstücke der Stadt Oberzent in Anspruch genommen werden, war in einer früheren Sitzung zu erfahren. Hinter dem Vorhaben stehen die Enercon IPP Deutschland GmbH, Aurich, und NWind GmbH, Hannover.

Der Sportplatz ist ein Dauerthema in den Sitzungen. Der soll über die Flurbereinigung saniert werden. Dort hat allerdings der zuständige Sachbearbeiter gewechselt, informierte Maurer. Aus diesem Grund gibt es aktuell keine neuen Informationen, bedauerte er. Da im vergangenen Jahr drei Seitenstraßen im Ort erneuert wurden, werden in diesem Jahr keine weiteren Maßnahmen erfolgen, erläuterte der Ortsvorsteher.

Es herrscht eine große Unzufriedenheit im Dorf, weil die Flurbereinigung schon seit mehreren Jahren läuft und es nicht zu den angekündigten Vorhaben kommt, ergänzte Maurer. Deshalb gab es den Vorschlag, den zuständigen Ansprechpartner zu einem Gespräch einzuladen.

Im oberen Obergeschoss des alten Schulhauses sind die Fenster nicht mehr dicht sind und der Boden ist sanierungsbedürftig. Das ist bereits allgemein bekannt. Bedingt durch den allgemeinen Sanierungsstau in öffentlichen Gebäuden, gibt es in vielen Bereichen einen erheblichen Renovierungsbedarf. Vom Sportverein gab es nun die Anfrage, wie und wann es weitergeht. Die Verwaltung ist bemüht, die Maßnahmen aufzuarbeiten, erläuterte von dieser Seite Stefanie Ampferl. Erschwert wird dies ihre Worten zufolge durch fehlende finanzielle Mittel.

Zur Beratung und Planung des Jubiläums „700 Jahre Falken-Gesäß“ soll ein Festausschuss gebildet werden, sagte Maurer. Außerdem soll eine Besprechung mit Vereinen stattfinden. Geplant ist, alte Haus- und Straßennamen auf Emaille-Schildern zu erstellen. Als Finanzierung wird eine Förderung ins Auge gefasst. Die Umsetzung der Feierlichkeiten wird voraussichtlich erst im kommenden Jahr beginnen, fügte er an.

Der Weg zum Friedhof ist schon länger in keinem guten Zustand. Es kam bei der Sitzung die Frage auf, ob die Stadt in der Haftung ist, wenn jemand dort stürzen sollte. Die Beschaffenheit des Weges ist für jeden zu erkennen, lautete das Ergebnis einer Begehung. Was im Saal zu Unmut führte, da es der einzige offizielle Weg zum Friedhof ist. Maurer erkannte deutlichen Investitionsbedarf, damit die Bürger dort bei jedem Wetter gefahrlos unterwegs sein können. Zur kurzfristigen Sicherung wurde die Aufbringung von Schotter ins Spiel gebracht. Ampferl nahm diese Anregung mit. 

Ein älteres Spielgerät auf dem Spielplatz wurde vom TÜV abgenommen, sagte der Ortsvorsteher. Ein neues kann seinen Worten nach nicht installiert werden. Denn die Bodenbeschaffenheit ist nicht dafür geeignet, um es sicher installieren zu können. Maurer informierte, dass die IKEK-Förderung für private Projekte Ende des Jahres ausläuft. Bis dahin können noch Förderanträge gestellt werden. Öffentliche Projekte laufen weiter. Alle angefangenen Vorhaben werden weitergeführt, verdeutlichte er.

Odenwald-Werbung in den höchsten Tönen

Katzenbuckel/Beerfelden/Michelstadt. Musik vom höchsten Berg des Odenwalds: In Zusammenarbeit mit der Michelstädter Odenwald Tourismus GmbH drehte der Beerfeldener DJ Leon Volk auf dem Katzenbuckel und dem dortigen Turm ein Werbevideo. Es ist Teil der Odenwald-Medienkampagne #ichwillHIERraus. Das spektakuläre Clip (Volk) ist auf dem YouTube-Kanal von „Bergstraße Odenwald“ unter der Rubrik „Über Musik und Natur“ (www.youtube.com/watch?v=tSVhThPTRBg) abrufbar.

Anfang April war Leon Volk auf der Suche nach Partnern und Unterstützern für seine Idee, Open-Air an den schönsten Plätzen im Odenwald elektronische Musik aufzulegen. Dabei kam die Idee auf, die Odenwald Tourismus GmbH in Michelstadt darauf anzusprechen, ob sie Interesse an dem Projekt hätte. Gesagt, getan. Leon stellte zusammen mit seinem Bruder Florian Geschäftsführerin Kornelia Horn die Gedanken vor. „Sie war von Anfang an sehr begeistert“, freuen sich die beiden.

Nachdem im gemeinsamen Brainstorming die Vorstellungen konkretisiert sowie Vor- und Nachteile verschiedener Orte im Odenwald diskutiert wurden, „fiel relativ schnell die Entscheidung, dass der Katzenbuckel-Turm die perfekte Location für ein solches Video darstellt“, erinnert sich der junge Beerfeldener. Aufgrund der Höhe von Berg und Turm „waren wir uns ziemlich sicher, dort die besten Szenen einfangen zu können“, erzählt er.

Als Vorbereitung schaute sich der DJ noch diverse Referenz-Videos von ähnlichen Projekten an. Nachdem die Location feststand, betreute Martina Kaup von der Odenwald Tourismus das Projekt weiter. Außerdem wurde ein Ablaufplan durch die VPS Media aus Höchst erstellt, die den Dreh übernahm. Die Firma war mit vier Personen und einer Visagistin am großen Tag präsent, als es hinauf zum Katzenbuckel-Turm ging.

„Mit professioneller Dreh-Ausrüstung, Kameras, Drohne, DJ-Mischpult und Make-up ging es endlich los“, war die Spannung für Leon kaum noch auszuhalten. Zunächst stand das Interview mit ihm an. Das geschah auf einem Felsen, wo durch die Bäume das Licht optimal für die Aufnahmen geeignet war. Viele Fragen gingen während des Interviews an ihn, etwa: Was begeistert dich am Odenwald? Wie bist du zur elektronischen Musik gekommen? Warum möchtest du gerne an den schönsten Plätzen im Odenwald auflegen?

Das Interview dauerte eineinhalb Stunden, erinnert sich der 18-Jährige. „Zwischendurch musste ich immer wieder in die Maske, weil uns die heißen Temperaturen ordentlich zum Schwitzen brachten“, lacht er. Danach folgten ein paar weitere Szenen. Zum Beispiel, wie Leon und sein Bruder DJ-Equipment die Treppe hochtrugen und sich auf dem Weg zum Turm machten. Damit die Kamera die perfekte Szene einfangen konnte, „haben wir sehr oft gedreht“.

Der anspruchsvollere Teil war schließlich auf dem Katzenbuckel-Turm, schildert Leon den ereignisreichen Tag. Da der sehr begrenzt vom Platz her ist, „mussten wir erstmal schauen, wo wir das Mischpult aufstellen und sich das Kamera-Team am besten positioniert“. Die heißen Temperaturen machten die Aktion hoch über den Odenwald-Tälern und -Hügeln selbst dort zu einer hitzigen Angelegenheit, lacht er.

Schließlich „warf“ der DJ an der höchsten Stelle sein Mischpult an und spielte seinen Set für den Drehtag ab. Nachdem auch hier alle Szenen im Kasten waren, hieß es Warten auf den Sonnenuntergang. Gegen 20 Uhr startete das VPS-Team schließlich die Drohne, um atemberaubende Bilder vom Verschwinden des gelben Sterns und von Leon hoch oben aufzunehmen.

Während der DJ sein Set spielte, kreiste die Drohne mehrmals um den Katzenbuckel-Turm herum. „Damit konnten spektakuläre Bilder und Szenen für das Video eingefangen werden“, freute er sich. Nach rund acht Stunden Dreharbeiten auf dem Katzenbuckel ging die Aktion zu Ende.

Das Video soll auch bald auf den Social-Media-Kanälen von Leon Volk abrufbar sein (Instagram, Facebook, YouTube). Allerdings ohne die extra vorbereitete Musik, „da man diese aus rechtlichen Gründen nicht benutzen darf“, bedauert der 18-Jährige. Obwohl es noch nicht beworben ist, wurde der eineinhalb Minuten lange Clip auf der You-Tube-Seite von Bergstraße Odenwald bereits nach kurzer Zeit schon mehr als hundert Mal angeklickt. „Tendenz steigend, sodass wir uns auf den Start der Kampagne sehr freuen“, sagt Leon.                               Foto: VPS Media

Info: Das Video ist zu sehen unter www.youtube.com/watch?v=tSVhThPTRBg. Social-Media-Kanäle von Leon Volk: Instagram @leonvolk_music, Facebook @leonvolk, YouTube @leonvolk music, Website http://www.leonvolk-music.com

Geschichte und Natur aufs Smartphone gebracht

Rothenberg. Der Verkehrsverein (VVR) bringt Geschichte und Natur aufs Smartphone. Mit Hilfe von QR-Codes werden Sicht-, Stand- und Startpunkte visualisiert. Begonnen hat alles damit, dass Vorsitzender Thomas Wilcke historische Kurzberichte unter dem Titel „Rückspiegel“ für die Webseite zusammenstellte. Dabei kam er auf die Idee, prägnante Plätze und Sehenswürdigkeiten „mit Schildern auszustaffieren“. Aber nicht mit den groß dimensionierten zum Lesen vor Ort, sondern mit kleinen QR-Codes, die auf eine Unterseite der Homepage mit allen Infos führen.

Vor Jahren, erinnert sich der VVR-Vorsitzende, wurde intern einmal über die großformatigen Beschreibungen einzelner Punkte auf der Gemarkung diskutiert. Die sind aber seiner Meinung nach „nicht zeitgemäß und sehr teuer“. Die moderne Alternative wiederum bedeutet keine großen Investitionen „und muss nur gefüttert werden“. In Dieter Ludebühl, Heinrich Beisel und Samira Krings fand Wilcke engagierte Mitstreiter. 

Zu den Sichtpunkten, wie sie etwa von der Schutzhütte auf der Heumatte aus zu sehen sind, zählen Katzenbuckel und Hohe Warte. Ein anderes aussichtsreiches Fleckchen ist das Bannholz, gelegen am Weg von der Sporthalle Richtung Sportplatz am Waldrand. „Da kann man bis in die Nordschwarzwald schauen“, schwärmt Beisel. Dazu finden sich, erläutert der VVR-Vorsitzende, Fotos, Video und Text auf der entsprechenden Internet-Seite.

Drei Brunnen im Ort zählen zu den Standpunkten: Krämers-, Bernds- und Ahlsbrunnen. Es gibt einen Kurzkommentar zur Geschichte und Infos dazu, „was hintendran ist“: nämlich ein Video zum Stollen und zur Brunnenstube. Zum Beispiel ist der Stollen des Ahlsbrunnens 193 Meter lang, ergänzt Beisel. Ihm ist es wichtig, das überlieferte Wissen der älteren Generation auf diese Weise zu erhalten.

Zu den Standpunkten gehören auch die beiden Kirchen in der Ortsmitte. Das Steinerne Kreuz neben dem Wanderparkplatz und die Alte Pumpe an der Landesstraße Richtung Kortelshütte sollen ebenfalls mit aufgenommen werden. Die Startpunkte stehen aktuell noch aus. Doch mit Rothenberg ist noch nicht Schluss: „Andere Stadtteile können gern mitmachen“, wünscht sich der Vorsitzende. „Wir haben jetzt das Know-how gesammelt.“ Auf Ober-Hainbrunn und Kortelshütte dehnt man die Aktion sowieso aus.

Der Kurztext ist laut Wilcke veränderbar, ohne dass gleich der QR-Code verändert werden muss: Für ihn ein nicht zu unterschätzender Vorteil gegenüber stationären Schildern. Der Fokus lag bei der Gestaltung darauf, „keine ellenlangen Texte zu verfassen“. Wer den QR-Code abscannt, landet nicht auf der allgemeinen Webseite, sondern zielgerichtet „an dem Punkt, wo ich gerade stehe“. 

Sein Wunsch: Die Leute sollen es sehen und weitergeben, dass in Rothenberg diese markanten Stellen erläutert werden. „Junge Menschen sollen erkennen, wir schön wir es hier haben“, wünscht sich Beisel. Er weiß, dass im Zeitalter der E-Bikes viele Radler im Höhenort unterwegs sind.

Der Verkehrsverein will sich bald auch noch mit dem Geopfad zum Thema Wasser befassen. „Die Schilder gehören ausgedünnt“, meint Wilcke. Seit ein paar Wochen arbeiten die VVR-Aktiven zusammen mit dem Außendienst des Geo-Naturparks am Geopfad „Wasser“ in den drei Ortsteilen.

Neue Holzschilder werben für diesen Pfad und sollen neben den Markierungen Ortsunkundigen bei der Orientierung helfen. Eines davon lässt sich etwa bereits beim Steinernen Kreuz in Augenschein nehmen. „Die Infotafeln werden gereinigt und überprüft“, erzählt Wilcke. Auch der Baumlehrpfad steht auf der Agenda. Beisel wünscht sich hier eine intensivere Pflege. „Der ist ein Aushängeschild Rothenbergs“, meint er. Interessierte kämen von weiter her, um ihn abzulaufen.

Das Quartett hat sein Schwarmwissen unter einen Hut gebracht: Wilcke den geschichtlichen Background, Beisel seine Kenntnisse der verschiedenen Panoramen, Ludebühl ist „der Scharuber“ und Samira Krings hat ein Händchen fürs Design. Von ihr stammen die kleinen Schilder mit dem QR-Code, verziert mit der Rothenberger Skyline und dem Vereinslogo.

„Es macht auch Spaß“, schmunzelt Thomas Wilcke. Der hat als Rentner „jetzt mehr Zeit“, lachen die anderen. Außerdem ist es nach einhelliger Meinung ein Projekt, „bei dem man immer wieder dazulernt“. Selbst jemand wie der VVR-Vorsitzende, der die Geschicke seines Heimatorts inzwischen bis in die letzten Winkel zu kennen glaubt.

Infos: http://www.vvrothenberg.de

Steuererhöhung rettet den aktuellen Haushalt

Rothenberg. 2020 hui, 2021 pfui: So könnte man kurz und knapp die Haushaltsentwicklung von Oberzent zusammenfassen. Doch der erste Eindruck täuscht. „Das Jahresergebnis 2020 fällt nach derzeitigem Kenntnisstand deutlich besser aus als zunächst erwartet“, vernahmen die Stadtverordneten mit Freude, was Finanzchefin Franziska Bauer bereits dem Haupt- und Finanzausschuss mitgeteilt hatte. Um 650.000 Euro höher, nämlich auf 750.000 Euro, beläuft sich das ordentliche Ergebnis.

Dafür kommt es 2021 dicke: Hier ging es um mehr als 900.000 Euro in den Keller. Allerdings nur auf den ersten Blick. Denn noch nicht eingepreist ist die Anhebung von Grund- und Gewerbesteuer zum Jahresanfang. Statt 365 werden jetzt 495 Prozentpunkte Grundsteuer A und B sowie statt 380 nun 400 Prozentpunkte Gewerbesteuer fällig.

Bauer wies darauf hin, dass noch keine Rückstellungen, Sonderposten oder Abschreibungen 2020 gebucht wurden. Dies kann erst dann mit belastbaren Zahlen geschehen, wenn die Jahresabschlüsse vorliegen – was noch dauern kann.

Bauer zufolge wurde bei der Ausführung des Haushalts mit Vorsicht agiert, da Einnahmen wie Gewerbesteuer, aber auch aufgrund von Kurzarbeit einiger Bürger die Grundbesitzabgaben, ungewiss waren. Gegen Ende des Jahres kam eine Gewerbekompensationszahlung von rund 460.000 Euro vom Land. Durch eine kontrollierte Ausgabenpolitik in Verbindung mit dieser kann Oberzent nach jetzigem Kenntnisstand von einem Überschuss ausgehen, meinte sie.

Ohne die Kompensation hätte es bei den Steuereinnahmen noch düsterer ausgesehen, als sich 2020 sowieso schon darstellte. Denn die Gewerbesteuer hinkt um eine halbe Million hinter dem Ansatz zurück. Der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer sank um fast 800.000 auf 4,9 Millionen Euro. Bei den öffentlich-rechtlichen Leistungsentgelten ist ein Plus von 365.000 Euro zu beobachten.

Dass die Gesamtaufwendungen um eine Million sanken, liegt am starken Rückgang der Ausgaben für Sach- und Dienstleistungen. Weiter ging aufgrund der geringeren Gewerbesteuereinnahmen die dafür zu zahlende Umlage zurück. Auch die Auszahlungen für Investitionstätigkeiten sanken stark: quasi um die Hälfte auf 3,5 Millionen Euro.

Nach dem ersten Quartal 2021 sieht’s für dieses Jahr ganz anders aus. Sie wies in diesem Zusammenhang aber darauf hin, dass die zusätzlichen Einnahmen aus der Steuererhöhung erst zum Bericht mit Stand Ende Juli einpreist werden. Aktuell ging Bauer von 930.000 Euro Miesen im ordentlichen Ergebnis aus, wo es bei der Haushaltseinbringung noch schmale 2300 Euro Plus waren. Besonders der Rückgang bei Zuweisungen und Zuschüssen für laufende Zwecke und allgemeine Umlagen um 900.000 Euro ist auffällig.

Bei den Steuerzuweisungen wiederum rechnet die Stadt in diesem Jahr wieder mit etwas mehr Geld, nämlich 90.000 Euro. Bei der Gewerbesteuer geht Bauer sogar von sprudelnden Einnahmen aus. Im Plan hatte sie mit optimistischen 2,1 Millionen gerechnet, aktuell könnten es sogar noch 250.000 Euro mehr werden. Allerdings gehen auch die Steuerumlagen um 200.000 Euro hoch.

Der Finanzmittelbestand der Stadt betrug Ende April knapp vier Millionen Euro. In diesem Jahr wurden der Finanzchefin zufolge noch keine Kredite in Anspruch genommen und „werden nach derzeitigem Stand in absehbarer Zeit nicht notwendig sein“. Möglich wären insgesamt fast 3,9 Millionen Euro.