Teilnehmerrekord beim neunten Hainbrunner Schlepper- und Oldtimer-Treffen

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„Da kommt jetzt gleich ein Schmuckstück den Buckel runter“, erkennt Dennis Weber schon am tiefen, voluminösen Tuckern. Der Brombacher weist gerade die chromblitzenden Gefährte am dem SV-Sportplatz ein. Und wirklich: Der Lanz Bulldog aus dem Jahr 1938 zieht sofort alle Blicke der Besucher beim neunten Hainbrunner Schlepper- und Oldtimer-Treffen auf sich. Er gleicht schon fast einer Dampflok, wie es aus dem Schornstein auf der Kühlerhaube raucht und kleine Kringel ausgestoßen werden.

Vor allen Dingen ist das 35 PS starke Gefährt eine rollende Bank. Eigentümer Edgar Tartler aus Lützelbach, bei den Traktorenfreunden Bad König aktiv, schätzt den Wert auf 35.000 Euro, hat aber gerade ein Gutachten in Auftrag gegeben, um den aktuellen Stand zu erfahren. Denn in der Menschentraube, die sich nach dem Abstellen sofort um den Lanz bildet, kursieren höhere Zahlen um die 50.000 Euro.

Dennis Weber vergisst vor lauter Begeisterung fast die nächste Corvette einzuweisen, die gerade um die Ecke biegt. „Das ist ein Vorglühschlepper mit liegenden Zylindern“, meint er andächtig über den Bulldog D8506. Wenn der zum Stillstand gebracht werde und weiter tuckere, „fährt er rückwärts, wenn man wieder aufs Gaspedal tritt“. Zehn Liter werden mit einem Zylinder angetrieben und kommen auch erst dann zum Stillstand, wenn Tartler direkt am Motor den Schalter umlegt.

Der Lützelbacher fährt sein Geschoss übers Jahr weg gerne aus. „Um die 5000 Kilometer bin ich immer unterwegs“, schildert er. Zwei Mal, erzählt er stolz, wurde er mit dem Gefährt bereits Weltmeister: 2012 in Bad Waldsee und 2015 in Bad Wildungen – bei entsprechenden Traktoren- oder Schleppertreffen.

Der Lanz Bulldog ist aber nur einer von mehr als 150 Oldtimern aus Landwirtschaft und Automobilgeschichte, die an diesem Tag in Ober-Hainbrunn zu sehen sind. Der MGV als Veranstalter wird bei herrlichem Wetter „förmlich überrannt“, wie Vorsitzender Wilfried Friedrich etwas außer Puste erzählt. Denn es sind ja nicht nur die Fahrer mit ihren liebevoll gepflegten Karossen, die den kleinen Rothenberger Ortsteil bevölkern. Der MGV-Chef zählt nochmal mehr Teilnehmer als 2015. Schon damals freute man sich über einen Riesen-Andrang.

Es kommt noch einmal eine Vielzahl von Gästen obendrauf, die die Gastfreundschaft der Sänger und das bekannte gute gastronomische Angebot Open-Air genießen. Am Vorabend wurde bereits die Kerwe, in deren Rahmen auch das Schleppertreffen stattfindet, mit einem Liederabend eingeläutet. Jetzt entwickeln sich viele Benzingespräche rund um die Vehikel mit mehreren Jahrzehnten auf dem Buckel, die von ihren Eigentümer so hergerichtet werden, dass sie als neu durchgehen könnten.

Friedrich, der die Fahrzeuge an der Einfahrt zum Platz in Empfang nimmt, kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Der Chefarzt vom Mainzer Herzklinikum, der in Rothenberg noch ein Zweithaus hat, ist mit einem alten Citroen angereist, den man bestens aus Alain-Delon-Filmen in Erinnerung hat. Ein Ford Mustang weckt Erinnerungen an den Film „Bullitt“ mit Steve McQueen Ende der 60er Jahre. Von dem Rolls Royce Phantom gar nicht zu reden, der nachmittags auf en Platz fährt. Später wird’s dann richtig voll, als der Oldtimerclub Wiesloch mit 27 alten Vehikeln, eines schöner als das andere, einrollt.

Ein Teilnehmer aus Trebur hatte mit seinem Traktor laut Friedrich wohl die weiteste Anreise, aber der Oldtimerclub Buchen absolvierte ebenso etliche Kilometer wie auch die Freunde historischer Fahrzeuge aus dem Kraichgau. Stark vertreten sind daneben die Traktorenfreunde Allemühl mit einigen schönen Gefährten. Manuela Heiß besitzt einen Mc Cormick aus dem Jahr 1959, Dieter Heiß einen Hanomag B10. Ein D15 Deutz treibt weiter hinten zur Demonstration mit deinen Riemenscheiben eine Brotmühle an.

Fasziniert ist Dennis Weber von einem Schlüter Super 650 V aus dem Jahr 1969 mit einer Sechs-Liter-Maschine. Wie überhaupt auch die Brombacher aus der direkten badischen Nachbarschaft stark vertreten sind. Fritz Heinzmann ist mit einem Lanz Bulldog dabei, Uwe Seib mit einem Agria-Einachser, den er zum 50. Geburtstag geschenkt bekam. Hans Jürgen Löw aus Beerfelden nennt ein Fendt Dieselross mit 12 PS aus dem Jahr 1954 sein Eigen.

„Die Leute sollen sich wohlfühlen“, ist laut dem MGV-Vorsitzenden Wilfried Friedrich die Maxime des Schlepper- und Oldtimer-Treffens, das in die Ober-Hainbrunner Kerwe eingebettet ist. Dazu trägt auch das nicht alltägliche Speiseangebot bei, betont er. Traditionell wird ein althergebrachtes Hochzeitsessen, nämlich Rindfleisch mit Meerrettich und Salzkartoffeln, angeboten. Daneben bereichern der Hainbrunner Holzfäller-Rollbraten vom Buchenholzgrill oder das herzhafte Wildschweingulasch aus dem Kupferkessel die vielfältige Speisekarte. Etliche Gäste aus der Umgebung kommen auch extra deshalb in den Rothenberger Ortsteil.

„Entstanden ist das Treffen aus einem historischen Bauernmarkt“, erzählt Friedrich. Inzwischen sei „der ganze Verein im Einsatz“, um die ankommenden Oldtimer-Besitzer einzuweisen und sich um das Wohl der zahlreichen Gäste zu kümmern, die am sonnigen Sonntag die viele Bierbänke besetzen. Die Teilnehmer werden das Treffen lange in Erinnerung behalten: Denn ihre Anwesenheit wird mit einem Erinnerungsfoto, Verzehrbons und dem beliebten Sammelbutton belohnt.

Alte Traktoren und Schlepper als Geldanlage erlebten in den vergangenen Jahren eine große Wertsteigerung. „Schrott“ zum Herumschrauben bekommt man für vielleicht 500 Euro. Ein Porsche-Traktor geht bei 15.000 Euro los. Und ein Lanz-Bulldog als das Maß aller Dinge kann bis zu 100.000 Euro kosten. Überhaupt die Markennamen: Die schwirren nur so durch die Luft, unterbrochen nur von technischen Feinheiten und Gesprächen über die beste Instandhaltung. Deutz, Kramer, MAN, Lanz oder eben Porsche sind die bekanntesten Traktoren-Marken.

Mehr Bilder hier: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1268156859895127.1073741967.100001024761983&type=1&l=d112df2166

 

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Mit der eigenen Meinung ist es so eine Sache: Kabarettist Frederic Hormuth gastiert beim „HCV Kult“ in Hirschhorn

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Frederic Hormuth hat einfach zu allem eine Meinung. Auch zu der, dass manche eigentliche keine haben sollten. Oder es besser wäre, diese für sich behalten. Der Heppenheimer breitet sein Statement zum Weltgeschehen, zu den großen, kleinen und kleinsten Problemen der Gesellschaft genüsslich aus. Und findet bei der Kleinkunstreihe HCV Kult der Lachsbachperlen ein dankbares Publikum, das seinem Programm „Halt die Klappe – wir müssen reden!“ immer wieder viele Lacher schenkt.

Hormuths Humor ist dabei vielschichtig. Mal so platt, dass man sich fragt, ob man dabei überhaupt lachen soll, mal so sarkastisch bitterböse, dass man sich fragt, ob man darüber überhaupt lachen darf. Und manchmal so verschwurbelt, dass die Pointe kurz braucht, bis sie sich in die Gehirnwindungen vorarbeitet hat – aber dann umso besser wirkt.

Zweieinhalb Stunden gibt es der Kabarettist bei seinem Fast-Heimspiel alles, beackert die Bühne von links nach rechts, kommt nicht zur Ruhe. Schlenkert die Arme durch die Gegend, wenn er dem Gesagten besonderen Nachdruck verleihen will. Setzt zur Verstärkung mit seinem Buzzer noch einen drauf, wenn er sich besonders über seine Mitmenschen aufregt. Und haut ab und zu auf dem Klavier in die Tasten.

„Impfungen machen krank und Horst Seehofer macht einen guten Job.“ Eine Meinung, die der Kabarettist nicht teilt. „Es ist eher andersrum“, sagt Hormuth, und weiß die Lacher auf seiner Seite. Genüsslich geht er mit den Verschwörungstheoretikern ins Gericht, die die Erde für eine Scheibe halten, die „Flat Earth Society“. Oder mit den Reptiloiden-Anhängern, nach deren Meinung die Welt von reptilienartigen Aliens beherrscht wird. Da wundern den 47-Jährigen die vielen Schuppen im Haar gar nicht mehr…

Was wäre Hormuth nur ohne die ganzen Mitmenschen mit ihren kruden Meinungen und verworrenen Gedanken? Er hätte wohl kein Abendprogramm. Obwohl: Die Politiker geben auch immer einen guten Gag her. Wenn Merkel mit ihrem „Wir schaffen das“ einen auf Obamas „Yes, we can“ macht, dann wird in den eigenen Reihen getuschelt, sie sei keine Schwarze, meint der Kabarettist herrlich politisch unkorrekt. Zuerst müssen die Zuschauer mal kurz schlucken aufgrund der spitzen bösen Zunge, schauen dann nach links oder rechts, ob der Nachbar lacht – und stimmen ein.

Hormuth kann sich herrlich aufregen über das Getriebe der Welt. Früher, bei den 68ern, empfahl der Lehrer noch, der Sand zu sein, heute dreht sich alles nur noch ums Öl. Vehemente Kapitalismus-Kritik scheint durch, wenn er vom Hamsterrad spricht, in dem „alle nur noch am Rödeln sind“. Ein Burnout, fabuliert er, „dient schon als Auszeichnung, ist das neue Seepferdchen“.

Abendlandretter, Morgenmuffel, Veganer, Bio-Burger und Helikopter-Eltern. Hormuth lässt wirklich keinen aus, es fehlt nur noch, dass er auch die eigene Zunft wortreich am Schlafittchen packt und ihr ordentlich den Marsch bläst. Humor ist bekanntlich, wenn man trotzdem lacht. Die verbalen Seitensprünge beherrscht der Meister der gepflegten witzigen Unanständigkeit perfekt.

Themen-Hopping hat aber auch etwas für sich, ist im zweiten Programmteil zu bemerken. Denn da greift der Heppenheimer auf schon Gesagtes zurück, dreht sich bisschen im Kreis und räumt dem Bashing von AfD und Pegida einen breiten Raum ein, das in seiner 100. Wiederholung irgendwann mal ermüdet.

Hormuth wäre aber nicht er selbst, wenn er nicht nochmal alle satirischen Kräfte sammelt, zum Schluss ein paar heftige Pointen abschießt, das Publikum fesselt. Dazwischen erfährt man noch, was die Steinzeit mit heutiger Politikverdrossenheit zu tun, was passiert, wenn die Bundeswehr Bahn, Post und Schulen übernimmt oder Kinder mit Hilfe von Unterrichtsmaterialien aus Wirtschaftsunternehmen lernen. Also alles, was man schon immer (nicht) wissen wollte…

Zum 25. Jubiläum war der Besuch beim Kortelshütter Kelterfest der Feuerwehr besonders gut

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Wenn die Kortelshütter Feuerwehrleute ihr Kelterfest feiern, müssen bei den Schwarzkitteln in der Region die Alarmglocken läuten. Denn zwei von ihnen werden dann in bester gallischer Tradition vertilgt. Heuer schon das dritte Mal in Folge. Die zahlreichen Gäste schafften nicht nur das 55-Kilo-Wildschwein vom Spieß aus Brombacher Wäldern, sondern komplett noch ein weiteres, 30 Kilo schweres, das zuvor zu Wildgulasch verarbeitet worden war. Damit bewährte sich die Neuerung aus 2014, eine Wildsau am Spieß anzubieten, wiederum bestens.

Das herrliche Wetter bescherte den Brandschützern noch mehr Gäste als im vergangenen Jahr. Über die Mittagszeit waren die Plätze an den 20 aufgestellten Bierbankgarnituren restlos belegt, es kamen bestimmt über 200 Besucher zu den Spitzenzeiten auf den Berg. Besser hätte man sich den Zuspruch zum 25. Kelterfest rund um das Dorfgemeinschaftshaus nicht wünschen können. Dazu kommen noch diverse Erfolge der verschiedenen Mannschaften bei Feuerwehr-Wettbewerben in jüngster Vergangenheit, sodass es viel zu feiern gab.

Neben den Kameraden der befreundeten Wehren aus Hirschhorn und Rothenberg beobachtete der stellvertretende Kommandant Timo Fink dieses Mal auch viele Auswärtige, die die Gastfreundschaft der Wehrleute und das ausgefallene Speisen- und Getränkeangebot zu schätzen wussten. Sechs Zentner Äpfel von Kortelshütter und Hainbrunner Wiesen (hier von Michael Ihrig) waren im Vorfeld von Einsatzabteilung und Jugendwehr gesammelt worden, um daraus etwa 300 Liter Apfelsaft direkt vor Ort frisch zu pressen.

Malte Hinrichs und Roman Kabel gingen hierfür mehrmals am Tag zu Werke, ließen die Äpfel erst durch die Maschine kleinhäckseln und pressten diese dann mit Muskelkraft zu leckerem Saft. Den nahmen kurzerhand viele Besucher auch abgefüllt mit. Was nicht verkauft wurde, wird demnächst zum Gären gebracht, kündigte Fink an. Am Grill stand in bewährter Manier der gelernte Koch Stefan Sonnenburger. Der ist zwar kein Feuerwehr-Mitglied, ist aber bei den Festen immer an vorderster Front dabei, wenn es ums Helfen geht.

Damit der Grill unter der Wildsau nie ausgeht und sie nach mehr als sechs Stunden das entsprechende Aroma hat, schlägt sich Fink gern die Nacht um die Ohren. „Seit 2 Uhr befeuere ich den Grill“, meinte er zwölf Stunden später immer noch gut gelaunt. Insgesamt waren rund um die Veranstaltung 25 Helfer aus der gesamten Feuerwehr aktiv. Viele Speisen wurden vor Ort selbst zubereitet, so das frisch gekochte Sauerkraut oder der Zwiebelkuchen.

Der Andrang ist eine schöne Bestätigung für die Arbeit im Vorfeld: „Von 11 bis 11 wurde am Vortag gekocht“, macht Fink den Aufwand deutlich. Aber die Gäste wissen auch zu schätzen, dass beim Kelterfest viel selbst Hergestelltes auf den Teller und ins Glas kommt. Neben dem Ragout wurden auch die Semmelknödel in Eigenarbeit hergestellt, kümmerten sich die Wehrleute um Haxen und geräucherte Forellen.

Vorgeschaltet war dem Kelterfest die „Bembelparty“. Zur Musik von „DJ Firefighter“ wurde bis spät in die Nacht getanzt. Ganz aktuell wurde da der Gewinn des Südhessenpokals durch die Jugendwehr gefeiert, aber auch der zwölfte Platz beim hessischen Landesentscheid der Feuerwehrübungen für die Kortelshütter Mannschaft.

Ehrenamtliche brachten die Grenzbrücke in Ober-Hainbrunn wieder auf Vordermann

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Ehrenamt wird im Rothenberger Ortsteil an der Grenze zu Baden und Hirschhorn groß geschrieben. Wenn es etwas zu tun gibt, zögern die drei örtlichen Vereine Feuerwehr, SV und MGV nicht lange und packen an. So geschehen an der Brücke über den Finkenbach hinter dem SV-Gelände, die Hessen mit der badischen, zu Brombach gehörenden Gemarkung verbindet und bei Großveranstaltungen als Abfahrt vom Gelände genutzt wird.

1976 hatten sich die Ehrenamtlichen das letzte Mal dem Bauwerk gewidmet. Einige der alten Recken von damals waren auch diesmal mit zu Gange. Die untere Brückenschicht, bestehend aus dem als „Eisenholz“ bekannten Bongossi, war noch in sehr gutem Zustand. Nur eine Planke musste ausgetauscht werden. „Früher schnitt das Sägewerk Ihrig Exotenhölzer“, weiß MGV-Vorsitzender Wilfried Friedrich, wie man an diese Balken gelangte.

Von dort bekam man nun auch die neuen, sechs Zentimeter dicken Eichenbalken geschnitten und kostenlos geliefert. Nachdem auf die Bongossi-Hölzer eine Folie zur Abdichtung aufgebracht worden war, konnten die neuen Eichenhölzer draufgelegt werden. Viel Arbeit bedeutete durch die Schräge noch einmal das beidseitige Geländer, sagt Feuerwehr-Kommandant Stefan Hofmann. Damit war es aber noch lange nicht getan.

Denn auch die Bäume rund um die Brücke mussten freigeschnitten werden. Darum kümmerte sich Förster Hans-Peter Nelius, der die Zusammenarbeit mit dem Stromversorger RWE und der evangelischen Pflege Schönau auf der anderen Bachseite koordinierte. Die RWE erledigte laut Friedrich die Fällung der über die Stromleitungen hängenden Bäume.

Vor ungefähr einem Monat begannen die 20 Ehrenamtlichen mit ihrer Arbeit und leisteten seither um die 120 Stunden. Erst wurde das alte Geländer abgerissen, dann die morschen Deckbalken entfernt, die neuen aufgebracht, der neue Zaun angeschraubt, im Zuge der Restarbeiten Schotter aufgeschüttet und rund um die Brücke alles zurückgeschnitten. Die Materialkosten bestritten die drei Vereine aus den restlichen Erlösen der 650-Jahr-Feier. Ein kleinerer Teil wurde auch gestiftet.

1972 wurde die Brücke betoniert, erinnerten sich die Älteren unter den Helfern. 1986 folgte die erste Sanierung. Das Bauwerk dient dazu, dass bei Sänger- oder Feuerwehrveranstaltungen der Verkehr in Einbahnregelung auf der anderen Bachseite talabwärts fahren kann und nicht die schmale Zufahrt zur Neckarstraße verstopft. „Die Brücke ist sehr stabil ausgelegt“, freute sich Friedrich. Den Test mit einem 20-Tonner hielt sie jedenfalls aus.

Fast zwei Drittel der Stimmen für Oliver Berthold: 37-Jähriger ist neuer Bürgermeister von Hirschhorn

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Oliver Berthold ist der neue Hirschhorner Bürgermeister. Der 37-Jährige gewann überraschend klar bereits im ersten Wahlgang mit fast zwei Drittel der abgegebenen Stimmen (64,8 Prozent). Seine Mitbewerber Aloisia Sauer (26,6) und Hans-Joachim Lierz (8,7 Prozent) rangierten unter ferner liefen. Die Wahlbeteiligung lag bei 55,7 Prozent. Berthold folgt auf Rainer Sens nach, der Anfang Juni von den Hirschhornern in einem Bürgerentscheid abgewählt worden war.

Der bisher in der Heidelberger Stadtverwaltung als Wirtschaftsförderer tätige Oliver Berthold, aus der hessischen Neckarstadt stammend und dort wohnhaft, konnte sein Glück selbst kaum fassen. „Ich habe fest mit einer Stichwahl gerechnet“, meinte er. Die etwa 100 Interessierten wurden im Rathaus auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Bis 18.50 Uhr dauerte es, als endlich der letzte Wahlbezirk ausgezählt war.

Schon mit den ersten Ergebnissen eine knappe Viertelstunde nach Schließung der Wahllokale hatte sich der Trend abgezeichnet. Berthold lag überall klar über der absoluten Mehrheit. Spitzenreiter war der Briefwahlbezirk mit über 67 Prozent der Stimmen. Der 37-Jährige peilt den 1. Dezember als Amtsantritt an, wenn er bis dahin seine Projekte in Heidelberg erledigt hat. Als Erstes möchte er sich mit der kompletten Verwaltung in seiner Heimatstadt bekannt machen und auf den Stand der Dinge bringen.

Als um 18.13 und 18.14 Uhr aus den beiden kleinsten Wahlbezirken, den Ortsteilen Igelsbach und Langenthal, die Ergebnisse eintrudelten, sorgten diese schon für Raunen unter den Gästen. Denn beide Ortschaften sind eher sozialdemokratisch geprägt. Und eine satte Mehrheit hier für den nach eigener Aussage konservativ-bürgerlichen Berthold hieß schon was.

Der Stadtteil Ersheim sorgt in der Regel bei Wahlen immer für eine gute bürgerliche Mehrheit, die Kernstadt schwankt mal hin und her, ist aber ebenso eher konservativ ausgerichtet. Fast unisono holte der neue Bürgermeister 60 plus x Stimmen, nur noch übertroffen von der Briefwahl. Als der lila Balken zu seinen Gunsten immer höher wurde, war Berthold irgendwann klar, dass es wohl doch schon an diesem Abend reichen würde.

Seine Mitbewerber erreichten maximal 33,8 Prozent (Sauer in Igelsbach) und 13,1 Prozent (Lierz in Langenthal, wohl wegen seiner sehr pointierten Anti-Windkraft-Position im Stadtteil nahe des im Bau befindlichen Windparks Greiner Ecks. „Ich bin überrascht und erstaunt, dass es schon jetzt entschieden ist“, meinte Oliver Berthold in einer ersten Reaktion. Die ganze Zeit hatte er zusammen mit der Familie die projizierte Grafik verfolgt.

Neben seinem Anliegen, sich fachlich auf den neusten Stand zu bringen und in die spezielle Hirschhorner Materie einzuarbeiten, möchte der neue Bürgermeister auch eine Liste von Bürgeranliegen abarbeiten, die er während seines Wahlkampfs aufgenommen hat. Da geht es um teilweise sehr einfache Dinge, die aber den Einwohnern aber auf den Nägeln brennen. Als Beispiel: zu schnelles Fahren in manchen Straßen oder wildes Parken in der Stadt.

Der Erste Stadtrat Karlheinz Happes würdigte die „eindeutige Entscheidung der Mitbürger“. Er wünschte eine „glückliche Hand“ bei der Führung der Amtsgeschäfte, die er nach der Abwahl von Sens bisher führt. Den Glückwünschen schlossen sich auch die Bürgermeister der Nachbarstädte, Herold Pfeifer aus Neckarsteinach und Peter Reichert aus Eberbach, ebenso wie der Kreisbeigeordnete Volker Buser an.

Berthold, der „keine Rede vorbereitet hatte“, danke für den klaren Auftrag durch die Wähler. Er versprach, „für Hirschhorn mein Allerbestes zu geben und die Stadt gut in die Zukunft zu führen“. Viele Gratulanten schüttelten dem neu gewählten Stadtoberhaupt im Anschluss die Hand. Wie auch das Endergebnis mit lautem Jubel aufgenommen worden war.

Dass es auf Berthold als dem jüngsten Bewerber mit der meisten Verwaltungserfahrung hinauslaufen würde, hatte sich in den letzten Tagen vor der Wahl immer deutlicher abgezeichnet. Aloisia Sauer als waschechte Hirschhornerin, die allerdings ein paar Jahrzehnte ihres Berufslebens außerhalb verbracht hatte, genoss ebenfalls viele Sympathien in der Bevölkerung. Allerdings traute es scheinbar doch nur eine Minderheit der 60-jährigen Unternehmensberaterin zu, auch eine Verwaltung führen zu können. Hans-Joachim Lierz als externem Bewerber waren bei zwei Bewerbern aus dem Ort von Anfang an nur Außenseiter-Chancen eingeräumt worden, da auch er über keinerlei Verwaltungserfahrung verfügte.

Ehrenamtliche brachten Sitzbänke in Rothenberg auf Vordermann

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Bänke und Bankgruppen auf Gemarkung des Höhendorfs erstrahlen jetzt wieder in neuem Glanz. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVR) nahm sich zusammen mit Helfern aus dem Flüchtlingsarbeitskreis der teilweise schon etwas verwitterten Sitzgelegenheiten an. Die Idee dazu, am Ehrenamtstag im Odenwaldkreis eine solche Aktion durchzuführen, hatte Gemeindevorstand Walter Braner. Er brachte vier der fünf syrischen Flüchtlinge mit, die aktuell in der Kommune untergebracht sind. Dazu gesellten sich noch ein paar weitere Helfer aus dem Ort.

Gestartet wurde am Matzenbrunnen an der Verbindungsstraße zwischen dem Sägewerk Ihrig zwischen Ober-Hainbrunn und Finkenbach sowie Rothenberg. Hier gingen die Arbeiten so flott voran, dass sich der erste Trupp schnell weiter auf den Weg zur Bankgruppe auf der Höhe in der Nähe des Modellflugplatzes machen konnte und dort begann, die oberste verwitterte Schicht abzuschleifen. Die zweite Gruppe imprägnierte, strich die Bänke am Matzenbrunnen neu und rückte dann nach.

„Wir machen so lange weiter, wie die Jungs Lust haben“, meinte der VVR-Vorsitzende Thomas Wilcke lächelnd. Auf jeden Fall wollte man noch die Bankgruppe am Eberbacher Weg instand setzen, wo die Straße vom Ort zum Segelflugplatz vorbei führt. Danach standen verschiedene einzelne, besonders mitgenommene Objekte auf dem Programm. „Je nachdem, wie weit wir kommen“, so Wilcke. Schon gleich am Vormittag hatten sich die Ehrenamtsbeauftragen des Odenwaldkreises ein Bild der Aktion gemacht.

Das benötigte Arbeitsmaterial wie die Schleifmaschinen kam dabei aus privatem oder Vereinsfundus. Die verwendete Farbe wurde von Kommune und Naturpark zur Verfügung gestellt. „Ich habe bei der Gemeinde angefragt, was denn am Ehrenamtstag eine sinnvolle Initiative sei“, erläuterte Walter Braner. Nach dem Verweis an Thomas Wilcke waren schnell die Bänke gefunden, die der VVR aufstellt und betreut. Die jetzt sanierten haben ein unterschiedliches Alter. Manchen setzte der Zahn der Zeit schon je nach Lage kräftig zu, obwohl sie noch nicht so lange an Ort und Stelle sind. Andere hat der VVR bereits vor über einem Jahrzehnt aufgestellt. Die Verpflegung der gesamten Gruppe in der Mittagspause übernahmen Susanne Weyrauch und Tina Foshag mit Spenden der Metzgerei Beisel und Jehle.

Die vier mitwirkenden Syrer seien inzwischen alle als Flüchtlinge anerkannt, sagte Braner – eine positive Veränderung gegenüber dem Zeitpunkt der Arbeitskreis-Gründung Mitte des Jahres, als alles noch im Schwange war. Die 18- bis 23-jährigen jungen Männer sind nach wie vor bei Edgar Beisel in Rothenberg untergebracht. Inzwischen haben sie auch den Berechtigungsschein für den Integrationskurs, so Braner.

Während dieser Kurs nachmittags in Michelstadt stattfindet, bekommen die Flüchtlinge vormittags noch Deutschunterricht von Hans-Peter Fink, im „normalen“ Beruf Lehrer am Eberbacher Hohenstaufen-Gymnasium. Ein Syrer hat sich bereits als Bauzeichner ebenfalls in Eberbach beworben, andere sind im Bewerbungsverfahren, der letzte hat bald ein Vorstellungsgespräch.

Das letzte Beerfelder Gewerbegebiet wird erschlossen

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Die Erschließung des letzten Beerfelder Gewerbegebiets ist in der Mache. Im Zieglersfeld (von der Dieselstraße aus gesehen hangabwärts Richtung B45) sollen den Firmen nach dem kommenden Winter Bauplätze zur Verfügung stehen. Die Tiefbauarbeiten laufen bereits, mit dem Spatenstich wurde die Maßnahme nun offiziell eingeläutet. Ab 2000 Quadratmeter aufwärts sind alle Grundstücksgrößen möglich, erläuterte Jochen Jäger von der erschließenden Hessischen Landgesellschaft (HLG).

Diese hat das betreffende Gelände bereits vor etwa zehn Jahren gekauft, aber bisher weiter landwirtschaftlich betreiben lassen. Die HLG führt nun Straßenbau sowie Verlegung von Wasser- und Abwasserleitungen durch und finanziert auch die komplette Maßnahme vor. 27.000 Quadratmeter Gewerbefläche stehen laut Jäger zur Verfügung. 7000 davon angrenzend an die Dieselstraße seien bereits verkauft. Mit drei weiteren Betrieben sei man in ziemlich konkreten Verhandlungen.

Für die Planung ist Diplom-Ingenieur Herbert Siefert aus Beerfelden zuständig. Die Bauzeit sei bis Ende Januar veranschlagt, sagte er. Diese umfasst seinen Worten zufolge auch die Verlegung von Medienkabeln, Straßenbeleuchtung, E-Netz und Telekom-Anschlüsse. „Wir brauchen die Straße, um weitererschließen zu können“, meinte Bürgermeister Gottfried Görig. Denn außer in den direkt an der Dieselstraße liegenden Flächen müsse das Schmutzwasser aufgefangen und wieder nach oben ins Kanalnetz gepumpt werden.

Mit der Erschließung wolle man dem örtlichen Gewerbe die Möglichkeit zur Erweiterung und Betrieben aus der Region zur Ansiedlung geben, erläuterte der Bürgermeister. Auf der anderen Seite der Dieselstraße hätten in der vergangenen einige Unternehmen aus der Stadt die Chance zur Ausdehnung genutzt, da es in der Stadtmitte zu eng geworden sei. Je schneller die Grundstücke verkauft werden können, desto positiver fürs Gemeindesäckel. Denn nach Ablauf der Vertragslaufzeit mit der HLG müssen diese von der Kommune aufgekauft werden.

Zum Spatenstich waren außerdem Stadtbaumeister Peter Bauer, Geschäftsführer Frank Schild von der ausführenden Eberbacher Firma Michael Gärtner und deren Bauleiter Dietmar Skrodzki gekommen. Sie nahmen zusammen mit Jäger, Siefert und Görig danach das Gelände in Augenschein.