Im tristen deutschen Winter steppend auf die Grüne Insel Irland

Ein Hauch von Irland liegt über der Werner-Borchers-Halle. Vor dem geistigen Auge – und auf der Leinwand hinter der Bühne – entsteht ein Bild der Insel mit ihren weiten, sattgrünen, manchmal auch kargen Landschaften, am Himmel entlang treibenden Wolkenfetzen, den vier Jahreszeiten an einem Tag. In diese Eindrücke mischt sich langsam die Musik, die melodische Geige, die akustische Gitarre oder das gezupfte Banjo. Dazu noch der Klang von Stepptanz-Schuhen sowie über die Bühne fegenden Tänzern zu fetzigen Rhythmen: Fertig ist „The Best of Irish Dance“.

Die Musiker und Tänzer nehmen das Publikum mit auf eine Reise durch die Zeit und die irische (Tanz-)Geschichte. Mal melancholisch und tieftraurig, mal lebenslustig, vor Freude sprühend, sind die vielen Stücke, die sie an diesem Abend auf Instrumenten und tänzerisch darbieten. So bunt gemischt wie die viele Köpfe zählenden Gäste in der fast ausverkauften Halle ist auch der Set.

Balladen mischen sich mit fetzigen Songs, bei denen die Zuhörer fast schon automatisch anfangen zu klatschen. Wesentlichen Anteil daran hat Barry Tierney. Dem irischen Vollblutmusiker merkt man an, dass ihm die Töne im Blut liegen. Seine volltönende Stimme macht die irische Illusion greifbar. Ciara Murphy auf der Geige und Andrew Kelly (Banjo) vervollständigen das Trio, das zwischen den einzelnen Tanzeinlagen immer wieder auf die Grüne Insel entführt.

Die Aufführungen sind eingebettet die tragische Geschichte von der unerfüllten Liebe, bei der der Junge Patrick sein Mädchen Kate am Ende natürlich doch noch kriegt. Nebenbuhler und Konkurrentin inklusive. Bis dahin wird viel getanzt, in allen Epochen und etlichen unterschiedlichen Kostümen. Mit einigem Vorschussapplaus ausgestattet, gehen die zwölf Akteure auf der Bühne gleich in die Vollen.

Immer wenn’s etwas fetziger wird, die Absätze nonstop auf den Bühnenboden knallen, steigt auch der Begeisterungspegel im Publikum, das zwischendurch etwas träge beim Mitklatschen ist. Aber natürlich wissen die Profis auf der Bühne bestens, wie sie die Stimmung Richtung Finale richtig anheizen können, damit der tosende Beifall eine Zugabe erfordert.

Die Handlung dient mehr oder weniger als Vehikel für diverse Tanzeinlagen, bei denen es mal 200 Jahre zurück in die irische Geschichte geht, dann in die 1960er Jahre und schließlich ins Heute mit einer Aerobic-Fitness-Tanzeinlage. Immer auf den Spuren des Irish Dance, dessen Geschichte in knapp zwei Stunden auf diese Weise nachgezeichnet wird. So ganz synchron sind die Bewegungen der Tänzer zwar nicht immer, aber das machen sie durch ihre Freude an der Aufführung wett.

Die kommt an: Die Produktion blickt auf einen mehr als zehnjährigen Erfolg zurück, wie Tourleiter Jörn Gierschke betont. 60 bis 100 Shows werden immer zwischen Oktober und März von professionellen Tänzern geboten, die alle bereits an Weltmeisterschaften und diversen Championships teilnahmen. Dazu noch die die eingestreute authentisch-irische Musik und fertig ist das Erfolgskonzept.

Die Geschichte dahinter beruht auf der Idee von Choreograf Richard Griffin mit seiner „School of Irish Dance“. Die Erzählteile bleiben jedes Jahr gleich, erläutert Gierschke dazu, die gespielten Szenen und Formationstänze erfahren alljährlich eine Überarbeitung und Neuauflage. Das Konzept geht auf: „Wir haben schon hunderte ausverkaufte Shows gespielt“, freut er sich.

„Alle Füße sind live“, weist der Tourleiter auf ein Alleinstellungsmerkmal der Produktion hin. Zu erkennen an den Mikros am Außenwrist. „Das ist unser ganz großer Anspruch“, betont er, der die Dance Masters selbst von Mammutaufführungen wie „Riverdance“ abhebe. Außerdem wird beim „Best of Irish Dance“ mit einem Livebild gearbeitet, um so auch den hinteren Reihen ein Blick auf die wirbelnden Füße zu ermöglichen. Technisch und qualitativ „sind wir so hochwertig wie Riverdance“, sagte er.

Mit den Irish-Dance-Shows „gehen wir bewusst in die Provinz“, sagt Tourleiter Jörn Gierschke. „Wir wollen zu Gästen kommen, damit diese nicht viele Kilometer in die Großstadt fahren müssen.“ Im Schnitt besuchen zwischen 800 und 1200 Zuschauer die Aufführungen. Erbach ist – auch aufgrund der Größe der Borchers-Halle – mit 500 eher ein Ausreißer nach unten, das Berliner Tempodrom (2016) mit 2000 einer nach oben. 750 Aufbaustunden, 60 Hoteltage, 20.000 Kilometer sowie 22 Teilnehmer nennt er als Zahlen für eine Saison.

 

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Überwältigende Hilfsbereitschaft nach Brand im Rothenberger Kindergarten

Andrea Koch ist noch ganz hin und weg von der überwältigenden Hilfsbereitschaft aus der gesamten Region. Seit Anfang vergangener Woche sind die Räume der Kindertagesstätte Himmelsauge wegen eines Brands im Verteilerkasten nicht mehr nutzbar. Rasend schnell wurde eine Übergangslösung gefunden, gab es zahlreiche Sachspenden, sodass nach einem Schließtag bereits der Interimsbetrieb angegangen werden konnte. Die Leiterin rechnet damit, dass die Kinder bis mindestens Ende Februar auf der Höhe betreut werden müssen, während weiter unten saniert wird.

Der Brand selbst lief glimpflich ab. „Zum Glück war eine Kollegin gerade mit einer Gruppe in der Turnhalle, während die Kleinen oben schliefen“, schildert Koch den Ablauf. Die Erzieherin bemerkte den Geruch des schmorenden Verteilerkastens. Alle gingen ruhig hoch und weckten die anderen, erzählt sie. Da eine Erzieherin in der Nähe wohnt, war sie dann die erste Anlaufstelle. „Alles lief sehr entspannt und geordnet ab“, so die Leiterin. „Das war echt toll.“

Feuerwehr und DRK waren noch an der Einsatzstelle, als schon die ersten Hilfsangebote kamen, zeigt sich Koch dankbar. Vom DRK-Vorstand wurde das Vereinsgebäude angeboten. Es wird jetzt für die Nachmittagsbetreuung der Grundschüler genutzt. Im Sporthalle-Vorraum sind die Kindergartengruppen untergebracht. Seine Nutzung war sofort vom Hallenwart offeriert worden.

Kleine Ursache, große Wirkung: „Was wie ein kleiner Schwelbrand aussah, wurde eine große Sache“, beschreibt Andrea Koch die Folgen. Denn: Alles in den Räumen wurde durch den Rauch kontaminiert und darf nicht mehr genutzt werden. Die im Stock darüber arbeitende Bauverwaltung konnte durch eine Strom-Notversorgung von außen inzwischen wieder ihre Tätigkeit aufnehmen.

Die Hilfsmaschinerie lief sofort auf vollen Touren. „Das gibt’s nur auf dem Dorf staunend“, meint Andrea Koch, dass die Bevölkerung bei solchen Ereignissen in dieser Art und Weise zusammenhält. Vom Bauhof wurden Teppiche für den Sporthallen-Fliesenboden organisiert und dort lagernde Kindergarten-Möbel wie Stühle und Tisch herbeigeschafft. Andere Oberzent-Kindergärten stellten Spielsachen zur Verfügung.

„Ich bin völlig geplättet von der Hilfsbereitschaft“, sagt die Kindergarten-Leiterin. In dem ganzen Chaos „war das eine tolle Erfahrung“. Spenden über 500 Euro, zum einen von der Rothenberger Theatergruppe, zum anderen von der Firma E-Concept, tragen dazu bei, dass es bereits einen Grundstock für Neuanschaffungen gibt. „Wir durften nichts mitnehmen“, so Koch. Was offen in den Räumen herumlag, „muss entsorgt werden“. Alle Kleider der Kinder kommen in die Reinigung.

Nach ein paar Übergangstagen läuft der Betrieb seit Montag „normal“, wenn man dieses Wort verwenden kann. Die Sporthalle ist weiterhin für die Grundschule und die Vereine nutzbar, betont sie. Der Rhythmus muss sich natürlich noch einspielen. Eigentlich wäre der Januar der „Koch-Monat“ für die Kinder gewesen, erläutert die Leiterin. Da die Finkenbacher „Traube“, von der sonst das Mittagessen geliefert wird, Betriebsferien hat, durften die Kleinen dann immer selbst zu Werke gehen.

Die Möglichkeit fehlt jetzt, aber Ersatz gab es schnell: Der „Gaucho-Grill“ aus Beerfelden liefert übergangsweise das Essen. Der Sauter-Schulbus fährt in der Interimszeit einfach mal schnell den Berg zur Sporthalle hoch, damit alle bei Winterwetter gut zu den provisorischen Räumen kommen. Eine solche Situation „schweißt absolut zusammen“, hat Andrea Koch beobachtet.

Montag vor einer Woche nahm die neue Krippengruppe ihren Betrieb auf, am Dienstag brannte es. „Schlechter könnte das Timing nicht sein“, meint die Leiterin. Für die Kleinsten wurden viele Dinge neu angeschafft, von denen sie hofft, dass nicht alle kontaminiert sind. Auf jeden Fall „sind alle Musikinstrumente kaputt“, bedauert sie. Drei Krippenkinder werden bereits seit vergangener Woche betreut, weitere kommen im Februar und März dazu. „Dann reicht der kleine Raum in der Sporthalle nicht mehr“, weiß Koch. Es muss wieder improvisiert werden.

In naher Zukunft hätte die Kita Himmelsauge sowieso innen und außen saniert werden müssen. Entsprechende Planungen gab es bereits. Aktuell werden 55 Kinder, 16 U3 und 39 Ü3, betreut. Die durch den Brand eh notwendigen Sanierungen führten im Magistrat aktuell zu Überlegungen, die Maßnahme vorzuziehen, wenn sowieso gearbeitet werden muss. „Wir erwägen die Sanierung, benötigen aber noch die Planung/Zeitschiene der Versicherung“, sagte Bürgermeister Christian Kehrer.

Info: Um Neuanschaffungen tätigen zu können, ist die Kita Himmelsauge für Geldspenden dankbar. Durch Sachspenden ist die aktuelle Interims-Ausstattung gesichert. Mehr Infos unter E-Mail kita-himmelsauge@stadt-oberzent.de

 

 

 

Hirschhorn Mal wieder von den Neckarfluten getroffen

Hirschhorn dieses Mal nicht am Neckar, sondern im Neckar. Die starken Regenfälle der vergangenen Tage ließen den Fluss auch im hessischen Neckartal kräftig anschwellen. In Hirschhorn wurde die Uferstraße samt den angrenzenden Altstadtgassen einmal wieder überschwemmt. Das zweijährliche Hochwasser sollte aber laut Vorhersagen bereits heute Nachmittag seinen Scheitelpunkt am maßgeblichen Pegel Gundelsheim erreicht haben. Somit ist für morgen bereits wieder mit einem Abflauen der Fluten zu rechnen. Für die Anwohner im hessischen Neckartal ist ein solches Hochwasser allerdings business as usual. Sie sind bei weiterem Schlimmeres gewöhnt. Zuletzt vor zweieinhalb Jahren gab es ein 20-jährliches hochwasser, das etliche Keller in den Altstadthäusern unter Wasser setzte. Somit sind es nicht die braunen Fluten, die am meisten Sorgen machen, sondern die unappetitlichen Hinterlassenschaften, die der Bauhof nach jedem neuen Hochwasser wieder von den Straßen kratzen muss. Wie auch im benachbarten Neckarsteinach, wo der Neckarlauer unter Wasser stand.

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Jochen Sauter ist neuer Wehrführer von Ober-Hainbrunn

Wechsel in der Wehrführung der Freiwilligen Feuerwehr Ober-Hainbrunn. Nach 20 Jahren als Feuerwehrkommandant kandidierte Stefan Hofmann für dieses Amt nicht mehr. Auf der Jahreshauptversammlung wurde sein bisherige Stellvertreter Jochen Sauter zum Nachfolger gewählt. Stefan Hofmann ist der neue Stellvertreter. Erstmalig in der Geschichte der Hainbrunner Brandschützer gibt es einen dritten Wehrführer. Pascal Lähn übernahm dieses Amt und wurde ebenfalls einstimmig gewählt.

Hofmann berichtete zu Beginn über die Arbeit im abgelaufenen Jahr. Übungen und Unterrichte rund um das neu angeschaffte TSF-W prägten den Plan. Mehrere Feuerwehrkameraden besuchten Lehrgänge auf Kreis- und Landesebene. Dadurch konnte viel neues Fachwissen einfließen. Die zusätzliche Beladung mache dies auch erforderlich, betonte er.

Hofmann ermahnte die Wehrleute, weiter an ihrer Ausbildung zu arbeiten, da es stetig neue Anforderungen gebe. Glücklicherweise, sagte er, gab es in 2018 keine schlimmen Brände. Zu zwei Einsätzen in Nachbarorten wurde die Hainbrunner Einsatzabteilung alarmiert, musste aber aufgrund der schnellen Arbeit der jeweiligen Feuerwehren nur noch Nachschau betreiben. Sechs Hilfeleistungseinsätze nach Unwettern wurden jedoch verzeichnet. „Dies zeigt wieder einmal die geänderten Einsatzbedingungen“, betonte der scheidende Wehrführer.

Bei der Gestaltung des neuen Fahrzeuges zeigte sich aufs Neue die gute Zusammenarbeit der Stadtteilwehren, freute sich Hofmann. So konnten die Hainbrunner auf Pläne der Finkenbacher zurückgreifen, die ein baugleiches erhielten. Der Gerätewagen der Rothenberger Wehr wurde genutzt, um die Beladung zum Einbau zu bringen. Aktuell hat die Feuerwehr Hainbrunn 20 aktive und 78 passive Mitglieder, zehn Jugend-Feuerwehrleute sowie acht Mitglieder der Alter- und Ehrenabteilung, erläuterte der Kommandant.

Anna Lähn berichtete über die Aktivitäten der Jugendfeuerwehr. Im Mittelpunkt standen die Teilnahmen an Bundeswettbewerb und Leistungsspange. Beide waren von Erfolg gekrönt. Im Bundeswettbewerb gewann die gemischte Gruppe nach dem dritten Platz auf Kreisebene den Südhessenpokal. Sechs Jungen und Mädchen der Jugendfeuerwehr legten ihre Leistungsspangenprüfung ab und dürfen somit die höchste Auszeichnung der deutschen Jugendfeuerwehr ihr Eigen nennen.

Kassenwartin Heike Arnold legte Einnahmen und Ausgaben dar. Nach der einstimmigen Entlastung wurde der Vereinsvorstand neu gewählt: Vorsitzender bleibt Stefan Hofmann, Stellvertreter Jochen Sauter, Schriftführer Jörg Heckmann, Kassenwartin Heike Arnold. Ebenso wurden fünf Beisitzer gewählt: Horst Michel, Michael Ihrig, Manuel Krieger, Johannes Glücks und Thomas Scheuermann.

Der neue Wehrführer Jochen Sauter bedankte sich für das in ihn gesetzte Vertrauen. Die Wahl von Pascal Lähn zum dritten Wehrführer „ist eine Weichenstellung für die Zukunft“, sagte er. Bürgermeister Christian Kehrer lobte die vielfältige Arbeit der Feuerwehr. Er beförderte Anna Lähn zur Oberfeuerwehrfrau, Pascal Lähn zum Hauptfeuerwehrmann und Marcel Lähn zum Löschmeister. Stadtbrandinspektor Marco Johe hob die wichtige Zusammenarbeit aller Stadtteilwehren hervor, um im Bedarfsfall miteinander alle Herausforderungen lösen zu können. Weiterhin legte er die Teilnahme an Lehrgängen ans Herz.

Stadtverordneter Wilfried Friedrich sprach den Zusammenhalt der Ortsvereine an. Dieser zeige sich unter anderem in der Sanierung des ehemaligen Schulhauses durch ehrenamtliche Arbeit. Er freue sich, so Friedrich, dass er in einer solch aktiven Gemeinschaft leben dürfe. Hofmann erwähnte noch den neu eingeführten Ehrungstag der Feuerwehren am 11. Mai. Dann werden in einer Feierstunde alle Kameraden der Stadt Oberzent geehrt.

Das Foto zeigt von links: Marcel Lähn, Stefan Hofmann, Pascal Lähn, Jochen Sauter, Anna Lähn, Christian Kehrer, Marco Johe

Oberzent-Stadtverordnete gehen in Haushalts-Klausur

Wenn am 20. März der Haushaltsplan in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht wird, dann kennen die Mandatsträger das Zahlenwerk bereits in- und auswendig. Denn bereits Mitte Februar findet eine Klausurtagung zu den finanziellen Zahlen für 2019 statt. Bürgermeister Christian Kehrer hat nämlich ein „Problem“: Wenn er alle wünschenswerten Investitionen in den Etatentwurf packt, rutscht der kräftig in die Miese. Deshalb sollen die Stadtverordneten bei der Auswahl helfen, was man in diesem Jahr anpacken möchte und was sich verschieben lässt.

„Es soll alles auf den Schirm, was im Argen liegt“, hob der Bürgermeister hervor. Denn in den vergangenen Jahren wurde einige „Baustellen“ ausgeblendet, was sich jetzt rächt. Kehrer geht es darum, die diversen Maßnahmen auf die kommenden Jahre aufzuteilen, „damit es finanziell passt“. Auch dafür sollen die zusätzlichen Gelder verwendet werden, die durch die Fusion frei wurden. „Was eingespart wird, müssen wir investieren“, sagte er. Für Sonderwünsche ist kein Platz: „Jeder will was vom Kuchen haben, aber der ist verteilt“, meinte der Rathauschef mit Blick auf die vielen liegengebliebenen Dinge.

Beim Thema Windkraft herrscht derzeit Flaute. Wie Kehrer erläuterte, hat der von der Stadt beauftragte Anwalt zum Thema „Katzenwinkel“ beim Regierungspräsidium (RP) Darmstadt eine Fristverlängerung beantragt. Denn Oberzent sieht nach wie vor den Flächennutzungsplan (FNP) des Odenwaldkreises als Planungsgrundlage. In diesem ist aber das Gebiet zwischen Etzean, Airlenbach und Güttersbach nicht für die Windenergie-Nutzung vorgesehen.

„Somit widerspricht der Bauantrag der Firma Juwi dieser Planung“, betonte der Bürgermeister. Nach wie vor hängt der FNP aber durch die Ablehnung seitens des RP und die daraufhin erfolgte Klage des Kreises in der Schwebe. Der „Katzenwinkel“ ist zwar im Regionalplan-Entwurf zur Windkraft drin, aber der wurde ja bekanntlich im Dezember erst einmal vertagt. Laut Kehrer verweist die Stadt auf das laufende Verfahren. Sollte der FNP Rechtskraft erlangen, würde das Juwi-Ansinnen diesem klar wiedersprechen.

Auf den Straßen in Oberzent soll es bald wieder gesitteter zugehen, hofft der Rathauschef. Denn der neue Stadtpolizist hat zu Jahresbeginn seine Tätigkeit aufgenommen, nachdem er bereits kurz reingeschnuppert hatte. Es stehen die Vorarbeiten für die mobile Geschwindigkeitsüberwachung an, die von vielen Seiten aufgrund der zahlreichen Raser gefordert worden war. „Wir wollen so schnell wie möglich loslegen“, betonte Kehrer. Dazu gehört auch der Kauf der nötigen Geräte. Zeitnah sollen die Blitzer in Gammelsbach und Hetzbach reaktiviert werden.

Bikepark, Straßenausbaubeiträge, Kanalsanierung, Sporthalle Unter-Sensbach: Es gibt genug Themen für 2019. Dazu müssen noch die in den vier ehemaligen selbstständigen Gemeinden geplanten Baumaßnahmen mit einem Volumen von sechs Millionen Euro abgearbeitet werden. Außerdem bekommt die Stadt 2,5 Millionen Euro aus der Hessenkasse. Die Diskussion über Verwendung und Zuordnung steht noch aus, so Kehrer.

Neben der weiteren Erschließung des Baugebiets Alt-Schultzenfeld in Rothenberg, der Neuorganisation des Bauhofs und der Sanierung von städtischen Gebäuden sind auch die drei Freibäder im Fokus. Ein Ingenieurbüro erstellt Kehrer zufolge Gutachten, wo der Sanierungsbedarf in Hetzbach und Finkenbach am größten ist. „Außer Konkurrenz“ ist das Waldschwimmbad Beerfelden. Hier gelten andere Voraussetzungen, weil es kein Freibad im eigentlichen Sinn ist.

Kopfzerbrechen machen der Verwaltung die verschiedenen Brücken auf der Gemarkung. Bereits vor über drei Jahren gab die frühere Gemeinde Rothenberg ein Gutachten über den Sanierungsbedarf in Auftrag, das Kehrer jetzt wieder auf den Tisch flatterte. Aber nicht nur dort, sondern auch in den anderen Tälern gibt es einige Bauwerke, die in städtischer Unterhaltungspflicht sind. Bei ein paar davon gibt es dringenden Unterhaltungsbedarf. Das kostet – viel Geld, klar.

Kindergarten Rothenberg muss umziehen: Durch Brand im Verteilerkasten gibt es keinen Strom

Ein Brand im Verteilerkasten der Kita Himmelsauge konnte durch das Eingreifen der Oberzent-Feuerwehren mit etwa 70 Brandschützern rasch unter Kontrolle gebracht werden. Die 18 Kita-Kinder wurden schnell und unversehrt durch die Erzieherinnen in Sicherheit gebracht, denn die Brandmeldeanlage schlug laut an. Durch den Brand fiel aber die Stromversorgung im gesamten Gebäude inklusive der Verwaltung aus. Dort sind das Oberzent-Bauamt und der Bürgerservice für die ehemalige Gemeinde untergebracht.

Die Instandsetzung wird laut Stadt längere Zeit in Anspruch nehmen. Deshalb kommt es im Bereich der Abteilungen Bürgerservice und Bauamt zu Einschränkungen. Die Kita Himmelsauge ist derzeit in die Sporthalle und in das Dr.-Roland-Krauhs-Heim in Rothenberg ausgewichen. Der Betrieb kann bis auf Weiteres von dort aus weiterbetrieben werden. Laut Stadtbrandinspektor Marco Johe wird mit einer höheren Schadenssumme gerechnet.

Die Wehren wurden zu einer unklaren Rauchentwicklung im Kindergarten Rothenberg alarmiert. Auf der Anfahrt wurde von der Leitstelle schon mitgeteilt, dass sich keine Personen mehr im Kindergarten aufhalten würden, so die Nachricht der Feuerwehr. Beim Eintreffen des Großaufgebots quoll schwarzer Rauch aus den Kellerfenstern und die Rauchmelder ertönten laut. Zwei Trupps der Rothenberger Brandschützer gingen unter schwerem Atemschutz zur Erkundung vor.

Die Feuerwehr Beerfelden stellte drei Atemschutztrupps in Reserve, welche im weiteren Verlauf nicht mehr gebraucht wurden. Die zwei vorgehenden Trupps konnten den Brand schnell löschen und mittels Lüfter des TLF wurde das Gebäude entraucht. Nachdem dies erledigt war, rückte Beerfelden ab. Die Rothenberger Kameraden blieben mit Unterstützung von Kortelshütte, Ober-Hainbrunn und Finkenbach an der Einsatzstelle, schalteten das Gebäude stromfrei und saugten das Löschwasser mittels Nasssauger auf.

Info: Weiteres auf http://www.stadt-oberzent.de oder über die Hotline 06068/7590-900. Der Bürgerservice in den Verwaltungsstandorte Beerfelden, Schöllenbach und Unter-Sensbach ist zu den jeweiligen Öffnungszeiten verfügbar.

Die knalligen Rocksongs gehen runter wie Öl

Wenn die Odenwälder Band „ØL“ ihre Fans ruft, kann sie sicher sein, dass das Hüttenwerk aus allen Nähten platzt. Wie auch jetzt wieder beim Konzert rund um den Jahreswechsel. Die fünfköpfige Truppe aus Erbach und Michelstadt setzt dabei Jahr für Jahr auf Altbewährtes und liefert eine solide Mischung aus schnörkellosem Independent-, Alternative-, aber auch melodischen Mainstream-Rock, garniert mit ein paar Balladen. Und das ohne Pause zweieinhalb Stunden lang.

Über zwei Jahrzehnte gibt es die Band bereits. Die beiden Erbacher Gründungsmitglieder Sebastian Schimmer (Gesang und Gitarre) sowie Schlagzeuger Sascha Brandel bilden das Fundament. Michelstadt wird vertreten von Jens Weimar (Gitarre, Gesang) und Dirk Weimar (Keyboards). Marcus Hartmann (Bass, Gesang) zog es zwischenzeitlich von Erbach weg nach Stuttgart, aber für diverse Gigs kommt er natürlich zurück in die alte Heimat.

Was auf den Studio-Einspielungen eher bisschen glattgebügelt rüberkommt, lebt auf der Bühne von der überschäumenden Spielfreude. Die Songs haben bis auf ein paar Ausnahmen Hitpotenzial, sind eingängig, haben griffige Refrains, oft auch zum Mitsingen. Gepaart mit der Spielfreude der fünf Musiker, eine Kombination, die unter den Fans bestens ankommt.

„Jeder bringt bestimmte Einflüsse mit“, erzählt Jens Weimar. Das Spektrum ist ziemlich breit gefächert und reicht von Bands wie Nirvana bis hin zu aktuellen Pop-Produktionen (Coldplay oder Ed Sheeran). „Diese Einflüsse verbinden sich letztendlich zu unserer Musik.“ Die letzte Einspielung „Decades“ erschien 2016 zum 20-jährigen Bestehen der Band. „Wir sammeln momentan aber Material für ein neues Album“, kündigt der Gitarrist an. „Wann das rauskommt, steht aber noch nicht fest“, schmunzelt er.

Die Lieder entstehen im Wesentlichen aus Ideen der Mitglieder (hauptsächlich Sebastian Schimmer, teilweise Jens Weimar) und werden dann in verschiedenen Besetzungen im Proberaum ausarrangiert, sagt er. Für die Texte ist fast ausschließlich der Gitarrist verantwortlich. In voller Besetzung tritt die Gruppe derzeit nicht sehr oft auf. Es gibt aber auch eine „Unplugged“-Version von ØL, die im Wesentlichen aus Schimmer und Weimar besteht, teilweise noch Brandel. Diese abgespeckte Version ist 15 bis 20 Mal pro Jahr live zu sehen.

„Das Feedback ist überwiegend positiv“, freut sich Weimar. Die Musik von „ØL“ wird in Magazinen als nicht extrem spektakulär, aber ausgesprochen eingängig und zeitlos beschrieben, „was uns sehr freut“. Die Band hat nicht den Anspruch, „bemerkenswert innovativ zu sein“, witzelt er. Die Bandmitglieder wollen einfach nur Musik produzieren, „mit der wir uns identifizieren können“. Mit Erfolg: „Das persönliche Feedback, das wir bekommen, ist zumeist sehr positiv.“

Das Quintett geht ziemlich schnörkellos zu Werke. Ausufernde Gitarren- oder Schlagzeug-Soli zur Selbstdarstellung gibt es praktisch nicht, kein Stück hat mehr als drei oder vier Minuten. Musikalisch lässt sich die Band in keine Schublade stecken. Einem richtigen Rocker dürften ein paar der Songs zu soft sein. Manchmal kommt ein Stück fast balladesk daher. Allerdings ist ja bekannt, dass Rockmusiker die schönsten Schmusesongs schreiben.

Auf der anderen Seite rockt das Quintett dann so überraschend wieder los, dass die Hosenbeine vor lauter Bass- und Bassdrum-Vibrationen flattern. Punk- und Indierock-Einflüsse sind manchmal unverkennbar. Manche Riffs erinnern an Fischer Z, Fury in the Slaughterhouse lässt sich auch wenig heraushören, zum Schluss wird’s dann monumental wie bei U2. Durch spacige Keyboard-Töne schleicht die eine oder andere progressive Komponente ein.

Frontmann Sebastian Schimmer ist wie ein Dopsball auf dem Bühne unterwegs und steckt seine ebenfalls stehenden Kollegen Marcus Hartmann und Jens Weimar mit seinem Bewegungsdrang immer wieder an. Drei Mann wie auf Kommando hopsend: Das hat was. Dirk Weimar ist eher einer von der stoischen Sorte, während sich Sascha Brandel an seiner Schießbude kräftig abarbeitet.