AVMM soll für Oberzent in die Röhre(n) schauen

Die Zusammenarbeit in der Kommunalentwässerung zwischen der Südkreis-Stadt und dem Abwasserverband Mittlere Mümling (AVMM) nimmt Formen an. „Ein Betrieb aus einer Hand ist möglich“, erläutert AVMM-Geschäftsführer Gunnar Krannich. In Oberzent wird über die Übertragung des Kanalnetzes an den Verband intensiv nachgedacht. Denn viele Altlasten und Unterhaltungs-Versäumnisse in der Vergangenheit führten dazu, dass ein großer Sanierungsstau vorherrscht.

Laut Krannich ist eine Übertragung der Oberzent-Rohre zum 31. Dezember 2020 möglich. Bis dahin würde der AVMM nach den entsprechenden Beschlüssen in diesem Jahr die Betriebsführung übernehmen. Außerdem stehen noch die Prüfung der Gebührenkalkulation, der Abschluss einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung, der entsprechende AVMM-Vorstandsbeschluss und die Teamverstärkung zu Beginn des kommenden Jahres an.

Laut Krannich muss sich Oberzent derzeit mit einer Reihe von Aufgaben beschäftigen. Dazu gehört der Betrieb der Kläranlage in Hebstahl, die 1300 Einwohner im Sensbachtal abdeckt. Die komplette Kanalnetzlänge von Oberzent beziffert er auf etwa 170 Kilometer. Unterhaltung und Sanierung von Kanälen, die Unterhaltung von Regenüberläufen und –überlaufbecken sowie die Eigenkontrolle (Bauwerkskontrolle, Inspektionen) nannte der Geschäftsführer neben dem Neuanschluss von Häusern als weitere Aufgabenbereiche.

Allein aus der Eigenkontrollverordnung kommen laut Krannich bis 2025 erhebliche Kosten auf Oberzent zu. Er listete 120.000 Euro pro Jahr für Inspektionen in den früheren vier Gemeinden auf. Weitaus höher sind die Aufwendungen für Aufwand und Investitionen. Hier rechnet der Fachmann mit insgesamt über einer Million Euro pro Jahr, aufgeteilt in fast 700.000 Euro für Renovierung und Erneuerung sowie über 300.000 Euro für Inspektion, Sonderbauwerke und Reparatur.

Wird eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung (ÖRV) abgeschlossen, dann geht die technische Zuständigkeit fürs Ortsnetz an den AVMM über. Die Erhebung von Gebühren und Beiträgen geschieht ebenso weiterhin durch Oberzent wie die Stadt auch die Satzungsbefugnis behält. Eine ÖRV gilt Krannich zufolge für 15 Jahre.

Er rechnet mit der Schaffung einer zusätzlichen Facharbeiter-Stelle, um die Oberzent betreffenden Aufgaben abdecken zu können. Die müsste, so die Erkenntnis in der Stadtpolitik, auch intern geschaffen werden, wenn die Aufgaben bei der Stadt verbleiben sollten.  „Wir haben keine eigenen Ressourcen“, erläutert Bürgermeister Christian Kehrer. Man hofft auf Synergieeffekte mit dem bereits für Erbach und Michelstadt zuständigen Verband, der bereits auf jahreslange Erfahrung zurückblickt.

Wie hoch die endgültigen Kanalsanierungskosten sein werden, kann er ebenfalls nicht beziffern, da keine Befahrungen gemacht wurden. „Es gibt nichts Belastbares“, betont er. Dazu müssten erst Untersuchungen stattfinden. Bevor er seine Unterschrift unter eine ÖRV setzt, soll erst noch abgeklärt werden, welche Behörden beteiligt sein müssen und ob der Stadt keine Nachteile entstehen. Denn bisher ist Oberzent durch die südlichen Stadtteile auch mit den Abwasserverbänden Laxbach (Hirschhorn) und Eberbach verbunden.

So oder so: Aus der Kommunalpolitik kamen bisher positive Signale, denn Krannich war mit seiner Präsentation bereits zur Jahresmitte im Haupt- und Finanzausschuss zu Gast. Das Wort von der „Alternativlosigkeit“ machte bereits die Runde, denn Oberzent hat noch viele weitere Baustellen. Eine Übertragung der Aufgaben an den AVMM könnte da zumindest an einer Front für Entlastung sorgen. Es gibt aber eine Furcht: die vor einer großen Kostensteigerung bei der Abwassergebühr.

 

Abwasserverband Mittlere Mümling in Michelstadt

  • 2,75 Stellen Ingenieure (Geschäftsführung 1,0), Ingenieurbereich 1,75)
  • 0,5 Organisation/Büro
  • 0,5 Controlling/Finanzen
  • 2 Abwassermeister (KA Asselbrunn 1,0, Kommunale KA und Netze 1,0)
  • 1 Abwassermeister (Energie, Ressourcen, Planung, Stoffstromrecycling)
  • 5 Facharbeiter (Elektriker, Fachkräfte für AWT), 1 Betriebsmitarbeiter
  • Insgesamt: 12,75 Vollzeitkräfte
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Mobilnotruf bietet unterwegs mehr Sicherheit

Der Hausnotruf wird mobil: Franz Müller vom DRK Erbach stellte die Erweiterung des bisherigen Angebots auf Einladung der Oberzent-Sozialverwaltung vor. Ende des Monats werden die neuen Geräte ausgeliefert, erläuterte er. Sie laufen übers Funknetz und sollen dann deutschlandweit Hilfe sicherstellen, wenn sich ihr Besitzer irgendwo in der freien Natur aufhält. Außer in Olfen. „Da wird es problematisch“, meinte Müller aufgrund des dortigen Funklochs.

Der DRK-Mann ging zuerst auf den seit vielen Jahren angebotenen Hausnotruf ein. „Inzwischen gibt es im Odenwaldkreis fast 1500 Geräte“, berichtete er von einer Erfolgsgeschichte. Die Leute werden immer älter, wollen aber die lieb gewonnene Umgebung nicht aufgeben, so Müller. „Was passiert, wenn jemand hinfällt und keiner die Rufe hört“, stellte er als Szenario in den Raum.

Die Basisstation wird ans Telefon angeschlossen, erläuterte er. Eine normale Steckdose reicht aus. Dazu kommt noch der Melder, den man immer mit sich tragen sollte und der bei Drücken automatisch eine Verbindung mit der Leitstelle herstellt. Die ist 24 Stunden am Tag besetzt. Dort ist auch die Nummer des Anrufers sichtbar. Da die Basisstation mit einem Lautsprecher ausgestattet ist, „muss man nicht ans Gerät gehen“, erklärte er. Der Hausnotruf funktioniert bis zu 80 Meter ums Gebäude, so Müller. Der Ansprechpartner am anderen Ende entscheidet dann je nach Beschreibung, was er an Hilfsmaßnahmen veranlasst.

Allerdings gibt es zwei ganz wichtige Faktoren, ohne die es nicht funktioniert. „Wir brauchen den Hausschlüssel“, sagte er. Denn aufbrechen dürfen die DRK-Leute die Haustüren nicht, hier müsste man Feuerwehr und Polizei hinzurufen. Und: Es dürfen keine zusätzlichen Schlösser an der Tür angebracht sein, die den Helfern den Weg versperren. Logischerweise darf der Schlüssel von innen auch nicht stecken.

Das neue Mobilrufgerät „hat ein Sichtfeld wie ein Handy“, schilderte der DRK-Mann anhand des Beispielgeräts. Auf dem lässt sich erkennen, ob man Empfang hat und der Akku voll ist. Sollte jemand nicht in der Lage sein zu sprechen, kann die Position auf wenige Meter genau über GPS geortet werden, machte er anhand eines Anrufs bei der Leitstelle und der Abfrage deutlich.

Nutzen lässt sich das Gerät nicht nur im Odenwaldkreis, sondern in ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich. Der Notruf etwa aus dem Allgäu läuft zwar in Erbach auf, aber von dort werden die Angaben an die Helfer vor Ort weitergeleitet. Das DRK spricht damit neben den aktiven Senioren auch weitere Zielgruppen an, betonte Müller: etwa Reiter, Radler oder Gebirgswanderer.

Während dieses Gerät problemlos mit dem Hausnotruf kombinierbar ist, gibt es noch eine Art „sportliche Variante“ zum Anklippen an die Hose. „Das ist kleiner und handlicher“, erklärte Müller. Quasi für die jüngere Generation der Älteren. Alle sind sie kennwortgeschützt, damit kein Missbrauch betrieben werden kann.

Ende Oktober, so der Öffentlichkeitsarbeiter des Erbacher Roten Kreuzes, wird die erste Generation der Mobilnotruf-Geräte ausgeliefert. Aus anderen Kreisverbänden weiß Müller bereits, „dass es funktioniert“. Auch wenn es bisher kaum im Einsatz war, „bringt es Sicherheit“. Das einzige Problem sind Funklöcher wie in Olfen, wo trotz der integrierten Multi-Sim-Karte teilweise nicht einmal ein Notruf absetzbar ist. Hier bot er an, vor Ort vorbeizuschauen und bei einem Spaziergang zu prüfen, wo man noch Empfang hat.

Müller warb außerdem für die günstigen Notfalldosen, die auch im Rathaus Beerfelden erhältlich sind. Die sollen in die Kühlschranktür gestellt werden. Innendrin: ein Zettel, der mit persönlichen Daten und solchen zur Krankengeschichte sorgfältig ausgefüllt werden muss. Ein Aufkleber an der Haustür informiert die Helfer über die Existenz der Dose. „Die Rettungsdienste schätzen das sehr“, sagte er. Denn damit lässt sich wertvolle Zeit gewinnen. „Eine ganz tolle Sache“, warb Müller.

 

Info: Der DRK-Hausnotruf kostet derzeit 32,90 Euro im Monat. Bei einer Pflegestufe zahlt die Krankenkasse 23 Euro dazu. Der reine Mobilnotruf kostet 39 Euro, wenn dazu der Hausnotruf integriert ist, sind es zusammen 46 Euro. Die Oberzent-Sozialverwaltung im Rathaus Beerfelden, Zimmer 4, Telefon 06068-7590980, gibt weitere Infos und stellt den Kontakt zum DRK bei allen drei Themen her.

Wo der Oberzenter den Most holt

Wenn der Herbst Einzug hält, dann wird im Odenwald gekeltert. Ob es das gleichnamige Fest in Kortelshütte, Hebstahl oder auch Olfen ist: Einige Oberzent-Stadtteile haben bereits ihre Tradition bei der flüssigen Verwendung der Streuobstwiesen-Äpfel entwickelt. Im nordwestlichsten Zipfel, in Olfen, ist Keltermeister Lui Jahn-Kellermann gefordert, wenn die Dorfgemeinschaft feiert.

Aber nicht nur an diesem Tag: Aus vielen Ecken kommen in dieser Jahreszeit die Freunde des „Sießen“ zusammen, um bei ihm ihren Apfelmost herstellen zu lassen. Jahn-Kellermann macht aber noch mehr: Eigene Brände und Liköre, Gin und Öle stellt er in seiner Brennerei her. In der dem Dorfgemeinschaftshaus angeschlossenen Kelter ist er im Dauereinsatz.

In diesem Spätjahr werden die Freunde des frisch gepressten Apfelmosts allerdings irgendwann auf dem Trockenen sitzen. Keiner weiß warum, aber auf den Bäumen hingen dieses Mal weitaus weniger Äpfel als 2018, obwohl das durch einen trockenen Sommer glänzte. Auch an einen späten Frost, der die Blüten in Mitleidenschaft zog, kann man sich nicht erinnern. Dafür gibt’s aber haufenweise Mirabellen.

Die alte Kelter, von Lui Jahn-Kellermann mit viel Wissen bedient, stammt aus dem Jahr 1961, weiß der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft, Horst Schnur. Fast wäre sie nicht mehr in Betrieb gewesen, da sie kaputt ging und es keine Ersatzteile mehr gibt. Doch über den Kontakt zu Bernd Weinthäter, dem „Daniel Düsentrieb des Odenwalds“, wie Schnur schmunzelnd meint, ließ sich das gute Stück wieder herrichten. Denn der stellte die benötigten Teile selbst er. „Weinthäter weiß Dinge, die heute kein Techniker mehr kann“, meint Schnur ehrfürchtig.

Eine Kelter gab es früher in den Orten, „wo es gewünscht war“, erzählt der regionalgeschichtlich bewanderte ehemalige Landrat. Etwa auch im Hesselbacher Dorfgemeinschaftshaus. Zuerst kommen die Äpfel ins Wasserbad, und dann über ein Förderband zur Mühle, die aus ihnen die benötigte Maische macht. Die lässt Jahn-Kellermann dann „portionsweise“ in die Form gleiten.

Über die ausgebreitete Maische schlägt er ein poröses Keltertuch, das die Flüssigkeit durchlässt. Dann ein Holzrost obendrauf, darüber wieder das nächste Tuch und noch eine Ladung Maische: Vier bis fünf Lagen können auf diese Weise entstehen. Die Hydraulikpresse sorgt danach dafür, dass unten der begehrte ungefilterte Apfelmost herausschießt.

Mit Anhänger, Bulldog oder auch dem Kombi kommen die Oberzentler mit ihrem Streuobst angefahren. Schleppen müssen sie selbst, „denn Lui bedient nur die Technik“, lacht Schnur. Der übrig gebliebene Trester wird dann unter anderem für die Wildfütterung verwendet. Es sind die alten Sorten wie Boskop, Elstar, Schafsnase, Kaiser Wilhelm oder Wintergold, die sich besonders für den Apfelmost eignen. Jahn-Kellermann ist einer der wenigen, die das Keltern in kleinem Rahmen noch anbieten.

Nach ein paar Tagen wird der Most dann zu Rauscher. Die Schwebstoffe gären raus. Im Keller gelagert, kann im Winter durch den Alkoholzusatz dann „Ebbelwoi“ daraus entstehen. In Hessen werden jährlich etwa 65.000 Tonnen Äpfel zu Saft und Wein verarbeitet. Die säurehaltigen älteren Sorten von Streuobstwiesen eignen sich dafür besonders.

 

Den Kerwe-Baum durch die Stadt getragen

So oder so ähnlich muss es schon vor über 130 Jahre in Beerfelden zugetragen haben. Denn so lange ist die Brauchtumsveranstaltung überliefert. Junge Männer, damals der Tradition nach noch alle unverheiratet, schleppten einen prächtig geschmückten Baum von der Kirche zum Kerweplatz, um ihn dort nur mit Manneskraft aufzustellen. Der Verein Beerfelder Kerwe hält die alte Tradition mit einem Zug über Metzkeil und Gammelsbacher Straße in die Stried hoch. Danach gibt’s Freibier.

Die Kirchweih ist auch in der Stadt am Berge ein ursprünglich religiös geprägtes Fest. Dabei soll in erster Linie der Danksagung für das vergangene Jahr, aber auch der Hoffnung auf ein unfallfreies, erntereiches, neues Jahr Ausdrucke gegeben werden. Da die Kerwe, neben dem Schützenfest, in früheren Zeiten das bedeutendste Fest im Ort war, wurde und wird hierfür ein großer Aufwand betrieben.

In Beerfelden wird traditionell am ersten Oktober-Wochenende gefeiert, obwohl der Namenstag des Heiligen Sankt Martin am 11. November begangen wird. Dies ist auf den Großbrand 1810 und den Wiederaufbau der Martinskirche zurückzuführen. Der geschah relativ schnell, jedoch musste auf die Orgel, manche Stücke der Inneneinrichtung sowie den Kirchturm verzichtet werden, da die benötigten Gelder fehlten. Erst 1887 wurde der Turm eingeweiht. Der Kirchenvorstand bestimmte damals, dass als Erinnerung an dieses Datum die Kirchweih immer am ersten Sonntag im Oktober begangen werden soll.

Der prächtig geschmückte Baum, eine Birke von stolzen 15 Metern Höhe, steht im Mittelpunkt des Geschehens und zeigt von weithin allen Besuchern den Weg. In früheren Zeiten wurde die ganze Woche vor der Kirchweih gebacken und gekocht, damit am Wochenende die Arbeit getan war und der ganze Ort Zeit zum Feiern hatte. Dies tat man meist in der Wirtschaft mit dem größten Saal. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dies auch in Beerfelden lange so praktiziert.

Als besonderen Kirchweih-Gast gibt es eine mit Stroh gestopfte, hübsch gemachte und nett angezogene Bobbe, welche von den Kerweburschen und -mädchen über die Festtage mehrmals zum Tanz auf die Bühne oder den Festsaal geholt wurde. Hierbei hatten sie besonders darauf zu achten, dass die Bobbe nicht in falsche Hände fiel und entführt wurde. Dies bedeutete eine große Blamage und es wurde in der Regel teuer, sie wieder auszulösen.

Einen schönen Zuspruch gab’s dieses Jahr trotz bedecktem Himmel für den samstäglichen Kerwebaum-Marsch. Seit 2008 wird dieses alte Brauchtum wieder gepflegt. Viele Gäste schlossen sich gleich an und drängten sich dann ins Zelt. Von 15 Mann wurde das Nadelholz der alten Tradition folgend getragen und am Ziel nur mit Manneskraft aufgestellt. Den Richtspruch hielt Kerwebub Jochen Neff.

Die Nächte sind auf der Beerfelder Kerwe traditionell kurz. Erst freitags die Mallorca-Party, dann samstags Tanzmusik mit Stefan & Jay – da bleibt nicht viel Zeit für Schlaf. Der Sonntag ist seit jeher eine Bank, wenn die Feuerwehrkapelle mittags aufspielt und es nach dem Fassanstich Freibier gibt. Die 25 musikalischen Frauen und Männer sind schon seit Jahren ein fester Bestandteil.

Am Gottesdient, gehalten von Pfarrer Roland Bahre, wirkte auch der Posaunenchor unter der Leitung von Gernot Spielmann mit. Der Geistliche predigte, dass das Gebet wie eine Umarmung Gottes ist. Glaube bedeutet Geborgenheit, innere Gelassenheit und Frieden. Genauso wie Kerwe ein Fest ist, zu dem alle, die unterwegs sind, in die Heimat zurückkehren, bedeutet Kirche seinen Worten zufolge ebenfalls Heimat. Man ist zuhause in seiner Heimat, dem Odenwald, und zu Hause bei Gott, dem Vater, so Bahre.

Wehe dem, der sich im vergangenen Jahr in Beerfelden etwas zu Schulden kommen ließ. Die Kerweschar hatte eifrig mitnotiert. Dieses Mal stand die Truppe gleich zu zehnt auf der Bühne, um allerlei kund zu tun. Abends war das Wehklagen groß, als dann das Kerwebobbe der Tradition folgend verbrannt wurde.

 

 

 

Die 14. Auflage der beliebten Beerfelder Zeltkerwe beweist, dass das Konzept des Vereins aufgeht und man aufs Neue ein breites Publikum erreicht. 75 Helfer waren über drei Tage im Einsatz. Inzwischen hat der Kerweverein über 160 Mitglieder, die sich um Erhaltung, Pflege und Förderung der Beerfelder Kerwe kümmern. Der wachsende Zuspruch ist für die Aktiven der beste Beweis dafür, dass der 2010 gegründete Verein seinen Satzungszweck aufs Beste erfüllt: nämlich Brauchtum und Mundart durch die Ausrichtung am Leben zu erhalten.

Erst Fotoausstellung, dann Musik

Foto-Kunst und Musik im Maleratelier: Die Fotoausstellung „Auslöser“ von Jens Fiedler und Enno Folkerts wird am Samstag 12.Oktober, 18.30 Uhr, im Atelier Enno Folkerts, Waldmichelbacher Straße 2 in Langenthal (Alte Pappenfabrik Mayr) eröffnet. Die Laudatio hält Angela Mahmoud. Abends spielt dann ab 20 Uhr die „Gerdband“.

Wenn ein Fotograf den „Auslöser“ betätigt, kann es vorkommen, dass er mit seinem Ergebnis Freude, Besorgnis, Neugierde, Zärtlichkeit und andere Gefühle „auslöst“. Er wird somit selbst zum „Auslöser“ dieser Empfindungen. Jens Fiedler ist der typische Fotograf. Er hat den richtigen Blick und drückt im richtigen Augenblick den Auslöser. Er war erster Preisträger beim Fotowettbewerb Kulturgut Waldliebe

Fiedler stellt im Atelier von Enno Folkerts Fotografien aus der Reihe „Musik der Natur“ aus. Diese erhielten bereits große Aufmerksamkeit in Heidelberg. Klang der Farben, Reigen der Blüten, Rhythmus von Wasser und Wind oder musikalische Assoziationen sind sein Ding. Fotografien wie Gemälde lassen den Betrachter innehalten und den Trubel des Alltags vergessen. Minimalistische Details in Großformat beeindrucken und lassen Raum für eigene Interpretationen und Träume.

Für den Maler Enno Folkerts ist es die 80. Ausstellung, jedoch die Erste mit Fotografien. Seine 35 auf 35 Zentimeter Fotos aus der „Quadratmeter“-Reihe könnten als Vorlage für seine großformatigen fotorealistischen Gemälde von Fassaden und Fenstern dienen. Seine Kamera fungiert hier oft als Ersatz für den Skizzenblock. Dagegen sind die einen Quadratmeter großen Fotos tatsächlich Abbilder der Quadratmeter von Böden, auf denen wir leben. So wird auch ein Quadratmeter Boden aus Venedig mit Taube zu sehen sein.

Anschließend findet um 20 Uhr ein Konzert mit der „Gerdband“ statt. Diese erzeugt einen unverwechselbaren Sound, „amerikanisch schnörkellos und zugleich romantisch europäisch verziert“, wie die Gruppe selbst von sich sagt. Alle drei Bandmitglieder sind erfahrene Meister der Technik und Improvisation, mit einer tiefen Leidenschaft für ihre Instrumente. Sie spielen ausschließlich Originalkompositionen von Gerd Baier, die viel Platz bieten für die Entwicklung eigener musikalischer Ideen.

 

Info: An den Wochenenden 19. und 20. sowie und 27. und 28. Oktober ist die Fotoausstellung (mit Kaffeekränzchen) nachmittags ab 15 Uhr geöffnet. Ort: Atelier Enno Folkerts, Waldmichelbacher Straße 2, Hirschhorn-Langenthal

Chromblitzende Gefährte aus vielen Jahrzehnten

Schon mittags um 12 wird der Platz eng, weil der hintere Teil der Wiese durch die vorhergehenden Regenfälle aufgeweicht ist. Doch an diesem Tag strahlt mal wieder die Sonne vom Himmel. Wenn der MGV im kleinen Oberzent-Stadtteil zum Schlepper- und Oldtimertreffen einlädt, dann tummeln sich chromblitzende Exemplare en masse auf dem Sportplatzgelände. Zum zwölften Mal hatte der Verein eingeladen und durfte sich aufs Neue über einen großen Ansturm freuen.

Die Sänger als Veranstalter werden bei herrlichem Wetter „förmlich überrannt“, wie sich Vorsitzender Wilfried Friedrich freut. Es sind ja nicht nur die Fahrer mit ihren liebevoll gepflegten Karossen, die den kleinen Ort bevölkern. Es kommt noch einmal eine Vielzahl von Gästen obendrauf, die die Gastfreundschaft und das bekannt gute gastronomische Angebot Open-Air genießen.

Hier der Riese, dort der Zwerg. Der Größenunterschied zwischen dem kleinsten Allradschlepper, einem Iseki von Attila Bundai aus Brombach, und dem monströsen Gefährt von Kai Feddermann aus Beerfelden, der mit einem Schlüter Super Trac 2000 aus dem Jahr 1983 den Berg herabgerollt ist, ist enorm. Der ist mit seinen zehn Tonnen eines der schwersten Fahrzeuge auf dem deutschen Markt, erzählt er. 38-Zoll-Räder, zehn Liter Hubraum, acht Zylinder: Den Superlativen sind keine Grenzen gesetzt.

Höchstens bei der Geschwindigkeit: 40 Stundenkilometer erreicht der Schlüter. Da ist nur der fast ebenso große Fast Trac schneller. „Das ist der erste für Autobahnen zugelassene Schlepper“, weiß Dennis Weber mit seinem Fachwissen. Er kann 60 bis 70 km/h erreichen. Die drei sind aber nur eine kleine Auswahl dessen, was an diesem Tag zu bewundern ist. Hanomag, Deutz, Lanz, Eicher, IHC, McCormick, Porsche, Allgaier, MAN oder Normag: Die Namen der alten, manchmal schon „ausgestorbenen“ Marken schwirren nur so durch die Luft auf dem Festplatz.

„Das ist schon Wahnsinn, was hier alles vertreten ist“, stellt Weber bewundernd fest. Hier steht ein Allgeier-Wasserverdampfer, dort ein Porsche-Traktor im Originalzustand. Den Vogel in Sachen Alter schießt Peter Kwiatkistas Gefährt ab. Der gebürtige Erbacher, in der Hinterbach lebend, nennt einen Kramer-Wasserverdampfer sein Eigen. Das Vehikel wurde im Jahr 1923 gebaut und ist mit seinen 18 PS für die damalige Zeit schon gut motorisiert.

Weber lenkt den Blick auf einen Einachser. „Menschenschinder“ nannte man den früher, weiß er von seinem Großvater. Das Gerät stellte zwar eine Arbeitserleichterung dar, „aber abends war man trotzdem fix und alle“. Aus dem ganzen Odenwald bis hin über den Neckar sind die Teilnehmer zum Treffen getuckert. Eine Teilnahme hat bereits Tradition, viele sind Wiederholungstäter.

Wie etwa die Traktorenfreunde Allemühl aus dem kleinen, badischen Odenwald mit etlichen Fahrzeugen, vor allem Lanztraktoren. Oder die Schlepperfreunde Igelsbach aus dem geteilten Dorf. Von Gras-Ellenbach, weiß Weber, hat sich auch eine Gruppe auf dem Weg gemacht. Nicht zu vergessen die benachbarten Brombacher, die immer zahlreich die hessische Landesgrenze überqueren.

Auch wenn die Traktoren und Schlepper etwa drei Viertel der ausgestellten Fahrzeuge ausmachen, so kommen ebenso die blitzenden Auto-Oldtimer und die alten NSU- oder BMW-Motorräder zu ihrem Recht. Ein Augenschmaus ist der fast 60 Jahre alte Opel Kapitän, ein prachtvolles schwarzes Geschoss mit nur drei Gängen. Oder das Volkswagen Karmann Ghia Cabrio, das an diesem Sonnentag einfach nur Freude macht zu fahren.

Eine lange Odyssee von Südafrika in die Kurpfalz hat der Alfa Spider mit Baujahr 1962 hinter sich. Seinem Besitzer, der von Johannesburg zurück nach Eberbach wollte, waren die Frachtkosten zu hoch, weshalb er vor 50 Jahren die Strecke einfach – fuhr. Der Hingucker hat einen Chevy V8 Motor drin, die Hinterachse stammt von einem Ford Maverick und der Getriebe von einem Opel Admiral. Obendrauf kommen ein Hubraum von 5400 Kubik und 270 PS.

 

 

Wenn der MGV zum Schleppertreffen ruft, ist der ganze Ort dabei. Wer nicht beim Einweisen der Fahrzeuge hilft, ist bei der Bewirtung aktiv. Den ganzen Tag schwirrt ein großes Helferteam über den Sportplatz. Am Tag vorher werden die Kartoffeln von 15 Frauen im Ort geschnippelt. Die großen, wohlschmeckenden Portionen, egal ob jetzt Odenwälder Hochzeitsessen (Tafelspitz) oder Wildgulasch, sind bekannt.

Bürgerbus schleppt sich noch dahin

Es ging zwar „nur“ um 3000 Euro, aber irgendwie auch ums Prinzip. Anders lässt es sich nicht erklären, dass sich die Oberzent-Stadtverordnetenversammlung nicht dazu durchringen konnte, nach einstündiger Diskussion ein Votum pro Bürgerbus-Start zu fassen. Denn das Thema war bereits bei der Kommunalwahl im Frühjahr 2018 im Fokus und kam seitdem nicht richtig voran.

Nachdem eine mögliche Bezuschussung durchs Land scheiterte, wollte die ÜWO nun wieder Zug in die Sache bringen. Doch der Zug hat immer noch erhebliche Verspätung und wird erst einmal auf einem anderen Gleis fahren: Die weitere Beratung soll im Ausschuss stattfinden, einigte man sich nach einer Sitzungspause zu später Stunde. Bei manchem Mandatsträger führte dieses „Hin- und Herschieben“ zu Frust, wie Chris Poffo (ÜWO) unmissverständlich deutlich machte.

Die ÜWO wollte mit ihrem Antrag erreichen, dass die Stadt einen Kleinbus least, der dann von der Generationenhilfe Oberzent betrieben wird. Der soll vor allem älteren Mitbürgern aus den Dörfern mehr Mobilität garantieren. Es gibt Bereiche in Oberzent, wo eine ÖPNV-Abdeckung schwierig ist, sagte Poffo. Durch den Bürgerbus „wollen wir einen Mehrwert schaffen“, betonte er. Wegen 3000 Euro „sollte man nicht alles verkomplizieren“.

Zu dem Punkt gab’s einen Änderungsantrag von SPD, CDU und FDP. Darin wollte Thomas Ihrig (SPD) „einen Schritt zurückgehen“ und geklärt wissen, ob der Verein zum Betrieb in der Lage ist. Er wolle nicht fürs Bus-Leasing stimmen, ohne dass ein Konzept vorliegt. Im selben Antrag schlugen die drei Fraktionen vor, den „Oberzent-Discount“ beim Taxomobil von „Garantiert-Mobil“ von 50 auf dann 75 Prozent zu erhöhen.

Auch Elisabeth Bühler-Kowarsch sah bei einer grundsätzlich positiven Haltung „noch viele Dinge zu diskutieren“. Sie regte an, neben Peter Krämer von der Oreg auch Vertreter des Bürgerbusses Bad König zur Ausschusssitzung einzuladen, um Erfahrungsberichte zu hören. Dirk Daniel Zucht (SPD) wertete den Bürgerbus „als Brücke zum Oreg-Angebot“. Man wolle Hand in Hand mit der Nahverkehrsgesellschaft arbeiten, damit keine Parallelstrukturen entstehen.

Achim Schäffler (ÜWO), mit ihm in der Generationenhilfe aktiv, griff eine Anregung von Ihrig auf. „Ich kann damit leben, dass der Bus erst angeschafft wird, wenn ein Betriebskonzept vorliegt“, sagte er. Die Hoffnung war groß, dass der Ausschuss das Thema schnell berät. Dass – wie in der Runde angesprochen – Garantiert-Mobil ein Vermarktungsproblem habe, wollte Bürgermeister Christian Kehrer nicht so stehen lassen.

Oberzent soll einen ehrenamtlichen Kulturbeauftragten bekommen. Diesen Antrag der SPD befanden alle Stadtverordneten für gut und folgten ihm einstimmig. Dirk Daniel Zucht hatte in der Begründung angeführt, dass derzeit Fördermittel in erheblicher Höhe ungenutzt blieben. Dies geschehe oft aus Unkenntnis, da die entsprechenden Programme nicht beworben werden. Personelle Engpässe in der Verwaltung schränkten zusätzlich die Sichtung und Weitergabe der Ausschreibungen ein.

Laut Zuchts Ausführungen soll der Betreffende die Verbindung zwischen der Stadt und den Oberzent-Kulturschaffenden herstellen. Auch ist gedacht, dass der Ehrenamtliche als Bindeglied zwischen der Stadt, dem Odenwald- und umliegenden Kreisen fungiert. Es geht darum „neue Türen zu öffnen“, wollte die Leistung der bisher Tätigen nicht mindern.

So ist es ein großer Wunsch, die kulturellen Oberzent-Events nach außen zu tragen. Denn, so sein Beispiel, von 600 Terminen im Odenwaldkreis-Flyer „sind nur drei aus Oberzent“, sieht er gewaltigen Nachholbedarf. „Es gibt kein finanzielles Risiko, aber viele Chancen“, betonte er. Der Magistrat soll nun „das Casting durchführen“, formulierte es Stadtverordneten-Vorsteher Claus Weyrauch flapsig.