Versöhnung über den Gräbern

Es war genau vor 75 Jahren, Mitte August 1944, als das Unglück über das beschauliche Dorf Falken-Gesäß hereinbrach und es auf einen Schlag in die Kriegswirren hineingezogen wurde: Bei einem Flugzeugabsturz starben zehn Menschen. Vor einem Jahr besuchte der Sohn des damaligen Piloten Donald Cielewich, Scott, mit seiner Frau Jamie den Absturzort und zeigte sich erschüttert. Er war damals Gast bei Christine und Günter Seip, dessen Großvater und Tante unter den Opfern waren.

Zum Jahrestag des Absturzes veranlassten die beiden US-Amerikaner, dass am Kriegerdenkmal ein großes Blumengesteck für alle Verstorbenen abgelegt wurde. Gleichzeitig wurde an Cielewichs Heimatort im Gottesdienst den Verstorbenen gedacht sowie für die Angehörigen und den Frieden gebetet. Das Ehepaar betont im E-Mail-Austausch mit den Seips immer wieder, „wie unglaublich wichtig dieser Besuch für sie, vor allem für Scott, war“.

Das damalige Ereignis grub sich tief ins Gedächtnis der Menschen in Falken-Gesäß ein und ist auch heute noch bei den Älteren präsent. Das Grauen kam buchstäblich aus heiterem Himmel. Viele Köpfe gingen in die Höhe, als ein amerikanischer Bomber über dem Leonardshof auftauchte und mit stotterndem Motor ins Tal weiterflog – unbemannt, denn die Crew war aus dem defekten Flugzeug schon vorher abgesprungen. War es eine Bö oder ein Bodenkontakt: Die B-17 (Fliegende Festung) beschrieb plötzlich eine Rechtskurve und krachte frontal in eine Scheune am Kirchweg.

Die Erinnerung an die Tragödie saß in der Familie tief, erinnerte sich Günter Seip beim Besuch des Ehepaars vor einem Jahr. „Meine Oma hat viel davon erzählt“, sagt er. Der Rumpf flog durch den hinteren Hausteil mit Scheune der Seips, rutschte durch den Garten und bohrte sich dann ins Tor der unterhalb liegenden Scheune der Familie Schmidt (heute Hagendorn). „Es war Sommer, es wurde gedroschen, man half sich gegenseitig“, beschreibt Seip, warum so viele auf einem Fleck zusammen waren.

Die BASF war Ziel der Bomberflotte, zu der die B-17 gehörte. Die Besatzung hatte das Flugzeug bereits über Gammelsbach mit dem Fallschirm verlassen. Donald Cielewich versuchte die kaputte Maschine noch zu halten, aber vergebens. Die Seips erfuhren, dass die beiden Piloten den kaputten Bomber eigentlich in den gegenüber liegenden Hang steuern wollten und über dem Leonhardshof abgesprungen waren. Sohn Scott „war sehr erschüttert, als er erfuhr, was das Absturz ausgelöst hatte“.

„Wir sind seitdem per E-Mail in Verbindung“, schildert Christine Seip den Kontakt. In dem Austausch wird immer wieder deutlich, „wie viel ihnen der Besuch hier in unserem Haus bedeutet“, erzählt sie. Dem Ehepaar war das damals gar nicht so bewusst, „aber es ist so schön, dass dieser Kontakt daraus entstanden ist“.

Den Cielewichs ist es ein ganz großes Herzensanliegen zu zeigen, wie sehr sie die vielen Opfer, von denen sie erst bei ihrem Besuch in Falken-Gesäß erfuhren, bekümmern – und das Leid, das dadurch in viele Häuser hier im Dorf kam. Den Amerikanern „war die Versöhnung und Verständigung ein ganz großes Anliegen“. Der Besuch „machte die damalige Geschichte lebendig und greifbar“, erzählt sie.

Für Scott Cielewich ist das Aufeinandertreffen mit den Seips immer wieder das beste Beispiel dafür, dass sich die Menschen offen begegnen sollten. „It is a poignant remember to everybody that hears it, that there are many reasons we all need to keep an open heart as well as an open mind“, schrieb er nach Deutschland. Die Versöhnung über den Gräbern zwischen den Familien bedeutet ihm mehr als alles andere.

Der direkte Kontakt, der Austausch, die Gespräche sind es, auf die es zwischen den Menschen ankommt, betonte der 69-Jährige. Ihm und seiner 66-jährigen Frau Jamie geht es darum, die Erinnerung an das Geschehene aufrecht zu erhalten, damit es nie wieder einen Krieg zwischen den Völkern gibt.

Die Boeing B-17 Flying Fortress (deutsch Fliegende Festung) ist ein schwerer Bomber der Boeing Airplane Company. Er ist der bekannteste Bomber der US-Luftstreitkräfte im Zweiten Weltkrieg und war dafür bekannt, trotz schwerer Schäden (meistens) noch flugfähig zu sein. Die vollständige Besatzung einer Flying Fortress bestand aus zehn Mann; vier davon waren ausschließlich MG-Schützen.

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Die Kultur im Odenwald voranbringen

Individuelle Kunst und Kultur abseits der Städte, im Odenwald, fördern: Dieses Ziel hat sich Heiko Plank auf die Fahnen geschrieben. Der 55-jährige Gitarrist lebt schon seit etlichen Jahren im Oberzent-Stadtteil Kortelshütte, ist mit seiner selbstgebauten, achtsaitigen „plank“ aber auch ein vielgefragter Weltenbummler, den es nach Indien im vergangenen Jahr nun in die Nähe von Rom verschlug.

Viele Künstler, betont Plank, „leben im Odenwald, weil sie sich das urbane Umfeld nicht leisten können“. Ateliers, Studios, Werkstätten finden sich hier, „aber es fehlt die Bündelung, die organisatorische Konzentration“. Die wäre etwa gerade für das Antragswesen wichtig, um an Fördertöpfe zu kommen. Das Problem: „Die Gemeinden haben kein Geld für einen Kulturhaushalt.“ Deshalb kann es nur über eine Spendenakquise laufen. Er nennt unter anderem als Sponsoren die Robert-Bosch-Stiftung oder BASF Tor 4, wohin er letztens – leider erfolglos – seine Fühler ausstreckte.

Denn: Auf dem Land, hat er festgestellt, ist auf den dortigen Festivitäten meist wenig Raum für eine manchmal etwas speziellere, originäre Herangehensweise an Themen. Die Eigenständigkeit, bedauert Plank, „kommt zu kurz“, weil es keine Förderung gibt. „Je weiter weg aus der Stadt, desto mehr Cover sieht und hört man“, meint er als Feststellung – und nicht wertend.

„Spiel doch mal was Bekanntes“, laute ein oft gehörter Satz. „Anerkannt und gefördert wird das, was allgemein gefällt“, bedauert er. So oder so ähnlich gehe es in allen künstlerischen Sparten zu. Das Ergebnis für Plank: „Viele meiner Kollegen ‚harmonisieren‘ ihre Kunst zugunsten des allgemeinen Geschmacks.“

Er will einen Beitrag leisten zum Zusammenführen der Gesellschaft in der ländlichen Region im Zeichen von Kunst und Kultur. „Im Kultur- und Freizeitbereich fehlen Infrastrukturen“, analysiert der Gitarrist. Eine geringe Bevölkerungsdichte, wenige Kulturangebote und die breite räumliche Streuung machen es den Kulturschaffenden auf dem Land schwer.

Wenn es mehr Sponsoren gäbe, würde das laut Plank auch die eigene Kreativität fördern. Nach dem Motto: „Hast du eine eigene Geschichte in der Schublade?“ Oder ein Orchesterwerk geschrieben? Dem Kortelshütter geht es auch darum, seinen eigenen Horizont zu erweitern, andere Künstler kennenzulernen und gemeinsame Strategien zu entwickeln.

„Ich arbeite weiter daran und will schauen, was sich ergibt“, lässt sich Plank von der BASF-Absage nicht entmutigen. Denn die war ein erster Schritt. Es wäre ein nachhaltig lohnendes Unterfangen, ein differenziertes Kulturangebot im Odenwald zu schaffen, betont er, in dem möglichst alle Akteure miteinander in Verbindung gebracht werden, „um künstlerische Freiheit zu schaffen“.

Was Heiko Plank klanglich unter seiner Region versteht, setzt er gerade bei einem Kompositionsauftrag für den HR2 um. Das Ergebnis soll im Frühherbst zu hören sein. „Aktuell bin ich etwa bei Minute 15“, erläutert er – von 40. Er spielt darauf seine „plank“, deren Aluminium-Variante statt der bisher in Holz ausgeführten gerade als Rohbau neben ihm liegt.

Drei Monate hat der Gitarrist daran gewerkelt. „Ein glockenklarer Klang“, schwärmt er, weil das sehr reine Metall gegossen und nicht gefalzt wurde. Aus dem gleichen Material ließ er auch eine Uhr herstellen. „Deren runden Klang kann man nicht orten“, demonstriert er mit einem Kochlöffel. „Der verliert sich überhaupt nicht“, ist Plank begeistert.

Heiko Plank fährt für die Aufnahme auch mit dem Rad herum und fängt Töne aus dem südlichen Odenwald ein. Das kann das Wasserrauschen an der Neckar-Staustufe Hirschhorn sein, genauso aber auch die Motorsägen in Kortelshütte oder die alte Schulhaus-Glocke, die zwei Mal am Tag von unten aus dem Ort heraufschallt. Das Rauschen der Rothenberger Segelflieger hat er noch auf seiner Wunschliste. „Organisiertes und Unorganisiertes zu verbinden bildet für mich einen großen Reiz“, sagt er.

 

 

Info: Heiko Plank gibt auf seinem Instrument, der „plank“, ein 90-minütiges Konzert am Freitag, 20. September, 18 Uhr, in der VHS Badische Bergstraße in Weinheim. Hintergrund ist das deutschlandweite Jubiläum 100 Jahre Volkshochschulen. Mehr unter http://plankworks.eu/

 

26 Gründer des SV Airlenbach wurden besonders geehrt

50 Jahre SV: Das wurde in Airlenbach groß gefeiert. Was wäre ein Verein auf dem Land ohne seine treuen Mitglieder. Die Gründer, die den SVA 1969 aus der Taufe hoben, wurden besonders geehrt. Aber es gab auch viele weitere Auszeichnungen für Engagement im Ehrenamt und besondere Leistungen, die die Fahnen des Ortes hochhielten.

Den Auftakt des Festwochenendes bildeten Tischtennis- und Volleyball-Turnier, gefolgt von einer Rocknacht mit der Band „Schlagsaite“. Bei der Totenehrung wurden denen gedacht, die den SVA über viele Jahre unterstützten. Zum Kommersabend begrüßte der Vorsitzende Werner Neff die Gäste. Selina Kaiser und Marc Siefert führten durchs Programm. Begonnen wurde mit der Geschichte der Vereinsgründung. Die Tischtennis-Historie und die Entstehung des Sportplatzes mit Grillhütte waren weitere Stationen auf der Reise durch die Zeit.

Werner Neff und Christian Kaiser ehrten 26 Gründungsmitglieder, die immer noch den SV aktiv oder passiv unterstützen. Zwischen den einzelnen Würdigungen und Reden, so von Bürgermeister Christian Kehrer und Ortsvorsteher Marion Neff, gab es Darbietungen der verschiedenen Abteilungen. Ehrungen vom Landessportbund und des Sportkreises schlossen sich an. So wurden Werner Neff und Gerd Schäfer für 35 Jahre Vorstandsarbeit ausgezeichnet.

Später erhielten Günther Rebscher und Emil Beck die Spielernadel in Gold für 50 Jahre aktiven Tischtennissport im Dorf. Viele Sportler, Aktive und Ehrenamtliche bekamen im Anschluss die Vereinsnadeln in Bronze, Silber und Gold. Nach dem Ehrungsmarathon wurde anhand von Bildern gezeigt, wieviel Spaß die Vereinsmitglieder des SVA im vergangenen halben Jahrhundert hatten.

Den Festgottesdienst gestaltete Pfarrer Roger Frohmuth mit sechs Jugendlichen aus dem Verein. Sie erzählten mit einem Gleichnis des menschlichen Organismus, wie wichtig jedes einzelne Mitglied ist. Jeder hat seine Stärken, einer allein kann so ein Fest nicht organisieren und stemmen, so wie jedes Körperteil nicht ohne das andere bestehen könnte. Der Dorfverein verkaufte beim Fest seine Neuauflage der Dorfchronik. Diese kann auch weiterhin in der Pils- und Kegelstube erworben werden. Gegen eine Spende ist dort auch die Festschrift des SV erhältlich.

 

 

Vereinsnadel: Bronze Marion Neff, Frank Denniger, Stephan Liebig, Florian Sattler, Detlef Heins; Silber Gerd Neff, Torsten Neff, Walter Siefert, Regina Sattler, Anja Krautschneider, Christian Kaiser; Gold Jürgen Neff, Emil Beck, Walter Krautschneider, Gerd Schäfer, Werner Neff

Ehrungen Landessportbund: Verdienstnadel Walter Krautschneider, Ehrenurkunde Christian Kaiser und Anja Krautschneider; Ehrungen Sportkreis: Ehrennadel in Silber Walter Krautschneider, Christian Kaiser und Anja Krautschneider, 13 Jahre Vorstandsarbeit Andre Fichtel und Stephan Liebig.

Ehrungen hessischer Tischtennisverband: Spielernadel in Gold 25 Jahre aktives Spielen Peter Schäfer, Silber 20 Jahre Florian Sattler, Bronze 15 Jahre Benjamin Beck und Moritz Hallstein.

Ehrungen Turngau Odenwald: Ehrennadel in Silber Anja Krautschneider

Feuerwehrhäuser sind teilweise „Ruinen“

Es ist ein wenig, wie wenn Sisyphos und Herkules aufeinandertreffen: Der Bedarfs- und Entwicklungsplan für die Freiwillige Feuerwehr Oberzent enthält zahlreiche Details, ist aber in seiner Abarbeitung einer Mammutaufgabe, für die die Stadt eine große Summe Geld in die Hand nehmen muss. Der kombinierte Bau- und Finanzausschuss befasste sich nun mit dem Thema, weil der Sperrvermerk für die Anschaffung von verschiedenen Feuerwehr-Fahrzeugen aufgehoben werden sollte.

Stadtbrandinspektor (StBI) Marco Johe stellte dem Gremium in einer sehr detailreichen, zeitintensiven Präsentation die wichtigsten Details des umfangreichen und von ihm weiter ausgearbeiteten Werks vor, wie er es bereits ähnlich im März dargelegt hatte. 117 Quadratkilometer Waldgebiet, fünf Kindergärten, fünf Schulen und drei Altersheime, dazu noch Bundesstraße und Bahnstrecke, bilden die wichtigsten Rahmendaten.

Immer noch, erläuterte er, „ist die Löschwasserversorgung in manchen Straßen und Stadtteilen kritisch“. Die Tageseinsatzstärke in den einzelnen Stadtteilen ist laut Johe „sehr gering“. Deshalb wird grundsätzlich auch immer die Beerfeldener Wehr mit alarmiert, weil dort der Personalbestand unter Tag weiterhin gut ist.

Die verschiedenen Wehren nennen noch eine Vielzahl von älteren bis alten Fahrzeugen ihr Eigen. Konkret ging es jetzt um Tanklöschfahrzeuge (TSF) aus Airlenbach, Gammelsbach und Falken-Gesäß, alle über 25 Jahre alt. Sie sollen neuen TSF mit dem Zusatz Wasser weichen. Diese haben jeweils einen 1000-Liter-Tank an Bord.

„Das kompensiert dann auch die geringe Tageseinsatzstärkte“, erläuterte Johe. Denn wenn das Wasser schon an Bord ist, braucht man weniger Leute, um es an den Einsatzort zu bringen. Für jedes Fahrzeug stehen 70.000 Euro im Haushalt, die von den Mandatsträgern als Empfehlung für die am 28. August tagende Stadtverordnetenversammlung freigegeben wurden.

Ungleich teurer wird der Ersatz fürs Löschfahrzeug 8/6, der kommendes Jahr ansteht. Im Hinblick auf den großen Waldbestand schwebt Johe hierfür ein sogenanntes TLF 4000 vor, also eines mit 4000-Liter-Tank. Im Odenwaldkreis werden drei Geschosse dieser Art gefördert, Oberzent soll eines davon bekommen. Gefördert ist aber relativ: Die Stadt bekäme 40 Prozent von 250.000 Euro wieder, aber die eigentlichen Kosten belaufen sich auf 350.000 Euro.

In vielen Feuerwehrhäusern gibt es Handlungsbedarf. Denn die Umkleide ist oft noch in der Fahrzeughalle angesiedelt und nicht nach Männlein und Weiblein getrennt. Es fehlt die Heizung, es zieht wie Hechtsuppe oder es ist feucht. Der technische Prüfdienst macht jetzt Druck, so Johe. Nachdem es jahrelang Versäumnisse bei der Aufarbeitung gab, ist seitens der Prüfer Schluss mit lustig. Vieles davon, ergänzte Bürgermeister Christian Kehrer, „ist nicht neu, wurde aber früher nicht umgesetzt“. Ein „Weiter so“ werde von der Unfallkasse nicht mehr toleriert.

Mit als Erstes ist das Gebäude in Airlenbach an der Reihe. Das hat auch mit dem neuen Fahrzeug zu tun, das nicht mehr ins bisherige Haus passt. Hier will man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: einen Anbau fürs TLF-W schaffen und gleichzeitig die aktuelle Garage zur Umkleide umfunktionieren. Kosten: etwa 175.000 Euro.

Johe prognostizierte generell einen hohen Investitionsbedarf: „Das sind teilweise Ruinen“, zeichnete er ein drastisches Bild. Etwa die drei Gebäude des ehemaligen Hessenecks: Hessel-, Schöllen- und Kalibachs Feuerwehrgerätehäuser „sind allesamt renovierungsbedürftig“. Sie sollen 2021 drankommen. Ganz besonders schlimm ist die Situation in Schöllenbaqch: „Dunkel wie im Keller, ohne Heizung, Dach undicht, Tore defekt“, beschrieb der StBi die unhaltbare Situation.

Ebenfalls nicht mehr halten lassen sich die beiden Atemschutzwerkstätten und Berfelden und Rothenberg. Sie sollen einer neuen in Beerfelden weichen, die dann zentral für Oberzent tätig sein wird. „Wir wollen mit den Geräten ausrücken, die wir selbst geprüft haben“, hob Johe hervor. Kosten hier: mindestens 170.000 bis 180.000 Euro.

 

Oberzent-Feuerwehr in Zahlen

–              15 Stadtteilwehren, 16 Standorte (Unter- und Ober-Sensbach bilden eine gemeinsame Einsatzabteilung, haben aber jeweils noch ein Feuerwehrhaus) bei 19 Statteilen und 165 Quadratkilometer Fläche

–              204 Einsätze im Jahr 2018, davon Beerfelden 107 (weil die dortige Wehr wegen ihrer Tageseinsatzstärke in der Regel immer mitalarmiert wird)

–              450 Mitglieder in der Einsatzabteilung, davon Beerfelden 68, Rothenberg 53

–              Drei Kindergruppen mit 36 Unter-Zehnjährigen

–              15 Jugendfeuerwehren mit 145 Angehören

–              169 Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung

–              54 Mitglieder in zwei Musikzügen (Schöllenbach und Beerfelden)

Kindergarten Beerfelden ist Mess-Schwerpunkt

Oberzent wird jetzt entschleunigt. Stadtpolizist Nabil El Kadi ist seit einigen Wochen mit dem mobilen Blitzer an den neuralgischen Punkten anzutreffen, wo besonders viele Geschwindigkeitsübertretungen zu erwarten sind. Die vorherigen Verkehrszählungen machten deutlich, dass auf manchen Strecken gerast wird, was das Gaspedal hergibt. Die bald ins Haus flatternden Knöllchen dürften für viele eine neue Erfahrung sein, denn Tempokontrollen gab es in dieser Form bisher nicht.

Ein Schwerpunkt ist der Kindergarten Beerfelden in der Gammelsbacher Straße. Hier gilt montags bis freitags von 7 bis 17 Uhr Tempo 30. Allerdings scheinen das zahlreiche Verkehrsteilnehmer noch nicht verinnerlicht zu haben. Die Geschwindigkeitsmessungen im Frühjahr erbrachten 30 bis 40 Prozent Überschreitung, erläutert El Kadi. Und das bei 3200 Autos am Tag. Tempo 50 wiederum missachteten „nur“ vier Prozent, allerdings war darunter auch der Spitzenreiter mit satten 101 km/h.

Seitdem der Stadtpolizist mit dem mobilen Lasermassegerät unterwegs ist, wird nicht nur die Geschwindigkeit aufgezeichnet, sondern es kommt auch das Knöllchen hinterher. Um die 500 Verstöße hat das 45.000 Euro teure Gerät in dieser kurzen Zeit schon aufgelistet. Neben dem Kindergarten setzt El Kadi den Blitzer auch auf der B45 zwischen Hetzbach und dem Himbächel-Viadukt ein. Zwei Unfälle in kurzer Zeit könnten einen besonderen Gefahrenpunkt bedeuten, erläutert er.

„Seit vier Wochen gibt es kostenpflichtige Verwarnungen“, sagt der Verwaltungsmann. Um eine solche im Briefkasten zu haben, muss man in Hessen mindestens neun Kilometer zu schnell fahren. Denn drei km/h werden als Toleranz berechnet, weitere fünf kommen als Geringfügigkeit obendrauf. Das geht an diesem Tag schnell. El Kadi packt mit Hilfe seines neuen Kollegen Benjamin Ried das Lasermessgerät Leivtec XV 3 aus, schließt es an, stellt mit der Fernbedienung auf dem Bildschirm schnell die entsprechenden Parameter ein.

Prompt werden gleich zwei Autofahrer mit 41 und 43 km/h erfasst. Und das, obwohl der Stadtpolizist direkt neben der Straße steht und das Gerät deutlich sichtbar ist. Die entsprechenden Messstellen in Oberzent hat er dort entweder nach eigenen Überlegungen hinterlegt oder Punkte aufgesucht, wo es Bürgerbeschwerden über Raser gab. Ein paar wenige Klicks und der Blitzer ist somit für die Messstelle bereit.

Das Gerät macht 15 Bilder pro Sekunde, erläutert El Kadi. Wodurch der Eindruck eines Videos entsteht. „Die sind gestochen scharf“, schildert er. Für schlechtes Wetter oder Regen lässt sich ein Blitz nachrüsten. Gemessen wird in einem Abstand zwischen 50 und 30 Metern vor dem Gerät. „Wir dürfen nicht aktiv tarnen“, betont er. Er hat beobachtet, dass die meisten sowieso schon vorbei sind, bevor sie den Blitzer bemerken. Der steht oft „offensiv direkt neben dem Straßenrand“.

Genauso schnell wie El Kadi das Gerät aufgebaut hat, sind oft die entsprechenden Posts in den einschlägigen Facebook-Gruppen zu finden. Wobei sich hier die Reaktionen die Waage halten. Die Geschwindigkeitsmessungen vor dem Kindergarten haben durchaus ihre Befürworter. „Keine Messung bleibt lange unentdeckt“, weiß er. „Der Odenwald ist sehr gut vernetzt.“

El Kadi ist klar, dass er dagegen keine Handhabe hat. Aber er macht die Aktion ja auch nichts aus Jux und Dollerei. „Es geht darum, die zu kriegen, die andere gefährden“, meint er mit Blick auf die Messstelle bei der Kita. Vielleicht könnte man ja diese Kontrollen mal nicht melden, hofft er, denn es gehe um den Schutz der schwächsten Verkehrsteilnehmer.

Olfen, Raubach, am Penny-Markt und zwei Mal in Gammelsbach, dazu während der Festivals: Das Lasermessgerät kommt derzeit nicht nur unter der Woche, sondern auch samstags zum Einsatz. „Der Bedarf ist mehr als gegeben“, sagt El Kadi aus Erfahrung. Das zeigten die Auswertzungen von Tempomessungen: 132 km/h zwischen Rothenberg und Kortelshütte oder 89 km/h in der Raubach.

 

 

Um die stationären Blitzer in Hetzbach und Gammelsbach wieder einsatzbereit zu machen, wurden bereits die Verträge mit der Fachfirma unterzeichnet. Diese plant derzeit und holt die Genehmigungen ein. Stadtpolizist El Kadi rechnet damit, dass noch in diesem Jahr die fehlenden Kontaktschleifen in den Asphalt eingebracht werden und damit die Geräte wieder ihren Dienst aufnehmen können.

 

Kindergarten-Neubau zeichnet sich in Rothenberg ab

Entsteht im Höhendorf ein komplett neuer Kindergarten an der Sporthalle? Beengte Räume in der bisherigen Kita „Himmelsauge“, steigende Kinderzahlen, aber keine Erweiterungsmöglichkeiten, gepaart mit immer größerem Sanierungsbedarf lassen die Möglichkeit des „großen Wurfs“ in Reichweite rücken. Denn als Bonbon für einen Neubau gäbe es vom Land noch 250.000 Euro pro geschaffener Gruppe obendrauf.

Damit die Stadt diese Fördermittel abgreifen kann, muss es aber schnell gehen. Denn der entsprechende Antrag soll bis Anfang Oktober beim Kreisjugendamt vorliegen. Weswegen jetzt Verwaltung und Energiegenossenschaft Odenwald (EGO) dem gemeinsam tagenden Bau- und Finanzausschuss eine Bestandsaufnahme zusammen mit einer möglichen Neuplanung vorlegten, den die Mandatsträger einstimmig befürworteten.

Das letzte Wort haben die Stadtverordneten voraussichtlich Ende des Monats. Dabei wird es sicherlich um die Kosten gehen. Denn auch wenn es für eine fünfgruppige Einrichtung 1,25 Millionen Euro Zuschuss gibt, bleibt der Großteil der Bausumme an der Stadt hängen. Denn diese wird von der EGO mit 4,1 Millionen Euro prognostiziert.

Fachbereichsleiter Helmut Ulrich skizzierte die aktuelle Situation. Die viergruppige Kita ist seinen Worten zufolge voll belegt. Es gibt drei Ü3- und eine Krippengruppe. Wenige Parkplätze in der Hauptstraße führten zu einer „angespannten Verkehrslage“. Die Engstelle skizzierte er sogar als „Sicherheitsproblem“. Die Raumgröße liege derzeit bei 42 Quadratmetern, der heutige Standard bei 60.

„Das Gesamtgebäude wird voll genutzt“, informiert Ulrich. „Es geht sehr beengt zu.“ Die Kita wurde in den vergangenen Jahren mehrfach erneuert, aber nie grundlegend saniert. Die Mehrgeschossigkeit verhindert eine Barrierefreiheit, führt zu langen Wegen und gehte zu Lasten der Sicherheit. Dazu kommt noch das Außengelände in „ausgeprägter Hanglage“. Der Verwaltungsmitarbeiter erkannte einen „umfangreichen Sanierungsstau auch in energetischer Hinsicht“.

Allerdings wird eine Optimierung durch den Gebäudeschnitt verhindert. „Eine Erweiterung ist ausgeschlossen“, so Ulrich. 437 Quadratmetern Gesamtfläche stehen einem Soll von 750 qm gegenüber, sagte er. Vor dem Hintergrund des Mehrbedarfs, formulierte es Ulrich, „sollte ein Weiterbetrieb in Frage gestellt werden“. Diese Punkte, erläuterte er, würden auch vom Jugendamt so gesehen.

Denn mehr Plätze braucht es dringend. Schon aktuell fehlen bei 75 verfügbaren sechs Stück. Durch die sukzessive Besiedlung des neuen Baugebiets Alt-Schulzenfeld dürften weitere Kinder hinzukommen, da es vor allem von jungen Familien nachgefragt ist. Deshalb wollte Ulrich „mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit“ einen Neubau geprüft wissen. Damit gewinne Rothenberg an Attraktivität.

EGO-Vorstand Thomas Mergenthaler informierte zusammen mit Architekt Peter Arras über die dem Förderantrag zugrunde liegenden Annahmen. Die beiden Grundstücke unterhalb der Sporthalle mit einer Größe von 6200 qm gehören bereits der Stadt. Die Erschließung gestalte sich einfach. Die Bauleitplanung wird durchs Stadtbauamt vorangetrieben. Seitens der EGO wird eine fünfgruppige Einrichtung mit zwei U3- und drei Ü3-Gruppen vorgeschlagen, was einen Flächenbedarf von rund 1000 qm bedeutet.

Da die Kinder gemeinsam essen, wird ein Kinderrestaurant mit etwa 50 Plätzen benötigt, erläuterte Mergenthaler. Die in der jetzige Kita vorhandene Küche ist neuwertig und soll übernommen werden. Der Mehrzweck-/Turnraum entfällt. Hierfür soll die benachbarte Sporthalle dienen. Die Technikräume könnten an das Feuerwehrhaus angedockt werden, sagte er.

Zum Zeitrahmen meinte der EGO-Vorstand, dass im Frühwinter bereits eine Ausschreibung eingeleitet werden könnte. Bei Vorliegen eines Förderbescheids bis Jahresende gehe es im Frühjahr 2020 in die Detailplanung, bei gutem Verlauf verbunden mit Bauantrag über den Sommer und Baubeginn im kommenden Herbst. Gemäß den Förderrichtlinien soll die Fertigstellung spätestens Mitte 2022 erfolgt sein, so Mergenthaler.

 

Elektro, Beats und Bässe

Die kleine Schwester ist bereits ganz schön groß. „Circle of Leaves“ eifert in Sachen Attraktivität bereits bei der Premiere dem zwei Wochen vorher stattfindenden „Sound of the Forest“ nach, auch wenn die Besucherzahlen sich nicht ganz vergleichen lassen. Wieder sind Menschenmassen am Eröffnungstag auf dem Weg ans idyllische Gelände am Marbach-Stausee, um ein unbeschwertes musikalisches Wochenende fernab des Alltags zu erleben. Elektro, Beats, Bässe und jede Menge DJs bestimmen dieses Mal das Bild.

„Super fürs erste Mal“, lautet gestern Nachmittag das Fazit von Festivalsprecher Jo Megow. Obwohl das Wetter am Samstag regenbedingt durchwachsen bis sehr bescheiden war, ließen sich die Fans die gute Stimmung nicht verderben. „Die haben Gummistiefel und Regenstiefel auspackt und sind durch den Matsch getanzt“, beobachtete er. Nacktbaden inklusive. „Alle waren erschreckend gut ausgerüstet“, so seine augenzwinkernde Beschreibung. Gestern ging dann bei strahlendem Sonnenschein und warmem Wetter „die Laune wieder schlagartig hoch“.

Eigentlich sollte die Premiere ja bereits im vergangenen Jahr stattfinden. Doch da mussten bekanntermaßen „Sound of the Forest“ (SOTF) und „Circle of Leaves“ (COL) wegen Waldbrandgefahr ausfallen. Während das Ersterem in diesem Jahr beim Zuspruch keinen Abbruch tat, „haben wir bei COL weniger Tickets verkauft“, bedauert Megow. „Wir sprechen mit Elektro das erste Mal eine komplett neue Zielgruppe an“, weiß er. Da ist – anders als bei der zehnten Auflage von SOTF – das Grundvertrauen in den Veranstalter noch nicht da, vermutet der Festivalsprecher.

Allerdings zeigt sich Megow mit täglich 2800 Gästen trotzdem sehr zufrieden. „Für eine Premiere überragend“, meint er. Ein wenig ging es zu wie in der Anfangszeit von Sound of the Forest: luftiger, nicht so eng. Zusammen mit dem Partner „Better Life“ stellten die Peripherique-Macher aus Bad König ein ausgewähltes Lineup zusammen. In dem fanden sich mit Neelix und Pappenheimer zwei angesagte DJs ebenso wie mit den Schweizern von Adriatique („Wahnsinn“, so Megow) oder „Innellea“ mit ihrem Festival-Trailer begeisternde Elektro-Acts.

Eine lange Schlange an Campern ist am Freitagabend vor dem Eingang anzutreffen. Die Shuttlebusse spucken immer neue Menschenmengen aus, die sich dann mit dem Equipment jeglicher Couleur einreihen. Ausgestattet entweder rudimentär mit Schlafsack und Isomatte, oder etwas komfortabler mit Sackkarren und komplettem Hausstaat inklusive Getränkevorrat, der nach normalen Maßstäben eine Woche reichen dürfte.

Wäschekörbe, 20-Liter-Wasserkanister, Bollerwagen, Rucksack und ganze Paletten mit Trinkbarem, dazu noch Kind und Kegel: Wie schon zwei Wochen sind die vorwiegend jungen Besucher mit allem ausgestattet, was für ein Party-Wochenende benötigt wird. Dafür kommen sie aus halb bis ganz Deutschland angefahren, um im Odenwald die Seele baumeln zu lassen.

Der Stuhlkreis Marke Camping feiert fröhliche Auferstehung, die Gitarre wird ausgepackt zu einer gekühlten Dose mit Inhalt je nach Geschmack. Wobei selbst die eingefleischten Hobby-Sänger wohl ehrlicherweise zugeben müssen, dass man lieber die Profis auflegen lassen sollte. Die Musik, so scheint es, ist manchmal die schönste Nebensache an einem Wochenende, bei dem es um nichts weniger geht als – Nichts(tun).

Am Freitag ist noch Badeurlaub angesagt, am Samstag das zwischenzeitliche nasse Bibbern, ehe dann am gestrigen Abschlusstag der Aufenthalt im Odenwald zum Kurzurlaub wird. Viele nutzen das Seegelände noch zum Entspannen, bevor aus auf den Heimweg geht. Der See dient auch für andere Zwecke: sich selbst und Handtücher waschen, die dann dekorativ die Zelte verzieren.

Apropos Zelte: Der Unterschiedlichkeit sind keine Grenzen gesetzt. Die klassische Einzelunterkunft mit Stangen, die sich schon beim Anschauen verbiegen, bis zum vier auf vier Meter Profizelt, das keine Wünsche offenlässt, ist ein Fest für die Augen. Wie auch die Illumination an der Seebühne, wo es ein Nonstop-Programm gibt. Schlafen steht an diesen drei Tagen nicht auf der Agenda. Wer es packt, feiert 24/7 durch.

„Wir wollen zum Musik entdecken anregen“, sagt Jo Megwo. SOTF-Besucher, eigentlich keine Elektrofans, ließen sich locken „und hatten tierisch Spaß“. Ebenso wie viele andere Fans aus allen Ecken Deutschlands. „Wir haben ein unglaublich starkes Feedback bekommen“, freut sich der Festival-Sprecher. Sehr oft gab‘s schon die Zusage auf ein Wiederkommen, dann mit vielen Freunden im Gepäck.

Eigentlich beste Voraussetzungen für eine Wiederholung. Megow gibt sich noch ein wenig vorsichtig: Erst einmal wird ein Strich darunter gemacht „und geschaut, was die Zahlen hergeben“. Sollte das Minus vertretbar sein, dann könnte es eine Neuauflage geben. Auf jeden Fall freuen sich Festivalmacher jetzt darauf, nach mehr als zwei Wochen Dauereinsatz ausspannen zu können.

„Wir schaffen einen Gegenentwurf zum Alltag, in dem Utopie, Austausch, Kreativität und Gemeinschaft unsere Werte sind“, postulieren die Organisatoren. „Circle of Leaves“, hinter dem der gleichnamige Verein steht, widmet sich den wahren Freuden der Existenz: Kunst, Musik, Natur und Kulinarik. Das Lineup aus DJs und Bands setzt sich aus Newcomern, Locals und Helden der Szene zusammen.      (Foto: Laura Wilken)