Zuerst werden die Glasbausteine entfernt

Wenn im Sensbachtal eine Ortsbeiratssitzung stattfindet, dann geht es dort garantiert um die Sanierung der Sporthalle. Wie auch jetzt wieder, als Bürgermeister Christian Kehrer Renovierungsplanung und Bauzeitplan vorstellte. Zuerst sollen demnächst die Glasbausteine entfernt und neue Fenster eingebaut werden. Später ist vorgesehen, den bisherigen Ballraum in ein Behinderten-WC mit Zugang von außen umzugestalten, da auch im Bürgerzentrum keine derartige Einrichtung vorhanden ist.

Ein Problem stellt die Zwischenlagerung der Geräte dar. Hier wird noch nach Lagermöglichkeiten gesucht, informierte Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann. Vertreter von TSV und MGV sagten kürzlich zu, Eigenleistungen zu übernehmen. Über weitere Freiwillige würde man sich freuen, so der Tenor auf der Sitzung. Kuhlmann schlug vor, die Verpflegung der Helfer aus dem Budget des Ortsbeirates zu bestreiten. Von Carsten Deppe, zweiter Vorsitzender des TSV, kam die Anregung, nach Abschluss der Arbeiten ein Helferfest zu organisieren.

Seitens der Stadt ist vorgesehen, den schadhaften Vorbau am Rathaus abzubrechen und durch eine andere Konstruktion zu ersetzen, erläuterte Kehrer. Ortsbeirat Manfred Heiss erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass die Konstruktion im Rahmen der damaligen Dorferneuerung erfolgte und bei Planung und Ausführung Fehler gemacht wurden. Er riet dazu, bei der Neugestaltung zu beachten, dass der Eingang auf der Wetterseite liegt.

Der Bürgermeister teilte weiterhin mit, dass im kommenden Jahr der Stromanschluss der Sporthalle erneuert wird. In diesem Zusammenhang soll dann auch die Ausfahrt auf die Sensbacher Straße abgeändert werden. Die Gemeinschaftspraxis Dres. Wißmüller/Wohland hatte Interesse daran gezeigt, im Bürgerzentrum Sprechstunden abzuhalten, so eine weitere Info. Da hierzu aber eine Genehmigung der kassenärztlichen Vereinigung erforderlich ist, kann dies vorerst noch nicht erfolgen, informierte Kuhlmann.

Manfred Heiss berichtete, dass der Spielplatz am Gemeindezentrum in keinem guten Zustand ist. Er schlug vor, dass sich der Ortsbeirat selbst ein Bild machen sollte. Egon Scheuermann teilte mit, dass im Rahmen des IKEK-Programms im nächsten Jahr die Spielplätze ein Thema sind. Man sollte man nicht zweigleisig fahren, meinte er. Jedoch möchte das Gremium nach der Bestandsaufnahme selbst Vorschläge unterbreiten.

Kehrer wies darauf hin, dass die Stadt 28 Spielplätze unterhält und im kommenden Jahr andere instand gesetzt werden. In Hebstahl könnte eventuell im Zusammenhang mit einem beabsichtigten Umbau des Feuerwehrgerätehauses eine Verlegung und Neugestaltung des Spielplatzes am Dorfgemeinschaftshaus (DGH) erfolgen.

Im Rahmen des IKEK-Projektes ist unter anderem vorgesehen, die Elektroinstallation des dortigen DGH zu modernisieren und die Beleuchtung des Saals zu optimieren, erklärte Kuhlmann. Ebenso soll nach Möglichkeit ein barrierefreier Zugang geschaffen werden. Der Bürgermeister brachte eine einheitliche Gestaltung der auf den Friedhöfen Hebstahl und Kailbach geplanten Glockentürme analog dem in Gammelsbach ins Gespräch. Hierbei ist aber das Gewicht der Glocke(n) von großer Bedeutung.

Nochmal ging’s um eine Glocke: Es ist der überwiegende Wunsch der Bürger in Ober-Sensbach, dass das Läuten vom Feuerwehrhaus beibehalten wird. Kehrer teilte mit, dass die Feuerwehren Ober- und Unter-Sensbach zum Jahresbeginn 2021 fusionieren werden. Danach soll das Feuerwehrhaus nach Möglichkeit verkauft werden. Eine Möglichkeit wäre seinen Worten zufolge die Errichtung eines frei stehenden Glockenturms in der Nähe des Feuerlöschteichs.

Kuhlmann hatte eine sehr erfreuliche Nachricht parat: Der Rotary-Club Erbach-Michelstadt, bei dem in diesem Jahr Beerfeldens Pfarrer Roger Frohmuth das Präsidentenamt bekleidet, hat 30.000 Euro zur Sanierung der denkmalgeschützten Kapelle auf dem Sensbacher Friedhof gespendet. Dieser Betrag soll für die Erneuerung der Fenster, die Sanierung des Glockentürmchens und der Eingangsüberdachung verwendet werden. Eine weitere Spende für diesen Zweck ist durch Jürgen Kammer avisiert.

Dauerbrenner Verbindungsstraße Reußenkreuz-Bullau: Kehrer verlas hierzu auszugsweise ein Schreiben des Hessischen Städte- und Gemeindebundes. Demnach ist die Widmung der Straße nicht eindeutig geklärt. Es ist seitens der Stadt nicht vorgesehen, die Sperrung aufzuheben, sagte er. Berechtigte Interessenten kostenlos Sondergenehmigungen von der Stadt erhalten.

Beachvolleyballfeld soll zum Spielplatz

Das Spielfeld für Jung und Alt entlang des Freibads Finkenbach soll nach dem Willen des Ortsbeirats eine weitere Bereicherung erfahren. Auf seine Anregung hin soll das Beachvolleyballfeld auf die andere Bachseite verlagert werden. Denn am jetzigen Platz wird es aufgrund seiner abgelegenen Lage nur sehr wenig genutzt. Die dann freiwerdende Fläche soll zur Erweiterung der Schwimmbad-Liegefläche verwendet werden. Damit würde außerdem das Finkenbacher Freizeitangebot auf einem übersichtlichen Platz zusammengeführt.

Für die Spielgeräte der Kleinkinder gibt es zu wenig Schatten, hatte der Ortsbeirat festgestellt. Deshalb kam von ihm auch der Vorschlag, zwei neue Bäume zu pflanzen. Die Stadt Oberzent wird dies übernehmen, so Ortsvorsteher Christian Niesen. Das Gremium wird sich mit seinem Budget an den Kosten beteiligen.

Erweiterung und Umgestaltung des Spielplatzes war eines der letzten Projekte, die der frühere Rothenberger Bürgermeister Hans Heinz Keursten vor seinem überraschenden Tod geplant hatte. Um ihn zu ehren, soll nun ein Gedenkstein errichtet werden. Der Ortsbeirat will hierfür Gestaltungsvorschläge machen und sich auch an den Kosten beteiligen.

 Die Hecken am Finkenbacher Friedhof haben einen kräftigen Wuchs. Der umgefallene Zaun im oberen Teil des Geländers, provisorisch in die Hecken gehängt, wächst ein, stellte Niesen fest. Auch an der Seite sprießte es in den vergangenen Jahren kräftig. Deshalb gab es den Vorschlag, dass der Bauhof zeitnah ober- und unterhalb zu Werke geht und die Begrenzungszäune repariert. Die Ortsgemeinschaft will sich um den seitlichen Hecken-Rest kümmern.

Hinterbach scheint ein beliebter Ort zu sein, um die Vierbeiner springen zu lassen. Auf jeden Fall kommen immer wieder Beschwerden von dort, dass es Verunreinigungen durch Hundekot gibt. Deshalb schlägt der Ortsbeirat vor, einen Hundekoteimer an die Brunnenstraße/Abzweig Brückenstein aufzustellen.

An der erneuerten Brücke in der Ortsmitte wächst das Falsche. Wie Niesen erläuterte, gedeihen auf dem dort von Hessen Mobil ausgebrachten Boden keine einheimischen Pflanzen. Das ist aber ein Problem, denn artfremde Flora verträgt sich nicht mit dem angrenzenden FFH-Gebiet. Der richtige Mutterboden wiederum wurde an Tretbecken und Kohlenmeilerplatz durch den Bauhof angeliefert – nachdem bei letzterem die wilden Schuttablagerungen entsorgt wurden.

Produktionsschmiede für alles Akustische

In schweren Zeiten muss man sich gegenseitig unterstützen. Martin „Mike“ Müller ist selbst Musiker bei der Odenwälder Irish-Folk-Band „Heebie Jeebies“, betreibt aber im Nebenjob auch sein eigenes Tonstudio in Kortelshütte. Damit die Kollegen weiterhin Aufnahmen machen können, kommt er ihnen finanziell sehr weit entgegen. Er sieht sein „ceol.studio“ als Produktionsschmiede und realisiert  unter anderem gerade ein Folk-Projekt mit Musikern aus dem Odenwald.

Das Wort „ceol“ stammt aus dem Irisch-Gälischen, erläutert Müller. Es bedeutet „die künstlerische Anordnung von Klängen und Tönen, die Ideen und Emotionen durch die Elemente Rhythmus, Melodie, Harmonie und Klangfarbe ausdrückt“. Als er auf der Suche nach einem Namen für sein Tonstudio auf diese Definition stieß, war ihm klar: „Das ist es.“ Denn diese vier Buchstaben beschreiben treffend, „was für mich Musik bedeutet, als Musiker, als Tontechniker oder einfach nur als Zuhörer“. 

Mit der Musik ist der Kortelshütter schon seit früh auf verbunden. „Als Jugendlicher sagte ich, wenn ich mal Rentner bin, dann habe ich ein eigenes Tonstudio“, lacht Müller. Damals nahm er Songs mit einem Vierspurrekorder auf Musikkassetten auf. „Das sind die Dinger, die ein Magnetband haben und von Zeit zu Zeit mit einem Bleistift aufgewickelt werden müssen“, erläutert er augenzwinkernd für die jüngere Generation.

2016 beschloss Mike Müller, sich vom „gefährlichen Halbwissen aus dem Internet“ zu verabschieden und Tontechnik „richtig zu lernen“. Er startete sein Fernstudium. Erfolgreicher Abschluss war ein Jahr später mit der Auszeichnung des staatlich zertifizierten Fernkurses zum Audio-Engineer (HOFA Pro). Danach folgte die Gründung seines Tonstudios in Kortelshütte. „Musik habe ich schon immer gemacht“, erzählt er – in verschiedenen Bands und natürlich auch in Form von Aufnahmen für Demos.

Im Wohnhaus des Oberzent-Stadtteils stehen nun mehrere Räume für Aufnahmen von Bands, Gesang und Sprache zur Verfügung. „Alle akustisch optimiert“, verspricht Müller. Fünf Kilometer Kabel hat er dafür verlegt. Sein besonderer Stolz ist die Regie – der Raum mit hochwertigster Ausstattung für Musikproduktionen.

Der Audio-Ingenieur nennt diverse High-End-Lautsprecher und Verstärker zum exakten Hören der Sound-Mixe sein Eigen. Dazu optimierte er die Akustik im Raum aufwändig. 30 Mikrofone, 28 Vorverstärker sowie Geräte zur Bearbeitung des Klangs, alles von höchster Qualität und zum Teil ausgewählte Einzelanfertigungen, wurden verbaut.

Die Philosophie seines ceol.studios erklärt Müller wie folgt: Er sieht sich als Spezialisten für „akustische Musik“ – alles, was man mit einem Mikrofon aufnehmen kann. Das fängt bei Instrumentals an und geht über Chöre, Klassik, Folk, Rock und Pop bis hin zur härteren rockigen Gangart. „Ein E-Gitarren Marshall-Turm ist ja auch nur ein (akustisches) Instrument, das ein Mikrofon zur Aufnahme braucht“, schmunzelt er.

Das ceol.studio ist auch mobil und hat Musikproduktionen vor Ort produziert, schildert der Kortelshütter seine Vorgehensweise. Davon profitierte unter anderen die Wiesenbacher Big Band mit ihren 40 Musikern. Auch Konzerte in Kirchen oder Band-Demoaufnahmen in deren Proberaum begleitete er. Im „Corona-Jahr“ unterstützte Müller die Hirschhorner Veranstalter der „AusKlang“-Reihe im Kloster beim Streaming von 13 Konzerten per Live-Übertragung ins Internet. Weitere Online-Konzerte folgen nach aktuellem Stand ab November, informiert er.

Mike Müller sieht das ceol.studio als „Produktionsschmiede“. Zwei Projekte hat er aktuell in der Mache: Beim einen handelt es sich um ein Irish-Folk-Projekt mit verschiedenen professionellen Musikern aus dem Odenwald. „Eine Art Best-of mit Fokus auf besonders ausgewogenen Klang und musikalisch-gesanglichem Können“, erläutert er. Außerdem begleitet er den deutschen Sänger und Songwriter Lu Franz bei dessen Aktivitäten. Der Kortelshütter plant außerdem, Ende des Monats bei einem Band-Workshop in Siegen (Sauerland) Tontechnik zu unterrichten.

Müller weiß, wie schwer es die Kollegen derzeit gerade haben, da ihnen alle Auftritte weggebrochen sind. Deshalb bietet den Profi-Musikern einen „          Corona-Rabatt“. Er betreibt sein Studio professionell, hat aber noch einen „richtigen“ Job. Weswegen er daher nicht (ausschließlich) auf die Einnahmen des Studios angewiesen ist. Das macht es ihm möglich, den Kollegen entgegenzukommen. Sie bekommen für Aufnahmen Rabatte zwischen 50 und 90 Prozent.

Info: http://www.ceol.studio

„Future House“ aus dem Odenwald hat Zukunft

Lea Horneff und Jannik Korn haben sich dem Genre „Future House“ verschrieben. In den Kontakt mit dieser Musik „sind wir circa Mitte 2016 gekommen, als wir beide uns kennenlernten“, erzählt die 22-Jährige aus Höchst. „Wir haben uns zwar vorher schon für die Stilrichtung House interessiert“, ergänzt der 23-jährige Michelstädter. Daraus wurde dann 2017 das Musikprojekt „Love Kr3w“, das sich vor allem der Musikproduktion widmet.

Die Bedeutung von „Love Kr3w“ ist darauf zurück zu führen, „dass wir im alltäglichen Leben ein Paar sind und mit unserer Musik etwas aus unserem Leben mit anderen Menschen teilen möchten“, erläutert die angehende Erzieherin. Vor vier Jahren begannen sich die beiden grob übers Produzieren und Auflegen zu informieren, einen Einstieg zu finden, zu üben und Techniken zu verbessern.

Der Bekannten- oder Freundeskreis hat praktisch keine Einflüsse auf den Musikgeschmack der Odenwälder, betont der Student der Sozialpädagogik und Sozialen Arbeit. „Wir orientieren uns nicht ausschließlich an Meinungen anderer Menschen, da Musik stets eine subjektive Sache ist“, hebt Jannik hervor. Trotz allem weisen die Stücke natürlich auch teilweise Einflüsse von aktuellen Trends im Dance-Bereich auf, erklärt er. „Musik ist aktuell (leider) nur ein Hobby für uns“, bedauert Lea. Die Ausbildung hat (noch) Vorrang.

In der Stilrichtung „Future House“ fühlen sich die Musiker sehr wohl. „Das liegt daran, dass man viele Dinge ausprobieren kann“, schildert Lea den Reiz. „Am liebsten produzieren wir Songs, die etwas mehr Kraft und Energie haben“, sagt sie. Aber auch entspannte Lieder sind möglich. Wobei die Höchsterin verdeutlicht: „Für uns hat das Produzieren derzeit einen höheren Stellenwert als das bloße Auflegen.“

Denn die beiden lieben es, neue Dinge zu erschaffen und diese nach Fertigstellung an Labels zu senden. Ebenso ist es „super“, so Jannik, sich im digitalisierten Zeitalter mit anderen Produzenten zu vernetzen und neue Kollaborationen zu starten – etwa mit Kollege Nico Klein. Das ist für ihn etwas Besonderes.

Das Feedback war und ist sehr positiv, freuen sich die beiden. Von Bekannten, aber auch von vielen fremden Leuten kommen wöchentlich Nachrichten über die Social Media-Kanäle, „die uns zur Musik beglückwünschen“, nach Tipps fragen oder auch eine Zusammenarbeit starten wollen. „Wir gehen auch auf andere Künstler zu und vernetzen uns sehr gerne mit ihnen“, verdeutlicht die 22-Jährige.

Aktuell laufen Projekte mit verschiedenen Künstlern, auch aus dem näheren Umfeld. Sie sollen ab Ende des Jahres zu hören sein. Ein Song wird mit großer Wahrscheinlichkeit über einen sehr bekannten YouTube Channel oder ein größeres Label im Bereich House Musik veröffentlicht, kündigt der FH-Student an. Außerdem wollen sie sich bei Future House noch etwas erweitern und mit aktuellen Stilen und Einflüssen arbeiten.

Bisher gibt es bereits drei Millionen Streams der „Love Kr3w“-Songs auf Portalen wie YouTube, Spotify und Apple Music, erzählt Lea stolz. Ebenso unterzeichneten die beiden Plattenverträge mit Sirup Music oder aufstrebenden Labels wie Future House Cloud. Stücke werden unter anderem mit bekannten Szenekünstlern wie Markhese (Ultra Music Festival Europe) veröffentlicht. Support gab es beispielsweise von Abel Ramos & Albert Neve, R3hab, Duane Harden, Sophie Francis, Dave202, Cuebrick oder Lucas & Steve.

Spotify und Beatport unterstützten schon einige der Songs „Made in Odenwald“ nach der Veröffentlichung in ihren offiziellen Playlists oder auf ihren Homepages, weiß Jannik. Es gelang den Musikern, mit einigen Liedern in die Beatport- und iTunes-Top 100 Main- und Genrecharts einzusteigen. „Es macht ebenso Spaß, im Club oder auf (kleineren) Festivals aufzulegen und die Leute zum Feiern zu bringen“, sagt er – auch wenn das etwas im Hintergrund steht. Durch Corona ist es sowieso schwierig, an Auftritte zu kommen. Im nächsten Jahr will „Love Kr3w“ durchstarten. Es ist ein Auftritt auf einem Festival in der Umgebung geplant, verrät er.

Mehr untern: www.instagram.com/lovekr3w_official, www.facebook.com/lovekr3w,   spoti.fi/30fGDIj und soundcloud.com/lovekr3w

Auf breiter Linie gegen Lärm vorgehen

Der Motorradlärm auf der B 45 ist dem Ortsbeirat Hetzbach ein Dorn im Auge. Auf seiner vergangenen Sitzung beschäftigte er sich deshalb auch mit möglichen Maßnahmen dagegen. Nur: Die Stadt hat selbst wenig Einflussmöglichkeiten. Aufgrund der Gesetzeslage ist es schwierig, auf Gemeindeebene eine Lösung zu finden, sagte Ortsvorsteher Ludwig Kredel. Denn eine Überwachung und Kontrolle des Motorradverkehrs ist nur zusammen mit der Polizei möglich.

Die Stadt Oberzent hat rund 700 Kilometer Ortsstraßen zu überwachen, erläuterte er. Es ist der Eindruck entstanden, schilderte er auf der Sitzung, dass der Einsatz des städtischen Blitzgeräts zu wenig variiert, „also immer an den gleichen Stellen geblitzt wird“. Kredel forderte deshalb, zumindest im Bereich der Ortsdurchfahrt verstärkt zu kontrollieren, „da die Blitzersäulen seit nunmehr zweieinhalb Jahren außer Betrieb sind“.

Stark belastete Anlieger wurden bereits selbst aktiv. Sie führten Gespräche mit der Immissionsschutz- und Straßenverkehrsbehörde des Landratsamts, sagte er. „Diese sollen jedoch unbefriedigend verlaufen sein und werden deshalb nicht weiter als zielführend angesehen“, so die Äußerung des Ortsvorstehers. Er betonte die Notwendigkeit von Maßnahmen, „da wir die Wichtigkeit sehen, dass gegen diese Art von Lärmbelästigung auf breiter Linie vorgegangen werden muss“.

Die Neuanlage des Treffpunkts „Dammruhe“ an der Abzweigung zum Bahnhof wurde allgemein positiv aufgenommen, war den Äußerungen im Ortsbeirat zu entnehmen. Lediglich die Farbgebung der den Eingang flankierenden Pfosten war Gegenstand einer Diskussion. Gegebenenfalls kann bei zukünftigen Renovierungsarbeiten ein Anstrich in anderer Farbe erfolgen, war der Tenor. Das optisch störende grüne Rohrstück der Regenwasserableitung soll noch ersetzt werden.

Die weitere Grüngestaltung in Gestalt von Baumpflanzungen soll im Herbst erfolgen. Die beiden zu dicht am Gebäude stehenden Bäume müssen entfernt werden, hieß es. Die geplante „Dorflinde“ soll Richtung Buswartehäuschen ihren Platz finden. Weiterhin sollen in der Böschung am Buswartehäuschen, rechts neben der Dammruhe, im Bereich der Haltestelle Krähberg und auf der Grünfläche vor der Krähberghalle Rosskastanien angepflanzt werden.

Die Informationstafel ist allein für die Ortsveranstaltungen zu groß, war der Eindruck des Gremiums. Es sollte deshalb eine Wanderkarte aufgehängt werden. Eine solche ist bereits bei der Krähberghalle geplant, kam die Information aus dem Zuschauerkreis. Der Grund: Die örtlichen (Rund-)Wanderwege nehmen auf diese als Start- und Zielpunkt Bezug. Allerdings hielt man es für sinnvoll, Im Zuge der Um- und Neugestaltung des Bahnhofsumfelds auch dort eine Tafel mit Wanderkarte einzuplanen. „Ankommende sollen nicht lange nach Informationen suchen müssen“, lautete der Tenor.

Der Ortsbeirat spricht sich außerdem für eine Gestaltung des Wegs am Urnenfeld aus. Denn der ist unansehnlich und teilweise schlecht zu begehen. Das Urnenfeld wird „als Abkürzung“ ständig überlaufen, wurde kritisiert. Die Anlage hat eine teilweise Instandsetzung und Neugestaltung nötig. Das Gremium äußerte seine Bereitschaft, zur Entlastung des Bauhofs Maßnahmen in Eigenleistung durchzuführen.

Um eine Verpachtung des Kiosks im Schwimmbad Hetzbach zu gewährleisten, sprachen sich die Ortsbeirats-Mitglieder für eine frühzeitige und konsequente Werbung aus. „Ansonsten ist zu befürchten, dass auch in der nächsten Saison kein Kioskbetrieb besteht“, äußerte Kredel. Auf der städtischen Homepage, in den Schwimmbädern oder unter den Stellenangeboten sollte mit „Pächter gesucht“ geworben werden. Daneben gab es den Wunsch, mehr auf die Einhaltung der Campingplatz-Ordnung zu achten.

Der Zeltplatz am Marbach-Stausee war zwar während der Corona-Pandemie geschlossen. Aber dadurch entwickelte sich die Problematik, dass wildes Campen deutlich zunahm. Denn der Zeltplatz wird nicht überwacht, so die Kritik. Die Beobachtung: „Auf den Wegen rund um den See herrscht teilweise Verkehrschaos.“

Attraktionen für ältere Semester

Schon lange gab es den Wunsch, den Spielplatz am Schwimmbad Finkenbach auch mit Attraktionen für ältere Semester zu bereichern, um hier einen Treffpunkt für alle Generationen zu schaffen. Das Schachbrett, früher auf der Grünfläche neben dem Feuerwehrhaus beheimatet und im Zuge des Brückenneubaus abmontiert, fand nun dort seinen Platz. Außerdem entstand eine Bocciabahn. Für beide wurden bereits im Vorfeld Vorbereitungen getroffen.

Wenn es in Finkenbach etwas zu tun gibt, dann kommen immer etliche freiwillige Helfer zusammen, freut sich OIrtsvorsteher Christian Niesen. 21 waren es dieses Mal. Schon rechtzeitig vor der Aktion baggerte der städtische Oberzent-Bauhof die Fläche für die beiden Felder aus. Daneben wurden auch Schotter und Felsenkies angeliefert, um alle passgenau zu machen. Die Materialkosten dafür plus Kunststoff-Bordsteine werden aus dem Budget des Ortsbeirats beglichen, erläuterte Niesen.

Die Helfer brachten gleich selbst die erforderlichen Werkzeuge mit. Eine Rüttelplatte wurde von der Stadt gestellt. Eine Gruppe nahm sich des Schachbretts, die andere nahm die Bocciabahn in Angriff. Weitere Ehrenamtliche reinigten auf dem Spielplatz den Fallschutz unter den Spielgeräten gereinigt und befreiten die Hecken von Brombeeren und Brennnesseln. Ein gemeinsames Mittagessen im Schwimmbadkiosk war der Lohn für die harte Arbeit.

Lenn ist krebsfrei

Es gibt sie noch, die guten, Hoffnung machenden Nachrichten in der heutigen Zeit. Ende März war die Sorge bei der Familie Morr um den vierjährigen Lenn groß. Der litt unter einer seltenen Form der Akutleukämie. Im Frühjahr stand eine ganz harte Chemo an. Jetzt kam die positive Nachricht: Die Behandlung scheint angeschlagen zu haben. „Es sind keine Krebszellen mehr im Körper“, freut sich Jana Morr.

Die Rothenberger Familie ist deshalb relativ positiv gestimmt und hofft, dass ihr Sohn krebsfrei bleibt. Vor ein paar Wochen noch war die Unsicherheit groß, ob die Chemotherapie wirklich angeschlagen hatte, da die Ergebnisse einer Knochenmarkpunktion nicht zweifelsfrei waren. „Wir waren am Boden zerstört. Das machte uns große Angst“, gesteht die 30-Jährige. Die Ungewissheit hat sich nun gelegt. Die Chemo bekommt er allerdings weiterhin bis Jahresende. „Das ist das Standardprotokoll bei Leukämie“, erläutert seine Mutter.

Danach erwartet den Vierjährigen eine einjährige Erhaltungstherapie, in der er jeden Tag eine Chemotablette schlucken muss. Die Familie, zu der auch der 36-jährige Vater Alexander und Lenns kleiner Bruder Milo mit 16 Monaten zählen, „lebt immer noch sehr isoliert“, berichtet Jana Morr. Denn das Immunsystem des kleinen Patienten ist durch die Therapie sehr in Mitleidenschaft gezogen. Jeder Infekt wäre lebensgefährlich. Seinen 4. Geburtstag musste er wegen Fieber im Krankenhaus feiern. „Das war sehr schlimm für ihn.“

In den Pausen zwischen den Chemoblöcken war es immerhin möglich, dass Lenn im Garten spielte und dort auch Verwandte auf Abstand mit Mundschutz zu Besuch kamen, berichtet seine Mutter. Am Anfang fand sich der Vierjährige mit seinem Schicksal noch ganz gut ab, aber über die Monate hinweg wuchs die Ungeduld. „Mittlerweile fehlen ihm die Kinder sehr“, erzählt Jana Morr. Er fragt immer wieder, wenn er wieder in den Kindergarten darf. Denn die Eltern, das weiß sie, „können keine anderen Kinder ersetzen“.

Solange aber das Immunsystem angreifbar ist, gilt es, jeder Infektionsgefahr aus dem Weg zu gehen. Auch wenn ihr Sohn die Behandlung bislang ganz gut wegsteckte, merkt sie, „dass seine Kraft nach neun Monaten langsam erschöpft ist“. Er ist dann schlecht gelaunt und genervt, wenn es wieder mal nach Heidelberg ins Krankenhaus geht. „Man merkt, dass es ihm langsam reicht“, erzählt Jana Morr.

Die Eltern versuchen ihm dann zu erklären, dass er bald wieder gesund und sein Leben wieder normal wird. Manchmal versteht er das auch. „Er ist sehr vernünftig“, ist seine Mutter stolz. Aber es nervt halt – das würde es Erwachsene auch. Umso mehr freut sich Lenn, wenn er endlich wieder Kinder zu sich nach Hause einladen darf.

Als vor über einem halben Jahr die Generationenhilfe Oberzent einen Spendenaufruf für die Familie gestartet hatte, war der Zuspruch sehr groß. Über den ganzen Sommer hinweg hielt die Anteilnahme an – und tut es jetzt noch, freut sich die 30-Jährige. „Viele denken an uns und fühlen mit.“ Jana Morr ist sehr dankbar für die große Unterstützung. Viele sind für die Familie da, die sich immer über das Interesse aus dem Ort freut. Selbst aus Mannheim kamen ein paar Briefe, die Mut machten.

Alexander Morr kann derzeit durch die Kulanz seines Arbeitsgebers weiterhin zuhause bleiben und sich um die Familie kümmern. Im Spätjahr „schauen wir dann, wie es weitergeht“, erzählt seine Frau. Die Angst vor einem Rückfall ist nach wie vor präsent, auch wenn sich Lenns Zustand wesentlich verbessert hat. Deshalb agieren die vier auch sehr vorsichtig. Das Jahr 2021 lassen die Morrs einfach auf sich zukommen. Viel planen können sie nicht.

Jana und Alexander, 30 und 36 Jahre jung, fühlen sich „manchmal doppelt so alt“, hat das vergangene halbe Jahr beide kräftig mitgenommen. Des Öfteren rutschten sie in Tiefs hinein, als der Behandlungsfortschritt unklar war. „Wir haben dann immer versucht, uns gegenseitig rauszuholen“, betont die 30-Jährige. Aber „die psychische Belastung ist enorm“. Es fehlt jedes Gefühl von Normalität. Von Monat zu Monat werden Geduld und Nerven weniger.

Gemarkungsrundgang im Sensbachtal unter erschwerten Bedignungen

Der Gemarkungsrundgang hat im Sensbachtal bereits eine lange Tradition. Dieses Jahr stand er unter besonderen (Corona-)Bedingungen. Nach reiflicher Überlegung ob der Machbarkeit wurde er vom Ortsbeirat durchgeführt. Hierzu begrüßte Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann bei typischem Herbstwetter über 30 Teilnehmer in Unter-Sensbach.

Die Wanderstrecke führte vom Bürgerzentrum den Falkenberg hinauf zum Panoramaweg. Die erste Versorgungsstation wurde an der „Hermetze“ angesteuert. Der weitere Verlauf zog sich über die „Lange Mauer“ und den Grüneshof hinweg zum „Hanmichelsbuckel“. An diversen Stationen gaben Mitglieder des Ortsbeirats Informationen zu den anstehenden und abgelaufenen Tätigkeiten im Sensbachtal. Die angelaufene Sporthallensanierung war in diesem Zusammenhang natürlich auch ein zentrales Thema.

Bürgermeister Christian Kehrer übermittelte die Grüße der Stadt Oberzent und gab Einblicke in die Planungen und Umsetzungen der Stadt, auch die drei Stadtteile im Sensbachtal betreffend. Hierbei ging er noch einmal genauer auf die Haushaltslage ein und warb um Verständnis für die derzeitige Situation, dass wenig Mittel zur Verfügung stehen.

Revierförster Erich Kuhlmann vom Forstamt Beerfelden erläuterte die waldbaulichen Gegebenheiten in Zeiten des Klimawandels. Er ging auf die größeren Kalamitätsfälle innerhalb der Forstwirtschaft durch Borkenkäfer und Sturmschäden ein. In den Gesprächen mit den Teilnehmern wurde dann auch über den „Wald der Zukunft“ diskutiert.

Vielen Teilnehmern wurde beim Rundgang deutlich, wie viel Arbeit der Ortsbeirat Sensbachtal „hinter den Kulissen“ übernimmt. Der Ortsvorsteher bedankte sich zugleich aber auch noch einmal bei den vielen ehrenamtlichen Helfern im Sensbachtal, die sich um kleine und große Hilfestellungen im Dorfleben bemühen.

Leider konnte in diesem Jahr coronabedingt kein gemeinsamer Abschluss durchgeführt werden, bedauerte Kuhlmann. Die Teilnehmer wurden jedoch an zwei Rastpunkten auf Kosten des Ortsbeiratsbudgets mit Getränken und belegten Brötchen versorgt.

So konnte man mit diesem Konzept des diesjährigen Gemarkungsrundgangs alle Coronavorschriften einhalten. Der Ortsvorsteher bedankte sich bei den Bürgern für die rege Teilnahme und beim Organisationsteam für die Vorbereitung und Durchführung des Rundgangs unter „erschwerten Bedingungen“.

Flutung des Hainbrunner Tals sorgt für viel Hallo

Am deutschlandweiten Warntag war’s zwar ruhiger als gedacht. Aber jetzt wurde es umso lauter. Wenn die Rothenberger Theatergruppe mit ihrem „Polizeidiener“ durch den Ort zieht, dann bekommt das schnell jeder mit. Denn die Schelle von Benni Götz ist laut genug, dass sich entlang der Hauptstraße schnell kleine Grüppchen bilden, die das Neueste aus dem Ortsgeschehen wissen wollen. Fünf Stationen gab es den Berg hinauf, an denen die Laientheaterspieler lustige Begebenheiten zum Besten gaben.

Die Theatergruppe muss in diesem Jahr während der Corona-Pandemie mit ihren etatmäßigen Aufführungen in der Sporthalle pausieren. Um der Bevölkerung aber trotzdem in der ereignislosen Zeit etwas zu bieten, wurde der frühere Zug durch den Ort reaktiviert. Der fand letztmals zum 650-jährigen Bestehen des Höhendorfs 1999 statt. Unterstützt wurde das Spektakel durch Musik aus dem Leierkasten, bedient durch Thomas Wilcke. Bekanntmachungen, neueste Nachrichten und die regionale Wetterkarte wurden dem geneigten Publikum präsentiert.

„Wenn wegen Corona fällt das Theater aus, dann schelle mir ganz einfach aus“, gab Polizeidiener Benni Götz bekannt. Damit es zu keinen verbotenen Ansammlungen kam und die Besucher den gebotenen Abstand einhielten, war Hygienebeauftragter Matthias Hering stets wachsam – auch in den eigenen Reihen.

Denn die Bauersleute mit Handwerker Stephan Kloß, Claus Weyrauch, Tanja Schmidt, Marina Weinthäter, Elisa Köhler, Ulrike Beisel und Susanne Weyrauch hatten stets was zu bequatschen. Sie sorgten für das ordentliche Geschwätz in Klamotten aus Uromas Kleiderschrank. Die Zeit um 1900 wurde dabei lebendig, ohne Radio, Fernseher und Internet. Historische Gerätschaften wie Musrührer, Dreschflegel oder Rechen wurden von den Aktiven ebenfalls mitgeführt.

Das Wetter darf natürlich am Ende nie fehlen. Wettermann Jochen Blutbacher wusste mit überdimensionaler Karte, wie‘s wird oder auch nicht, Harry Foshag hatte dazu die eine oder andere Bauernregel parat. Jannik Uhrig war derweil mit dem Klingelbeutel bei den Zaungästen unterwegs. Den Erlös spendet die RTG an die Familie von Lenn Morr. Der Rothenberger Junge ist an Leukämie erkrankt und braucht viel Unterstützung.

Parken gegen die Fahrtrichtung ist nun verboten, mahnte der Polizeidiener. Allerdings muss keiner vor den Kadi, „denn der Kadi kommt zu uns“, sagte er in Anspielung auf den Nachnamen des Stadtpolizisten. Der Corona-Test funktioniert in Rothenberg mit Ebbelwoi. „Solange der noch schmeckt, hab‘ ich mich nicht angesteckt“, schüttelte Götz den nächsten Reim aus dem Ärmel.

Auch Vereinsneuigkeiten gab’s zu hören, wenn die Vereine schon nicht im Ortsleben aktiv sein können. Die SG sucht einen Vorstand, war zu erfahren, die Sänger haben einen neuen – Dirigenten: den Mario Freidel. Despektierlich dann des Polizeidieners Einschätzung der MGV-Sangeskünste: „Sobald Corona ist vorbei, geht sie los, die Plärrerei.“

Großes Hallo gab’s auf der Höhe, als es um den Start der Bauarbeiten zur Flutung des Hainbrunner Tals ging. „Gewerbeanmeldungen für Bootsverleih sind jetzt bei der Stadt Oberzent möglich“, erläuterte Götz. Bei 226,6 Metern über Meereshöhe ist die dicke Eiche bei Airlenbach erreicht. Der Erneuerungsfortschritt der Ortsstraßen war dem Polizeidiener ein Dorn im Auge. Aber: „Wer im Gammelsbacher Weg auf die Gosch fällt, ist selber schuld“, tat er kund. Die Anwohner müssen dann die Erstversorgung übernehmen.

„Wir hatten viel Spaß und unsere Gäste auch“, blickte Susanne Weyrauch von der RTG zufrieden zurück. Die Wiederholung hatten die Aktiven schon frühzeitig angedacht, um Lenns Familie damit zu unterstützen. Dann kam noch Corona dazu und die Aufführungen in der Halle mussten sowieso ausfallen. Der Erfolg macht Lust auf mehr: „Wann wir nochmal dieses Event wiederholen, ist noch unklar“, erzählte sie. „Aber auf jeden Fall wird‘s wiederholt.“ Weyrauch schätzt gegen Jahresende.

Oberzent als kultureller Leuchtturm

Einen Appell für die Förderung der Kultur hielt der Ausschussvorsitzende Dirk Daniel Zucht (SPD) auf der Oberzent-Stadtverordneten-Versammlung. Der Lockdown hat „flächendeckend zu Ausfällen geführt“, sagte er. Ein Neustart steht an. „Wir müssen nun gemeinsam voranschreiten und beispielhaft für andere Kommunen wirken“, so seine Meinung. Der neue städtische Kulturbeauftragte Stefan Rosewick hat ein Kulturnetz Oberzent ins Leben gerufen, das für eine stärkere Verknüpfung der Akteure sorgen soll.

„Wir haben damit einen Türöffner in der Hand, den wir nutzen können. Endlich“, freute sich der Parlamentarier. Es gibt nun einen Adressaten für die Akquise von Fördermitteln des Landes und des Bundes. Durch diese und viele andere kleine Aktionen erzielt Oberzent seiner Beobachtung nach nun endlich wieder die positive Aufmerksamkeit, „die unsere Stadt verdient“.

Zusammen mit der Verwaltung gilt es nun, tragfähige Pläne zu entwickeln und umzusetzen. Zucht nennt hier Pferdemarkt, Brunnenfest, Ausstellungen und Messen. Es darf seinen Worten zufolge nicht mehr um Durchführung im alten Stil oder Absage gehen – sondern um Wege, wie etwas trotzdem, eben mit Hygienekonzept und allen Auflagen, „dennoch durchführbar ist“.

Er weiß: Auch wenn die Corona-Krise vorüber sein wird, ist nichts wird mehr, wie es davor war. Bei den Anstrengungen können die relativ kleine Verwaltung, die flachen Hierarchien und die enge Verknüpfung mit Vereinen und Akteuren helfen, schnelle und vergleichsweise unorthodoxe, aber regelkonforme Wege zu beschreiten. „Dazu müssen wir jedoch zusammenarbeiten“, lautet jedoch seine Aufforderung an alle. Das immer wiederkehrende „Wir und Die“ muss aufhören, so sein Appell.

Der Mandatsträger forderte, schleunigst stabile Kommunikationswege zwischen den Institutionen zementieren. Er stellt sich darunter regelmäßige Treffen vor, die erstmal eine Stunde kosten, „aber am Ende etliche Sitzungen, Mutmaßungen und Missverständnisse einsparen können“. Dies beginnt konkret bei Sitzungsvorbereitungen und zieht sich bis zur aktiven Zusammenarbeit mit den zuständigen Verwaltungsangestellten.

„Es kann und darf nicht sein, dass wir im Denken von vor fünf Jahren festhalten“, so Zuchts Worte.  Das Umfeld hat sich alleine während der letzten Monate „radikal und rasend schnell verändert“. Für die Öffentlichkeit in Heidelberg, Mannheim und Mosbach muss Oberzent zum Begriff für Innovation im ländlichen Raum werden, so seine Vorstellung. Diesen Gedanken „dürfen wir nicht belächelnd ignorieren oder schlechtreden“.

Der Kulturbereich bringt Aufmerksamkeit, ist er sich sicher. „Alles andere wird zwangsläufig folgen.“ Das Ganze kostet kostet relativ wenig Geld, sagte der Ausschuss-Vorsitzende, aber hohen persönlichen Einsatz von jedem Aktiven. „Nie mehr: Das wird eh nichts“, lautete sein Credo. Denn mit dieser Haltung „zerstören wir die Möglichkeiten, die wir uns jetzt gemeinsam erarbeiten“.

Durchs Finkenbachtal auf eigenem Weg radeln

Wenn nächstes oder spätestens übernächstes Jahr die Landesstraße im Finkenbachtal erneuert wird, dann könnte man im Zuge dieser Arbeiten auch die Herstellung eines Fahrradwegs zwischen Falken-Gesäß und Ober-Hainbrunn ins Auge fassen, war der Gedanke der Überparteilichen Wählergemeinschaft Oberzent (ÜWO). Sprecher Chris Poffo trug deren Ansinnen auf der vergangenen Stadtverordneten-Versammlung vor – mit dem Ziel, eine Kostenschätzung dafür erstellen zu lassen.

Für Poffo sollte es „ein elementarer Bestandteil des Fahrradwegenetzes sein“, die südlichen S-Bahn-Anbindungen durch solche zu erschließen. Gerade der erheblichen Einschränkung des ÖPNV in Richtung Metropolregion könnte hier entgegengewirkt werden, meinte er mit Blick auf weniger Busverbindungen über Rothenberg nach Hirschhorn. Damit ließe sich autofreies Pendeln zum Arbeitsplatz ohne erhöhte Unfallgefahr ermöglichen.

Sein Gedanke war weiterhin, die angespannte Parksituation an den Bahnhöfen Eberbach und Hirschhorn zu verbessern. Daneben denkt Poffo an eine Kooperation mit der Stadt Hirschhorn, um eine Weiterführung des Radwegs an den Neckar zu erreichen. Der Fraktionssprecher wünschte sich einen Synergieeffekt mit der Straßensanierung und wollte entsprechende Fördermöglichkeiten kurzfristig geprüft wissen. In der Vorlage rechnete Poffo mit einem städtischen Eigenanteil von 30 Prozent der Baukosten.

Bei der Verwaltung stieß er mit seinen Gedanken auf offene Ohren. Mitte Oktober gibt es in dieser Angelegenheit bereits einen Termin mit der Straßenbaubehörde Hessen Mobil, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. Die Stadt will einen Bautermin erst in 2022 erreichen, um selbst noch genug Vorbereitungszeit zu haben. Denn erst jetzt ist die Kanalbefahrung fertig, die Auswertung läuft noch. Danach können die Überlegungen anlaufen, was wo erneuert werden muss. Dieses Mal, so Kehrer, soll alles gut vorgeplant sein.

Er wies darauf hin, dass bei der Sanierung von Bundesstraßen bereits ein Radwegekonzept erstellt werden muss. Das Land ist seines Wissens ebenfalls an einer solchen Vorgabe dran. Ein Radweg auf Landeskosten wäre auch dringend nötig, erläuterte er. Denn die Herstellung von einem Kilometer Radweg in qualifiziertem Ausbau kostet seinen Worten zufolge 500.000 Euro. „Ich bin froh, dass wir kein Straßenlastträger sind“, meinte Kehrer. Seinen Informationen zufolge ist die Maßnahme sogar schon ab dem Brombacher Wasser (der Abzweigung nach Kortelshütte) durch ganz Hainbrunn und Finkenbach geplant.

Dem Vorschlag von Frank Leutz (FDP), das Thema zur Klärung in den Bau- und Infrastrukturausschuss zu verweisen, kamen die Stadtverordneten einstimmig nach. Denn der wollte „wissen, was Sache ist“: Ob das Land die Kosten übernimmt oder die Stadt etwas zu zahlen hat. Denn dann würde sich Leutz eine günstigere Lösung etwa unter Einbeziehung von Waldwegen wünschen.

Breitband-Ausbau wird richtig teuer

Dass es in Oberzent vor allen in den Seitentälern mit dem mobilen Internet hapert, ist nichts Neues. Genervte Handynutzer wissen ein ungehörtes und unerreichtes Lied davon zu singen. Aber auch Breitband ist nicht flächendeckend zu akzeptablen Geschwindigkeiten verfügbar. In der Bürgermeister-Runde des Odenwaldkreises fanden zum Thema Ausbau schon mehrere Gespräche mit dem Landrat statt, berichtete Bürgermeister Christian Kehrer der Stadtverordneten-Versammlung.

Etliche unterversorgte Bereiche, in den die Übertragungsgeschwindigkeit weniger als 30 Mbit/s beträgt, wurden ermittelt. Und davon gibt es viele im Odenwaldkreis. Geht man von etwa einem Internet-Anschluss pro Haushalt aus, so bedeutet die Zahl 4614 über zehn Prozent der Kreis-Haushalte. Hochgerechnet auf die Einwohnerzahl sind damit wohl über 10.000 Odenwälder ohne schnelles Breitband.

Wie auch beim Mobilfunk sind davon hauptsächlich die Täler betroffen. Ausnahmen bestätigen aber die Regel. Auch die südlichen Außenbezirke von Beerfelden sind nicht optimal versorgt. Vor allem an Anfang und Ende des Sensbachtals gibt es einige rote Flecken. Weiter Richtung Westen überwiegt dann ganz klar die Farbe Rot gegenüber dem Grün. Hauptsächlich Falken-Gesäß, der westliche Teil von Airlenbach, Raubach und teilweise Olfen surfen mit Kriechgeschwindigkeit.

Dieses Schicksal teilen die ländlichen Gebiete von Oberzent allerdings mit vielen anderen Gemeinden. Ein schwacher Trost. In Mossautal verschwindet das Grün eines schnellen Anschlusses immer mehr, je weiter man nach Nordwesten vorstößt. Reichelsheim, Fränkisch-Crumbach, Brombachtal und Brensbach ergeht es in den Außenbezirken ähnlich. Gut sieht es entlang der B 45 aus.

Laut Kehrer liegt eine Kostenermittlung für den Breitband-Ausbau im Odenwaldkreis vor. Allerdings hat ein Markterkundungsverfahren ergeben, „dass kein Netzbetreiber ausbauen wird“. Aufgrund dieses „Marktversagens“ müssen ihn die Kreis-Kommunen selbst umsetzen. Es ist ein flächendeckender Breitbandausbau (FTTB/H) und Gigabitversorgung geplant, informierte der Bürgermeister. Die Beantragung von Fördermitteln läuft.

Trotz Zuschüssen von 90 Prozent „wird die Finanzierung ein spannendes Thema darstellen“, erläutert er. Denn es verbirgt sich dahinter ein „erhebliches Investitionspotenzial“ mit erklecklichen kommunalen Eigenmitteln. Die Brenergo bietet seinen Worten zufolge den Städten und Gemeinden kostenlos an, einen gemeinsamen Antrag auf Förderung von Beratungsleistungen zu stellen, teilte das Stadtoberhaupt mit. Eigenmittel sind nicht dafür notwendig – erst später.

Der Magistrat nahm zwischenzeitlich das Brenergo-Angebot an. Die Verwaltung soll zur Umsetzung entsprechende Schritte in die Wege leiten. Wenn’s dann in die Umsetzung geht, wird das Thema schnell wieder auf der Tagesordnung landen, denn dann geht es um die Bereitstellung von Haushaltsmitteln.

Dem Ortsbeirat stinkt das marode WC-Häuschen

Die Sache stinkt im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel. Dem Beerfeldener Ortsbeirat ist der Zustand der öffentlichen Toiletten auf dem Parkplatz neben dem Oberzent-Museum ein Dorn im Auge. Schon Anfang des Jahres hatte man eine tägliche Reinigung des prominent gelegenen WC-Häuschens gefordert. Das ist inzwischen dauerhaft geschlossen, da der Zustand nicht mehr haltbar ist und eine regelmäßige Reinigung nicht möglich.

Eigentlich war man im Gremium davon ausgegangen, dass anderweitig nicht benötigte Mittel aus dem integrierten kommunalen Entwicklungskonzept (IKEK) für eine Sanierung umgeschichtet werden können. „Aber das ist wohl doch jetzt nicht mehr der Fall“, zeigt sich Ralf Fiedler enttäuscht. Das Toilettenhäuschen ist für ihn „nicht mehr zeitgemäß“. Gerade vor dem Hintergrund des boomenden Inlands-Tourismus „ist das kein Aushängeschild für den Ort“, beklagt er.

Über IKEK hatte sich der Ortsbeirat eine 90-prozentige Förderung der Maßnahme erhofft. Das Gremium würde außerdem einen Großteil seines Budgets zur Verfügung stellte, betont Ortsvorsteher Christian Zimmermann. Der sieht ebenfalls „unmögliche Zustände“: Der Parkplatz als Ausgangspunkt für Stadtführungen hat seinen Worten zufolge Besseres verdient. „Andere Kommunen zeigen, wie so etwas geht“, ergänzte Fiedler.

Die nächste öffentliche Toilette befindet sich am Rathaus, erläutert er. Leider gibt es mangels Café auch nicht die Möglichkeit, in der Nähe ein solches aufzusuchen, einen Kaffee zu trinken und das dortige WC zu nutzen. Fiedler bringt eine Bezahlmethode ins Spiel, wie sie schon öfters in Städten zu sehen ist. Für dieses Jahr ist der Zug zwar schon abgefahren, aber zumindest mit Blick auf die kommende Saison sollte man ein schöneres Bild abgeben.

Musik macht den Markt zum beliebten Treff

Was gibt’s Schöneres? Ein herrlicher Spätsommertag, viel Sonne und dazu leckere lukullische Angebote auf dem Wochenmarkt. Das Ganze untermalt von zart vor sich hinplätschernder Unterhaltungsmusik. Kein Wunder, dass viele Bürger zur Wiedereröffnung des Beerfeldener Wochenmarktes nach der Sommerpause vorbeischauen und sich von Neo Stephanou und dem Duo „Jazzaffair“ bestens unterhalten lassen. Organisiert hat die musikalische Unterhaltung Stefan Rosewick, der neue städtische Kulturbeauftragte.

Neo Stephanou ist auf dem Dilsberg zuhause. Der gefragte Gitarrist aus Zypern, vor kurzem mit Rolf Schaude („Die Nachtigallen“) und Gigu Neutsch („Freddy Wonder Combo“) als Trio „Blu“ im Michelstädter Hüttenwerkt zu sehen. Stephanou war gleich dabei, als er gefragt wurde. Direkt von der Heidelberger Musikschule, wo er jetzt nebenher arbeitet, ging es nach Beerfelden. „Kultur muss unterstützt werden“, betont er.

Der studierte Bassist tritt eigentlich gern mit verschiedenen Bands auf, aber in Corona-Zeiten ist er auch mal zwangsweise allein unterwegs. Vier Monate lang tat sich in Sachen Engagements bei ihm gar nichts. „Jetzt fange ich wieder klein an“, lacht er. Stephanous virtuoses Gitarrenspiel und seine unverwechselbare Stimme nehmen das Publikum mit auf eine Reise in den Süden mit rhythmischen spanischen und lateinamerikanischen Klängen, aber auch Pop- und Rock-Klassikern.

Birgit und Karsten von Lüpke kommen aus Frankfurt und zeigen sich froh, wieder auftreten zu können. Natürlich unterstützen sie eine Kulturaktion, hebt Karsten von Lüpke hervor. In Frankfurt ist derzeit nur eine Jazz-Kneipe wieder offen, berichtet er. Daneben wurde den beiden ein neunwöchiges Kreuzfahrt-Engagement gecancelt, bedauert der Pianist. „Nur der Unterricht läuft weiter“, weist er auf die Schwierigkeiten der Branche hin.

Das umfangreiche Repertoire umfasst Swing, Blues und Latin-Jazz sowie Popklassiker von Ray Charles, Bill Withers oder den Beatles. Die Corona-Auflagen und die damit verbundene räumliche Trennung von Marktgeschehen und Musik führen dazu, dass sich zwar direkt vor den Künstlern nicht so viele Gäste einfinden, aber die Umrahmung im eigentlichen Marktbereich eine Etage höher sehr positiv aufgenommen wird.

„Die Begeisterung für die Musiker ist da“, stellt Stefan Rosewick fest. Die Untermalung kommt seiner Beobachtung nach positiv an, „der Markt ist voll“, beobachtet er. Es wäre schön, so etwas von Zeit zu Zeit zu wiederholen, wäre sein Wunsch. Aktuell brütet er über anderen neuen Ideen, die aber noch der Abklärung bedürfen.

„Es ist schön, dass so etwas geboten wird“, sagt Regina Georg von der städtischen Tourist-Info. Immer wenn es besondere Aktionen auf dem Wochenmarkt gibt, zeigt sich der besonders gut besucht. Thomas Mergenthaler bezeichnet die Musik zum Markt als „super Aktion“. Der regelmäßige freitägliche Besucher freut sich nach einer arbeitsintensiven Woche über den „chilligen Nachmittag“. Die Künstler hätten mehr Besucher verdient, meint er mit Blick Richtung Auftrittsfläche. „Das sollte man ab und zu beibehalten“, so seine Meinung. „Es bereichert das Kulturleben.“

Das ist auch die Meinung von Ina Bottelberger. „Klasse, dass Stefan so etwas in die Hand nimmt“, betont sie. Katharina Riesinger weist auf die schöne Auflockerung des Nachmittags an einem herrlichen Frühherbsttag hin. Alle zusammen lassen es sich mit vielen anderen Gästen bei bester Verpflegung gut gehen.

Das Weingut Beyer-Bähr hat Neuen Wein im Gepäck, der reißenden Absatz findet. Beim Weilerhöfer Putenwagen gibt’s die feste Nahrung dazu, und gesund wird’s beim Imkerverein Beerfelder Land mit seinen Produkten. Mediterrane Spezialitäten runden das Ganze ab. Um 18 Uhr machen zwar die Stände zu, aber das heißt nicht, dass die Gäste den Heimweg antreten würden. Sie sitzen an einem angenehmen Abend noch länger zusammen und lassen es sich gut gehen statt zu gehen.

Der „Rocket Man“ geht ab wie eine Rakete

Was hat der Mann für eine Wahnsinns-Stimme. Sein Name: Andreas Kümmert. Klingelt’s? Der Unterfranke gewann 2013 die damalige dritte Staffel von „Voice of Germany“. Danach verschwand er zwischenzeitlich aus gesundheitlichen Gründen in der Versenkung. Und jetzt ein denkwürdiges Konzert auf der Kulturbühne, bei dem sich der 34-Jährige als eine solche Blues-, Rock- und Soulröhre zeigt, dass einem fast der Mund vor Staunen offen stehen bleibt.

Wer kann schon von sich behaupten, einen Songs besser zu performen als das Original? Kümmerts Meisterstück von 2013, seine Version von Elton Johns „Rocket Man“, glänzt durch die eindringliche Performance und die phänomenale Stimme, die viel mehr Substanz und Power hat als die des Briten. Da geht der Rocket Man wirklich ab wie eine Rakete, kommt der „Rock“ im Titel absolut zu seinem Recht.

Kümmert tut gut daran, möglichst viel Zeit des Konzerts der Musik zu widmen. Ein volles Bluesrock-Brett, groovende Soul-Nummern oder krachende Hardrock-Ausflüge werden immer von seiner über ein paar Oktaven ragenden Stimme getragen. Was er zwischen den Songs allerdings von sich gibt, ist etwas gewöhnungsbedürftig. Da wäre weniger mehr und er würde sich eher Fans damit machen.

„The Voice of Rock“ nennt sich der ehemalige Deep-Purple-Sänger und -Bassist Glenn Hughes. Allerdings sind dessen besten Zeiten vorbei. Kümmert tritt mit ein paar Songs in Hughes‘ Fußstapfen, wenn er tief röhrt, gleichzeitig aber auch die hohen Töne problemlos schafft. Immer dann, wenn er alte Klassiker interpretiert, scheint sein Faible für die Musik der 60er und 70er Jahre durch. Denn diese Songs lebt er förmlich, zelebriert sie mit jeder Pore, geht ganz in ihnen auf.

Das eine ist sein Gesang, das andere sein Gitarrenspiel. Da merkt man, dass er schon als 13-Jähriger begann, sich den sechs Saiten zu widmen. Epische Soli in bester Blues- und Hardrock-Manier zeichnen die Lieder aus. Das Ganze im Zusammenspiel mit seinem Sidekick, dem Leadgitarristen Stefan Kahne. Wie beide sich die Saitenbälle zu werden, sich mit der Leadgitarre abwechseln, mal die Twin Guitars à la Wishbone Ash auspacken oder auch ein Battle liefern, ist große Klasse.

Asbjörn Gärtner am Bass und Michael Germer am Schlagzeug ist ebenfalls die große Spielfreude an diesem Abend anzumerken, auch wenn die Fans vor der Kulturbühne überschaubar bleiben. Aber die gehen umso mehr ab, wenn Kümmert sich entweder die Seele aus dem Leib singt oder wahlweise in ausufernden Gitarren-Exzessen mit Kahne fast verliert.

„Harlekin Dreams“ heißt sein aktuelles Album, mit dem er so langsam wieder auf Tour geht. Erschienen kurz vor dem Lockdown, konnte er es bisher kaum vermarkten, was er nun umso eindringlicher nachholt. Sind Kümmerts Cover eher roh, ungeschliffen, jammig, kommen die eigenen Stücke auf der CD etwas glattgebügelter, eingängiger daher, aber natürlich mit dem Fokus auf der außergewöhnlichen Stimme.

Im gefälligen „Milk“, der Midtempo-Nummer „Something in my Heart“ oder dem autobiografischen „Been down so long“ hat der Sänger und Gitarrist auch seinen eigenen Werdegang mit verarbeitet. Er war ganz unten, rappelte sich aber wieder auf und singt jetzt alles in Grund und Boden. Manches klingt ein wenig nach der Blues-Ära des legendären Gary Moore, während der Shouter anderswo die legendären Blues-Größen aus Chicago perfekt interpretiert.

Es ist schwer, auf den „Rocket Man“ noch einen draufzusetzen. Aber die Band hat als Zugabe noch ein besonderes Schmankerl in petto: Kümmert knallt „This is a mans‘ World von James Brown derart raus, dass man sich wieder fragen muss, wieso solch ein Sänger nicht viel mehr Beachtung erfährt. Aber Kümmert kümmert es scheinbar wenig, was andere von ihm denken, wenn man seine Worte zwischen den Songs heranzieht. Also am besten in dieser Zeit Ohren zu und dann wieder aufmachen, wenn er losröhrt.