Evangelischer Kindergarten in Neckarsteinach brannte – keine Verletzten

Der evangelische Kindergarten war nicht mehr zu retten. Das einstöckige Gebäude im Rosenweg brannte in der Nacht zum Donnerstag nieder. Verletzte gab es keine. Über 100 Feuerwehrleute aus der gesamten Umgebung waren im Einsatz, die jedoch den Brandherd in einer Zwischendecke nicht richtig erreichen konnten. Deshalb wurde von den Verantwortlichen beschlossen, die „Schatzinsel“ kontrolliert abbrennen zu lassen. Der Schaden dürfte in den siebenstelligen Bereich gehen. Genaue Angaben – auch zur Brandursache – gab es allerdings noch nicht.

Wie Bürgermeister Herold Pfeifer sagte, wurde der Brand von einem vorbeilaufenden jungen Mann bemerkt, der sofort an einem Haus klingelte. Dessen Besitzer riefen dann die 112. Pfeifer, gerade bei einer Vorstandssitzung des Bürger- und Heimatvereins, eilte an den Brandort. Dort trafen dann nach und nach die Feuerwehren aus Neckarsteinach und den Stadtteilen, Hirschhorn, Schönau und Neckargemünd sowie der Messtrupp aus Wald-Michelbach ein. Die Eberbacher Brandschützer lösten gegen Morgen die Hirschhorner ab und überwachten das kontrollierte Abbrennen. Pfeifer lobte die „tolle Zusammenarbeit aller Wehren“.

Der Brand brach laut dem Bürgermeister gegen 19.30 Uhr in der Deckenkonstruktion zwischen Zimmerdecke und Dachhaut aus. „Das war nicht zu löschen“, sagte er. Pfeifer, Kreisbrandmeister Sven Falter, der stellvertretende Kreisbrandinspektor Werner Trares und Clemens Englmeier von der Brandschutzaufsicht des Regierungspräsidiums Darmstadt entschieden sich dann zusammen mit den Feuerwehr-Leitungen für ein kontrolliertes Abbrennen. „Zum Glück war es windstill und es gibt keine Häuser in der Nähe“, so Pfeifer.

Er betonte, dass die Abwägung aller Möglichkeiten ergab, dass Personal-, Material- und Wassereinsatz keine Wirkung gehabt hätten. Denn: „Das Wasser hätte den Brandherd nicht erreicht. Wir konnten das Gebäude nicht retten.“ Selbst jetzt seien noch Glutnester drin, sagte der Bürgermeister. Pfeifer hob hervor, dass bei einem Feuerausbruch im laufenden Kindergartenbetrieb genug Zeit gewesen wäre, alle Personen zu retten.

Die 42 Jahre alte Kindertagesstätte wurde in Holzständerbauweise errichtet. Sie wurde vor einigen Jahren saniert und brandschutzrechtlich auf den neusten Stand gebracht. Auch heutzutage würden Gebäude noch auf diese Weise errichtet. Baurechtlich sei alles in Ordnung, so der Rathauschef. Die Suche nach der Brandursache wurde von der Kripo übernommen.

Übergangsweise sind die 55 Kinder der dreigruppigen Einrichtung für zwei Tage im Martin-Luther-Haus untergebracht. Aktuell werden in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde alternative Standorte für die kommende Woche, erst einmal bis zu den Weihnachtsferien, gesucht. Pfeifer zeigte sich optimistisch, schnell sagen zu können, wie es weitergeht. „Wir sind dabei, eine Lösung für Eltern und Kinder zu finden“, betonte er.

Es gibt derzeit eine große Welle der Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. Wer etwas spenden möchte, solle sich unter E-Mail ev.kita.nst@gmail.com an die Kita-Leitung wenden, bat er. „Wir müssen das kanalisieren“, sagte der Bürgermeister. „Eine Garage ist schon voll.“ Am ehesten sei der Kirchengemeinde wahrscheinlich mit Geldspenden gedient, um Neues anschaffen zu können. Neben dem materiellen Schaden ist auch der ideelle kaum bezifferbar. Spielzeuge, Kuscheltiere oder gerade gebastelte Weihnachtsgeschenke verbrannten.

Info: Am Sonntag, 16. Dezember, findet um 10.30 Uhr ein Dankgottesdienst in der evangelischen Kirche Neckarsteinach statt, der auch der Aufarbeitung des Geschehenen dient. Zu ihm sind neben Eltern, Kindern und Angehörigen und auch Rettungskräfte eingeladen.

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Königliche Hommage an den unvergessenen „King“

Andreas Stolzenthaler ist der King. Andy King. Mit seinen Memphis Riders bietet er im Hüttenwerk eine Hommage an den echten „King“, Elvis Presley, die optisch und musikalisch vom Feinsten ist. In 50 Liedern setzt er dem viel zu früh verstorbenen Entertainer ein großes Denkmal und begeistert seine Fans, die von Anfang an voll dabei sind und den einen oder anderen Rock’n’Roll-Tanz aufs Parkett legen. Nur ein paar mehr Elvis-Begeisterte hätten den Weg finden dürfen.

In der weißen Elvis-Kluft, wie man sie aus den Auftritten kennt, mit Schlaghose, Glitzer und überdimensionalem Gürtel, dazu die bekannte Elvis-Frisur mit den Koteletten und den charakteristischen Bewegungen, schafft Stolzenthaler die perfekte Illusion. Stimmlich hat er alle Facetten des King drauf. Jürgen Herb (Drums), Norbert Maisch (Keyboard), Richard Wagner (Lead Guitar) und Steffen Andres (Bass) im 60er-Jahre-Fummel runden das Bild ab.

Viva Las Vegas, Jailhouse Rock, Love Me Tender, Hound Dog oder In The Ghetto: Die Band hatte die zeitlosen Hits einfach alle drauf. Von den frühen Jahren über die Filmauftritte bis hin zu den späten Shows reichte die Songauswahl. Kurz und knackig gespielt, meist nur Zwei-Minuten-Versionen, wurden sie von der volltönenden Stimme des Imitators dominiert. Er wusste sie ganz à la Elvis zielgenau zu modulieren. Die Fans fraßen Stolzenthaler quasi aus der Hand und ließen sich zum Mitmachen gern animieren.

„Mein Feeling bei den Tribute-Shows ist immer unbeschreiblich“, sagt der Musiker. „Ich tauche da komplett in eine andere Welt ab, bleibe aber irgendwie dennoch Andy und werde nicht zu Elvis.“ Das Phänomen an Elvis Presley sind für ihn mehrere Dinge. Zum einen natürlich die Tatsache, dass der die Musikgeschichte wie kein anderer Künstler verändert und geprägt hat. „Er startete als junger Mann regelrecht eine Revolution und präsentierte einen völlig neuen Stil.“ Zum anderen auch dessen unglaubliches Talent, vor allem seine Stimme, die sich im Laufe seiner Karriere stetig weiterentwickelte.

Bekannt ist Elvis hauptsächlich durch den Rock’n’Roll. Dass er aber auch in Bereichen wie Country, Gospel, Blues, Soul und Rhythm’n‘Blues tätig war, beweist Andreas Stolzenthaler eindrucksvoll. Der King hatte eine unglaubliche Bandbreite. Dem Coversänger macht es sehr viel Spaß, diese Musikstile als Elvis-Interpret mitzugehen. „Es ist sehr abwechslungsreich und man ist immer gefordert“, erläutert er. Daher wird es nie langweilig.

„Die Zuschauer merken auf den Konzerten, dass sie zwar viele Songs kennen, aber nicht wussten, dass diese auch von Elvis gesungen wurden“, sagt der Musiker. Titel von den Beatles, Simon & Garfunkel oder Neil Diamond finden sich deshalb im Programm. Elvis gabt bereits bestehenden Hits ein komplett neues Gesicht. Beste Beispiele im Konzert: „My Way“ von Frank Sinatra oder „Bridge Over Troubled Water“ von Simon & Garfunkel.

Bei aller Elvis-Imitation bleibt Andreas Stolzenthaler auf dem Boden: „Der hatte eine ganz besondere Ausstrahlung und ein unglaubliches Charisma“, weiß er. „Diese beiden Dinge kann kein Imitator der Welt rüberbringen.“ Daher gibt er sich auf der Bühne auch nicht als „Elvis Presley“. Andy King hat den King nie live erlebt, sich aber mit vielen Zeitzeugen unterhalten. Alle sagten sinngemäß dasselbe: „Eine absolute Ausstrahlung und Charisma. Er betrat einen Raum und alles wurde still.“

Die Bühnenperformance war grandios. In seinen frühen Jahren war er ein super Tänzer, in den Konzertjahren erfand er dann einen komplett eigenen und neuen Stil. „Eine derartige Show mit so viel Bewegung auf der Bühne war zu diesem Zeitpunkt absolut neu und ungewohnt“, weiß der Imitator. Diese Performance kann er dann schon eher „nachstellen“. Wobei Stolzenthaler mit einer Vorurteil aufräumt: Den bekannten „Hüftschwung“ brachte Elvis nur als 19-jähriger Rock’n’Roll-Star auf die Bühne, später gab es ihn nicht.

Den ersten Berührungspunkt mit Elvis gab es für Andreas Stolzenthaler als Sechsjähriger. Es folgte eigentlich eine „normale“ Jugend mit Musik, die halt damals „in“ war. „Doch irgendwie war Elvis immer da, immer präsent“, betont der Musiker. Die erste Elvis-Coverband namens „The Pelvis“ entwickelte sich stetig weiter. Es wurde zu einem zweiten Standbein und irgendwann dann schließlich das Hobby zum Beruf, erzählt Stolzenthaler.

Oberzent stellt sich mit großer Mehrheit gegen den Windkraft-Regionalplan

Die Windkraft ist in Oberzent derzeit immer für eine steife Diskussions-Brise gut. Wobei auf der vergangenen Stadtverordneten-Versammlung dem stickigen Saal im Feuerwehrhaus ein frisches Lüftchen durchaus gut getan hätte. Die aktuelle Zielrichtung (fast) aller ist klar: Es geht gegen den Regionalplan Erneuerbare Energien, die am Freitag von der Regionalversammlung Südhessen beraten und beschlossen werden soll(te). Der scharfe Gegenwind aus dem Odenwald und festgestellter Nachbesserungsbedarf haben den Punkt allerdings zur Makulatur gemacht. 2018 herrscht noch Flaute.

Es ging jedoch nicht nur um den Regionalplanentwurf per se, sondern auch um die Resolution der Odenwaldkreis-Bürgermeister, die sich vehement gegen seine Umsetzung aussprechen. Stadtverordneten-Vorsteher Claus Weyrauch hatte zu Beginn der Sitzung angeregt, dass sich Oberzent dieser Resolution anschließt. Damit setze die Stadt ein klares Zeichen gegen eine „Verspargelung“ der Landschaft, denn auf der Gemarkung sind einige Vorrangflächen vorgesehen.

Das fand bei allen Fraktionen Zuspruch – außer den Grünen. Diese monierten, dass man zu einer Vorlage Stellung beziehen sollte, die von der Tagesordnung der Regionalversammlung am Freitag genommen wurde. Rüdiger Holschuh (SPD) erläuterte, dass das Regierungspräsidium bei der Vorlage formale Fehler gemacht habe. Deshalb gebe es die Verschiebung ins kommende Jahr. Im Übrigen, sagte er, seien die dortigen Mitglieder in ihren Entscheidungen frei und nicht einem Fraktionszwang unterworfen.

Grünen-Sprecherin Elisabeth Bühler-Kowarsch verlieh der Diskussion einen grundsätzlichen Touch über die Energiewende an sich. Damit erzeugte sie viel Stirnrunzeln und auch schärfere Widerworte, die von Weyrauch mit Blick auf die späte Stunde aber eingedämmt wurden. Von Horst Kowarsch wurde das Gerichtsverfahren rund um den FNP als verloren angesehen, machte er auf Nachfrage deutlich. Denn der Ökopartei war von Frank Leutz (FDP) vorgeworfen worden, dass sie diesen bisher mitgetragen habe, aber sich jetzt davon distanziere.

Bühler-Kowarsch stellte den Kampf gegen den Klimawandel über alles. Dessen Auswirkungen seien immer mehr, auch auf lokaler Ebene, spürbar. Ihren Worten zufolge muss die Energiewende so schnell wie möglich kommen. „Alle wollen den Ausstieg (aus fossiler und Kernenergie), aber nicht vor der eigenen Haustür“, kritisierte sie. Als einen Teil davon sieht sie die Forcierung der Windkraft ohne Wenn und Aber.

Die Grünen-Sprecherin relativierte den Regionalplan dahingehend, dass ja nicht auf jeder Vorrangfläche gleich ein Windrad entstehe. Auch bedeuteten 3,74 Prozent Vorrangflächen im Kreisgebiet, dass der Rest ohne Rotoren bleibe. Deshalb sah sie „die immer wieder ins Spiel gebrachte Zahl von 400 Windrädern als komplett übertrieben an“.

Leutz vermochte die Argumentation nicht nachvollziehen. Ihm erschloss sich nicht, warum die Grünen jetzt gegen den zuvor mitgetragenen FNP argumentieren. „Indem man den Odenwald opfert, retten wir weder Fukushima (wo sich 2011 die Atomkatastrophe abspielte) noch die Welt“, sagte er. Brigitte Heckmann (SPD) wies darauf hin, dass der FNP mit „viel Geld und Gehirnschmalz“ erstellt wurde. „Wir haben uns Gedanken gemacht“, betonte sie.

Die Bevölkerung lässt es sich ihren Worten nach nicht gefallen, als Ersatz für den Taunus herzuhalten, „wo die wichtigen Landespolitiker wohnen und keine Windräder haben wollen“. Auch Oliver von Falkenburg (CDU) erkannte in den 3,7 Prozent Vorrangflächen eine „unverhältnismäßige Belastung des Odenwaldkreises“. Es sei nicht einzusehen, warum man hier über den Zwei-Prozent-Ziel liegen solle. Die Resolution wurde mit 30 Ja- gegen vier Nein-Stimmen der Grünen und Lothar Löll (Linke) angenommen.

Die Bürgermeister fordern in ihrer Resolution das Regierungspräsidium Darmstadt auf, den Odenwaldkreis-Windkraft-Flächennutzungsplan (FNP) zur Grundlage der weiteren Windkraft-Planungen zu machen. Er wird als vertretbarer Kompromiss zwischen Windenergie und dem Schutz von Landschaft und Natur angesehen. Sollte die Regionalversammlung aber für den Regionalplanentwurf in seiner jetzigen Form votieren, „werden wir unseren Parlamenten empfehlen, mit Unterstützung des Kreises dagegen mit einer Normenkontrollklage vorzugehen“. Und weiter: „Die Bürger wissen uns im Einsatz gegen zu viele Windkraftanlage im Odenwaldkreis an ihrer Seite.“

Nach dem Bubble Soccer wird miteinander gebabbelt

„Bubbeln verbindet“ heißt es schön zweideutig in der Einladung. Denn die Jugendlichen verschiedener Nationalitäten aus dem Odenwaldkreis zwischen zwölf und 18 Jahren sollten zum einen Spaß beim Bubble Soccer Event in der Oberzenthalle haben, zum anderen aber auch danach miteinander „babbeln“, um sich besser kennenzulernen, zu verstehen, auszutauschen. Das Fußballspektakel der besonderen Art lief im Rahmen des Programms „Sport und Flüchtlinge“ der Sportjugend Hessen und wurde von den Sportcoaches aus Erbach und Oberzent angeboten.

„Fair Play, Respekt und Toleranz sind Säulen unseres Zusammenlebens“, betonte der Erbacher Sport-Coach Alexander Carrasco Torres, gleichzeitig Projektleiter des Jugendintegrationsprogramms „Fußball und Musik – Sport, Spaß & Integration“. Auf Oberzent-Seite war Stadtjugendpfleger René Tunn, ebenfalls Sportcoach in die Organisation eingebunden. „Das Spielen Mit- und Gegeneinander bietet auch im wörtlichen Sinn Berührungspunkte“, hob dieser hervor. „Man kann sich aneinander reiben, muss aber untereinander auskommen.“

Bei den entsprechenden Erbacher Programmen sind 14 bis 17 Nationen vertreten, sagte Torres. Inzwischen blicken die Coaches auf eine jahrelange Arbeit zurück, die vom Land gefördert wird. In Oberzent gab es unter anderem Teilnehmer aus Afghanistan, Syrien, Türkei und Rumänien. Und natürlich Deutschland. „Das ist selbstverständlich“, so Torres, werde aber trotzdem nachgefragt. Er sieht die Aufgabe als Sportcoach darin „zu verbinden“. Geflüchtete, die hierzulande heimisch werden, sollen integriert werden. Und über den Sport funktioniert das gerade bei Jugendlichen sehr gut.

„Fußball ist immer mehr als 1:0“, hob Torres hervor. Es gehe um das Dabei sein, Mitmachen und Spaß haben. Er wies in diesem Zusammenhang auch auf die interkommunale Zusammenarbeit (Stichwort Vernetzung) hin. „Warum muss Oberzent was anschaffen, was Erbach bereits hat“, deutete der Sportcoach auf die „Bubbles“, die einer Art Luftkissen gleich das Fußballspiel erschweren, aber auch als Polster wirken, wenn jemand angerempelt wird und umfällt.

Den Initiatoren geht es darum, den Event nach außen zu tragen und über die Mund-zu-Mund-Propaganda weitere Mitspieler zu erreichen. „Wir versuchen das Einzugsgebiet auszudehnen“, so  Torres. Die Wirkung von Essen, Trinken und Musik seien nicht zu unterschätzen. Die umgesetzten Ideen kommen teilweise auch von den Jugendlichen selbst. „Die helfen überall mit“, freute er sich.

Dem 14-jährigen Alexandru aus Rumänien macht Bubble Soccer wie auch seinen gleichaltrigen Mitspielern viel Spaß. Er hat es schon drei Mal gespielt. „Man muss halt wissen, wie es funktioniert“, schmunzelt er. Teamarbeit ist wichtig. Das betont auch Beyar (13) aus dem kurdischen Teil Irans. Er hebt das Zusammenspiel untereinander hervor. Amin (15) aus Afghanistan bringt es wie folgt auf den Punkt: Man rennt, spielt und klatscht zusammen. Über den Fußball beim Sportcoach Torres „habe ich bereits viele Freunde gefunden“, freut er sich.

„Das ist gar nicht so einfach, wie man denkt“, sagt Tolga (17). Der 14-jährige Caner, bei der JSG Oberzent aktiv, hat festgestellt, „dass man sich schwer bewegen kann“. Dazu ist die Luft zwischen den Plastikteilen ein wenig stickig. „Ganz schön anstrengend“, sagt er. Allen wie auch Furkan (14) hat der Nachmittag aber viel Spaß gemacht. Der meint noch: „Das ist ganz schön schwer zu schießen.“ Lautes Anfeuern, Mitfiebern und großes Engagement kennzeichneten den Event. „Es geht um den Spaß, nicht ums Gewinnen“, sagte Tunn. Den hatten alle. Teilnehmende Teams waren aus dem gesamten Odenwaldkreis: Ekmek Spor, Alles oder Nichts, Bubble Gum Erbach, Team Capital, TLS-Gruppe, Team Michael, Drachenläufer.

Bubble-Soccer ist eine Freizeitaktivität, bei der die Teilnehmer über ihren Oberkörper aufblasbare, meist transparente, Kugeln stülpen und damit Fußball spielen. Sowohl Oberkörper als auch Kopf der Spieler sind durch die aufblasbaren Bubblebälle geschützt. Diese bestehen aus PVC oder TPU und haben im aufgeblasenen Zustand zumeist einen Durchmesser von eineinhalb Meter. Die Bubblebälle fungieren somit als eine Art Airbag, da sie die Spieler bei Zusammenstößen schützen. Dadurch entsteht ein sich vom klassischen Fußball komplett unterscheidendes Spielprinzip. Ähnlich wie beim American Football stürmen die Spieler beim Anpfiff aufeinander zu und versuchen zunächst die Gegenspieler umzuwerfen und sich so einen Weg zum Tor zu bahnen.

Windpark Katzenwinkel wieder Thema in der Stadtverordneten-Versammlung

„Das wird ein langwieriges Verfahren“, meinte Bürgermeister Christian Kehrer zur Klage der Firma Juwi, die bekanntlich auf dem Katzenwinkel eine Windindustrieanlage errichten will. Aktuell hat die Firma aus Wörrstadt Klage gegen eingereicht, weil ihr die Stadt die Zuwegung zum betreffenden Gelände zwischen Etzean, Airlenbach und Güttersbach verweigert. „Das ist jetzt vor dem Landgericht Frankfurt gelandet“, erläuterte Kehrer auf der Stadtverordnetenversammlung.

Eigentlich wollte er den Mandatsträgern schon ein umfassenderes Feedback geben, „aber es tut sich noch nichts“. Der Rathauschef machte deutlich: „Unser Anwaltsbüro kämpft an allen Fronten.“ Der Flächennutzungsplan des Odenwaldkreises, auch wenn er vom Regierungspräsidium Darmstadt abgelehnt worden sei, werde vom Büro als „scharfes Schwert“ angesehen, da der Katzenwinkel dort nicht enthalten sei und es sich (durch die Klage des Kreises gegen die Ablehnung) um ein laufendes Verfahren handelt.

Mit der gerichtlichen Auseinandersetzung um die Zuwegung ist es aber nicht getan. Sollte Juwi obsiegen, geht es damit weiter, dass die Waldwege verbreitert werden müssen, damit die schweren Fahrzeuge durchkommen. Eigentümer links und rechts der Strecken ist aber in weiten Teilen wiederum die Stadt, was ein neues Verfahren produzieren dürfte. Der Bürgermeister rechnet jedoch damit, dass die Firma nach Alternativrouten über private Wege suchen wird.

Oliver von Falkenburg (CDU) erkundigte sich in diesem Zusammenhang nach dem Stand der Dinge beim Kaltschmidt’schen Anwesen. Das liegt im Außenbereich von Etzean und soll nach dem Willen des Kreisbauamts abgerissen werden, wogegen sich die Eigentümer wehren (wir berichteten). Diese Abrissverfügung wird – auch ohne dass es dafür einen schriftlichen Beleg gäbe – mit dem Windpark Katzenwinkel in Zusammenhang gebracht, weil das Gebäude nur 300 Meter von einem projektierten Windrad entfernt läge und es damit nach geltendem Recht verhindern würde.

„Wir stehen mit Herrn Kaltschmidt in Kontakt“, sagte Kehrer. Stadtbaumeister Peter Bauer ergänzte, dass es sich nach Auffassung der Stadt „um ein rechtmäßiges Gebäude handelt“. Es sei in Übereinstimmung mit den Vorgaben der damaligen Gemeinde Etzean errichten worden. Seiner Meinung ist das Fehlen einer Baugenehmigung nach der hessischen Bauordnung kein Grund für einen Abriss. Der Gesetzestext wurde nämlich erst nach der Errichtung des Gebäudes festgeschrieben.

„Die Martinskirche in Beerfelden hat auch keine Baugenehmigung“, sagte Bauer trocken und hatte damit die Lacher auf seiner Seite. Aufgrund der jahrzehntelangen Nutzung komme dem Kaltschmidt-Gebäude im Außenbereich eine gewissen Privilegierung so, betonte er. „Es wird zu nichts anderem als zur Herstellungszeit genutzt“, es gab keine signifikanten Anbauten, meinte er.

Birgit Theimer (FDP) wies darauf hin, „dass es eine reguläre Postadresse gibt und Herr Kaltschmidt Grundsteuer zahlt“. Für sie ein klarer Beleg, dass das Anwesen rechtens ist. Rüdiger Holschuh (SPD) erwartete trotzdem eine „harte Auseinandersetzung“. Aus seiner Tätigkeit im Petitionsausschuss des Landtags wusste er, dass „im Außenbereich Gebäude niedergemäht werden“, egal was die Eigentümer vorbrachten.

1500 Euro von der Oberzent-Schule für die Kinderkrebshilfe „Du musst kämpfen“

Dass an eine Schule gespendet wird, kommt immer mal wieder vor. Dass aber eine Schule für einen sozialen Zweck spendet, dürfte eher die Ausnahme sein. Im Nachklapp zum 50-jährigen Bestehen der Oberzent-Schule gab es nun eine Zuwendung über 1500 Euro für die gemeinnützige GmbH „Du musst kämpfen“. Die Initiative unterstützt damit – wie auch mit vielen weiteren Spenden – die Kinderkrebsstation an der Uniklinik Frankfurt.

Marlon Werrmann, Luca Jungblut und Marco Bartmann aus dem Zehner-Kunstkurs von Mareike Hufer hatten angeregt, zum 50. Jubiläum Freundschaftsbändchen anfertigen zu lassen. Im Gespräch von Schulleiter Bernd Siefert mit Jürgen Nebel, der schon seit ein paar Jahren im Odenwaldkreis für die Belange der Initiative trommelt, wurde dann die Idee geboren, daraus eine Spendenaktion zu machen.

In drei Wochen wurde die Aktion gestemmt. Auf der einen Seite des Bändchens ist „Du musst kämpfen“ zu lesen, auf der anderen „50 Jahre Oberzent-Schule“. Nebel ist mit dem Infostand an den Wochenenden immer wieder in der Region vertreten, um für die gute Sache zu trommeln. Vor kurzem war es bei einem Handballturnier in Oberzent, demnächst wird er in Amorbach zu finden sein. Seit 2016 „habe ich bereits 20.000 Euro durch die Bändchen gesammelt“, erzählte er.

Geschäftsführer Martin Heimes erläuterte der Fünfer-Religionsklasse mit Lehrer Andreas Weinmann und dem stellvertretenden Schulleiter Dirk Konrad Hintergrund und der Ziele der gGmbH, die von seinem 2016 verstorbenen Sohn Jonathan „Johnny“ gegründet worden war. Der, als Kind ein gutes Tennisspieler, erkrankte schon mit 14 Jahren an einem bösartigen Gehirntumor. Es dauerte über ein Jahr, bis er danach wieder auf den Beinen war. Nach Fachabi und FSJ kam der Krebs aber wieder zurück. Im Rücken hatten sich Metastasten gebildet, weshalb Jonathan dann auf den Rollstuhl angewiesen war.

„Johnny hat das angenommen und das Leben positiv gesehen“, so sein Vater. Er machte es sich zur Aufgabe, für die Kinderkrebsstation an der Uniklinik Frankfurt Geld zu sammeln. Durch die Kontakte in die Sport- und Tennisszene (Andrea Petkovic war eine Jugendfreundin) stieß er auf die Aktion des ehemaligen Radprofis Lance Armstrong. Der hatte mit Silikonbändchen eine erfolgreiche Spendenaktion angestoßen.

„Wir haben dann überlegt, was wir draufschreiben“, erzählte Martin Heimes den Schülern. Eine SMS von Johnnys Freund Johann brachte die zündende Idee: „Du musst kämpfen – es ist noch nichts verloren“, schrieb dieser. Den ersten Teil der Nachricht übernahm die Initiative fürs Bändchen. Bekannt wurde der Slogan bundesweit durch das Relegationsspiel der Darmstädter Lilien in Bielefeld vor vier Jahren, als diese unter diesem Motto antraten, erläuterte Heimes. Ein fußballbegeisterter Oberzent-Schüler hatte die Partie sogar damals im Fernsehen angeschaut.

Der Geschäftsführer freute sich, dass durch die Unterstützung auch aus dem Profisport-Bereich seit 2013 stolze 1,4 Millionen Euro gesammelt werden konnten. Zwei Projekte werden aktuell unterstützt: Zum einen will man gemeinsam mit dem Verein „Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt“ die unterstützende Sporttherapie für krebskranke Kinder an der Uniklinik weiter ausbauen. „Die ist bisher keine Krankenkassenleistung“, bedauerte Heimes.

Zum anderen erfährt die psychosoziale Beratung für sterbende Kinder und deren Angehörige Unterstützung. Sie wurde in einem Modellprojekt gemeinsam mit dem Kinderhospiz Bärenherz Wiesbaden eingerichtet. Diese Beraterstelle dient als Ergänzung zur Arbeit des Kinder-Palliativ-Teams Südhessen, das seit 2012 im Regierungsbezirk Darmstadt schwerstkranke und sterbende Kinder und Jugendliche in ihren Familien und Einrichtungen versorgt.

Dirk Konrad freute sich über „die tolle Aktion“ beim Schuljubiläum. Sie erbrachte etwas mehr als 1100 Euro, die von der Firma Bechtold auf 1500 Euro aufgestockt wurden. Martin Heimes hatte für die Schulbibliothek die Biografie seines Sohnes, „Comebacks – Mein Leben“, mitgebracht.

Info: http://www.dumusstkaempfen.de

Sturm und Borkenkäfer sägen an den Holzpreisen

Erst „Friederike“ und dann ein „heißer“ Käfer: Dem Wald wurde in diesem Jahr kräftig zugesetzt. Mit dem Ergebnis, dass die Holzpreise einen Sinkflug hinlegten. Von mehr als 90 Euro ging es runter auf etwa 50 für den Festmeter Nadelholz. Das schlägt sich auf den Waldwirtschaftsplan 2019 der Stadt Oberzent nieder. In guten Jahren würde die Holzvermarktung einen Überschuss von mehr als 300.000 Euro erbringen. 2019 rechnet der Chef des Forstamts Beerfelden, Forstdirektor Norbert Sasse, aber „nur“ mit 100.000 Euro, erläuterte er dem Haupt- und Finanzausschuss.

Durch den Januar-Orkan sowie die durch Trockenheit und Hitze entstandene Borkenkäfer-Überpopulation „ist es in Mitteleuropa ist es zu einem starken Markteinbruch beim Nadel-Sägeholz gekommen“, erläuterte Sasse. Da auch kommendes Jahr mit großen Borkenkäferschäden zu rechnen ist, „sind die Planungen mit großen Unsicherheiten behaftet“, warnte er.

Insgesamt sollen laut Plan 16.255 Festmeter (Fm) Holz eingeschlagen werden, wovon Sasse zufolge 14.626 Fm verwertbar sind. Daraus errechnet er im Plan Holzerlöse von fast 734.000 Euro bei Gesamteinnahmen von 790.000 Euro. Bei den Ausgaben (insgesamt 690.000 Euro) nannte er die Beschäftigung von zwei Forstwirten mit fast 120.000 Euro, der Unternehmereinsatz in der Holzernte mit etwa 283.000 und die Beförsterungsbeiträge an Hessen-Forst mit 138.000 Euro als größte Posten.

In 2019 sollen 4500 Tannen, 5000 Douglasien, 3000 Buchen, 1500 Bergahorn gepflanzt werden, sagte der Forstamtschef. Neben 2000 Festmeter Buche sollen 8.400 Fm Fichte und 5400 Fm Kiefer geschlagen werden, wobei die Aufarbeitung des Käferholzes Priorität hat. Der Stadtwald Oberzent ist 2420 Hektar groß, davon sind 2261 Hektar Bäume, so Sasse, der Rest Wege und Wiesen, listete er auf.

Es kamen diverse Fragen zum Thema Borkenkäfer. Kann man vorbeugend was tun? Nicht viel, sagte Sasse, „nur hinterherrennen und Schaden begrenzen“. Man spreche von Milliarden Tieren. Das eingesetzte Insektizid schade anderen Insekten grundsätzlich nicht, da es nur am Wegrand und in ganz geringen Mengen eingesetzt werde. Der Ausschuss empfahl der am 10. Dezember tagenden Stadtverordneten-Versammlung einstimmig den Beschluss des Waldwirtschaftsplans.

Ebenso einstimmig wurde die Empfehlung zur Gründung des Forstzweckverbands Hessischer Odenwald ausgesprochen. Hintergrund ist die vom Land gewünschte Trennung von Beförsterung und Holzvermarktung. Gründungsmitglieder zum 1. Januar sind Abtsteinach, Fränkisch-Crumbach, Grasellenbach, Hirschhorn, Michelstadt, Neckarsteinach, Oberzent und Wald-Michelbach. Der Beitritt aller Kommunen im Odenwaldkreis sowie weiterer Gemeinden des Kreises Bergstraße ist beabsichtigt. Die Vermarktung soll über die Forstliche Vereinigung Odenwald-Bauland in Buchen erfolgen.

Es gab den Hinweis, dass man den Satzungsentwurf erst beschließen könne, wenn der Text endgültig ausformuliert sei (was er durch ausstehende Abklärungen noch nicht ist). Die Satzung werde von der Verbandsversammlung beschlossen, so Bürgermeister Christian Kehrer. Er wies darauf hin, dass Waldwirtschaftsplan auch in Zukunft Sache der Stadtverordnetenversammlung sei. Dies wurde von den Ausschussmitgliedern als sehr wichtig erachtet.

Private Waldbesitzer sind beim Zweckverband laut Kehrer derzeit leider außen vor, weil eine wirtschaftliche Betätigung der Kommune durch die hessische Gemeindeordnung untersagt ist. Eventuell werde der Paragraf 121 aber geändert, stellte er in Aussicht.