Der Trend geht zur Urne

Das Urnengrabfeld auf dem Sensbacher Friedhof wurde endlich angelegt, freut sich Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann über den Baufortschritt in Corona-Zeiten. In den drei Orten des früheren Sensbachtals muss jetzt die Möglichkeit einer Urnenbestattung besser bekannt macht werden, schätzt Kuhlmann. Denn bisher wurde diese Bestattungsform seiner Kenntnis nach noch nicht so stark nachgefragt, wie es anderswo der Fall ist. Des Öfteren wird inzwischen keine Erdbestattung mit Sarg mehr gewünscht. Auch ist ein Urnengrab viel günstiger als die „Standard-Variante“.

Auf dem bestehenden Urnengrabfeld (Urnengräber mit Grabeinfassungen und Grabsteinen) des Sensbacher Friedhofs auf der Höhe stehen aktuell noch etwa 20 Grabstellen zur Verfügung, weiß der frühere Bürgermeister Egon Scheuermann. „Es bietet sich aber an, auf der nördlichen Seite des neuen Urnenfeldes ein weiteres anzulegen“, erklärt er. Damit könnte die Wiesenfläche mit den Urnengrabstellen integriert und eingerahmt werden.

Das neue Urnenfeld (Urnen in Wiese eingelassen) hat 120 Grabstellen, erläutert er. Hinter jeder Steinanordnung sind 30 Urnengrabstellen vorgesehen. Die Namensschilder werden an der großen Säule angebracht (in jeweiliger Ausrichtung auf die beigesetzte Urne). An den Steinanordnungen können auch Blumen und Gestecke abgestellt werden, ebenso in Ausrichtung auf die beigesetzte Urne. Um die hohe Säule wird noch eine Bank angeordnet.

Die Steinanordnungen auf dem Sensbacher Friedhof wurden von der Firma Tobias Kabel aufgestellt, weiß Scheuermann. Die Sandsteinsäule, die Zuwege und die Wiesenflächen wurden durch den städtischen Bauhof sehr schön und sinnvoll angelegt, beobachtete er. Die äußeren Steinsäulen wurden bereits zu Zeiten der Gemeinde Sensbachtal fertiggestellt.

Auf dem Hebstahler Friedhof ist das neue Urnenfeld unterhalb des Weges ist für etwa 22 Urnengrabstellen (bis zu zwei Urnen je Grabstelle) vorgesehen, tat sich hier bereits im vergangenen Jahr etwas. Auch hier ging der Oberzent-Bauhof zu Werke. „Das wurde sehr schön angelegt“, ist die einhellige Meinung von Kuhlmann und Scheuermann

Aktuell wird auf den vielen verschiedenen Friedhöfen der Oberzent-Stadtteile ausgelotet, welche Möglichkeiten es für alternative Bestattungsformen gibt, weil die Nachfrage danach immer mehr wächst. So wurde etwa auch in Finkenbach ein Bereich für eine pflegefreie Erdbestattung ausgedeutet. Am Gammelsbacher Friedhof wurde vom Bauhof der alte Kompostplatz abgerissen und dadurch das Urnenfeld erweitert. Der Abfall wird jetzt über zwei Container, die an der alten Einsegnungshalle stehen, vom Bauhof entsorgt, informiert Ortsvorsteher Konrad Helm.

Autarkie-Rechnung ohne die Behörden

Eigentlich war es als Autark-Projekt im Unter-Sensbacher Alten Weg gedacht. Doch dann machten die Initiatoren Bekanntschaft mit der restlichen Welt, die nicht einfach draußen bleiben wollte. Den Eigentümern rückten die versammelten Behörden auf die Pelle, da es verschiedene, nicht genehmigte Veränderungen auf dem Gelände gab. „Projekt Sensbachtal“ nennt sich das Vorhaben unter dem Dach des Vereins „Neuland-Siedler“.

Die angedachte und angegangene Umsetzung der Autarkie im Odenwald rief vor einiger Zeit den Sensbachtaler Ortsbeirat auf den Plan. „Wir haben dort die illegalen Erdbewegungen und Bauten bemängelt“, erläutert Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann. Hessen-Forst, Stadt Oberzent und Landratsamt kamen so ebenfalls mit ins Boot.

Es ging in erster Linie um Geländeveränderungen im Außenbereich wie die Herstellung der Grundstückszufahrt, den Bau von Stellplatzflächen oder zwei abgestellte Wohnwagen auf der Fläche, schildert er die Situation. Die Bewohner bekamen nach Prüfung der Situation vor Ort durch die zuständigen Ämter seiner Kenntnis zufolge „drastische Auflagen“. Ein Rückbau wurde angeordnet und inzwischen durchgeführt.

Auf der Vereinswebseite ist über das Projekt im früheren Sensbachtal zu erfahren, dass der jetzige Eigentümer das Grundstück vor einigen Jahren kaufte. 4000 Quadratmeter, teilweise bewaldet, sowie mehrere Nebengebäude stehen neben dem Haupthaus zur Verfügung. „Das Grundstück verfügt über eine starke Hanglage, welche aber nach und nach mit Terrassen versehen werden soll“, heißt es weiter.

Außerdem soll der Beschreibung nach das gesamte Grundstück mithilfe von permakulturellen Prinzipien/Methoden beackert werden, wodurch man die vergleichsweise wenigen, durch die Tallage bedingten Sonnenstunden möglichst gut ausgleichen will. Denn im Winter verschwindet die Sonne zwischen 15 und 16 Uhr hinter den Bäumen, lässt sich der Beschreibung auf der Webseite entnehmen. Es besteht der Erläuterung zufolge zudem die Möglichkeit, in der direkten Umgebung viel landwirtschaftlich nutzbare Fläche dazu zu pachten.

Gegenüber des Grundstücks verläuft der Sensbach, direkt angrenzend gibt es große Wälder, heißt es weiter. Das Gelände befindet sich an einer Anliegerstraße mit nur sehr wenig Durchgangsverkehr „und mit nur einem Nachbarn im Abstand von 100 Metern“. Es ist sehr ruhig gelegen. Wichtig für die Initiatoren: „Durch die Tallage ist der Mobilfunk stark eingeschränkt/nicht vorhanden“. Es gibt kein mobiles Internet wie UMTS (3G) oder das geplante 5G, womit das Sensbachtal „eine der wenigen komplett strahlungsfreien Zonen in Deutschland“ ist, freuen sich die Projektierer.

 

Das andere Zeugs mit dem besonderen Zauber

„Some other Stuff“, etwas anderes Zeugs, trifft es ganz gut, was die gleichnamige fünfköpfige Band an diesem Abend im Michelstädter Hüttenwerk bietet. Akustisch bearbeitet, dazu noch interessant arrangiert und ungewöhnlich instrumentalisiert: Das Quintett aus dem Darmstadt-Dieburger Raum braucht nicht lange, um das begeisterungsfähige Publikum trotz der sterilen „Corona-Atmosphäre“ mit weit auseinander stehenden Tischen mitzureißen.

Die Pop- und Rock-Songs der etwas anderen Art leben von der Interpretation durch Sängerin Isabell Dupke. Die hat eine klasse, voluminöse Stimme, die man ihrem zierlichen Körper gar nicht zutraut. „Si jamais j’oublie“ von ZAZ oder „Rolling in the Deep“ von Adele: An die Stücke muss man sich erst einmal herantrauen. Mit zunehmendem Set wird Dupke selbstsicherer, haucht Michael Jacksons „Man in the Mirror“ in seiner akustischen Interpretation mit Akkordeon eine große Intensität ein.

Den fünf Musikern ist die Freude anzumerken, endlich wieder auf der Bühne stehen zu dürfen. Denn für sie, erläutert die Sängerin, war die Pause noch länger als für andere. Die Winterpause war etwas ausgedehnter geplant und sollte im März enden – genau dann, als wegen Corona alles abgesagt wurde. „Es ist jetzt sechs Monate her, dass wir das letzte Mal auf der Bühne standen“, verdeutlicht sie den langen unfreiwilligen Aussetzer.

Den haben auch die Gäste hinter sich, die am Wochenende zuvor erstmals wieder ins Hüttenwerk durften. War der Zuspruch bei der Premiere „nach Corona“ noch verhalten, so trauten sich neben denen, die immer da sind, dieses Mal ein paar mehr in den Saal, sodass sich die Tische – streng nach Abstandsregeln aufgestellt – sehr gut besetzt präsentierten. Vorn auf der kleinen Bühne taten die Musiker auch ihr Bestes, sich nicht allzu nahe zu kommen.

Die Atmosphäre ist sichtlich gelöster als ein paar Tage zuvor, als der Neustart noch einige Unsicherheiten in sich barg, manche sich noch nicht trauten. Jetzt ist im Hüttenwerk deutlich die zurückgekehrte Lebensfreude zu spüren. Musiker und Besucher sind dankbar dafür, dass die Eventlocation als eine der wenigen überhaupt solche Veranstaltungen in kleinem Rahmen ermöglicht – der große Saal macht‘s möglich, den geforderten Abstand einzuhalten und trotzdem knapp 70 Besucher unterzubringen.

Bernd Höhner am Akkordeon ist an diesem Abend eine hörbare Bereicherung des Standard-Vierers. Seine Einsätze und Soli bringen Pfiff in bekannte Songs. Die bekommen durch Kim Remspecher an der Cajon einen ganz anderen Anstrich, als wenn hinten ein fettes Schlagzeug stehen würde. Frank Schäfer, der neben Remspecher die Background-Vocals beisteuert, hat mit seinem runtergezogenen Mundschutz etwas vom Chirurgen mit akustischer Gitarre.

Fünfter im Bunde ist Bassist Oliver Hess, der ohne Bart fast als Charlie Sheen durchgehen könnte. Seine Fingerfertigkeit auf dem Fünfsaiter ist ein ums andere Mal gut rauszuhören. Gerade beim „Man in the Mirror“ belebt sein funkiges Spiel das Stück deutlich. Isabel Dupke steht aber klar im Mittelpunkt des Geschehens. Die verlängerte Winterpause nutzte die Band, um sich einige neue Songs draufzuschaffen. Einer davon: der von ZAZ. „Sieben Jahre Französisch haben sich gelohnt“, scherzt sie.

Die mal gefühlvollen, mal intensiven, dann wieder fetzigen Interpretationen sorgen dafür, dass „Some other Stuff“ viel Beifall einheimst. Rhythmisches Mitklatschen wie etwa beim „Englishman in New York“ muss nicht extra eingefordert werden. Ein paar Lieder gibt’s auch auf Deutsch, so die „Welt hinter Glas“ von Max Mutzke oder den „Lieblingsmensch“ von Namika. „Need you now“ von Lady Antebellum ist ebenfalls ein gutes Beispiel dafür, wie der akustische Faktor greift und ein ganz neues Gewand schafft. Nach der Pause geht’s ähnlich ungewöhnlich weiter. Es sind die verstreckten Perlen abseits der Charts, denen sich die Band angenommen hat und die akustisch ihren Zauber entfalten

 

Badefreunde müssen noch warten

Während sich anderswo in Deutschland die Freibäder bereits auf die Wiedereröffnung vorbereiten, teilweise wie in Nordrhein-Westfalen bereits offen haben, ist die Entscheidung am Beerfeldener Waldseebad erst einmal vertragt. Badefreunde müssen sich noch etwas gedulden, bis sie wieder ins kühlende Nass dürfen – wenn das überhaupt in diesem Jahr noch klappt.

Ina Bottelberger und Marc Gärtner vom betreuenden Arbeitskreis schauten sich jetzt zusammen mit Oberzent-Bauhofleiter Gerd Köppel und Bürgermeister Christian Kehrer die Lage vor Ort an. „Es sieht wüst aus“, berichtet die Vereinsvorsitzende Bottelberger. Normalerweise starten die Aufräum- und Instandhaltungsarbeiten spätestens Mitte April. Dass die Natur über einen Monat mehr Zeit hatte sich auszubreiten, ist deutlich feststellbar. „Es sprießt an allen Ecken und Enden“, beobachtet das Quartett – schlimmer als sonst im Frühjahr gewohnt.

Eigentlich für den vergangenen Montag geplant, soll nun diese Woche eine Videoschalte der Odenwaldkreis-Bürgermeister mit dem Landrat stattfinden, in der es unter anderem um die Wiederöffnung der Bäder geht. Was diese beschließen, wandert nach Bottelbergers Kenntnis hoch zum Regierungspräsidium zur Genehmigung. Von dort trudeln dann die zu erfüllenden Auflagen ein, unter denen wieder geplantscht werden darf.

„Wenn die Auflagen wieder erfüllbar sind, machen wir auf“, verdeutlicht das Duo vom Waldseebad, dass für den Verein nicht alles leistbar ist. Denn städtische Freibäder in Erbach, Michelstadt und Eberbach haben einen ganz anderen personellen Background, um die entsprechenden Anordnungen umzusetzen, als es für Ehrenamtliche der Fall ist.

Die Bäder dürfen voraussichtlich nur eine begrenzte Zahl an Besuchern hereinlassen, spekuliert Bottelberger. Badegäste müssen sicher wie überall sonst auch den Mindestabstand einhalten. In Nordrhein-Westfalen, wo seit Mittwoch gebadet werden darf, gilt das in den Umkleiden ebenso wie im Schwimmbecken – außer es handelt sich um Mitglieder eines Haushalts oder die Mitglieder einer befreundeten Familie.

Bei Betreten des Bades müssen dort Hände gewaschen und desinfiziert werden. Besucher müssen sich registrieren, damit Infektionsketten nachverfolgt werden können. Kioske dürfen öffnen, Selbstbedienung ist aber verboten. „Als Verein ist das alles für uns schlecht leistbar“, denkt Bottelberger. Denn es würde einen erhöhten Personalaufwand bedeuten, alles zu kontrollieren. Also entweder mehr Ehrenamtliche oder mehr bezahlte Kräfte – beides schwierig.

Kommt vom RP das Okay zur Wiederöffnung und sieht der Verein gute Chancen, die geforderten Auflagen erfüllen zu können, sollen ab dem 6. Juni die Arbeitseinsätze starten, informiert die Vorsitzende. Die Priorität liegt dann auf dem Ausspritzen des Beckens und der Ausbesserung. „Wir schauen, wie viel Zeit uns für die Saison noch bleibt“, wägt der Arbeitskreis außerdem ab, ob die verbleibenden Wochen bis zum Sommerende die kurzfristigen Aktivitäten sinnvoll erscheinen lassen.

Neue Brücke soll bald fertig sein

Die Zeit der Brückenbaustelle geht in Finkenbach langsam, aber sicher zu Ende. Ortsvorsteher Christian Niesen rechnet damit, dass noch im Juni die Fertigstellung erfolgt. Das wäre nur knapp einen Monat hinter dem im vergangenen Jahr avisierten Zeitplan. Die parallel verlaufende Behelfsbrücke an der Strecke Richtung Hinterbach wurde zwischenzeitlich schon abgebaut. Der Verkehr läuft derzeit einspurig mit Ampelregelung über das neue Bauwerk.

Eine Seite ist bereits frisch geteert, die andere wird gerade gepflastert, damit danach die Asphaltschicht draufkommt. Die Kreisstraßen-Brücke bedeutet neben den Anwohnern auch für den Schwerlastverkehr eine wichtige Ost-West-Verbindung ins Hinterbachtal. Laster, die die Odenwaldquelle ansteuern, haben keine Alternative, denn die Strecke von Ober-Schönmattenwag über die Raubach ist für Lkw gesperrt. Deshalb auch die Ersatzbrücke. Die neue Brücke entstand in der gleichen Größe wie die bisherige.

Auf der K 37 erfolgte ein Neubau anstelle der stark geschädigten Bachbrücke. Hierfür wurde für die Zeit der Bauarbeiten zunächst eine rund 100 Meter lange, einspurige Umfahrung mit Behelfsbrücke hergestellt. Der unter dem Bauwerk fließende Falkengesäßer Bach wurde mittels Verdolung umgeleitet. Zum Schutz der Fische erfolgte zudem eine Elektrobefischung sowie der Einbau eines ökologischen Schutzzaunes. Anschließend wurde die 1960 erbaute Stahlbetonbrücke vollständig abgebrochen.

Die neue Brücke wird als Stahlbetonbrücke in Ortbetonbauweise hergestellt. Die Gründung erfolgte auf Bohrpfählen. Die Kosten der Maßnahme belaufen sich – Stand Baubeginn – auf rund 781.000 Euro und werden vom Odenwaldkreis getragen. Das Land Hessen unterstützt ihn im Rahmen der Verkehrsinfrastrukturförderung mit einer Zuwendung von rund 80 Prozent der Gesamtkosten.

Wenn die Brücke fertig ist, will sich der Ortsbeirat darum kümmern, dass dort auch wieder Blumenkästen hängen. Neue Halterungen wurden bereits in Auftrag gegeben. Vor den Bauarbeiten musste im Herbst das Schachfeld auf der anderen Bachseite Richtung Feuerwehrhaus abgebaut werden. Es soll seinen neuen Platz am Schwimmbad finden, wo bereits Spielplatz und Tischtennisplatte sind. „Der Bauhof muss noch baggern“, werden die Arbeiten laut Niesen bald angegangen.

Der Ortsbeirat schaffte vor kurzem zehn Streetbuddys an, informiert Niesen über die Tätigkeit des Gremiums in der sitzungslosen Zeit. Acht davon sollen in Finken-, Hinter- und Raubach aufgestellt werden, zwei behält man auf Lager. Aufstellorte sind vor allem Buswartehäuschen, wo Kinder ein- und aussteigen, sowie Häuser, wo kinderreiche Familien wohnen.

Der Ortsvorsteher kündigt an, dass die reflektierenden Figuren nicht stationär dort bleiben sollen, sondern alle zwei Monate an andere Stellen kommen. „Wir sind hinterher, dass sie immer aufgestellt werden“, erläutert er. Außerdem werden die leuchtenden Freunde festgekettet und angeschlossen, damit sie „keine Beine bekommen“.

 

 

Weckruf für den Gartenschläfer

Hessen sucht den Gartenschläfer. Dahinter verbirgt sich nicht der schnarchende Nachbar in seiner Liege, sondern ein kleiner, mausähnlicher Nager. Auch im Finkenbachtal will man nach diesem scheuen Bilch (eine Familie aus der Ordnung der Nagetiere) fahnden, der nachgewiesenermaßen bei Wiesbaden stark verbreitet ist. Die gerade ausgezeichnete „Spurensuche Gartenschläfer“ fand bei Ortsvorsteher Christian Niesen Widerhall, der mit ein paar Freiwilligen Spurentunnel ausbrachte.

Zeitgleich mit der Auszeichnung startet in Finkenbach ein neuer Versuch, dem Gartenschläfer auf die Spur zu kommen. Von den Projektexperten, zu denen neben den Aktiven des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auch die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung zählen, wurde ein Abschnitt des Finkenbachtals als „verdächtig“ ausgedeutet, in dem nun eine neue Suchaktion beginnt. Mit Zustimmung der Forstverwaltung wurde eine standardisierte Untersuchungsstrecke installiert. Diese wird von freiwilligen Helfern in den kommenden Monaten betreut.

Die wohl einfachste Methode, um den Gartenschläfer nachzuweisen, ist der sogenannte „Spurtunnel“. Dabei handelt es sich um ein Plastikrohr, das neben einem weißen Papier auch „Tinte“ (bestehend aus Aktivkohle und Olivenöl) enthält und an Ästen befestigt wird. Geht der Nager durch den Tunnel, hinterlässt er Spuren, die gut von denen anderer Kleinsäuger unterschieden werden können. Einen Köder braucht es nicht, da der Gartenschläfer sehr neugierig ist.

25 Spurtunnel wurden von den vier Ehrenamtlichen im Finkenbachtal unterhalb der Ortsmitte Richtung Ober-Hainbrunn ausgebracht – auf einer Strecke von 500 Metern alle 25 Meter einer. Sie werden alle zehn Tage kontrolliert, erläutert Niesen. Sollte man verdächtige Spuren finden, „dann installieren wir dort Wildkameras“, erklärt er. Damit die Helfer wissen, wer wer ist, bekamen sie Schaublätter, um die Spuren zuordnen zu können.

Niesen wertet das Projekt als „sehr interessant in Bezug auf den Naturschutz vor Ort“. Denn im Finkenbachtal ist so einiges zu Hause, was anderswo selten ist. Ein Biber hat sich oberhalb der Fischteiche angesiedelt. „Solange das Schwimmbad zu ist, habe ich Zeit“, schmunzelt der Ortsvorsteher. Die Suche nach dem kleinen Nager in Oberzent ist allerdings „ein Versuch ins Blaue“, weiß er. Einen konkreten Verdacht auf ein Vorkommen gibt es nicht.

Im Odenwaldkreis wurde im vergangenen Sommer in der Güntersfürst drei Monate nach dem kleinen Bilch gefahndet. Hier ist letztmalig im Kreis vor Jahren ein Nachweis der Art bekannt. Der Gartenschläfer ist ein kleiner Verwandter des Siebenschläfers, dessen Bestände in kurzer Zeit vielerorts dramatisch zurückgegangen sind. Warum, ist bislang noch unklar.

Deshalb haben sich Naturschutz und Forschung auf Spurensuche begeben. Ihr Ziel: Es soll nicht noch ein Teil unserer biologischen Vielfalt verloren gehen. Gefördert wird das Projekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums.

Der Gartenschläfer soll als Tierart vor unserer Haustür – für deren Schutz jede und jeder etwas tun kann – bekannter werden. „Deutschland trägt eine besondere Verantwortung für den Gartenschläfer, da ein Großteil seines Verbreitungsgebiets bei uns liegt“, erklärt Susanne Schneider, Projektkoordinatorin für die Spurensuche Gartenschläfer in Hessen. In der „Meldestelle Gartenschläfer“ unter www.gartenschlaefer.de sind bereits mehr als 1500 Hinweise zusammengekommen, davon fast 500 in Hessen.

Info: Die „Spurensuche Gartenschläfer“ des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung wurde als „Projekt der UN-Dekade für Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet. Die Jury lobt besonders, wie die Öffentlichkeit für diese kleine Tierart mitgenommen wurde – durch Medienarbeit sowie durch zahlreiche Mitmachangebote. Wiesbaden ist die „Gartenschläfer-Hauptstadt“ – hier hat der kleine Nager sogar den Hauptbahnhof bezogen. Südlich des Mains kommt der Gartenschläfer im Landkreis Groß-Gerau vor, aus dem Odenwald gibt es einzelne Nachweise. Auch aus den Randgebieten Frankfurts und dem Maintal gibt es Meldungen. Aus dem restlichen Hessen sind Nachweise spärlich und veraltet. Mehr unter www.gartenschlaefer.de

 

Gartenschläfer-Bild: Jiří Bohdal/BUND

Endlich spielt wieder die Live-Musik

Die Spielfreude ist den Musikern in jeder Minute anzumerken. Endlich wieder live auf der Bühne stehen: Das ist nicht nur für Bobby Stöcker, Jürgen „Lucki“ Lucas und Christiane Weber das Salz in der Suppe ihres künstlerischen Wirkens. Im Hüttenwerk Michelstadt durfte das Trio nach über zwei Monaten „Lockdown“ aufs Neue losrocken. Wie das in Perfektion geht, zeigte ein „Special Guest“: Heiner Albus aus Groß-Umstadt, der mit seiner Blues Harp einigen Songs einen gnadenlos fetzigen Anstrich verlieh.

Bobby Stöcker gehört durch seine vielen Auftritte eigentlich fast schon zum Hüttenwerk-Inventar. Er ist ein musikalischer Tausendsassa, der unter anderem in verschiedenen Tribute-Bands aktiv ist. „The Adams Family“, „Coversnake“ oder die Kiss-Wiederauferstehung gehören dazu. Mit dem Trio „BoBbastic“ rockt er die Republik powervoll in Form von bekannten Coversongs, mit „Spirit of Soul“ feiert er in Frankfurt regelmäßig große Soul- und Black Music-Erfolge.

Natürlich keine Frage, dass er den Songs mit seinem Gitarrenspiel seinen Stempel aufdrückt. Das zeigt sich selbst bei einem Popsong wie „Time after Time“ von Cindy Lauper, von „Miss Christine“ interpretiert. Die teilt sich den Leadgesang mit Stöcker, während beide den jeweils anderen im Background begleiten. Das macht aus einem Trio gleich eine größere Band.

„Lucki“ Lucas ist sowieso ein ständiger Wegbegleiter von Bobby Stöcker, unter anderem bei „BoBbastic“ oder „Coversnake“. Die beiden brauchen keine Proben, damit es passt. Die gab es nämlich auch gar nicht, wie der schmunzelnd meint. Die den Takt haltenden Hintergrund-Töne von Lucas, der immer auch ein paar lockere Sprüche einstreut, zeigen: „Bobby & Friends“ haben viel Spaß und machen gute Laune.

So richtig die Post geht ab, wenn „der Heiner“ mit seinem großen Sortiment an Mundharmonikas die Bühne entert. Für jedes Stück gibt’s das passende Stück – wenn er nicht wie in Michelstadt genau die eine Tonlage vergessen hat. Aber kein Problem, es gibt genug andere Songs, die die Profis in petto haben.

Und so drückt der Vollblut-Blueser etwa „Long train running“ von den Doobie Brothers, „Wonderwall“ von Oasis, „Hard to handle“ von den Black Crowes oder „Stand by me“ von Ben E. King seinen Stempel auf. George Michaels „Faith“ ist ein Kracher, der das Original übertrifft. Das Ganze logischerweise „unplugged“ mit akustischer Gitarre und Cajon statt Schlagzeug, was den bekannten Pop- und Rockklassikern eine ganz neue Farbe verleiht.

Ein paar eingestreute Statements machen deutlich, wie sehr den Künstlern der ungewohnte Stillstand an die Nieren gegangen ist. „Ich habe nach dem letzten Gig Ende Februar zwei Wochen mein Auto nicht ausgeladen“, erzählt Stöcker. Weil er es nicht wahrhaben wollte, dass nun nichts mehr gehen sollte. Als dann wieder grünes Licht vom Hüttenwerk kam, „wollten es die Kollegen erst gar nicht glauben, dass es wieder Konzerte gibt“, lacht er.

Die Musik der drei – und zeitweise vier – passt gut in die Wohnzimmer-Atmosphäre, die sich aber durch die großen Abstände manchmal etwas kahl anfühlt. REM, Beatles, Duffy, Jupiter Jones, Bill Withers oder Luis Fonsi: Bobby & Friends machen Gute-Laune-Musik.

Christiane Weber aus Ludwigshafen kennt man im Hüttenwerk als Gast der Hausband „Another Livetime“ bereits. Für Claus Eisenmann, Edo Zanki oder Rolf Stahlhofen von den Söhnen Mannheims ließ sie ebenfalls schon ihre Stimme ertönen. Sie ist für die powervollen weiblichen Stimmen in den Songs zuständig. Etwa „Like the way I do“ von Melissa Etheridge oder „Valerie“ von Amy Winehouse.

Vier Songs feierten an diesem Abend ihre Premiere: Die hat Nicole Göbel getextet, während Bobby Stöcker die Musik dazu schrieb. Sie sprach den 51-Jährigen während eines Konzerts im Hüttenwerk an, ob er ihre Gedanken vertonen würde. Die dazugehörige CD mit deutschen und englischen Stücken soll Ende August erscheinen, kündigte Stöcker an.

 

Info: http://www.bobbystoecker.de