Stadt Oberzent liegt wegen früheren Haus-Cordula-Zuschüssen im Clinch mit dem Land

Frühere Darlehen und Zuschüsse für das evangelisch-lutherische Haus Cordula in Kortelshütte, nach dessen Insolvenz inzwischen Teil der Azurit-Gruppe, hängen der neuen Stadt nach wie vor wie ein Klotz am Bein. Wegen einer speziellen Förder-Konstruktion war das ehemalige Rothenberg Empfänger der Gelder vom Land und nicht das Seniorenheim selbst. Aufgrund der zwischenzeitlichen Pleite 2014 will das hessische Sozialministerium die Gelder zurück. „Nicht mit uns“, sagte die Verwaltung vor mehr als zwei Jahren und reichte Klage ein. Oberzent ist nun Rechtsnachfolger.

Vor kurzem gab es einen Anhörungstermin vor dem Darmstädter Verwaltungsgericht, der aber keine Einigung brachte. Das Land wollte dort auf einen Großteil der Forderungen nicht verzichten, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. „Das war keine Basis für eine gütliche Einigung“, sagte er, „dann lassen wir verhandeln“.

Vom Richter sei die Förderpraxis hinterfragt worden, berichtete der Rathauschef. Auch der hessische Städte- und Gemeindebund überprüft diese. Denn je nach Ausgang würde keine Gemeinde mehr diese Art der Förderung praktizieren, „wenn die in Haftung genommen wird“. Kehrer weiß etwa von einem Fall in Brensbach, wo die Gemeindevertretung das Prozedere ablehnte. Denn diese Zuschusspraxis gibt es nach wie vor.

Kehrer zufolge gab es einen Grundbucheintrag zugunsten des hessischen Sozialministeriums über 2,4 Millionen Mark. Im Rahmen der Insolvenz und des Verkaufs „hat das Ministerium diese Grundschuld stornieren lassen“, betonte er. Da das Land diese Sicherheit „sausen ließ“, sei die Stadt nicht bereit einzuspringen, hob der Bürgermeister hervor.

Er rechnet damit, dass es – nach einer zwischenzeitlichen Beratung beider Parteien – eine zweite Anhörung geben wird. Die Entscheidung wird auf jeden Fall noch dauern. Es dreht sich um einen Streitwert von etwa 925.000 Euro, für die Oberzent gerade stehen soll, davon etwa 725.000 Euro Zuschüsse, der Rest Darlehen. Im aktuellen Haushalt 2019/2020 stehen 350.000 Euro als Puffer drin.

Die Zuschüsse und das Darlehen wurden dem Haus Cordula in den Jahren 1995 und 2004 in einer Gesamthöhe von etwa zwei Millionen Euro gewährt. Hintergrund waren Erweiterungs- und Modernisierungswünsche des Alten- und Pflegeheims. Aber, und das ist das Spezielle dabei, die Gelder wurden im Auftrag des Landes von der Kommune an den damaligen Betreiber ausgezahlt.

Die Rückforderung ergibt sich aus dem Betreiberwechsel vor mehr als vier Jahren nach der Insolvenz. Damit fiel der Zweck der damaligen Darlehen und Zuschüsse weg, unter dem diese dem früheren, dann insolventen Trägerverein evangelisch-lutherisches Haus Cordula gewährt wurden. Für den Umbau des Gebäudes, Modernisierung und Aufstockung, aber nicht für zusätzliche Pflegeplätze flossen damals die Gelder.

Bei den früheren Entscheidungen ging es darum, den größten Arbeitgeber im Ort zu unterstützen und den Fortbestand des Hauses zu sichern – im Nachhinein vergebens. In Abwägung des Für und Wider stimmte die Gemeinde damals dieser eigentlich paradoxen Zuschussgewährung von Landesmitteln über die Kommune zu, hatte schon der frühere Rothenberger Bürgermeister Hans Heinz Keursten Ende 2016 erläutert.

Denn „das Haus Cordula und das Ministerium verhandelten, aber die Kommune bekam den Bescheid und haftete“, so der heutige Finkenbacher Ortsvorsteher. Natürlich, meinte er auf einer damaligen Gemeindevertretersitzung, „hätten wir den Bescheid nicht annehmen müssen“. Aber dann wäre auch der Fortbestand der Einrichtung auf dem Spiel gestanden.

Foot: privat

Werbeanzeigen

Während der Geschichten war es mucksmäuschenstill

Kein Tisch war mehr frei, als Lisann Fuchs das erste Buch aufklappte: Die Kurzgeschichten-Autorin aus Rothenberg las drei ihrer Werke im „Local d’Arthúr“ am Metzkeil in Beerfelden. Der Verein „Generation Oberzent“ hatte zur zweiten Veranstaltung dieser Art eingeladen, nachdem schon die Premiere mit Alex Assmann im Rothenberger Hirsch ein großer Erfolg war. Auch jetzt dürften es wieder über 40 Gäste gewesen sein. Mystery, Psycho-Drama und Endzeit-Story gab es aus dem Schaffen der Shortstory-Schreiberin zu hören.

„Ich hatte schon ziemlichen Respekt vor der Aufgabe, drei Geschichten lesen zu müssen“, sagte die Wahl-Rothenbergerin. Denn eigentlich wollte sie sich die Aufgabe teilen, aber ihr „Mit-Leser“ erkrankte kurzfristig. „Würde meine Stimme das mitmachen? Sind die Geschichten genügend spannend und unterschiedlich? Werden die Zuhörer meine Stimme und mich drei Geschichten lang ertragen können?“, lauteten die Fragen, die sie sich klammheimlich selbst stellte.

Der Vereinsvorsitzende von „GO!“, Erik Kadesch, führte in die einzelnen Erzählungen ein und sorgte auch für die Überleitungen. Selbstausgewählte Lieder läuteten den Beginn jeder Lesung ein und beendeten jede Geschichte, um die Stimmung noch ein wenig zu tragen. Beginn war mit einem Mystery-Thriller, um die Gäste sofort in den Bann zu ziehen. Die beiden unerwarteten Wendungen und das überraschende Ende von „Der Spielplatz des Bösen“ kamen entsprechend gut an, freute sich Fuchs. „Es war 25 Minuten lang mucksmäuschenstill.“

Vor Beginn der nächsten Geschichte, „Die bessere der Welten“, wurde extra das große Licht im Lokal gelöscht – einzig die Kerzen und die Leselampe brannten. Diese Dystopie-Shortstory hatte die Autorin speziell für die Lesung geschrieben. Nach Lektorat und anschließender Überarbeitung war sie auf einmal „nicht mehr ganz so kurz, nämlich 45 Minuten lang“, bemerkte sie. Doch die Befürchtung, die Zuhörer würden unruhig, „war zu meiner großen Erleichterung unbegründet“, blickte sie zurück. Es gab kein Geraschel, Gehuste oder Stühlerücken. „Nichts. Nur Ruhe.“

Ihr wurde im Nachhinein berichtet, dass die Stimmungen im Lokal deutlich zu spüren waren: „Spannung. Mitfiebern. Rätseln. Betroffenheit.“ Sie selbst hatte bei allen drei Geschichten Phasen mit Gänsehaut. Fuchs ließ sich ganz in die Erzählung fallen, lebte in ihr, fühlte sie. Die darauf folgende Pause wurde zu Gesprächen genutzt, zu Fragen und Gedanken.

Die dritte Shortstory durften die Besucher unter drei Vorschlägen heraussuchen. Es wurde „Beste Freunde und andere Feinde“ ausgewählt. Sie beginnt als klassische Dreiecksgeschichte, eine Frau zwischen Ehemann und Geliebtem, und wird zu einem überraschenden Psycho-Drama. „Auch hier wieder: Stille während der Lesung“, zollte Lisann Fuchs den Gästen großes Lob. Sie war sehr dankbar dafür, „dass die Besucher mir die Sicherheit gegeben haben, in meine Geschichten eintauchen zu können“. Sie musste über nichts, über keine Betonungen oder Pausen, nachdenken. „Der Text durfte einfach fließen – so und konnten Welten entstehen.“

Stadt und Windkraft-Projektierer tauschen Anwaltsschreiben aus

„Wir tauschen uns derzeit über die Anwälte aus“, sagt Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer über den aktuellen Stand beim „Katzenwinkel“. Bekanntlich will dort die Firma Juwi aus dem rheinland-pfälzischen Wörrstadt eine Windenergieanlage errichten, was in Oberzent auf versammelten Widerstand quer durch alle Bevölkerungsschichten und politischen Parteien trifft. Die Firma hat Klage eingereicht, weil ihr die Stadt die Zuwegung zum betreffenden Gelände zwischen Etzean, Airlenbach und Güttersbach verweigert.

Der Flächennutzungsplan des Odenwaldkreises, auch wenn er vom Regierungspräsidium Darmstadt abgelehnt worden sei, werde vom beauftragten Anwaltsbüro als „scharfes Schwert“ angesehen, da der Katzenwinkel dort nicht enthalten sei, hatte Bürgermeister Kehrer bereits auf einer früheren Stadtverordneten-Versammlung betont. Durch die Klage des Kreises gegen die Ablehnung handle es nämlich um ein laufendes Verfahren.

Während der Haushalts-Beratungen war von Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) die Summe von 30.000 Euro für Anwaltskosten genannt worden. Kehrer präzisierte auf Nachfrage, dass diese Summe zwar im Haushalt eingestellt sei, man bisher davon aber nur 4000 Euro verausgabt habe. Es geht in der Auseinandersetzung mit der Firma derzeit um die Zuwegung. Die Stadt verweigert ihr die Nutzung der in ihrem Eigentum befindlichen Strecken und auch deren Verbreiterung, damit dort schwere Lkw fahren können.

Der Regionalplan Erneuerbare Energien zum Thema Windkraft sollte ja bekanntlich bereits im vergangenen Dezember Thema in der südhessischen Regionalversammlung sein. Aufgrund der großen Widerstände fand eine Verschiebung statt. Jetzt soll Mitte Juni wieder darüber beraten werden. „Wir wissen noch nicht genau, was zur Verabschiedung vorgelegt wird“, so das Stadtoberhaupt.

Seiner Kenntnis nach sollen „Weißflächen“ aus dem bisherigen Plan herausgenommen werden, die dann einer besonderen Beratung und Beschlussfassung bedürfen. Dabei handle es sich um bisher strittige Gebiete, wo spezielle Tiervorkommen wie Schwarzstorch abgeprüft werden sollen. Das Problem: „Im Odenwald gibt es nur wenige Weißflächen“, betont der Bürgermeister. Was somit mehr oder weniger einen Status Quo bedeute. Nach wie vor, sagt Kehrer, steht bei einer Verabschiedung des Regionalplans eine Normenkontrollklage durch die Odenwald-Kommunen dagegen im Raum.

Das Verfahren läuft auch noch beim Kaltschmidt’schen Anwesen. Das liegt im Außenbereich von Etzean und soll nach dem Willen des Kreisbauamts abgerissen werden, wogegen sich die Eigentümer wehren (wir berichteten). Diese Abrissverfügung wird – auch ohne dass es dafür einen schriftlichen Beleg gäbe – mit dem Windpark Katzenwinkel in Zusammenhang gebracht, weil das Gebäude nur 300 Meter von einem projektierten Windrad entfernt läge und es damit nach geltendem Recht verhindern würde.

„Wir haben gegen den Ablehnungsbescheid der Bauaufsichtsbehörde Einspruch eingelegt“, entgegnet Heinz Kaltschmidt auf Nachfrage. Bereits seit Ende der 1940er Jahre steht das „Behelfsheim“, für das er seit 1997 ein Nießbrauchrecht hat. „Alle Behörden wussten spätestens seit 2004 von der Existenz“, betont er. Auch Oberzent-Stadtbaumeister Peter Bauer geht von einer rechtmäßigen Bebauung aus. Er schrieb bereits im April 2017 an Kaltschmidt, dass das Wohnhaus „unter Mitwirkung der damals zuständigen Behörden rechtmäßig errichtet wurde“. Seit drei Wochen liegt die Sache nun beim Verwaltungsgericht in Darmstadt. „Mit der Hoffnung, dass das Häuschen doch stehen bleiben darf“, ergänzt der Heidelberger Landwirt.

Wintereinbruch machte in Erbach das frostige Mittelalter erlebbar

Das war Mittelalter pur – nach dem Motto „Nur die Harten kommen in den Garten“. Der Wintereinbruch am Samstag mit Schnee sorgte für das große Bibbern bei den Teilnehmern und doch sehr überschaubare Zuschauerzahlen beim dritten Mittelaltermarkt von „Heimdalls Erben“ auf dem Wiesenmarktgelände. Erfindungsreichtum war gefragt. Dicke Felle erlebten kurz vor dem Frühling eine Renaissance.

Der Perlenmacher war besonders erfinderisch: Er machte eine Marmorplatte mit seinem Brenner heiß, die dann im kleinen Zelt ein paar Stunden wohlige Wärme abgab. Denn viele Teilnehmer übernachten – ganz authentisch – unter einem Stoffdach. Der Sonntag bei aufgelockerter Bewölkung und angenehmeren Temperaturen sah dann etliche Familien auf den Platz strömen, die eine Zeitreise in vergangene Jahrhunderte unternehmen wollten.

Jungs spielen Ritter, Mädchen kleiden sich als Prinzessin: Auf einem Mittelaltermarkt werden Kinderträume schlechthin wahr. Veranstalter Holger Hörstkamp aus Biebesheim hatte das Angebot aus dem vergangenen Jahr mit etwa 50 Ständen noch einmal leicht ausgeweitet. Mit Reiter- und Feuershow, mittelalterlicher Musik, orientalischem Tanz, Gaukelei und Spielmannskunst wurden die Besucher unterhalten. Dazu gab es noch reichlich „Fresserey und Sauferey“ aus früheren Zeiten.

Auch wenn Heimdall als nordischer Gott dem Team seinen Namen gab, sind seine Erben eigentlich ein ganz traditionelles Familienunternehmen. Mutter Margarethe Hörstkamp sitzt mit ihren 79 Jahren an der Kasse, Vater Hans hat mit seinen 83 hat ein wachsames Auge darauf, dass keiner ohne Eintrittskarte aufs Gelände kommt. Der 55-jährige „Filius“ Holger wiederum steigt bei der Reitershow jahrein, jahraus aufs Pferd. Ein festes Team von nur wenigen Personen schmeißt die komplette Veranstaltung.

Eigentlich hat Holger Hörstkamp ja einen ganz traditionellen Beruf gelernt. Er war früher als Kommissionierer in einem Lager tätig, machte sich dann selbstständig und sattelte um auf Mittelalter. Ganz im Wortsinn: Denn seine ersten Sporen verdiente er sich vor 17 Jahren auf der Ronneburg, wo er bei der dortigen Reitershow mitwirkte. Vor 14 Jahren starteten dann die eigenen historischen Märkte rund um seinen Wohnort Biebesheim.

Die Faszination für Hörstkamp ist es auch nach all dieser Zeit immer noch, „den Markt vom Papier in der Realität umzusetzen“. Manchmal sei es „wie ein großer Kindergarten, alle unter einen Hut zu bringen“, lacht er. Genehmigungen, Verträge, kurzfristige Absagen, Künstlerbuchungen, Absprachen vor Ort und vieles mehr sind aufwendig. „Es macht mir aber immer noch sehr viel Spaß“, betont er.

Seine Frau Sandra, die er Anfang März – natürlich auf einem Mittelaltermarkt – heiratete, steht ihm dabei zur Seite. Hörstkamp kann daneben auf viele Markthändler bauen, die ihn schon jahrelang bei seinen Veranstaltungen begleiten. Aber es gibt auch immer ein paar neue „alte“ Gesichter: Standbetreiber, die man auf historischen Märkten übers Jahr schon oft gesehen hat und die nun auch einmal bei Heimdalls Erben anzutreffen sind.

Etwa Florian „FLux“ Lacina, der mit seinem Weinturm gleich gegenüber der Bühne zu finden ist. Dort spielen gerade die „Bohemian Bards“ auf historischen Instrumenten altertümliche Weisen. Seit 13 Jahren preist Flux die besten Tropfen, egal ob mit oder ohne Prozente, an. Als Feuerkünstler, Grafiker und Techniker machte er bis 2010 die Mittelalter-Rockband „Saltatio Mortis“ mit zu dem, was sie heute ist.

Oder Achim Häfner, der „Falkner der Herzen“. Der Pfälzer aus Kirrweiler ist mit seinen Greifvögeln als Botschafter des Kinderhospizes Sterntaler auch auf mittelalterlichen Märkten anzutreffen. Er arbeitet viel mit Behinderten und ist stolz darauf, laut eigener Aussage „als einziger in Deutschland eine Therapie mit Greifvögeln“ anzubieten. Pfälzisch-redselig preist er den selbst gelesenen Eiswein an, von dessen Verkaufserlös natürlich ein Teil ans Kinderhospiz geht. Die flauschigen, zutraulichen Vögel sind derweil die heimlichen Stars.

Info: Das sechste mittelalterliche Spektakel in Lampertheim, veranstaltet von Heimdalls Erben, findet am 4. und 5. Mai an den Biedensand-Bädern statt. Mehr unter www.heimdalls-erben.de

Neue Luther-Bibeln erhalten Eichenholzauflage

Die drei evangelischen Kirchen in Oberzent bekommen neue Luther-Bibeln. Pfarrer Roger Frohmuth freute sich, in der Schreinerei Pracht jetzt die entsprechenden, dort hergestellten Holz-Unterlagen entgegennehmen zu können. Rechtzeitig zum Gottesdienst am Ostersonntag sollen diese die schweren Werke anheben, damit sie nicht mehr so „platt“ auf dem Altar liegen. Die Bibeln werden dann „offiziell“ in die Kirchen hineingetragen.

Die aus Eichenholz bestehenden Unterlagen wurden von den drei Azubis des Betriebs hergestellt. Anica Dreher aus Rothenberg und Eva Reitz aus Wald-Michelbach (18) absolvieren gerade zusammen mit dem in Affolterbach wohnhaften Mehdi Hashemi (19) ihr erstes Lehrjahr. „Wir haben je eineinhalb Tage daran gearbeitet“, erzählt Anica. Die Holzplatten wurden zugeschnitten, aufs Maß gebracht, dann die Schwalbenschwanz-Zinkung eingezeichnet, ausgesägt und ausgestemmt, so Eva.

Beerfelden, Unter-Sensbach und Gammelsbach bekommen je eine der neuen Bibeln, die 2017 anlässlich des 500. Reformationsjubiläums neu herausgegeben wurden. Diese revidierte Luther-Übersetzung „ist wieder näher am Original“, erläuterte Pfarrer Frohmuth. Sie bilde die Grundlage für Lesungen und Gottesdienste. Der Pfarrer erwähnte, dass es die Einheitsbibel für Protestanten und Katholiken nicht mehr gebe.

Mit der überarbeiteten Fassung bewege man sich quasi „Back to the roots“, sagte er. Denn im Laufe der Jahre gab es verschiedene Übersetzungen, die sich zum einen unterschieden, zum anderen weg von der ursprünglichen Fassung bewegten. Hier gehe es nun darum, wieder alle unter einen Hut zu bringen. Die Rückkehr zum früheren Text „merkt man, wenn man die Bibel liest“, so Frohmuth. Denn er hat zuhause ein Faksimile der Luther-Bibel von 1534.

Bei Psalm 23, „Der Herr ist mein Hirte“, lässt sich laut dem Geistlichen gut erkennen, inwieweit wieder die Rückbesinnung auf den Luther‘schen Buchstaben erfolgte. „Genauso hat es der Reformator damals gesagt“, sagt Frohmuth nach der Lektüre. In den vergangenen 500 Jahren „ist nichts Besseres nachgekommen“, erklärt er die Wiederauflage des Originals.

Der Kirchenvorstand, für den sich Stefan Tragiser und Vorsitzender Raimund Keysser über die neuen Bibeln freuten, beschloss im vergangenen Jahr die Anschaffung. Als man über einen geeigneten Zeitpunkt zur Einführung nachdachte, war schnell klar, dass nur Ostern als Hochfest dafür in Frage kommt. Die bisherigen Bibeln lagen flach auf dem Altar, deshalb gab es die Idee einer Auflage. Da Frohmuth und Daniel Pracht, Juniorchef der Schreinerei, öfters gemeinsam in Rotarier-Angelegenheit unterwegs sind, ergab sich „auf dem kurzen Dienstweg“ die jetzige Lösung, die vom Betrieb gespendet wird.

Info: Die Oster-Gottesdienste in den evangelischen Kirchen Beerfelden, Unter-Sensbach und Gammelsbach beginnen am 21. April jeweils um 10 Uhr.

Roberto Tardito macht Station in Hirschhorn

Es wird langsam zur Tradition: Roberto Tardito wird auch auf seiner diesjährigen Europatournee am Samstag, 4. Mai, 20 Uhr, Station bei der Kunstpflege Hirschhorn machen. Durch seine inzwischen 9 CDs und Liveauftritte in Europa und den USA ist der italienische „Cantautore“ mittlerweile international bekannt. Der Begriff „Cantautore“ entspricht dem deutschen „Liedermacher“, klingt aber natürlich wesentlich besser.

Tardito ist ein Poet, der sehr wohl auch gesellschaftskritisch werden kann. Sein Vortragsstil ist natürlich nicht nur sehr musikalisch, sondern auch gefühlsbetont – singt er doch über Themen, die ihn bewegen. Seine leicht raue Stimme (in Kritiken taucht immer wieder der Vergleich mit Paolo Conte auf) sorgt dabei für besondere Intensität.

Der Singer-Songwriter Tardito lebt seine manchmal poetischen, manchmal aber auch gesellschaftskritischen Songs. Nur mit seiner akustischen Gitarre, teilweise auch sich selbst auf der Mundharmonika begleitend – siehe Bob Dylan, mit dem er oft verglichen wird -, philosophiert er über den Sinn des Lebens, die vielen Verbote im täglichen Einerlei, das fehlende Engagement in der Gesellschaft. Eben die klassischen Liedermacher-Themen, die man dem völlig in seine Musik vertieften Italiener sofort abnimmt. Wie im vergangenen Jahr gibt es fürs Publikum wieder eine Übersetzung seiner Text vor dem jeweiligen Lied.

„Se fossi Dylan“, „Wenn ich Dylan wäre“, heißt eine CD von Roberto Tardito. Und wirklich lassen sich einige Parallelen zwischen dem italienischen „Cantautore“, wie die Liedermacher im Süden genannt werden, und dem amerikanischen Nobelpreisträger finden. Allerdings ist das Italienisch des aus dem Piemont stammenden Tardito eindeutig besser verständlich als das Genuschel des US-Poeten Bob Dylan.

Über den Kortelshütter Musiker Heiko Plank kam der Kontakt Tarditos zur Kunstpflege Hirschhorn zustande. Auf deren Einladung spielt der sympathische 35-Jährige jetzt eines seiner wenigen Deutschland-Konzerte. Seine raue und sehr einfühlsame Stimme liegt irgendwo zwischen Angelo Branduardi und Paolo Conte. Er ist in seiner Musik immer auf der Suche nach Berührungspunkten zwischen den Kulturen und den verschiedenen musikalischen Traditionen.

Tardito singt Balladen und Revolutionslieder, aber auch populäre Songs aus der ganzen Welt. Seine Texte sind voller Reife und Aussagekraft, wie sie in der Tradition eines Hannes Wader, Reinhard Mey oder Konstantin Wecker zu finden sind.

Man darf sich am Samstag, 4. Mai, um 20 Uhr wieder auf ein besonderes Erlebnis freuen. Der Auftritt findet im Atelier von Enno Folkerts in der alten Pappenfabrik in Hirschhorn-Langenthal, Waldmichelbacher Straße 2, statt. Der Eintritt ist frei, jedoch wird um eine Spende für die Gage des Künstlers gebeten.

Trotz Kritik einmütige Verabschiedung des Oberzent-Doppelhaushalts

Der Oberzent-Doppelhaushalt 2019/2020 ist unter Dach und Fach. Die Stadtverordneten-Versammlung verabschiedete ihn auf ihrer Sitzung in der Rothenberger Sporthalle einstimmig, nachdem die Stadtverwaltung den Wünschen des Parlaments nachgekommen war. Sie nahm die zuerst eingeplante Grundsteuer-Erhöhung wieder zurück und belegte viele größere Projekte mit Sperrvermerk. Auf Antrag der ÜWO wurde der Bikepark-Skilift in die Investitionen 2020 aufgenommen.

Alle Fraktionen waren sich in ihrer Analyse einig, dass eine Grundsteuer-Anhebung so früh nach der Fusion das völlig falsche Zeichen sei. Allerdings ließen einige Redner durchblicken, dass es in Zukunft eventuell doch nicht ohne mehr Geld von den Bürgern gehen könnte. Vor allem in den Äußerungen von Brigitte Heckmann (SPD) wurde dezidierte Kritik am Verfahren der Haushaltsaufstellung und dem damit verbundenen Zeitdruck für die ehrenamtlichen Mandatsträger laut. Die fand sich in den Äußerungen der anderen Fraktionssprecher ebenfalls zwischen den Zeilen wieder.

Als „nicht perfekt“, aber in der Kürze der Zeit angesichts der schweren Aufgabe auch nicht einfach zu bewältigen bezeichnete Ausschussvorsitzender Marcel Gerling (SPD) den Haushaltsplan. Er ging ohne Beschlussempfehlung an die Stadtverordneten. Gerling hofft trotzdem in punkto Verabschiedung „auf das Beste“ – und wurde nicht enttäuscht.

Bürgermeister Christian Kehrer war in seinen erläuternden Worten zu den Änderungen anzumerken, dass ihm diese nicht besonders schmeckten – er sie aber natürlich umsetzte, weil das Parlament letztendlich über das Zahlenwerk entscheidet. Er wies auf die gestiegenen Kosten parallel zu sinkenden Einnahmen hin. Es wurden zwei geplante Bauhofstellen eingespart und wird ein freiwerdender Posten in der Finanzverwaltung nicht mehr besetzt. Außerdem wurden – neben kleinen Dingen – die vorgesehenen Straßensanierungsmaßnahmen um 50.000 Euro reduziert.

Chris Poffo (ÜWO) wünschte sich, die Struktur der Haushaltsberatungen besser zu planen. „Viele Probleme sind in der größeren Einheit geblieben“, sagte er. Poffo nannte unter anderem die Abwanderung in die Metropolen, wodurch die Oberzent seit 2001 900 Einwohner verloren habe.

Man habe seit dem Zusammenschluss einiges erreicht. „Wir sehen aber einer Mammutaufgabe entgegen“, betonte der ÜWO-Sprecher. Er forderte den Mut, erfolgreiche Projekte zu unterstützen. Wie etwa den Neubau des Skilifts am Bike-Park, wofür eine zusätzliche Million in den Finanzhaushalt 2020 eingestellt wurde.

Um den Haushaltsplan „nicht weiter zu zerpflücken“, gab es laut Brigitte Heckmann den Antrag von SPD, CDU und FDP, weite Teile der Investitionen mit einem Sperrvermerk zu versehen. Denn die Projekte seien „nicht alle realisierbar“, bei einigen fehle sogar die Zielausrichtung. Um über eine Grundsteuer-Erhöhung überhaupt nachzudenken, „braucht es eine klar kalkulierte Planung“, sagte sie. „Davon sind wir noch meilenweit entfernt.“

Oliver von Falkenburg (CDU) sprach von „ganz neuen Wegen“, denen man Raum und Zeit geben müsse. Er nannte die Vereinsförderung als wichtiges Thema, das umgesetzt werden muss. WLAN-Hotspots, Sanierung der Gemeindestraßen, Verkehrskonzept sowie die Ertüchtigung der Wasser- und Abwasserleitungen waren weitere Punkte, die der CDU-Sprecher in den Fokus rückte.

„Schnell vorankommen und zukunftsorientiert handelt“: So beschrieb Frank Leutz (FDP) die Zielrichtung des Bündnisses seiner Faktion mit CDU und SPD. Mit dem Doppelhaushalt „haben wir die Riesenchance, handlungsfähig zu sein und Bestellungen aufgeben zu kommen“, formulierte er. Deshalb: „Packen wir es an.“

Für Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) „muss noch zusammenwachsen, was zusammengehört“. Welch mühsamer Weg das sein könne, sehe man auf Bundesebene. Trotzdem müsse man ihn weitergehen: „Die Fusion war richtig.“ Der Antrag der Grünen, die Arbeiten an der Ruine Freienstein ebenfalls mit einem Sperrvermerk zu belegen, wurde bei zwei FDP-Neinstimmen mit aufgenommen.

Doppelhaushalt 2019/2020

Ordentliches Ergebnis 32.869 Euro/101.479 (2019/2020)

Gesamtbetrag der Erträge 23,5 Millionen/24 Millionen Euro

Kredite 3,3 Millionen/3 Millionen Euro

Zahlungsmittelüberschuss 69.549/-249.079 Euro

Liquiditäts- (früher Kassen-)Kredite: jeweils 500.000 Euro.

Kommunale Steuern für beide Jahre: Grundsteuer A 350, Grundsteuer B 365, Gewerbesteuer 380 Prozentpunkte