Hirschhorner Helferkreis hilft bei der Integration der Flüchtlinge

Schon seit knapp einem Jahr kümmert sich der Helferkreis Flüchtlinge in Hirschhorn um die Asylsuchenden, versucht ihnen das tägliche Leben zu erleichtern und ihnen die deutsche Sprache näherzubringen. Um die 20 Personen sind aktiv, immer direkt vernetzt durch die „Helferline“, eine WhatsApp-Gruppe, die Absprachen und schnelle Reaktion im Notfall ermöglicht. Und der Kreis wächst. Trotz Sommerpause kamen zum vergangenen Treffen zwei neue Unterstützerinnen.

Von der persönlichen Betreuung über die Deutschkurse bis hin zur Kleiderkammer sind die Helfer aktiv. „Es dürfen gerne noch etwas mehr werden“, sagt Bürgermeister Rainer Sens, der „in Doppelfunktion“ mitwirkt: zum einen als Verwaltungschef, zum anderen aber auch aus privater Überzeugung. „Es geht hier um Menschen, die unsere Hilfe brauchen.“

Die hauptsächlichen Aufgaben der Helfer spielen sich in drei Bereichen ab: Hilfen im Alltag, von Behördensachen bis zum täglichen Einkauf. Dann Hilfen in besonderen Lebenssituationen wie die Einrichtung der (zuvor leeren) Wohnung, Beschaffung von Winter-Kleidung oder fachärztliche Versorgung mit Fahren zum Krankenhaus. Und schließlich die aktive Integration in Form von Deutschkursen oder Kontaktherstellung mit Sport- und anderen Vereinen.

Die Kleiderkammer wiederum ist das Metier von Tina Feldmann und Marianne Heisner. Hier können sich die Flüchtlinge mit dem Notwendigsten an Kleidung ausstatten, wenn nach der Ankunft in Hirschhorn Bedarf herrscht. Gerade Richtung Winter könnte das wichtig werden, weiß Feldmann, da viele nicht mit den hiesigen niedrigen Temperaturen und dem Schnee vertraut seien.

„Die Spendenbereitschaft aus der Bevölkerung – auch aus Neckarsteinach – ist ungebrochen“, freut sie sich. Andererseits werde die Kleiderkammer von der eigentlichen Zielgruppe noch zu wenig frequentiert. Denn sie richte ihr Angebot nicht nur an Flüchtlinge (und hier wiederum könnten auch Neckarsteinacher vorbeikommen), sondern auch an einkommensschwache Deutsche aus dem hessischen Neckartal. Die könnten mit entsprechendem Nachweis ebenfalls Kleider gegen geringes Entgelt erhalten.

Die Kleiderkammer im Alten Amtsgericht, Untere Gasse 1, ist immer mittwochs von 14 bis 16 Uhr geöffnet. „Wir können noch Kleinkindsachen in der Größe 80 bis 104 gebrauchen“, macht Feldmann deutlich. „Was wir in allen Größen brauchen, sind Schuhe.“ Wer etwas abzugeben hat, kann sich an sie (06272-1052) oder Heisner (06272-5130675) wenden.

„Ich habe die Arbeit des Helferkreises schon längere Zeit verfolgt“, sagt Antje Mayer. Sie ist das erste Mal beim Treffen dabei. „Ab September würde ich mich gerne stärker einbringen“, verdeutlicht sie. Ebenso Patricia Schäfer, die gerade ihre Ausbildung beendet hat. Sie kennt Tina Feldmann über die Feuerwehr und hat sich auf ihren Aufruf hin gemeldet.

„Alte Hasen“ in der Flüchtlingsbetreuung sind Gisela und Reinhard Mauve. Sie organisieren die Deutschkurse, betreuen aber auch eine Familie direkt. „Vor über 30 Jahren fing es mit den Flüchtlingen aus Afghanistan an“, so Gisela Mauve, andere aus Iran, Somalia, oder Vietnam folgten. Annerose Naber wurde zusammen mit den Mauves im Helferkreis aktiv und kümmert sich um eine in Langenthal untergebrachte Familie.

Bei Bernhard Bannert als pensioniertem Lehrer „lag es nahe, dass ich mich bei den Deutschkursen mit einbringe“. Franziska Pätzold wiederum beschreibt sich als „Rundumbetreuerin“, die dort einspringt, wo es brennt, und somit auch viele Behörden- und Arzttermine auf sich nimmt. „Das ist ein 24-Stunden-Job“, weiß sie. Der promovierte Arzt Dr. Heinrich Lannert wiederum möchte von seiner Seite aus „frühzeitig Hilfe mit einfließen lassen“.

Die dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge in Hirschhorn ist laut Sens ein gelungenes Konzept. „Die Realität besiegt so manche Vorurteile“, beobachtet er. Über eine „intakte Nachbarschaft“ lasse sich dabei in vielfältiger Weise helfen – angefangen beim System der deutschen Mülltrennung, schmunzelt er. Außerdem helfe sie bei der Integration.

„Die Hirschhorner sind generell sehr hilfsbereit“, sagt der Bürgermeister. Sicherlich gebe es bei etlichen Familien noch Erinnerungen an die eigene Flüchtlingszeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als viele von ihnen aus dem Osten vertrieben wurden und vor allem in Ersheim eine neue Heimat fanden.

Aktuell bereitet sich der Helferkreis Flüchtlinge auf eine veränderte Aufgabenstellung vor. Denn bisher dominierten Familien die vom Kreis nach Hirschhorn Zugewiesenen. Doch Bürgermeister Sens rechnet damit, dass ab September vor allem junge Männer an den Neckar geschickt würden. „Wir müssen dann ganz anders an die Thematik rangehen“, sagt er. Derzeit wisse man noch nicht, „wer wann kommt“, nur dass. Denn die Aufnahmelager platzten aus allen Nähten.

Interessierte können gerne beim nächsten Treffen des Helferkreises vorbeikommen, das in der örtlichen Presse publiziert werde. „Man kann sich auch direkt an mich wenden“, so der Bürgermeister. Am sinnvollsten sei es, erst einmal mit den schon aktiven Helfern zu den betreuten Menschen mitzugehen und sich dort bekannt zu machen. Es mache auch Sinn, sich beim kommenden Deutschkurs vorzustellen, ergänzt Gisela Mauve. Und mittwochs in der Kleiderkammer vorbeizuschauen, um die Flüchtlingsfrauen kennenzulernen, meint Tina Feldmann.

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