Informationen zum Leben von Arthur Krauss gewähren im Hirschhorner Langbein-Museum Einblicke in die Dresdner Kunstszene

 

Interessantes, Komisches, Erhellendes, aber auch Tragisches und Trauriges aus der Dresdner Künstlerszene zwischen den beiden Weltkriegen gab es bei der Soiree im Langbein-Museum (seit Februar regionales Kulturerbe im Kreis Bergstraße) zu hören. Evelyn Christoffers stellt dort bis zum 20. September ihre Arbeiten und die ihres Großvaters, des Dresdner Kunstmalers Arthus Krauss (1893-1973), aus.

Die Soiree bot eine gute Gelegenheit, exakt am 122. Geburtstag von Krauss auf Ähnlichkeiten und Unterschiede in den jeweiligen Werken einzugehen. Im Vordergrund stand aber das von Ludwig Schmeisser skizzierte künstlerische Umfeld von Krauss in seiner Heimatstadt sowie die privaten Geschichten und Geschichtchen, die Christoffers noch von ihrem Großvater wusste. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Vereinsvorsitzende Uli Spiegelberg.

Schmeisser machte deutlich, mit welchen Weggefährten Krauss damals in Kontakt war. Maler und Künstler von damaligem und späterem Weltruhm zählten zu seinem Freundeskreis: Otto Dix, Oskar Kokoschka, Otto Griebel, Hans und Lea Grundig sowie Ernst Ludwig Kirchner. Krauss sei als Vertreter der alten Dresdner Schule zu bezeichnen, blieb dem Naturalismus treu. Im Gegensatz zu Vertretern der Sezession, die sich Richtung Expressionismus orientierten. Oder den Dadaisten um George Grosz.

„In Dresden entstand während der Weimarer Republik Weltkunst, aber trotzdem kannte jeder jeden“, erläuterte Schmeisser die engen Kontakte. Man half sich auch in der Zeit des Nationalsozialismus, unterstützte sich, wo es nur ging. So konnte der unter den Nazis mit Malverbot belegte Otto Dix immer auf die Arthur Krauss zählen, der ihm heimlich etwas zukommen ließ. Denn Krauss wiederum erschien den Nazis aufgrund seines naturalistischen Malstils als ungefährlich.

In der Dresdner Bombennacht 1945 verlor Arthur Krauss fast sein gesamtes malerisches Lebenswerk. 500 Werke fielen damals den Flammen zum Opfer. Von seinem späteren Wirken in Steinheim am Main sind noch einige Stücke in Familienbesitz erhalten, die seine Enkelin Evelyn Christoffers in die Ausstellung einbrachte.

Einige Familiengeschichten hatte Christoffers für die etwa 20 Besucher der Soiree parat. Etwa die, dass die Familie nach dem Zweiten Weltkrieg fast in die USA nach Neu-Mexiko ausgewandert wäre.  Dort lebte zu dieser Zeit ein Jugendfreund von Krauss, der mit den Hollywood-Studios zusammenarbeitete und den Stars Pferde für deren Filme zur Verfügung stellte. Aber ihre Großmutter legte ein Veto ein, da sie kein Wort Englisch sprach. „Damit war die Fast-Auswanderung beendet“, so Christoffers.

Oder ihre Mutter, die Schauspielerin werden wollte. In einem Café habe diese damals die fast gleichaltrige Utta Danella getroffen, die fest davon überzeugt war, bald eine erfolgreiche Schriftstellerin zu sein. „Bei Danella klappte es“, sagte Christoffers, „bei meiner Mutter nicht“. Immerhin habe es einen Teilerfolg gegeben: „Meine Mutter sprach nach der Ausbildung kein Sächsisch mehr“, meinte sie schmunzelnd.

Gert Fröbe wohnte in Dresden nur drei Häuser weiter als der Großvater, erzählte Christoffers. Da Telefone noch nicht weit verbreitet waren und Familie Fröbe noch keines hatte, Krauss aber schon, habe Gert Fröbe immer bei ihren Großeltern angerufen. Die durften dann seine Nachricht an Fröbes Frau weitergeben – zusammen mit dem Wunsch, doch nicht immer so besorgte Briefe zu schreiben. Was auch (etwas abgemildert) erledigt wurde.

Eine traurige Begebenheit wusste Christoffers auch zu berichten: Auf einem Künstlerfest 1944 sei ein Kollege ihres Großvaters erschienen, der zur SS eingezogen worden sei. Dieser habe angekündigt, „ich erschieße mich heute Nacht“. Was aber keiner wirklich ernst nahm. Doch der Künstler machte ernst „und erschoss sich genau dort, wo er am Tag darauf jüdische Kinder hätte umbringen sollen“, erzählte Christoffers.

Info: Die Ausstellung ist bis zum 20. September während der üblichen Öffnungszeiten des Langbein-Museums, Alleeweg 2, Hirschhorn, zu sehen: Dienstag 14 bis 17 Uhr, Mittwoch bis Freitag 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 12 Uhr, Sonntag 15 bis 17 Uhr. Montags ist geschlossen.

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