Eberbach könnte von einer Schließung der Notfallpraxis in Neckargemünd profitieren

 

Die angedachte Schließung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes in Neckargemünd könnte eine Verbesserung für den Standort Eberbach und damit auch für die umliegenden Gemeinden wie Hirschhorn oder Waldbrunn bedeuten. Die Notfallpraxis am Eberbacher Krankenhaus, erläuterte Johannes Fechner, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW), werde in diesem Falle zusätzlich zum Wochenende auch die Abenddienste unter der Woche übernehmen. Bisher musste man aus Eberbach, Hirschhorn oder Waldbrunn zu dieser Zeit immer neckarabwärts fahren.

Außerdem sei angedacht, sagte Fechner bei einem Treffen mit den Bürgermeistern aus Steinach-, Neckar-, Epfen-, Lobbach-, Spechbach- und Elsenztal, dass es im Zuge der Neuausrichtung einen „Sitzdienst“ (stationärer Arzt) und einen Fahrdienst (Arzt macht Hausbesuche) geben könne. Nach Ansicht der KVBW sind die Patienten auf der Gewinnerseite, wenn die Notfallpraxis an einem Krankenhaus betrieben werde: „Dort stehen zur Untersuchung der Patienten – wenn nötig – mehr technische Geräte zur Verfügung.“

Das letzte Wort über die Zukunft der Neckargemünder Notfallpraxis ist aber noch nicht gesprochen. Fechner versprach, die angedachte Schließung noch einmal zu prüfen. Aller Voraussicht nach, kristallisierte sich während des Treffens heraus, werde diese sowieso nicht zum 31. Dezember 2015 realisiert, wie es zuerst geplant war. Denn die dann nötigen Räume in Heidelberg müssten erst einmal hergerichtet werden. Nach aktuellem Stand steht nun der 31. Juli 2016 im Raum.

Auf Initiative der Landtagsabgeordneten Elke Brunnemer (CDU) war Fechner ins Rathaus gekommen, um über die von der KVBW geplante Schließung zu informieren. Parteiübergreifend setzen sich Abgeordnete und Bürgermeister für einen Erhalt ein. „Uns geht es um die Menschen in unserer ländlichen Region“, sagte Brunnemer. Man müsse auch die zahlreichen Umlandgemeinden sehen, forderte sie.

Fechner betonte, dass die KVBW die Wirtschaftlichkeit im Auge haben müsse. Ferner wies er darauf hin, dass es immer weniger Ärzte auf dem Land und Probleme mit der Nachwuchsgewinnung gebe. Vorgabe sei grundsätzlich, dass jeder Bürger in Baden-Württemberg nach maximal 30 Minuten mit dem Pkw eine Notfallpraxis erreichen könne. Fechner: „Tatsächlich erreichen sogar 80 Prozent eine Praxis innerhalb von 20 Minuten.“ Ausnahme Heiligkreuzsteinach, wie Bürgermeisterin Sieglinde Pfahl aus eigener Erfahrung berichtete.

Fechner kündigte daneben an, dass im nächsten Spätjahr unter der einheitlichen Nummer 116117 voraussichtlich ärztlicher Bereitschaftsdienst und Notruf (112) zusammengelegt würden. Am anderen Ende des Telefons werde dann ein kompetenter Ansprechpartner sitzen, der die Dringlichkeit des Anrufs einschätzen könne – und entweder gleich den Notarzt oder den Notdienst (wenn es keine lebensbedrohliche Situation gebe) informiere.

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