Hirschhorner Helferkreis für Flüchtlinge will zukünftig auf drei Ebenen unterstützen

Die Situation der Flüchtlinge und die Tätigkeit des Helferkreises stellte Bürgermeister Rainer Sens auf der vergangenen Stadtverordneten-Sitzung vor. Zum ersten Treffen nach der Sommerpause seien viele neue Leute gekommen, berichtete er. Derzeit bestehe der Kreis aus etwa 35 Personen. Die durch die Vergrößerung anstehenden Änderungen würden sich in den nächsten Wochen einspielen. Auch wenn es hier und da noch ein wenig hake, „bedeuten die Flüchtlinge insgesamt eine Bereicherung für unsere Stadt“, betonte der Bürgermeister.

Neben zwei bereits anerkannten syrischen Familien werde derzeit eine weitere, asylsuchende aus demselben Land und eine Familie aus dem Iran betreut, so Sens. Von den bisherigen fünf Familien vom Westbalkan seien zwei schon ausgereist, weil ihr Asylantrag abgelehnt worden sei. Bei den anderen sei eine Ausreise ebenfalls absehbar, nur in einem Fall könnte es eine Duldung geben. Insgesamt seien derzeit 33 Personen am Neckar untergebracht.

„Sehr unterschiedliche Erfahrungen“ habe man mit den Menschen vom Westbalkan gemacht. „Von sehr dankbaren Leuten“ bis hin zu solchen, die mit ihrem Verhalten Wasser auf die Mühlen von manchen Vorurteilen gegossen hätten, reiche das Spektrum. Es sei eben die gesamte Bandbreite der Bevölkerung vertreten, betonte der Bürgermeister. „Es lohnt sich immer, genauer hinzuschauen und sich mit den einzelnen Menschen zu beschäftigen als zu pauschalisieren“, hob er hervor. Unproblematischer gestalte sich die Arbeit mit den Flüchtlingen aus dem Nahen Osten – auch wenn bei diesen manchmal falsche Vorstellungen vom deutschen Gesundheitssystem herrschten.

Der Helferkreis wolle zukünftig auf drei Ebenen unterstützen: Zum einen solle jede Familie oder Einzelperson ein kleines Team von regelmäßigen Betreuern erhalten. Das solle alle ein bis zwei Wochen vorbeischauen, für Fragen zur Verfügung stehen und mögliche Probleme bereits rechtzeitig erkennen. Demnächst, erläuterte der Bürgermeister, wolle man als zweiten Punkt eine kleine Gruppe als „eine Art Feuerwehr“ aufbauen, die in Notfällen auch nachts erreichbar sein soll.

Dritter Baustein ist unter anderem die Organisation des Deutsch-Unterrichts schon bevor die Angebote durch den Kreis Bergstraße greifen. Zu diesem Feld gehören auch die Kleiderkammer (die allen Bedürftigen aus dem hessischen Neckartal offen steht), ein Übersetzer-Pool und die Supervision für Helfer. „In vier bis sechs Wochen hat sich das alles eingespielt“, sagte Sens.

Die Stadt bekomme für die Unterbringung der Asylsuchenden „eine faire Pauschale“, betonte der Bürgermeister. Anders verhalte es sich, wenn bereits anerkannte Flüchtlinge in Hirschhorn wohnten. „Hier gibt’s keinen Cent vom Land.“ Zwar erhielten die Menschen Hilfe zum Lebensunterhalt übers Jobcenter – aber die Stadt sei ja trotzdem gefordert, Anstrengungen zur Integration vor Ort zu leisten. „Wir hoffen hier auf Mittel.“

„Wir haben noch Wohnraum“, sollten der Stadt weitere Flüchtlinge zugewiesen werden, sagte der Bürgermeister. Die alte Schule, immer mal wieder als Unterkunft im Gespräch, kann sich Sens zumindest kurzfristig nicht als Flüchtlingsunterkunft vorstellen. „Es gibt dort keine Duschen und keine Sanitäranlagen. Und keine Feuertreppen“, ergänzte er den Grund, warum das Gebäude seit längerer Zeit nicht mehr genutzt werden darf. Sollte jedoch der Kreis ein Nutzungskonzept vorlegen, „kann man über alles reden“.

Als „reines Gedankenspiel“ bezeichnete der Bürgermeister die Überlegung, dort Sozialwohnungen einrichten zu können. „Das wäre in Gewinn für die Stadt.“ Denn der Bedarf bestehe auf jeden Fall. Akut ließen sich dort Flüchtlinge unterbringen, auf Dauer stünden die Wohnungen dann auch bedürftigen Menschen aus Hirschhorn zur Verfügung.

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