Im Langbein-Museum war früher sein Schlafzimmer: Mit Burkhard Hechler besuchte der Sohn des langjährigen Försters Hirschhorn

„Genau hier haben wir gewohnt, haben wir als Kinder geschlafen“, meint Burkhard Hechler mit Blick ins Eingangszimmer des Langbein-Museums im ersten Obergeschoss. Schöner hätte der Zufall nicht sein können: Mit Hechler schaute der Sohn des ehemaligen Hirschhorner Försters im alten Forsthaus vorbei, als dieses im Rahmen der Aktion „Unser Neckar“ am Sonntag geöffnet hatte. Das heutige Museum im alten Forstgebäude diente noch nach dem Zweiten Weltkrieg den Revierförstern als Wohnhaus.

„Wir haben eine sehr schöne Jugend hier verbracht und wunderschöne Erinnerungen an die Stadt“, kann sich Hechler noch gut an die Hirschhorner Zeit erinnern. In regelmäßigen Abständen besuchen er und seine Schwester Hirschhorn „und bewundern die Sammlung im Langbein-Museum“. Der jetzige Besuch hatte einen besonderen Hintergrund: Der in Norwegen wohnenden Cousine wollte Hechler zeigen, wo er seine Jugendjahre verbrachte.

„Mein Vater Albert betreute zuerst Wald-Michelbach, Lörzenbach und Hirschhorn“, erinnert er sich. Als 1946 die Stelle in Hirschhorn frei wurde, „bewarb sich mein Vater und bekam den Zuschlag“. 20 Jahre lang, bis zur Pensionierung, sollte Albert Hechler sich in der Folge um die Wälder rund um den Schlossberg kümmern. Aus dieser Zeit hat sein Sohn viele Geschichten und Geschichtchen parat.

Etwa die vom Hirsch ohne Geweih, der im ersten Raum des Museums hängt. „Den hat mein Vater am Schlossberg geschossen“, weiß er. Trotz des fehlenden Kopfschmucks „war der Hirsch Chef eines Rudels dort oben“. Das Tier sei zwölf oder 13 Jahre alt gewesen und hatte wohl einen genetischen Defekt. Lange Jahre in Kranichstein aufbewahrt, hat der Hirschkopf nun wieder den Weg zurück an seinen Heimatort gefunden.

Burkhard Hechler ist auch in anderen Dingen ein wandelndes Lexikon: Im Forstamt seien nach dem Krieg Unterlagen gefunden worden, dass es jemand im Dritten Reich gewagt habe, einen besonderen Hirsch zu schießen, „der für den Gauleiter reserviert war“. Natürlich gab’s im Nachgang riesigen Ärger für den Schützen.

„Hirschhorn war damals eines der größten und begehrtesten Forstreviere“, erzählt Hechler. Zum einen sei es landschaftlich sehr schön, bot eine gute Jagd – „und war weit weg von der Verwaltung in Darmstadt“. Dass es nicht sein letzter Besuch am Neckar ist, macht der heute in Roßdorf wohnende beim Verlassen deutlich: „Wir müssen wiederkommen, es gibt noch so viel zu sehen“, meint er zu seiner Frau.

Bei den Freunden der Langbein’schen Sammlung, dem das Museum betreuenden Verein, war man mit der Resonanz der Sonntagsöffnung sehr zufrieden. „Überwältigend viele Gäste“, sagte Monika Hofmann, die an diesem Tag den Interessierten als Ansprechpartnerin zur Verfügung stand. Sowieso sei in diesem Jahr eine Aufwärtstendenz bei den Besucherzahlen zu verzeichnen.

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