Deutsche und syrische Jugendliche kommen an der Oberzentschule Beerfelden ins Gespräch

Ein wenig Anstoß brauchen die Schüler noch. „Geht doch mal hin, unterhaltet euch“, fordert Religionslehrer Bernd Siefert seine Zehntklässler auf und deutet in Richtung der syrischen Flüchtlinge. Er hat recht: Nach wenigen Minuten ist das Eis gebrochen, dringen angeregte Gespräche und Lachen von den Tischen hinüber. In dieser Hinsicht ist das von Siefert an der Oberzent-Schule angeregte Multi-Kulti-Fest bereits ein voller Erfolg. „Hoffentlich bleiben die jetzt auch in Kontakt“, äußert er seine Hoffnung über eine Verstetigung des ersten Treffens.

Die Idee für das Fest, erläuterte Siefert, sei im Rahmen des Religionsunterrichts entstanden. 2014 gab es einen ersten „Testlauf“. Denn vergangenes Jahr wurde zusammen mit den Asylbewerbern gekocht, die bei der pensionierten Lehrerin Johanna Käpernick-Krämer Deutsch lernten. „Wir wollten diesen ersten Austausch fortsetzen“, so Siefert. Im Rahmen eines Fußballturniers der fünften Klassen entstand der Gedanke, wieder Flüchtlinge einzuladen und mit ihnen ein Fest zu feiern.

Um mehr voneinander zu erfahren, habe seine zehnte Klasse Interviewfragen vorbereitet, die im Deutschkurs von Käpernick-Krämer bereits vorbesprochen worden seien. Die dritte und vierte Stunde standen somit „im Zeichen des Austausch, um miteinander ins Gespräch zu kommen“. Verschiedene Schülerinnen unterhielten sich etwa mit Fatema aus Afghanistan. Sie sei inzwischen zwei Jahre in Deutschland, erzählte diese. Ihr Bruder sei noch im Land am Hindukusch, der Vater lebe nicht mehr. „Wir konnten uns super mit ihr verständigen“, lautete das Fazit der vier Mädchen. „Sie hat uns wirklich alles, auch persönliche Dinge, beantwortet.“

Die Gruppe von syrischen jungen Männern, die derzeit in Hetzbach von den „Kümmerern“ betreut wird, war sehr kontaktfreudig. „Wie heißt du?“: Schnell schwirrten die verschiedenen Vornamen durch den Raum. Während sich die Syrer an den unterschiedlichen deutschen Namen versuchten, hatten es die Oberzent-Schüler einfacher: Mohammed und Achmed als Vornamen waren in der Flüchtlings-Gruppe stark vertreten. Neben Fatema waren noch eine weitere Frau aus Afghanistan und eine Albanerin beim Treffen vorbei. Unter anderem Schulleiterin Bernhild Hofherr und Ingrid Schenkel von den Kümmerern kamen mit ihnen ins Gespräch.

Auch die Religionsklasse von Pfarrer Roger Frohmuth nahm am Multi-Kulti-Fest teil. „Eine gute Sache“, so der evangelische Geistliche. Er bezeichnete die ehrenamtliche Betreuung der Asylsuchenden in der Stadt als vorbildlich. Schon frühzeitig seien hier tragende Strukturen geschaffen worden, die auch bei einer weiteren Zuteilung von Flüchtlingen griffen.

Der Erlös aus der Veranstaltung, betonte Bernd Siefert, soll für eine weitere gemeinsame Aktion verwendet werden – wie das bereits im vergangenen Jahr geschehen sei. Er hofft darauf, dass sich der Austausch zwischen den etwas älteren Flüchtlingen und den Schülern verstetige. Allerdings, so beobachtete Siefert, „sind vom letzten Mal nur noch drei dabei“ – es gebe also eine starke Fluktuation.

Zumindest an diesem Tag funktioniert Sieferts „Vorhaben“: Auch eine halbe Stunde später sitzen die syrischen und deutschen Jugendlichen noch zusammen, sind sogar noch ein paar hinzugekommen. Mit ein paar deutschen Brocken, aber vor allem auf Englisch, scheint der Austausch bestens zu funktionieren. Und kleinere Missverständnisse können durchaus auch erheiternd sein, wie spontanes Gelächter zeigte.

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