Beerfelder Kerweverein ist mit der zehnten Auflage seiner Veranstaltung sehr zufrieden – Großer Andrang am Samstagabend

Exakt 243 Rouladen waren es, die das Beerfelder Kerwe-Küchenteam fürs sonntägliche Mittagsessen vorbereitet hatte. Um die 150 Portionen zusammen mit handgerollten Knödeln und selbst eingekochtem Rotkraut gingen dann über die Theke an die hungrigen Mäuler. Obwohl sich der Sonntag wettermäßig eher ungemütlich gestaltete, war der Kerweverein als Veranstalter mit dem Zuspruch an diesem Tag und vor allem mit dem Freitag- und Samstagabend sehr zufrieden.

Die 90er Party mit DJ Jackson am Freitag „war wirklich gut besucht“, freute sich Ex-Kerwevadder Markus Müller. Plateauschuhe, neonfarbene Tops und allerlei andere modische Ausrutscher waren bei Musik von Snap, den Backstreet Boys oder Nirvana angesagt. Auch Am goldenen Oktobersamstag war Müller von der guten Resonanz sehr positiv angetan. Denn die Gäste saßen bei der abendlichen Tanzmusik der aus den Vorjahren bestens bekannten Zwei-Mann-Kapelle „Stefan & Jey“ bis in die frühen Morgenstunden zusammen, teilweise „sogar vor dem Festzelt“ in der Stried, beobachtete er.

Für Müller ist der wachsende Zuspruch der beste Beweis dafür, dass der 2010 gegründete Kerweverein seinen Satzungszweck aufs Beste erfüllt: nämlich Brauchtum und Mundart durch die Ausrichtung am Leben zu erhalten. Dazu gehört auch der samstägliche Marsch durch die Stadt, bei dem von 25 gestandenen Kerweburschen ein Baum auf den Schultern durch die Straßen getragen und schlussendlich nur mit Manneskraft am Festzelt aufgestellt wird. Trommeln und Ziehharmonika kündigten dabei das Ereignis für die Anwohner an. Die Kerwemädchen zogen die Kerwebobbe im Bollerwagen hinterher.

„Das ist immer ein großes Spektakel“, wenn der Zug unter großer Begleitung durch die Bevölkerung am Metzkeil vorbeikomme, sagte Müller. Die Aktion „macht richtig Spaß“ und betone die gewachsene Tradition und Akzeptanz der inzwischen zehnten Kerwe nach ihrer Reaktivierung. Zurück am Zelt, nahm David Baumgärtner in Reimform die Eröffnung vor. Wie der Baum sein Blätterdach, so solle auch Gott seine schützende Hand über die Kerwe und ihre Besucher halten, sagte er.

Die Kinder konnten sich zwischenzeitlich auf der Hüpfburg austoben, am Luftballonwettbewerb steigen lassen oder sich beim Kinderschminken in verschiedene Tiere und Prinzessinnen verwandeln. Die nachmittäglichen Kerwespiele von Fuß- und Handballern entschiedenen die ersten Mannschaften jeweils für sich. Nur die SG Beerfelden/Gammelsbachtal zog den Kürzeren.

Nach dem Sonntags-Kerwegottesdienst von Prädikantin Ellen Koch, umrahmt vom Posaunenchor, durfte Bürgermeister Gottfried Görig ran: Unter den Klängen der Feuerwehrkapelle befreite er das Freibier mit wenigen gezielten Schlägen aus dem einengenden Fass. 24 Stunden lang hatte sich das Küchenteam um Jörg Kaden zuvor mit der Vorbereitung des Stammessens beschäftigt. Schon seit dem ersten Jahr der Zeltkerwe wird das Gericht am Sonntagmittag stets von den Vereinsmitgliedern selbst zubereitet. Zum Nachtisch reichte der Odenwälder Volkskunstkreis dann Kaffee und Kuchen und unterhielt in diesem Jahr erstmals mit einer Tanzdarbietung.

Manche Besucher hatten sicherlich den Auftritt von Ina Bottelberger und Sebastian Lang mit Bangen erwartet. Denn in ihrer Kerweredd berichteten die beiden auch dieses Jahr von allerlei Missgeschicken Beerfelder Originale. So bekam der „Scheuermanns Rico“ sein Fett weg, der nachts von Hetzbach nach Beerfelden zu Fuß heimlaufen wollte, aber stattdessen in Schöllenbach landete. Oder sorgte die Geschichte vom verzweifelt gesuchten Kabel für die Weihnachtsbeleuchtung für Heiterkeit – das danach an der Tiefkühltruhe fehlte und der Gans ein Wasserbad in der Truhe bescherte… Die Kerwebobbe-Verbrennung leitete das Ende der Kerwe ein und zum gemütlichen Ausklang über.

Die zehnte Auflage der beliebten Zeltkerwe bewies, dass das Konzept des Vereins aufging und man aufs Neue ein breites Publikum erreichte. Laut Müller waren je 30 Helfer in fünf Schichten im Einsatz, zusätzlich noch einmal 20 bis 25 Personen bei Auf- und Abbau. Inzwischen habe der Kerweverein 120 Mitglieder, die sich um Erhaltung, Pflege und Förderung der Beerfelder Kerwe kümmerten.

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