Vier Meter hohe Holzskulptur auf dem Weg nach Mannheim: Kunstwerk des Neckargemünder Holzbildhauers Reiner Alting wurde aufgestellt

Das ist keine Skulptur für eine Wohnzimmerecke. Vier Meter misst das neueste Kunstwerk des Neckargemünder Bildhauers Reiner Alting. Über 150 Kilo würde es auf die Waage bringen, wenn man das Objekt auf eine solche befördern könnte. Sieben Mann waren nötig, um es Mitte der Woche in einen Lkw zu verfrachten, der es nach Mannheim brachte. Dort fand die Skulptur im Treppenhaus des Enddarmzentrums der Uni Mannheim (gegenüber vom Hauptbahnhof) ihren Platz.

Doch davor war erst einmal kräftiges Anpacken nötig. Vorsichtig wurde die Skulptur zuerst in die Waagrechte befördert, dann in Decken eingewickelt, bevor noch eine Schicht Folie folgte. Der Rollwagen machte den Transport zum Umzugs-Lkw einfacher. Dort das entgegengesetzte Spiel: Mit viel Gefühl ging’s auf die Ladefläche, ehe dann eine beidseitige Abpolsterung folgte. In Mannheim dann beim Ausladen das entgegengesetzte Spiel.

„Zweiklang“ – oder „Mensch formt Natur“ – nannte Alting die Skulptur, an der er ein halbes Jahr in seinem Keller arbeitete. Ein 150 Jahre alter Ahornbaum aus dem Schwetzinger Schlosspark bildete die Grundlage. Am Anfang mit der Kettensäge, dann mit immer feinerem Werkzeug wie Raspel oder zum Schluss 1000er Schleifpapier rückte Alting dem Koloss zu Leibe.

„Rein autodidaktisch“ habe er sich die Arbeit mit dem Naturstoff Holz beigebracht, erzählt er. „Schon seit meiner Kindheit arbeite ich gerne damit“, ab 1975 ging’s dann „professioneller“ mit Street Art, Objekte und Skulpturen los. Alles neben seiner eigentlichen Arbeit: Der 61-Jährige ist seit 2001 niedergelassener Internist in Mannheim, studierte zuvor Medizin in Heidelberg und arbeitete danach an den Kliniken in Mosbach und Buchen.

„Das ist bestimmt meine 50. Skulptur“, erzählt der verheiratete Familienvater. Aber nur wenige erreichen diese Dimensionen. Kleinere Objekte fanden schon den Weg in viele deutsche Städte. Das einzige weitere große Kunstwerk findet sich bei der Manfred-Sauer-Stiftung in Lobbach. „Der Baum hat seine eigene Geschichte“, erläutert Alting. Im Dialog mit ihm entstehe letztendlich das Ergebnis, von dem er zu Beginn zwar ein Konzept hat, das aber noch nicht endgültig feststeht.

„Holz ist eine lebendig organisierte Materie“, sagt der Holzbildhauer. Diese Eigenschaft und die daraus resultierende begrenzte Lebensdauer des Materials bedeuteten eine Nähe zum Menschen. „Die aus diesem Stoff geschaffene künstlerische Geste der Gestalt Mensch ist das Thema meiner Skulpturen.“

Die Begrenzung der Form, die den menschlichen Körper beschreibe, berge gleichzeitig die Möglichkeit der künstlerischen Entgrenzung durch die Skulptur. Dadurch verkörpert sie laut Alting die Transzendenz im gegenwärtigen Diesseits: „die Formensprache als Mitteilung über das Eingebundensein des Menschen in das weltliche Ganze.“ Vielleicht biete das Holz die Ahnung des unendlichen Wertes und auch gerade des Vergänglichen, einer staunenden Wertschätzung des Flüchtigen, aber nicht des Wertlosen, beschreibt er seine Philosophie.

Info: Werke des Neckargemünder Holzbildhauers Reiner Alting sind am Sonntag, 18. Oktober, von 11 bis 17 Uhr, während der Herbstausstellung von Hermann Stumpf, Hauptstraße 25-27, Neckarsteinach, zu sehen.

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