Kain zelebriert das Kurpfälzische in der Comedy: Kabarettist gastiert mit seinem Best-of-Programm beim HCV Lachsbachperle Hirschhorn

Kein Zweifel: Franz Kain versteht es, sein Publikum zu begeistern. Den vollbesetzten Veranstaltungssaal des HCV Lachsbachperle hatte der Weinheimer Kabarettist bei seinem Auftritt ruckzuck im Griff. Mit seinem „Beschd of“-Programm kalauerte er sich über zweieinhalb Stunden durch alle Themen, die Nation und Region derzeit bewegen oder manchmal lieber nicht bewegen sollten.

Das Kurpfälzische als Mittel zum Zweck zelebriert er dabei förmlich. Dem „Lewwerworschte-Brot“ als bevorzugter Mahlzeit setzt Kain ein sprachliches Denkmal. Aber auch Freud und Leid der Haushaltsarbeit, Feng Shui oder die profane Nahrungsaufnahme sind vor seinem Spott nicht sicher. Der ist manchmal pointiert detailgenau mit viel Wortwitz, dass es teilweise bisschen dauert, „bis er in den hinteren Reihen ankommt“ (Kain).

Manchmal begibt sich das Spitzklicker-Mitglied aber auch auf tiefer liegendes Niveau. Seine Griechenland-Polemik ist nicht nur veraltet, sondern spielt auch mit den liebsten Klischees und Feindbildern der Deutschen. Gut, lustig mag das in Teilen sein, aber rutscht dann doch ein wenig in die dumpfe „Faule-Griechen-Schublade“. Da merkt man, dass Kain mit einem Sammelsurium seiner bisherigen vier Programme tourt.

Denn Besagtes dürfte wohl schon weiter unter in der Mottenkiste gelegen haben. Auch die Philippika auf die Deutsche Bahn ist auf irgendeine Weise schon mal anderswo dagewesen. Die Pointen kommen einem bekannt vor. Ihr Verfallsdatum ist ähnlich abgelaufen wie die Dinge im Kühlschrank, die Kain bei seiner erzählten Aufräumaktion dort vorfand und deren Konsistenz er in allen Einzelheiten schilderte.

Der Kabarettist reißt genau dann das um die 80 Köpfe zählende Publikum ein ums andere Mal mit, wenn er in breitester Mundart, mit viel Situationskomik und spontanen Einfällen die Alltagsgeschichten auf die Schippe nimmt. Etwa die Kurpälzer Weisheit: „Bevor ichs net ferdisch krieg, loss ischs liewa ganz bleiwe.“ Auf Deutsch: „Bin zu faul anzufangen.“

Oder seine Eheweisheiten: „Unnötiges Gebabbel ist das Fundament für eine funktionierende Ehe.“ Gefolgt von der gesundheitsfördernden Wirkung des Lachens: Das verbrenne mehr Kalorien als Joggen. „Wenn ihr heute richtig mitmacht, könnt ihr euch danach ein halbes Jahr aufs Sofa schmeißen.“ Das ließen sich die Besucher nicht zwei Mal sagen.

Morbid, für Freunde des schwarzen Humors, ist Kains Schilderung des Mannheimer Dreiklangs zwischen Krankenhaus, Brauerei und Hauptfriedhof. Denn letzterer liegt nur 150 Meter vom Krankenhaus entfernt, dazwischen wird Bier hergestellt. Das naturtrübe Kellerbier bekomme hier eine ganz neue Bedeutung, meint der gebürtige „Monnemer“.

Kain lässt nichts kommen auf den hiesigen Dialekt wie eben besagtes „Worschtebrot“. Das höre sich auf Kurpfälzisch „lautmalerisch und appetitanregend“ an, während das hochdeutsche „Wurstbrot“ den Mund verklebe. Beim „Musebrot“ öffne sich der Gaumen und „knallen die Geschmacksknospen“. Zu den Speisen gibt’s noch „Sempft“ dazu, freut sich die erste Reihe über seine feuchte Aussprache.

Dem heutigen Gesundheitswahn kann er nichts Gutes abgewinnen. „Wir leben doch auch noch“, meint Kain. Auch wenn der Kopfsalat von 1964 heutzutage wohl als Sondermüll entsorgt werden müsste. Und das Wort Diätrezepte: „So paradox wie Stress bei der Arbeit in der Stadtverwaltung“, haut er den nächsten Kracher raus. Fazit: „Leben gefährdet unsere Gesundheit.“

Herrlich sind seine Betrachtungen über (Fluss-)Kreuzfahrten. Der dortige Altersdurchschnitt entspreche der allgemeinen Lebenserwartung, womit der Begriff „Last-Minute-Reisen“ eine ganz neue Bedeutung erfahre, sorgt Kain für tosendes Gelächter. Tupperware, Thermomix oder der Speicher als Refugium alter Erinnerungen: Der Rundumschlag-Parforceritt durch menschliche Bedürfnisse und gesellschaftliche Niederungen bescherte dem Kabarettisten zum Schluss tosenden Applaus.

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