Oberzent-Fusion: Bürgermeister setzen auf breite Information der Bürger

Und wieder ist eine Gebietsreform in Hessen gescheitert: Nachdem schon vor ein paar Jahren die Fusion von Erbach und Michelstadt durch die Bürger nicht gutgeheißen wurde, ging am Sonntag der Zusammenschluss von Angelburg und Steffenberg im Kreis Marburg-Biedenkopf schief. Die Steffenberger stimmten dagegen. Wie sieht man in der Oberzent, wo ebenfalls Fusionspläne ausgearbeitet werden, dieses Ergebnis, welche Schlüsse werden daraus gezogen? Das Echo fragte bei den Bürgermeistern nach.

„Wir unternehmen alles, damit die Öffentlichkeit jederzeit über unsere Schritte informiert ist“, betont Rothenbergs Rathauschef Hans Heinz Keursten. Sein Beerfelder Kollege Gottfried Görig ergänzt: „Wir können uns auf die Fahne schreiben, die Bürger schon frühzeitig auf dem Weg mitgenommen zu haben.“ Beide spielen auf die Bestrebungen der vier Oberzent-Gemeinden (neben den beiden genannten noch Hesseneck und Sensbachtal) an, sich in Form eines Gemeindeverwaltungsverbands (GVV) zusammenzuschließen – oder gleich komplett zu einer Stadtgemeinde zu fusionieren.

„Der Wähler hat das Wort“, versichert Hessenecks Bürgermeisters Thomas Ihrig. Er konnte beim gescheiterten Zusammenschluss in Mittelhessen „auf allen Ebenen Bewegung“ erkennen. Das Thema sei sehr emotionsbehaftet gewesen, was sich auch in großen Ergebnisausschlägen in die eine oder andere Richtung gezeigt habe. Es gelte, ist sich Ihrig mit seinen Kollegen einig, „unseren Bürgern die Argumente pro und kontra – ohne eine Gewichtung – detailliert aufzuzeigen“.

Denn wer sich gegen eine Fusion entscheide, dem müsse auch klar sein, was die Weiterführung der Selbstständigkeit gerade in den Mini-Gemeinden bedeute, erläutert er. Ihrig spielt hierbei darauf an, dass eine neue Oberzent-Kommune einige finanzielle Wohltaten vom Land Hessen erwarten dürfte, die einzelne, separate Ortschaften nicht erhielten. Es gehe um die Zukunftsfähigkeit der Region im Süden des Odenwaldkreises.

„Wir haben frühzeitig Bürgerversammlungen in allen Orten durchgeführt“, sieht er Transparenz auf dem eingeschlagenen Weg. Vom Grundsatz her, so Ihrig, gebe es in den Kommunen ein „gespanntes Interesse“. Er habe, sagt Gottfried Görig, noch keine Stimmen unter dem Motto „Das wird doch nichts“ vernommen. Allerdings sei ihm klar, dass eine Fusion in den kleineren Nachbargemeinden auf andere Befindlichkeiten stoßen könnte als im „großen“ Beerfelden.

Information wird groß geschrieben: „Über unser Mitteilungsblatt und auf www.oberzent.info halten wir die Bürger auf dem Laufenden“, so Görig. Wenn erst einmal die Machbarkeitsstudie im Spätjahr erschienen sei, werde sie nicht nur in den jeweiligen Parlamenten vorgestellt und beraten. Sondern, wie im Frühjahr das Anliegen als solches, auch wieder in Bürgerversammlungen in jeder einzelnen Gemeinde.

Es werde daneben, fügt Bürgermeister Keursten hinzu, vor der geplanten Abstimmung am 6. März ein Flyer mit allen Informationen haushaltsdeckend verteilt. „Wenn jemand Fragen hat oder Bedenken vorbringen möchte, dann kann er mich oder jeden meiner Kollegen gerne ansprechen“, setzt Keursten auf Kommunikation. Bereits eingegangene Fragen würden auf der genannten Homepage beantwortet.

Laut Thomas Ihrig soll im März bei den Bürgern die „grundsätzliche Zustimmung“ abgefragt werden. Mit einer konkreten Ausarbeitung im Falle eines positiven Signals würden sich dann die zum selben Zeitpunkt neu gewählten Kommunalparlamente befassen. Die Machbarkeitsstudie werde in Form von bestimmten Modellen auch darauf eingehen, „wie viel die Bürger in Zukunft für was zahlen müssen“.

Konkret nennt Ihrig etwa den Punkt Wasserversorgung. Über die Realisierung der mit einer Fusion verbundenen Einsparpotenziale sei angestrebt, „den günstigsten Wasserpreis in der einen Kommune für alle zu halten“. Auch wolle man sich sensiblen Themen wie etwa den Straßennamen oder der späteren Postleitzahl annehmen. Damit die kleinen Ortschaften weiterhin in einer größeren Stadt repräsentiert seien, sähen die Planungen ein Ortsbeiräte-Gremium vor – einzigartig und speziell für die Oberzent-Belange entwickelt. „Wir wollen alles dafür tun, dass wir die Bürger von unserem Vorhaben und seinen Vorteilen überzeugen“, schließt Görig.

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