Eine wahre Flut von Loreley-Rezeptionen: Die „Romantischen Drei“ gastierten mit Kabarett-Stück in Neckarsteinach

. Loreley-Rezeptionen in Dichtung, Musik und bildender Kunst aus 215 Jahren wurden von den „Romantischen Drei“ im Schwanen-Bürgersaal aufgeführt. Dahinter verbargen sich Annemarie und Hartmut Quiring sowie Andreas Arnold. In ihrem Kabarett-Stück „Lass dir von dene Weiber net de Kopp verdrehn“ boten sie auch Volkslied, Kunstlied, Bänkelsang oder Schlager zu diesem Dauerbrenner der deutschen Dichtung und Musik.

Als Schiffsleute „Schang“ und „Maternus“, die beide dem Zauber der Loreley erlegen waren und nun „von oben“ die Geschehnisse betrachteten, erwiesen sich Quiring und Arnold als Meister der verschiedenen deutschen Mundarten –  mit einem Dank an die beiden rheinischen Sprachtrainerinnen Christine Matzke und Katharina Scheck.

Die Rezeption der von Annemarie Quiring verkörperten Loreley ist vielfältig: Brentano schrieb um 1800 eine Ballade über eine des Lebens müde Zauberin, die selbst der Bischof nur begnadigen kann. Bei Eichendorff (1812) ging sie als Hexe auf tückischen Männerfang im nächtlichen Wald, während sie weitere zwölf Jahre später im Rahmen der populärsten Dichtung Heinrich Heines lediglich durch ihren Gesang die Männer in den Bann zog und endlich auch eine Erklärung für die vielen Schiffsunglücke am Mittelrhein bis ins frühe 20. Jahrhundert bot.

Allen Erzählungen gemein ist jedoch die faszinierend-anziehende Schönheit der Loreley und die Tatsache, dass am Ende stets ein oder mehrere Männer sterben müssen. Ganz anders wird sie schließlich im 20. Jahrhundert mit viel Humor (Erich Kästner, Karl Valentin) oder erneutem Tiefgang (Andreas Arnold) aufgenommen. Gerade die Valentiniade von Quiring war ein Erlebnis für sich: Wie da die arme Frau seit 1000 Jahren auf dem zugigen Felsen sitzt und sich dabei sehr erkältet hat…

Zahlreiche Opern entstanden zu diesem Thema, unter anderem durch Emanuel Geibels Operntextbuch. Viele Schiffsherren forderten ihre Mannschaft vor der Loreley-Passage per Glockenschlag zum Gebet auf – auch dieser war am Veranstaltungsabend zu hören. Heines „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“, bildete als gemeinsames Lied den Schlusspunkt der Veranstaltung.

Nach einer Pause dann ein Kontrastprogramm: Hartmuts „One Man Band“ bzw. DJ Q. mit Stimmungs- und Tanzmusik ließen moderne Lieder mit Loreley-Inhalt erklingen: von Dschinghis Khan, Achim Reichel, Heino, Scorpions und In Extremo sowie den Rheinwellen-Walzer „Loreley“ von Johann Strauss Sohn. Möglich geworden war der Abend durch den Stifter des Eichendorff-Museums, den verstorbenen Dr. Walter Teltschik.

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