Mit messerscharfer Ironie gegen seichte Sendungen: Fabian Schläper und Iris Kuhn gastierten in Hirschhorn mit ihrem Kabarettprogramm „Das große Glotzen“

Schon mit den ersten Aktionen packt Fabian Schläper sein Publikum. Locker, spritzig, witzig begrüßt er den vollen Kapitalsaal im Kloster, albert mit Iris Kuhn am Klavier herum, ist nie um einen spontanen Gag verlegen. Während seine Begleiterin formvollendet mondän im roten Abendkleid die schwarzen und weißen Tasten beherrscht, ist Schläper eher der zapplige Clown, der immer wieder von ihr mit einigen wenigen Tönen zurechtgewiesen wird. Sein Outfit Marke Fernsehtestbild aus den 70er Jahren tut ein Übriges dazu, dass er unwillkürlich von Anfang an die Narrenkappe aufhat.

Das knapp 80-köpfige Publikum jedenfalls war restlos begeistert und die Künstler auf der anderen Seite ebenso. Folgerichtig war erst nach drei Zugaben endgültig Schluss mit dem neuen Programm „Das große Glotzen“. Wie der Titel schon richtig andeutete, ging es um den Versuch des Künstlers, endlich einmal groß in der Glotze rauszukommen. Dafür tut Schläper, Chansonnier, Songwriter und mit Kleinkunstpreisen ausgezeichnet, fast alles.

Neidisch ist er auf Iris Kuhn. Die nämlich weiß ihn nicht nur perfekt auf dem Klavier zu begleiten, sondern hat ihm auch den ersehnten Job voraus: Als TV-Leiche mit einem „todsicheren Job“ kennt sie alle bekannten Schauspieler persönlich. Die erste Hälfte bedeutete mehr oder weniger das Warm-up der beiden für das, was noch kommen sollte – mit dem Lied über die Taube Horst als Höhepunkt vor der Pause.

Bis dahin ging es um Kochsendungen und die Entspanntheit der früheren drei Fernsehprogramme mit dem Testbild am Ende, bei dem jeder das Gefühl hatte, anschließend nichts mehr zu verpassen. Seinen Anzug hatte Schläper als modische Hommage daran gestaltet. Running Gag des Kabarettisten ist sein sehnlichster Wunsch, ins Fernsehen zu kommen. Ob Telenovas oder Casting Shows, für nichts wäre er sich zu schade. Doch „Ich bin ein Star, holt mich hier rein“ zieht nicht.

Nach der Pause gab es kein Halten mehr. Schläper und Kuhn reihten einen (musikalischen) Gag an den anderen. Gleich zu Beginn beantwortete das Lied „Du willst es doch auch“ die Frage, weshalb Schokolade besser ist als Sex. Der Saal kochte. Im weiteren Verlauf erfuhr man, wann ein in sich ruhender Yoga-Besucher im Straßenverkehr aus der Haut fährt. Als krönender Abschluss wurde Helene Fischer mit wehenden blonden Haaren, Glitzermikrofon, gelben High-Heels und Bodyguard (Iris Kuhn) parodiert. Frenetischer Applaus war der verdiente Lohn. Drei Zugaben folgten: „Rehbratenwetter“, „Carmen“ und „Herbstzeitlose“.

Fabian Schläper und Iris Kuhn fühlten sich in Hirschhorn sehr wohl und schwärmten von dem Kapitelsaal in den höchsten Tönen. Gelobt wurde „tolle Akustik und eine ganz besondere Nähe zum Publikum“. Das sei von Anfang voll mit dabei gewesen, sagten sie. Beide würden im nächsten Jahr liebend gerne wiederkommen, sagten sie.

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