Mit „Ritter Friedrich“ in Hirschhorn-Ersheim: Wissenswertes über die Kapelle, den früheren Sandsteinabbau und die Neckarschifffahrt

„Ritter Friedrich“ kennt keine Standesdünkel. Wenn es um die einmaligen Besonderheiten seiner Stadt geht, dann bringt er diese gerne auch dem einfachen Volk nahe, das sonst gerne gegen die Willkürherrschaft von Adel und Klerus wettert: Auf Einladung des DGB-Ortsverbands zeigte Hans-Jürgen Waibel den Interessierten diesmal die geschichtlichen Hirschhorner Zeugnisse links des Neckars, also auf Ersheimer Seite.

Treffpunkt war die bekannte Ersheimer Kapelle, ein gotisches Kleinod und älteste Kirche im Neckartal. Dort begrüßten die stellvertretende Ortsverbands-Vorsitzende Gaby Roncone-Höschel und DGB-Regionssekretär Horst Raupp aus Darmstadt nicht nur Gewerkschaftsmitglieder, sondern auch viele andere Interessierte. 1345 wurde die katholische Friedhofskirche St. Nazarius und Celsus erstmals urkundlich erwähnt, berichtete Waibel. Damit allerdings trotzdem fast 600 Jahre später als das ehemalige Dorf Ersheim, dessen früheste Zeugnisse sich 773 im Lorscher Kodex finden.

Das freskengeschmückte Mittelschiff mit Apostelfries sowie Darstellungen des Königs David und von Propheten stammt laut Waibel aus der Entstehungszeit. Im spätgotischen Chorbau von 1517 sei noch heute ein „reiches Sterngewölbe mit Konsolen und Schlusssteinen, die Stifterwappen tragen“, zu sehen. Leider, so Waibel, seien von der früher reichen Ausstattung der Kirche nur noch wenige Reste erhalten, denn mehr als 300 Jahre war Ersheim als Dorf und somit auch die Kirche aufgegeben.

Eine schöne Anekdote hatte der Stadtführer über den späteren Bundespräsidenten Theodor Heuss parat. Der war von jeher ein „Fan“ des Neckartals sowie von Hirschhorn und kam dort gerne zum Malen hin. Eines Tages war er in der Ersheimer Kapelle so in seine Arbeit vertieft, dass er am Abend dort vom Totengräber eingeschlossen wurde. Zum Glück wurden die Glocken noch mit einem Seil bedient. So konnte Heuss mittels kräftigem Läuten auf sich aufmerksam machen…

Auf dem Weg zum Schiffermast bei der Schleusenbrücke beleuchtete Hans-Jürgen Waibel die Geschichte der früheren Steinbrüche auf Hirschhorner Gemarkung. Allein sechs Stück waren es im kleinen hessischen Landzipfel links des Neckars, in Ersheim. Auch gegenüber, auf der Stadtseite, wurde Sandstein abgebaut, ebenfalls in der Langenthaler und Hainbrunner Straße. Das ging laut Waibel bis 1878 so. Dann wurde die Neckartal-Bahnstrecke gebaut und der Platz fürs Gleisbett gebraucht.

Am imposanten Schiffermast, direkt an der Schleuse gelegen und mit herrlichem Blick auf die Altstadt, ging „Ritter Friedrich“ auf die Anfänge der Neckarschifffahrt und ihre Entwicklung im Laufe der Jahrhunderte ein. Start war mit der Flößerei, dann wurde ein Podest für Lasten aufs Floß gebaut, wieder danach folgten die Holzschiffe. Die Treidelschifffahrt, bei der ein Kahn von Pferden oder vier Mann neckaraufwärts gezogen wurde, war ein hartes Brot. Noch heute zeugen die alten „Treidelpfade“ links und rechts des Flusses von dieser Arbeit.

Wie auch beim Sandsteinabbau fand diese Art der Lastenbeförderung mit dem Eisenbahnbau Ende der 1870er/Anfang der 1880er Jahre ihr Ende. Sie war nicht mehr lukrativ und wurde – bis zum Bau von Stauwehr, Schleuse und Brücke 1933 – von der Kettenschifffahrt abgelöst. Im Neckar zwischen Mannheim und Heilbronn verlief zu dieser Zeit eine Kette, mittels dieser die Schiffe flussaufwärts gezogen wurden. Mit ein paar allgemeinen Worten zur Hirschhorner Stadtgeschichte entließ Ritter Friedrich seine nun wohlinformierten Untertanen.

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