Bei Peter Scholl in Moosbrunn trifft sich die ganze Region jedes Jahr, um Sauerkraut nach alter Väter Sitte zu machen

400 Kilo Weißkohl: Das ist die stolze Zahl, die jedes Jahr bei Peter Scholl in Moosbrunn zu Sauerkraut verarbeitet wird. Und zwar per Hand nach alter Väter Sitte. Die Kohlköpfe werden erst mit einem Krauthobel geschnitten, dann per Hand gestampft und schließlich durch die Zugabe von Salz bis zur Gärung konserviert. Die in der Luft vorhandenen und am Weißkohl haftenden Milchsäurebakterien bringen den Gärungsprozess in Gang.

Das ganze Prozedere hat sich in den vergangenen zehn Jahren zu einem privaten Fest entwickelt, das immer mehr Freunde und Zuspruch fand. Inzwischen kommen die Sauerkraut-Fans – mehr als 100 dürften es den Tag über sein – aus dem (kleinen) Odenwald, dem Kraichgau, dem Neckartal und selbst von der Bergstraße, um sich einen Teil des vitaminreichen Gemüses zu sichern und es für den Winter einzulagern.

Es gehe darum, „die alte Tradition aufrecht zu erhalten“, betont Peter Scholl zum Hintergrund des gemütlichen Beisammenseins auf dem Hof, in der alten Scheune und im kleinen Zelt daneben. Bekannte und Freunde „machen ihr Kraut selbst“. Das werde erst „gerutschelt“, so der alte Ausdruck, und dann gestampft, bevor es im sogenannten „Sauerkraut-Ständer“ nach Hause transportiert werden könne. Mindestens 300 Kohlköpfe werden zu diesem Zweck eigenhändig auf einem Feld bei Daudenzell geerntet. „Wir holen sie direkt vom Acker“, schmunzelt Scholl. Sehr wichtig sei bei der Verarbeitung die Hygiene, „damit es sich hält“.

In seiner Begrüßung erläuterte Scholl die Herkunft des Sauerkrauts aus China und seinen hohen Vitamin-C-Gehalt. Der habe es schon bei den Seefahrern der Renaissance wie Kolumbus populär gemacht, weil damit dem Skorbut vorgebeugt werden konnte. Noch heute werde das Sauerkraut neben Deutschland vor allem in den osteuropäischen Staaten sehr viel gegessen, denn es beuge im Winter Mangelerscheinungen vor.

„Früher war Sauerkraut ein Arme-Leute-Essen“, so Peter Scholl. In der hiesigen Region sei es verbreitet gewesen, „weil es haltbar war“. Damals „gab es Sauerkraut zwei bis drei Mal in der Woche“, sagte er. Selbst Berliner kommen in den Genuss des in Moosbrunn eingemachten Krauts: Denn Scholl weiß von ein paar Mannheimern, die bei ihm ihr Kraut machen und dann Bekannte aus Berlin extra zum Essen einladen. Und die kommen jedes Mal, so gut schmeckt’s.

Essen und Trinken nach getaner Arbeit stehen auf dem Grundstück von Peter Scholl ebenfalls hoch im Kurs. Denn der Moosbrunner hat sich nicht nur dem Sauerkraut verschrieben. Er setzt auch selbst Neuen Wein an oder hat einige Brände aus eigener Herstellung parat. Zusammen mit dem Kesselfleisch und einem kräftigen Stück Brot eine optimale Kombination. Daneben ist Scholl auch bei den Veteranenfreunden kleiner Odenwald aktiv, wie die Oldtimer rundherum belegen.

Zu Beginn gab’s eine „offizielle“ Zeremonie, bei der mit Katharina Krämer eine Sauerkrautkönigin gekrönt wurde. Sie wurde in ihr Amt mittels einer Urkunde von Ritter Friedrich zu Hirschhorn alias Jürgen Waibel eingeführt, zu dessen Lehen der kleine Odenwald früher gehörte. Demnach sollte sie geloben, „das Brauchtum zu mehren“ und „für reichlich Wintervorräte zu sorgen“. Dafür wurde sie von „Amtmann und Sühnerichter“ Scholl mit Krautzepter und Kellerschlüssel ausgestattet. Der geistliche Impuls dazu kam von Roland Müller.

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