Carsten Werner beschäftigt sich seit zwei Jahren mit dem Bauchreden – Drache „Paul“ ist bei der Fastnacht dabei – Comedy-Dinner geplant

„Ich war schon immer davon fasziniert“, sagt Carsten Werner über das Bauchreden. Vor etwas über zwei Jahren sah er einen Bauchredner im Fernsehen und beschloss: „Das will ich auch mal ausprobieren.“ Diese Technik Leute zu unterhalten, „hat auf mich seit jeher einen großen Reiz ausgeübt“. Gesagt, getan: Der Ober-Hainbrunner, im „normalen Leben“ kaufmännischer Angestellter bei einer Metallbaufirma, kniete sich kräftig rein und durfte schon bald schöne Erfolge verzeichnen.

Aller Anfang ist schwer: Dem Fernkurs an einer Bauchredner-Schule folgte das tägliche Training mit Einführungsübungen, dem Abtrainieren der Lippenbewegungen und der Einstieg ins Puppenspiel. Die „im Berufsleben verloren gegangene Kreativität aus Schülerzeiten“ konnte der 43-Jährige dabei wieder aktivieren. Er sieht daneben einen positiven Aspekt darin, „dass die kleinen grauen Zellen trainiert werden“.

Die Empfehlung aus dem Fernkurs nach der Methode von Patrick Martin setzte Carsten Werner auch schnell um: einen baldigen Auftritt vor Publikum. Der runde Geburtstag des Schwiegervaters kam genau richtig, um sich einer breiteren (Familien-)Öffentlichkeit mit der ersten Puppe, „Herbert von Schnatterfeld“, zu präsentieren. Die bei den Gästen erzeugte Begeisterung „hat bei mir weitere Euphorie ausgelöst“, sich weiter mit dem Bauchreden zu beschäftigen.

Das bedeutete auch, mehr in die Tiefe zu gehen. Dabei blieb der Ober-Hainbrunner dem Profi Patrick Martin treu, dessen Sprechtechnik laut Studien „die am besten verständliche“ ist. Ein dreitägiger Kurs an dessen Schule bei Heidenheim förderte die Erkenntnis zutage: „Ich habe zu Beginn unterschätzt, was alles zeitgleich abläuft.“

Deshalb gab es im Spätjahr 2014 nur eines: „Üben, üben, üben“. Und das täglich zwischen eineinhalb und zwei Stunden, wie sich Werner erinnert. Er konzentrierte sich in dieser Zeit voll auf seine Sprechtechnik. Das Puppenspiel kam danach, denn ein großes Ziel stand an: der Auftritt bei den Faschingssitzungen 2015 der Narrhalla Hainbrunn. Die Gewissheit „Ich Krieg das hin“ trug maßgeblich dazu bei, dass Carsten Werner am 11. Januar 2015 mit seiner Puppe „Paul“, dem Drachen, Premiere feierte.

Danach ergab eins das andere, erinnert er sich. Zuerst kam ein neues Stück für „Olga, die Sockenpuppe“ hinzu. Die Kombination aus Socken, aufgesetzten Augen, Federboa und Nase hatte es Carsten Werner angetan – als starker Unterschied zu einer Menschenpuppe. Außerdem wurden Zuschauer aus dem Publikum mit Mundmasken ins den Auftritt einbezogen – immer ein großer Lacher.

Die verschiedenen Puppen haben ganz verschiedene Charaktere und eigene Stimmen. Da ist der Drache Paul, „in den ich mich gleich verguckt habe“. Frech, forsch, lustig, mit einem Auge für die Frauenwelt. „Er wird geliebt von Jung und Alt“, sagt laut dem 43-Jährigen Dinge, die man sich sonst nicht trauen würde. Die Frage, ob er bei dieser Bauchredner-Puppe auch etwas von sich selbst eingebracht hat, lächelt Carsten Werner weg.

„Olga“ dagegen ist eher die Gemächliche. Versteht nicht alles gleich, ist vergesslich, hat einen eigenen Kopf, ist divenhaft. „Heinrich Röttgen“ ist die neueste Anschaffung, mit der sich der Ober-Hainbrunner wegen der „großen Investition“ ein wenig Zeit ließ. Der „älteste Mann der Welt“ mit 136 Jahren verdankt seinem Namen Werners Vorstellung, dass Heinrich doch „ein gebräuchlicher Odenwälder Vornahme ist“. Und Röttgen „klingt einfach gut“.

Der alte Weise aus dem Finkenbachtal sinniert bei seinen Auftritten über das Altern, die damit verbundenen Wehwehchen, die täglichen, auch lustigen Erlebnisse – und schaut seinen Mitmenschen „aufs Maul“. Röttgen soll beim Comedy-Dinner im März seine große Premiere feiern. Das hat Carsten Werner im Rothenberger „Weißen Lamm“ unter das Motto „Liebe geht durch den Magen – Reden geht durch den Bauch“ gestellt. Dabei will er auch die Zuschauer einbinden und sich weitere Ideen für seine Figur holen. Dem besten Ideengeber winkt eine Privatvorstellung.

Apropos Vorstellung: Ende August des vergangenen Jahres gab es für Carsten Werner ein Highlight seiner bisherigen Bauchredner-Karriere. Bei der Einführung des neuen Landrats Frank Matiaske durfte er seine Künste zeigen. Im Dezember folgte eine Aufführung bei der Pirelli-Entwicklungsabteilung am Nürburgring. Aktuell steckt er mitten in den Vorbereitungen für die verschiedenen SV-Prunksitzungen. Drache „Paul“ hat hier wieder seinen großen Auftritt.

Den Fastnachtern ist Carsten Werner sowieso schon seit Jugendjahren verbunden. Bei vielen Kampagnen stand er auf der Bütt, zuletzt in der Jubiläumssitzung in seiner Paraderolle als Antonio Inflagranti. Seine Vorliebe für Bühnenauftritte, die er schon in Schülerzeiten bei verschiedenen Theateraufführungen an den Tag legte, konnte er hierbei konservieren.

Zwischendurch holt er sich immer wieder Tipps vom Profi. Patrick Martin, bekannt aus Funk und Fernsehen, „gibt mir wertvolle Hinweise, auf die ich selbst nicht komme“, erläutert Werner. Denn Bauchreden „besteht nicht nur daraus, Text auswendig zu lernen“. Vielmehr gehe es um die Koordination, die eigenen Bewegungen und die der Puppe sowie schließlich das Reden selbst. Eben ein Hobby oder ein Beruf, den man nicht nur aus dem hohlen Bauch heraus ausüben kann, sondern zu dem viel Arbeit und Übung gehört.

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