Prof. Walter Mühlhausen sprach in Neckarsteinach über Separatismus – Historischer Blumenstrauß für Johannes Freiherr von Warsberg

Einen kurzweiligen Nachmittag verlebten die Gäste des Neckarsteinacher Neujahrsempfangs. In dessen Mittelpunkt stand der Vortrag „Gefährliche Spiele – über Separatismus und Separatisten“ des Heidelberger Wissenschaftlers Prof. Walter Mühlhausen, zum er durch die Länderwechselbestrebungen Neckarsteinachs Ende 2014 inspiriert wurde. Mit dem historischen Blumenstrauß für besondere Verdienste um die Stadt wurde Johannes Freiherr von Warsberg ausgezeichnet.

Für die musikalische Umrahmung sorgte das Tango-Trio der Musikschule Neckargemünd mit drei Stücken. Es musizierten Emily Schlüchtermann (Violine), Nora Hansing (Akkordeon) und Hannah Drös (Klavier) unter der Leitung von Margarete Schurmann-Spengler. Grußworte gab es von den Vierburgenhoheiten Königin Sophia und Prinzessin Maren. Sichtbar Spaß hatte nach seiner Begrüßung Bürgermeister Herold Pfeifer beim Einläuten des neuen Jahres mit der alten Ortsschelle.

„Genauso beschwingt wie in das Jahr 2016 eingestimmt wurde, möge es weitergehen“, erhoffte sich der Bürgermeister. Unter den Gästen begrüßte er besonders Landrat Christian Engelhardt und als Neubürger den Referenten Walter Mühlhausen. „Für unsere Stadt hoffe ich, dass wir auch in einem Jahr feststellen können: Wir hatten wieder ein gutes Jahr, das wir gemeinsam gemeistert haben“, so Pfeifer.

Einen Bogen von den oftmals militanten separatistischen Bestrebungen auf der Welt bis zu denen in Deutschland und Hessen im 19. Jahrhundert schlug Dr. Mühlhausen, Geschäftsführer der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg. Nach einer Begriffsklärung ging er zu Beginn auf das „Ende mit Schrecken“ ein, das der amerikanische Sezessionskrieg auslöste. Aber ebenso beim Zerfall der Sowjetunion oder von Jugoslawien sei es oftmals kriegerisch zugegangen.

Auch in Deutschland habe es „ernsthafte Versuche der Separation“ gegeben – vor allem nach dem Ersten Weltkrieg während der Besetzung der links- und rechtsrheinischen Gebiete durch die Franzosen. „Der erste Separatistenspuk“ war laut Mühlhausen 1919 schnell vorbei, doch 1923 ging es weiter. Jedoch scheiterten sowohl die Etablierung eines Rheinstaats rund um Wiesbaden als auch Bestrebungen im Rheinland bei Koblenz, eine rheinische Republik zu schaffen.

In der Pfalz, bei Speyer, ging es Mühlhausen zufolge Ende 1923 ebenfalls hoch her: Die „Autonome Pfalz“ wurde ausgerufen. Doch ein Mordkommando, unterstützt durch eine von der bayrischen Regierung geförderte Geheimorganisation, machte den Abtrünnigen den Garaus. Das Land Hessen, wie es nach dem Zweiten Weltkrieg durch die amerikanische Besatzungsmacht geformt wurde, sei von größeren Veränderungen verschont geblieben, erläuterte der Professor.

Es habe zwar immer wieder Bestrebungen gegeben, die in der französischen Besatzungszone liegenden Gebiete ebenfalls nach Hessen zu holen, aber das sei gescheitert, so Mühlhausen. Nur Bad Wimpfen sei ausgegliedert worden. Daraus zog der Wissenschaftler das Fazit, sich die geschichtlichen Erfahrungen in Erinnerung zu rufen, wenn man über Veränderungen nachdenke. „Der verantwortliche Politiker möge sich „immer der Sorgfaltspflicht für seine Bevölkerung bewusst“ sein.

In Anwesenheit der Vierburgenhoheiten sowie Landrat Christian Engelhardt und Gabriele Rauxloh vom Heimat- und Kulturverein überreichte Bürgermeister Herold Pfeifer den „Historischen Blumenstrauß“ an Johannes Freiherr von Warsberg. Gewürdigt wird mit dieser Auszeichnung ein Bürger oder einer Gruppe, der/die sich in besonderer Weise um das Gemeinwesen in Neckarsteinach verdient macht.

Warsberg wurde laut Pfeifer „in einer kleinen Kapelle in Neckarsteinach getauft“ und verbrachte auch seine Kindheit in der Stadt. Die Forstwirtschaft habe für ihn jeher die wichtigste Rolle gespielt. Er gehört seit Jahren dem Vorstand des Hessischen Waldbesitzerverbandes an. Im vergangenen Jahr sei Warsberg daneben für seine 30-jährige Tätigkeit als Vorsitzender des Neckarsteinacher Feuerwehrvereins geehrt worden, so der Bürgermeister.

Auch in anderen Bereichen sei der Geehrte vielfältig tätig: Er gehöre seit über 32 Jahren dem katholischen Pfarrgemeinderat an, dessen Vorsitzender er für viele Jahre war. Neben seinen Tätigkeiten als Lektor und Kommunionshelfer in der Pfarrgemeinde ist Warsberg Diözesanleiter des Malteser-Hilfsdienstes im Bistum Speyer. Mit seiner Unterstützung, so Pfeifer, seien die katholischen Pfarreien Neckarsteinach und Hirschhorn zur katholischen Pfarrgruppe Neckartal erfolgreich interkommunal zusammengewachsen.

Als ab 1993 für zwölf Jahre lang der „Neckarsteinacher Burgensommer“ stattfand, stellte Warsberg laut Pfeifer dem Heimat- und Kulturverein jeweils an zwei Wochenenden im Juli den Hof seines Anwesens Mittelburg und die Gartenterrasse für die Veranstaltungen und für die Getränkepausen zur Verfügung. „Unsere Kinder erlebten hautnah in historischem Ambiente Geschichten von Jim Knopf oder vom Räuber Hotzenplotz“, sagte der Bürgermeister.

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