Große Enttäuschung über endgültiges Aus für Neckargemünder Notfallpraxis

„Ich bin sehr enttäuscht“, machte Bürgermeister Horst Althoff keinen Hehl daraus, dass er sich beim Ringen um den Fortbestand der Notfallpraxis in Neckargemünd einen anderen Ausgang gewünscht hätte. Doch alle Anstrengungen waren vergebens: Nach 40 Jahren an diesem Standort schlossen sich vor kurzem deren Türen für immer. Gründe sind Sparanstrengungen und dadurch angestoßene Umstrukturierungen durch die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW).

Geringe Auslastung und die fehlende Anbindung an ein Krankenhaus bedeuteten laut deren stellvertretendem Vorsitzenden Dr. Johannes Fechner den Todesstoß für die Neckargemünder Einrichtung, schrieb er an die CDU-Landtagsabgeordnete Elke Brunnemer. Eine Begründung, die Bürgermeister Althoff nicht gelten lassen will. „Es gab an die 5000 Patienten im Jahr“, sagt er. Außerdem hätte die Stadt bei Bedarf sehr günstige Mieträume zur Verfügung gestellt.

Gerade weil sich Bürger (durch 1600 gesammelte Unterschriften), Bürgermeister der Region und Landtagsabgeordnete monatelang um den Erhalt bemüht hätten, sei die stillschweigende endgültige Schließung „sehr, sehr bedauerlich“. Auch die Kommunikation sei „unglücklich“ gewesen, so Althoff, habe man doch davon zuerst von der CDU-Abgeordneten und erst später durch ein Schreiben der KVBW erfahren.

Fechner hatte argumentiert, dass für alle Notfallpraxen in Baden-Württemberg gleiche Maßstäbe angelegt werden müssten. „Eine Weiterführung wäre aus diesen Gründen nicht zu rechtfertigen.“ Die in großer Runde in Neckargemünd diskutierten Vorschläge habe er „in die Gremien der KVBW mitgenommen“. Eine Änderung der einmal getroffenen Entscheidung gab es allerdings nicht mehr.

„Es hat alles nicht genutzt“, bilanziert Althoff ein wenig frustriert. Die Unterschriftensammlung sei „verpufft.“ Dass es in ländlichen Regionen immer weniger Ärzte gebe und deshalb eine Anbindung an Krankenhäuser sinnvoll sei, „trifft gerade in Neckargemünd nicht zu“. Er wolle Internist Dr. Sönke Müller, der den Dienst seit 1993 organisiert, und dem gesamten Team noch einmal extra danken, kündigte Althoff an.

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