Neujahrsempfang in Beerfelden: „Es geht darum, die Oberzent zukunftsfähig aufzustellen“

Ganz im Zeichen der angestrebten Oberzent-Fusion und des Bürgerentscheids darüber am 6. März stand der Neujahrsempfang in der Alten Turnhalle. Zwar in Beerfelden, aber mit Rothenberg, Sensbachtal und Hesseneck für alle vier Orte des südlichen Odenwaldkreises gemeinsam. Ein weiteres Thema zog sich aufgrund seiner Aktualität ebenfalls wie ein roter Faden durch die Reden: die Flüchtlingsproblematik.

In seinen begrüßenden Worten wies Bürgermeister Gottfried Görig darauf hin, dass die interkommunale Zusammenarbeit in der Region keine neue Sache sei. Schon 2008 habe man die Weichen für den Kommunalservice Oberzent gestellt. Der Schwerpunkt lag damals auf Verwaltungsdienstleistungen. Es habe sich schon frühzeitig gezeigt, „dass dies der erste Schritt für eine weitere Zusammenarbeit sein kann“, so Görig.

„Strategisches Handeln“, ohne von anderen abzukupfern oder auf Drängen von außen zu warten, kennzeichnete der Bürgermeister als „besten Weg“. Er skizzierte sowohl die bisherigen als auch die kommenden Schritte bis hin zum Bürgerentscheid am 6. März über das weitere Vorgehen und den vorgeschlagenen Zusammenschluss.

Weiteres wichtiges Ereignis in diesem Jahr ist laut Görig das 50-jährige Bestehen der Partnerschaft zwischen dem Stadtteil Olfen und Trévignin in Frankreich. Dieses werde im Juni gefeiert. Zum Schluss seiner Ansprache empfahl der Rathauschef, nicht zu viele Vorsätze fürs neue Jahr zu fassen. Denn mit deren Umsetzung sei es getreu einem Sprichwort „wie bei einem Gaul, der oft gesattelt, aber selten geritten wird“.

Landrat Frank Matiaske sah am Horizont eine Trendwende des demografischen Wandels und der Landflucht heraufziehen. In seiner Auffassung bestärkte ihn die Tatsache, dass im vergangenen Jahr 456 Kinder am Erbacher Krankenhaus zur Welt gekommen seien, „50 mehr als im Vorjahr“. Diese 456 „sind für mich die Zahl des Jahres“, betonte der Landrat – Wörter und Unwörter gebe es genügend. Dass der ländliche Raum in Zukunft wieder attraktiver werden könne, machte er auch an den Entwicklungen in den Ballungsräumen und den dortigen Problemen fest.

Der Odenwald als eine Art heile Welt und der Kreis „als sicherster in Hessen“, zusammen mit günstigen Immobilienpreisen, guter Verkehrs- und Daten-Infrastruktur sowie ansprechendem Bildungsangebot „machen mich mutig“. Die Lage zwischen den Ballungsräumen Rhein-Main und Rhein-Neckar „wird Chancen eröffnen“, war Matiaske sicher. Zum Mut, bezog er sich auf das Neujahrsempfangs-Motto „Mut für Neues“, „muss sich Tatkraft gesellen“.

Mit Blick auf die Oberzent bezeichnete der Landrat das Vorgehen beim Fusionsprozess als „vorbildlich“. Die Bürger würden in die Entwicklung jederzeit mit eingebunden. Als ebenso vorbildlich charakterisierte Matiaske die in der Flüchtlingsbetreuung geleistete Arbeit. „Mut für Neues“ hatte auch Karl-Christian Schelzke, Direktor des hessischen Städte- und Gemeindebundes, seinen Vortrag überschrieben.

Beerfeldens Stadtverordneten-Vorsteher Hans-Joachim Löw wertete eine Fusion in der Oberzent „als einen einmaligen Vorgang in Hessen, wenn wir das schaffen würden“. Deswegen wollte er in seinen Worten auch offensiv „dafür werben“. Löw war jedoch ebenso klar, „dass alle Fragen beantwortet werden müssen“. Niemand dürfe bei einer gemeinsamen Stadt übervorteilt werden. Er appellierte mit Nachdruck an die Bürger, am 6. März wählen zu gehen. „Es geht darum, die Oberzent zukunftsfähig aufzustellen.“

Die musikalische Unterhaltung des Neujahrsempfangs war breit gefächert. In der vollbesetzten Halle spielte zu Beginn Franz Lechner mit seiner Tochter Maria klassische Stücke. Im weiteren Verlauf gab es zeitlose Rock- und Popsongs von Maximilian Schulz, Annika Schmitt und Andreas Weinmann mit zwei akustischen Gitarren und zwei Stimmen zu hören. Beim anschließenden Umtrunk wurde die Gelegenheit zum Austausch zwischen den Bürgern der vier Orte noch ausgiebig genutzt.

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