120 Aktive begeistern die närrische Schar bei den Prunksitzungen des SV Narrhalla Hainbrunn

Zum großen Finale bebt die Bühne: Nach vier närrischen Stunden kommen alle Aktiven der Hainbrunner Fastnacht noch einmal zusammen, singen das Hainbrunner Lied, lassen sich feiern und feiern danach noch bis in den frühen Morgen mit den Gästen. Und das gleich drei Mal: „33 Jahre Bleedsinn und Ferz, wir feiern zusammen Fastnacht mit Herz“, hieß es beim SV Narrhalla in der jeweils ausverkauften Sporthalle.

Mehr als 300 Zuschauer zählen die Fastnachter pro Prunksitzung – an drei ausverkauften Terminen (der letzte heute, Samstag, Abend) kommen so über 1000 Gäste aus der näheren und weiteren Umgebung zusammen. Die Hirschhorner Narren sind stets stark vertreten, haben sie doch den kürzesten Weg. Heddesbach, Beerfelden oder Sensbachtal machen in der Regel auch immer ihre Aufwartung. Den Weg aus dem Badischen nehmen die Eberbacher Kuckucke, die Urmel Neckarwimmersbach und die Zwingenberger auf sich. Landrat Frank Matiaske und Bürgermeister Hans Heinz Keursten zählen ebenfalls zu den Gästen.

Auf sie wartet ein buntes Programm mit Garden, Tänzen und Büttenreden, bei dem der SV Narrhalla aus dem Vollen schöpfen kann. Aktive wie Karl-Heinz Werner oder Ralph Volk stehen schon seit den Anfangsjahren der Hainbrunner Fastnacht auf der Bühne, mit Anna Lähn und Marcel Schäfer sowie Marius Bartmann gibt es jedoch genug Nachwuchs, um den Fasching in der kleinen Gemeinde im Finkenbachtal auch weitere 33 Jahre am Leben zu erhalten.

Es sind dann auch immer wieder die Klassiker, die bereits seit Jahren ihre Fans haben und beifallsmäßig so richtig abräumen. „Kasper und die Lumbesäggel“ zählen dazu. Das Quintett sorgt gleich zu Beginn schon für ein fetziges musikalisches Highlight und gibt die Marschrichtung vor: Das Stimmungsbarometer pendelt sich gleich im oberen roten Bereich ein.

Auf der Tanzseite reihen sich „Next Generation“ mit ihrem Ausflug ins Weltall oder die neue Gruppe „Rhythm Attack“ mit dem Trip in die 90er Jahre nahtlos ein. Letztere setzen Musik und Fernsehserien aus dieser Zeit nicht nur tänzerisch und musikalisch, sondern auch mit Kostümen um. Der Gardetanz der Tanzfieber-Gruppe, das neue Funkenmariechen Sophia Blutbacher und der Gardetanz von „Happy Feet“ oder Minigarde zeigen ebenfalls die große Bandbreite der SV-Fastnacht.

Nach dem Einzug von Elferrat und Garden ergreift Narrhalla-Präsident Frank Flachs das Wort und begrüßte die zahlreichen Gäste. Andreas Werner und Sabine Michel als Sitzungspräsidenten führen ironisch, scharfzüngig und aufschlussreich durch die Sitzung mit ihren 24 Programmpunkten. Tanzmaus Seppl Denner oder der Cowboy aus Haintown, Jörg Heckmann, gehören ebenso dazu wie Marius Bartmann, der sich der kleinen und großen Politik sowie der Ereignisse auf der Welt annimmt.

Pegida, Islam, Flüchtlinge, gekaufte WM 2006, Griechenland-Krise und Oberzent-Fusion: In einem Rundumschlag deckt Bartmann alles ab, was 2015 durch die Medien rauschte. Zum Schluss hat er noch ein Trostpflaster für alle Hoffenheim-Fans. Sollte das Team aus dem Kraichgau absteigen, rät er den Fans, die Fanartikel zu behalten: „Die von Darmstadt 98 sind auch in blau-weiß“.

Urgestein Karl-Heinz Werner als „Herr Kall“ hat Geschichten, die das Leben schrieb, parat. Arztbesuche oder Kabbeleien mit seiner Frau gehören ebenso dazu wie die Erlebnisse der diversen Freunde. Die „Bembelsänger“ sind diesmal als Fastnachtsschutzengel unterwegs. Um die arme, betrunkene Seele, die sich nach durchzechter Prunksitzungsnacht auf den Heimweg macht, entbrennt ein höchst amüsanter musikalischer Kampf zwischen den vielen weißen Engeln und dem einen roten Teufelchen, das natürlich klar in der Minderzahl ist.

Ein Klassiker der Hainbrunner Fastnacht ist Ralph Volk als „Schackeline“. Wie er in hautengem roten Kleid mit hohen Stöckelschuhen über die Bühne stakst, dazu voll geschminkt die eigene geschwundene Haarpracht mit wallender Perücke kaschiert, die Arme vielleicht mal wieder heißwachsen sollte, und dabei kräftig nach allen Seiten austeilt, erzeugt immer wieder begeisterten Applaus bei den Gästen. Volk versteht es, seine Figur so zuzuspitzen, dass sie einfach wieder liebenswert ist.

In die Karibik, zu den dortigen Piraten aus der Filmreihe, entführen die „Crazy Girls“. Erklingt zuerst die Filmmusik, müsste es danach eigentlich „Piraten der Irischen See“ heißt. Denn die zwölf Piratinnen und ein Pirat legen einen fulminanten irischen Stepptanz hin. Viel Bewegung macht durstig, deshalb klingt es musikalisch danach: „Wir brauchen Rum.“

Mit den Dorfspatzen geht es in diesem Jahr an einen italienischen Strand. Die „Rettungsschwimmer von Spatzibu“ zeichnen das pralle Baywatch-Leben auf Italienisch nach, garniert mit dem üblichen Familienzwist im Urlaub, quengelnden Kids, dem Latin Lover, nervigen fliegenden Händlern und einer Lebensrettung zwischendurch. Das alles untermalt von den passenden Songs wie „Walking on Sunshine“, „Like ice in the sunshine“ – oder eben „Ti amo“.

Während die Große Garde der SV Funken eine tänzerische Höchstleistung hinlegt, suhlen sich „Der Äne und die Anna“ in den Niederungen der ehelichen Abneigung. Genüsslich werfen sich die beiden Gemeinheiten an den Kopf, ziehen sich gegenseitig durch den Kakao und können kein gutes Haar aneinander finden – klischeehafte Geschlechter-Vorurteile inklusive.

„Die acht Kostbarkeiten“ heißt es beim Männerballett „Biergorgler“. Elegant wie Schwäne mit Rückenproblemen schweben die acht Herren bei ihrem Ausflug in die exotische Welt des Fernen Ostens über die Bühne – „One night in Bangkok“ inklusive. Zum letzten Mal nach 25 Jahren erzählt Sitzungspräsident Andreas Werner als „Naseweisisch“ von den Ereignissen in seinem Ort und beeindruckte wieder einmal mit seiner Bühnenpräsenz, die das Publikum ruckzuck zum Mitklatschen brachte.

Nach dem Ausflug des Tanzquartetts in spanische Gefilde lässt Bauchredner Carsten Werner seinen vorwitzigen Drachen „Paul“ zu Wort kommen, der ihm ein ums andere Mal die Show und auch die Frauen stiehlt. Paul hat auf alles eine Antwort und macht seinen „Arbeitgeber“ oftmals sprachlos. „Volles Rohr für Gottes Ohr“ reimt Sitzungspräsidentin Michel für den letzten Act des Abends, die „No Limits“. In Anlehnung an den Film „Sister Act“ zeigen die „Heiligen Girls vom Papst“ ihre Tanzkünste.

„Bei uns kommen nur eigene Nummern auf die Bühne“, betont Narrhalla-Präsident Frank Flachs die Verwurzelung der Fastnacht im Ort. Sowohl in der Bütt als auch musikalisch. Dorfspatzen, Bembelsänger sowie „Kasper und die Lumbesäggel“ stehen „für handgemachte Musik, live gespielt“. Da läuft laut Flachs „nichts vom Band“. 120 Aktive stehen bei den drei Prunksitzungen auf der Bühne – oftmals in wechselnden Rollen. Zusammen mit den 40 Helfern in der Sporthalle kommt so schon fast halb Hainbrunn zusammen.

Mehr Bilder gibt’s hier: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1090084974368984.1073741895.100001024761983&type=1&l=5e0b6b5aee

oberhainbrunn-narrhalla-prunksitzung2016 (20) - Kopie oberhainbrunn-narrhalla-prunksitzung2016 (35) - Kopie oberhainbrunn-narrhalla-prunksitzung2016 (5) - Kopie oberhainbrunn-narrhalla-prunksitzung2016 (49) - Kopie oberhainbrunn-narrhalla-prunksitzung2016 (41) - Kopie oberhainbrunn-narrhalla-prunksitzung2016 (38) - Kopieoberhainbrunn-narrhalla-prunksitzung2016 (2) - Kopieoberhainbrunn-narrhalla-prunksitzung2016 (16) - Kopie

 

Advertisements