Hirschhorner Lachsbachperlen waschen zum Fastnachtsende die Geldbeutel aus

Die Geldbeutel sind leer, die Fastnacht ist vorbei, das Wehklagen groß. Bei der traditionellen Geldbeutelwäsche der Hirschhorner Lachsbachperlen am Fastnachtsbrunnen in der Hermannsgasse kam ein weiterer Klagepunkt hinzu: Es schüttete wie aus Kübeln. Die Geldbeutel wurden auch ohne Schwenken im Wasser gründlich von oben ausgewaschen. HCV-Vorsitzender Jürgen Abelshauser ging bei der Aktion in schwarzer Trauerkleidung mit Frack und Gehrock sowie Zylinder mit gutem Beispiel voran und tauchte sein Portemonnaie ein.

Nach zwei Sitzungen im zweimal ausverkauften Hirschhorner Bürgerhaus bildete die traditionelle Geldbeutelwäsche den Abschluss der diesjährigen Kampagne. Nach diesem nassen Ereignis trockneten und wärmten sich die Mitglieder in der „Goldenen Pfanne“ beim Heringsessen auf. Mit dieser Feierlichkeit wurde mit einem weinenden Auge „eine kurze, aber sehr erfolgreiche Kampagne“ beendet. Mit einem lachenden Auge stürzen sich die Fastnachter direkt in die Vorbereitungen der nächsten Saison. Auch dann will man wieder getreu dem HCV-Motto „Fastnacht von Hirschhorn für Hirschhorn mit Herz, Spaß und Verstand“ bieten.

Auch wenn nach der Wäsche bisher noch kein Gold in den Geldbeuteln zum Vorschein gekommen ist, „so hast du zumindest für viel Sprudel gesorgt“, meinte Abelshauser in Richtung des Brunnens: sprudelnde Gäste, sprudelnde Aktive, sprudelnder Applaus und sprudelnde Umsätze. Deshalb, so sein Wunsch, solle der Fastnachtsbrunnen die Narren auch weiterhin mit viel Sprudel unterstützen. Es müsse ja „kein Wasser sein, wir nehmen auch Bier und Wein“.

„Mein Geld ist weg und leer der Sack, hab‘ keinen Cent mehr in mei‘m Frack“, dichtete der HCV-Chef. „Hilf uns lieber Fastnachtsbrunne‘, dass in mei‘m Sack wird Gold gefunne“, wünschte er sich. Denn spätestens nach dem Ende der Fastenzeit „brauchen mir e volle Büchs und dicke Beutel“ und „Geld für unsre Zeche“. Nach so viel Spaß und so viel Sause „tut gut uns jetzt die kurze Pause“.

Bei der Geldbeutelwäsche handelt es sich um eine Art Trauerbrauch, sie steht für das Vergängliche und ist zugleich ein Nachruf auf die närrischen Tage. Sie wird vor allem in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht praktiziert. Vielerorts werden unter Aufsagen von beeindruckenden wie auch mitreißenden Trauersprüchen die leeren Geldbeutel der Narren gewaschen. Die Geldbeutewäsche lässt sich bereits im 18. Jahrhundert belegen. Sie fand sogar Einzug in der Erzählung „Theodor der Seifensieder“ von Heinrich Hansjakob.

hirschhorn-hcvlachbsach-geldbeutelwäsche (3) - Kopie

Advertisements