Ruckzuck rast das Langenthaler Feuerrad hinunter ins Ulfenbachtal

Diesmal ging’s schnell: Bei nasskaltem Wetter und ein paar Windböen kamen die Aktiven der Langenthaler Feuerwehr zügiger als vergangenes Jahr mit dem Feuerrad im Tal an. Zehn kräftige Männer auf jeder Seite hielten den 15 Meter langen Fichtenstamm fest und ließen ihn – mit dem brennenden Rad in der Mitte – ganz vorsichtig talwärts Richtung Waldmichelbacher Straße gleiten, wo die Zuschauer warteten.

Kurz vor der Straße war Schluss, kam der glühende Rest des Fastnachtsrads zum Stehen, schallte ein lautes Helau über die Straße, um von dort mit viel Beifall entgegnet zu werden. Das feurige Spektakel, seit mehr als 50 Jahren im Ulfenbachtal veranstaltet, war vorbei, doch am Verpflegungsstand des Feuerwehrvereins herrschte noch reger Betrieb. Würstchen, Glühwein und Bratapfelpunsch sorgten für ein warmes Gefühl im Bauch.

Für die Kinder war die Fackelwanderung von der Höhe bis hinunter ein besonderes Erlebnis. Um die 20 waren wieder dabei. Unten angelangt gab’s noch ein Lied. Danach wurden auf halber Höhe als weiteres Highlight – und ebenfalls altes Brauchtum – runde Drahtkugeln (Bienenkörbe) mit Stroh befüllt, entzündet und dann von kräftigen Burschen über dem Kopf geschwungen.

Das Feuerrad wird in Langenthal (wieder) seit 1962 durchgeführt. Eigentlich gibt es diese Tradition im Hirschhorner Ortsteil aber schon im 19. Jahrhundert, wie die alten Postkarten belegen. Zuerst wurde es von den „jungen Dorfburschen“ organisiert. Die waren aber damals schon überwiegend in der Feuerwehr als Ehrenamtliche tätig. Später wird dann der Feuerwehrverein als Organisator genannt, der es auch bis heute durchführt.

Der Winter sollte in früheren Zeiten damit vertrieben und die Fruchtbarkeit der Felder gefördert werden. Da früher hier und da der Aberglaube spukte, setzte man das Feuerrad auch gegen böse Geister und Dämonen ein. Zur Fortbewegung dient ein frisch geschlagener Fichtenstamm mit einer Länge von ungefähr 15 Metern, der durch die Nabe geführt wird.

Es wird angenommen, dass das Feuerrad in vorchristlichen Zeiten ein Frühlingsbrauch zum Äquinoktium (Tag-und-Nacht-Gleiche) gewesen ist, der sich nach der Christianisierung in die Verbindung mit der Fastenzeit in Südwestdeutschland und mit der Osterzeit im nördlichen Deutschland aufspaltete. Noch heute sind beide Ausprägungen zu finden. Langenthal ist einer der wenigen Orte in Deutschland, in denen diese alte Tradition wieder gepflegt wird. Weitere Bilder hier: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1099898823387599.1073741906.100001024761983&type=1&l=8ba55fb72f

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