Die Fähre gehörte Jahrhunderte lang zum Hirschhorner Stadtbild

Über Jahrhunderte hinweg gehörte die Fähre über den Neckar, oder wie sie in den alten Dokumenten bezeichnet wird, die Nähe, zum alten Stadtbild Hirschhorns, weiß Geschichtskenner Uli Spiegelberg. „Die meisten Stiche des 19. Jahrhunderts bilden sie ab, wie sie am Lauer unterhalb des Fischertores anlegt oder abfährt.“ Die Fähre war seinen Worten zufolge ein wichtiger Bestandteil der Infrastruktur und des städtischen Lebens. Sie verband die Stadt mit der Ersheimer Halbinsel, von ihr aus gingen die Wege nach Mückenloch via Neckarhäuserhof oder nach Moosbrunn und zu den Ortschaften im kleinen Odenwald.

Laut Spiegelberg lag außerdem ein großer Teil der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche Hirschhorns auf der anderen Neckarseite und konnte nur durch die Fähre erreicht werden. Genauso wichtig – oder noch wichtiger – war die Verbindung zur Ersheimer Kirche, die nach der Stadtgründung 1391 noch 150 Jahre lang als Pfarrkirche bis zur Reformationszeit genutzt wurde. Hier wurde getauft, geheiratet und beerdigt, so dass Fluss und Fähre die Hirschhorner ihr Leben lang von Anfang bis zuletzt begleitet haben.

Wenn es Eisgang oder Hochwasser gab, dann musste dem Historiker zufolge in ganz frühen Zeiten mit dem Heiraten etwas gewartet werden – oder man durfte noch ein bisschen länger über der Erde weilen. Ein Erlebnis, von dem die alten Hirschhorner gerne erzählten, war auch die große Prozession nach Ersheim im Mai, die mit der Fähre übergesetzt wurde. Wenn man sich alte Fotos davon ansieht, kann man kaum glauben, „dass die bis auf den letzten Quadratzentimeter gefüllte Fähre dabei nicht kenterte“, so Spiegelberg. Bei der Rückfahrt spielte die Kirchenmusik dann die Weise „Wenn mein Schifflein sich will wenden“.

Über die mittelalterliche Fähre gibt es so gut wie keine Dokumente. Bereits vor der Stadtgründung 1391 ist eine solche anzunehmen, die die Dörfer Ramsau, Ersheim und Krautlache miteinander verband. 1094 wurde Ramsau erstmals urkundlich erwähnt, so dass die Fähre auf eine über 900-jährige Tradition zurückblicken kann. Mit der Stadtgründung wurde sie dann neckaraufwärts verlegt, geblieben ist die Bezeichnung Ramsauer Fahr als Flurname. Ursprünglicher Anlegeort dürfte im Bereich der heutigen Sporthalle gewesen sein.

Die Herren vom Hirschhorn haben wohl ihre herrschaftlichen Rechte an der Fähre der Stadt übereignet, weiß Spiegelberg. Wie dem Weistum von 1518 zu entnehmen ist, musste die Herrschaft samt Knechte und Bedienstete unentgeltlich übergesetzt werden, für die beladenen Erntewagen von den herrschaftlichen Feldern über Neckar wurde jedoch auch ein Entgelt bezahlt – ein Siechling, also eine Garbe der darauf beladenen Frucht.

Der älteste erhaltene Fährtarif ist dem Fachmann zufolge dem Hirschhorner Rats- und Gerichtsprotokollbuch zu entnehmen. Dort heißt es: „Am 17. Februar 1687 wurde von einem ehrsamen Rath ein Taxordtnung weß der Ferg alhier von dem Fahr über den Neckar zu fordern hat, vergericht und an das Färgenthörlein zu schlagen befohlen.“

Die Tarife für Hirschhorner Bürger waren wie folgt: von einem Karch im kleinen Wasser hinüber und rüber zu fahren 2 kr, im großen Wasser 4 kr; ein Pferd oder Stück Vieh im kleinen Wasser 2 kr, im großen Wasser 4 kr; ein Wagen im kleinen Wasser hin und rüber 2 kr, im großen Wasser 4 kr. Ein „Frembder“ zahlte das Doppelte bis ein Mehrfaches davon.

(Bild: Stadtarchiv Hirschhorn)

Historische Fähre 1

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