Weicher Wiesenboden macht Wildschweinen das Wühlen leicht

Wildschäden sind im Winter und zeitigen Frühjahr ein allgegenwärtiges Übel. Wildschweine pflügen ganze Wiesen um, machen selbst vor Bolzplätzen nicht halt. Das Rotwild sucht sich gerade im Frühjahr die leckersten saftigen Triebe oder Jungbäume, um sich daran gütlich zu tun. In diesem Winterhalbjahr sieht Ronny Kolb, der stellvertretende Leiter des Forstamts Beerfelden, die Aktivitäten auf einem im Schnitt „normalen“ Level. Natürlich könne es ortsbedingt immer ein paar Ausreißer geben, betont er.

Das Forstamt Beerfelden ist auch für die beiden Städte im hessischen Neckartal, Hirschhorn und Neckarsteinach, zuständig. Hier sind immer wieder „Erdarbeiten“ an den Straßenrändern zu beobachten, besonders entlang der L 3105 von Hirschhorn über Langenthal bis nach Heddesbach. In Langenthal ist der Bolzplatz im Tal ein beliebtes Grabungsziel. Die Aktivitäten der Fußballer müssen deshalb immer mal wieder eingestellt werden.

Aktuell fallen Kolbs Worten zufolge besonders diese Umwälzungen durch Wildschweine an Straßenrändern und auf Wiesen ins Auge. Beides ist laut dem Vize-Forstamts-Chef witterungs- und jahreszeitenbedingt. Durch die Räumdienste werde bei Schnee und Eis neben Splitt auch Salz auf den Fahrbahnen verteilt, wodurch sich in den Randstreifen Mineralien ansammelten. Die seien beim Borstenvieh begehrt. Der heftige Regen an manchen Tagen mache wiederum den Wiesenboden weich – optimal, um an die dort lagernden Nährstoffe zu kommen.

Der milde Winter mit seiner längeren Vegetationszeit begünstige einerseits die Vermehrung der Schwarzkittel, erläutert der Forstmann. Andererseits könne ein nasses Frühjahr wiederum die Bestände dezimieren, da sich die Frischlinge dabei oft tödlich verlaufende Lungenentzündungen holten. Die normale Jagdzeit habe bereits am 31. Januar geendet, sagte er. Muttertiere dürften aus Tierschutzgründen sowieso nicht geschossen werden.

Der moderne Waldbau, bei dem oftmals nur wenig in die Bestände eingegriffen werde, und Monokulturen auf den Feldern schaffen laut Kolb „ein großes Nahrungsangebot“. Seitens des Forstamts beobachte man jedoch immer Schwankungen beim Bestand. Der sei naturgemäß sowieso „schwer zu bestimmen, weil das Wild viel Deckung hat“. Und Wildschweine seien sowieso nachtaktiv. Sicherlich gebe es „mehr als wir uns vorstellen“, jedoch auch Konzentrierungen und Abwanderungen.

Nach Eichel- und Buchenmast verzeichne man in der Regel einen Populationsanstieg. Auch wenn es dadurch viel Futter im Wald gebe, „drehen die Wildschweine die Wiesen um“, weiß Kolb. Denn sie seien auf der Suche nach tierischem Eiweiß, um damit die Vitamine in den Eicheln oder Bucheckern aufzuschließen. Das geschehe vor allem im Frühjahr und dann wieder im Herbst. „Über Bewegungsjagd und gemeinschaftliche Ansätze kann man was machen“, betont der Forstmann, dass es Ansätze zur Verringerung der Population gebe.

Das Rotwild verursacht Kolb zufolge die im Frühjahr die größten Schäden durch das Schälen der Bäume und das Schlagen der Hirsche. „Zu der Zeit haben wir die größten Probleme.“ Außerdem müssten Neuanpflanzungen, gerade Laubbäume, gut gegen Verbiss geschützt werden. Die Fortpflanzungsrate sei natürlich viel geringer als beim Borstenvieh, jedoch lasse sich nach milden Wintern feststellen, dass „die Tiere stabiler und gut im Futter sind“.

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