Zu wenige Bewerber: Alle Sensbachtaler Kandidaten für die Gemeindevertretung sind heute schon gewählt

Die Kommunalwahl wird für die Gemeindevertretung einen großen Einschnitt bedeuten: Die Hälfte der bisherigen Mandatsträger hört auf, nur zwei sind neu auf der gemeinsamen Liste von Gemeinschaft Freier Wähler und Überparteilicher Wählervereinigung Sensbachtal (GFW/ÜWS). Was im Umkehrschluss bedeutet, dass alle acht Kandidaten für die elf Mandate heute schon ihren Sitz nach dem 6. März garantiert haben.

„Bewährte Kräfte mussten aus persönlichen Gründen auf eine erneute Kandidatur verzichten“, heißt es in einer Mitteilung. Unter diesen sind der bisherige Gemeindevertreter-Vorsitzende Karlheinz Gärtner und Fraktionschefin Mechthild Krall. Bürgermeister Egon Scheuermann führt die schwierige Kandidatengewinnung auch darauf zurück, „dass wir in der Gemeinde nichts mehr gestalten können“. Es gehe mehr oder weniger darum, den Bestand oder wahlweise den Mangel zu verwalten. „Wir hecheln nur noch den Pflichtaufgaben hinterher.“

Dazu kommt laut Scheuermann ebenso die „Frustration“ über unpopuläre Entscheidungen, die man im Parlament treffen musste, für die man aber „sonntags auf dem Fußballplatz kritisiert wurde“. Er erwähnt in diesem Zusammenhang die Erhöhung der Kindergartengebühren („Da haben wir uns sehr schwer getan“) oder die Anhebung bei Wasser und Abwasser („Wir konnten sie noch etwas durch Umschichtungen abfedern“).

Die vergangenen drei Wahlperioden gab es in Sensbachtal immer nur eine gemeinsame Liste. Jedoch bedeutete dies nicht, dass alles kommentar- und kritiklos verabschiedet wurde. „Da war jeder seine eigene Fraktion“, schmunzelt der Bürgermeister. Es gab teilweise „kontroverse Diskussionen“ und eine große Meinungsvielfalt. Dass jedoch eine „richtige Konkurrenz“ fehlte, ist für ihn mit ein Grund dafür, dass das Interesse an einer Mitarbeit erlahmte.

Dazu kämen veränderte Lebensbedingungen. „Die Leute arbeiten heute oft viele Kilometer entfernt, kommen erst später am Abend heim und wollen sich dann nicht noch ins Gemeindeparlament setzen“, weiß er. Noch dazu „konkurrierten“ Vereine und Kommunalpolitik um den gleichen Pool an ehrenamtlich Aktiven in den drei Ortsteilen.

Das Dorfentwicklungsprogramm des Landes und das kommunale Investitionsprogramm von Bund und Land (KIP) spielen laut GFW/ÜWS für Sensbachtal in den kommenden Jahren eine große Rolle. Denn am Gemeindezentrum gibt es Sanierungs- und Instandhaltungsbedarf von über 100.000 Euro, dazu noch kleinere Maßnahmen in den Ortsteilen. Diese sollen über die Dorfentwicklung finanziert werden. Darüber hinaus gibt es Möglichkeiten für private Eigentümer, analog den Dorferneuerungsmaßnahmen in den 1990er Jahren Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen gefördert zu erhalten.

Die KIP-Mittel sollen in die energetische Sanierung der Sporthalle fließen. „Da gibt es noch alte Glasbausteine, die ausgetauscht werden müssen“, beschreibt der Bürgermeister den Handlungsbedarf. 50.000 Euro aufwärts könnten diese Maßnahmen kosten. Für die Gemeinde allerdings gut zu verkraften, muss sie doch nur einen Teil der jährlichen Darlehenskosten selbst bestreiten.

Laut Scheuermann will man das Augenmerk auch auf den Kindergarten richten und prüfen, ob hier alles „noch zeitgemäß ist“. Denn die Betreuungseinrichtung ist seinen Worten zufolge als Standortfaktor elementar für den kleinen Ort. „Wir bieten dadurch jungen Familien die Möglichkeit, im ländlichen Raum wohnen bleiben zu können.“

Der Bürgerentscheid über die Oberzent-Fusion ist für GFW/ÜWS ein zentraler Punkt. „Der Zusammenschluss macht viel Sinn und erscheint nicht nur äußerst erstrebenswert, sondern ist eine notwendige Maßnahme, um in der Oberzent zukunftsfähig und anforderungsgerecht aufgestellt zu sein.“ Das „Ja“ bei der Abstimmung bedeute noch nicht den Zusammenschluss, sondern ist „für uns Auftrag, den begonnenen Prozess fortzusetzen“, betonen die Kandidaten.

In diesem Zusammenhang werden seitens der gemeinsamen Liste mehrere Punkte besonders betont: Zum einen, „dass die heutige Gemeindeverwaltung auf jeden Fall als Bürgerbüro bestehen bleibt“. Die Bürger erhielten hier auch künftig das bisherige Leistungsangebot. Zum anderen würden keine Mitarbeiter entlassen. Außerdem würden die Bauhöfe dezentral betrieben. „Ein ordnungsgemäßer und zeitgerechter Winterdienst ist nur von den bisherigen Standorten aus zu gewährleisten.“

Für Kommunalwahl und Bürgerentscheid wünschen sich alle Funktionsträger eine hohe Wahlbeteiligung. Denn 2011 lag diese nur bei knapp über 50 Prozent, was bei weiterem Rückgang fürs Quorum bei der Fusions-Abstimmung knapp werden könnte. Denn hier müssen mindestens 25 Prozent der Wahlberechtigungen – unabhängig vom eigentlichen positiven Votum – mit Ja stimmen.

Der bisherige Zuspruch bei der Briefwahl lässt Bürgermeister Scheuermann etwas entspannter auf den 6. März schauen. „Wir haben schon doppelt so viele Briefwähler wie bei der vergangenen Kommunalwahl“, sagt er. „Das Thema Fusion berührt die Menschen schon“, ist seine Erklärung dafür. Vor diesem Hintergrund wünscht er sich, dass auch am Sonntag der „Ansturm“ auf die Wahllokale ebenso gut sein solle.

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