Neue Ansätze für die fünften Klassen an der Oberzent-Schule Beerfelden sind „im ganzen Schulamtsbezirk einzigartig“

Für Direktorin Bernhild Hofherr ist es eine kleine pädagogische Revolution, wie in der Oberzent-Schule derzeit im Jahrgang 5 gelernt wird – und dass es gelungen ist, neue Formen des Unterrichtens einzuführen. Das neue Konzept soll nach einer Phase der Evaluation und der Bestätigung durch die schulischen Gremien endgültig Eingang ins Schulprofil finden.

„Wenn es Aufgabe von Schule ist, Schüler erfolgreich zu machen, so müssen wir in erster Linie die Stärken stärken und nicht nur an Schwächen rumdoktoren“, erläuterte sie anlässlich des Schnuppertags für die neuen Fünftklässler das neue pädagogische Konzept. Das eigenverantwortliche Lernen der Schüler stehe dabei genauso im Mittelpunkt wie die Beachtung des individuellen Lerntempos jedes einzelnen Kindes.

„Hauptsache verstanden“ lautet Hofherr zufolge das künftige Unterrichts-Credo. „Wenn es bei einem Kind länger als beim anderen dauert, ist das in Ordnung“, betont die Schulleiterin. Die Jugendlichen sollen individuell mit- und voneinander lernen. Im jetzigen Fünftklässler-Jahrgang der Integrierten Gesamtschule (IGS) werde dies Herangehensweise in einer Erprobungsphase durchgeführt.

Arndt Neumann bezeichnet diese Neuausrichtung auch als Versuch, „in Zeiten sinkender Schülerzahlen besser für den einzelnen da zu sein“. Laut Thomas Stricker geht es darum, „in jeder Richtung zu fordern und zu fördern“. Das ganze Konzept wird Hofherr zufolge im sogenannten „Lernbüro“ sichtbar. Dahinter verberge sich neben der Arbeit in den Klassenzimmern auch ein offener Lern-/Arbeitsbereich. Die Türen zu den Klassenzimmern bleiben geöffnet.

Zwei Grundbedürfnisse kennzeichneten die Schüler, betont Bernd Siefert: dazu zu gehören und wachsen zu können. Die Trennung von einer Gruppe oder auch das Sitzenbleiben „verletzt die Kinder“. Auch der Punkt „Angst“ spiele eine Rolle, weswegen die Eigenständigkeit unterstützt werden solle. Mit dem neuen Konzept gebe es die Möglichkeit der Erfolgsrückmeldung, so Neumann. Die Ansätze in Beerfelden seien „im ganzen Schulamtsbezirk einzigartig“.

Bernhild Hofherr erläutert, dass man andere Gesamtschulen besucht habe und mit diesen zusammenarbeite, aber erst jetzt mit diesem „schulischen Modellprojekt“ nach außen gehe. Es sei ein „Logbuch“ eingeführt worden, die Klassenlehrer seien doppelt besetzt und es gebe veränderte Sitzbereiche. Wie Neumann ergänzt, eine „alternative Flächennutzung als Rückzugsmöglichkeit für die Schüler“. Außerdem verfüge die Klassenstufe 5 über ein separates Lehrerzimmer, die dortigen Lehrkräfte „bilden ein eigenes Team“.

„Wir nutzen die Chance, durch geringere Schülerzahlen besser auf den einzelnen eingehen zu können“, hob Neumann hervor. Mit Blick auf den demografischen Wandel wolle die Schule „explizit darauf reagieren“. Im Mittelpunkt stehe „der beste Abschluss für den einzelnen Schüler“ durch binnendifferenziertes Lernen.

Wie Direktorin Hofherr ergänzt, gehe es auch „um nachhaltiges Lernen“. Man müsse „wegkommen vom Büffeln nur für eine Klassenarbeit“ – um danach alles wieder zu vergessen. Es handle sich bei dieser Vorgehensweise „um die Kernkompetenzen einer IGS“, die konsequent weiterverfolgt würden. Sozusagen „back to the roots“, wie Siefert sagt. Der Blick aufs Kind „wandelt sich von Selektion zu Förderung“, erläutert Neumann.

Er bewertet es auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels für die Wirtschaft als notwendig, „dass jeder Schüler eine gute Ausbildung bekommt“. Das wiederum setze entsprechende Schulabschlüsse voraus. „Die Zeiten haben sich gewandelt“, so Neumann. Die Gesamtschulen seien deshalb „besonders gefordert“.

In einem „gerechten Schulsystem“ gehe es um jedes Kind, attestiert Hofherr, um das Lernen als einen individuellen Prozess in einem solidarischen Umfeld. Die Oberzent-Schule biete alle Abschlüsse von der Sekundarstufe 1 bis hin zur Versetzung in die Oberstufe. Außerdem gebe es in punkto Ausbildungsplätze „eine gute Vernetzung mit der lokalen Wirtschaft“.

Beim Schnuppertag, so Bernd Siefert, wurden die jetzigen Viertklässler von IGS-Schülern mit den Räumen und Angeboten vertraut gemacht. Letztere würden „ständig weiterentwickelt“. Er wies darauf hin, dass unter anderem die PC-Säle neu ausgestattet, die Naturwissenschaften erneuert und dazu das Schwimmbad neu erbaut wurden. Im ganzen Schulgebäude waren die verschiedenen Fachbereiche vertreten, gab’s Musik von der Schulband zu hören, durften in den Biologie-Räumen die diversen Organe sortiert werden.

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