Überwältigendes Ja zur Oberzent-Fusion: „Historischer Abend mit großer Bedeutung für die Zukunft“

Eindeutiger hätte die Abstimmung für die Fortführung des Fusionsprozesses in der Oberzent nicht ablaufen können: Mehr als 80 Prozent der Bürger votierten dafür. Vier Kommunen im südlichsten Teil Hessens schrieben am Sonntag Geschichte: Durch den positiven Ausgang des Bürgerentscheids wird der erste freiwillige Zusammenschluss seit der großen Gemeinde-Reform Anfang der 1970er Jahre angebahnt. In der Oberzent ist man stolz darauf, damit vielleicht als Beispiel und Blaupause für andere Bestrebungen im Bundesland dienen zu können.

In Rothenberg und Sensbachtal 71 Prozent-Ja-Stimmen, in Beerfelden und Hesseneck sogar 88 Prozent. Und das bei einer im Vergleich zum Hessenschnitt sehr hohen Wahlbeteiligung zwischen 60 und 77 Prozent. Kein Wunder, dass die Fusions-Befürworter, zu denen sich auch Landrat Frank Matiaske gesellte, bei der „Wahlparty“ im Beerfelder Rathaus übers ganze Gesicht strahlten.

Bürgermeister Hans Heinz Keursten, in dessen Rothenberg noch am ehesten zahlreiche Kritiker befürchtet worden waren, machte es sehr spannend und stieß erst kurz nach 22 Uhr zur Runde. Aber umso glücklicher. „Das ist ein tolles Wahlergebnis“, meinte er stellvertretend für seine drei Kollegen Gottfried Görig, Thomas Ihrig und Egon Scheuermann. Und das Ganze noch bei einer „Super-Beteiligung“ von über 70 Prozent in Rothenberg. „Darauf lässt es sich aufbauen und anfangen weiterzuarbeiten“, sagte Keursten.

In Rothenberg und Sensbachtal gab es die meisten Nein-Stimmen, vor allem in den Gemeinden, die sich eher Richtung Neckartal als Richtung Odenwaldkreis orientieren. Folgerichtig war Kortelshütte der einzige Ortsteil, in dem es mit 91 zu 88 eine Mehrheit gegen die Fusion gab. In Rothenberg-Ort war der Nein-Anteil auch höher als in Finkenbach oder Ober-Hainbrunn, ergab sich aber trotzdem eine Zwei-Drittel-Mehrheit pro Zusammenschluss.

Ein ähnliches Bild in Sensbachtal. Die Richtung Eberbach tendierenden Hebstahl und Unter-Sensbach sind etwas kritischer gegenüber der Fusion eingestellt als Ober-Sensbach. Kein Thema dagegen sind die Nein-Stimmen in Beerfelden und Hesseneck mit ihrem Ortsteilen: Überall gibt es satte Mehrheiten pro Fusion.

Die Frage beim Bürgerentscheid lautete: „Sind Sie dafür, dass sich die Stadt Beerfelden, die Gemeinde Hesseneck, die Gemeinde Rothenberg und die Gemeinde Sensbachtal zu einer neuen Kommune zusammenschließen?“ In Beerfelden lag die Wahlbeteiligung bei 60,3 Prozent, in Hesseneck bei 77,4 Prozent, in Rothenberg bei 70,4 Prozent und in Sensbachtal bei 65,3 Prozent. Die neue, noch namenlose Stadt hätte dann 10.200 Einwohner. Man verspricht sich vom Zusammenschluss jährliche Vorteile von fast 900.000 Euro.

Einen Superlativ kann die neue Kommune jetzt schon vorweisen: Sie ist mit 165 Quadratkilometern rein nach Fläche die drittgrößte in Hessen nach Frankfurt und Wiesbaden.  Es gibt einen hohen Waldanteil und etwa 20 Stadt- bzw. Ortsteile. Die tatsächliche Fusion dürfte frühestens Anfang 2018 verwirklicht werden können. Zuvor muss noch ein Grenzänderungsvertrag ausgearbeitet werden, der die Details regelt.

Erste Reaktionen nach der Entscheidung zeigten durchweg positive Reaktionen, egal ob es Parteivertreter in den Gemeindeparlamenten oder Bürger von Beerfelden und Rothenberg waren. Elisabeth Bühler-Kowarsch, Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Beerfelder Stadtverordneten-Versammlung, freute sich darüber, „dass die Entscheidung so deutlich ausgefallen ist“. Das zeige, „dass die Menschen in der Oberzent offen sind für Neues und die sich bietenden Chancen nutzen wollen“. Es komme nun darauf an, dieses positive Votum so umzusetzen, dass „die Menschen gut damit leben können“.

„Zwei Jahre der intensiven Vorbereitung wurden überzeugend gewürdigt“, betonte CDU-Fraktionschef Walter Gerbig. „Wir werden den angestoßenen Prozess weiter begleiten.“ Michael Reinhard aus Beerfelden, Kämmerer in Hirschhorn, lobte: „Selten wurde ein demokratischer Prozess derart offen und transparent geführt.“ Deshalb verwundert ihn die hohe Zustimmungsquote nicht. „Es bleibt jedoch abzuwarten, ob sich alle damit verbundenen Hoffnungen erfüllen“, so Reinhard. „Die Chancen dazu stehen jedoch gut“, fügte er an.

Pfarrer Roland Bahre war froh darüber, „dass die Menschen in allen vier Orten für ein solch eindeutiges Ergebnis sorgten“. Der eingeschlagene Weg der Rathauschef, die Bürger mittels umfassender Beteiligung mit ins Boot zu holen, habe sich bewährt. Raimund Keysser sprach von einem „historischen Abend mit großer Bedeutung für die Zukunft“. Seine Bedenken, dass die Abstimmung scheitern könnte, seien nur gering gewesen. Mehr als erfreut war er darüber, „dass die Rothenberger doch so positiv dafür entschieden haben“.

In Rothenberg hoffte Frank Knecht von der Fraktionsgemeinschaft CDU/Bunte Liste „nun auf erfolgreiche Verhandlungen der Bürgermeister im Wiesbadener Finanzministerium, damit bei der Entschuldungshöhe deutlich mehr als die bisher versprochenen drei Millionen Euro herauskommen“. Als eine der „Kernherausforderungen“ bezeichnete Knecht die qualifizierte Besetzung der Ausschüsse zur Erarbeitung des Grenzänderungsvertrages. „Wir sind optimistisch, dass das gelingt.“

Um den ging es auch SPD-Fraktionsvorsitzender Brigitte Heckmann. Man werde sich „der sicher nicht ganz einfachen Aufgabe der Ausarbeitung stellen“. Die Bürger müssten bei der Ausgestaltung von Anfang an mit einbezogen werden. Sie sah es deshalb als vordringliche Aufgabe an, die Öffentlichkeit über die einzelnen Schritte zu informieren. Rainer Maurer, Vorsitzender des gemischten Chors in Finkenbach, freute sich über das „nunmehr klare Bekenntnis auch der Rothenberger zur Fusion“. Es zeige, dass die Bevölkerung „das richtige Gespür für eine tragfähige Zukunft der Oberzent-Region hat“.

Das Ergebnis sei „eine klare und deutliche Ansage der Bürger, wie ihre Zukunft aussehen soll“, betonte Rothenbergs Gemeindebrandinspektor Marco Johe. Nun gelte es für die zukünftigen Kommunalparlamente, „die bis jetzt geleistete, großartige Arbeit zu vollenden“. Das Projekt sei auch deshalb von Erfolg gekrönt gewesen, weil die Bürger jederzeit mit im Boot gewesen seien. Angela Assmann, die Rektorin der Rothenberger Grundschule, war von der eindeutigen Mehrheit im Ort „für eine Fusion überrascht“. Die Informationsveranstaltungen hätten demnach „mögliche Vorbehalte der Bürger ausräumen“ können. „Ich bin froh, dass die Vernunft gesiegt hat“, meinte kurz und knapp Timo Fink, stellvertretender Wehrführer der Kortelshütter Feuerwehr.

Franz Lechner aus der Hinterbach hob auf das eindeutige Wahlergebnis ab. „Die Zusammenlegung unserer Gemeinden muss nichts mit Identitätsverlust zu tun haben“, unterstrich er. „Es liegt an uns alleine, dass das nicht passiert.“ Er hoffe aber, dass die ersparten Kosten wirklich den Gemeinden zugutekämen. Monika Hofmann aus Rothenberg sah „noch einiges an Arbeit auf die Bürgermeister und die Gremien zukommen“. Sie richtete „ein ganz großes Kompliment an die vier Bürgermeister, die mit viel Weitsicht die Wege für eine hoffentlich gute Zukunft gebahnt haben“.

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