Hochwasser und Eisgang setzten den Hirschhorner Fähren im Laufe der Jahrhunderte stark zu

Der über Jahrhunderte am Neckar tätige Färg oder Neckarfärcher hatte seine Wohnung im oberen Stock des mittelalterlichen Rathauses, weiß Stadtkenner Uli Spiegelberg. Als Durchlass bestand an der Stadtmauer beim Rathaus das sogenannte Färchertürlein, wo auch die Tarife angeschlagen wurden. Als Hinweis darauf wurde vom Altstadtverein am Färchertürchen eine Gedenkbronzeplatte angebracht.

Das Neckarhochwasser von 1784 hatte dem ohnehin schon baufälligen Rathaus den Rest gegeben, so dass dieses 1785 abgebrochen wurde. Im Neubau von 1786 erhielt der Fährmann keine neuen Räume mehr, sondern eine Wohnung im Fischertor, so Spiegelberg.

Der älteste namentlich bekannte Färg ist Christof Schmidt. Er wurde 1677 ernannt und hatte noch 1694 dieses Amt inne. Die Stadt stellte unentgeltlich die Fähre und den Nachen. Der Färg musste versprechen, „dass er die Nähe und den Fahrnachen säubere und so als sein eigen Geschirr in Obacht nehme“. Ihm war „anbefohlen, ohne vorbehaltem Erlaubnis, kein Rindvieh bey Herbstzeiten über den Neckar zu führen“ (1769).

Philipp Weber wurde bei seiner Verpflichtung 1748 anbefohlen, „die Nähe sauber zu halten, sofort im Frühe Jahr und Sommer keine Buben oder Mädgen, die keine Geschäften jenseiths Neckars haben, über den Neckar zu führen, sollt sich nun dieser in Fahr und Verbott nachlässig zeigen, so solle derselbe nach seinem Ungehorsam under dem Jahr cassiert und ein anderer Förg ahngenommen werden.“

Der Jahreslohn für dieses Amt betrug 4 fl, dazu ein Paar Schuhe im Wert von 1 ½ fl. Das reichte für Philipp Weber nicht aus. Neben dem Färcheramt war er noch Ratsdiener. Ab 1789 wurde die Fähre für jährlich 78 fl Pachtgebühr verpachtet. Der Fährmann hatte dabei laut Spiegelberg kostenloses Wohnrecht im Fischertor, zusätzlich bekam er die Nutzung eines städtischen Wiesenstückes. Bei Hochwasser und Eisgang wurden Fähre und Fahrnachen gelandet oder im Lachsbach in Sicherheit gebracht.

Entsprechende Posten sowie die Wachgebühr tauchen immer wieder in den Stadtrechnungen auf. Mehrfach musste die Fähre, vor allem nach den Hochwassern und dem Eisgang im 18. Jahrhundert, aufwändig repariert werden. Auch Anfang des 19. Jahrhunderts finden sich Posten für die Reparatur der Fähre nach Hochwasser und Eisgang, die Spiegelberg zufolge den Stadtsäckel ordentlich belasteten.

Die alte Fähre des 17. Jahrhunderts, 1694 ist sie erstmals erwähnt, war irreparabel kaputt, so dass 1786 von der kurfürstlich Mainzer Regierung die Anschaffung einer neuen Fähre erlaubt wurde. Sie wurde von Johann Bing aus Neckarsteinach gebaut zum Preis von 196 fl. Die Hirschhorner haben mit diesem Schiff wohl wenig Spaß gehabt, denn 1794 musste vom Eberbacher Schiffsbauer Peter Seibert eine neue Nähe für 160 fl gebaut werden. Diese versah ihren Dienst, wie der Hirschhorner Geschichts-Fachmann weiß, unter hohen Kosten repariert und wiederhergestellt, bis 1839. Hier baute wiederum der Eberbacher Schiffsbaubetrieb Jacob Seibert für 500 fl eine neue Nähe. In den 1880er Jahren wurde dann das letzte Fährschiff gebaut, wie es auch auf vielen alten Postkarten zu sehen ist.

Mit dem Bau der Neckarbrücke 1933 verlor nach den Worten von Spiegelberg die Fähre ihre Funktion und wurde außer Betrieb genommen. Der letzte Fährmann Adam Bissdorf, dessen Pachtvertrag nochmals 1931 verlängert worden war, wurde arbeitslos. Eine Weile lag die alte Fähre noch am Neckar unterhalb der evangelischen Kirche. Vom alten Fährbetrieb zeugen noch das Färchertürchen, die Pflasterung am Lauer sowie der Rest des sogenannten Fährwegs auf der Ersheimer Seite. Verschwunden sind die Ersheimer Anlegestelle mit dem Fährhäuschen. Auch das alte Fahrhaus auf der Hirschhorner Seite, das ans Haus der heutigen Marktschänke angebaut war, steht längst nicht mehr.

Die Fähre war nach dem Prinzip einer Gierfähre gebaut, wie dies noch an der Neckarhäuser Fähre zu sehen ist. Sie fuhr an einem an zwei hohen Masten befestigtem Halteseil über den Neckar, womit auch die Strömungskräfte des Flusses zur Überfahrt genutzt wurden. Neben Hochwasser und Eisgang hatte sie laut Spiegelberg im Sommer mit Niedrigwasser zu kämpfen. Hier mussten zeitweise die Anlegestellen mit Stegen in den Fluss hinaus verlängert werden.

Es gab auch Zeiten, wo der Neckar so niedrig war, dass die Wagen direkt durchfahren konnten. Dann wurde eine sogenannte „fliegende Brücke“ errichtet und der Fährbetrieb eingestellt. Die Masten der Gierfähre sind ebenfalls verschwunden. Auf der Hirschhorner Seite stand der Mast am Amtsgericht und überragte dieses, wie auf alten Fotografien zu sehen ist. Seine alten eisernen Halterungen an der Stadtmauer sind bis heute noch erhalten. Bildquellen: Stadtarchiv Hirschhorn

Fähre um 1875 Fähre Stadtbild

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