Drei wahre Meister auf sechs und mehr Saiten bei der „1. Hirschhorner Gitarrennacht“ der Kunstpflege

Eine solch geballte Gitarrenvirtuosität sieht man in der Region ganz, ganz selten. Und an ein solch volles Haus kann sich der Maler Enno Folkerts in seinem Langenthaler Atelier bei den bisherigen Konzerten auch nicht erinnern. An die 100 Gäste waren es, die bei der „1. Hirschhorner Gitarrennacht“, veranstaltet von der Kunstpflege Hirschhorn, die drei Meister auf sechs und mehr Saiten, Gionni di Clemente, Giovanni Seneca und Heiko Plank, bestaunen wollten.

Ihre verschiedenen Spielweisen, Instrumente und Musikstile demonstrierten die Gitarrencracks zuerst einzeln. Nach einer längeren Pause, die die Erwartung geschickt schürte, kam dann das späte Sahnehäubchen des Saitenabends auf sehr hohem Niveau: Di Clemente und Seneca spielten drei Stücke, die letzterer extra für diesen Abend geschrieben hatte, zusammen. Ein Augen- und Ohrenschmaus, der die Zuschauer immer wieder zu Zwischenapplaus herausforderte und den krönenden Abschluss bildete.

Völlig vertieft in ihre Musik, den Blick entweder auf das Saiteninstrument gerichtet oder mit geschlossenen Augen den eigenen Klängen nachlauschend, gehen die drei Gitarristen absolut in ihrem Spiel auf. Akrobatische Finger-Übungen, gepaart mit für den Laien nicht mehr nachvollziehbaren Finger-Spreizungen, sorgen zusammen mit einem Wirbelwind an Saitenklängen für ein meisterhaftes Hörerlebnis.

Das gibt’s dann nicht nur auf der „normalen“ Gitarre. Denn jeder der drei ist Meister auf mehreren Instrumenten. Bei Heiko Plank ist das seine Eigenentwicklung, die achtsaitige „plank“. Giovanni Seneca spielt außerdem eine „chitarra battente“, eine zehnsaitige, sehr bauchige Barockgitarre, die – vor allem in Süditalien beheimaten – Instrumenten des 17. Jahrhunderts nachempfunden ist. Ihre Klänge haben beinahe etwas von einem Spinett.

Gionni di Clemente wiederum ist ein Profi auf den kleinen, bauchigen Instrumenten. Nachdem er in seinem Solo-Auftritt die zehnsaitige Gitarre virtuos spielte, kramte er beim Duett zuerst die Oud, den arabischen Vorläufer der Laute, und danach die Mandoline aus seinem reichen Fundus hervor. Die auf diesen beiden Gitarren gezauberten Soli ließen noch einmal die wahre Meisterschaft des Könners deutlich werden.

Als erster durfte an diesem Julian Best an. Der 17-Jährige zeigte seine Künste auf der akustischen Stahlsaitengitarre und sang auch dazu. Heiko Plank, der gleichzeitig den Konzertabend moderierte, schaffte als Musiker und Komponist etwas Besonderes: die Entwicklung eines speziellen elektroakustischen Solisteninstruments, das wie sein Erfinder heißt. Plank bot ein frei improvisiertes Konzert und arbeitete dabei teilweise mit vier Stimmen. „Aus dem Nichts heraus“ schuf er Musik. Anklänge gab es an das „Köln Concert“ von Keith Jarrett.

Die Bekanntschaft mit den beiden italienischen Saitenvirtuosen entstand vor vier Jahren ganz zufällig, erinnert sich der Kortelshütter Plank. Er war auf der Halbinsel zu Konzerten unterwegs. „Da wird man dann wie ein Pokal rumgereicht“, lacht er. Die einheimischen Musiker seien sehr interessiert an einer Zusammenarbeit, „es gibt kein Konkurrenzdenken“. So kam es, dass die drei schon auf mehreren Festivals zusammen spielten.

Da die beiden Italiener sowieso gerade zu Konzerten in Deutschland weilten, konnte der Konzerttermin in Langenthal eingeschoben werden – was sonst natürlich wegen der weiten Anreise nicht möglich gewesen wäre. Um das Konzert zu finanzieren, malte Enno Folkerts zwölf Variationen einer Gitarre und gab sie in den Verkauf – mit Erfolg, alle gingen weg.

Beide Gitarristen gehen nach den Worten von Plank musikalische ganz eigene Wege. Seneca, aus Ancona stammend, ist eher der traditionellen Musik verhaftet, ist Fachmann für die süditalienische Tarantella. Er verbindet Modernes mit dem Traditionellen. Seneca war bereits Gastsolist bei hochkarätigen Orchestern in Italien und Frankreich. Ennio Morricone komponierte und widmete ihm ein Konzert für Gitarre und Orchester.

Di Clemente wiederum tummelt sich mehr im Bereich Ethno-Jazz. Er beherrscht zahlreiche weitere Saiteninstrumente wie Oud, Bouzouki, Mandoline oder Sitar, schrieb Musik für Film und Theater und ist als Arrangeur für verschiedene Autoren tätig. Der aus den Abruzzen stammende Gitarrist komponierte Musik für Film- und Theaterproduktionen in den wichtigsten italienischen Städten und Theatern, aber auch in Europa und Übersee.

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