Naturalist und Kriegerdenkmal prägten lange Jahre Hirschhorns Freien Platz

Ein Gebäude und ein Denkmal prägten ab Beginn des 20. Jahrhunderts den Freien Platz in Hirschhorns Mitte lange Jahre, weiß Geschichtskenner Uli Spiegelberg: der Gasthof „Zum Naturalisten“ und das Kriegerdenkmal, welches am 16. August 1896 eingeweiht wurde. Damit gedachte man, wenn auch mit fünf Jahren Verspätung, des 500. Stadtjubiläums. Für die Hirschhorner war dieses Ereignis ein großer Tag und wurde ganz im Stil Wilhelminischen Nationalbewusstseins begangen.

Bereits am Tag zuvor, einem Samstag, gab es laut Spiegelberg abends um 21 Uhr einen Zapfenstreich und Böllerschüsse. Der Festtag selbst wurde mit einer „Reveille“ um 5 Uhr morgens eingeleitet. Um 8.30 Uhr gab es dann die „Kirchenparade“ des Kriegervereins, der maßgebliche Mittel für die Errichtung des Denkmals beigesteuert hatte. Nachmittags erfolgte die Aufstellung des Festzuges am Bahnhof. Der stattliche Zug setzte sich auf das vom Schloss gegebene Signal – drei dröhnende Böllerschüsse – durch die Hauptstraße in Bewegung, um sich dann um das noch verhüllte Denkmal zu scharen.

Amtsrichter Schilling-Trygophorus übernahm die Einweihungs- und Enthüllungsrede. Er würdigte das Ende des deutsch-französischen Kriegs 1871 und ging dann zur Betrachtung des Denkmals über, so Spiegelberg. Im damaligen Zeitungsbericht heißt es: „Unter allgemeinem Hurra fiel die Hülle von dem prächtigen Denkmal. Auf einem Sandsteinpostament erhebt sich die noch jugendfrische Gestalt eines Landwehrmannes in feldmarschmäßiger Ausrüstung; als Zeichen des Sieges hält die Rechte eine erbeutete französische Fahne empor, während die Linke das Gewehr umspannt; seine furchtlos-trotzigen Mienen künden: Fest stehen wir und treu zur Wahrung unsrer Rechte, zum Schutz unsres Besitzes.“

Die Vorderseite des Postamentes zeigt auf marmorner Tafel die Worte: „Unsren tapferen Kriegern von 1870/71“, auf beiden Seiten sind in ebensolchen Tafeln die Namen der in den Schlachten und an den Folgen des Krieges Gefallenen eingegraben. „Zum Schluss übernahm der Herr Bürgermeister im Namen der Stadt das würdige Denkmal mit dem Versprechen, dasselbe stets gut zu wahren“, so der Bericht weiter. Dann bewegte sich der Festzug weiter zum Festplatz, „wo sich nun frohes festliches Treiben entwickelte“

Gern abgebildet auf alten Postkarten als besondere Hirschhorner Sehenswürdigkeit, schaute sich Spiegelberg zufolge der Landwehrmann fast 75 Jahre lang das Treiben auf dem Freien Platz an, bis er Opfer der Verkehrsumgestaltung wurde. Übrig blieb nur sein Eisenkopf, der heute im Langbein-Museum präsentiert wird. Das Denkmal musste sich so manchen Scherz gefallen lassen. Früher gab es nur wenige, vor allem männliche Hirschhorner, die nicht versucht hätten, ihre Kletterkünste an ihm auszuprobieren. In Weinheim steht heute noch einer seiner Zwillingsbrüder.

Bild: Stadtarchiv Hirschhorn

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