Mit viel Lärm wird es auf der Rothenberger Höhe feurig

Der Begriff „Lärmfeuer“ war durchaus wörtlich zu nehmen: Laut prasselnd, Funken sprühend und mit dichtem Qualm verkündeten die ausgedienten Weihnachtsbäume von der Rothenberger Höhe aus vom Beginn des feurigen Spektakels. Die Feuerwehr beteiligte sich zum sechsten Mal an der Odenwaldweiten Aktion, dessen Ursprungsgedanke bereits den Römern zugeschrieben wird. Dieses Mal hatte man sich mit dem Bogenschützen Michael Dorsch aus Klein-Heubach eine besondere Attraktion zum Anzünden mit Brandpfeilen geholt.

Bei herrlichen Wetter wurden die Floriansjünger von den Besuchern förmlich überrannt. Mehrere hundert Gäste waren es am Abend, die sich das Schauspiel auf dem 470 Meter hohen Hügelrücken zwischen Beerfelden und Hirschhorn nicht entgehen lassen und gleichzeitig die Gastfreundschaft der Feuerwehr genießen wollten. Schon zeitig gab es kaum noch Sitzplätze im eng bestuhlten Feuerwehrhaus, das zu diesem Zweck von den Fahrzeugen „befreit“ worden war. Auch die Open-Air-Sitzbänke wurden in der untergehenden Sonne gerne angenommen.

In den Jahren zuvor habe man immer ein Fastnachtsfeuer veranstaltet, „das wir aber aufgrund rückläufigen Zuspruchs nicht mehr durchführten“, berichtet Jugendbetreuer Jan Johe vom Feuerwehrverein. Nach einem Frühlingsfeuer 2010 stießen die Rothenberger auf der Suche nach neuen Ideen im Jahr darauf auf die Lärmfeuer „und wir beteiligen uns seitdem jedes Jahr an diesen“. Mit viel Erfolg.

Den Feuerwehrleuten ist dabei wichtig, dass es „kein normales Grillfest“ ist, sondern dem Event ein besonderer Charakter zukommt. Deshalb erwarten im beheizten Feuerwehrgerätehaus Jugendfeuerwehr und Einsatzabteilung die Gäste mit zünftigen Speisen. Als Spezialität aus der germanischen Provinz gab es an diesem Abend „Salzfleisch mit Erdrüben“, dazu natürlich auch klassische schmackhafte Gerichte wie Kartoffeln mit Quark, Steak oder Bratwurst – aber die vom mit Holzkohle befeuerten Schwenkgrill.

Zu der Großveranstaltung ist so gut wie die gesamte Rothenberger Ortsteil-Feuerwehr auf den Beinen. Schon Ende des vergangenen Jahres gingen die Vorbereitungen fürs Lärmfeuer los, nach Fastnacht folgten die Detailplanungen. Am Tag selbst ist dann die komplette Jugendfeuerwehr mit über 25 Mitgliedern im Einsatz und kümmert sich um das Wohl der Gäste. Die Mitglieder der Einsatzabteilung rücken bereits morgens an und erledigen 15 Mann stark den Aufbau. Nicht zu vergessen die zehn Jugendbetreuer. Geplant wird alles vom Jugendausschuss.

Am Abend herrscht dann Hochbetrieb. Zwischenzeitlich reichen die Kapazitäten kaum noch aus. „Kein Vergleich zum letzten Jahr, als es regnete“, freut sich Jan Johe über den großen Andrang. Dann packen alle mit an. Timm Bartmann, der zweite Vorsitzende des Feuerwehrvereins, ist am Schwenkgrill der Mann der Bratwürste und legt im Minutentakt nach. Gemeindebrandinspektor Marco Johe kümmert sich an den beiden Kesseln darum, dass die Kartoffeln nicht ausgehen.

Für die Kinder ist die Veranstaltung ein großes, beeindruckendes Spektakel. Das archaische Element Feuer hat seine ganz eigene Magie. Die Kleinen schauen nicht nur fasziniert zu, wie sich die warmen, hellen, prasselnden Flammen immer weiter in die Christbäume hineinfressen, die die Jugendfeuerwehr Anfang Januar eingesammelt und dann neben dem DRK-Heim zwischengelagert hatte. Für sie gibt es daneben auch mit einbrechender Dunkelheit eine Fackelwanderung über die Felder und Wälder auf der Höhe. 40 Kinder waren mit ihren Eltern dieses Mal unterwegs.

Wenn das Feuer langsam am Niederbrennen ist, schlägt die große Stunde des Feuerkünstlers Jeremy. Der Gammelsbacher Ralf Breitinger ist mit seiner Show bereits regelmäßiger Gast beim Lärmfeuer. Ein großer Kreis bildet sich schnell um seine Darbietung, wenn er mit brennenden Reifen, Stühlen, Fackeln oder Diabolos jongliert. Krönender Abschluss dabei natürlich die meterhohe gespuckte Flamme.

Lärmfeuer

Das Lärmfeuer hat ein lange Tradition: In früheren Zeiten war es ein nützliches Instrument, um schnell über große Entfernungen vor Gefahr etwa im Falle eines Angriffs warnen zu können. Die deutschen Wörter Lärm und Alarm kommen vom französischen „all‘armes“, was „zu den Waffen“ bedeutet.

Im Odenwald sollen Lärmfeuer schon von den Römern gezündet worden sein: Zur Warnung vor dem Feind, der aus dem Westen drohte, haben sie während der Zeit der germanischen Provinz (1.-4. Jahrhundert n. Chr.) aller Wahrscheinlichkeit nach eine bemannte Signalkette vom Rhein bis zum Limes unterhalten.

Der Limes verläuft im östlichen Odenwald, er zieht sich von der Wetterau über den Main bei Obernburg und über den Höhenzug von Lützelbach im Norden bis Schloßau im Süden und weiter Richtung Bad Wimpfen. Er war jedoch nur von ca. 110 bis 160 n.Chr. besetzt und wurde dann weiter nach Osten verlegt.

Die einzelnen Veranstaltungsorte der Lärmfeuers, etwa 30 an der Zahl, erstrecken sich über ein Gebiet von etwa 8000 Quadratkilometern vom Rhein bis ins Herz des Odenwaldes und bilden dadurch die „weltgrößte Open-Air-Veranstaltung“. Mit dem Lärmfeuer-Projekt wird der Versuch unternommen, eine historische Kommunikationsmethode vor dem Vergessen zu bewahren.

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