Drei Brunnen sorgten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts für das komplette Wasser in Hirschhorn

Wer heute Wasser braucht, dreht einfach den Wasserhahn auf. Früher war das nicht ganz so einfach, weiß der Hirschhorner Geschichtskenner Ulrich Spiegelberg. Erst in den Jahren 1891/96 habe die Stadt eine zentrale Wasserversorgung erhalten, an die die Häuser angeschlossen wurden. Bevor man sich zum Bau der Wasserleitung entschloss, wurden die Bürger befragt, wer sich überhaupt beteiligen wolle.

Hirschhorn hatte ursprünglich nur drei Brunnen, die mittels Deichelleitung von den städtischen Quellen gespeist wurden: einen am Böcklestor/Hirschgasse, den Marktbrunnen und einen auf dem alten Markt (im Bereich der heutigen Sakristei der Marktkirche). Jegliches benötigtes Wasser in der ganzen Stadt musste aus diesen geholt werden. So gab es auch genaue Regelungen, wann die Brunnen zur Viehtränke bereit standen oder wann die Bierbrauer Wasser entnehmen durften. 1860 kamen zwei neue dazu: einer im Vorderstädtchen (heute noch vorhanden neben Haus Hauptstraße 40) und einer im Hinterstädtchen (heute etwas versetzt beim Treppenaufgang neben der „Anlage“).

1809 erhielt der Marktbrunnen einen neuen Stock, 1812 wurde ein neuer Brunnensarg sowie -stock gefertigt. Hergestellt wurden die Teile des alten Marktbrunnens vom ortsansässigen Steinhauer Wilz, der auch einen der früheren Steinbrüche gepachtet hatte. Der Brunnen auf dem alten Markt ist laut Spiegelberg wohl noch im 19. Jahrhundert entfernt worden, der alte Marktbrunnen wurde in den 1960er Jahren bei der Umgestaltung des Platzes zerschlagen.

Der Sandstein des alten Marktbrunnens war dem Historiker zufolge besonders gut geeignet zum Schleifen von Ackergerät und Werkzeugen. Entsprechend hatte der Brunnentrog zahlreiche Wetzmarken, was ihm ein charakteristisches Aussehen verlieh. Es gab in der Gasse „An der Stadtmauer“ noch einen mittelalterlichen Brunnentrog, vielleicht der Vorläufer-Trog des Marktbrunnens mit Datierung aus dem 15. Jahrhundert. Er wurde in den 1950er Jahren allerdings ebenfalls zerschlagen.

In den Stadtrechnungen finden sich immer wieder Ausgaben zum Winterschutz der Marktbrunnen (Abdichtung mit Stroh als Vereisungsschutz) sowie Auftauen/Freimachen des zugefrorenen Brunnenablaufs in die Stadtmauer. Einer der städtischen „Angestellten“ war auch der Brunnenmeister. Probleme gab es bei der Wasserversorgung manchmal mit den Wirten, so Spiegelberg. Diese entnahmen aus der städtischen Wasserleitung Brauwasser entgegen den Absprachen.

Im städtischen Strafregister tauchen nach den Worten von Spiegelberg auch immer wieder Bürger auf, die verbotenerweise Geschirr oder Wäschestücke im Brunnen saubermachten. Dies war streng verboten und wurde mit Geldstrafen geahndet. 1992 wurde der heutige Marktbrunnen errichtet, der sich gestaltungsmäßig mit der Bronzeplastik der Pariser Künstlerin A.M. Georjon an seinen Vorgänger anlehne. Damit wurde dem alten Hirschhorner Marktplatz ein wichtiges Attribut zurückgegeben.

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