Großer Kennenlerntreff beim Hirschhorner Arbeitskreis Flüchtlinge

„Die Arbeit läuft derzeit sehr ruhig“, sagte Bürgermeister Rainer Sens beim vergangenen Treffen des Helferkreises Flüchtlinge. Verschiedene Familien würden kontinuierlich betreut, „es gibt keine Reibungspunkte“. Der Kreis war diesmal sehr groß, denn neben zwei syrischen Familien war auch eine Gruppe junger Männer aus Pakistan zum gegenseitigen Kennenlernen in die Mark-Twain-Stube gekommen.

Der Bürgermeister wies darauf hin, dass die Zuweisung von Flüchtlingen stark abgenommen habe. Anfang des Jahres hieß es noch, dass Hirschhorn viele Plätze zur Verfügung stellen solle, „aber jetzt ist der Druck raus“. Marion Kostial vom Migrationsdienst Bergstraße des Caritasverbands Darmstadt mit Sitz in Bensheim ergänzte, dass es entsprechende Signale auch vom Regierungspräsidium gebe. „Es kommen viel weniger Flüchtlinge nach Deutschland.“

Die „Luft“ könne man nun nutzen, um „ganz viele Aufgaben“ jetzt qualitativ angehen zu können. Sens sah dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Wir können ruhiger arbeiten und die Integration vertiefen“, sagte er. Andererseits habe er mit Blick auf die EU-Außengrenzen „kein gutes Gewissen“, sich diese Ruhe „mit Menschenleben zu erkaufen“.

Kostial war nach Hirschhorn gekommen, um die verschiedenen Schulungseinheiten für die Odenwald-Gemeinden vorzustellen. Ihr ging es außerdem darum, einen regionalen Austausch der verschiedenen Helferkreise im Steinachtal, Überwald und Neckartal in die Wege zu leiten. „Wir wollen herausfinden, wer was von anderen lernen kann“, sagte sie, womit Helferkreise Beispiel gebend für andere Hilfsorganisationen sein könnten.

Sie verwies außerdem darauf, dass aus einer 9000-Euro-Spende des ehemaligen Landrats Matthias Wilkes auch eine Summe für Hirschhorner Flüchtlingskinder verwendet werden könnte. Etwa in Form eines gemeinsamen Ausflugs. Oder, wie Tina Feldmann ins Spiel brachte, eines Grillfestes für alle.

Tina Czemmel-Zink, die in der Stadtverwaltung die Flüchtlingsbetreuung koordiniert, antwortete auf Kostials entsprechende Frage, dass sich aktuell etwa 30 ehrenamtliche Helfer um die Migranten kümmerten. 27 von den in Hirschhorn untergebrachten seien aktuell noch nicht anerkannt, weitere in der Stadt bereits mit Aufenthaltserlaubnis wohnhaft.

Um die Pakistani, die derzeit in der ehemaligen „Linde“ untergebracht sind, kümmert sich Tariq Ahmad Sheikh. Er wohnt seit einem Jahr in Hirschhorn, ist im Verein Ahmadiyya Muslim Jamaat aktiv und saniert aktuell die „Forelle“. Wie er erläuterte, sei die Muttersprache der Flüchtlinge Punjab, die Landessprache Pakistans Urdu. Von der Sprache her dem Hindi Indiens nahe, von der Schreibweise dem Persischen.

Neben Sheikh stellten sich weitere Ehrenamtliche des Helferkreises den Anwesenden vor. So etwa Bernhard Bannert und Gisela Mauve, die Deutschkurse für verschiedene Zielgruppen anbieten. Tina Feldmann und Marianne Heisner betreuen die Kleiderkammer, die jeden Mittwoch von 14 bis 16 Uhr geöffnet ist. Terminvereinbarung für Spenden unter Telefon 06272-5130675 (Heisner) oder 06272-1052 (Feldmann). Feldmann forderte auch dazu auf „zu sagen was fehlt“. Dann könne man gezielt nachfragen. Christiane Weber hilft einer Familie aus Afghanistan im täglichen Leben.

Bürgermeister Sens sagte, dass der FCH signalisiert habe, für junge Männer ein Angebot zum Fußballspielen machen zu wollen. Daneben wolle er sich darum bemühen, dass über den Bauhof Arbeitsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt würden. Auf diese Weise könne man die Pakistani an die hiesige Arbeit heranführen und sie lernten Menschen kennen – anstatt in der Linde „immer nur die Decke anstarren zu müssen“. Diese Tätigkeit werde über den Kreis mit 1,05 Euro pro Stunde vergütet.

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