Neuer Neckar-Fährmann hält Verbindung zwischen Neckarhausen und Neckarhäuserhof aufrecht

Der alte (Aushilfs-)Fährmann ging von Bord, der neue enterte die schwankenden Planken: Der Fortbestand des Fährbetriebs zwischen dem hessischen Neckarhausen (Neckarsteinach) und dem badischen Neckarhäuserhof (Neckargemünd) ist gesichert. Der 52-jährige Dominic Schott, re., trat vor kurzem in die Fußstapfen von Otto Kaufmann (li.). Zur Verabschiedung und Einführung veranstaltete der Freundeskreis Fähre ein kleines Fest. Dabei durfte als Musikstück Freddys „Junge komm bald wieder“ natürlich nicht fehlen.

Dass Dominic Schott die Nachfolge antrat, ist einem glücklichen Zufall zu verdanken. Denn er kam das erste Mal vor 16 Jahren mit dem Rennrad an dieser Stelle vorbei – als er von Speyer nach Schwetzingen gezogen war und eine neue „Odenwald-Runde“ fürs Radeln suchte. Der Fährbetrieb hatte es ihm gleich angetan, aber bis er dann selbst auf dem schwimmenden Untergrund stehen würde, sollten noch etliche Jahre vergehen.

Immerhin kennt sich Dominic Schott mit Gewässern aus: „Ich bin am Rhein aufgewachsen“, sagt der 52-jährige, aus Rheinhausen stammende. Und befuhr dann während seiner Bundeswehrzeit die Weltmeere. Auf dem Zerstörer „Rommel“ war er unter anderem ein Jahr lang in der Karibik und im Nordmeer unterwegs. Beste Voraussetzungen also, um später auf ein so ruhiges Gewässer wie den Neckar zu wechseln.

Dass es den mittlerweile in Wiesloch-Schatthausen wohnhaften als Fährmann auf den Fluss verschlagen würde, war fast ein ebenso großer Zufall wie der Erstkontakt. Denn als Schott, von Beruf gelernter Schlosser, auf einer seiner Radtouren mal wieder am Neckarhäuserhof Station machte, erfuhr er, dass ein Nachfolger für den sowieso nur aushilfsweise tätigen Otto Kaufmann gesucht wurde. Zweiter, weiterhin tätiger Fährmann ist Achim Landwehr.

Schott überlegte nicht lange. „Ich habe die Gelegenheit beim Schopf ergriffen“, schmunzelt er. „Wenn ich das nicht getan hätte, würde ich mich ewig ärgern“, macht er deutlich, dass er sich damit schon etwas wie einen Lebenstraum erfüllte. Da sich sein bisheriger Job sowieso gerade erledigt hatte, „habe ich mich für die Ausbildung zum Fährmann angemeldet“.

Die dauert ein Jahr und umfasst einen voluminösen theoretischen Teil. „Gezeiten-, Strom- und Gewässerkunde, Beleuchtungen der Schiffe, Technik, Rettungsmittel“, rattert Schott herunter. Die Prüfung war in Mainz, die Praxis dann direkt vor Ort auf dem Neckar. „Damit darf ich nun Fähren in ganz Deutschland betreiben“, meint Schott stolz.

Denn auf dem Neckar gibt es nicht mehr viele Schiffe. Genau genommen zwei, und zwar ironischerweise jeweils in Neckarhausen. Einmal mit dem Zusatz Neckarhäuserhof, einmal mit Ilvesheim bei Mannheim. Die Fähren in Haßmersheim und Zwingenberg wurden durch den dortigen Brückenbau vor einigen Jahren aufgegeben.

Dass letztere 2011 eingestellt wurde, erwies sich für die Neckarhäuser Flussquerung im Nachhinein als ein kleiner Glücksfall. Denn drei Jahre später musste in Neckarhausen Wolfgang Nollert krankheitsbedingt aufhören. Mit Achim Landwehr gab es somit nur noch einen Färcher. Otto Kaufmann aus Zwingenberg, eigentlich schon im Pensionsalter, hatte noch „Kapazitäten“ frei und konnte als Krankheitsvertretung einspringen. Dass diese dann zwei Jahre dauern würde, hätte er sich zuvor auch nicht ausgemalt.

Stichworte Neckarfähre:

1803: Fährnachen mit dem Namen „Napoleon“ überliefert

1837: erster regulärer Fährbetrieb mit einem ständigen Färcher, der bis heute Bestand hat

1888: neue, eiserne Gierbundfähre

1933: Nach dem Bau der Neckar-Staustufen wurde eine Hochseilgierfähre aus der Schiffswerft Ph. Ebert & Söhne in Neckarsteinach in Betrieb genommen. Diese wurde mittels einer in Fahrtrichtung liegenden Verholkette über den Neckar gezogen.

1958: Diese kraftraubende Tätigkeit fand durch den Einsatz eines Dieselmotors ein Ende. Diese Fähre ist auch heute noch in Betrieb und somit bereits 83 Jahre alt.

Sommer-Fährbetrieb: Montag bis Samstag 6 bis 20.30 Uhr, Sonn- und Feiertage 8 bis 20.30 Uhr, Pause 12.15 bis 12.45 Uhr.

Infotelefon Fähre: 0152-25248016 (nur Anrufbeantworter mit aktuellen Fährinfos zu Hochwasser, technischen Störungen etc.)

neckarhäuserhof-fähre-kaufmannDSC_1032 - Kopie DSC_1029 - Kopie DSC_1028 - Kopie

Advertisements