Schöner Querschnitt der Bläserchor-Arbeit beim Festkonzert in Neckarsteinachs evangelischer Kirche

Großer Bahnhof zum Festkonzert anlässlich des 70-jährigen Bestehens: Der Bläserchor hatte in die evangelische Kirche zu musikalischen Darbietungen von der Renaissance über Barock, Klassik und Romantik bis hin zur Moderne eingeladen. 90 Minuten lang unterhielt das Ensemble, von viel Applaus und Freude über das Gehörte begleitet, die das Kirchenschiff bis auf den letzten Platz füllenden Gäste. Mittlerweise hat man sich ein gutes Stammpublikum erarbeitet, das die Chor-Arbeit seit Jahrzehnten verfolgt.

Das Konzert präsentierte einen schönen Querschnitt dessen, was der Bläserchor aktuell spielt. Aber auch die musikalische und Chor-Historie kamen zu ihrem Recht. Alles begann vor 70 Jahren mit dem Organisten und langjährigen Dirigenten Georg Huber, der 1946 mit seinem Sohn Richard die ersten Töne als „Evangelischer Bläserchor“ bei einem Gemeindefest spielte: „Ich will dich lieben, meine Stärke“ war der allererste Choral, den Vater und Sohn vortrugen. Ganz in der Tradition der Posaunenchor-Bewegung stehend, die Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Anfang nahm. Damit startete auch das Festkonzert.

In den 70 Jahren des Bestehens gab es bisher drei Dirigenten: Georg Huber bis 1966, Christian Ebert von 1966 bis 1999 und seitdem Klaus Thieme. Jeder Wechsel hatte auch eine Erweiterung des Repertoires zur Folge. Da sich parallel die Zahl sehr gut ausgebildeter und professioneller Kirchenmusiker erhöhte, ist es kein Zufall, dass viele Stücke aus der jüngsten Vergangenheit zum Vortrag kamen, die für Posaunenchöre komponiert wurden. Dazu zählten die Variationen über ein Thema von Anton Dvorak, „A Brighter Day“ und „Happy“ von den Zeitgenossen Michael Schütz und Attila Kalmann oder mit „Groove IV“ ein gemeinsames Stück mit den Jungbläsern.

Zum gängigen und ständig gepflegten Repertoire gehört auch die Musik vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Das ist für einen Bläserchor eine Besonderheit, denn diese historische Tiefe wird im Amateurbereich sonst nur von Posaunenchören gepflegt. Natürlich handelt es sich hierbei um Bearbeitungen, da es die Posaunenchöre erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts gibt.

Im Konzert waren die Epochen vertreten durch di Lasso („Providebam Dominum“, Spät-Renaissance), Pezelius (Barock), Sammartini („3 Sätze – Allegro molto, Adagio, Allegro ma non tanto“, Frühklassik), Haydn (Klassik), Mendelssohn-Bartholdy („Richte mich, Gott“, Romantik) und viele Zeitgenossen. Bürgermeister Herold Pfeifer gratulierte vor der Zugabe dem Chor seitens der Stadt zum Jubiläum und übergab ein Couvert zur Förderung der Jugendarbeit.

Der eigene Nachwuchs hat im vergangenen Jahr zugelegt, seitdem der Bläserchor beschlossen hatte, ihn gemeinsam mit den Musikfreunden auszubilden. Zu den Blech- gehören auch Holzbläser. Die elf jungen Musiker spielen Trompete, Tenorhorn und Tuba und sind sozusagen die „Blech-Abteilung“ des Jugendorchesters. Sie musizierten zweimal alleine, zweimal mit den Älteren zusammen im Doppel-Chor.

Der Bläserchor gehört bei vielen, meist festlichen Anlässen der evangelischen Kirchengemeinde „einfach dazu“. Dabei kann man auf ein breites Repertoire zurückgreifen – was nicht nur der Blick in den proppenvollen Notenschrank beweist, sondern auch die Programme der vielen Konzerte, die der Chor in den vergangenen sieben Jahrzehnten gegeben hat.

Der Chor wuchs ab 1946 rasch, junge Bläser kamen dazu. Die nächste Generation, verkörpert durch Christian Ebert, übernahm Mitte der 60er Jahre den Dirigentenstab. Neben die Choräle des Kirchengesangbuches und anspruchsvolle Vorspiele traten nun freie Spielmusiken. Um die Gemeindefeste zu begleiten, erweiterte Ebert das Repertoire um weltliche Unterhaltungsmusik. Dies wurde unter der Leitung von Klaus Thieme (seit 1999) konsequent weiterverfolgt.

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