Im Beerfelder Schwanen: Unvergessene Ohrwürmer von Reinhard Mey originalgetreu interpretiert

Ein Mann und seine Gitarre. Mit geschlossenen Augen steht vorn Reinhard Mey und trällert nacheinander seine bekanntesten Stücke, unvergessene Ohrwürmer, die seit Jahrzehnten begleiten. Selbst wenn man den Liedermacher und seine Songs nicht näher kennt, so hat er sich doch längst mit seinen Gassenhauern ins Gedächtnis eingegraben. Augen wieder auf und der Mann vor den Stühlen sieht Mey nicht wirklich ähnlich: Reiner Rosskopf versteht es allerdings meisterhaft, einen authentischen Mey-Sound im April auf die Bühne zu zaubern.

Reiner Rosskopf als täuschend echter Mey-Darsteller bot in seiner zweieinhalbstündigen Show ein tolles Programm, das mehr Zuschauer als die 40 im Nebenraum der Vesperstube Schwanen verdient gehabt hätte. Die, die gekommen waren, zeigten sich restlos begeistert von der Darbietung. Denn Rosskopf spielt nicht nur stur die Stücke runter, sondern hat zu praktisch allen ein paar launige Worte, eine Geschichte zur Entstehung oder auch eine besondere Verbindung zu dem einen oder anderen Song.

Hintergründe aus seinem und dem Leben von Reinhard Mey runden das Komplettpaket ab. Rosskopf interpretiert sein Idol wie kaum ein anderer: nicht nur durch seinem dem Künstler täuschend ähnlichen Gesang in Tonfall und Stimmlage, sondern auch durch sein virtuoses, perfektes Spiel auf der Gitarre.

Mit seinen charmanten und amüsanten Wortbeiträgen vermag der Künstler schnell eine Brücke zum Publikum zu schlagen. Da von diesem in Form von fleißigem Applaus ebenso viel zurückkam, zeigte sich Rosskopf mit Abend und Ambiente im Schwanen mit der Theaterbestuhlung mehr als zufrieden. „Musikanten sind in der Stadt“ hieß passend sein erstes Stück, das Programm beschloss er mit „Gute Nacht, Freunde“ ebenso auf den Punkt gebracht.

Natürlich durften im prall gefüllten Set die Ohrwürmer und bekanntesten Stücke des Liedermachers nicht fehlen. „Kaspar“, „Über den Wolken“, „Keine ruhige Minute“, „Wie vor Jahr und Tag“ oder der „Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars“, das Anfang der 90er Jahre im Radio hoch und runter lief, ließen bei den Besucher wohlige Erinnerung an vergangene Jahrzehnte hochkommen.

„Der Mörder ist immer der Gärtner“ wurde so zur langen Geschichte mit überraschender Pointe, bei der Rosskopf seine Zuhörer auf die Folter zu spannen wusste. Aus dem reichhaltigen Mey-Fundus hatte er für alle Lebenslagen Lieder mit viel Tiefgang parat. So über das Trinken („Ihr könnt zwischendurch was bestellen gehen, aber ich wiederhole die Strophe nicht extra“) in Gestalt von „Freunde lasst uns trinken“ mit dem „Augenblick der Ewigkeit“.

„So langsam kann ich mir den Text merken“, meinte Rosskopf lächelnd. Denn er habe sich weiterentwickelt, nachdem er mit dem Programm zu Beginn „auf der Taufe von einem Bekannten“ gespielt habe. Wobei, so der Musiker einschränkend, es werde mit der Erinnerung wieder schwieriger, „wenn man auf die 50 zugeht“. Und da es hierfür auch ein Lied von Reinhard Mey gibt, stimmte er gleich dieses an.

Wer kennt sie nicht, die gefühlvollen Chansons und Balladen des wohl bekanntesten deutschen Liedermachers. Seit bald fünf Jahrzehnten füllt Reinhard Mey die Konzertsäle und besingt das Leben wie es ist, mal heiter, mal betrübt, auf jedem Fall immer ganz nah am Menschen. Der Künstler ist eine Institution der deutschen Liedermacher-Szene. Zwischen 1967 und 2013 erschienen von ihm 26 Studioalben. Das erste 1967 mit dem Namen „Ich wollte wie Orpheus singen“, das letzte „Dann mach’s gut“ 2013.

Seine Lieder zeichnen sich durch oft umfangreiche Texte und eingängige Melodien aus. Sie sind stark vom französischen Chanson beeinflusst, manche zeigen außerdem Einflüsse von Countrymusik. Mey behandelt in seinen Songs im Wesentlichen aus dem Leben gegriffene Themen: Liebeslieder, Stücke über das Fliegen und den Tod oder einfach nur satirische Betrachtungen.

Info: Im Schwanen sollen übers Jahr zwischen vier und sechs Veranstaltungen stattfinden, erläuterte Michael Reinhard, der sich ums kulturelle Programm kümmert. Gedacht sei an die Etablierung der Vesperstube als eine Art Kleinkunstbühne. Für Spätjahr ist ein volkstümlicher Abend mit einem Beerfelder Duo vorgesehen, am vierten Adventssonntag Musik und Geschichten zur Weihnachtszeit mit überwiegend keltischen Folk-Stücken durch das Duo „Sehnsucht“, zwei Musiker von „Dhalias Lane“.

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