Der südliche Odenwald gedenkt am 5. Mai des Raubacher Jockels an seinem 150. Geburtstag

Eines der bekanntesten Originale des Odenwaldes würde am 5. Mai seinen 150. Geburtstag feiern: der „Raubacher Jockel“ Jakob Ihrig. Er ist auf beiden Seiten des Raubacher Hügelrückens, in Oberzent und Überwald, gleichermaßen bekannt. Sein Heimat- und Begräbnisort, der Rothenberger Weiler Raubach, gedenkt des Jockels an zwei Tagen. Am Donnerstag, 5. Mai, wird bei einer Feierstunde ein kleines Büchlein vorgestellt, am Freitag, 6. Mai, folgt das „Jockelsfest“ zu seinen Ehren.

Aus Anlass des 150. Geburtstags des im Odenwald weithin bekannten Originals haben die Heimatschriftsteller, der ehemalige Landrat Horst Schnur und Dr. Rolf Reutter, eine Broschüre verfasst. Die Lebensgeschichte des Jakob Ihrig, der am 5. Mai 1866 geboren und am 24. Oktober 1941 im Alter von 75 Jahren gestorben ist, wird auf 73 Seiten mit zahlreichen Bildern illustriert.

Im Sterberegister der evangelischen Pfarrei Beerfelden findet sich hinter seinem Namen die Bezeichnung „Original des hinteren Odenwaldes, Musikant, Köhler, Uhrmacher, Totengräber“.Sein unstetes Leben erzählen Schnur und Reutter mit zahlreichen Begebenheiten und Anekdoten lebendig. Als ärmlicher, aber lebensfroher Tagelöhner aus dem Rand der Gesellschaft ist er im Gedächtnis der Menschen der Region lebendiger geblieben als viele Prominente hoch zu Pferd. Der Text begleitet den Raubacher Jockel mit seiner Familiengeschichte durch den Wandel der Zeit bis zu seinem Lebensende in der Dachkammer und der Versorgung durch die Dorfgemeinschaft mit der heute noch vielfach bekannten „Jockel-Suppe“.

Die Broschüre enthält zudem Informationen zur Gründung des Dorfes Raubach im Jahre 1749, Erinnerungen an viele Odenwälder Originale und eine unveröffentlichte Schilderung des Zeitzeugen Gustav Siefert aus dem Jahre 1936. Die Autoren verzichten auch nicht auf die Beschreibung der Rolle des Raubacher Jockels in vielfältigen literarischen Veröffentlichungen und Theaterstücken.

Zum offiziellen Teil treffen sich die Jockel-Freunde auf Einladung der Gemeinde am Donnerstag, 5. Mai, um 15 Uhr im ehemaligen Schulhaus, wo bereits ein Museum das Gedenken an Jakob Ihrig wachhält. In der Schule werden Horst Schnur und Rolf Reutter ihr Buch vorstellen. Im Anschluss trifft man sich am Gedenkstein auf dem Friedhof, wo Pfarrer Reinhold Hoffmann das Leben von Jakob Ihrig Revue passieren lässt. Jürgen Poth, auch unter dem Namen „Guggugg“ bekannt, trägt Lieder in Mundart vor.

Das tut er auch noch einmal drei Tage später im Hoftheater auf der Tromm: Der Mundart-Liedermacher lässt dann am Sonntag, 8. Mai, den Werdegang des Musikanten, Gemeindedieners und Totengräbers in seiner dörflichen Umgebung „tief im Odenwald“ musikalisch vorbeiziehen.

Zum Dorffest anlässlich des 150. Geburtstags des Raubacher Jockels wird in der Raubach am Freitag, 6. Mai, ein Festzelt gestellt. Los geht’s um 12 Uhr, wenn die Küche öffnet. Ab 13 Uhr gibt’s Unterhaltungsmusik mit Harald Walz, ab 17 Uhr Musik und Geschichten über das Odenwälder Original, wieder „gsunge un verzählt vum Guggugg“ Poth. Karten fürs Konzert im Vorverkauf unter Telefon 06068/2183. Veranstalter sind Gemeinde Rothenberg und Interessengemeinschaft Raubacher Jockel.

In Wald-Michelbach führen zu Ehren des dort mit einem Denkmal verewigten Jockels die Sommerspiele Überwald noch einmal ihr Erfolgsstück aus dem vergangenen Jahr auf. „Der Raubacher Jockel – ein Singspiel“ heißt es am Freitag, 6. Mai, und Samstag, 7. Mai, jeweils 20 Uhr in der Rudi-Wünzer-Halle. Kartenvorverkauf: Gemeinde Wald-Michelbach, Telefon 06207-9470; Kurverwaltung Grasellenbach, Telefon 06207-2554.

Info: Das Büchlein von Horst Schnur und Rolf Reutter im Format DIN A5 hat 73 Seiten und ist reich bebildert mit zahlreichen Quellenangaben und Literaturhinweisen. Es ist im Buchhandel und in den Touristikstellen zum Preis von 4,90 Euro erhältlich.

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