Raubach gedenkt auf dem Friedhof seines bekanntesten Sohns: des „Raubacher Jockels“

Auf dem kleinen Friedhof des Rothenberger Weilers wurde des berühmtesten Sohns gedacht: Hier liegt der „Raubacher Jockel“ Jakob Ihrig begraben, am 5. Mai vor 150 Jahren geboren und vor 75 Jahren in seinem Heimatdorf verstorben. Pfarrer Reinhold Hoffmann ließ dort das Leben des Jockels Revue passieren. Heimatliedersänger Jürgen Poth als „Guggugg“ trug einige Stücke in Mundart vor.

Bürgermeister Hans Heinz Keursten zitierte aus der im neuen Büchlein von Horst Schnur und Rolf Reutter abgedruckten Grabrede von Pfarrer Orth vom 26. Oktober 1941. Der habe vor einer großen Trauergemeinde die allgemeine Wertschätzung der Menschen zum Ausdruck gebracht: „Ich habe ihn leider nicht kennen lernen dürfen, den guten Raubacher Jockel, von dem der ganze hintere Odenwald irgendein humorvolles Stückchen zu erzählen weiß“, sagte der damalige Pfarrer am Grab.

„Und doch wollte ich versuchen, aus dem Gehörten ein Lebensbild zu zeichnen von dem frohen Waldarbeiter und Köhler, von dem kundigen Uhrmacher, von dem lustigen Musikanten, der euch die heiteren Stunden verschönte und der dann auch wieder der Dorfgemeinschaft in ernsten Stunden als treuer Totengräber diente. Diesen seltenen Menschen, der in Freud und Leid ein immer fröhlich Herz bewahrte und den ihr in so einem Beweis von echter Dorfgemeinschaft und christlicher Nächstenliebe versorgt habt. Wollte ich versuchen, ein Lebensbild des Verstorbenen zu zeichnen, ihr würdet mit vollem Recht empfinden, ein Fremder versucht uns zu sagen, was wir alles selbst doch so viel besser wissen“, trug Keursten weiter Orths Worte vor.

Beeindruckend sei ein Artikel von Gustav Siefert, einem Schwager des Schreinermeisters Eugen Siefert aus Finkenbach, zum 70. Geburtstag des „Raubacher Joggel“ gewesen. Dieser sei jetzt zum ersten Mal in der Broschüre veröffentlicht. „Wenn er uns sieht, wird seine Freude bestimmt groß sein“, meinte Keursten mit Blick auf den Besuch am Grab.

Ob in vorhandener Literatur, Überlieferung oder durch Zeitzeugen, wie Georg Sauter aus der Raubach, „wird der Jakob Ihrig als liebenswerter, lustiger und ehrlicher Mensch beschrieben“, so Keursten. Er habe in einer Zeit der Entbehrung gelebt, in der aber Jakob Ihrig den Menschen in der Region mit seiner Musik viel Freude bereitet habe. Sein „hämisches Verhalten“, gerne der Obrigkeit gegenüber, habe dazu beigetragen, „dass seine Geschichten bis heute noch viel Freude bereiten, wenn man sie hört oder liest“.

Manche Aussage, der Jockel sei ein „Tagdieb“ gewesen, sehen die Verfasser der Broschüre ganz anders, hob Keursten hervor. Auch Sauter, der als Kind und Jugendlicher Jakob Ihrig noch persönlich kennengelernt hatte, wandte sich gegen diese Gerüchte. Diese machten ihn wütend, bekundete er-. Jakob Ihrig sei eine absolut ehrliche Haut gewesen. „Der Jockel hat lieber noch 50 Pfennig dazugelegt als eine Mark weggenommen“, habe seine Großmutter gesagt. Die pflegte ein gutes Verhältnis zum Jockel.

Sauter erwähnte, dass sich die Raubacher Dorfgemeinschaft in seinen letzten Lebensjahren liebevoll um den bekanntesten Sohn der Raubach kümmerte. Nicht nur, dass er reihum von den Familien verpflegt wurde – als er krankheitsbedingt nicht mehr schlucken konnte, wurde eigens die nahrhafte „Jockel-Suppe“ kreiert, die sich als Begriff bis heute erhalten habe.

Pfarrer Hoffmann ging in seinen Worten auf die Gründung des Ortes Raubach ein. Die Besiedlung sei ursprünglich über sieben Familien erfolgt, die in ihren Heimatorten als Nachgeborene kein Land mehr bekommen hätten. Er erwähnte hinaus die starke und verschworene Raubacher Dorfgemeinschaft, die auch in der Betreuung des Jockels in seinen späten Jahren zum Ausdruck gekommen sei.

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