Seit 35 Jahren gibt es die Partnerschaft von Hirschhorn mit dem französischen Château-Landon

Es waren ernste, eindringliche Worte, die sowohl Bürgermeister Rainer Sens als auch seine französische Amtskollegin Pascale Pinguet aus der Partnerstadt Château-Landon wählten. Beide warnten beim Empfang der 50-köpfigen Reisegruppe im Hirschhorner Bürgerhaus vor einem Auseinanderdriften Europas, vor einem Erstarken der radikalen Kräfte, die wiederum diffuse Ängste produzieren könnten. Deshalb sei es umso wichtiger, dass die Freundschaft zwischen den Menschen selbst, auf der lokalen Ebene, Bestand habe.

Seit 35 Jahren gibt es die Partnerschaft mit der 3200-Einwohner-Kommune im Département Seine-et-Marne in der Region Île-de-France. Jedes Jahr besuchen sich die verschiedenen Delegationen, einmal in Frankreich, einmal in Deutschland. Fast alle sind dabei in Gastfamilien untergebracht. Dieses Jahr sah das Ausflugsprogramm des viertägigen Kurzaufenthalts einen ganzen Tag in Speyer mit Besichtigungen und Einkehr vor. Der „Tag der Familien“ wurde von vielen für einen Ausflug nach Michelstadt genutzt.

Der gemeinsame Abend im Bürgerhaus wurde von den Riderside Gospel Singers unter Leitung von Carsten Best mit verschiedenen Stücken eröffnet. Später sorgten Best am Piano und sein Sohn Julian an der Gitarre für die weitere musikalische Umrahmung. Um die Organisation des Austauschs kümmern sich immer Mitglieder des Freundeskreises Château-Landon. Die konnten dieses Jahr dankbar auf eine finanzielle Unterstützung der Altstadt plus GmbH zur Kostendeckung fürs Abendessen zurückgreifen.

Bürgermeister Sens ging in seiner Rede auf die aktuellen unsicheren und ungewissen Zeiten ein. Die Werte des freien Europa würden „auf dem Altar von Macht und Geld geopfert“, sagte er. Gerade jetzt sei es eine große Freude „Nachbarn im europäischen Haus begrüßen zu dürfen“. Grenzen könnten schnell überwunden werden, wenn man sich von Mensch zu Mensch begegne, meinte Sens. Die Freundschaft zwischen den beiden Städten solle Beispiel gebend für andere sein, wünschte er sich.

„Madame la Maire“ Pascale Pinguet, seit zwei Jahren im Amt, berief sich in ihren Worten auf Gerhard Schröder: Freundschaft bestehe nicht zwischen Staaten, sondern nur zwischen Menschen. Gerade in einer Zeit, in der Europa als Staatengemeinschaft zunehmend ein Glaubwürdigkeitsproblem habe, werde ein Europa der Städte immer wichtig. Sie äußerte ihre Hoffnung, dass die verschwisterten Kommunen lange Jahre den Frieden gewährleisten könnten.

Pinguet warb dafür, für dieses Ziel zu werben und sich dafür mit allen Mitteln einzusetzen. Sie kritisierte, dass an französischen Schulen immer mehr Deutsch-Unterricht gestrichen werde. Dies widerspreche dem Elysée-Vertrag, 1963 zwischen De Gaulle und Adenauer abgeschlossen. Zum gegenseitigen Verständnis zähle aber auch die Kenntnis der Sprache. Die jeweiligen Ansprachen wurden von der Hirschhornerin Sylvie Meron-Minuth übersetzt. Gastgeschenke gab’s in Gestalt von hiesigen Weiß- und Roséweinen sowie in Form eines besonderen Rosenstocks aus der Umgebung von Château-Landon.

Stichwort Château-Landon

Die französische Gemeinde mit ca. 3200 Einwohnern liegt im Département Seine-et-Marne in der Region Île-de-France. Sie gehört zum Arrondissement Fontainebleau und ist Verwaltungssitz des Kantons Château-Landon. Die Stadt liegt am Ufer des Flusses Fusain 90 Kilometer von Paris, 18 Kilometer nördlich von Montargis, 46 Kilometer östlich von Pithiviers und 45 Kilometer westlich von Sens entfernt. Château-Landon war lange Zeit ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Die Straßen, die sich hier kreuzten, hatten entweder militärische, religiöse oder kommerzielle Gründe. Die Nomaden aus dem Westen, die Barbaren aus dem Osten, die Legionen, sie alle zogen über die Straße der Römer, den Weg Caesars, der Orleans mit Sens verbindet.

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