Zu den Lebensmitteln gibt’s gerne auch noch ein Schwätzchen dazu: Der „rollende Bauernmarkt“ von André Kruppa ist eine Besonderheit in der Region

André Kruppa ist viel mehr als nur Betreiber des „Rollenden Bauernmarkts“, mit dem er in der Oberzent, im Neckartal und am Katzenbuckel unterwegs ist. Schon dieses Geschäftsmodell ist in der heutigen Zeit etwas Besonders und gibt es – wenn überhaupt -nur noch sporadisch in der hiesigen Region. Denn die Hoch-Zeit der Bauernverkaufswagen war in den 70er Jahren. Heutzutage findet man diese über Land fahren Lebensmittel-Komplettanbieter eher noch in südlichen Ländern.

Nein, Kruppa ist in den kleinen und kleinsten Ortschaften und Weilern des Odenwalds auch Ansprechpartner für die kleinen täglichen Sorgen der Menschen, oftmals einziger sozialer Kontakt von alten, nicht mehr mobilen Senioren – und darüber hinaus Lebensretter. So erinnert er sich an einem Stammkunden, der dienstags nicht am Wagen auftauchte. Weil er aber dessen Zuverlässigkeit kannte, machte sich Kruppa Sorgen, forschte nach – und tatsächlich, der Senior war am Wochenende zuhause die Treppe hinunter gefallen und lag hilflos im Haus.

„Ich bin manchmal die einzige Bezugsperson der Älteren“, so Kruppa. Da heiße es natürlich auch, immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Menschen zu haben. Die danken es ihm dann auch mal mit privaten Einladungen wie letztens zu einem Geburtstag in Hebstahl. Dieses Miteinander, dieses Geben und Nehmen, freut ihn sehr. Auf Wunsch bringt er auf seiner nächsten Tour immer auch gerne weitere Dinge des täglichen Bedarfs mit, die sich sonst erst Kilometer entfernt im Supermarkt finden: etwa die Tube Zahnpasta, Waschmittel oder andere Hygieneartikel abseits seines regulären Angebots.

Molkereiprodukte, Backwaren, Eier, Gemüse, Fleisch, Kartoffeln, Obst und auf Vorbestellung so etliches mehr hat Kruppa in seinem Transporter dabei. Mit dieser großen Produktpalette sieht er sich allein auf weiter Flur. Der 43-Jährige tourt von Montag bis Samstag durch den (kleinen) badischen und hessischen Odenwald. Unterstützt wird er dabei von seiner Frau Renate und dem 16-jährigen Sohn.

„Reich wird man nicht, aber ich kann gut davon leben“, lächelt Kruppa. Dafür klotzt er aber auch ran: Von 8.30 bis etwa 19 Uhr ist er von Montag bis Freitag in den Orten des südlichen Odenwalds unterwegs, danach ist noch Organisation angesagt. Samstags geht’s auf den Neckargemünder Markt, sonn- und feiertags ist der Bauernladen auf diversen Festen wie jetzt in Beerfelden anzutreffen. Den dortigen Geschäftsleuten ist der Marktmann sowieso sehr dankbar für die vielen Tipps, die ihm beim Aufbau der eigenen Existenz halfen.

In den kleinen Ortschaften wieder  Hinterbach, Olfen, Schöllenbach oder Falken-Gesäß auf hessischer Seite wie auch dem badischen Grenzland mit Friedrichsdorf, Mülben oder Waldkatzenbach ist Kruppa oftmals die einzige Möglichkeit für die Ortsbevölkerung, sich mit dem Nötigsten für den täglichen Bedarf eindecken zu können, ohne gleich etliche Kilometer zum nächsten Supermarkt fahren zu müssen.

Dass er damit eine Marktlücke gefunden hat, beweisen André Kruppa die vielen neuen Stammkunden. 480 waren es noch 2013 unter dem alten Betreiber, inzwischen hat er die Zahl in nicht einmal eineinhalb Jahren auf über 800 gesteigert. Bis Ende des Jahres möchte er auf 1000 Stammkunden kommen. Fernziel sind ein zweiter Verkaufswagen und ein kleiner Laden mit seinen Produkten in Finkenbach.

Zu seinem „Tante-Emma-Laden auf vier Rädern“ kam der aus der ehemaligen DDR stammende Kruppa wie die Jungfrau zum Kinde. Denn eigentlich hatte er sich, zuvor drei Jahre arbeitssuchend, als Verkaufsfahrer beworben. „Heimgekommen bin ich mit einer Firma“, meint der 43-Jährige schmunzelnd. Mit dieser auf vier Rädern ist er jetzt seit eineinhalb Jahren auf Tour.

Der Anfang des rollenden Bauernmarkts vor 45 Jahren war mit dem Verkauf von Eiern. Passenderweise hieß der Eigentümer damals Heinrich Eiermann und hatte das Hühnergehe am Eberbacher Krankenhaus. Irgendwann lohnte es sich nicht mehr, nur mit Eiern auf Verkaufsfahrt zu gehen – und so kamen mit Nachfolgerin Monika Lenz die anderen Produkte hinzu. Sie, die 1984 einstieg, ist noch bis Ende des Jahres als Unterstützung mit im Boot.

 

Info: Bei seinen Produkten setzt Kruppa ganz auf die Region. Die Backwaren bezieht er täglich frisch von den Bäckereien Riesinger in Gammelsbach und Beerfelden. Käse kommt von der Hofkäserei in Gammelsbach und der Molkerei Hüttenthal. Fleisch und Wurst steuert neben Beisel & Jehle in Rothenberg die Landmetzerei Sattler in Beerfelden bei, die Eier kommen von der Erzeuergemeinschaft Trunk und Möhler in Schloßau. Frisches Obst und Gemüse bezieht er von der Firma Keil aus Erbach. Das „Nudel-Lager“ stellt die Firma Heist in Rehbach. Kräuter, Grießklößchen, Säfte, Wein, Zucker und Mehl gehören daneben zum Standardsortiment.

Montags führt die Tour des rollenden Bauernmarkts von Rothenberg über Kortelshütte, Hainbrunn, Finkenbach und Hinterbach bis nach Falken-Gesäß. Dienstags werden zuerst Olfen und Airlenbach, dann Beerfelden, Hetzbach, Sensbachtal, Friedrichsodrf, Kailbach und Schöllenbach angefahren. Mittwochs ist die Ecke Neckarsteinach, Mückenloch und Dilsberg dran, donnerstags neben den Eberbacher Stadtteilen auch Langenthal und Heddesbach. Freitags schließlich geht‘s auf die Tour rund um den Katzenbuckel mit Abschluss in Gammelsbach. Infos zu den jeweiligen Standorten unter Telefon 0175-2815817.

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