„Nid de Poule“ entführt beim Hirschhorner Kunstpflege-Konzert filigran ins Herz von Frankreich

Was bei der Hirschhorner Kunstpflege im Langenthaler Atelier von Enno Folkerts im Jahr an musikalischen Perlen geboten wird, hat sich schon längst über einen Geheimtipp hinaus entwickelt. Musiker ersten Ranges spielen hier in einer heimeligen Atmosphäre, die den ganz engen Kontakt zwischen Publikum und Künstlern ermöglicht. Wie jetzt die Formation „Nid de Poule“ mit ihrem „Gyspy’n’Roll“, einer ganz eigenen Kombination aus Chansons, Popsongs und Jazztiteln.

Die Eigenkompositionen von Kontrabassist Jürgen Dorn bedienen eher die ruhige Jazz- und Chanson-Sparte und wechseln sich ab mit gecoverten Stücken von Paul Simon, Tom Waits oder Oasis, bei denen die Musiker ihr filigranes, aber auch temporeiches Spiel so richtig zur Geltung bringen können und auf ihren Instrumenten Akzente setzen. Die etwa 70 Zuhörer waren begeistert und sparten den Abend über nicht mit Applaus – lautstark geforderte Zugabe am Schluss inklusive. Die Konzerte im Atelier hätten – bei schon guter und ständig wachsender Resonanz – aber durchaus noch etwas mehr Zuspruch auch von den Einheimischen verdient.

Neben den perfekten Tönen auf Bass, Gitarre, Akkordeon und Querflöte ist es vor allem Sängerin Sybille Klingspor, die den Songs ihren Stempel aufdrückt. Mit ihrer wandlungsreichen Stimme und der großen Bühnenpräsenz hat sie das Publikum fest im Griff. Mal ruhig, seufzend, fast melancholisch, beim nächsten Stück rauchig, fordernd, raumfüllend, lauschen ihr die Gäste gebannt. Dabei wirft sich Klingspor gekonnt die Bälle mit Jürgen Dorn zu. Die Frotzeleien der beiden lockern die Pausen zwischen den Stücken auf.

Die Musiker, zu denen an diesem Abend auch die beiden Gitarristen Gerd Rentschler und Frank Zinkant sowie Almut Schwab an Akkordeon und Querflöte zählen, sind in ihrem Schaffen begeistert von der Atmosphäre der Jazzclubs des linken Seineufers im Paris der 1930er Jahre. Ihre Lieder atmen die französische Kunst, mit den Emotionen zu spielen, diese gekonnt über die Musik zu transportieren und dabei einen weiten Bogen von tieftrauriger Melancholie zu spontaner Lebensfreude zu spannen.

Bezeichnend das Stück über die Loire, den „schönsten Fluss Frankreichs“. Vor dem geistigen Auge entsteht durch die Musik zuerst das Bild eines leise dahinplätschernden Flusses, bei dem plötzlich wie an Stromschnellen die Melodie flotter, rhythmischer, drängender wird und im Gitarrensolo gipfelt, um dann wieder – wie bei der Loire-Mündung in den Atlantik – gemächlich zu enden.

Der Chanson atmet förmlich das ursprüngliche Frankreich, was durch die volkstümlichen Akkordeonklänge bestens zum Ausdruck kommt. Das Quintett besticht dabei durch seine große Spielfreude, die professionelle Beherrschung der Instrumente und die gelungene Interaktion mit dem Publikum.

Für Enno Folkerts ist das 14. Atelier-Konzert etwas Besonderes. Denn erstmals findet es im Rahmen der Reihe „Konzerte am Neckar“ statt. Der Maler freut sich über den stetig wachsenden Zuspruch der Reihe, die aus einem Zufall heraus über die Verbindung zu den Schülern von Meistergeiger Asaeda entstanden war. „Vier bis fünf Konzerte“ gibt es laut Folkerts jedes Jahr, dazu noch seitens der Kunstpflege andere, vielfältige Aktivitäten in der Stadt.

Für die „Konzerte am Neckar“ zeichnet Angela Mahmoud verantwortlich. Die Reihe gibt es seit zwei Jahren zwischen Mannheim und Eberbach. In der benachbarten badischen Neckarstadt werden in diesem Sommer noch einige Veranstaltungen auf dem Neckarschiff „Petra Kappes“ stattfinden. „Auf eine besondere Musikrichtung sind die Konzerte nicht festgelegt“, sagt sie. „Hirschhorn fehlte noch auf dieser Perlenkette“, meint Mahmoud. Da es den Kontakt zu Enno Folkerts schon länger gab, stand dem 52. Konzert der Reihe in seinen Atelierräumen somit nichts im Weg. Weitere Bilder hier: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1172676589443155.1073741932.100001024761983&type=1&l=8952e250a4

http://www.konzerte-am-neckar.de

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