Nur die ganz Hartgesottenen trauten sich bei der Waldseebad-Eröffnung in Beerfelden ins kühle Nass

Das war ein Freibad-Start für die Hartgesottenen. 14 frische Grad hatte das Quellwasser am ersten Tag der Waldseebad-Öffnung. Da trauten sich zuerst nur die Abgebrühten ins kühle Nass. Gegen Nachmittag, als dann immer mehr die Sonne zwischen den Wolken hervorkam, nutzten vor allem die Jugendlichen die Chance, ein Sprung zu wagen oder auf ihren Surfbrettern das lange Becken zu durchpflügen. Denn die Außentemperaturen waren mit über 20 Grad durchaus erträglich.

Damit alles passte, hatten die Mitglieder des Arbeitskreises Waldseebad kräftig geackert: Jeden Samstag seit Anfang April waren sie auf dem Gelände und auch im Becken aktiv, um das 80 Jahre alte Areal wieder auf Vordermann zu bringen. Dieses Jahr bekamen sie tatkräftige Hilfe: 13 Flüchtlinge unterstützten die Ehrenamtlichen und sorgten dafür, dass alles leichter von der Hand ging. Natürlich waren sie ebenfalls bei der Eröffnung freudig begrüßte Gäste.

Die Unterstützung zeitigte Wirkung: In der Theorie waren die Ehrenamtlichen schon Mitte Mai mit allem durch, freute sich Vorsitzende Ina Bottelberger. Letzte Aktion waren das Beckenstreichen und die Behandlung der Wände gegen Algen, ehe wieder das Quellwasser hineinlaufen konnte. Am Tag vorher wurde nochmal durchgemäht. In der Praxis stellte sich aber genau am Eröffnungstag um 11 Uhr heraus, dass die Klärgrube voll bis Oberkante war. Doch darüber konnte Bottelberger ein paar Stunden später schon wieder lachen.

Denn wenn was zu erledigen ist, „haben wir Leute da, die sofort anpacken“, lobte sie das Engagement. Schnell war Daniel Lob zu Christian Zimmermann auf den Bauernhof gefahren, kam mit dessen Gülletrecker rückwärts den schmalen Weg zurück zum Bad und pumpte alles ab. Die Gäste konnten somit feiern, ohne die Nase rümpfen zu müssen.

Und taten das auch nach Kräften. Die Bierbank-Garnituren waren den ganzen Tag über gut belegt. Für die Kleinen gab es nebenan eine Hüpfburg. Freunde der italienischen Pasta waren genau richtig: Mit diversen Soßen wie Spinat-Frischkäse, Sahne-Tomate oder Gorgonzola-Schinken ließen sich die Teigwaren bestens genießen. Für deren Verkauf hatte Kiosk-Betreiber Michael Willenbücher bereits eine Holzhütte gezimmert, die in spe dann für den Getränkeverkauf in der Badesaison genutzt werden soll. Für den Nachmittag hielt das Team neben Kaffee und Kuchen auch diverse Cocktails bereit.

Ein Job ist über den Sommer laut der Vorsitzenden noch zu vergeben. „Wir brauchen einen Rettungsschwimmer“, sagte sie. Der werde über die Stadt angestellt und über den Verein ausgebildet. „Baywatch Beerfelden“ quasi. Der Arbeitskreis kümmert sich daneben um Einteilung und Kontrolle der Bademeister. Die haben dann die Aufsicht über das 50-Meter-Schwimmerbecken mit Drei-Meter-Turm und Ein-Meter-Sprungbrett und den kleinen Nichtschwimmerbereich.

Das frische Quellwasser ist der beste Garant dafür, dass die Abkühlung auch in heißen Sommern garantiert ist. Über 24 Grad steigt die Wassertemperatur nie, selbst wenn draußen die Luft bei fast 40 Grad kocht. 20 bis 22 Grad seien im Sommer normal. Nach Saisonbeginn trauen sich einige Unerschrockene auch schon bei 16 Grad und weniger in die wahrlich kühlen Fluten.

Die Gäste kommen extra aus dem Heidelberger Raum, dem Neckartal oder sogar der Darmstädter Gegend, um die Idylle zu genießen. Nach Beobachtung der Helfer hat der Zuspruch in den vergangenen Jahren etwas zugenommen. Allerdings ist der Besuch immer sehr wetterabhängig. Wenn zu einer kühlen Witterung noch kalte Wassertemperaturen dazukommen, bedeutet das für Besucher eine doppelte Überwindung.

Allerdings „ist bei uns viel mehr erlaubt als in normalen Freibädern, weil der Platz vorhanden ist“, meinte Bottelberger. Das große Becken biete Raum für Paddel- und Schlauchboote sowie Surfbretter – und damit für alle diejenigen, die lieber oberhalb der Wasseroberfläche bleiben wollen. Das galt für den Großteil der Gäste bei der Eröffnung, auch wenn gefühlt halb Beerfelden vorbeischaute. Die nahmen dann doch eher die Plätze in der Sonne in Beschlag.

Info: Öffnungszeiten montags bis freitags außerhalb der hessischen Ferien 12 bis 19 Uhr, montags bis freitags innerhalb der hessischen Ferien sowie Wochenende und feiertags 10 bis 19 Uhr. Der Kiosk hat an manchen Tagen länger auf, allerdings ist dann das Baden untersagt. Preis: Tageskarte Erwachsene 2,50 Euro; Tageskarte Kinder, Jugendliche, Studenten, Wehr- und Zivildienstleistende, Schwerbeschädigte 1 Euro;  Dauerkarte für Erwachsene 35 Euro; Dauerkarte für Kinder etc. 15 Euro, Familiendauerkarte 55 Euro. Mehr unter www.waldseebad-beerfelden.de.

Angebote im Waldseebad: große Liegewiese mit drei Holz-Sonnendecks, Schaukel, Sandkasten, Beach-Volleyballfeld, Tischtennisplatte, Kinder-Tischkicker, behindertengerechte sanitäre Einrichtung, Babybecken mit Sonnensegel. Matthias Willenbücher betreibt den Kiosk mit gemütlicher Sonnenterrasse und reichhaltigem Angebot zu familienfreundlichen Preisen.

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