Heftiges Hochwasser in Hirschhorn: Neckar stieg in sechs Stunden um drei Meter an

Selbst in der Hochwasser erprobten Neckarstadt waren die braunen Fluten nach dem heftigen Unwetter am Sonntag etwas Außergewöhnliches. So schnell war der Fluss in jüngerer Vergangenheit bisher noch nie gestiegen. „Vielleicht damals beim Jahrhundert-Hochwasser 1993“, meinte Stadtbrandinspektor Marco Albert. In nur sechs Stunden schwoll der Neckar um drei Meter an und setzte damit am frühen Morgen die Ufer- und Jahnstraße samt angrenzende (Park-)Plätze, Keller und auch den Fußballplatz unter Wasser. Auch in die Altstadt schwappte langsam das Wasser.

Schon um 4 Uhr in der Früh war der stellvertretende Stadtbrandinspektor Joe Beisel der erste, der aus dem Bett geklingelt wurde. Um 6 Uhr folgte dann für die beiden Wehren aus Stadtmitte und Langenthal der Weckruf, zusätzlich waren der Bauhof und viele private Helfer schon in der Nacht auf den Beinen, um das Schlimmste abzuwenden.

Die beiden Hirschhorner Wehren waren vorrangig mit dem „Retten“ der an der Uferstraße geparkten Autos beschäftigt. Die wird beim Neckar-Hochwasser zuerst in Mitleidenschaft gezogen. Normalerweise reicht die Vorwarnzeit bequem aus, um alle Halter zu informieren. Dieses Mal nicht. Bis auf eines konnten alle Vehikel rechtzeitig umgeparkt oder die Eigentümer ausfindig gemacht werden. Für ein Fahrzeug kam alle Hilfe zu spät: Es wurde von den Brandschützern an der Stadtmauer festgekettet, damit es die braunen Fluten nicht neckarabwärts mitrissen.

Die 38 Wehrleute kümmerten sich daneben um die notwendigen Absperrungen, informierten Anwohner und Firmen – und mussten aber aus dem Rathauskeller zu allererst selbst ihr dort gelagertes Equipment retten. Das ist dort untergebracht, weil den Floriansjüngern noch der entsprechende, schon lange gewünschte Anbau am Feuerwehrgerätehaus fehlt.

Auch der komplette Bauhof war auf Tour, um alles, was nicht niet- und nagelfest war, in Sicherheit zu bringen. Dazu zählen diverse Beschilderungen und Mülltonnen, aber auch unter der Sporthalle geparkte Bauwagen. Bis zum Nachmittag sollte der Scheitelpunkt der Neckarfluten erreicht sein. Am für Hirschhorn maßgeblichen Pegel Gundelsheim wurden dann etwa sieben Meter erwartet – normal sind 2,50 Meter. Das wäre innerhalb von drei Jahren das nächste etwa 20-jährliche Hochwasser. Schon damals waren die Fluten bis in die Altstadt geschwappt.

Nicht nur die städtischen Einsatzkräfte waren im Volleinsatz. Am Sportplatz des FC Hirschhorn mussten ab 6 Uhr früh in aller Schnelle alle Tore und Bandenabsperrungen auf die Anhöhe zur Straße geschafft, dazu auch noch die Materialräume freigemacht werden. Die Lagerräume von Rathauscafé und Restaurant „Debo 800“ wurden von den Mitarbeitern im nächtlichen Einsatz leergeräumt. Sämtlicher Rohkaffee wurde in der Mark-Twain-Stube des Rathauses untergebracht.

Das Ulfenbachtal aufwärts Richtung Wald-Michelbach glich zwischen Langenthal und Heddesbach einer Seenlandschaft. Der Bach war zum reißenden Strom geworden, der fast die gesamte Talbreite einnahm. An der Brücke über den Ulfenbach in der Langenthaler Ortsmitte standen die Feuerwehrleute mit besorgter Miene und schauten nach den stetig steigenden Fluten. Denn das Wasser näherte sich immer der Straße. „Der Ulfenbach hat ein Mehrfaches an normaler Höhe“, sagte der stellvertretende Wehrführer Steffen Guckenhan. Aber auch hier kündigte sich für den Nachmittag langsame Entspannung an.

Weitere Bilder auch aus dem Ulfenbachtal mit Langenthal und Heddesbach hier: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1173275359383278.1073741933.100001024761983&type=1&l=03b9ba4356

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