Kleine Grundschulen können Kinder intensiver betreuen: Grünen-Politiker machten sich ein Bild von der Sensbachtaler Grundschule

„Das ist mal eine Schule“, entfuhr es Mathias Wagner bewundernd beim Aussteigen aus dem Auto mit Blick auf den 1883 errichteten Sandsteinkomplex. Das Grünen-Landtagsmitglied, gleichzeitig Sprecher seiner Fraktion für Bildungspolitik, war auf Einladung der Oberzent-Grünen in die südlichste Ecke Hessens gekommen. Von Schulleiterin Ellen Koch ließ er sich die Arbeit an der Grundschule im Kleinformat erläutern.

Elisabeth Bühler-Kowarsch, Kreistagsmitglied und Fraktionsvorsitzende der Grünen im Beerfeldener Stadtparlament, sowie der Kreisgeschäftsführer der Grünen, Horst Kowarsch, hatten das Mitglied im kulturpolitischen Ausschuss des Landtags eingeladen. Denn sie wollten das Thema Erhalt der Grundschulen nach der Fusion der vier Gemeinden beleuchten, weil es vor dem Bürgerentscheid in der öffentlichen Diskussion gestanden hatte. Klar wurde bei dem Treffen aber auch, dass im Gegensatz zu den Kindergärten über Wohl und Wehe der Schulen der Träger, also der Odenwaldkreis, und das Land entscheiden – nicht die jeweiligen Kommunen.

Wagner zeigte sich beeindruckt von der „unheimlichen Herzlichkeit“, mit der an der Grundschule etwas für die Kinder gemacht werden. Und wo auch die Gemeinde immer mitziehe. Er nehme den Eindruck einer „schulischen Idylle“ auf dem Land mit zurück nach Wiesbaden – und der Möglichkeit, dass aufgrund der geringen Kinderzahl auf die Schüler viel intensiver auf die einzelnen Schüler eingegangen werden könne.

Das konnte Ellen Koch nur unterstreichen. Man unterrichte in Sensbach einige Kinder, „die in größeren Schulen verloren wären“. Es gelte jedes Kind miteinzubeziehen, was auch in der zweijährlichen Musicalaufführung in Beerfelden zum Ausdruck komme. Da sei die Schule involviert, „alle Kinder machen mit“.

Daneben gebe es positive Rückmeldungen von den weiterführenden Schulen, wenn die Sensbachtaler an die Gymnasien Eberbach oder Michelstadt sowie die Oberzent-Schule wechselten, entgegnete sie auf eine Frage von Bühler-Kowarsch. „Wir kennen die Kinder sehr gut“, verdeutlichte Koch die Möglichkeit, ganz speziell auf deren Bedürfnisse einzugehen. „Nächstes Schuljahr werden wir vier oder fünf Inklusionskinder haben“, sagte sie.

Auch wenn Ende dieses Schuljahres 13 von 24 Schülern abgehen, macht sich Ellen Koch keine Sorgen um den Fortbestand der Grundschule. Zwar mache sich aktuell der demografische Wandel stärker bemerkbar. „So wenig Kinder waren es noch nie seit meinem Amtsantritt 2004“, berichtete sie. Aber in zwei Jahren rechnet sie wieder mit einem Aufschwung. Wobei die Schulleiterin sowieso gelernt hat, der Statistik nur bedingt zu vertrauen.

Im neuen Schuljahr werden ihren Worten zufolge wohl sieben oder acht neue Kinder dazukommen – mehr als in der Prognose. Das ist laut Koch zum einen im Zuzug begründet, zum anderen würdigten Eltern von außerhalb „den Schatz der kleinen Schulen auf dem Land“ und schickten ihre Kinder extra dorthin. Die Schulleiterin hoffte, weiterhin der Statistik zu trotzen. „Wir wollen uns auf 30 Kinder einpendeln.“

Das wäre dann weit oberhalb der Zahl von 13 Schülern in vier Jahrgängen, bei denen laut den Worten von Wagner eine Schließung drohe. Aber auch nur dann, wenn verschiedene andere Maßnahmen erfolglos durchgespielt worden seien. Andererseits böten die kleinen Landschulen beste Möglichkeiten zur individuellen Betreuung, um Heranwachsende in einer sich stark verändernden Gesellschaft angemessen zu fördern. Wie Koch sagte, „sind auch Flüchtlingskinder gerne willkommen“. Es gebe in Sensbach „gute Voraussetzungen zur Integration“.

Dass „Kinder sehr viel von Kindern lernen“, betonte nicht nur Wagner. Auch Koch wies darauf hin, dass der Unterricht in jahrgangsgemischten Gruppen viele Vorteile mit sich bringe. Einem Rundgang durch die Schule schlossen sich diverse Erläuterungen zu den einzelnen Räumen an. Vier Lehrerinnen mit drei Vollzeitstellen seien derzeit hier tätig. Laut Koch wird drei Mal in der Woche ein freiwilliger Ganztagsunterricht angeboten, Mittagessen im Gemeindezentrum inklusive.

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