Generationenhilfe Beerfelden bekommt für Flüchtlingsprojekt Fördermittel der Stiftung „Miteinander in Hessen“

„Schnell, schneller, am schnellsten“. Oder „stark, stärker, am stärksten“. Paul, Marius und Sandro aus der zehnten Klasse der Oberzent-Schule projizieren über einen Beamer Bilder aufs Whiteboard und wollen damit den Flüchtlingen die Steigerungsformen der deutschen Sprache näherbringen. Diese nehmen am ehrenamtlichen Deutschkurs der Generationshilfe teil, der an diesem Morgen im Beerfeldener Bürgerhaus von Johanna Käpernick-Krämer und Ingrid Schenkel gehalten wird.

Die Finanzierung von Beamer, Laptop und dazugehörigem Schrank gehört zu einem neuen Projekt in Beerfelden, das von der Stiftung „Miteinander in Hessen“ gefördert wird. Die trug die Hälfte der Anschaffungskosten, die andere Hälfte wurde von einem privaten Spender finanziert. Dieser Eigenanteil ist laut Käpernik-Krämer Voraussetzung für den Erhalt der Gelder. Die ehemalige Lehrerin an der Oberzent-Schule nutzte ihre Kontakte dorthin, um für dieses speziell konzipierte Projekt die Fördermittel zu beantragen.

Das verbindet den von etwa zehn Flüchtlingen besuchten, ehrenamtlichen Deutschkurs unter Mitwirkung der Oberzent-Schüler und Verwendung der neuen Medien. Die „Darstellung von Lebenssituationen“ steht dabei im Mittelpunkt. Die Migranten im Kurs stammen überwiegend aus Afghanistan und sind seit einem knappen Dreivierteljahr in Beerfelden. Die in der Stadt am Berge untergebrachten Syrer sind laut der ehemaligen Lehrerin inzwischen zum Großteil bereits anerkannt und besuchen die über den Kreis angebotenen Integrationskurse.

Die Zehntklässler mit Computer als Wahlpflichtfach bekamen zum einen von Käpernick-Krämer bestimmte Aufträge für Folien – etwa Verben der Bewegung wie laufen oder schwimmen. Zum anderen konnten sie aber auch eigene Ideen einbringen. Für die Jugendlichen war dies ihren Worten zufolge etwas Greifbares, „das auch wirklich gebraucht wurde“. Denn andere Unterrichtsarbeiten würden oftmals nur für dortige Verwendung angefertigt.

Der Deutschunterricht zeitigt laut der Lehrerin Wirkung. Vor allem, „wenn die Flüchtlinge zusätzlich außerhalb davon weiter üben“. Anfänglich sei sie skeptisch gegenüber dem häufigen Gebrauch der Smartphones im Unterricht gewesen, bekennt Käpernik-Krämer. Doch dann habe sie deren Wichtigkeit bemerkt: „Die Flüchtlinge geben ein deutsches Wort ein und es wird ihnen in der jeweiligen Landessprache angezeigt“, sei der Nutzen nicht zu verachten.

Ihre „Unterrichtseinheiten“ verbinden die Schüler mit entsprechenden Bildillustrationen. Bei „stark, stärker, am stärksten“ ist der Stärkste dann übers gezeigte Foto Arnold Schwarzenegger – was die Verbindung zu Mohammed schafft, der auch ins Fitnessstudio geht. Lang (Raupe), länger (Wurm), am längsten (Schlange) werden ebenfalls über Bilder vermittelt. Aziz, der in diesem Kreis die deutsche Sprache schon am besten beherrscht, hat gleich eine Erklärung, warum ein Mädchen jubelt: „Sie hat im Lotto gewonnen.“

Natürlich wird es in der kommenden Unterrichtsstunde auch um die Fußball-EM gehen. Anhand der verschiedenen Mannschaften kam der Vorschlag auf, die Migranten mit den diversen europäischen Ländern vertraut zu machen. Verkehrssituationen sowie Begriffe für Fahrrad- und Autobestandteile gingen als Auftrag an die Schüler, diese bildlich zur Projektion aufzubereiten. Aber auch die Flüchtlinge sind gefordert, ihre Lernwünsche miteinzubringen.

Der Deutschkurs wird von Käpernik-Krämer und Schenkel drei Mal pro Woche angeboten. Er ist nur ein Teil der Aktivitäten der Generationenhilfe und mit ihr der Kümmerer. Der harte Kern von zehn Personen ist unter anderen ehrenamtlich in der Kleiderkammer aktiv, in der Fahrradbeschaffung oder Arbeitsplatzvermittlung, unterstützt die Flüchtlinge im täglichen Leben oder gibt Hilfe bei Behördengängen.

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