Eine alte Meistermaschine erstrahlt wieder in neuem Glanz: Peter Scholl restaurierte ein BMW-Geländegespann

Das gute Stück ist eine wahre Meistermaschine. 15 Stück wurden vom Geländemotorrad BMW R 50 GS mit Gespann in den Jahren 1954/55 gebaut. „Das hier ist Nummer 15“, schmunzelt Peter Scholl mit einem Fingerzeig auf das chromblitzende Schmuckstück mit Beiwagen, das auf seinem Hof steht. „Die anderen 14 sind verschollen.“ Scholl, ein echter Tüftler und Schrauber, hat in jahrelanger Kleinarbeit aus dem in Kisten verpackten Krad wieder genau die Maschine gemacht, mit der ihre Fahrer in den 50er und 60er Jahren stolze vier deutsche Meistertitel holten.

Motorrad-Geländesport, weiß Peter Scholl, „war früher das, was heute die Formel 1 ist“. Mauer und Schönmattenwag waren in Kraichgau und Odenwald die Hochburgen dieses Sports, zu dessen Rennen vor ein paar Jahrzehnten Zehntausende von Fans an die Strecke strömten. Ausgeliefert wurde die jetzt restaurierte BMW 1955 an den Rennfahrer Karl Ibscher, der damit zwei Mal die deutsche Meisterschaft gewann. Späterer Eigentümer war laut Stoll Fritz Arnold, der ebenfalls zwei Mal den Titel bei der „schweren badischen Zuverlässigkeits-Geländefahrt“ holte.

Über verwandtschaftliche Verhältnisse kam Hans Sauer aus Heidelberg 1976 in den Besitz des Motorrads. „Seitdem ist es in Familienbesitz“, erläutert sein Sohn Michael. Der fuhr jahrelang selbst Enduro, weswegen die alte Maschine – bis auf dem Motoraustausch 1985 – mehr oder weniger eingelagert war. Jetzt soll sie wieder in altem Glanz erstrahlen, „weil meine Tochter heiraten will“ und sich genau dieses Gespann als Hochzeitsgefährt herausgesucht habe.

Als Restaurateur ist Peter Scholl genau der Richtige. Der Moosbrunner hat ein Faible für alte Motorräder, vor allem von der Neckarsulmer Marke NSU. Die BMW war eine besondere Herausforderung, weil es nur noch sehr wenige Original-Ersatzteile davon gibt. Sie seien sehr schwierig zu beschaffen. „Ich habe viel Zeit damit verbracht, welche nachzufertigen“, sagt er. Weitere seien von anderen BMW entnommen, die es noch auf dem Markt gibt.

„So original wie möglich“ habe er versucht, das Gespann wieder in den Auslieferungszustand zu versetzen, meint der Motorrad-Fan. „Das fängt bei den Gelände-Stollenreifen an“, erläutert er. Freunde halfen ebenfalls aus, nicht mehr erhältliche Ersatzteile wieder herzustellen. Wie auch immer: Es funktioniert. „Die Maschine ist fahrbereit und hat TÜV“, freut sich Scholl. Mit ihren 600 Kubik und 28 PS haben zwar heutige Motorräder um einiges mehr an Leistung, „aber für damals war das viel“, betont Scholl.

Nach dem Restaurieren ist vor dem Restaurieren: Peter Scholl hat etliche NSU aus den 20er Jahren in seiner Garage stehen. An einem alten Gespann ist er gerade aktuell dran, es wieder instand zu setzen. Außerdem nennt er einen alten Messerschmitt-Kabinenroller sein Eigen. Mit dem war er vor kurzem beim Jahrestreffen des Messerschmitt-Clubs Deutschland in Bad Wörishofen und fuhr dabei 1200 Kilometer.

 

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