Wehe, wenn der Pfälzer losgelassen: Kabarettist Gerd Kannegieser mischt den Weinkeller Grimm in Hirschhorn auf

Dem Gerd Kannegieser haben sie wohl irgendwo eine versteckte Koffein-Infusion angebracht. Der Pfälzer Kabarettist läuft wie ein Irrwisch durch den Weinkeller Grimm, Arme und Beine sind immer in Bewegung, die große Klappe sowieso. Geschlossen gibt’s die wohl nie. Wild gestikulierend bringt er dem Zuschauervolk seine manchmal enge Sicht der Welt näher. Und wer dabei das Pech hat, ihm zu nahe zu sein oder seinen Namen genannt zu haben, findet sich schnell im Wortschwall des Babblers ohne Punkt und Komma wieder.

„Kannegieser packt aus“ heißt das neue Programm, in dem sich der Kabarettist mit dem direkten Draht zum Stammtisch beliebig austoben kann. Wie eine Furie hetzt er schon Augen rollend die Treppe hinunter, muss aufpassen, dass er sich vor lauter Wortschwall dabei nicht selbst überholt und am Ende des Satzes nicht mehr weiß, wie er angefangen hat. Es sind die kleinen und großen Ärgernisse und Erschwernisse des Alltags, mit denen sich der Knoddler vor dem Herrn herumschlagen muss.

Der Pfälzer auf Speed – eigentlich ein Widerspruch in sich – ist schon durch sein Erscheinungsbild ein wandelnder Kontrast. Urlaubsklamotten, Handkoffer, Plastiktüte mit ungewissem Inhalt und als wichtigstes Utensil die nie verstummende Schwertgosch. Mit der pickt sich Kannegieser gleich das Pärchen raus, das ihn auf dem Weg anrempelte. Warum? Ganz klar, neudeutsch Smombies. Starren nur aufs Smartphone und sehen nichts von der Welt um sich herum. Ganz klar, dass der Old-School-Blödler auch nichts mit dem Fatzebock anfangen kann.

Der Kabarettist übt sich im Beweinen der guten alten Zeit. Mal beschwörend, mal mit fast überkippender Stimme erinnert er an das Telefon mit Wählscheibe – „die Älteren kennen es noch“ – und die Zeiten, „als Computer noch was für James Bond waren“. Herhalten muss für diese Reminiszenz der Opa, ein ruhiger Mensch, der nichts brauchte und trotzdem zufrieden war. Der Springteufel in Gestalt eines Kannegiesers hält sich aber nicht lang mit dem Opa auf, flugs ist er wieder in der Gegenwart und hat sein nächstes Opfer gefunden.

Mit Wehmut erinnert sich der Stammtisch-Philosoph, um sich gestikulierend, an die Zeiten, als man am Sonntag „drei Dörfer weiter zur Kerb gelaufen ist“ – um sich in echt mit anderen Menschen zu unterhalten. Und tatsächlich auch wieder zurückgelaufen ist. „Wir machen uns die Welt kompliziert, weil wir es einfach haben wollen“, lautet eine der durchblitzenden Weisheiten, als aus Kabarett mal kurz der Ernst des Lebens wird.

Aber gleich darauf lässt er wieder dem Nonsens freien Lauf. Wie war das noch, weiß der Brockler aus der Pfalz, als die Autos noch nicht so kompliziert waren, dass für einen Ölwechsel der ganze Motor ausgetauscht werden musste. Als Schraubenzieher, die Strumpfhosen von der Mutter, eine Flasche Bier und ein Öffner dazu reichten, um den Keilriemen zu wechseln. Über 40 Gäste im Weinkeller waren immer wieder begeistert von den geistreichen Tiefflügen des philosophischen Unterfliegers, der gekonnt auf den Stammtischen der Region landet und dort seine Ladung mit an Bord nimmt.

Organisator Michael Reinhard freute sich, seit längerer Zeit mal wieder einen Kabarettabend anbieten zu können. „Aber der passt auch zum Wetter“, meinte er mit Blick auf dessen Kapriolen. Im „herrlichen Gewölbekeller“ sei am 5. November die Folk-Gruppe „Greengrass“ zu Gast, für die er aufgrund der großen Nachfrage schon jetzt eine Reservierung empfahl.

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