Flüchtlingsunterbringung in Rothenberg: Die Beherrschung der deutschen Sprache ist das A und O

Die Sprachkenntnisse sind der Knackpunkt. Das wurde bei der Vorbesprechung zur Bildung eines Flüchtlingsarbeitskreises in Rothenberg mehr als einmal deutlich. Zum einen ist die Beherrschung der deutschen Sprache notwendig, um einen Job ausüben zu können. Zum anderen erleichtert sie auch die Integration und die Kontaktaufnahme mit den Einheimischen. Allerdings mahlen die Mühlen der Bürokratie sehr langsam.

Kein Wunder, dass sich auch Unverständnis über die schleppende Bearbeitung von Asyl-Anträgen breit machte. Die fünf in Rothenberg untergebrachten Syrer sind seit einem Dreivierteljahr in Deutschland. Nach wie vor fehlt ihnen aber das sogenannte „Interview“, nach dem über ihren endgültigen Status entschieden wird. Diese Aufenthaltserlaubnis wiederum ist relevant für alle folgenden Aktivitäten. Aktuell, wurde deutlich, dürfen die jungen Männer nicht einmal den Odenwaldkreis verlassen, solange dies nicht erledigt ist.

Bürgermeister Hans Heinz Keursten freute sich in seiner Begrüßung, „dass so viele gekommen sind“. Mit Blick auf die etwa 25 Interessierten aus allen Ortsteilen meinte er, dass mit diesem ehrenamtlichen Engagement sicher etwas zu bewegen sei. Neben dem Ersten Beigeordneten Jürgen Sauer war auch Walter Braner dabei, auf dessen Initiative hin das Treffen zustande gekommen war.

Aktuell seien bei Edgar Beisel fünf Syrer untergebracht, so Keursten. Damit habe die Gemeinde ihr Soll erfüllt. Wenn sie oder auch private Vermieter Wohnungen zur Verfügung stellten, könnten auf freiwilliger Basis weitere Asylsuchende in den Ort kommen. Man habe zwar eine Unterkunft in Ober-Hainbrunn, so Keursten, diese müsse aber erst noch renoviert werden. Auf privater Basis gebe es eine Wohnung in der Hinterbach, die aktuell vorrangig für eine Familie zur Verfügung stehe.

Beisel lobte die fünf jungen Männer als „tolle Jungs“. Er plane bei gutem Wetter ein Grillfest, damit sich „alle ungezwungen treffen können“. Koutaiba, Havon und Khalil waren mit ihm zu dem Treffen gekommen. Sie drückten ihre Freude darüber aus, in Rothenberg gut untergebracht sein und dankten für die nette Aufnahme durch die Bevölkerung. Koutaibe ergänzte, er wolle sich gerne einbringen und „hier etwas tun“.

Laut Braner ist das Hauptproblem, „dass es bereits Juli ist“ und im Falle der Syrer noch nichts entschieden sei. Seiner Meinung nach „ist es ein Trauerspiel“, dass ein hoch organisiertes Land wie Deutschland so lange brauche, bis ein Bescheid eintreffe. Die Menschen lebten ewig in Ungewissheit. Er regte an zu prüfen, ob die Kommune nicht Ein-Euro-Jobs anbieten könne, damit die jungen Männer auf diese Weise eine Tätigkeit hätten.

Aber auch hier spiele wieder die sprachliche Qualifizierung eine Rolle, meinte er. Braner regte deshalb an, ob man nicht auf ehrenamtlicher Basis Sprachkurse anbieten könne – entweder so lange, bis die Flüchtlinge die Integrationskurse besuchten oder auch danach weiterhin unterstützend, um das Einleben zu erleichtern. Ziel müsse es natürlich vorrangig sein, die Menschen „in die offiziellen Kurse zu bringen“.

In der Diskussion wurde die Vernetzung mit den „Kümmerern“ aus Beerfelden angeregt. Hierzu soll ein Vertreter dieses ehrenamtlichen Kreises zum nächsten Treffen am Dienstag, 5. Juli, 19 Uhr, ins Rathaus eingeladen werden. Gleichzeitig kam aber die Anregung aus der Runde, doch einfach mal auf die Asylsuchenden zuzugehen, das Gespräch zu suchen. Denn ein wenig Deutsch können die fünf schon. Dieser „kleinere Rahmen“ wurde als sinnvoller erachtet als die große Runde im Ratssaal, bei der sich die Syrer etwas verloren vorkamen.

Bis zum nächsten Treffen soll es aber auch noch ein paar andere Vorarbeiten geben. Die Ehrenamtlichen wollen zusammenstellen, was wer bieten und organisieren kann. Parallel will man die Asylsuchenden dahingehend abfragen, woran aus ihrer Sicht Bedarf ist und was sie sich von den deutschen Gastgebern wünschen.

Bürgermeister Keursten dankte in diesem Schlusswort den Anwesenden für ihre Bereitschaft sich zu engagieren. „Warten wir ab, wie es sich in den nächsten Wochen entwickelt“, sagte er. Aktuell würden zwar keine weiteren Flüchtlinge zugewiesen, „aber wer weiß, was morgen ist“. Denn in Griechenland oder Italien kämen nach wie vor viele Menschen an, die dort sicherlich nicht alle blieben.

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