Die Pionierzeit der Fotografie wird bei einer Ausstellung im Hirschhorner Langbeinmuseum lebendig

„Alt Process Photography und Objektkunst – aus der Entwicklungs- und Asservatenkammer“ heißt die neue Ausstellung des Freundeskreises Langbein’sche Sammlung. Sie wird am Samstag, 2. Juli, 17 Uhr, im Langbeinmuseum Hirschhorn eröffnet. Die Begrüßung übernimmt Vorsitzender Dr. Ulrich Spiegelberg, für die musikalische Umrahmung sorgt Richard Köhler auf der Gitarre.

Günther Wilhelm, Fotokünstler aus Ludwigshafen, zeigt hier Werke aus seinem reichen Schaffen. Mit seinem Werk hebt er sich eindrucksvoll aus der breiten Gegenwartsfotografie ab, vor allem durch seine Cyanotypien und Gummidrucke oder mit seinen mittels Lochkamera entstandenen Lichtbildern.

Es scheint fast paradox: Dank der Beherrschung früherer, heute fast vergessener fotografischen Entwicklungstechniken aus der Pionierzeit der Fotografie gelingen ihm atmosphärisch dichte Abbildungen mit einer individuellen außergewöhnlichen Sicht auf die Welt unserer Gegenwart. Jedes Fotopositiv gerät zudem zu einem Unikat, das in aufwändiger Handarbeit entstanden ist und immer wieder Nuancen eines Motivs freigibt und zugleich den Betrachter verzaubert.

Wer kennt noch den Lith Print, einen Abzug, den man ohne zusätzliche Tonung je nach Papier, Entwickler und Belichtung mit eher zartem Kontrast in der Helligkeit und etwas härter im Schatten von Warm-Schwarz bis Ocker variieren kann, so dass durch den Verarbeitungsprozess jedes Bild einmalig wird. Kaum einer weiß heute noch um den 1834 von William Henry Talbot entwickelten Salzdruck (Talbotypie), der heute als das Ur-Negativ/Positivverfahren der Fotogeschichte gilt. Souverän wird von Wilhelm auch der Gummidruck beherrscht, ohne Zweifel die Königsdisziplin mit einer fast unbegrenzten Auswahl an Basispapieren oder Farbtönen und einer großen gestalterischen Palette, der aber beim Entwicklungsprozess Geduld und hohes Können verlangt.

Wer kennt und beherrscht noch die 1864 erfundene Cuprotypie, die auf der Lichtempfindlichkeit eines Gemisches aus Kupferchlorid und Eisenchlorid beruht, oder die Cyanotypie (Eisenblaudruck) aus dem Jahr 1842 ? Den verschiedenen Photographien, durch Photo-und Entwicklungstechnik zum singulären Objekt geworden, ist Objektkunst gegenübergestellt. Ein Objet trouve – so wird ein Kunstwerk bezeichnet, das aus vorgefundenen Alltagsgegeständen oder sogar vordergründig aus Abfall entstanden ist.

Der 1949 in Ludwigshafen geborene Künstler entschloss sich nach dem Studium an der Freien Akademie/Werkkunstschule Mannheim für eine freiberufliche künstlerische Tätigkeit, daneben immer wieder eine freie Dozententätigkeit, Lehrtätigkeit und Workshops für Drucktechniken, Radierung, Lithographie, Edeldrucke in seiner Druckwerkstatt für Radierung und Lithographie „HartmannStrasse 45“. Neben verschiedensten Kunstpreisen blickt Wilhelm auf eine Reihe nationaler und internationaler Kunstausstellungen, Werke von ihm finden sich in renommierten Museen und Sammlungen. Zur Ausstellung erscheint auch ein Katalog, der zu den Objekten und Photographien Texte und Interpretationen renommierter Autoren bietet.

Info: Die Ausstellung ist vom 2. Juli bis 24. August in den Räumen der Wechselausstellungen im Erdgeschoss des Museums Hirschhorn, Alleeweg 2, zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 12 Uhr und Sonntag 15 bis 17 Uhr.

Gum Bichromat
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