Die Pionierzeit der Fotografie wird bei der Ausstellung von Günther Wilhelm im Hirschorner Langbein-Museum lebendig

Werke von Günther Wilhelm sind bis zum 24. August unter dem Titel „Alt Process Photographie und Projektkunst – aus der Entwicklungs- und Asservatenkammer“ im Hirschhorner Langbein-Museum zu sehen. Der Ludwigshafener Fotokünstler zeigt Arbeiten aus seinem reichen, jahrzehntelangen Schaffen. Zur Eröffnung sprach der Vorsitzende der Langbein-Freunde, Dr. Ulrich Spiegelberg, einleitende Worte. Für die musikalische Umrahmung sorgte Richard Köhler auf der Gitarre. Ins Werk des 67-Jährigen führte Ludwig Schmeisser in Form eines Künstlergesprächs ein.

Spiegelberg stellte den Bezug zu Carl Langbein her, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr begangen wird. Wie auch Wilhelm sei dieser ein „Augenmensch“, der Bilder festhalten wolle. Früher durch die Malerei, sei dies später durch die Fotografie geschehen, die inzwischen auch auf eine lange Geschichte zurückblicken könne. Bei beiden handle es sich um „Handwerk“, aus einem Bild etwas Besonderes zu machen.

Spiegelberg ging auf die von Wilhelm verwendeten Techniken ein, alle über 100 Jahre alt. Es sei eine „tolle Sache“, meinte er, dass damit Effekte erreicht werden könnten, die heute aus dem Computer kämen. Auch Carl Langbein sei eine Art Handwerker in seinem Metier gewesen, meinte er. Der Vorsitzende wies darauf hin, dass ein Katalog zur Ausstellung erschienen sei.

Mit seinem Werk hebt sich Wilhelm eindrucksvoll aus der breiten Gegenwartsfotografie heraus, vor allem durch seine Cyanotypien und Gummidrucke oder mit seinen mittels Lochkamera entstandenen Lichtbildern. Es schein fast paradox: dank Beherrschung früherer, heute fast vergessener fotografischen Entwicklungstechniken aus der Pionierzeit der Fotografie gelingen ihm atmosphärisch dichte Abbildungen mit einer individuellen außergewöhnlichen Sicht auf die Welt unserer Gegenwart. Jedes Fotopositiv ist ein Unikat, in aufwändiger Handarbeit entstanden, das immer wieder Nuancen eines Motivs freigibt und zugleich den Betrachter verzaubert.

Der 1949 in Ludwigshafen geborene Wilhelm entschloss sich nach dem Studium an der Freien Akademie/Werkkunstschule Mannheim 1976 für eine freiberufliche künstlerische Tätigkeit. Daneben war er immer wieder als freier Dozent tätig. Ein Künstlerporträt erfolgte 2007 auf SWR 3 und 2015 durch eine Filmpräsentation von Artmetropol. Neben verschiedensten Kunstpreisen blickt Günther Wilhelm auf eine Reihe nationaler und internationaler Kunstausstellungen. Werke von ihm finden sich in renommierten Museen und Sammlungen.

Schmeisser verlas eine Rede des SWR-Redakteurs Andreas Berg, die dieser aus Termingründen nicht selbst halten konnte. Demnach falle Wilhelms Arbeit aus allen heraus, was man sonst an Gegenwartsfotografie kenne. Jedes Bild sei ein Unikat, in dem tagelange Arbeit stecke. Berg lobte die handwerkliche Präzision und große Detailgenauigkeit.

Info: Die Ausstellung ist bis 24. August im Erdgeschoss des Museums Hirschhorn, Alleeweg 2, zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 12 Uhr und Sonntag 15 bis 17 Uhr.

Advertisements